itn
40U V
SJS*
*.Sro6i ,flnif Uz vom L $)2
1t.
nen
03811
.HM
1 lölRto icrloren Vicb— iehen-Marburg. mbmititilumi ges- •lobnitng erbeten, icimidt, Volkmtrun, Sleinweg. (<— M
,er. Abonnement r^ottina Bant, ;urt linier M
<4790
rei
Siebener
4490>
Seite st, in Notf
all
Ur. 155 Zweites Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Montag, 6. Zu« 1931
_______12—^
SJl.-tfport
Spielvereimgung 1900
erfolgreichster 2)«reia bei den Bezirk«- meisterschaf tea der Srautn in Kassel.
Am gestrigen Sonntag gelangten auf der Hessenkampfbahn zu Kassel die DezirkSmeister- schaften der Frauen de« Bezirk« Hessen-Hannover zmn Austrag. Gießen war durch die Damen der Spiclvereinigung 1900 Würdig vertreten. Richt weniger al« neun Meisterschaften ver- mochten die hiesigen Leichtathletinnen zu erringen, außerdem fielen ihnen zehn zweite und sieben dritte Plätze zu. Ein eindrucksvoller Sieg wurde in der 4x100-Meter-Stafsel errungen, die mit 12 Meter Dorsprung vor Kurhessen Kassel gewonnen wurde. Hervorragende Leistungen zeigte Frl. D r e w S im DiSluswersen mit 27,92 Meter, im Kugelstoßen mit 8.40 Meter und im Wertsprung mit 4.76 Meter. Ausführlicher Bericht folgt.
Kein deutscher Sieg in (Stamford Bridge.
Bei den englischen Leichtathletikmeisterschaften in Dtamsord Bridge wurden am Samstag die Entscheidungen auSgetragen. Rachdem der Kölner Mittclstrecklcr Böller schon am SamStag auSge- schieden war. ruhten die deutschen Hoffnungen auf Dr. Pcltzer und dem Kölner Weitspringer Mölke, die aber beide nur auf Plätzen landeten. Dr. Peltzer war über 880 DardS durch einen ihm in den Fuß dringenden Dorn seine« Rennschuhe« behindert und wurde in dem von Hampson-Eng- lanb in 1:54,8 gewonnenen Rennen Dritter.
Heber 440 Bords belegte Peltzer nur den vierten Platz. 3m Weitsprung, den der Holländer de Boer mit 7,21 Meter gewann, wurde Möller mit der schwachen Leistung von 6,84 Meter nur Dierter.
Abschluß
der Wimbledon »Meisterschaften.
Die englischen Tennismeisterschaften in Wim- bledon wurden am SamStag mit den Entscheidungen in den Doppelspielen beendet. Es gab nochmal« recht spannende Kämpfe und wieder einen großen* Besuch. Die Amerikaner Lott und van Ryn sicherten sich den Sieg im Herrendoppel mit 6 2. 10:8. 9:11, 3:6, 6:3 über die Franzosen Eochet und Brugnon Da« Paar Sheppard unb Baron (Mudsord) gewann daS Damendoppel flcflcn Metaxa und Sigart mit 3:6, 6:3, 6:4 und im Gemischten Doppel siegten wieder die Amerikaner Harper und Lott über Ridky und EollinS mit 6:3, 1:6, 6:1.
Oie Henley Regatta.
Berliner RE. auSgeschieben.
Der einzige deutsche Vertreter bei der Henleh- Regatta, der Berliner RE., muhte bereit« im Zwischenlauf des Großen Achters um den Herausforderungspokal ausscheiden Er hatte als Gegner den Londoner Rowing Club, dem er ein scharfes Rennen über die 2400 Meter lange Strecke lieferte. Sieger wurde die Londoner Mannschaft mit dem knappen Dorsprung von 1/8 Länge vor den Deutschen.
Bezirks-Turn- und Sportfest des 3. Bezirks 9. Kreis im Arbeiier-Turn- und Gporibmid.
