Mtzener Anzeiger IGeneral-Anzeiger für Gberheffen)
Ur. 182 Zweites Blatt
Donnerstag, 6. August 1951
Landnöten.
Mit dem Aufziehen der ersten Gewitterwolken <nn Geldhimmel zog auch in die Herzen jener, die sich während der Inflation äußerst wohl fühlten und sich von dem einträglichen Geschäft des DevifenfchleichhandelS nährten, neue Hoffnung ein. Jetzt endlich muhte nach ihrer Meinung der Markverfall kommen und fich ihnen die Aussicht auf neue Ricfengeteinne, die einem alle Annehmlichkeiten deS Lebens sicherstellen, eröffnen. Die Polizei war aber überall zur Stelle, fo dah sich die Inflationshyänen auS ihren Höhlen nicht herauswagten. Jetzt ist ihnen da« Geschäft endgültig verdorben, sie werden sich also weiterhin bemühen müssen, sich wie jeder andere Staatsbürger durchs Leben zu schlagen. Es gibt aber auch rwch sogenannte Deldpropheten. die schon während der Inslationsjahre mit allen möglichen Projekten in die Erscheinung zu treten pflegten. So schön fie auch waren, den einen Fehler hatten alle: sie waren undurchführbar. Siner dieser .Sachverständigen" hat eS nun aber doch tatsächlich fertig gebracht, feine Schwundgeldidee in die Wirklichkeit umzusetzen. Sr bat in mehreren keineswegs kleinen oder unbedeutenden thüringischen Städten genug Dumme gesunden, die sich zu einem Tauschverband zusammentaten und die sogenannten .Tauscher" in Umlauf brachten. Ss handelt sich hierbei um Geldscheine im Werte von 1,10 Mr, die jede Woche eine Verminderung um einen Pfennig erfahren, fo dah fie nach zwanzig Wochen nur noch neunzig Pfennige kosten und dann wieder durch neues Veld ersetzt werden. Der Vater dieses Schwundgeldes glaubt, auf diese Weife am ehesten der Zahlungsmittelverknappung abhelfen zu können, weil jetzt jeder auS Angst vor dem nach- laffenden Wert daS Veld immer wieder in Ware umfetzen würde. Inzwischen hat bereits die thüringische Regierung eingrgriffen. hat die Druckmaschinen versiegelt und die vorhandenen Geldbestände beschlagnahmt. Der Schrvundgeld- sabrikant wird sich noch vor Gericht zu verantworten haben. Sicherlich auch noch die offenbar doch nicht allzu Intelligenten, die auf den Weltverbesserer hereingefaUen sind. Die Frage hätten sie sich mindestens sofort vorlegen muffen, wa- denn eigentlich mit dem Erlös dieser! .Vanknolen" geschieht. Damit wäre ihnen dann auch von vornherein klar gewesen, dah daS Schwundgeld zwar ihr Vermögen zum Schwinden bringt, dem Fabrikanten der Tauscher dagegen die Taschen füllen muh. Auch dieser Traum ist auSgeträumt, das Schwundgeld wird seine Inhaber daran erinnern, daß auch sie zu denjenigen geboren, die nicht alle werden. Aber durch Schaden wird man klug, die Hcreingefallenen werden wieder )ur guten Reichsmark zurückkehren und ihr nun mcht wieder die Treue brechen.
