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öum Ausdruck bringt. Den Haupttrumpf haben die Polen aber jetzt mit der Veröffentlichung eines Berichtes über eine Inspektionsreise des polnischen Innenministers öfla* dowski nach Ost-Oberschlesien auSgespielt. Herr S-kladowski hat offenbar eingesehen, daß auch er Oberschlesien einen Besuch abstatten mühte, nach­dem vor einigen Wochen die Minister Wirth und TurtiuS im oberschlesischcn Industriewinkel geweilt haben. Skladowski hat verschiedene Orte aufgesucht, die der Schauplatz wüster Aus­schreitungen durch die Aufständi­schenverbände waren. Dabei hat er sich aber die Arbeit sehr leicht gemacht. (Sr hat in der Hauptsache mit ^ationalpolen ver­handelt, die selbstverständlich die Schuld an den Ausschreitungen der deutschstämmigen Be­völkerung zuzuschieben versuchten. Auherdem ist er mit dem Bericht zurückgekehrt, dah von Zerstörungen so gut w i e gar nichts zu bemerken gewesen wäre. In diesem Punkte hat er allerdings recht. Die polnischen Behörden haben sich inzwischen beeilt, die zerschlagenen Fensterscheiben wieder in Ordnung bringen zu lassen und den Häusern, die der Wut der Auf­ständischen ausgesetzt waren, durch -Renovierung den Anschein zu geben, als wäre niemals in diesen Ortschaften der Friede gestört worden. Der Bericht des Innenministers wird selbstver­ständlich auch seine Runde machen. In allen einsichtigen und vernünftigen Kreisen des Aus­landes wird er aber den gleichen Eindruck hinter­lassen wie die übrigen polnischen Denkschriften, die zur Widerlegung unserer Minderheiten­beschwerden veröffentlicht worden sind.

Kein Ergebnis der Lohnoerhand­lungen im Auhrbergbau.

Essen. 30. Dez. (2DIB.) Die zwischen dem Ze­chenverband und den Vergarbeileroerbänden unter dem Vorsitz des Schlichters Professor Brahn geführ­ten Verhandlungen sind ergebnislos ver­laufen. Damit ist das elngeleltete Schlich­tungsverfahren beendet, und es tritt am 1. Januar 1931 hinsichtlich der Lohnregelung im Ruhrbergbau ein tarifloser Zu st and ein. Die Zechen sind deshalb gezwungen, ihren Belegschaften zum nächstmöglichen Termin, dem 15. Januar 1931, zweck» angemessener Senkung der Löhne zu kün­digen.

Wie mir von unterrichteter Seite erfahren, werden die Verhandlungen über die Lohnsenkung im Ruhr- berabau, die heute ergebnislos abgebrochen werden mutzten, am 7. Januar fortgesetzt werden. Dieser Termin ist im Einvernehmen beider Parteien bestimmt worden. Man will also noch einen letzten Versuch machen, um zu einer Einigung .zu gelangen. Aus den bisherigen Verhandlungen mutz man den Eindruck haben, datz die Gewerkschaf­ten bereit wären, einer 4prozentigen Lohn, kürzung zuzustimmen, während die Zechenbesitzer ihre Forderung von 12 v.H. bereits auf 8 v. H. ermäßigt hatten.

Damit sind die Verhandlungen für den Augen­blick auf den toten Punkt anaelangt. Der Schlich­ter war nicht in der Lage, allein einen Spruch zu fällen, da das Reichsarbeitsgericht vor zwei Jahren im Falle der Rordwestlichen Gruppe entschieden Hot, daß nur Schiedssprüche, die von einer M e h r h e i t gefällt worden sind, verbind­lich erklärt werden können. Es ist anzunehmen, daß das Reichsorbeitsministcrium zunächst ab­wartet, wie die für den 7. Januar angesehten Verhandlungen ausgehen. Ein Schiedsver­fahren analog dem, wie es bei dem Konflikt in der Berliner Metallindustrie an­gewendet wurde, kommt zunächst nicht in Frage. Man erinnert sich, daß damals das Schieds­gericht. das aus dem früheren Reichsarbeittmi- nister Braun, Oberbürgermeister Jarres und Pro­fessor Einzheimer bestand, einen Spruch fällte, der sich von dem des Schlichters nicht erheblich unterschied. Diese Entscheidung war von Ar- beitnehmerseite heftig angegriffen worden, und so dürften denn für die Anwendung eines ähn­lichen Verfahrens bei dem Ruhrkonflikt in der Arbeiterschaft die psychologischen Voraussetzun­gen fehlen. Zweifellos bedeutet der Ausgang der heutigen Verhandlung-n und die Kündigung der Gedinge durch die Arbeitgeber eine Ver­schärfung der Lage, zumal in der Arbeiter­schaft auch Streik st römungen vorhanden sind. 3m Augenblick aber kann man nur die Ent­wicklung abworten. Die entscheidende Woche wird die vom 7. bis zum 15. Januar sein. Von der Generalkündigung, die von den Zechen­besitzern zum 15. Januar 1931 ausgesprochen ist, Werden 29 5 000 Bergarbeiter betrof­fen. Ob es zu einer Aussperrung der gesamten Tergarbeiterschaft durch die Zechenbefitzer kom­men wird, wird sich erst nach dem 15. Januar zeigen. Tie Bergarbeiterperbände haben für den Reujahrstag und den kommenden Sonntag im ganzen Ruhrgebiet Revierkonferenzen einberufen, um die Belegschaften zu informieren.

Das Ende

der Selbstverwaltung. Etaatskommissare in Wuppertal, Harburg und Bielefeld.

