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habe sich daher aus diesen Gründen veranlaßt gesehen, gemeinsam mit dem Vertreter der öster­reichischen Regierung bereits vor dem Zu­sammentritt des Rats im Europaaus­schuh eine Verzichterklärung abzugeben. Es sei weiter hervorzuheben, daß öte deutsche Regierung bei dem Abschluß des Zollunionsprotokolls mit Oesterreich von wirtschaftlichen Zielen ausgegangen sei: daher habe der Abbruch der Aktion gleichfalls imRahmen der wirt­schaftlichen Aussprache des Guropa­ausschusses vorgenommen werden müssen. Rur auf diese Weife sei es möglich gewesen, eine größere politische Aussprache zu vermeiden. Ferner wird betont, daß eine Abgabe der Verzichterklärungen im Rat zwangs­läufig von der Gegenseite dazu ausgenutzt worden wäre, über die reine Rechtsfrage hinaus d i e bekannten politischen Gesichts­punkte der den Zollunionsplan ablehnenden Regierungen vorzubringen. Hierdurch wären die bestehenden Gegensätze dieser Frage vonneuem und in verschärfter Form zum Ausdruck gekommen. Eine derartige Diskussion habe die deutsche Delegation aber vermeiden müssen. Ferner sei es wesentlich gewesen, daß in der die Verhandlungen im Rat abschließenden Erklärung des Ratspräsidenten keine Wiederholung der von Deutschland und Oesterreich bereits im Curopa- ausschuh abgegebenen Derzichterklärung erfolgte. Das sei erreicht worden.

Gemischte Gefühle in Genf.

Das Haager Gutachten das Ergebnis einer politischen Kombination

London. 7. Sept. (Reuter.) Die Entscheidung des Haager Gerichtshofes über die Zollunion ist in Völkerbundskreisen mit geteilten Gefühlen ausge­nommen worden. Die Auffassung der Minderheit der Richter, daß die Union sich mit St. Germain und dem Genfer Protokoll vertrage, hat in Völker­bundskreisen einen tiefen Eindruck gemacht. DerDaily Telegraph" bemerkt, in diplomatischen Kreisen werde die Verschiedenheit der Ansichten bei den Mitgliedern des Haager Ge­richtshofes als sehr unerfreulich betrachtet, weil sie mehr auf politische als auf rein juristische Erwägungen zurück,ührten. Es sei vielleicht zu bedauern, daß der Gerichtshof an­gesichts seiner Uneinigkeit es nicht vorgezogen habe, dem britischen und dem amerikanischen Rat zu fol­gen, der darauf hinauslief, sich für unzustän­dig zu erklären. Das Haager Gutachten, so schreibt u. a. auch dieDailn Mail", sei in Genf mit gemischten Gefühlen ausgenom­men worden. Die Art und Weise, durch die es zustande kam, habe Bedenken hinsichtlich der Unparteilichkeit des Internationalen Gerichtshofes heroorgerufen. Der Umstand, daß den Ansichten so hervorragender Juristen wie Sir Cecil Hearst, Adatschi und Kellogg von Richtern, die meist romanische Länder vertreten, Opposition gemacht wurde, habe in Völkerbundskreisen den Eindruck hervorgerufen, daß das Urteil das Ergeb­nis einer politischen Kombination war.

Bedingungslose Llebergabe der Aufständischen in Chile.

Buenos Aires, 7.Sept. (TU.) Rach einer Meldung aus Santiago de Chile haben sich die chile­nischen Aufständischen der Regierung bedin­gungslos ergeben. Die Nachricht löste in der Hauptstadt ungeheuren Jubel aus. Die Bevölkerung füllte die Straßen und tanzte und sang. In einer amtlichen Mitteilung wird festgestellt, daß die Waf- .fenstreckung der Aufständischen nach der An- drohung eines erneuten Bombarde­ments erfolgte.

Keine Verstaatlichung der Rigaer Oomkirche.

