Aus Der Pcov»nz>alhauptsta0t.
Giehen, den 6. August 1931.
Kinderfest.
Dielleicht wird mcmcher eintoenben, baß die Zeiten heut« wirklich nicht so sind, daß man Fest« feiern könnte. Und er wird daim möglicherweise noch hinzufügen, dab Kinder noch ein langes Leben vor 'ich haben, in dem es sicher reichlich seitliche Anlässe geben wird. Außerdem meint er. forme man die Kinder nicht frühzeitig genug mit dem Emst des Lebens, wenn auch in gemlldertenFvr- men. vertraut machen. Di- zu einem gewissen Grad ist solchen S.nwänden die Berechtigung natürlich nicht zu versagen. Aber in der Haupt, sache vom Standpunkt de- Erwachsenen, der eine Jugend genießen durste, die nicht oder kaum von derartig Dufteren Wolken überschattet war, wie sie heute saft jeder neue Tag Heraufziehen läßt.
Wer denkt nicht ost und gerne an dies und jenes aus 'einer Kindheit zurück? Und wenn er aenau Hins seht, wird er die Entdeckung machen, day das bäusig noch nicht einmal überwältigend große De- schehnisse finb, die einen toä rr.cn Den Sonnenstrahl noch im hohen und höchsten Alter zu spenden vermögen. Woran liegt das? Die Antwort kann für den nicht schwer fallen, der aufmerksamen Auges ein stiller Beobachter war. wenn Kinder sich -u- sammensanden, um sich zu freuen. Das brauchen durchaus keine rauschenden Feste mit vielem Tamtam gewesen zu sein. Denn da- Kind empsindet manche- schon al- ein Zuviel. waS Srwachsene- ren nicht der Beachtung wert erscheint. Da- kindliche ®eihüt ist eben nur für solche Dinge aufnahmefähig, die seinem DorstellungSvermögen entsprechen. Hier lieat deshalb auch der Schwerpunkt und die dankbare Ausgabe bei der Deran- staltung von Kinderfesten verankert. Da- Kind wird trotz aller modernen Spielzeugexperimente Immer wieder au jenen einfachen Anregern seiner Phantasie greifen, die schon ungezählte Genera- honen vor ihm stundenlang begeistern konnten.
Das Kasperletheater vor allem wird der ewige Zungbrönnen für kindliche- Lachen fein. Da sitzt die dankbarste Zuschauermenge, die sich ein Thea- terdirekwr nur wünschen kann, mit vor Erwartung fiebernden Auaen, bis der Vorhang sich hebt und da- handgreifliche Spiel seinen Anfang nimmt. Und immer neue ehrliche DeifallSsalven folgen jedem Streich der Holzpuppe, der durch seine un- mihverständliche Drastik ein Dolltreffer auf das jugendliche Zwevchsall ist. Die tiefere Bedeutung bleibt belanglos gegen die Tatsache, baß etwa- aekbießt, wa- in feiner Primitivität schon einen Schein widerzuspiegeln vermag von dem urzeitlichen Kampf zwischen Gut und Böse. Das Kind nimmt bereit- zu etwas Stellung. Dein erwachendes Eigenleben findet Anlaß zu ungehemmtem Urteil und die Freude, daß die anderen mit von der Partie sind, gibt seinem Selbstgefühl einen gewaltigen Ruck. Degen den Kasperle und feine Tollheiten verblaßt denn auch gewöhnlich alle- andere zu nebensächlichem Beiwerk.
Kinderfeste prägen die ersten tieferen Spuren in die empfang-bereite und wenig bespielte Platte der kindlichen Seele ein. Die Dor-, Mit- und Dachfreude verleiht diesen fröhlichen Spielen jene Dauerhaftigkeit, an der die Zähre nicht- auSzu- ritzen vermögen. Solche Eindrücke können deshalb auch von weittragender und bestimmender Aus- wirkung fein. Ruhepunkte, zu denen man zurück- fucht, wenn die Wogen deS Leben- unS gefahrdrohend und entmuiigcnb umbranden. Ganz abgesehen davon, daß die Teilnahme an einem Kinderfest einem wieder mehr Schwung und innere Bereitheit zur Bescheidung ip den Ansprüchen an daS Leben geben können. Denn der Alltagskampf hat unS abgestumpft und unempfänglicher gemacht für die Ausnutzung der seelischen An- und Auftriebe, die auch in einem anscheinend kleinen Vergnügen verborgen sein können. .Wenn ihr nicht werdet wie die Kleinen..Kig.
