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Kr. 270 Erstes Matt

M. Jahrgang

Zreltag, 2. Oktober (931

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnllk und Verlag: vrühl'fche Univerfiläts-Vuch- und Steinöruderei R. Lange in Stehen. Zchriftleltung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7.

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

Erschein» »aglich.auhei Sonntags und Feiertag». Beilagen: Die Illustrierte

Gietzener Familienblätler Heimat im Bild Die Scholle.

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Zum 84. (vevurisiag des Reichspräsidenten, ^on Ververt v. Vmoenburg, Gesandten z.O.

Es hergl, daß in unserer Zeit alte Leute älter werben ai» früher. Man lebt hygienlscher, und der ärztlichen Kunst, die immer tuhner und entdectungs- sreubiger wird, gelingt es oft, latente Kräfte zu er­wecken unü muue »Leckrer weit über das biblische Auer hinaus in Gang zu erhalten. Aber es bleibt doch m den meisten füllen em schwieriges, nur durch strenge Dzat unu andere Entbehrungen auf­recht zu erhaltendes Gesundheltswert, das durch feoe Unvorfichtigreit oerhangnisvock gestört werden tonn. Eindrucksvoll und bewunderungswürdig ist es nun bei unserem Reichspräsidenten, üatz er der mooer- nen ärztlichen Nachhilfe so gar nicht bedarf unü i n gewohnter Ruhe und Frische seinen 84. Geburtstag feiern tann. too viel man weih, hat er keinen Hausarzt und hat in feinem langen Leven noch nie eine Kur in einem Badeort gebraucht. Als Hindenburg in Karlsruhe stand, tarn er auf einer Generalstavsreise auch einmal nach Bad Kissingen und soll dort beim aoendlichen Schoppen Wein ge­sagt haben:Jia, es freut mich doch wirtlich, daß iaj au, diese Weise 'mal einen Kurort rennenlerne". Damals tonnte er nicht ahnen, dag Bad Kreuznach wahrend eines Teiles des Krieges jein Hauptquar­tier fein werde, allerdings nicht zu Kurzwecken.

Ohne vielseitige Sponvetatigung scheint er sich durch lange Spaziergänge und die Ausüoung der Jago gesund eryauen zu haben. Besonders bei der Jagd ist Hindenburg noch immer unermüdlich, jüngeren Leuten oft voraus. Roch im August d. I. hat er in der Schorfheide einen starten Hirsch, einen Zwanzigender, mit Blattschutz auf 90 Meter Ent­fernung erlegt. Wer ihn auf der Pürsch begleitet hat, weiß, üatz chindenvurg Jagdfieber nicht tennt. Schon langst hat Hindenburg das Reiten ausgegeben und ist wohl nie ein passionierter Reiter gewesen, ebensowenig wie sein rechter Vetter, mein Vater, der Generalmajor Konrad von Hindenburg, wahrend dessen 1870 bei Mars-la-Tour als Rittmeister und Schwadronschef im 2. Garde-Dragoner-Regiment ge­fallener Bruder Paul einer der besten Reiter der preußischen Armee war. Dieser Hindenburg, der den gieiajen Vornamen führte, wie der Reichspräsident, war auch auherordentlich träftig. Mein Vater er­zählte mir, daß Dntel Paul ein Pferd unterlaufen und auf einer Schulter hochzuheben vermochte. Ucbrigens ist auch der Reichspräsident bis in sein hohes Alter ein sehr starker Mann geblieben. Man erinnert sich, wie er in Hannover den Einbrecher mit eisernem Griff seiner rechten Hand bändigte, während er mit der linken um Unterstützung schellte. Jeder Kriminalist weiß, wie schwer es ist, einen Menschen, der sich der Verhaftung entziehen will, ohne weitere Hilfsmittel festzuhalten.

