Kr. 270 Erstes Matt
M. Jahrgang
Zreltag, 2. Oktober (931
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Zum 84. (vevurisiag des Reichspräsidenten, ^on Ververt v. Vmoenburg, Gesandten z.O.
Es hergl, daß in unserer Zeit alte Leute älter werben ai» früher. Man lebt hygienlscher, und der ärztlichen Kunst, die immer tuhner und entdectungs- sreubiger wird, gelingt es oft, latente Kräfte zu erwecken unü muue »Leckrer weit über das biblische Auer hinaus in Gang zu erhalten. Aber es bleibt doch m den meisten füllen em schwieriges, nur durch strenge Dzat unu andere Entbehrungen aufrecht zu erhaltendes Gesundheltswert, das durch feoe Unvorfichtigreit oerhangnisvock gestört werden tonn. Eindrucksvoll und bewunderungswürdig ist es nun bei unserem Reichspräsidenten, üatz er der mooer- nen ärztlichen Nachhilfe so gar nicht bedarf unü i n gewohnter Ruhe und Frische seinen 84. Geburtstag feiern tann. too viel man weih, hat er keinen Hausarzt und hat in feinem langen Leven noch nie eine Kur in einem Badeort gebraucht. Als Hindenburg in Karlsruhe stand, tarn er auf einer Generalstavsreise auch einmal nach Bad Kissingen und soll dort beim aoendlichen Schoppen Wein gesagt haben: „Jia, es freut mich doch wirtlich, daß iaj au, diese Weise 'mal einen Kurort rennenlerne". Damals tonnte er nicht ahnen, dag Bad Kreuznach wahrend eines Teiles des Krieges jein Hauptquartier fein werde, allerdings nicht zu Kurzwecken.
Ohne vielseitige Sponvetatigung scheint er sich durch lange Spaziergänge und die Ausüoung der Jago gesund eryauen zu haben. Besonders bei der Jagd ist Hindenburg noch immer unermüdlich, jüngeren Leuten oft voraus. Roch im August d. I. hat er in der Schorfheide einen starten Hirsch, einen Zwanzigender, mit Blattschutz auf 90 Meter Entfernung erlegt. Wer ihn auf der Pürsch begleitet hat, weiß, üatz chindenvurg Jagdfieber nicht tennt. Schon langst hat Hindenburg das Reiten ausgegeben und ist wohl nie ein passionierter Reiter gewesen, ebensowenig wie sein rechter Vetter, mein Vater, der Generalmajor Konrad von Hindenburg, wahrend dessen 1870 bei Mars-la-Tour als Rittmeister und Schwadronschef im 2. Garde-Dragoner-Regiment gefallener Bruder Paul einer der besten Reiter der preußischen Armee war. Dieser Hindenburg, der den gieiajen Vornamen führte, wie der Reichspräsident, war auch auherordentlich träftig. Mein Vater erzählte mir, daß Dntel Paul ein Pferd unterlaufen und auf einer Schulter hochzuheben vermochte. Ucbrigens ist auch der Reichspräsident bis in sein hohes Alter ein sehr starker Mann geblieben. Man erinnert sich, wie er in Hannover den Einbrecher mit eisernem Griff seiner rechten Hand bändigte, während er mit der linken um Unterstützung schellte. Jeder Kriminalist weiß, wie schwer es ist, einen Menschen, der sich der Verhaftung entziehen will, ohne weitere Hilfsmittel festzuhalten.
Da ich meinen Vater erwähnt habe, mochte ich auch einen Ausspruch anführen, den er kurz vor feinem Tode über Hindenburg tat. Dieser, der damals General der Infanterie ä la suite der Armee war, besuchte meinen schwerkranken Vater im Iahre 1912. Er erschien im hohen Hut und langem schwarzen Ueberrock, also in einer Tracht, in der man den Reichspräsidenten jetzt häufig sehen kann. Wir waren alle aufrichtig betrübt, den rüstigen General in der damals für Militärs üblichen Ruhestandstracht zu erblicken. Als Hindenburg mit festem, aber leisem Tritt das Krankenzimmer verlassen hatte, liefe mich mein Vater rufen und sagte: „Mein Vetter Paul hat mir unsere gefährdete Lage in der Mitte Europas geschildert. Er müfete General st abs- chef werden, dann werden wir den nächsten Krieg gewinnen, sonst werden wir ihn verliere n.“ Richt lange darauf starb mein Vater, und ich habe' später oft an seine prophetischen Worte gedacht. 3efet liegt auch er auf unserem Familienfriedhof unter den Eichen von Reudeck, und der Reichspräsident wird, wenn er dort wandelt, an jenes Gespräch zurückdenken, das er vor dem Kriege mit seinem Vetter Konrad gehabt hat. .