Riga, 7. Sept. (WTB.) In Lettland fand die Volksabstimmung über die unlänast vom Par- lament abgelehnte Vorlage statt, welche oie Verstaat­lichung der Rigaer deutschen Domkirche bezweckte. Die Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen betrug in Riga 96 000 bei ungefähr 250 000 Wahlberechtig­ten. Da für das Gelingen der Volksabstimmung eine Beteiligung von mindestens der Hälfte der gesamten Wählerschaft notwendig war, ist die Abstimmung gescheitert. Verhältnismäßig geringe Abstimmungsziffern werden aus der vor­wiegend katholischen Provinz Lettgallen gemeldet.

Oie Urteilsverkündung im Haag.

Der Präsident des Internationalen Gerichtshofs im Haag, Adatschi (Japan), verliest das Gutachten über die deutsch-österreichische Zollunion. Daneben rechts: Kellogg (Amerika).

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Vor Zusammentritt des britischen Parlaments.

Ein Aufruf Macdonalds an die Ration. - Oer König verfügt Kürzung seiner Zivilliste.

London, 7. Sept. (TU.) Ministerpräsident Macdonald erließ am Montagabend folgen­den Aufruf an die Nation:Die Re­gierung wird morgen dem Parlament ge­genüberstehen und wird ein Vertrauens­votum verlangen und zweifellos auch er­halten. Och wende mich an die Nation, mir auch ihrerseits ihr Vertrauen zu schenken und sich alle Gedanken aus dem Kopfe zu schlagen, daß die Krise, der wir uns gegenübersehen, nicht t a t- sächlicher und gefährlicher Art war oder, daß wir ihr mit irgendwelchen weniger durchgreifendenMahnahmen hätten zu Leibe gehen können, als wir morgen dem Parlament zur Billigung vorlegen werden. Wir müssen ihr mit allen ihren möglichen Folgen ins Auge sehen. Wir mußten entschlossen und schnell handeln, und die wichtige Tatsache, die wir bisher erreicht haben, ist, daß das Unterhaus morgen nicht einer Lage des finanziellen Zusammenbruches, sondern fertigen Vorschlägen, wie diese furcht­

bare Möglichkeit abzuwenden ist, gegenübersteht, um so das Land wieder ins Gleichgewicht zu bringen."

Der König, der heute den Premierminister empfing, gab diesem seine Absicht bekannt, die ihm ausgesetzte Zivilliste um 5 0 0 0 0 Pfund Sterling ( 1 Million Mark) verkürzen zu lassen, um so auch persönlich zur Herabsetzung aller Ausgaben beizutragen. Er fügte hinzu, daß auch die Königin und die andern Mitglieder der königlichen Familie, denen eine Apanage gebührt, den Wunsch hegen, daß diese reduziert werde. Macdonald sprach dem König und der königlichen Familie den Dank für dieses hochherzige Beispiel aus. Er dankte auch dem Prinzen von Wales, der, ob­gleich er keine Zivilliste erhält, ihm mitteilen ließ, daß er einen Betrag von 5000 Pfund ( 100 000 Mark) dem Staatshaushalt zuzuwenden gedenke.

Ein Siedlungsplan des Aeichsfinanzministers. Hunderttausend Wohlfahrtserwerbslose sollen durch Kleinsiedelung untergebracht werden.

Berlin, 7. Sept (ERB.) wie wir erfahren, hat Reichsfinanzminlster Dr. Dietrich dem Reichs- kabinett einen großzügigen Siedlungsplan vorgelegt, der in absehbarer Zeit 10 o. £). der wohlfahrtserwerbslosen unlerbrin- gen soll und damit als ein wertvoller Teilbeitrag zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit anzusehen ist. Der Dietrichsche Vorschlag zeigt der Siedlung einen ganz neuen weg. Das bisherige System der länd­lichen Siedlung begegnete aus psychologischen und aus finanziellen Gründen großen Schwierigkeiten. Der Reichsfinanzminister empfiehlt eine halb städtische, halb ländliche Siedlung. Rach seinem Vorschlag soll die Siedlung in der Räh e von St ädten erfolgen Der Boden soll aus städtischem und staatlichem B e - s i h hergegeben werden, von den Materialien, ;. B. das Holz, aus den staatlichen Forsten. Die Siedlung soll zunächst die kleinstmögliche Form be­kommen: Ein kleines primitives Haus mit zwei bis vier IHorgen Land Voraussetzung für die Verpach­