Taten für Donnerstag, V August
1809: der Dichter Alfred Tennyson in Comersby geboren; — 1914: Kriegserklärung Oesterreich-Ungarns an Rußland und Serbiens an Deutschland.
Wietzener rSochenmarktPreisc.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 140 bis 150; Matte 30 big 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 10 bis 12; Weißkraut 10 bis 12; Rotkraut 12 bis 15; gelbe Düben 15 bis 20; rote Düben 15 bis 20; Spinat 20 bis 25; Dömischkohl 8 bis 10; Dohnen 10 bis 15; Erbsen 10 bis 15; Tomaten 20 biS 30; Zwiebeln 10 bis 15; Kürbis 5 biS 6; Pilze 20 bis 25; Kartoffeln 4; Frühäpfel 15 bis 20; Falläpfel 4 bis 5; ausländische Aepfel 50 bis 60; Birnen 15 biS 30; Dörrobst 30 bis 35; Heidelbeeren 20 bis 25; Stachelbeeren 20 bis 25; Johannisbeeren 20 biS 25; Pflaumen 20 biS 25; Zwetfchen 30 bis 35; Mirabellen 35 bis 40; Deineklauden 35 biS 40; Honig 40 bis 50; junge Hähne 90 bis 110; Suppenhühner 90 bis 100; Pfirsiche 40 biS 60; Himbeeren 35 bis 40; dicke Bohnen 10 bis 15; das Stück: Tauben 50 bis 70; Eier 9; Blumenkohl 30 bis 70; Salat 5 bis 10; Salatgurken 15 bis 25; Ginmachgurken 2 bis 5; Endivien 10 bis 20; Ober-Kohlrabi 8 bis 10; Lauch 5 bis 10; Dettich 10 bis 15; Sellerie 10 bis 15; das Bund: Radieschen 10 bis 15 Pf.; der Zentner: Kartoffel^ 3,50 Mk.
Vornotizcn.
— Tageskalender für Donnerstag. Spiel-Bereinigung 1900, Ordentliche Generalversammlung. 20 Ußr. bei Gaub (Bahnhofstraße). — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: .Der !?iebeS- exprcß".
— Die Gießener Gesangvereine halten am morgigen Freitaa, 2030 Uhr, im Katholischen Dereinshaus eine Gesamtprobe für die gesanglichen Darbietungen zur Lerfassungsfeier ab. Näheres im heutigen Anzeigenteil.
— Flugtag am Sonntag. Das Llniversi- tätS-Deitinstitut Schömvs veranstaltet anläßlich des FlugtageS auf dem Flughafen ein Hürdenrennen. Die Hürden sind so aufgebaut, daß sich dieses Rennen direkt vor den Zuschauerplätzen abwickelt, und so die Verfolgung sehr gut möglich ist. Bekannte Gießener Sport-Vereine haben ihre Rennung ^ur gemilchten Stafette abgegeben, so daß auch hier guter Sport geboten toirb. Zum ZaUschirmabsprungwettbewerb hat nch ber Flieger Wiegmeyer, Braunfels (Lahn) verpflichtet, fo baß auch an btefem Dett- wtoerb ein Vertreter ber hiesigen Degenb teil- nunmt.
Gewitter über Gießen. Rach ber druckenden Schwüle während des ganzen gestrigen ^ages zogen rings um unsere Stadt schwere Gewitterfronten auf, die sich schon lange vorher durch intensives Wetterleuchten ankündigten.
Neues für den Bücheriifch.