Die Vereinigten Staaten weisen eine Regerbevölkerung von zwölf Millionen auf, eine Zahl, die jetzt von allzu ängstlichen Amerikanern bekannt gegeben wird, um die Oessentllchkeit auf die schwarze Gefahr aufmerksam za machen. Natürlich hat auch sofort die Presse dieses Thema aufgegriffen und entsprechend ausgebeutet. Der gröstte Teil der Dlät- tcr bringt sogar eine Aufstellung, nach der schon vor vierhundert Iahren die erste schwarze Einwanderung stattgesunden hat, die Hunderttaufende von afrikanischen Regern nach Amerika sührte. 3m Kriegsjahr 1917 kam dann die erste große Verschiebung der schwarzen Rasse innerhalb der Staaten. In Massen zogen die schwarzen Arbeiter aus den Südstaaten in die Industriezentren der amerikanischen Rordstaaten Siebenhunderttausend Reger haben von 1916 bis 1924 ihre Wohnorte im Süden verlassen. Reben besseren Arbeitsmöglichkeiten im Rorden kam noch etwas anderes hinzu, was die Umsiedlung förderte. Die Südstaa- ten hatten sich gegen die wachsende Bedeutung der farbigen Bevölkerung von Iahr zu Iahr mit allen nur denkbaren Mitteln bis zur unverschleierten Vergewaltigung der Reger bei
den Wahlen und bis zum offenen Verbrechen gewehrt, während in den Rordstaaten sich biS in die letzten Iahr« hinein jene Tradition erhielt, die in den Bürgerkriegen zur Aufhebung der Sklaverei geführt hatte. In Scharen verliehen die Gequälten ihre alten Wohnfihe, waS aber den Bonkees auch wieder nicht recht war. denn jetzt laben fie erst ein, was ihnen die grobe Völkerwanderung der schwarzen Rasse eventuell ein- bringen kann. Sie haben schon sehr deutlich zu spüren bekommen, dast selbst die arbeitSsreudigen und billigen Reger keine Beschäftigung mehr finden können, und ihnen nun auf der Tasche liegen. Ietzt ertrügt man, ein sogenannteS Abwanderungsgebiet für die schwarze Rasse zu schassen, wobei zunächst einmal wieder an die an und für sich schon stark von Regern durchsetzten Staaten, wie Mississippi, Südkarvlina und andere gedacht wird, in denen der Prozentsatz zwischen 33 und 42 schwankt. Aber kaum wurde dieser Plan erwogen, da beschwerten sich schon die .auSerwähltcn" Auswanderungsgebiete, weil auch sie eine Entlastung für notwendig erachten. Auch
die Abficht, die Abwanderung auf die In- selndeSKaribischcnMeeres abzulenken, scheiterte Hier war es die hohe Politik, die sich einschaltetc. denn durch die Abwanderung auf die Inseln wären nach Ansicht der Landesverteidigungsbehörden die Marinestützpunkt« der Vereinigten Staaten gefährdet worden. Also bleibt nur noch der kühne Traum der Regerapostel: die geschloffene Abwanderung nach Afrika und Begründung eines neuen RegerreicheSl Daist aber eben vorläufig nur ein Traum der schwarzen Rasse und ein Heister Wunsch deS sa- natischen Amerikaners, der die schwarze Gesahr aus seinem Lande bannen möchte. Ob dieser Traum jemals Wirklichkeit werden wird, ist noch sehr die Frag? Afrika ist ein große- Kolonialreich der europäischen Staaten, die ohnehin schon daS Hochzüchten einer Regerintelligenz in ihrem Machtbereich mit Mißbehagen beobachten, die aber niemals dulden werden, dast in daS .erwachende Afrika" nun auch noch Millionen hoch- entwickelter und darum doppelt gefährlicher Reger aus den gereinigten Staaten hineinstrSmen.
Der „Duce".
Rom erwartet die Deutschen.
Don unserem A. ^.-Berichterstatter.
(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Rom, August 1931.