tung einer Siedlerslelle ist. daß der Pächter, dem übrigens für später das Lrwerbsrccht of­fengehalten wird, bei der Herstellung des Hauses mit ar beitet, außerdem sollen andere Arbeitslose herangezogen wer­den. Line Mehrbezahlung über die Unter­stützung hinaus ist allerdings nur in Form von Verpflegung auf der Arbeitsstelle und Transport von und zu ihr vorgesehen. Abgesehen davon, daß die psychologischen Schwierigkeiten der ländlichen Siedlung durch die Rähe der Städte be­seitigt werden, rechnet man bei dieser Form der Errichtung der Sledlerslellen damit, für 200 Millionen Mark, die aus der Haus­zinssteuer aufzubringen wären, etwa 100 000 Siedler ansehen zu können. Roch im Sep­tember soll nach dem vorliegenden Plan mit dem Werk begonnen werden, so daß bis zum Früh­jahr 1 00000 S iedler untergebracht sind. Sie würden die Unter st ühung noch bis zur nächsten Ernte, spätestens bis zum Ende

des Jahres 1932, bekommen. Der Vorschlag des Reichsfinanzministers betont besonders die Rot­wendigkeit einer einheitlichen Durchsüh- r u n g für das ganze Reich und empfiehlt die Ein­setzung eines Reichskommissars für das fileinf ieblungsroef en, der nur dem Reichskanzler direkt unterstehen würde. Ihm soll ein Beirat zur Seite gestellt wer­den, der aus Vertretern der verschiedenen Reichs- ressorts und des betreffenden Landes besteht.

Oie Sozialdemokraten erneut beim Reichskanzler.

Die Milderung der Juni-Notverordnung.

Berlin, 7. Sept. (BdZ.) Die Vertreter der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion begaben sich heute mittag zum Reichskanzler, um die bereits früher eingeleiteten Verhandlungen über Aenderungen der Juni-Notverordnung und andere Fragen fortzusehen. Lieber die Bespre­chung gibt die sozialdemokratische Partei fol­genden Bericht heraus:

Die Anfang voriger Woche vertagten politi­schen Besprechungen zwischen der-RLtchsregierung und der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion wurden am 'Montag unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning und in Anwesen­heit des Reichsfinanzministers Dietrich und des Reichsarbeitsministers Dr. Stegerwald fort­gesetzt. Für die sozialdemokratische Fraktion waren an diesen Verhandlungen beteiligt die Abgeord­neten Wels, Dr. H i l f e r d i n g, Dr. Hertz, A u f h ä u s e r und R o ß m a n n. Die Verhand­lungen galten im wesentlichen der Abände­rung der Juni-Notverordnung. Die Reichsregierung hatte seinerzeit in Aussicht ge­stellt, vor Zusammentritt des Reichstages schon eine Reihe der schlimmsten Härten zu beseitigen. Dabei handelt es sich im wesentlichen um Aen- - derungen hinsichtlich der Arbeitslosen­hilfe, der Kriegsbeschädigten-Für- sorge und um Wiederherstellung des Tarifrechtes für die in öffentlichen Unter­nehmungen beschäftigten Arbeitnehmer.

Das Ergebnis dieser Verhandlungen, in denen eine Reihe von Fortschritten erzielt wurde, beschäftigte am Montagnachmittag den V o r st a n d der sozialdemokratischen Reichstags­fraktion. Er billigte die Haltung seiner Ver­treter. , _* "X

Thüringen hebt

das Wirtschastsministenum auf.