— SrichMariaRemarque: DerWeg zurück. 368 Seiten 8°. 1. biS 50. Tausend. 3m Propyläen-Verlag, Berlin 1931. (160.) — DieS ist die Fortsetzung des gegenwärtig in einer Gesamtauflage von brcieinßalb Millionen verbreiteten, heftig umstrittenen KriegsbucheS ,3m Westen nicht- Reues". Es schließt chronologisch bort an, wo jenes abbrach, und schildert den Weg ber jungen Frontsolbaten, die ben Krieg körperlich einigermaßen gefunb überstanden haben, zurück in die Heimat, ins Privatleben, in die alte Welt, in bet sie groß geworden waren und in ber sie sich nun nicht mehr zurechtfinben. Der Gesamt- einbruck bes Werkes ist — trotz einzelnen über- zeugenb und eindringlich gestalteten Abschnitten — nicht so geschlossen wie bei dem ersten Buch: vor allem weil die verschiedenen Schicksale dieser jungen Menschen fast ohne Ausnahme als tragisch oder doch unglücklich bargestellt werben,... weil ber Weg zurück zugleich als Sackgasse, als Weg hinab, als Damaskusweg aufgefaßt wirb — während doch immerhin die Mehrzahl der Heim- gekehrten trotz manchen Bitterkeiten und Schwierigkeiten wirklich .zurück' kam, wieder Fuß faßte und ein neues Leben anfing. Sicherlich ist nicht eine der hier umrittenen Gestalten und Begebenheiten falsch, übertrieben ober mit bet Wirklichkeit nicht in Einklang zu bringen, aber in ihrer Gesamtheit, in ihrem Rebeneinandet müssen sie alS typisch wirken und beShalb itgenbwie befremdlich erscheinen. Zusammengehalten werden fast alle die jungen Menschen des Buche- — das ist vielleicht daS Schönste daran — von einem Geist der männlichen Kameradschaft und Opserbereitschaft, wie sie ihn von der Front mitgebracht und bewahrt haben als ihren einzigen Schah und lebendigen Besitz. Vieles ist klar, gut, sogar mit Humor gestaltet; etliches wirkt daneben unwahtscheinlich ober verstimmend. 3m ganzen hat man baS Gefühl, als ob bas Buch stellenweise aus einer leidenschaftlichen Opposition gegen die politische Entwicklung ber letzten Zeit geschrieben sei, wo- butch freilich manches von der früheren Unbefangenheit unb erzählerischen Sicherheit verloren ging.
— 3 u 11 a Eornill. AuS ber Etappe deS Westens. Von Elisabeth von Gustedt. Ganzleinen geb. t Mk Phönix-Verlag Earl Siwinna, Berlin SW. (224 ) — Eine deutsche Frau „3uUa Eornill" geht während deS Krieges hinaus auf Befehl des KriegsamteS, um im Etappengebiet des Westen- den Frauen-Hilfsdienst zu organisieren. Sie erlebt mit fühlendem Herzen die Röte des Krieges. Sie tritt ein für deutschen Deist und deutsche Ehre. Sie erkennt klaren Blicke- die Urfachen, die zum Untergänge führen und kämpft mutig dagegen an. Ueber Feindschaft und Versuchungen. Enttäuschungen unb den Verlust der Freunde, die der Krieg fordert, hinweg, bewahrt sie sich ihr stolzes Selbst, auch ber hereinbrechende Untergang kann ihr ben Glauben an Deutschland- ferne Zukunft nicht rauben. Lebendig geschildert ziehen die Gestalten ber Etappe am Geiste bes Lesers vorüber. Die Menschen, die bie Verfasserin hanbeln läßt, sind Gestalten von Fleisch unb Blut unb keine kraftlosen Schatten, wie sie mancher Literat gegenwärtig bem Leser vorstellt. Das interessant und schwungvoll geschriebene Buch hält ben Leser bizuletzt in Atem.