..Also wollten wir", so erklärte Mussolini mit der ihm eigenen, weit auSholenden Geste bet der Einweihung der großen Wasserleitung in Ravenna noch vor wenigen Tagen, „im Iahre 1915 den Eintritt Italiens in den Krieg. 1917
führungen vor dem Haager Gerichtshof zutage traten. Wenn der italienische Staatsches anläßlich der Einweihung der neuen großen Wasserleitung. eines bedeutsamen Bauwerkes, auf daS Ravenna seit Iahrhunderten wartete, an den Krieg erinnerte, so lag ihm jede Schärfe den ehemaligen Kriegsgegnern gegenüber fern. Er sprach für den inneren Gebrauch feines
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Das Zentrum von Rom mit dem pompösen Reiterdenkmal Viktor Emanuels II.; rechts dahinter das Capitol.
wollten wir den Widerstand, 1918 den Sieg." Das klang wie eine Fanfare und schien unmittelbar den Ton der Ausführungen aufzunehmen. den der Vertreter Italiens bei den Verhandlungen über die deutsch-österreichische Zollunion vor dem Gerichtshof im Haag. Scia - loja. gemacht hat und dies sowohl in Deutschland. aber auch in Oesterreich, wie man hier in Rom nur zu gut weih, ganz erhebliche und berechtigte Mißstimmungen hervorgerufen haben- Aber dieser Schein trügt. Mussolini spricht anders als Scialoja, und man darf gewiß fein,
Landes: er sprach als Faschist zu Faschisten und er wollte nichts andere-, als die moralische Kraft deS Willens hervorheben, der Italien erneuert und zu der Stellung emporgehoben hat. die es heute Im Konzert der Völker entnimmt. Der Duce hat nie einen Hehl daraus gemacht, daß in ihm, nicht nur politisch gesehen, sondern auch menschlich und persönlich starke Sympathien für Deutschland leben. Oft genug bat er und nicht nur in engem Kreise offen feiner Meinung Ausdruck gegeben, dah das neue Italien Preußen und dem preußischen Beispiel
daß er auch eine ganz andere Anschauung der Dinge hat als die es ist. die in den Aus-
। überaus vieles verdanke. Für ein deutsch-italie- I nischeS „Chequers" liegen demnach trotz des Mih-
wnS vom Haag und trotz aufgerührter Kriegs- Erinnerungen unzweifelhaft die besten Voraussetzungen vor.
Wenn der deutsche Reichskanzler Dr. Brüning in Begleitung deS ReichsauhenministerS Dr. EurtiuS am Freitagmorgen in Rom eintreffen. fo werden sie ohne Zweifel fich sofort der Sympathie bewußt werden, die ihnen alS deutschen Staatsmännern hier auch von der breiten Bevölkerung ent gegen geb rächt wird. Freundschaft für Deutschland besteht wirklich im italienischen Volk. Wenn Italien um des heiligen Egoismus willen sich der Entente anschloh, so war doch der alte Freundschaftsbund zum Dismarckreich niemals ganz vergessen, und die Erinnerung daran lebt heute In immer stärkerem Mähe wieder auf. Kein Hehl kann aber daraus gemacht werden, dah man in Italien, und im faschistischen Rom vornehmlich, die Politik, die Deutschland seit der Revolution befolgt bat, nur mit Kopfschütteln verfolgte. Man begreift eS nicht, dah ein Land nach solchen Kriegsleistungen, wie die deS deutschen HeereS, sich anscheinend widerstandslos entwaffnen lieh. Man sucht vergebllch nach der psychologischen Erklärung für den immer und immer wieder bekundeten Willen Deutschlands, sich mit Frankreich zu verständigen, und ist, weil man die Lage Deutschland- nicht zu begreifen vermag, in wenig schmeichelhaften Erklärungsversuchen keineswegs wählerisch.
