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Hr. 290 Zweites Blatt

Oberheffen.

Landkreis Gictzen.

g. Klein-Linden. 10. Dez. Aus der jüng­sten Sitzung des Gemeinderats ist folgendes ju berichten. Gegen die Ortssatzung über die Er­hebung der Kanalgebühren hatte eine Anzahl Ortseinwohner Einspruch erhoben. Der Einspruch wurde aber vom Gemeinderat als un­begründet erachtet. Ein Ausschlag der Kanal­gebühren im Sinne der Reklamantanten ist un­zulässig, da es sich bei den Kanalgebühren nm dingliche Ansprüche handelt. Dem Wunsche der Reklamantanten hinsichtlich der Belastung der Richthausbesitzer wurde insofern Rechnung getragen, als der Hausbesitzer berechtigt ist. 40 v. H. der Kanalgebühren auf die Mieter nmzulegen. Auf Ersuchen des Elektrizitätswerkes Gießen werden die zur Zeit bestehenden Strom­preise, bei Streichung der früheren Preise, als Be­standteil des bestehenden Vertrags beschlossen. Gegen den Bau der Kläranlage wurden fron verschiedenen h-esigen Einwohnern, sowie von den Gemeinden Allendorf und Heuchelheim Ein- stzrüche erhoben, die inzwischen erledigt worden find. Die getroffenen Vereinbarungen wurden vom I Gemeinderat bestätigt. Die Beschlußfassung über die Ausführung einer Kanalteil- st r e ck e am Friedhofsweg wurde zurück- g-est e l l t.

ck. Heuchelheim, 10. Dez. Sn der jüngsten Gemeinderatsfitzung machte Dürgermei- j fter Rinn eine Mitteilung des Kreisamtes Gie­ßen bekannt, wonach mit einem Ausfall an bcc Lieberweisung von Einkommen- und Körper­schaftssteuer von 27 Prozent für das Rechnungs- , fahr 1931 zu rechnen sei. Der hierdurch bedingte Fehlbetrag könne in unserer Gemeinde durch I Mehraufkommen von anderen Steuern und durch Ersparnisse gedeckt werden. Die Gemeindever- iaaltung hofft, wenn nicht noch besondere Be­lastungen eintreten, mit den vorhandenen Mitteln bis zum Schlüsse des Etatsjahres auszukommen. Die Sammlung der Winternothilfe hotte auch in unserer Gemeinde ein gutes Ergeb­nis. Der überschießende Teil der Sammlung, der hier nicht benötigt wurde, wird an das Wvhl- sahrtsamt Gießen abgegeben. Die Reichswehr be° forderte diese Liebesgaben mit zwei Fuhrwerken noch Gießen.

£ Alten-Buseck, 10. Dez. Am Sonntag­abend veranstaltete der hiesige Frauenchor sei­nen diesjährigen Familienabend. Der Ein- labung waren so viele Einwohner unseres Ortes gefolgt, daß der Rühlsche Saal gut besetzt war. Pfarrer R a u m a n n begrüßte zu Beginn die zahlreichen Besucher. Das reichhaltige und ab- d>cchslungsreiche Programm brachte für mehrere Stunden $ute Unterhaltung. Drei flott auf« ; geführte Theaterstücke wechselten ab mit zahlrei- h<n Liedern des Frauenchors unter Leitung sei­nes Dirigenten R i c o l a i. Die Darbietung der Lieder zeigte, daß in dem Chor seit seinem Be­stehen schon wertvolle Arbeit geleistet worden ist. x Herr Ricolai und Sohn brachten außerdem nod) einige Stücke für Klavier und Geige schön jit Gehör. Zum Schluß dankte Pfarrer Rau- mann allen Mitwirkenden, besonders unserer Krankensch <vester und Lehrer R a n f t, die die Einübung der Theaterstücke übernommen hatten.

r. Lang-Göns, 10. Dez. Bei der V i e h - »Öhlung am I. Dezember wurde hier folgender Viehbestand festgestellt: 159 Pferde, 980 Rind- bi eh, 180 Schafe, 1383 Schweine, 107 Ziegen, 5358 6lud Federvieh und 31 Bienenvölker. Haus- fHlachtungen vom 1. September bis 30. Rovern- ber: 120. Die Holzhauerarbeiten in ben hiesigen Gemeindewaldungen haben in dieser Woche begonnen. Es sollen einige Hundert Raum- m (ter Holz mehr geschlagen werden als im letzten Winter. 48 Arbeiter finden dabei für die nächste 3«it Arbeit und Verdienst.

s. LItphe, 10. Dez Lehrer Wolff, der über eirn Jahr die hiesige zweite Schulstelle verwaltete, warde nach Köddingen, Kreis Schotten, ver­leiht. Als Rachsolgerin wurde die Lehrerin Frl.