Da ich meinen Vater erwähnt habe, mochte ich auch einen Ausspruch anführen, den er kurz vor feinem Tode über Hindenburg tat. Dieser, der damals General der Infanterie ä la suite der Armee war, besuchte meinen schwerkranken Vater im Iahre 1912. Er erschien im hohen Hut und langem schwarzen Ueberrock, also in einer Tracht, in der man den Reichspräsidenten jetzt häufig sehen kann. Wir waren alle aufrichtig betrübt, den rüstigen General in der damals für Mili­tärs üblichen Ruhestandstracht zu erblicken. Als Hindenburg mit festem, aber leisem Tritt das Krankenzimmer verlassen hatte, liefe mich mein Vater rufen und sagte:Mein Vetter Paul hat mir unsere gefährdete Lage in der Mitte Euro­pas geschildert. Er müfete General st abs- chef werden, dann werden wir den nächsten Krieg gewinnen, sonst werden wir ihn ver­liere n. Richt lange darauf starb mein Vater, und ich habe' später oft an seine prophetischen Worte gedacht. 3efet liegt auch er auf unserem Familienfriedhof unter den Eichen von Reudeck, und der Reichspräsident wird, wenn er dort wandelt, an jenes Gespräch zurückdenken, das er vor dem Kriege mit seinem Vetter Konrad ge­habt hat. .

Er ist nun der letzte Vertreter der noch vor Der Hälfte des vorigen Jahrhunderts geborenen Gene­ration unserer Familie. Es gehört ihm Reu - deck im Kreise Rosenberg, das nunmehr einzige von dem großen Landbesitz der Deneckendorfss und Hindenburgs übriggebl e^ene Rittergut. Durch Hinzuerwerbung eines Teiles des Waldes von Langenau, eines angrenzenden, schon früher ver­äußerten Gutes, ist Reudeck aus etwa 4000 Morgen vergrößert und ein lebensfähiger Besitz geworden. Das alte gemütliche, im Jahre 1742 erbaute Haus, in dem Hindenburgs Großeltern und Eltern ge­wohnt haben, wurde abgerissen. Es war wirklich ein gemütliches Haus mit heimeligen Zimmern, alles zu ebener Erde, und es ereigneten sich ge­mütliche Geschichten bar in, wie die von dem Vetter, der für eine Rächt kam und dreißig Jahre blieb. Run ist ein neues Herrenhaus im pren- ßischen Barockstil entstanden, das nach Südosten über anmutig bewalde' s Gelände schaut. Unter dem hohen Giebel ist unser Wappen eingemeißelt. Die geräumigen Zimmer sind bequem gelegen und ohne daß eine Ueberfüllung bemerkbar wäre, mit guten alten Möbeln, schönen Bildern und anderen Kunstgegenständen geschmückt. Es sind viele Ge­schenke aus der Felomarschalls- und Präsidenten­zeit darunter, aber das meiste entstammt eigenem Besitz.

Es ist eine erhebende, heute sehr selten gewordene Erfahrung, seinen Lebensabend dort verbringen zu können, wo man in jungen Jahren geweilt hat. Neu deck ist für Hindenburg die Heima t geblieben in die er jetzt zurückgekehrt ist. Auch im Alter hat Hin­denburg sich seinKadettenherz" bewahrt. Das tritt besonders hübsch in einem kleinen Erlebnis zutage, von dem er selbst in seinen Memoiren erzählt:Ein

Kürzung her Höchstdauer in der Arbeitslosenversicherung.

Eine Maßnahme der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung zum Ausgleich ihres Etats im kommenden Winter.

Berlin, 1. Ott. (IU.) Die Reichsanstall für Ar­beitslosenversicherung und Arbeitsvermittlung teilt mit:

Durch die Verordnung des Reichspräsidenten vom 5. 3uni 1931 ist der Vorstand der Reichsaustalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung e r - mächligt und verpflichtet, den Aus­gleich zwischen Einnahmen und Aus­gaben der Reichsanstalt sicherzusfcllen. Auf Grund dieser Verordnung hat der Vorstand in feiner Sitzung vom 1. Oktober d. I. beschlossen, die h ö ch st d a u e r der versicherungsmäßigen Arbeits­losenunterstützung von 26 Wochen aus 2 0 Wochen, für berufsüblich Arbeitslose auf 16 Wochen ju kürzen. Der Vertreter der Reichs­regierung stimmte dem Vefchlufe des Vorstandes zu. Die Reuregelung tritt am 5. Oktober in Kraft.