Man hatte sich schon daran gewöhnt, von zwei Arten von Deutschland zu sprechen. Und eS ist das nicht genügend anzuerkennende Verdienst deS vormaligen deutschen Botschafters v. R e u - rath, für das Verständnis auch der offiziellen deutschen Polittk hier mit Erfolg geworben zu haben, wenn man auch immer noch die inner- politischen deutschen Gegensätze gewissermaßen alS Schwarz-Weih-Zeichnung sieht, wobei die Sympathien Italiens offen auf der Seite der sog. nationalen Opposition in Deutschland stehen. Die feinfinnige Art deS deutschen Botschafter- beim Vatikan, Dr. v. Bergen, des sog. „Schwarzen Botschafters", hat die Arbeit Reuraths auf das beste unterstützt, wie überhaupt gesagt werden muh, dah man Wohl selten in der Welt eine allen Interessen gerecht werdende Zusammenarbeit zwischen zwei Diplomaten deS gleichen Lande-, wie eS hier bei der deutschen Botschaft beim Ouirtnal und bei der deutschen Papst-Botschaft der Fall war, findet. Das Scheiden ReurathS ist denn auch In Rom auherordentllch bedauert worden und fein Rachfolger, Herr v. Schubert, hat es — da auch noch andere Gründe mitsprechen — recht schwer, das Gelände zu gewinnen, das fein Vorgänger souverän beherrschte.
Man verspricht sich in mahgebenden italienischen Kreisen sehr viel von den bevorstehenden Unterredungen mit den deutschen Staatsmännern, wenn auch wohl beiderseits keine Absicht besteht, die zwanglose Aussprache in eine irgendwie geartete
Oie Handschuhe.
Bnn Alfred polgar.
Alle Rechte im Rowohlt Verlag, Berlin W 50.
Auf dem Waldfpaziergang sagte die Frau plötzlich, daß sie auch einen Stock haben wolle. »Richt- leichter als das", erwiderte der Mann, .einen Augenblick." Er legte seine Handschuhe auf den Boden und verfertigte guS einem abgebrochenen Zweig eine Art Spazierstock für die Frau. Dann gingen sie weiter, und als fie müde waren, legten fie sich ins Gras Da bemerkte der Mann, daß ihm seine Handschuhe fehlten. .Sie müffen noch dort liegen, wo ich dir den Stock gemacht habe", tagte er: .ich hole fie. Gleich bin ich wieder da."
Er ging nun den l^eg zurück, den fie gekommen waren, und überdachte hierbei, gewohnt, .Fehlleistungen" zu deuten, was es mit dem Verseifen der Handschuhe für Bewandtnis haben möge. Sie waren ein Geschenk der grau; also nicht- wahrscheinlicher, als daß sich in ihrem Verlieren der heimliche Wunsch kundgegeben hatte, die grau irgendwo liegen zu lassen. Indem der Mann diesen Gedanken durchkaute, schritt er über ben Platz, wo die Handschuhe lagen, ohne sie zu sehen, hinweg und fast bis zum Ausgangspunkt des Spaziergangs zurück.
Unterdessen hatte die grau, besorgt, wo ihr Begleiter fo lange bleibe, sich aufgemacht, ging leibst den Weg, auf dem sie dem Wiederkehrerrden begegnen mußte — es kam fein anderer Weg in Frage —, zurück und fand die Handschuhe dort, wo er sie hätte finden müssen. Das konnte sie sich nun ganz und gar nicht erklären. War dem Manne was geschehen? In diesem friedlichen, harmlosen, von der Dormittagsfonne durchhellten Wald? Hatte er den Weg verfehlt? Auf dieser breiten, nicht zu verfehlenden Promenade? Da sie sich den Vorfall nicht erklären konnte, bekam sie. wie das schon zu fein pflegt, einen rechten Bern auf den Mann und pumpte sich mit Aerger log<iiu voll, dah sie, als sie des Daherkommenden annchtig wurde, rief: .Also, bai ist eine Gemeinheit von dir!" und ihm die Handschuhe vor die Fuße warf.
Run muß man wissen, dah der Mann, wie er so, in süße Träumereien versponnen, sich plötzlich am Ausgangspunkt des Spaziergangs sah
— von einem rechten Schreck befallen, die grau könnte feinet halben fich ängstigen —, den Weg, ohne weiter nach den Handschuhen zu suchen, zu- rüdgelaufen war. Atemlos, erhitzt, zärtliche Worte, zum Herabfallen bereit, auf der Lippe, auf dem äuhersten Rand der Lippe schon, so kam er an: da traf ihn die „Gemeinheit!" Er schwankte ein wenig, betäubt durch das ganz und gar Unerwartete. dann hob er mechanisch die Handschuhe auf, spuckte den zärtlichen Rest, der ihn auf den Lippen (wie ein von der Zigarette dort gebliebener Tabakfaden) genierte, fort und wandte sich, Richtung nach Hause. Sie ihm nach: .Ietzt bist natürlich du wieder böse.... und ich vergehe seit zwei Stunden vor Angst."