— Max Schwarte .Generalleutnant a. D.: Der Krieg ber Zukunft. Unter Mitarbeit von Oberstleutnant a. D. Benarh. Geh. 40 Pf., geb. 80 Pf. Verlag P. Reclam. Leipzig. (281). — Schwarte hält sich bewußt fern von allen phantastischen Prophezeiungen über die möglichen technischen Wunder und fwlitifchen Konstellationen eines künftigen Krieges; es schaltet vor allem
Deutschland au- den Erörterungen au-, da nur bie rüstung-freien Mächte in einem modernen Krieg eine Rolle spielen können, nicht aber da- fast waffenlose Deutschland. Dagegen sucht es au- genauester Kenntnis des gegenwärtigen Stande- Der Kriegsrüstung und -technik, au- der nüchternen voraussichtlichen Berechnung der Kriegsmittel der Zukunft und ihrer ölntoirfung auf bie Kriegführung ben allgemeinen Charakter eine- modernen Kriege- zu schllbern, in seinen technischen Voraussetzungen unb seinem strategisch-taktischen Verlauf.
— Decht-anwalt Dr Eve rling M. d. D.: .Organischer Aufbau be- Dritten Reiche -." 3. F. LehmannS Verlag, München. Drei- geh. 2,20 Mk. (238.) - Das Buch regt zu ileberiegungen an, es übt Kritik und will kritisiert werden. SS will zeigen, daß Rettung vor dem Ehaos unb Wiedergesundung nur im organischen Aufbau des Staates gefunden werden kann.
— Mario Carli: Der Faschist. (L’lta- liano di Mussolini.) Sin Roman der neuen Aera. Kart. 3,85 Mk. Schlieffen-Derlag Berlin W 35. (205). — Earli beschreibt, wie ber Sohn eines alten Liberalen des Grundherrn Uberto d'Aquilonia sich zum überzeugten Faschisten und engsten 'Mitarbeiter Mussolinis entwickelt unb wie er sich alle! benscha ft kicher Politiker unb alS Pionier mo- bemer Technik ganz in ben Dienst seine- Vaterlandes stellt. Mit großer Gewandtheit versteht der Verfasser es, ben Leser in die wichtigsten geistigen, politischen und wirtschaftspolitischen Probleme, von benen baS 3talien von heute erfüllt ist, einzuführen.
— HanS Hutten, ,Der Arzt ber Wel t". Durch Gewalt zum Völkerfrieden. Preis geb. 4,50 Mk., Verlag Grethlein & Eo. Leipzig. (173.) — Politische Zukunftsromane sind .bet letzte Schrei" auf bem Büchermarkt. Trotzbem sollte doch daS Publikum vor ben einfältigsten unb lächerlichsten Produkten einer überhitzten Phantasie bewahrt bleiben. Politik wird nicht im Wölkenkuckucksheim gemacht unb eine an sich vielleicht zukunft-trächtige politische 3bee wird diskreditiert, wenn sie dem ohnehin schon leicht irgendwelchen 3rrlichtem nachjagenden Publikum in der Form unausgegorener, phantastischer Schwäger« ien vorgesetzt wird. So einfach ist Geschichtemachen doch nicht, wie eS sich der Verfasser, der an sich von einem gesunden Grundgedanken au-geht, mit seinem deux ex machina in ber Gestalt beS .Arzte- ber Welt" benkt. DaS Buch läßt jebe nüchterne politische ileberlcgung außer Bettacht unb schwelgt in oben Äußerlichkeiten, die ber Verfasser sich anscheinenb durch eifrige Zeitungslektürs zusammengelesen hat.
— Eugen Diesel. Die Umgestaltung d e r W e 11. Zur Frage unsere- technischen Schicksal-. 3n Büttenumschlag 1,20 Mk. (Verlag der 3 G. Eottaschen Buchhandlung Rachfolger Stuttgart.) (143j — Eugen Diesel unternimmt eS, in gedrängter Form einen Querschnitt durch unsere modernen Zustände zu legen unb ben Weg zu beleuchten, auf bem sich praktisch unb geistig bie Weiterentwicklung bewegt. Den großen Landschaftsformen der Raturlandschaft, der Kulturlandschaft und der Maschinenlandschaft wurden bestimmte Schicksale in Geist, Wirtschaft unb Gesellschaft zugeordnet.
Verantwortlich für Lokales: i. D. HL. Neuner.
