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Ur. 129 Erstes Blatt

18(. Jahrgang

Zreitag, 5. Juni 1931

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Beilagen:

Die Illustriert«

Vtetzener Famllienblätta Heimat im Bild Dir Scholle Olonats Bezugspreis;

2.20 Reichsmark und 30 Reichspsenntg für Träger» lohn, auch bei Richter- tot men emzelnerRummern Infolge höherer Gewalt liernsprechanfchlüsfe

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Chefredakteur.

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

Landnöten.

Ellemenceau hat gewußt, was er tat, als er in das Versailler Diktat die Feststellung auf­nehmen ließ, daß Deutschland den Weltkrieg geplant und vorsätzlich herbeigeführt, daß es außerdem seinen Gegnern den Krieg aufgezwun­gen hätte. Die damalige deutsche Regierung ist sogar genötigt worden, diese Behauptung durch ihre Unterschrift anzuerkennen, wenn sie auch gleichzeitig die Erklärung abgegeben hat, daß sie nur der Gewalt sich füge. Aber mit dem angeblichen Eingeständnis Deutschlands ist di« gegnerische Propaganda hausieren gegangen. Sie hat es dadurch verstanden, das Gebäude von der AlleinschuldDeutschlandsamKriege zu untermauern, hat sogar den Versuch machen wollen, das Urteil der Geschichte vorwegzu­nehmen. Das wird ihr gründlich mißlingen. 3e weiter wir uns von dem verwirrenden Durch­einander der Iulitage des Kriegsjahres 1914 ent­fernen, desto nüchterner wird der Blick. Und schließlich, es ist ja ein altes historisches Gesetz, daß ein Friedensvertrag keine Tatsachen fest­stellt, sondern nur das Recht des Stärkeren ent­hält. Trotzdem ist es nicht nur moralisch wichtig, wenn von Deutschland aus der Kamps gegen diese Kriegsschuldlüge, der ja schon im Kriege selbst geführt werden nrußte, mit zäher Energie weiter gefochten worden ist; leider nicht immer mit der erforderlichen aktiven Unterstützung der amtlichen Kreise. Denn die französische Pro­paganda hat es tatsächlich erreicht, daß der Glaube an unsere Schuld draußen in der Welt noch sehr fest sitzt, vor allen Dingen in den breiten Massen des amerikanischen Volkes. Diese Ueber- zeugung muß erschüttert werden, denn nur dann wird Amerika sich früher oder später bereitfinden, einen Teil der Kriegsschulden zu streichen, weil ja nach der ganzen Konstruktion, die in Versailles gefunden wurde, die Rechtfertigung der deutschen Reparationen aus dieser falschen These aufgebaut ist. Es ist deshalb ein verdienstliches Werk, wenn jetzt dieZentralstelle für die Erforschung der Kriegsursachen" eine internationale Rundfrage an Wissenschaftler und Sachverständige aller Länder gerichtet hat, um ihre Meinung über die drei entscheidenden Fragen einzuholen, ob Deutschland den Krieg vorsätzlich geplant, ob es ihn den Gegnern auf­gezwungen hat und ob endlich das im Versailler Diktat abgegebene Schuldurteil auf Grund von unvollständigem, tendenziösen und zum Teil sogar gefälschtem Matersial gewonnen wurde. Man kann eine solche Hmfrage natürlich färben, je nach dem Kreis, an den man sich wendet. Die Zentralstelle hat aber auf jene Einseitigkeit ver­zichtet, sie ist sehr objektiv gewesen auch m der Veröffentlichung der Antworten, die jetzt in ihren Berliner Monatsheften" erfolgt. Wenn wir uns auf Einzelheiten nicht einlassen, sondern nur das Ergebnis feststellen, dann ergibt sich, daß von insgesamt 71 Antworten nur fünf davon drei aus Frankreich, eine aus England und eine aus Amerika die vorsätzliche Kriegsschuld Deutschlands bejahen, zwölf Erwiderungen sind unbestimmt, die übrigen 54 darunter achtzehn aus Amerika, elf aus Frankreich und acht aus England antworten mit nein. Die zweite Frage, ob Deutschland den Krieg aufgezwungen hat. wird in acht Fällen mit 3a beantwortet, in fünfzig Fällen mit Rein und die dritte nach der Qualität des Versailler Urteils findet gar nur einen einzigen Verteidiger, während 51 das Urteil als über­holt bezeichnen. Wir überschätzen dieses Ergeb­nis sicher nicht, aber es zeigt doch immerhin einen Fortschritt und zeigt vor allem, daß heute schon vor einem Areopag internationaler Sach­verständiger Deutschland von der Anllage der Alleinschuld am Kriege freigesprochen werden würde.