A1BERT H. RAUSCH

Unterwegs

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VII. Allegro moderato.

Morgens ganz früh mit dem Dampfer aus 2lfrika in Neapel. Gleißendes Lichl. Maitag. Die Stadt u.belt sich in schon heiße Bläue hinaus Schwalben (freien. Hinreißende Schreie. Glück des Erwacht- eins. Gesammeltes Hinfausen um den Bug des Schiffes. Es ist noch still im Hasen Wenig Men|chen [teigen in den wartenden Zug nach Rom. Die meisten [a i>ren mit dem Dampfer nach Genua weiter. Es ist: unbeschreiblich schwer, nicht in Neapel zu bleiben, unb sei es nur einen Tag. Einen einzigen, solchen leg. Er wiegt ein halbes Jahr Nebel und Norden awi. Grauenhafter Norden ... Wenn ich ihn nur öe*ite, packt mich schon das Unbehagen ... Aber itz muß weiter nach Florenz. Selbst in Rom ist mir te ine Rast gestattet. Ich lasse mir aus einer nahen 8 ir einen Espresso und ein Biskuit holen, esse tirb trinke, auf ein paar aufgestapelten Koffern fickend ... Diese Sonne, diese rauschende Sonne tuife dustgefüllte Brise, die nun anhebt ... Neapel: bu Grundwert meines Daseins. Du Element, un- w.mdelbar ... Eine halbe Stunde später fliegt der Zng gegen Formia zu, am Meer entlang. Grau­st Ntzs Meer: dich so dem Liebenden zu zeigen, der unter muß. O Gaeta, schlehenblütenweiß in die re-zungslose Flut hinausg choben ... Vorbei ... 8 irge zur Rechten. Duftblau. Das Licht fließt an öe-i Graten nieder wie flüssiger Schnee. Ginster '$ jt. Städte lohen auf kahlen Kuppen. Rosen stürzen om Terrassengeländern. Ich schließe die Vorhänge bc*i Abteils, in dem ich allein bin. Ich kann nicht m ihr sehen. Purpurne Dämhierung um mein eignes hmdärnrnern. Plötzlich Rom Habe ich geschlafen? il Tisteigen. Drüben, ein paar Gleise weiter, wartet der 9hpibo. Schon will ich dem Träger Weisung geben. Di fällt es über mich: Nein. Nein. Mögen sie m.crten in Florenz. Mögen sie zehnmal warten. Ich vNsündige mich nicht am Geiste dieses Tages, am @ aste der Ewigen Stadt. Ich bleibe über Mittag in Rom Ein Jubel ist diese Entscheidung. Das I»<päck an die Aufbewahrungsstelle. Nasch hinüber in - Continental. Ein Bad. Eine eiskalte Dusche, (fii Frühstück. Und dann hinaus. Keinen Wa­gst ... Ach nein, keinen Wagen Ich stehe auf der Piazza delle Terme. Ich stehe und hebe die Hand vor die Augen. Licht. Licht. Wie lie Wasser des Brunnens fünteln. Wie die Wasser

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

Srdtag, 11. aezemver 195f

Eidenmüller, die bisher in Muschenheim tätig war, bestimmt.

KreiS Schotten.

D Laubach, 10. Dez. Am Sonntagnachrnit- tag hielt im Gasthaus3ut Traube" der hiesige Gewerbeverein anläßlich der Lieberreichung der Gesellenbriefe eine Mitgliederver­sammlung unter dem Vorsitz des Spenglermei­sters Friedrich Söll ab. Zunächst sprach der Syndikus der Handwerkskammernebenstelle Fried­berg, Dr. Reif, über Aufgaben und Ziele der Handwerkskammern. Hierauf händigte Prüfungs­meister Friedrich D ö l l an 9 Lehrlinge und drei Lehrmädchen, die sich der Gesellenprüfung mit Er­folg unterzogen hatten, nach ermahnenden Worten die Gesellenbriefe aus. Es waren dies 3 Bäcker, 2 Schreiner, 1 Schmied, 1 Schlosser, 1 Installa­teur, 1 Maurer und 3 Schneiderinnen.