Er ist nun der letzte Vertreter der noch vor Der Hälfte des vorigen Jahrhunderts geborenen Generation unserer Familie. Es gehört ihm Reu - deck im Kreise Rosenberg, das nunmehr einzige von dem großen Landbesitz der Deneckendorfss und Hindenburgs übriggebl e^ene Rittergut. Durch Hinzuerwerbung eines Teiles des Waldes von Langenau, eines angrenzenden, schon früher veräußerten Gutes, ist Reudeck aus etwa 4000 Morgen vergrößert und ein lebensfähiger Besitz geworden. Das alte gemütliche, im Jahre 1742 erbaute Haus, in dem Hindenburgs Großeltern und Eltern gewohnt haben, wurde abgerissen. Es war wirklich ein gemütliches Haus mit heimeligen Zimmern, alles zu ebener Erde, und es ereigneten sich gemütliche Geschichten bar in, wie die von dem Vetter, der für eine Rächt kam und dreißig Jahre blieb. Run ist ein neues Herrenhaus im pren- ßischen Barockstil entstanden, das nach Südosten über anmutig bewalde' s Gelände schaut. Unter dem hohen Giebel ist unser Wappen eingemeißelt. Die geräumigen Zimmer sind bequem gelegen und ohne daß eine Ueberfüllung bemerkbar wäre, mit guten alten Möbeln, schönen Bildern und anderen Kunstgegenständen geschmückt. Es sind viele Geschenke aus der Felomarschalls- und Präsidentenzeit darunter, aber das meiste entstammt eigenem Besitz.
Es ist eine erhebende, heute sehr selten gewordene Erfahrung, seinen Lebensabend dort verbringen zu können, wo man in jungen Jahren geweilt hat. Neu deck ist für Hindenburg die Heima t geblieben in die er jetzt zurückgekehrt ist. Auch im Alter hat Hindenburg sich sein „Kadettenherz" bewahrt. Das tritt besonders hübsch in einem kleinen Erlebnis zutage, von dem er selbst in seinen Memoiren erzählt: „Ein
Kürzung her Höchstdauer in der Arbeitslosenversicherung.
Eine Maßnahme der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung zum Ausgleich ihres Etats im kommenden Winter.
Berlin, 1. Ott. (IU.) Die Reichsanstall für Arbeitslosenversicherung und Arbeitsvermittlung teilt mit:
„Durch die Verordnung des Reichspräsidenten vom 5. 3uni 1931 ist der Vorstand der Reichsaustalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung e r - mächligt und verpflichtet, den Ausgleich zwischen Einnahmen und Ausgaben der Reichsanstalt sicherzusfcllen. Auf Grund dieser Verordnung hat der Vorstand in feiner Sitzung vom 1. Oktober d. I. beschlossen, die h ö ch st d a u e r der versicherungsmäßigen Arbeitslosenunterstützung von 26 Wochen aus 2 0 Wochen, für berufsüblich Arbeitslose auf 16 Wochen ju kürzen. Der Vertreter der Reichsregierung stimmte dem Vefchlufe des Vorstandes zu. Die Reuregelung tritt am 5. Oktober in Kraft.
Die durch den Befchlutz des Vorstandes erzielte Einsparung soll die finanziellen Anforderungen sicherslellen, die bei einer Höch st zahl von 6,5 Millionen Arbeitslosen im kommenden Winter zu llntersfühungsleistungen in der Arbeitslosenversicherung erwachsen werden. Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit hat sich bisher so gestaltet, daß im laufenden Iahr in der Zeit zwischen dem tiefsten Stanö des Sommers und dem 15. September die Zahl der Arbeitslosen um rund Z70000ge st legen ist, d. h. nicht erheblich stärker als in der entsprechenden Zeit des Vorjahres, wo die Zunahme rund 348 000 betrug. Am 15. September d. 3. belief sich die Zahl der Arbeitslosen auf rund 4,3 Millionen; ein abschliefeendes Urteil über die weitere Entwicklung ist zur Zeit nicht möglich."
Kritik der preffe.