Der 3. Bezirk im 9. Kreis des Arbeiter-Turn- unb Sport bund kann in diesem 3ahre auf sein 25- jährigeS Bestehen zurückblicken. 3m 3ahr 1906, als der 3 Bezirk ins Leben gerufen wurde, traten ihm sieben Vereine bei. Seitdem hatte er ernc stete Aufwärtsentwicklung zu verzeichnen. Zur Zeit sind dein 3. Bezirk 58 Vereine mit über 3000 Mitglieder angeichlosten. Genau wie im Bezirk, hoben auch die Dezirksveranstalttmgen eine beachtenswerte Höhe erreicht. So gab auch das diesjährige 3ubilaumSbezirksfest in Raunheim bei Wetzlar wieder einmal Zeugnis von dem Können im Ar bei ter-Sportbund.
Bereits am Scrmstaqnachmittag begann ein reges Leben auf der Festwiese. Die Sportler und Sportlerinnen maßen ihre Kräfte in Einzel- und Mehrkämpfen. Den Höhepuntt am Samstag brachte der Zestkvmmers. Wurden doch hier von den einzelnen Vereinen erstklassige Leistungen geboten Do gefielen ganz besonders das Bezirks- Tromm lerkorps. die Bezirksriege am Barren und Reck, die Sportlerinnen von Krofdorf, Launsbach und Heuchelheim mit ihren Volkstänzen, die Tur- nerinnen von Wieseck mit ihrem Matrosenreigen, die Arbeiter-Radfahrer von Wetzlar, die Sportler von Raunheim, die Flachturner von Wieseck und von Lollar.
Am Sonntagvormittag herrschte abermals reges Leben auf der Festwiese und die Wettkämpfe der Turner. Sportler. Fußballer, Turnerinnen und Sportlerinnen wickelten sich schnell ab. EineMu- sittapelle sorgte für die Unterhaltung. Pünktlich setzte sich ein stattlicher Festzug in Bewegung, in
dem besonders die Turner- und Sportlerinnen stark vertreten waren. Rach dem Eintreffen auf dem Festplatz folgten die Begrüßungen und Ansprachen von Iugendleiter Schneider (Krofdorf) und dem Kreisjugendleiter des Kreises Biedenkopf. Die Massenfreiübungen der Sportlerinnen und Spvrller klappten sehr gut. Volkstänze der Sportlerinnen, Turnen der Bezirksriege am Reck, ein Fußballspiel Raunheim gegen Docken- Heim, sowie ein Handballspiel zwischen zwei Auswahlmannschaften bildeten den Abschluß des sportlichen Programms. Die Siegerliste, die wir in einem Auszug wiedergeben, zeigt folgende
Ergebnisse:
Turner (Oberstuse) Siebenkampf: 1. Karl Wagner. Launsbach, 247; 2. Ernst Schöff- mann, Wieseck, 240; 3. Adolf Kreiling, Wieseck. 237; Heinrich Decker. Krofdorf, 237; 4. Willi Theis. Raunheim, 233; Alfred Oßwald, Wieseck, 233; Karl Leib, Launsbach, 233; 5. Willi Winter. Launsbach. 232; 6. Albert Winter. Launsbach, 228 ; 7. Karl Schepp. Weidenhausen, 221; Rudolf Pfaff, Launsbach. 221; 8. Otto Dörr, Raunheim, 220; 9. Hermann Ruppert, Weidenhausen, 218; 10. Wilhelm Dender, Launsbach, 216; Willi Frei; I., Wißmar, 216 Punkte.
Turner (Mittelstufe) Siebenkampf: 1. Waller Kollmar, Herborn, 228; 2. Hugo Kreiling, Wieseck, 227; 3. Adolf Bernhard, Rod- l heim, 225; 4. Gustav Sleuernagel, Beuern, 224;
5. QCbcrt Schäfer, Launsbach, 222; 6. Heinrich 1 Will, Treis. 220; 7. Heinrich Müller, Weiden-
Der zerstötte Dachstuhl der Bremer Stephanikirche, die durch ein Großseuer schwer beschädigt wurde.
Hausen, 217; 8. Wilhelm Berichard. Rodheim, 215; 9. Wilhelm Hirschhäuser, Odenhausen, 214: Ludwig Reuter. Staufenberg, 214; 10. Otto Mühl ich. Beuern, 212; Wilhelm Lemp. TreiS, 212 Punkt«.