Die Franzosen haben in den letzten 3ahren mehr als einmal von ihrem Goldreichtum politisch sehr geschickten Gebrauch gemacht. Sie schicken sich auch jetzt wieder an, das Gold in den Dienst ihrer Außenpolitik w stellen, vor allem deswegen, weil die Offizielle Behandlung des Reparationsproblems unmittelbar vor der Tür steht. Die Engländer fangen plötzlich an, recht nervös zu werden. Wie auf ein ge­meinsames Signal laufen eine ganae Reihe von Zeitungen Sturm gegen die französische Goldpoli- tik. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß hinter den Angriffen die Londoner Regie­rung steht, die zuschen muß, wie ihr die Fran­zosen mit ihrem Dolde so manches politische Ge­schäft auf dem Kontinent zerschlagen. 3mmerhin schadet es nichts, daß die Engländer die Macht des französischen Goldes gründlich zu spüren be­kommen. 3e stärker der Druck Frankreichs ist, desto eher werden sie sich beeilen, einen Kurs einzu- fchlagen, der darauf hinausgeht, die für ganz Eu­ropa unerträglich gewordene politische, mili­tärische, finanzielle und wirtschaftliche Vorherr­schaft Frankreichs allmählich abzubauen.

Die junge spanische Republik macht augenblicklich ihre erste innere Krise durch. Die neuen Machthaber haben erkannt, daß das Regieren kein reines Vergnügen ist. Sie sehen sich einer Fülle von Problemen gegenüber, die theo­retisch wohl leicht zu lösen sind, im Lichte der rauhen Wirllichkeit aber Menschenkräfte überstei­gen. Der gefährlichste Stoß kommt ihnen von der Währung her. Das Ausland glaubt nicht recht an eine ruhige innere Entwicklung und hat daher angefangen, seine Kapitalien aus der gefährlichen Umgebung herauszuziehen. Auch die spanischen

Henderson über die Sicherung des Weltfriedens.

Zwei Notwendigkeiten: Abrüstung und Völkerbund. Staatssekretär Stimson geht in Hilfsstellung.

London, 4. Juni. (111.) Außenminister Hen­derson hielt heute abend in Lincolns Inn in London einen Vortrag über die Konsolidie­rung des Weltfriedens. Henderson ging von dem Gedanken aus, daß bis zum Ausbruch des Welt­krieges noch niemals der Friede und seine Erhal­tung sachgemäß organisiert worden sei. Die Ursache der Katastrophe von 1914 sei der Rüstungs - Wettbewerb gewesen. Das europäische Konzert, das sich aus der Idee der Zusammenarbeit der Völ­ker ausgebaut habe, sei zusammengebrochen, weil die notwendig« waschinerie zur praktischen Durchführung des Zusammenwirkens der Rationen gefehlt habe. Die beiden hauptsächlichsten Gründe aber seien die Systeme der Bündnisse und Gegenbünd­nisse gewesen. In Versailles habe man erkannt, daß zur Stabilisierung des Friedens zwei Dinge notwendig seien: Ein wirkliches Gleichge­wicht der Mächte, das sich auf der A b r ü - st u n g aufbauen und sein Ansehen nicht von der wacht und der Gewalt herleiten müsse, sondern von der Achtung vor den Verträgen, dem geeigneten Schuh gegen einen Angriff, dem Refpekl vor den Rechten der kleineren Rationen und der Gerechtig­keit für die winderheiten. Ferner sei man sich dar­über klar gewesen, daß eine dauernde waschinerie geschaffen werden müsse, die als europäisches Kon­zert wirklich wirksam sei. Der Völkerbund sei ein Konzert der wächte in einer vollendeteren Form, als es Lord Salisbury jemals vorausgesehen habe. Der Völkerbund stelle eine kollektive Verant­wortlichkeit zur Erhaltung des Frie­dens dar. Seine witglieder dürsten nicht etwa die Freiheit haben, im Interesse ihrer Sicherheit un­beschränkt und ohne Rücksicht auf ihre verpftichtun- gen gegenüber den anderen Mitgliedern des Völker­bundes 3ti rüsten, da dies die zivilisierten Rationen wieder in den Rüstungswettbewerb verwickeln mühte.