Die durch den Befchlutz des Vorstandes erzielte Einsparung soll die finanziellen Anforderungen sicherslellen, die bei einer Höch st zahl von 6,5 Millionen Arbeitslosen im kom­menden Winter zu llntersfühungsleistungen in der Arbeitslosenversicherung erwachsen werden. Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit hat sich bisher so gestaltet, daß im laufenden Iahr in der Zeit zwischen dem tiefsten Stanö des Sommers und dem 15. Sep­tember die Zahl der Arbeitslosen um rund Z70000ge st legen ist, d. h. nicht erheblich stärker als in der entsprechenden Zeit des Vorjahres, wo die Zunahme rund 348 000 betrug. Am 15. September d. 3. belief sich die Zahl der Arbeitslosen auf rund 4,3 Millionen; ein abschliefeendes Urteil über die weitere Entwicklung ist zur Zeit nicht möglich."

Kritik der preffe.

Abwälzung auf die Gemeinden

Berlin, 2. DH. (ERB.) Die Herabsetzung Der Unterstützungsdauer für Die Erwerbslosen findet in der Presse, soweit sie sich dazu äußert, fast allge­mein eine kritische Beurteilung. Alle Blätter verweisen auf die für d i e Gemeinden dadurch entstehenden Mehrbela st ungen, da die Erwerbslosen schneller als bisher in die Rrifenfürforge und weiter in d i e Wohlfahrts - Unter st ützung übergeführt werden. DieV o s s i s ch e Zeitung" (Ullstein) glaubt nicht, daß die Erleichterung für die Reichs­anstalt etwas anderes darstelle, als eine Lasten- Verschiebung, die der Allgemeinheit nur in beschränktem Umfange Erleichterung schaffen könne. Auch derB ö r f e n f o u r i e r" bezweifelt die Möglichkeit einer wesentlichen Ersparnis. Der Lokalanzeiger" ist der Auffassung, daß eine wirkliche Ersparnis nur durch eine Kürzung der Unterstützungssätze erreicht werden könne. DerT a g" (Hugenberg) bezeichnet die Maßnah­men der Reichsanstalt als einemDruck von links­nachgebend. Nur eine wirkliche Reform werde Ver­ständnis finden. Die kommunistische Zeitung

günstiger Umstand", so schreibt er,gab mir Ver­anlassung, die Feier meines in den Krieg gefallenen 70 Geburtstags damit zu beginnen, daß ich Drei kleine Kadetten in Kreuznach von der Straße weg an meinen mit eßbaren Geschenken reich besetzten Frühstückstisch rufen lassen konnte. Sie traten vor mich hin, wie ich die Jugend liebe, frisch und unbe­fangen, leibhaftige Bilder längst vergangener Zeiten, (Erinnerungen selbsterlebter Tage." In diesen Sätzen lebt der ganze Hindenburg, schlicht und treu, wie das deutsche Volk ihn liebt, und wie er heute an seinem 84 Geburtstag in der ganzen Welt als Symbol des echten deutschen Wesens anerkannt und verehrt wird.

Oie Lage im Ruhrgebiet.

Die kommunistische Streikbewegung.