Zur Gesichts-Bräunung
aber auch zur Bräunung des ganten Körpers bei Gönnern oabem verwende man die reizmildernde und whlende Creme £ e o b o r -- fettfrei in roter Packung; fetthaltig in blauer Packung. Tube 60 Pf u. 1 MI. Wirksam unterstützt durch Leodor-EdA seife Stück 60 Pf. Zu haben in allen ChlorodoM-Derlaussstellen.
Das Bismarckdenkmal in Lindau am Bodensee wurde vor einigen Tagen eingeweiht.
Gegen 23 Ußr erschienen die Gewitterwolken über unserer Stadt und brachten heftige Entladungen mit sich die jedoch keinerlei Schäden anrichteten. DaS Gewitter hatte auch verhältniS- mäßig leichte Regenfälle zur Folge, die keinerlei nennenswerte Abkühlung verschafften.
•• Der Derf assungStag 1931 in He s - se n. 3n einem Ausschreiben an die Behörden macht das Hessische Gesamtministerium daraus aufmerksam, baß am 11. August alle öffenllichen Gebäude in ben Reichsfarben zu beflaggen finb. Wenn StaatSbehörben Gebäude innehaben, die nicht staat-eigen sind, fo ist für bie Beflaggung au sorgen. Die äußere Gestaltung ber Feier wirb sich wie in ben Dorjahren abtoiaeln. 3m Hinblick auf bie große Rotlage unseres Volke- wirb besonder- barauf hingewiesen, bie Ausgaben möglichst zu beschränken. Wegen der Beteiligung ber Kirchen an der feierlichen Begehung bes Ver- fassung-tage- ist bie Regierung mit biefen in Verbindung gerieten, um eine Verständigung darüber herbeizuführen, daß die kirchlichen unb weltlichen Feiern nicht zusammenfallen. Wie in ben früheren 3ahren finb Veranstaltungen aus Anlaß unb zu Ehren bes BersassungStages von ber Vergnügungssteuer befreit, ebenso ist auch bieseS 3ahr bie Freistellung von dem ilrtunbenftempel für bie Feiern angeorbnet. Die Polizeistunbe wirb für alle Gemeinden beS Lan- bes für bie Rocht auf ben 12. August aufgehoben. Da die Berfassungstage seit 1929 gesetzlicher Feiertag in Hessen finb, müssen alle Arbeiten, bie sonst an Feiertagen auch verboten finb, unterbleiben. Das gilt auch für landwirtschaftliche Arbeiten, soweit sie nicht wirklich dringend sind. Drescharbeiten, deren Vornahme am DersassungS- tag 1930 vielfach bei der Bevölkerung berechtigten Anstoß erregt haben, dürften z. D. regelmäßig nicht für zu dringenden Arbeiten gehören.
•• Paul Adam f. Am Freitag wurde auf bem Rorb-Friedhöfe in Düsseldorf ein 83jähriger Mann beerdigt, ber in Gießen auch eine bekannte Persönlichkeit war: ber Duchbinbermeister Paul Abarn. Er. ein geborener Schlesier, wan- berte in Hessen kurz vor bem Kriege von 1870 ein unb zog mit dem 3 -R. Rr. 115 ins Feld. Rach dem Kriege heiratete er und gründete in ©ießen ein kleines Geschäft, daS ihn recht unb schlecht ernährte. Wo es etwa- zu meistern gab. war er mit Rat unb Tat zur Hand und manches Stück seine- Schassens widmete er ohne Vergütung ber Allgemeinheit unb stellte sich auch in Deren Dienst, z. D. bei ber Feuerwehr, des Krieg er Vereins und da er ein guter Geigenspieler war, wirkte er auch bei musikalischen Veranstaltungen mit. Adam war der Verfasser eines systematischen »Handbuchs der Buchbinderei", der »Lebenserinnerungen eines alten Kunstbuchhändlers" unb einer Anzahl kleinerer Werke; ferner war er lange 3ahre Schriftleiter bes Archiv- für das Buchgewerbe. 3n fast alle Bibliotheken Deutschlands hat er hineingeschaut; sein Wunsch, auch die Büchereien der Türkei und Rußlands kennenzulernen. hat sich leider nicht erfüllt. Seinen Ruf nach Düsseldorf erhielt Adam von bem damaligen Direktor Frauberger an da- nach 1880 neu gegründete Kunstgewerbemuseum, wo er bis zu seiner Ruhestandsversetzung alS Gewerbevberlehrer wirkte. Er ließ es sich aber nicht nehmen, täglich biS zu seinem Lebensende nach der entfernt von seiner Wohnung gelegenen Stätte seines früheren Wirkens zu radeln. Mit ihm ist ein Meister seine- Fachs, ein trefflicher Mensch und ein mit viel Humor begabter Mann dahingegangen. Daß er sich bei Ausbruch des Weltkrieges als 66jähriger dem Heere zur Qkrfügtmg stellte, kennzeichnet ferne vaterländische Gesinnung.