lieber gefjenb auf die Abrüstungskonfe­renz, meinte Henderson, daß der bisherige Fortschritt in der Abrüstungsfrage ver­schwinden würde, wenn es nicht gelänge, die Abrüstung zum Erfolg zu führen. Er Halle dies jedoch für möglich, wenn die Regierungen, die die Abrüstung wünschlen, enlschlossen seien, die Konferenz vor einem Fehlschlag zu bewahren. (Eine plötzlich« Abrüstung würde das Gefühl des ver­trauens und der Sicherheit wiederherstellen, das nach Ansicht Hoovers mehr als ein anderer Faklor zur Beendigung der Wirtschaftskrise beitra­gen würde. Die öffentliche weinung in den Ländern fei den Regierungen weil vor­aus. Aber dies wühle auch fo zum Ausdruck kom­men, daß die Abordnungen der einzelnen Staaten in Genf weitmöglich st e Zugeständnisse machen könnten. Die Völker seien bereit, sich von ihren Staatsmännern zu einer neuen Welt führen zu lasten, wo es keinen Krieg mehr gebe, sondern wo der Reichtum und der Geist der wenschheit zur Verbesserung der Lebensbedingungen der schmach­tenden Massen in jedem Lande ausgenuhl werden solle. Laßt uns sehen, so schloß Henderson, daß wir, wenn im nächsten Jahr der Tag der Prüfung kommt, die Völker nicht enttäuschen!

Stimsons Reise nach Europa.

Appell an Frankreich.

Washington. 4. 3uli. (WTD.) Rach bem bisher ausgearbeiteten Programm wird Staats­sekretär Stimson auf seiner Eurvpar eise am 21. 3uli in Berlin eintreffen, wo er eine Woche bleiben wird, um Besprechungen mit deutschen (Staatsmännern zu pflegen. Botschafter S a ck e 11, der sich mit derEuropa"

auf der Rückkehr auf seinen Berliner Posten be­findet. erhielt Weisung, Sttmsvns Berliner Auf­enthalt vvrzubereiten.

Senator B o r a h , mit dem der Staatssekretär den Plan seiner Europareise eingehend besprochen hat, erflärte heute, er begrüße diesen Entschluß als einen äußerst weisen Schritt. Genau wie Kel- lvggs Reise nach Paris zur Unterzeichnung des

Staatssekretär Stimson.

Kellogg - Pakte - diesem großen FriedenS- inf rument erst die gebührende Bedeutung verlie­hen und den für die Befriedung Europas tapfer kämpfenden deutschen Außenminister Dr. 6 trete* mann veranlaßt habe, trotz erheblicher politischer Widerstände und trotz feines sehr geschwächten Ge­sundheitszustandes zum ersten Male den Boden der französischen Hauptstadt zu betreten, so werde

Stimsons persönliches Erscheinen in den haupt- städlen der vier europäischen Großmächte außer­ordentlich zur Verbesserung der außenpolitischen Weltlage beitragen.

Die Don Botschafter Gibson auf der letzten Ta­gung der Vorbereitenden Abrüstungskonferenz ge­forderte Mobilmachung der öffent­lichen Meinung für Rüstungs­beschränkung in allen Waffengattungen fei hier in Washington von Präsident Hoover an­

läßlich der Tagung der 3ntemationaten Handels­kammer in einer energischen Rede eingeleitet wor­den. Runmehr werde Stimson diesen Appell nach Frankreich tragen und, wenn er selbst nicht aktiv an den einzelnen Beratungen teilnehme, doch starken Einfluß auf ein friedliches Zusammen­arbeiten auSüben. Sein Besuch in Berlin, das Stimson nicht kenne, werde gleichfalls für die Klä­rung der internationalen Probleme von erheb­lichem Werte sein.