Abwälzung auf die Gemeinden
Berlin, 2. DH. (ERB.) Die Herabsetzung Der Unterstützungsdauer für Die Erwerbslosen findet in der Presse, soweit sie sich dazu äußert, fast allgemein eine kritische Beurteilung. Alle Blätter verweisen auf die für d i e Gemeinden dadurch entstehenden Mehrbela st ungen, da die Erwerbslosen schneller als bisher in die Rrifenfürforge und weiter in d i e Wohlfahrts - Unter st ützung übergeführt werden. — Die „V o s s i s ch e Zeitung" (Ullstein) glaubt nicht, daß die Erleichterung für die Reichsanstalt etwas anderes darstelle, als eine Lasten- Verschiebung, die der Allgemeinheit nur in beschränktem Umfange Erleichterung schaffen könne. — Auch der „B ö r f e n f o u r i e r" bezweifelt die Möglichkeit einer wesentlichen Ersparnis. — Der „Lokalanzeiger" ist der Auffassung, daß eine wirkliche Ersparnis nur durch eine Kürzung der Unterstützungssätze erreicht werden könne. — Der „T a g" (Hugenberg) bezeichnet die Maßnahmen der Reichsanstalt als einem „Druck von linksnachgebend. Nur eine wirkliche Reform werde Verständnis finden. — Die kommunistische Zeitung
günstiger Umstand", so schreibt er, „gab mir Veranlassung, die Feier meines in den Krieg gefallenen 70 Geburtstags damit zu beginnen, daß ich Drei kleine Kadetten in Kreuznach von der Straße weg an meinen mit eßbaren Geschenken reich besetzten Frühstückstisch rufen lassen konnte. Sie traten vor mich hin, wie ich die Jugend liebe, frisch und unbefangen, leibhaftige Bilder längst vergangener Zeiten, (Erinnerungen selbsterlebter Tage." In diesen Sätzen lebt der ganze Hindenburg, schlicht und treu, wie das deutsche Volk ihn liebt, und wie er heute an seinem 84 Geburtstag in der ganzen Welt als Symbol des echten deutschen Wesens anerkannt und verehrt wird.
Oie Lage im Ruhrgebiet.
Die kommunistische Streikbewegung.
Krawalle in Duisburg
Essen, 1. Oft. (WTB.) Das Streifbild auf den Schachtanlagen des Ruhrgebietes hat sich nicht erheblich verändert. Während sich in einigen Betrieben die Zahl der Streikenden vergrößert hat sind bei anderen Schachtanlagen, die gestern im Streike standen, die Belegschaften fast vollständig oder doch zum größten Teil wieder eingefahren. Die Versuche der Kommunisten tm Wurmrevier, Streik zu entfachen, sind ergebnislos geblieben. Im Ruhrbezirk fehlten insgesamt 3740 Mann, gleich 6,29 v. H. der Belegschaft. Vermutlich als Auswirkung der auch im Du i «- burg-Hamborner Bezirk hervorgerufe- nen wilden Streikbewegung tarn es an verschiedenen Stellen der Innenstadt zu größeren Zusammenrottungen. Mit lautem Gejohle bewegten sich starke Trupps durch die Straßen. Polizei mußte zur Aufrechterhaltung der Ordnung auf- geboten werden. Im Verlaufe der Krawalle tarn es an verschiedenen Stellen zu Stürmen auf Geschäftslokale, wobei Fensterscheiben zertrümmert wurden. In den späten Abendstunden kam es auch in entlegeneren Stadtteilen zu Tumulten. Gegen Mitternacht war die Ruhe noch nicht völlig wiederhergestellt.
Die tarifbeteiligten Dergarbeiterver- bände veröffentlichen folgende gemeinsame E r -
„Berlin am Morgen" spricht von einem entscheidenden Schritt der Reichsregierung, durch den 300 000 Arbeitslose die Unterstützung aus der Arbeitslosenversicherung verlören.
Oie Gestaltung der Lohnfrage.
Berlin, 1. Ott. (VDZ.) Zu den bedeutungsvollen Verhandlungen, die Reichskanzler Dr. Brüning mit den Führern der Sozialdemokratie gepflogen hat, wird in gut unterrichteten Kreisen gesagt, man müsse annehmen, daß die Reichsregierung die Absicht auf ge
geben habe, auf dem gesetzlichen Wege einen Einbruch in das Tarisrecht vorzunehmen, nachdem die Vertreter der SPD. auf dieschwer- wiegenden parlamentarischen Folgen eines solchen Schrittes hingewiesen hatten. Man könne damit rechnen, daß die Reichsregierung nunmehr die Absicht habe, nach Er- lafe der grofeen Rotverordnung Unternehm mer- und Arbeitervertreter zusammenzuberufen, um den Versuch zu machen, zwischen beiden eine Verständigung über die Lohnfragen herbeizuführen.
Das Wirtschastsprogramm her Gewerkschaften.