KreiS Alsfeld

** Alsfeld, 9 Dez. Das Gießener Stadt­theater gastierte am vorigen Sonntag hier mit dem LustspielMarguerite: 3" von Fritz Schwiefert. Das unterhaltsame Theaterstück fand lebhaften Bei­fall beim Publikum. Die schauspielerischen Leistungen standen auf voller Höhe. Der gute Besuch der Vor­stellung bewies, daß hier nach wie vor großes In­teresse für die Gastspiele des Gießener Stadttheaters besteht. Dieser Tage hielt Dr. Kroeber im Physiksaal der Oberrealschule den zweiten Vortrag seiner VortragsreiheModerne Kun ft". Der Vortragende verstand es ausgezeichnet, feine Zuhörer in die Probleme und Richtungen der mo­dernen Kunst einzuführen. Von dem schon vor dem

Weltkrieg aufgekommenen Expressionismus aus­gehend, behandelte Dr. Kroebet den Futurismus und den Kubismus. Zahlreiche gute Bildwerke lie­ßen das Charakteristische der einzelnen Richtungen erkennen. Die zahlreichen Zuhörer dankten dem Vortragenden mit starkem Beifall.

Kirche und Schule.

§ Engelrod, 8. Dez. Rachdem unser großes Kirchspiel mit seinen fünf Dörfern seit dem Weg­gang von Pfarrer D o h e r t ein volles Sahr lang verwaist war, konnte unsere Pfarrstelle jetzt wieder beseht werden. Die Ordination des neuen Geistlichen, Pfarrverwalter Michel, fand am Sonntag, 2. Advent, in unserem dicht gefüll­ten Gotteshaus statt und gestaltete sich für die Gemeinde zu einer erhebenden Feier. Dekan Schlösser, Lauterbach. Helt die Ordimtions- ansprache. Pfarrer Michel legte bunn fein Ordinationsgelübde ab, empfing die feierliche Ein­segnung zum geistlichen Amt, an die sich die Segensworte der beiden assistierenden Geistlichen anschlossen, und hielt darauf die Predigt. Der Gottesdienst nahm sodann den üblichen Verlauf. Die erhebende Feier, mit der die fast einjährige Vakanz ihr Ende gefunden hat, wird der Ge­meinde noch lange in Erinnerung bleiben. Zu ihrer feierlichen Ausgestaltung trugen die klang­voll vorgetragenen Chöre des Kirchengesangver­eins unter Leitung von Lehrer S t ö ck l e i n we­sentlich bei. Hoffentlich bleibt unserem großen Kirchspiel, das erst im Jahre 1928 sieben Monate lang ohne Pfarrer war, in Zukunft ein derartiges langes Verwaistsein erspart.

S.Jl-tfport

Das OeutscheTumfest 1933 findet statt

Tagung des Turn-Ausschusses in Berlin.

Unter Leitung des Oberturnwarts Steding, Bre­men, trat am Samstag der Gesamtturnausschuh der Deutschen Turnerschaft in der Deutschen Turn­schule in Berlin zu einer zweitägigen Sitzung zusammen. Bedeutungsvoll waren die Verhand­lungen über das Deutsche Turnfest. Alle das Fest betreffenden Fragen wurden den Fach- Ausschüssen zur weiteren Bearbeitung über­wiesen. Grundsätzlich wurde vom Tum-Ausschuh beschlossen, daß trotz der Rot der Zeit an der Abhaltung des Deutschen Turnfestes 1933 in Stuttgart festgehalten wird.

Handball im Labn-Dünsbera-Gau

Am kommenden Sonntag wird mit einigen Spie­len die Meisterschaftsserie fortgesetzt. Sn der Gauklasse stehen sich GarbenteichLondorf, AllendorfStaufenberg und AtzbachDorlar ge­genüber. Sm ersten Spiel sollte Garbenteich den Sieger stellen, Allendorf sollte das Spiel gegen Staufenberg auf eigenem Platze gewinnen, zwi­schen Atzbach und Dorlar dürfte sich ein harter Kamp» entwickeln, Ocffen Ausgang mit Sicher­heit nicht vorauszusagen ist.

Sn der Bezirksklasse ist ebenfalls eine Reihe von Spielen vorgesehen: Sm Bezirk I treten Waldgirmes Launsbach und GarkxnheimRod­heim auf den Plan, im Bezirk II stehen sich Rut­tershausen-Allertshausen und RordeckLollar II gegenüber; im Bezirk III kämpfen SteinbachHau­sen, Hausen IIBurkhardsfelden und BeuernAl- bach. Sn der Sugendklasse ist lediglich das Spiel DorlarGarbenheim vorgesehen.