Oie Abl-üstungöfrage als Hauptzweck der 2Rcife.

R« uhork, 4. 3uni. (TU.) Di« Ankündigung S t i m s o n S, daß er während seines Erholungs- UrlaubS" in Europa mit den Außenministern Deutschlands, Englands, Frankreichs, 3taliens kund Belgiens Fühlung nehmen werde, erregt hier größtes Aufsehen, obwohl der Staatssekretär selbst die politische Bedeutung seiner Reise her­abzumindern versucht. Angesichts des ungeheuren 3ntevesses der Hoover-Regierung an der Ab­rüstung und der allgemeinen Erhal­tung des Londoner Fl o 11enpak tes im besonderen, wird Stimson das Schwergewicht feiner Besprechungen mit den europäischen Kol­legen zweifellos auf das Abrüstungspro- blem legen, und er wird sich besonders bemühen, die von einzelnen Mächten angestrebte

Vertagung der Abrüstungskonferenz zu verhindern.

Der Staatssekretär begibt sich zuerst nach Rom, um sich mit Muss olini und G r a n b i zu besprechen. Die Annahme sei daher gerechtserttgt, daß er versuchen wird, die Beilegung deS fran­zösisch-italienischen Flottenkonfliktes zu fördern, natürlich ohne eine offizielle Vermittlerrolle zu übernehmen. Reuyorker Finanzkreise sehen die entscheidende Bedeutung der Ministerreise in der Tatsache, daß Sttmson Gelegenheit bekommt, das Problem der internationalen Kriegs­verschuldung mit den beteiligten Regierun­gen zu erörtern. Die Washingtoner Berichte der hiesigen Blätter unterstreichen zwar, daß Hoover dem Staatssekretär keine Vollmacht geben werde, über die Reparationen und die inter­alliierten Schulden zu verhandeln, doch glauben weder Wallstreet, noch maßgebende diplo­matische Kreise, daß Stimson sich einer Aus­sprache entziehen könne, da man hier die Reu­aufrollung der Reparattonsfrage für die aller­nächste Zukunft erwartet.

Do X in Brasilien gelandet.

Glatter Klug über den Atlantik.

Paris, 5. Juni. (MTB. Drahtmeldung.) Um 2.10 Uhr Greewicher Zeit Ist der Do X In Fer­nando Roronha an der äußer st en Spitze von Brasilien glatt gelandet.

Eine falsche Meldung von gestern.

Gestern nachmittag wurde von den Rach richten- bureauS eine Meldung des englischen Reuter­bureaus verbreitet, nach der das Nugschiff Do X 65 Meilen von Porto Praia (Kap Verdische 3nseln) entfernt abgestürzt bzw. zur Hot« lanbung auf dem Ozean geschritten sei. Diese Meldung hat sich erfreulicherweise nicht bestätigt, sondern das Flugschiff hat nach Meldungen von Bord und von Dampfern seinen Flug nach Brasilien glatt durchge­führt und dabei im allgemeinen eine Stunden­geschwindigkeit von 240 Kilometer entwickelt. Rach einer HavaS-Meldung aus Lissabon ist die irr­tümliche Rachricht über den Absturz des Do X von einem Dampfer übermittelt worden, dessen

Mannschaft geglaubt hatte, das Flugschiff ab- stürzen zu sehen.

1429 Seemeilen in 1272 Stunden.

Reuyork, 5. Juni. (WTV. Funkspruch.) Rach einer Meldung aus Fernando d o Roronha hat das F l u g s ch i f f D o X die 1 429 See­weilen lange Strecke von den Kap verdischen Inseln nach der Insel Fernando do Roronha in 12 Stunden und 26 Minuten zurückgelegt. Di« Mannschaft, wie die Fluggäste des Flugschisfes sind begeistert über den Flug Die Motoren ar­beiteten ausgezeichnet bei einem Brenn­stoffverbrauch von stündlich 1700 Liter. Der portu­giesische Admiral (Bago Loutinho meldet, daß der Flug glatt verlaufen sei. Do X wird nach Einnahme neuen Brandstoffes nach dem 3C0 Sem eilen entfernten Pernambuco auf dem süd- amerikanischen Festlande weiterfliegen.