Krawalle in Duisburg

Essen, 1. Oft. (WTB.) Das Streifbild auf den Schachtanlagen des Ruhrgebietes hat sich nicht erheblich verändert. Während sich in einigen Betrieben die Zahl der Streikenden vergrößert hat sind bei anderen Schachtanlagen, die gestern im Streike standen, die Belegschaften fast voll­ständig oder doch zum größten Teil wieder ein­gefahren. Die Versuche der Kommunisten tm Wurmrevier, Streik zu entfachen, sind ergebnis­los geblieben. Im Ruhrbezirk fehlten insgesamt 3740 Mann, gleich 6,29 v. H. der Belegschaft. Vermutlich als Auswirkung der auch im Du i «- burg-Hamborner Bezirk hervorgerufe- nen wilden Streikbewegung tarn es an verschie­denen Stellen der Innenstadt zu größeren Zu­sammenrottungen. Mit lautem Gejohle bewegten sich starke Trupps durch die Straßen. Polizei mußte zur Aufrechterhaltung der Ordnung auf- geboten werden. Im Verlaufe der Krawalle tarn es an verschiedenen Stellen zu Stürmen auf Geschäftslokale, wobei Fensterscheiben zertrümmert wurden. In den späten Abendstunden kam es auch in entlegeneren Stadtteilen zu Tumulten. Gegen Mitternacht war die Ruhe noch nicht völlig wie­derhergestellt.

Die tarifbeteiligten Dergarbeiterver- bände veröffentlichen folgende gemeinsame E r -

Berlin am Morgen" spricht von einem ent­scheidenden Schritt der Reichsregierung, durch den 300 000 Arbeitslose die Unterstützung aus der Ar­beitslosenversicherung verlören.

Oie Gestaltung der Lohnfrage.

Berlin, 1. Ott. (VDZ.) Zu den bedeutungs­vollen Verhandlungen, die Reichskanzler Dr. Brüning mit den Führern der Sozial­demokratie gepflogen hat, wird in gut unter­richteten Kreisen gesagt, man müsse annehmen, daß die Reichsregierung die Absicht auf ge­

geben habe, auf dem gesetzlichen Wege einen Einbruch in das Tarisrecht vorzunehmen, nachdem die Vertreter der SPD. auf dieschwer- wiegenden parlamentarischen Fol­gen eines solchen Schrittes hingewiesen hatten. Man könne damit rechnen, daß die Reichs­regierung nunmehr die Absicht habe, nach Er- lafe der grofeen Rotverordnung Unternehm mer- und Arbeitervertreter zusam­menzuberufen, um den Versuch zu machen, zwischen beiden eine Verständigung über die Lohnfragen herbeizuführen.

Das Wirtschastsprogramm her Gewerkschaften.

Berlin, 1. Oft. (ERB.) Der ADGB., der Afa-Bund, der Deutsche Gewerkschaftsbund.und der Gewerkschastsring Deutscher Arbeiter- und Angestelltenverbände veröffentlichen eine Erklä­rung gegen die kürzlich mitgeteilte Erklärung der Spitzenverbände der Wirtschaft, in der es u. a. heißt:

Wenn jemals, dann haben insbesondere die Vorgänge der letzten Monate das Versagen wei­ter Wirtschaftskreise und die Rotwendig­keit eines planvollen Eingreifens des Staates in d i e Wirtschaft bewiesen. Der Versuch, die ungeheuere Wirtschaftsnot der Gegenwart aus staatlichen Eingriffen und aus der deutschen Sozial» und Lohnpolitik zu erklären, ist völlig haltlos. In Wirklichkeit liegen die Ur­sachen der deutschen Wirtschaftsnot in den all­gemeinen Auswirkungen des gegen­wärtigen Wirtschaftssystems in der W^lt, den internationalen politischen St ö- r iNi g e n und dem Mißtrauen unter den Völkern. Verschärft wurde sie durch überspannten Protektionismus, Subventionspolitik, Ueberratio- nalifierung, Kapitalfehlleitung und systematische Senkung Der Kaufkraft. Seit iy2 Iahren wird als Ausweg aus der Krise die Senkung der Lohne und Gehälter sowie der Abbau der Sozialpolitik propagiert und betrieben. Das Ergebnis ist eine ungeheure Verschärfung der allgemeinen Rot.