Weimar, 7. Sept. (END.) Wie zuverlässig verlautet, wird das thüringische Wirtschaftsmini­sterium auf Grund der dem Lande zustehenden Notbefugnis aufgehoben werden. Begründet wird die Maßnahme damit, daß in der gegen­wärtigen Notzeit e d und Aufgaben­bereich des Ministeriums durch die fort­schreitende Reichsgesetzgebung so einge­schränkt seien, daß ein selbständiges Wirt­schaftsministerium für Thüringen sich kaum noch rechtfertigen lasse. Die Abteilung Landwirtschaft wird der Abteilung für Domänen und Forsten dem Finanzministerium angegliedert. Die übrigen Abteilungen sollen dem Innen­ministerium zugeteilt werden.

Baden entläßt seinen Gesandten in Berlin.

Karlsruhe, 7. Sept. (WTB.) Der badische Gesandte in Berlin H o n o l d hat zum 1. Oktober d. 3. um seine Entlassung gebeten, die ihm vom Staatsministerium auch bewilligt wurde. Die Neuregelung der Vertretung Badens beim Reich bleibt einem künftigen Zeitpunkt Vorbehalten. Unabhängig von dieser Ent­scheidung hat das badische Staatsministerium auf die Anregung des preußischen Ministerpräsidenten zum 31. März 1932 die Aufhebung des badischen Gesandtenpostens bei der preußischen Regierung beschlossen.

Cine Warnung für Gerüchtemacher.

Das Bremer Schnellgericht hat gegen die Gerüchtemacher so vorbildlich gearbeitet, daß dieses Beispiel zur Nachahmung nur allgemein empfohlen werden kann. Am Samstag waren dort Gerüchte im Umlauf, daß ein Sparkassen- d i r e k t o r mit elf Millionen Mark geflohen fei; was begreiflicherweise zur Folge hatte, daß ein

Merlwürdigketten eines Stiesels.

Don Dr. Gustav W. Eberletn, :Rom.

Ter große Stiefel, den Madame Europa trägt, und mit bemerkenswert wachsender Tatkraft ins Mittelmeer stößt, bietet um mit den Reisehand­büchern zu sprechen, einen reizvollen Anblick. Wie voller Reize, so ist er auch voller Merkwür. digkeiten. Ein Griff ins Wunderliche und Ab­sonderliche, und wir haben die Hand tioll Tas ist selber schon eine Merkwürdigkeit. Denkwürdig­keiten eines Stiefels, man könnte auch so schreiben.

3n Rom liegt, eingekapfelt wie ein Fremdkörper, der kleinste Staat der Welt. Er hat die Form einer abgebrochenen, zerscharteten Schwertspihe, deren Spitze auf einem Berg liegt, während die Basis unten im Tale von dem größten Tempel der Welt und dem Palast der Paläste gebildet wird. Das Zackige zu beiden Seiten ist eine alte haushohe Festungsmauer mit Vorsprüngen und Einschnitten, Basteien und Zinnen, Schießscharten und Pechnasen. 3n 200 Sekunden kann man mit dem Apto bequem herumfahren, obwohl es steil aufwärts und abwärts geht. Der Staat ist 40 Hektar groß und zählt 517 Einwohner, wovon rund gerechnet die Hälfte Militär und die Hälfte Geistliche sind. Die Frauen kann man an den Fingern aufzählen. Dieser souveräne Staat (Auto­schild S. C. V.) heißt Stadt: Vatikanstadt.

Auf der Apenninenhalbinsel regieren drei Sou­veräne: der König, der Papst und der Duce. Zepter, Tiara und Liktorenbündel. Die Residenzen liegen so nahe beieinander, daß sich ein Fußgänger nicht zu beeilen braucht, wenn er in einer Halden Stunde alle drei besuchen will. Die Regierungs- befugnisse sind scharf getrennt und es ist gar nicht daran zu denken, daß ein Regent dem andern weichen würde. Aber die Mächte vertragen sich. Ein Wunder, denn die Staatsgrenzen laufen in­einander.