•• Zulassung von Schecks berSanat- Bank im Postscheckverkehr. Rachbem bie Danat-Dark erklärt hat, baß sie bie auf sie gezogenen unb bei ben Postkossen eingelieferten Scheck- für alle Post- und Fernsprechgebühren unb auch für Steuerzahlungen nach Feststellung ihrer Orbnunasmäßigkeit honorieren werde, sind die Postanstalten mit sofortiger Wirkung angewiesen worden, Danat-Scheck- in demselben Rahmen wie die Schecks ber übrigen Privatbanken anzunehmen.
•• Funbsachen abzuhvlen Dom Polizeiamt Gießen wird mitgeteilt: Das Verzeichnis über die im Monat 3uli 1931 gefundenen dzw. abgelieferten Gegenstände kann an bet Anschlagtafel im Flur bes Polizeiamts. Landgras-Phi» lipp.Platz Rr. 1. cingcfcpen werden Die Empfangsberechtigten werden aufgeforbert, ihre etwaigen Rechte innerhalb ztoei Monaten beim Fund- bureau während der Diensthunden geltend zu machen.
•• 2 5. Dienstjubiläum. Der Reichsbahn- ladefchaffner Wilhelm Klingeberger, wohnhaft Bahnhofstraße 106, kann heute auf eine 25jähr ge Dienstzeit bei der Reichsbahn zurückblicken.
•• Deoisen-Bewirtschaftungsstelle auch in Frankfurt. Für den Regierungsbezirk Wiesbaden unb bie Kreise Hanau-Stadt unb Hanau- Lanb, Gelnhausen, Schlüchtern, ßünfelb unb Gers- selb wirb sofort eine Bezirksstelle ber beim Landes- finanzaml Kassel bereits bestehenben Stelle für Devisenbewirtschaftung, unb zwar in Frankfurt a. M. im Gebäude bes Finanzamts Frankfurt a. M.-Börse, eingerichtet. Die Entscheidungen ergehen unter der Firma: „Der Präsident des Landesfinanzamts Kassel als Stelle für Devisenbewirtschaftung, Zweigstelle Frankfurt a. M."
-ReuregelungderSteuer-Llbzüge vom Arbeitslohn ab 1. 3ult 193 1. Durch § 17 ber Durchführungsbestimmungen über die Änfenfteuer byr Lohn- unb Gehaltsempfänger (Krisenlohnsteuer) vom 17.3uni 1931 wirb bestimmt, baß bie Kri senlohnsteuer in verschiebener Höhe zur Erhebung kommt, je nachdem ber Arbeitgeber bie einbehaltene Steuer an baS Finanzamt abfübrt. Arbeitgeber, bie Krisensteuer. AbzuaS- tabellen benutzen, müssen beShalb feststellen, ob die benutzten Tabellen zwei verfchiebene Krisen lohn- steuer-Deträge angeben. Bei vielen vor bem 17.3uni 1931 erschienenen Tabellen ist nur ein Steuerberiag angegeben, diese Tabellen finb baßer unvollständig. Arbeitgebern, die sich und ihre Arbeitnehmer vor Schaden bewahren wollen, wirb beshalb empfohlen, sich baS ausführliche Merkblatt über bie Reuregeluna ber Steuerabzüge vom Arbeitslohn fenben zu lassen. Die Zusendung erfolgt auf einfaches Verlangen durch Postkarte kostenlos unb portofrei burch bie Hauptabaabe- stelle ber Reichs-Steuer-Merkblätter, Berlin SO 36, DreSbener Straße 2.