Erda 1 Launsbach I 1:4 (1:1).

Der Plahbesitzer tonnte in der 7. Minute seinen einzigen Erfolg erzielen, dem die Gäste erst kurz vor Seitenwechsel den Ausgleich entgegensetzten. Rach der Pause zeigte Launsbach die besseren Leistungen und vermochte durch drei weitere Tore den Sieg sicherzustellert.

$(£. ,,Teuionia"Watzenbom-Sieinberg

Die erste Mannschaft des SC. 1921 Saubringen trat am vergangenen Sonntag in Steinberg zum fälligen Verbandsspiel an. Trotz mäßiger Bo­denverhältnisse begann das Spiel mit einem recht schnellen Tempo. Saubringen verlegt sich auf schnelle (Durchbrüche und konnte auch das erste für sie jedoch auch das einzige Tor erzielen. Beide Mannschaften kämpften mit aller Energie

um Sieg und Punkte. Steinberg kam dann all­mählich auf und stellte das Resultat bis zur Halbzeit auf 2:1. Sn der zweiten Halb,eit war die Plahelf tonangebend. Ein Handelfme.er wurde verschossen. Das Resultat am Schluß lautete 4:1 für (Steinberg.

Sie zweite Mannschaft spielte in Leihgestern und konnte zwei Punkte mit nach Hause nehmen. Leihgestern verzichtete auf die Punkte und stellte den Gästen eine aus der ersten und zweiten Mannschaft kombinierte Elf entgegen. Trotzdem holte die zweite Mannschaft Steinbergs ein ehrenvolles 6: 4°Resultat heraus.

FC. 1929 Klein-Linden.

Sie 1. Sugenö des FC. Klein-Linden spielte gegen die 1. Sugenö von Ettingshausen und konnte gegen die körperlich sehr überlegenen Gäste ein Unentschieden von 2:2 halten. Sie Klein-Linde­ner traten mit nur 10 Mann an.

Arbeiter Turn und (Sportbund

Zum vorletzten Sonntag der diesjährigen Kreis­klassenserie ist Wieseck I in Erbstadt zu Gast. Sm Vorspiel blieb Wieseck verdient Sieger. Erbstadt hat inzwischen aber an Spielstärke gewonnen und wird den Vorteil des eigenen kleinen Platzes aus- zunuhen wissen. Eine Riederlage der Gäste liegt durchaus im Bereich der Möglichkeit.

Sn Heuchelheim wird Sorheim I zum Rückspiel erwartet. Sn den beiden Mannschaften stehen sich gleichwertige Gegner gegenüber; Heuchelheim sollte aber als Plahelf, wenn auch knapp, so doch den Sieger stellen.

Rieder-Florstadt I ist in Raunheim zu Gast. Auch dieses Spiel dürfte Raunheim als Sieger sehen.

Lim die Bezirksmeisterschaft der zweiten Be­zirksklasse stehen sich Großen-Linden I und Lon­dorf I in Großen-Linden gegenüber. Sn diesem Spiele dürften die Platzbesiher die Besseren sein.

Allendorf (Lahn) I Saasen I spielen in Allen­dorf. Sie Allendorfer werden sich den Sieg kaum nehmen lassen.

Kurze Sportnotizen.

Erfolge des Tanzklubs Rot-Weiß Gießen. Auf dem am Samstag in Heidelberg durchgeführten Tanzturnier konnte Herr Labe- r e n z mit Fräulein Wehrum in der 8-Klasse trotz schwerster Konkurrenz den 3. Preis erringen.

3um Kampf um die deutsche Wafferballmeisterschaff.