Berlin, 1. Oft. (ERB.) Der ADGB., der Afa-Bund, der Deutsche Gewerkschaftsbund.und der Gewerkschastsring Deutscher Arbeiter- und Angestelltenverbände veröffentlichen eine Erklärung gegen die kürzlich mitgeteilte Erklärung der Spitzenverbände der Wirtschaft, in der es u. a. heißt:
Wenn jemals, dann haben insbesondere die Vorgänge der letzten Monate das Versagen weiter Wirtschaftskreise und die Rotwendigkeit eines planvollen Eingreifens des Staates in d i e Wirtschaft bewiesen. Der Versuch, die ungeheuere Wirtschaftsnot der Gegenwart aus staatlichen Eingriffen und aus der deutschen Sozial» und Lohnpolitik zu erklären, ist völlig haltlos. In Wirklichkeit liegen die Ursachen der deutschen Wirtschaftsnot in den allgemeinen Auswirkungen des gegenwärtigen Wirtschaftssystems in der W^lt, den internationalen politischen St ö- r iNi g e n und dem Mißtrauen unter den Völkern. Verschärft wurde sie durch überspannten Protektionismus, Subventionspolitik, Ueberratio- nalifierung, Kapitalfehlleitung und systematische Senkung Der Kaufkraft. Seit iy2 Iahren wird als Ausweg aus der Krise die Senkung der Lohne und Gehälter sowie der Abbau der Sozialpolitik propagiert und betrieben. Das Ergebnis ist eine ungeheure Verschärfung der allgemeinen Rot.
Deshalb verlangen Die Gewerkschaften Die Abkehr von Dem seither beschrittenen Wege unD erheben erneut folgenDe oorDringliche ForDerungen: Sicherstellung einer ausreichenden Versorgung aller Arbeitslosen, zweitens Verkürzung Der Arbeitszeit — insbesondere Durch Einführung Der 40-Stunden-Woche — zum Zwecke Der Mehrbeschäftigung von Arbeitskräften, Drittens Erhaltung unD Steigerung Der Kauft raft Der Löhne und Gehälter, Sicherung Des Ta- ri fr echt es und Des staatlichen Schlichtungswesens, viertens Senkung Der Zölle mit Dem Ziel Der stärkeren Anpassung Der Deutschen Preise unD Lebenshaltungskosten an Das gesunkene Preisniveau Des Weltmarktes. Druck auf überhöhte Han- Delsspannen, fünftens Auflockerung Der m o - nopolistifchen PreisbinD ungen in allen Stufen Der Wirtschaft bei gleichzeitigem Ausbau
klär ung: „Rachdem die Verbindlichkeitserklä- rung des Lohnschiedsspruchs erfolgt ist, besteht für die Mitglieder der tarifbeteiligten Bergarbei- terverbände die sogenannte Vertragsfriede n s p f l i ch t, d. h. alle diejenigen, die den wilden Streikparolen freiwillig folgen, können schadensersahpflichtig gemacht werden. Die Verbände können auf Grund bereits vorliegender Entscheidungen höchster Gerichte bei Verletzung ihrer Vertragspflicht zum Schadensersatz herangezogen werden. — Der gesamten Belegschaft der Stinneszeche Vereinigte Welheim in Bottrop ist zum 15. Oktober gekündigt worden. Von dieser Maßnahme werden 1400 Arbeiter und 80 Angestellte betroffen. Begründet wird die Kündigung mit Der allgemeinen wirtschaftlichen Rotlage, der Finanznot und insbesondere mit der Unterbietung der deutschen durch die englische Kohle.
Ein Mißtrauensanirag der Rechisopposition.
Berlin, 1. Oft. (VDZ.) Das von dem deutschnationalen Parteiführer Dr. H u g e n b e r g an- gekündigte gemeinsame Vorgehen der Rechtsopposition nach dem Wiederzusammentritt des Reichstags wird, nachdem die Zustimmungs- erklärung der Nationalsozialisten vorliegt, zustande kommen, die gemeinsame Besprechung darüber wird aber wahrscheinlich erst unmittelbar vor dem Wiederbeginn der Reichstagsverhandlungen stattfinden. Außer den in Betracht kommenden parlamentarischen Parteien, also den Deutschnationalen», den Rationalsozialisten und den aus der Landvolkfraktion ausge- fchiedenen Abgeordneten, werden auch außerhalb der Parteien und des Parlaments stehende Kreise an der Besprechung beteiligt sein. Fest steht bereits, daß diese Verhandlungen die Einbringung eines gemeinsamen Miß - trauensantrages gegen das Kabinett Brüning durch die parlamentarischen Vertreter der Rechtsopposition zur Folge haben werden. Die Rationalsozialisten haben auch ein Mißtrauensvotum gegen den Außenminister Dr. E u r t i u s
Der öffentlichen Kontrolle, sechstens öffentliche Bankenaufsicht mit Dem Ziel Der Verhütung von Fehlleitungen Des Kapitals und Sicherung volkswirtschaftlicher KapitalverwenDung, siebentens rücksichtslose Kürzung Der überhöhten Spitzengehä l t er unD Pensio - nen in Wirtschaft unD Verwaltung.