"AenderungenderErbschaftssteuer. 3m Zusammenhang mit der Notverordnung de» Reichspräsidenten hat der Reichsfinanzminister einen Erlaß über die Aenderungen des Erbschaftssteuer- gesetzes erlassen. In diesem Erlaß wird u. a. darauf hingewiesen, daß die Bewertung der Erbschaft»- steuer sich eng an die Bewertung der Vermögens-
steuer anschließen soll. Nach biefen Äenderungen ist dem Grundsatz Geltung verschaftt, ba£ da» gesamt«, dem Erwerber vom Erblasser oder Schenker ' faUene Vermögen, soweit da» Erdschaftssteuergesetz nicht selbst Einschränkungen macht, zur Besteuerung heranzuziehen ist. Au» dieser neuen Rechtslaae ergibt sich z. B, daß der Anspruch aus einer vom Erblasser iugunften eines Dritten eingegangenen UnfaUoer- sicheruna, die bisher nicht vorsteuert werden konnte, künftig steuerp,sichtig ist. In den Fällen, bei denen die Steuerschuld nach dem 31. Dezember 1930 entlauben ist oder entsteht, und landwirtschaftliche, orstwirtschaftliche und gärtnerische Betriebe. Grund- tucke oder Betried»grundstucke zu bewerten sind, ür die ein Einheitswert auf den 1. Januar 1931 noch nicht festgestellt ist, wird die Steuer zunächst vorläufig festgesetzt. Hierbei ist der vorliegende letzte Einheit»wert, also in der Regel der auf den 1 Ja- nuar 1928 festgestellte, zugrunde zu legen. Sollten sich auf der vorläufigen Ansetzung diese» Werte» hin. sichtlich der Steuerzahlung für den Pflichtigen Härten ergeben, so ist durch Stunduna eine» angemessenen Teilbettage» der Steuer zu Helsen.
•• Sängerehrungen d« S Hessisch«« Sä n gerb undeS. Der Hessisch« Säng«rbunb «hrie in diesen Tagen wiederum ein« Anzahl verdienter Sänger durch besondere Ehrenzeichen. Der Sänger Friedrich Henkel (Harmonisch«- Kränzchen), Schlitz, erhielt für 50jährige aktive Sange-tätigkeit die goldene Shrennabel de- Hessischen Sängerbünde- und gleichzeitig den Ehren- brief des Deutschen Sängerbundes. Mit der silbernen Ehrennadel für 4Ojährige aktive Sangestätigkeit wurden Fritz Germer, Emil Trapp, Heinrich K o r n D c r , sämtlich vorn Männer- gesangvdrein Wetzlar, Heinrich Schmidt IV., Anton Kr« ud « r vom Männergefcmgvere.n Grünberg und 3akob Grülina. Germania Dad-Rauherm, ausgezeichnet. Die Verdienst na del für 25jähriae aktive DorstandSarbeit erhielten Heinrich Schmidt VIII., Heinrich Lotz, Heinrich 2 a r z . Franz T a b o s ch a t und Friedrich Schäfer, sämtlich von „Eäcilia" Lich, Balth. Decker, Ludwia Döbel III., Johann Jammer und Balthasar Schnecke«, „Frohsinn Londorf, und Wilhelm 3 u n g vom Gesangverein „Eintracht" Leihgestern. Zum Shrenchormeister im Hessischen Sängerbund wurde Eduard E u j € vom Männergesanaverein Wetzlar ernannt. Gleichzeitig wurde ihm Die Ehrennadel verliehen.
" Derband ber 3ngenieure unb Architekten. 3n Würzburg wurde der „Verband der 3ngenteure und Architekten Deutschland- unb Oesterreich-" gegründet, der es sich aut besonderen Aufgabe macht, die Gruppe bet Ingenieure unb Architekten (Absolventen deutscher Techniken. 3ngenieurschulen und Polyicch- ntfen) zu gemeinsamer SlanbeSvertretung au* sammenzusatten. Die hiesige OrtSgruppe^geschäsi»- stelle befinbet sich im Hause Goethestraß« 57.