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Die wiuiuqajup J) e 11 u » Magdevurg, oie Oeu Xiiei verteidigt. Oven links: I. Rademacher, ouju.j und E. Rademacher (Tor). In der Mitte: Schumburg. Unten rechts: Cordes, Amann unb Benecke. Der Kampf um die Deutsche Wafserballmeisterschaft wird am 13. Dezember im Wellenbad in Berlin-Halensee zwischen Hellas Magdeburg und Schwimmclub Weißensee 96 ausgetragen.

der Gießfässer sprühen ... Wie die Schatten der Arkaden schon mit Kühle winken ... winken ... winken ... In den Palmenblättern raschelt es Der Morgenwird ... Woher? Heller, frischer Wind aus den Sabinerbergen .. Unruhiger, treibender Wind ... Immer noch stehe ich ... Die Wagen sausen, die Bahnen kommen und gehen ... pünktlich und freundlich ... Oh, ihr lieben, alten vertrauten Nummern . Wieviel Erinnern ist an euch. Wo­hin? In diesen vi?r Stunden, die mir bleiben, wohin? Ich brauche nicht zu wählen. Ich weiß es. Ich wußte es schon, als ich den Entschluß faßte, die N^isc ZU unterbrechen Auf das Forum Auf den Palatin. Zu Fuß durch die Straßen Kreuz und quer. Wie gerade irgendein. Bild die Sinne lockt. Von euren Wänden, ihr geliebten Mauern, über denen Wipfel wiegen, möchte ich mein verrauschtes Geben wiedernehmen, um das ihr wißt aus soviel Jahren ... Verrauschtes Leben, nie vertanes Leben. Verschwendet oft, vergeudet nie ... Was bleibe ich nur an der Piazza S. Silvestre stehen? Vor der Post? Ich denke, sinne zurück ... Wie oft bin ich hier noch nachts hergekommen, um eine Depesche zu schicken, einen Eilbrief einzuwerfen Wieviel Wünsche, 'Sehnsüchten, Traurigkeiten, Erfülltheiten meines Herzens sind von hier in die Länder ge­flogen ... Welche Jahre des Aufgangs wurden hier geformt, gelebt ...Wo sekd ihr, Empfänger dieser Botschaften? ... Weiter, weiter ... Durch den Korso nach dem Fprum hinüber. Da ist das schöne Geschäft, wo man die ausländischen Tabake bekommt Dieser Tag ist ein Feiertag. Ich kaufe mir eine Schachtel Dimitnno und eine große, feuchte Partagas. Orient und W> stindien. Andere Bläue, andere Erde. 2lber südliche Erde ... Südliche Erde ... Ich weiß, wo ich diese große, feuchte, grün- gefleckte Partagas später rauchen werde ...

Dann liege ich bei heißem Trümmcrftein im Gras des Palatin, hoch über Rom Eidechsen sitzen neben mir, ganz still. Ich rühre mich nicht. Winden blühen in einem Lorbeerbusch Die Lüfte flirren ... Pa­latin ... Wie es im Obre raunt ... Wie die Ge­zeiten auslöschen ... Plötzlich: dies ist das Zeitjen­seitige ... Dies ist die Ewigkeit ... Daß wir uns so lösen können von unserem Körpersein ... Rom: Heimat der Welt.

Zwei Stunden später sitze ich auf der schattigen, engen Terrasse meines geliebten Ristorante Roma, dicht bei der Fontana Trevi. Ich habe unheimlich schweren Sardinierwein getrunken ... Nun verweht er langsam im Dufte der Partagas ... Duft vorn Mittelmeer im Duft des Karibischen ... Es war Zeit aufzubrechen ... Noch mußte ich die Geldstücke in die kristallklaren, graugrünen Wasser der Fontana Trevi werfen: den Sold der Wiederkehr.

Nobel-Friedenspreisträger:

Jane Addams und N. Murray Butler.

WTB. Oslo, 10. Sez. Sas Robel-KomUee des nortoegischen Sterling hat den Röbel» Friedenspreis für 19 31 je zur Hälfte Sane A d d a m s und Richolaus Murray But­ler, dem Präsidenten der Columbia-LIniver- sität, LISA., verliehen. Sane Addams ist die Gründerin der sozialen Siedlung Hullhouse bei Chikago. Sie hat zahlreiche Werke sozialen Sn- Halts veröffentlicht. Bemerkenswert ist noch, daß Sane Addams il a. gleich nach dem Kriege eine Lebensmittelaktion für die notleidende Bevöl­kerung Seutschlands eingeleitet hat