Wenn man in Mailand eine Zeitung aufschlägt, weiß man, was in der Zeitung in Rom steht, Einheitspreise. Ein Staat, ein Parlament, eine Partei. Also auch ein Wort. Sehr bequem für die Orientierung. Wenn man den Führer des Staates

und der Partei gehört hat, so weih man, was das Parlament denkt, redet und beschließt. Zur Verhütung von Meinungsverschiedenheiten emp­fehlenswert. Für Journalisten weniger.

Auch Italien hat, wie jede gutbürgerliche Woh­nung unserer Eltern, eineschöne Stube". Selt­samerweise wurde beim Aufräumen darin etwas stehengelassen: ein feuerspuckender Berg. Schickt sich so etwas?

Nicht sehr weit davon entfernt sieht man die Mutter Erde in Wehen sich winden. Von Zeit zu Zeit schenkt sie einem Sohn das Licht, der dann Monte nuovo getauft wird. In Lackschuhen kann man sich neben den brodelnden Arschlamm stellen und nordische Wandervögel kochen darauf ihre Suppe. Diese flammenlose Feuerstelle heißt Sol- fatara, Schweselloch, und seit Menschengedenken haust in ihm Luzifer. Wenigstens nennt sich der Mann so und behauptet, inoem er wie ein Go­rilla gegen seine zottige Brust trommelt, Schwefel- damps und Gestank sei gut gegen Lungenleiden. Daher ist der Teufel immer kerngesund.

Eines der mächtigsten Baudenkmäler mit dem größten Gewölbe dieser Erde ist in den kleinsten Rahmen gezwängt worden, den es gibt: man braucht nur durch das Schlüsselloch des Malteser­priorats hindurchzuschauen, dann sieht man darin die Peterskuppel. Man kann Pikanteres in Schlüs­sellöchern erblicken, aber nichts Merkwürdigeres.

Dieses Malteserpriorat steht auf dem Gipfel des Monte Testaccio in Rom und dieser Berg besteht aus nichts anderem als den Scherben der Tongefäße, die sich im Laufe der Jahrhunderte am Tiberhafen der Marktschiffe anhäuften. Seine Höhe beträgt 35 Meter, sein Umfang 850 Meter.

Die Siebenhügelstadt zählt gegenwärtig 13 be­baute Hügel.

Der achte Hügel ist seinerzeit von Trajan weg- gestochen worden wie ein Stück Torte, weil er ihm bei seinem Forumsbau im Wege war. Zur Kennzeichnung der früheren Bodenhöhe wurde die Trajanssäule errichtet, deren Kapitell also dem Gipfel des verschwundenen Berges entspricht.

Im heutigen Rom leben rund eine Million Menschen. Unter ihren Füßen schlummern in guter Ruhe wohl zehnmal so viel. Denn erst ein Zehntel der Katakomben wurde bisher ausge­graben. Ihre Länge wird auf 900 Kilometer geschäht, die sich auf mehrere Gürtel rings um die Altstadt verteilen.

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Die Toten werden bestattet wie vor zwei­tausend Jahren, nur daß man außer unter­irdischen Katakomben auch oberirdische kennt, aus Backsteinen errichtete riesige Mauern, in deren zellenförmige Oeffnungen die Särge hineinge­schoben werden. Den Verschluß bildet eine Mar­morplatte, mit genauen Angaben. Reihe über Reihe, Stockwerk über Stockwerk ruhen die mo­dernen Christen, numeriert und katalogisiert, wie in ordentlichen Archiven, bis nach Jahrtausenden auch an diesenGräbern" der Zahn der Zeit und die Archäologen herumknabbern werden.