Turner (16—17 3 ach r e) Siebenkampf: 1. Heinrich Hettche, Treis, 233; Otto Koch, Wißmar, 233 ; 2. Otto Schneider. Beuern, 227; Ernst Bähr. Lollar, 227; 3. Fritz Kolmar, Herborn, 224; 4. Franz Krämer, Rodheim, 221; 5. Heinrich Schneider, Frvnhausen, 218; 6. Karl Becker, Fronhausen. 214; 7. 3rchann Schnabel, Frvnhausen, 213; 8. Heinrich Helm, Herborn, 203; 9. Wilhelm Weber, Weidenhausen, 200; 10. Otto Roch. Alsfeld. 196 Punkte.
Turner (14 bis 16 3ahre). Siebenkampf: 1. Adolf Schepp, Weidenhausen, 240 P.; 2. Willi Stecker. Wieseck, 235; 3. Karl Schäfer, Wieseck, 227; 4. Hans Greiling, Wieseck, 221; 5. Gustav I Renaldo, Beuern 216; 6. Hugo Pfeiffer, Launsbach, 213; 7. Karl Reeh, Rodheim. 212; Otto Klinkel, Launsbach, 212; 8. Otto Leib, Wieseck, 206; Heinrich Reeb, Raunheim, 206; 9. Hans Wiegand, Alsfeld, 204; 10. Georg Lotz, Fronhausen 192.
Turnerinnen über 18 3 ahre: Dier- kampf: 1. Hilde Bremer, Wieseck, 143 Punkte; 2. Klara Bremer, Wieseck, 132; 3. Klara Reusch- ling, Klein-Linden, 127; 4. Anna Schlopbach, Lauterbach, 124; 5. Lina Dender, Krofdorf, 122; 6. Helene Volk, Klein-Linden 118; 7. Helene Schnegelber ger, Lauterbach, 117; 8. Eva Wendel, Herborn 114.
Turnerinnen (unter 18 3ahren). Vierkampf : 1. Karvla Körber, Wieseck, 133; 2. Erni Seibert, Wieseck, 132; 3. Gretel Trabant, Lauterbach, und Lina Dötz. Wieseck, 129; 4. Toni Klinket, Wißmar, und Christtne Ruhn Treis, 127; 5. Elsa Hammel, Lollar, und Marie Rinaldo, Deuern 126; 6. Anna Rösser, Wieseck, 125; 7. Helene Kraft, Wißmar, 121; 8. Emma Schneider, Wieseck, 120; 9. Elise Helm, Lauterbach, 119; 10. Frieda Wagner, Wißmar, 118 Punkte.
Sportler (Altersklasse): Dreikampf: 1. Wilhelm
Schwarz, Annerod. 194,39; 2. Georg Lehrmund. Leun, 173,25 ; 3. Albert Göbler, Gleibera, 150,44;
4. Wilhelm Schmidt, Krofdorf, 147,49; 5. Heini Kutscher, Krofdorf, 147,10; 6. Wilhelm Hofmann, Krofdorf, 146,05; 7. Karl Pfaff, Kinzenbach 143.40; 8. Ferdinand Reeh, Krofdorf, 135,80 ; 9. Alex Dureck, Lollar, 134,47; 10. Joses Heppert, Großen-Linden, 131,19 Punkte.
Sportler über 1 8 3 ahre (Achtkampf): L Willi Rühl. Raunheim, 490; 2. Wilhelm Leitner, Großen-Linden, 457,16; 3. Karl Drescher, Gleiberg, 456,56; 4. Georg Straft, Alsfeld, 440,27; 5. Willi 3anz, Gleiberg, 436,17; 6. Wilhelm Ziegler. Lollar. 428,82; 7. Adolf Pfaff. Kinzenbach 428,26; 8. Ernst Scharf. Lollar. 417; 9 Artur Gilbert, Heuchelheim. 404,15; 10. Willi Weimer, Raunheim, 397,19 Punkte.
Sportler über 18 3ahre (Dreikämpf): 1. Ewald Depter, Heuchelheim, 212, 2. Heinrich Dill, Raunheim, 203,63; 3. Ernst Dechtold, Krofdorf. 200.12; 4. Hermann Schäfer, Raunheim, 198,75; 5. Kurt Tönges. Wißmar, 198.50 ; 6. Georg Kraft, Alsfeld, 194,61; 7. Kurt Mandler. Wißmar, 193,19; 8. Willi Schardt, Watzenborn, 192,26 ; 9. Otto Strauch, Raunheim, 188,88; 10. Walter Pfaff, Kinzenbach 187,19 Punkte.