.Dor einer dreiviertel Stunde sind wir vom Hause weggegangen", sagte er schlicht. .Also, mir kam es länger vor als zwei Stunden. Wo warst du beim?“ .Ich habe eine entzückenbe Blondine getroffen und sie ein wenig geküht... Uebri- gens. wieviel Trinkgeld, meinst du, soll ich dem Portier geben?" .Du hast eine Art, wenn dir ein Thema unangenehm ist, von ihm wegzu- gehen, die aufreizend ist", rief sie, .die Handschuhe ..." .Wo waren sie denn?" .Genau dort, wo du sie hingelegt haft." .Komisch, ich habe sie nicht bemerkt." .Komisch nennst du das? Ich nenne es stupid."
Hierbei gingen sie eben über eine kleine Drücke, unter der Wasser floh, und er warf die Handschuhe hinein. Diese für seine Verhältnisse leidenschaftliche Tat erschreckte die grau fo, dah fie liebevoll den Arm des Mannes nahm und lispelte: .^Nuschipuschi!" Rach einigem Schweigen fetzte sie hinzu: .Wie boshaft du doch fein kannst! Warum sprichst du nicht? Warum zankst du nicht mit mir, wenn du böse bist? Warum haust du mirwnid)t eine herunter?"
.Ich will dir das erklären", sagte der Mann. .Wenn ich dir eine Ohrfeige gebe — tatsächlich ober metaphorisch —, so brennt meine Wange, und ich fühle mich gefchlagen und gebemütigt. Wenn ich dir in der Wut was sage, um dich zu kkänken, fo empfinde ich meine Wut und deine Kränkung dazu, ich bin also doppelt übel dran. Ich kann dir nichts tun, ohne es mir zu tun. Vielleicht ist das Liebe, vielleicht Schwäche. Wenn ich nur einmal darauf käme, wie ich es machen soll, dir Schmerz zuzufügen, der mich nicht schmerzte. Ich glaube, die meisten Männer bringen ihre grauen nut. deshalb nicht um, well fie
sie zu lieb haben! Und dann hast du mir ja das mit deinem Zartgefühl eingeredet. Du hast mir beigebracht, wenn ein guter, zarter, feiner Mensch wie ich .Richt boch!r sage, sei daS schon wie von einem anderen ein Stotz in den Magen, und lächle ich kühl, so sei das in meiner subtilen Affektsprache schon eine unerhörte Brutalität. Allo halte ich mich natürlich zurück, denn ich kann nicht riskieren, dah du, wenn ich dir ,dumme Gans' sage, gemordet umfällst. Ferner dem Temperament. Es kommt vor, dah du nach einem Streit auf der Gasse dich umdrehst und fortläufst. Himmel, was stehe ich da für Aengste aus! Richt vielleicht, weil ich fürchte, du wirfst dich unter ein Auto, sondern weil ich fürchte, du gerätst unter eines, das du, ganz mit deiner Bosheit beschäftigt. übersiehst. Oh. dein Temperament! Ich habe gar keine Angst, daß du, wenn es entfesselt ist, dir was tust; aber ich habe Angst, dah dir dann was geschieht Der Zufall ist immer gegen mich, und die heimlichen böfen Wünsche, die man so im Aerger hat, kommen auch in Betracht. Ich teilt dir jetzt etwas Furchtbares gestehen: Dich habe ich heute ins Wasser geworfen, nicht die Handschuhe."
Pause.
.Schön waren sie ja ohnehin nicht mehr",sagte die Frau. .Ich kaufe dir morgen ein Paar neue, Mufchipuschi."