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In Palermo zeigt man eine Gruft, wo die Toten in ihren Kleidern einfach an die Wand gestellt werden. Die trockene Luft mumifiziert sie und die Angehörigen erneuern von Zeit zu Zeit die Kleider. Caruso, der in Neapel in einem Glassarg liegt, wird alle paar Jahre heraus- genommen, nach der neuesten englischen Mode eingekleidet, wozu eigens ein Anzug aus London eintrifft, erhält die passenden Handschuhe und darf weiterlächeln. Er tut das nämlich, ich weiß nicht, ob wegen der guten Einbalsamierung oder der liebevollen Sorgfalt der tieftrauernden Hin­terbliebenen oder über die Modelaunen.

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Am Eingang zu den Abruzzen, In der Nähe von Cittaaucale, steht an der Landstraße eine stattliche Kirche, die bis zur Portalmitte ein­gesunken ist. Ein vor Schilf nicht zugänglicher Bach läuft hinein, im Innern steht opalisierendes, glasklares Wasser meterhoch und die Fische halten die Andacht.

Die Schwalben werden im Lande der Sing­vogeljagden nicht geschossen. Sie sollen zu zäh sein. Cs gibt sogar ein Städtchen, wo die Nester liebevoll gepflegt werden, bis die Jungen hübsch rund und reif zum Ausfliegen sind. Dann nimmt man sie heraus und tut sie in die Pfanne.

Der Ofen ist im Süden, von Florenz abwärts, weniger ein Gebrauchsgegenstand als eine Rari­tät. Wer nicht frieren will, und in Rom kann man verdammt frieren, der stellt ein Kohlen­becken ins Zimmer und macht die Fenster zu. Auch beim Schlafen. Jedes Jahr wachen auf diese Weise brave Bürger als Leichen auf. Auch ein wegen seiner fortschrittlichen Ideen bekannter Schriftsteller in Rom ist im letzten Winter an dieser Merkwürdigkeit in die Gefilde der lautlosen Schreibmaschine eingegangen.

(Fortsetzung nach Belieben.)

Tlie wieder Liebe!"

Das literarische Motiv, daß eine einzige Frau auf ein mit lauter Männern besetztes Schiff gerät, kann in verschiedener Weise geformt werden; bei Ru­dolf Leonhard (Segel am Horizont") führt es zum tragischen Konflikt, bei Julius B e r st l, im Lust­spielDoverCalais", geht's gut aus. Dieses Lustspiels hat sich der neue Ufa-TonfilmNie wieder Liebe!" bemächtigt: man hat ein kurzes Vorspiel dazu gebaut, dann folgt das Manuskript der Bühnen- Handlung in großen Zügen, springt aber schließlich mit einer überraschenden Wendung von Bord weg in den Maskentrubel des Nizzaer Karnevals hinein, um im Sinne des Lustspielthemas programmäßig und sehr versöhnlich auszuklingen. Die begabte Re­gie von Anatol L i t w a k hat das Thema filmgerecht in eine lustig bewegte Dilderfolge aufgelöst. Harry Liedtke, Liebling der Frauen, ist angenehm schlank geworden und spielt äls Kapitän Sander- croft eine Rolle, die man gerade von ihm am wenig­sten erwartet hätte. In den letzten Szenen erst ist er wieder durchaus der Alte. Lilian Harvey (dies­mal ganx ohne Fritsch) bringt auf eine äußerst char­mante Art das männerfeindliche Schiff durcheinan­der, schmeißt die Beine und plätschert im Kanal wie ein Goldfisch. Felix Bressart nusselt die trockenen berlinerischen Pointen dazu, denen er seinen rapiden Aufstieg verdankt-, leider nicht immer verständlich. (Das kommt vom Rüsseln!) Die Musik stammt von S p o l i a n s k y. Die Premiöre gestern abend im Lichtspielhaus war sehr gut besucht, doch ist schwer zu sagen, wer von den drei Prominenten die meiste Anziehungskraft ausgeübt hat.r

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