Kaufleute denken an die Möglichkeit, daß die Um­wälzung noch nicht zu Ende ist und sorgen recht­zeitig für schlechtere Zeiten vor. indem sie größere oder geringere Teile ihrer Kapitalien jenseits der Grenze in Sicherheit zu bringen suchen. Ob die Regierung recht hat, wenn sie von einer organi­sierten Kapitalflucht spricht, mag dahingestellt bleiben. Die Tatsache aber ist unbestreitbar, daß die spanischeWährung stark inSWan- t en geraten ist. Sie hat feit der Revolution un­gefähr die Hälfte ihres Wertes verloren, hat an einem Tage sogar Verschiebungen von zehn Pro­zent und mehr auSzuhalten gehabt. Kein Wunder, wenn darüber eine Panikstimmung auSzubrechen drohte. Wie sich so ettcaS im 3nlande in Angst­käufen und Masienpsyckw^en auSwirkt. toiffen wir auS unseren eigenen Erfahrungen während der 3nflationSzeit. Der Finanzminister hat zunächst einmal dem Kabinett seine Demission angeboten, die aber abgelehnt wurde, weil der Ministerpräsi­dent erflärte, daß niemand seinen Posten verlassen dürfe. Er hat dann sehr drakonische Bestimmungen getroffen, die den Geldverlehr mit dem Auslands inS Unerträgliche erschweren. Damit ist zunächst eine Entlastung erreicht. Der Peseta ist wieder ge­stiegen. Fragt sich nur. wie lange das dauert. KapitalauSftchrverbvte sind auf dem Papier sehr

schön. Aber die Maschen formen Wohl nie so eng gelegt werden, daß nicht doch ein Loch zum Durch­schlüpfen übrig blieb, zumal da die Währung schließlich doch nicht von der sinanziellen, sondern von der rein politischen Seite her bestimmt wird, und da sieht eS nach wie vor recht trübe auS. Man hat daS Kabinett Zamora einmaldas spanische Kabinett Kerensky" genannt und da­mit den Vergleich ziehen wollen zu dem kurzen ^Interregnum, das in Rußland zwischen dem Za­rismus und dem Bolschewismus eingeschaltet war. Die Ähnlichkeiten sind in der Tat sehr groß, weil ja auch in Spanien die Entwicklung sich nicht organisch, sondern sprunghaft vollzieht und die Parteien erst gebildet werden mühten, die stark genug sind, die Republik zu tragen. Statt dessen zeigt sich unter der Einwirkung russischer Agitation eine unverkennbare Radikalisierung der Massen. Die letzten Ergänzungswahlen für die Gemeinde­räte brachten den Radikalen neue Siege; blutige Zusammenstöße in den Großstädten häufen sich, und es farm nicht lange mehr dauern, dann steht Spanien vor der Schicksalsfrage, ob es überhaupt rroch gelingt, das Abgleiten der pollttschen Revo- lutton in die soziale Revolution mit allen ver­heerenden Folgen zu verhindern.

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Der in Leipzig wegen nationalsozialistischer Propaganda verurteilte und dann zu den Kom­munisten hinübergewechselte Oberleutnant Scheringer hat jetzt in der Per'on des Schleswiger LandvolkführerS von Salomon einen Rachfolger gefunden, v. Salomon , der auch mit den Rationalsozialisten eng zusammen­arbeitete und sich an den Sprengstoffattentaten der extremen holsteinischen Landvolkagitatoren betei­ligte, läßt in der kommunistischen Presse einem Skief veröffentlichen, in dem er baS kommuni­stische Dauemprogramm in allen Tonarten preist. Zugleich hat auch er den Heber tri tt in baS kommuni st ischeLager vollzogen. 3hm wird weder beim schleswigschen Landvolk, noch in an­deren pollttschen Gruppen jemand eine Träne nachweinen. Es darf aber wohl daran erinnert werden, daß daS Programm, daS bei Salomon Helles Entzücken auSgelöst hat, in dem Augenblick im Papieüorb verschwinden würde, in dem die Kommunisten bei unS die Macht ergreifen würden, weil dann auch für den deutschen Dauern die Ent­eignung, die Kollekttvierung und der Fünfjahres- Plan nach russischem Muster maßgebend sein werden.