Sportler (Jahrgang 1913 bis 1914): Vier- kämpf: 1. Hermann Leidner, Alten-Bufeck, 201,92; 2. Adolf Schmitt, Wieseck, 200,79 ; 3. Wilhelm Otto, Beuern, 191,25; 4. Ernst Bellos, Wieseck, 190,71; 5. Hermann Henkel, Odenhausen 189,88 Punkte.
Sportler (3ahrgang 1915 - 1917). Dreikampf: 1. Ernst Kreiling, Raunheim, 172,88; 2 Karl Klinke!, Staufenberg, 166,56 ; 3. Albert Schreiner, Al- tenbuseck, 154; 4. Ernst Leib, Wieseck. 144.88; 5. Willi Hosmann, Alten-Duseck. 144,63 Punkte.
Sportlerinnen (über 18 3ahre) Dier- kampf: 1. 3ohannette Pfeiffer, Launsbach, 203,05 Punkte; 2. Emma Resseldreher. Heuchelheim. 179.17; 3. 3lse Euler. Krofdorf. 151,39; 4. Alma Decker, Lollar. 133,19; 5. Marie Wagner, Krofdorf, 118,44; 6. Kätchen Hofmann. Heuchelheim. 112,39; 7. Relli Arnold. Launsbach 111,78; 8. Anna Dvgelhöfer, Launsbach. 105,44; 9. Marie
Eva am Strand
Vornan von Hermann Weick.
Rachdruck verboten!
I.
Eva Willer kam aus ihrem Dadekarren und ging, den fchlanken, hochbeinigen Körper kokett in den Hüften wiegend, über den Strand; die bewundernden Dlicke, die ihr aus zahlreichen Männeraugen zuflogen, riefen auf ihrem Gesicht ein siegesbewußtes Lächeln hervor.
„Ist sie nicht ein fabelhafter Kerl?" fugte Paul Bertram zu dem neben ihm im Sande liegenden Herrn.
Wer?"
Dertram wies mit der Hand nach der jungen Dame.
„Eva Willer!"
..Geschmackfache!" antwortete 3örg Leupold lakonisch.
„Ratürlich! Für dich gibt es za nur e \ ne Frau, über die zu reden sich überhaupt verlohnt!'
„Schwatze keinen Unsinn, Paul!"
.,3ch sage dir aber allen Ernstes: etwas so Schönes, Vollendetes wie diese Eva Willer habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen!"
Der Maler Leupold lachte.
„3st es wieder einmal so weit mit dir?"
„Spotte nicht!"
„Wieviele Male habe ich eigentlich den begeisterten Hynmus, den du jetzt auf Fräulein Willer anstimmst, schon von dir zu hören bekommen?" e
Bertram sprang auf.
„Mit dir ist heute kein vernünftiges Wort zu reden! Adieu!"
„Hals- und Beinbruch!" rief Leupold ihm nach.
Bertram näherte sich langsam Eva Willer, die von zahlreichen Kavalieren umringt war. Sie schien sich in glänzender Laune zu befinden; etwas Strahlendes. Faszinierendes ging von ihrer Erscheinung aus.
Run hatte sie Bertram bemerkt; lächelnd sah sic ihm entgegen
„3d) dachte schon. Sie hätten das Morgenbad verschlafen!" sagte sie nach den ersten Worten der Begrüßung.
„Haben Sie mich vermißt, gnädiges Fräulein?"
„Welche Einbildung!" entgegnete sie kurz und schritt ins Wasser, gefolgt von der Schär ihrer Verehrer.
Ein übermütiges Treiben begann Die Wellen, die heute sehr hoch gingen, jagten über die Badenden hinweg, man mußte sich gegenseitig an den Händen fassen, um nicht umgeworfen zu werden.
„Wollen wir hinausschwimmen?" sagte Eva Willer zu Berttam, der nicht von ihrer Seite gewichen war.
Sie wartete seine Antwort nicht ab, sondern schwamm mit kräftigen Stößen rneerwärts. Sie war eine blendende Schwimmerin; Berttam hatte Mühe, ihr zu folgen. Die übrigen Kavaliere biteben, einer nach dem anderen, zurück.