Deshalb verlangen Die Gewerkschaften Die Ab­kehr von Dem seither beschrittenen Wege unD erheben erneut folgenDe oorDringliche ForDerungen: Sicher­stellung einer ausreichenden Versorgung aller Arbeitslosen, zweitens Verkürzung Der Arbeitszeit insbesondere Durch Einführung Der 40-Stunden-Woche zum Zwecke Der Mehr­beschäftigung von Arbeitskräften, Drittens Erhaltung unD Steigerung Der Kauft raft Der Löhne und Gehälter, Sicherung Des Ta- ri fr echt es und Des staatlichen Schlichtungs­wesens, viertens Senkung Der Zölle mit Dem Ziel Der stärkeren Anpassung Der Deutschen Preise unD Lebenshaltungskosten an Das gesunkene Preis­niveau Des Weltmarktes. Druck auf überhöhte Han- Delsspannen, fünftens Auflockerung Der m o - nopolistifchen PreisbinD ungen in allen Stufen Der Wirtschaft bei gleichzeitigem Ausbau

klär ung:Rachdem die Verbindlichkeitserklä- rung des Lohnschiedsspruchs erfolgt ist, besteht für die Mitglieder der tarifbeteiligten Bergarbei- terverbände die sogenannte Vertragsfrie­de n s p f l i ch t, d. h. alle diejenigen, die den wilden Streikparolen freiwillig folgen, können schadensersahpflichtig gemacht werden. Die Verbände können auf Grund bereits vorlie­gender Entscheidungen höchster Gerichte bei Ver­letzung ihrer Vertragspflicht zum Schadensersatz herangezogen werden. Der gesamten Beleg­schaft der Stinneszeche Vereinigte Welheim in Bot­trop ist zum 15. Oktober gekündigt worden. Von dieser Maßnahme werden 1400 Arbeiter und 80 Angestellte betroffen. Begründet wird die Kün­digung mit Der allgemeinen wirtschaftlichen Rot­lage, der Finanznot und insbesondere mit der Unterbietung der deutschen durch die englische Kohle.

Ein Mißtrauensanirag der Rechisopposition.

Berlin, 1. Oft. (VDZ.) Das von dem deutsch­nationalen Parteiführer Dr. H u g e n b e r g an- gekündigte gemeinsame Vorgehen der Rechts­opposition nach dem Wiederzusammentritt des Reichstags wird, nachdem die Zustimmungs- erklärung der Nationalsozialisten vorliegt, zustande kommen, die gemeinsame Be­sprechung darüber wird aber wahrscheinlich erst unmittelbar vor dem Wiederbeginn der Reichs­tagsverhandlungen stattfinden. Außer den in Be­tracht kommenden parlamentarischen Parteien, also den Deutschnationalen», den Rationalsozia­listen und den aus der Landvolkfraktion ausge- fchiedenen Abgeordneten, werden auch außerhalb der Parteien und des Parlaments stehende Kreise an der Besprechung beteiligt sein. Fest steht be­reits, daß diese Verhandlungen die Einbrin­gung eines gemeinsamen Miß - trauensantrages gegen das Kabinett Brü­ning durch die parlamentarischen Vertreter der Rechtsopposition zur Folge haben werden. Die Rationalsozialisten haben auch ein Mißtrauens­votum gegen den Außenminister Dr. E u r t i u s

Der öffentlichen Kontrolle, sechstens öf­fentliche Bankenaufsicht mit Dem Ziel Der Verhütung von Fehlleitungen Des Kapitals und Sicherung volkswirtschaftlicher KapitalverwenDung, siebentens rücksichtslose Kürzung Der über­höhten Spitzengehä l t er unD Pensio - nen in Wirtschaft unD Verwaltung.