Die Durchführung Dieser wirtschaftspolitischen Richtlinien muß oerbunDen sein mit Der Abwehr aller Die Währung beDrohenDen Experimente, ferner mit zielbewußter FörDerung Der internationalen Verständigung, Die gerichtet fein muß auf Konsolidierung Der schwebenden Schulden Deutschlands, auf internationale Zusammenarbeit zur Sicherung gesunder Kapitalverteilung und auf Losung der Frage der internationalen Kriegsverschuldung und der Reparationen.
Oie Meinung der Preffe.
Berlin, 2. Oft. (TU.) Verschiedene Berliner Blätter nehmen eingehend zu den Forderungen der Gewerkschaften Stellung. Der ,V o r to ä r t 8“ legt besonderen Rachdruck daraus, daß sich die drei gewerkschaftlichen Spihenver- bände zu einer Einheitsfront zusammengeschlossen haben und hebt hervor, dafe dieses Programm weitgehend mit den Forderungen der Sozialdemokratischen Partei überein stimme. — Die „DA 3“ sagt, die Forderungen enthielten Dinge, die sich, wie die Erfahrung gezeigt habe, nur zugunsten einer Steigerung der Arbeitslosigkeit auswirkten. — Die „Vossische Zeitung" sieht in den Forderungen wertvolle Ergänzungen des Programms, das die Spitzenverbände der Wirtschaft der Oefsentlichkeit unterbreitet haben. — Der „Bö r > e n c o u r i e r" schreibt, den Gewerkschaften sollte klar sein, daß die Lohne d i e andere Seite derPreise seien, und daß man die Verbesserung des Realeinkommens (niedrige Preise bei gleichen Lohnen) leider nicht kommandieren könne! — 5>te „Börsenzeitung" schreibt: Die Zugeständnisse der Regierung im Ruhrschiedsspruch hätten den Bemühungen der Linken nach weiteren Konzessionen neuen Anreiz verschafft.
angekündigt. Bei den Deutschnationalen ist eine Entscheidung über diese Frage noch nicht gefallen. Ob die Deutschnationalen sich an einem besonderen Mißtrauensantrag gegen Dr. Eurtius beteiligen, wird sich erst in der gemeinsamen Besprechung entscheiden.
Oie Bürgerffeuer für 1932.
Ber 1 in, 2. Oft. (VDZ.) Im Reichsrat sanden die Durchführungsbestimmungen zur Bürger st euer für 1932 Annahme. Sie sehen eine Freigrenze für Unterstützungsempfänger usw. mit einem Einkommen unter 500 M k. jährlich vor, aber auch Personen mit einem geringeren Einkommen müssen wenig st ens Die halbe Bürger- ft e u e r zahlen, wenn ihr landwirtschaftliches Grund- oDer Betriebs vermögen den Wert von 5000 Mark übersteigt. Für Wochenlohnempfänger find 12 Zahlungstermine der Bürgersteuer, für Monatslohnempfänger sechs Termine, verteilt auf die Monate Januar bis Juni 1932, vorgesehen, für die Veranlagten zwei bis drei Termine vom Januar dis März. Die Bürgersteuer soll künftig vollkommen von den Gemeinden verwaltet werden.
Die Lockerung des RielerschuheS.
Was wird von her Negierung geplant?
Berlin, 1. Okt. (VDZ.) Die neue Mietsrechtsnotverordnung wurde heute im Woh- nungsausschuß des Reichstags in Form von Petitionen beraten. Bei dieser Gele- gcftfecit teilte der sozialdemokratische Abg. Lipinski mit, er sei in den Besitz eines Ressort- entwurses zu einer Rotverordnung gelangt, wonach der Mieterschutz für große und geteilte Wohnungen aufgehoben werden soll. Den Mietern solcher Wohnungen soll der Schuh des Wucherparagraphen und das Recht zur Anrufung eines Schiedsgerichts genommen werden. Ersahraum wird nicht mehr gewährt. Die Mieteinigungsämter bei Den Amtsgerichten sollen aufgehoben, dafür sollen Mieteinigungsämter der Gemeinden zugesassen werden. Die Zuweisung von Woh-