Plötzlich setzten hinter ihnen die Warnungssignale der Badewärter ein; sie hatten, ohne es zu bemerken, die Dadegrenze überschritten.
„Halt! Umkehren!" rief Berttam.
Eva Witter drehte den Kopf nach ihm zurück.
„Angsthase!"
Er schwamm an ihre Seite.
„Es ist zu gefährlich! Drehen Sie um!"
„Sorgen Sie sich so um 3hr Geben?“ spottete sie.
„3ch sorge mich um Sie!"
„Dann bleibt mir allerdings nichts anderes übrig, als 3hnen zu gehorchen!"
Sie wendete und schwamm neben Berttam her, dem Land zu. Man war durch die Warnungszeichen der Wärter auf die beiden aufmerksam geworden; von allen Seiten sah man zu ihnen hin. Einige Badegäste schimpften über ihre Fahrlässigkeit, so weit hinauszuschwimmen; einer der Bade- Wärter winfte Eva drohend mit seiner kleinen Flagge. Sie lachte ihm übermütig zu
„Wollen wir uns in den Sand legen?" fragte Berttam. als sie aus dem Wasser kamen
Eva war damit einverstanden.
Sie suchten eine passende Stelle und gelangten dahin, wo der Maler Leupold mit geschlossenen Augen lag und sich von der Sonne bräunen lieh.
„Aufwachen, 3örg!“ rief Berttam. „Hoher Bestich kommt!"
Leupold wollte sich erheben
„Bleiben Sie ruhig liegen!" sprach Eva Willer und reichte ihm die Hand zum Gruß. „Hoffentlich störe ich Sie nicht!"
„Keineswegs, gnädiges Fräulein!“
Man unterhielt sich anfangs zu dreien dann legte Leupold sich wieder zurück.
Paul Berttam kam immer mehr in Feuer; die Rähe Eva Willers bezauberte ihn aufs neue. Seine Stimme wurde zärtlich, er sparte nicht an schmeichelnden Worten.
„Wissen Sie, was mich heute am meisten freut, gnädiges Fräulein?" sagte er plötzlich und sah Eva mit innigen Blicken an.
„Run?"
„Daß wir die Herren, die Sie vorhin so intensiv mit Beschlag belegt hatten glücklich abgehängt haben; daß ich Ste jetzt für mich ganz allein habe!"
„Und Herr Leupold?"
„Der zählt nicht!"
Eva Witter wandte sich dem Maler au.
„Haben Sie gehört, was 3hr Freund soeben behauptet hat?"
Leupold machte eine knappe Handbewegung.
„Paul sagt oft Dinge, die er nicht verantworten kann!"
„Ganz meine Meinung!" pflichtete Eva Willer ihm lachend bei.
Berttam begehrte auf.
„Das ist Verleumdung! 3ch stehe zu jedem Wort, das ich bis jetzt zu 3hnen gesagt habe!... Daß 3örg hier nicht mitzählt, ist doch sonnenklar; seine Wünsche gehen nach einer anderen Richtung I“
„Zur .trauernden Witwe'?" warf Eva Willer ein.
Leupold richtete sich jäh auf.
„Wen meinen Sie damit, gnädiges Fräulein?"
Unter Leupolds droherrden Blicken wurde Eva Witter verlegen.
„Frau Moest...", antwortete sie zögernd.
Ein zorniger Ausdruck kam in das Gesicht des Malers.
„3ch möchte Sie bitten, gnädiges Fräulein, in meiner Gegenwart über Frau Moest keine derartigen Scherze zu machen!"
„Ranu! Warum gleich fo gereizt, 3örg?" legte Berttam sich ins Mittel. „Du wirst doch Spaß verstehen!“
„Für solchen Spaß fehlt mir das Verständnis!" Eine gespannte Stimmung hatte Platz gegriffen Mit beleidigtem Gesicht sah Eva Witter da; sie schwieg beharrlich.
Rach einer Weile verabschiedete sich Leupold.
„3hr Freund ist ein ekelhafter Mensch I" stieß Eva Witter empört hervor. „So grob ist mir bis heute noch niemand gekommen!"
„Es war nicht halb so schlimm gemeint; 3örg ist nun einmal etwas derb in seinen Äußerungen, im Grunde ist er aber ein guter Kerl! Rur wenn die Rede auf Frau Moest kommt, wird er überempfindlich."