Die Durchführung Dieser wirtschaftspolitischen Richtlinien muß oerbunDen sein mit Der Abwehr aller Die Währung beDrohenDen Experimente, ferner mit zielbewußter FörDerung Der internatio­nalen Verständigung, Die gerichtet fein muß auf Konsolidierung Der schwebenden Schulden Deutschlands, auf internationale Zu­sammenarbeit zur Sicherung gesunder Kapitalver­teilung und auf Losung der Frage der internatio­nalen Kriegsverschuldung und der Reparationen.

Oie Meinung der Preffe.

Berlin, 2. Oft. (TU.) Verschiedene Berliner Blätter nehmen eingehend zu den Forderungen der Gewerkschaften Stellung. Der ,V o r to ä r t 8 legt besonderen Rachdruck daraus, daß sich die drei gewerkschaftlichen Spihenver- bände zu einer Einheitsfront zusam­mengeschlossen haben und hebt hervor, dafe dieses Programm weitgehend mit den For­derungen der Sozialdemokratischen Partei überein stimme. DieDA 3 sagt, die Forderungen enthielten Dinge, die sich, wie die Erfahrung gezeigt habe, nur zugunsten einer Steigerung der Arbeitslosigkeit auswirkten. DieVossische Zeitung" sieht in den Forderungen wertvolle Ergänzungen des Programms, das die Spitzenverbände der Wirtschaft der Oefsentlichkeit unterbreitet haben. Der r > e n c o u r i e r" schreibt, den Ge­werkschaften sollte klar sein, daß die Lohne d i e andere Seite derPreise seien, und daß man die Verbesserung des Realeinkommens (nied­rige Preise bei gleichen Lohnen) leider nicht kommandieren könne! 5>teBörsen­zeitung" schreibt: Die Zugeständnisse der Re­gierung im Ruhrschiedsspruch hätten den Be­mühungen der Linken nach weiteren Konzessionen neuen Anreiz verschafft.

angekündigt. Bei den Deutschnationalen ist eine Entscheidung über diese Frage noch nicht gefallen. Ob die Deutschnationalen sich an einem beson­deren Mißtrauensantrag gegen Dr. Eurtius be­teiligen, wird sich erst in der gemeinsamen Be­sprechung entscheiden.

Oie Bürgerffeuer für 1932.

Ber 1 in, 2. Oft. (VDZ.) Im Reichsrat sanden die Durchführungsbestimmungen zur Bürger st euer für 1932 Annahme. Sie sehen eine Freigrenze für Unterstützungsempfänger usw. mit einem Ein­kommen unter 500 M k. jährlich vor, aber auch Personen mit einem geringeren Einkommen müssen wenig st ens Die halbe Bürger- ft e u e r zahlen, wenn ihr landwirtschaftliches Grund- oDer Betriebs vermögen den Wert von 5000 Mark übersteigt. Für Wochenlohnempfänger find 12 Zahlungstermine der Bürgersteuer, für Monats­lohnempfänger sechs Termine, verteilt auf die Mo­nate Januar bis Juni 1932, vorgesehen, für die Veranlagten zwei bis drei Termine vom Januar dis März. Die Bürgersteuer soll künftig vollkommen von den Gemeinden verwaltet werden.

Die Lockerung des RielerschuheS.

Was wird von her Negierung geplant?

Berlin, 1. Okt. (VDZ.) Die neue Miets­rechtsnotverordnung wurde heute im Woh- nungsausschuß des Reichstags in Form von Petitionen beraten. Bei dieser Gele- gcftfecit teilte der sozialdemokratische Abg. Li­pinski mit, er sei in den Besitz eines Ressort- entwurses zu einer Rotverordnung gelangt, wo­nach der Mieterschutz für große und ge­teilte Wohnungen aufgehoben wer­den soll. Den Mietern solcher Wohnungen soll der Schuh des Wucherparagraphen und das Recht zur Anrufung eines Schiedsgerichts genom­men werden. Ersahraum wird nicht mehr gewährt. Die Mieteinigungsämter bei Den Amtsgerichten sollen aufgehoben, dafür sollen Mieteinigungsämter der Gemeinden zugesassen werden. Die Zuweisung von Woh-