Sn Anwesenheit des Königs, des Kronprinzen, des Stortingpräsidenten d r Mitglieder der Re­gierung, des diplomatychen Korps und der wissenschaftlichen Institute erfolgte heute mittag in dem hiesigen Robel-Snstitut die Ll e b e r - reichung des Friedenspreises an Sane Addams und Richolas Murray Butler. Rachdem der Präsident des Robel-Komitecs, Pro­fessor Stang, unter allgemeinem Beifall die Ramen der Preisträger verkündet hatte, feierte der Historiker Hakvdan K o h t deren Verdienste um den Frieden Er erklärte, daß mit gutem Grunde in den letzten Sahren so viele Friedens­preise nach den Vereinigten Staaten gegangen seien. Sie diesjährigen Träger des Preises seien zwei der hervorragendsten Vertreter des ameri­kanischen Idealismus. Sn Frau Addams werden die Arbeit der Frauen zur Förderung des Frie­dens und der Brüderlichkeit unter den Völkern geehrt. Sie sei der lebende Ausdruck der besten Seiten des weiblichen Wesens, das dazu bei­tragen werde, den Frieden auf Erden zu schaffen. Beide Preisträger hätten große Ver­dienste um das Zustandekommen des Kellogg» Paktes, indem sie in hervorragendem Maße dazu beitrugen, die Söeale des Friedens in den Herzen der Menschen zur lebendigen Wirklich­keit werden zu lassen und die notwendige Grund­lage für die Bemühungen der Staatsmänner und Politiker zu schaffen.

Nob« «fest und Nobelbankett.

WTB. Stockholm, 10. Dez. Im großen Saale des Stockholmer Konzerthauses wurde heute abend das diesjährige N o b e l f e st unter den traditio­nellen Formen in Gegenwart des Königs, einer großen Anzahl der übrigen Mitglieder des könig­lichen Hauses, der Regierungsmitglieder und des

diplomatischen Korps gefeiert. Der frühere Minister­präsident Hammerjkjöld, Vorsitzender der Nobelstiftung, hielt die Begrüßungsrede. Der Pro­fessor an der Technischen Hochschule Stockholm, Will). Pa Im o er, schilderte in einer längeren Ansprache die Forschungen und die Forschungsergebnisse der deutschen Professoren Bosch und Sergius. Dar­auf nahmen die beiden deutschen Gelehrten aus der Hand des Königs ihre Preise entgegen.

Das Mitglied des Nobelkomitees für Physiologie und Chemie, Professor Hannarsten, feierte in einer Rede die Leistungen des medizinischen Preis­trägers Professor Otto W a r b u r g. Nachdem auch Professor Warburg seinen Preis erhalten hatte, hielt der schwedische Dichter Anders O e ft e r l i n g eine Rede über die Bedeutung des verstorbenen schwedischen Lyrikers Erik Axel Karlfeldt, der mit dem diesjährigen Literaturpreis geehrt wurde.

Die Feier schloß mit einem Volkslied aus Dale- farlien, der Heimatprovinz Karlfeldts, und mit der schwedischen Nationalhymne.

*

An die Ueberreichung der Nobelpreise im Stock­holmer Konzerthaus schloß sich am Donnerstag das große Nobelbankett an, alljährlich die fest­lichste Veranstaltung des Stockholmer Gcsellschafts- lebens. Von den Prinzen des königlichen Hauses führte Prinz Eugen (Bruder des Königs) die Gattin des deutschen Gesandten o. Rosenberg zu Tiich, Prinz Gustav Adolf Frau Geheimrat Bosch und Prinz Sigwart Frau Dr. Sergius. Außer den drei deutschen Nobelpreisträgern saßen ferner an der Ehrentafel der deutsche Gesandte, Sven H e d i n, Selma L a g e r l ö f der schwedische Außenminister und Vertreter der Familie Nobel. Für die Preis­träger sprach der schwedische Prof. O s e e n. In sei­ner Dankesrede sprach Geheimrat Bosch über die Beziehungen zwischen Technik und Wissenschaft. Un­ter ben Preisträgern befänden sich diesmal statt Fachgelehrten zwei Techniker, aber Alfred Nobel sei ja selbst Techniker gewesen und würde die Auszeich­nung an Nichtwissenschafller sicher gutgeheißen haben. Dr. Bosch leerte sein Glas auf das Wohl der Akademie der schwedischen Wissenschaften. Gene­raldirektor Dr. Sergius hob hervor, daß die Technik in Schweden sehr doch entwickelt sei, daß man sogar was in wen.gen Ländern der Fall sei eine Akademie der Ingenieurwissenschaften be­sitze. Das Land Alfred Nobels sei auf vielen tech­nischen Gebieten als Pionier vorangegangen. Dr. Bergius brachte einen Trinkspruch auf die Familie Nobel aus. Als letzter hielt Prof. Warburg eine Ansprache und dankte für die Auszeichnung, die ihm zuteil geworden war.