„Er braucht seine Ueberempsindlichkeit nicht gerade an mir auszulassenI"
Berttam ergriff Evas Hand.
„Run lassen wir aber Leupold und seine Frau Moest in der Versenkung verschwinden nicht wahr! Wir wollen uns doch wegen der dummen Sache nicht den schönen Morgen verderben!"
Eva Witter schien ihren Qlerget nicht so rasch zu überwinden.
„3ft es übrigens gar so schlimm", fuhr 'Bertram fort, „wenn 3örg sich dagegen auflehnt, daß die Dame, in die er anscheinend heftig verliebt ist. einen Spottnamen angehängt bekommt? ... Wenn mir das passierte, wenn jemand in meiner Gegenwart über Sie einen Witz machen würde, hätte er sicherlich nichts zu lachen!"
Eva wurde verlegen
„Don mir ist doch nicht die Rede..."
„3ch spreche aber von 3hnen... und von mir!“ Berttam lehnte sich zu ihr hinüber. „Warum wollen Sie mich nicht verstehen Eva?"
Sie sah den verlangenden Ausdruck in seinen Augen Auch jetzt gestand sie sich wieder em, daß der Schauspieler ihr gefiel. Hübscher, ele
ganter und unterhaltender war er zweifellos als die anderen Herren, die ihr hier den Hof machten Vielleicht wäre es schön, von ihm geliebt zu werden...
Ein weicher Schein kam, für die Dauer weniger Sekunden, in Evas Antlitz. Dairn aber brach der Uebermut wieder aus ihr hervor.
Sie erhob sich.
„Wir wollen wieder ins Wasser gehen! 3ch glaube, daß eine Abkühlung 3hnen gut tun wird!"
Berttam sah sie betroffen an.
„3st das 3hre ganze Antwort. Eva?"
Sie war schon einige Schritte von ihm entfernt, da drehte sie ihm das lachende Gesicht zu.
„Sie dürfen nicht so neugierig fein! Reugier de ist ein Vorrecht von uns Frauen! Männer müssen abwarten können, bis man ihnen freiwillig sagt, was sie gerne hören möchten!" -
„Wir 3hr Freund nicht böse sein wenn ich Sie ihm so oft entziehe?" fragte Hanna Moest.
3örg Leupold schüttelte den Kops.
„Er hätte ohnehin nicht viel Zeit für mich übrig. Wie Sie bemerkt haben werden, hat er augenblicklich vollauf zu tun!"
„Herr Berttam scheint ein großer Damenfreund zu fein!"
„So etwas an leicht entzündbarem Herzen findet man so bald nicht wieder! Dabei meint Paul jedesmal, wenn es ihn wieder packt, jetzt sei es die große, einmalige Liebe! Zur Zeit sieht er sein Heil in Fräulein Witter I"
„Das ist mir nicht entgangen“, antwortete Hanna Moest lächelnd. Und nach einer kleinen Pause: „Herr Bertram unb Sie sind eigentlich sehr ungleiche Freunde!"
„Da haben Sie nicht unrecht, gnädige Frau! Vielleicht vertragen wir uns aber gerade deshalb so gut. obwohl wir hin und wieder nicht «unsanft mit den Köpfen Zusammenstößen. Unsere Freundschaft dauert aber schon so lange, daß sie einen ordentlichen Puff aushält!"
Leupold blieb stehen. Am Strand herrschte daS übliche Rachmittagstreiben Man sah in den Sttandkörben oder lag im Sand; man plauderte, lachte, flirtete. Die hellen Stimmen der Kinder, die sich mit leidenschaftlichem Eifer ihren Spielereien Hingaben, übertönten alles.
„Wollen wir hier bleiben?“ fragte der Maler.
„3ch denke, wir gehem wieder in die Dünen; es ist dort ruhiger als hier."
Seit einigen Tagen waren Hanna Moest und 3örg Leupold häufig beisammen Man sprach im Hotel darüber, weil Hanna Moest, sehr zum Aer- ger der übrigen Kurgäste, bis dahin sich von jeglichem Verkehr femgehalten und ganz zurückgezogen gelebt hatte. Also war die schöne, stolze Witwe doch- nicht so unzugänglich, wie sie sich gebärdete!
(Fortsetzung folgt.)