Oer Ruhmesweg der unbekannten Schönheiten.
In letzter Zeit sind einige völlig unbekannte Frauen verschiedener Länder so berühmt geworden, daß ihr Bild in aller Hände ist. Wahrend nämlich jahrhundertelang die Ehre, auf Münzen und Bank- noten und Briefmarken abgebildet zu werden, den Herrschern und Herrscherinnen sowie den hervorragendsten Persönlichkeiten des Landes Vorbehalten war, ist man in unferm demokratischen Zeitalter dazu übergegangen, diese Repäsentanten der Ration aus dem Volke zu wählen, und zwar hat man für die beste Vertretung der Allgemeinheit weibliche Schönheiten gehasten. Merkwürdigerweise ist diese Verherrlichung des Volkes nicht nur in Republiken erfolgt, sondern auch in Ländern, die noch ihr angestammtes Herrscherhaus besitzen. König (8 u ft a d V. von Schweden vertrat bei der Ausgabe des neuen Papiergeldes den Gedanken, daß man lieber als feine Züge die einer schönen Frau sehen würde und beauf
tragte den Künstler, der die Zeichnung für die Banknoten entwerfen sollte, sich unter der schwedischen Weiblichkeit das am besten geeignete Modell auszuwählen. So kam es, daß heute auf dem schwedischen Papiergeld der Kopf eines reizenden jungen Mädchens zu sehen ist, eines Fräuleins von Schmit- terlöw, der Tochter eines Kaufmanns in einer kleinen Stadt, die die typische schwedische Frauen- schönheit in Reinkultur verkörpert. Auch in Italien hat man diesen Weg eingeschlagen, und zwar war es Mussolini, der betonte, das moderne Geld müsse auch in seinem Schmuck modern sein, und das Volk könne durch nichts mehr geehrt werden als durch die Glorifizierung der italienischen Frauen- schönheit. Eine Kommission von Künstlern und Bild- Hauern wurde eingesetzt, um die „typische Italienerin" herauszufinden, und ihre Wahl fiel auf die reizende Hilda Pi c c o l o. Als einige Monate später noch ein weiteres Modell für die italienischen Wert- papiere gebraucht wurde, nahm man eine neue Wahl vor, und aus mehreren Hunderten von Bewerbe- rinnen wurde Esperia Sperami auserkoren, eine Mailänderin, deren edles und strenges Profil die altrömische Würde der italienischen Frau am besten verkörpert. Die Züge dieser Damen, die vorher völlig unbekannt waren, werden nun durch ganz Italien und in den Kolonien verbreitet und bewundert. In Rußland hat ebenfalls ein Gerichtshof von Künstlern und Bildhauern die Aufgabe erhalten, das „russische Gesicht" für das Papiergeld herauszusuchen. Man fand das Ideal schließlich in den echt slawischen Zügen der Agnes M o s | u 1 i n , einer Frau aus dem Volke. Ungarn hat auf seinen neuen Kupfermünzen den Kopf einer feurigen Schönen des Landes verewigt. Auch hier wurde ein Wettbewerb veranstaltet, aus dem als Siegerin Ilona Horvath heroorging.
Oochfchulnacfn-icbten.
Zum ordentlichen Professor der Baukonstruktionslehre in der Hochbauabteilung der Technischen Hoch- schule zu Dresden ist vom 1. Oktober 1931 ab der a. o. Professor Dr.-Ing. ehrenhalber Georg Rüth von der 2)armftäbter Technischen Hochschule ernannt worden. Professor Rüth war Schüler und Assi- stent des Geheimen Baurats Professor Landsberg in Darmstadt. Die Technische Hochschule Darmstadt hat Rüth in Anerkennung seiner hervorragenden Der- dienste um die Einführung neuzeitlicher Sicherungsarbeiten an gefährdeten alten Bauwerken zum Dr.- Ing. h. c. ernannt