&ie Regierung in Düsseldorf hat für die Stadt Wuppertal nach Ablehnung der städtischen Steuervorlagen einen Staatskommissar ernannt. Der Staatsörmmissar dürfte zur Be­seitigung des Wuppertaler Defizits voraussicht­lich Die Steuererhöhungen in dem von der Stadt­verwaltung beantragten, von den Stadtverord­neten jedoch abgelehnten Umfange durchführen.

Mit Einverständnis und auf Antrag des Ober­bürgermeisters Dr. Dudek sind für Harburg- Wilhelmsburg zwei Staatskommissare er­nannt worden. Die Einsetzung der- Staatskommis­sare ist darauf zurückzusührcn, daß die im De­zember d. 3. von den städtischen Kollegien gefaß­ten Beschlüsse zur teilweisen Deckung des Defizits nicht die Billigung der Regierung in Arneburg gefunden haben.

Mit der Begründung, dah die Stadt Bie­lefeld die zur Deckung des Fehlbetrags im städtischen Haushalt, insbesondere die zur Er­füllung der Aufgaben auf dem Gebiete der Für­sorge notwendigen Steuererhöhungen und neuen Steuern nicht beschlossen habe, find vom Regierungspräsidenten in Minden zwei Staats- kommissare ernannt worden. Der Staatskommissar

Oer Eiaaiskommiffar für Gießen.

Oie Verfügungen für den Haushalt 1930.

Der hessische Minister de» Innern hat zum Staatskommissar sür Gießen den Obcr- regierungsrat Haberkorn vom Kreisamt Darm­stadt ernannt. In unserem heutigen Anzeigenteil bringt die Stadtverwaltung die Verfügungen des Staatskommlssars, die die Genehmi­gung des Ministers de, Innern und des Finanz­ministers gefunden haben, zur öffentlichen Kenntnis.

Tlach den Vorschriften des Staatskommissars dürfen die sür 1930 vorgesehenen Kapitalousnahmen nicht oorgenommen werden. Roch nicht begonnene Arbeiten haben zu unter­bleiben, ausgenommen solche Arbeiten, die von der Sladt aus Grund vertraglicher Verpflichtungen ouszusühren sind, oder bei denen ausgesteuerte Er­werbslose beschäftigt werden, oder deren Richtaus­führung der Stadt finanzielle Rachteile bringen würde. Deiche Arbeiten dabei in Betracht kommen, unterliegt zur Stunde der Riederschrist dieser Zeilen noch der Prüfung durch die Stadtverwaltung.

Die Gemeindeumlagen sür das Rech­nungsjahr 1 9 3 0 werden wie folgt festgesetzt:

a) Der Steuersatz der Grundsteuer von Ge­bäuden und Bauplätzen aus 0,35 Bit; eine Erhöhung der gesetzlichen Miete kommt nicht in Betracht.

b) Der Steuersatz der Grund ft euer von land - und forstwirtschaftlich, oder gärtnerisch genutztem Grundbesitz auf 0,35 Mark.

c) Der Steuersatz der Gewerbesteuer vom Gewerbekapilal auf 0,65 Mark.

d) Der Steuersatz dec Gewerbesteuer vom Gewerbeertrag aus 3 Mark.

Ferner wird die G e t r a n k e st e u e r für Gießen mit Dirkung vom 1. Januar 1931 ab eingeführt.

Einstellungen, Anstellungen und Beförderungen von Angestellten und Beamten müssen bis auf wei­teres unterbleiben.

Weitere Maßnahmen zur Sicherung der Haushalt­führung behält sich der Staatskommissar vor.

für den Magistrat hat sofort im Auffichtswege für das 3ahr 1931 die Einführung derDürger­st e u e r, fowie mit Wirkung ab 1. 3anuar 1931 die Erhöhung der Bier st euer auf das Doppelte und die Erhebung einer Gemein- degetränkesteuer verfügt. Di« erforder­lichen Genehmigungen des Dezirksausfchuffes unb des Oberpräsidenten find der Verordnung gleich beigefügt. Die Ernennung der Staatskom- misfare kommt für Bielefeld insofern überraschend, als die Stadtverordnetenversammlung Dienstag­nachmittag über die Einführung der Bier- und Bürgersteuer Beschluß fassen wollte. Eine Er­höhung der Realsteuersätze war von der Regierung abgeiehnt worden.

Arbeiiszeitküi-zung bei der Stadt Berlin.

Berlin, 30. Dez. (ERB.) Der Magistrat von Berlin hat auf Grund einer Vereinbarung mit den Vertretern der Arbeitnehmerschaft mit Rück­sicht auf die wirtschaftliche Rotlage die Einfüh­rung der 44ftün6igen Arbeitswoche für die städtischen Arbeiter der Käm­merei- und Regiebetriebe von Montag. 12. 3a- nuar, ab angeordnet. Darüber hinaus ist be­stimmt worden, daß in Schichtwechselbetrieben nötigenfalls die 42flündige Arbeitswoche einzu­führen ist. Die Durchführung der Anordnung im einzelnen soll unter Wahrung der betriebs­wirtschaftlichen 3nterefsen erfolgen. Die Herab- fehung der Arbeitszeit geschieht zur Vermei­dung von Entlassungen, wie auch um die Beschäftigung von Wohlfahrtunte r- stützungsempfängern in den städti­schen Betrieben zu ermöglichen. Sämt­lichen städtischen Gesellschaften, also vor allem den Werken und der Berliner Verkehrsgefellfchaft, ist die Einführung der gleichen Arb:itsz?itr.gelung anempfohlen worden.

Aus der Provinziaihaupistadi.

Gießen, den 31. Dezember 1930.

Jahreswechsel.

Beim Jahreswechsel klagen viele Menschen, nament­lich die Alten unter ihnen, daß die Zeit ihres Lebens, die hinter ihnen liegt, so rasch dahingeschmunden sei, sie klagen über verlorenes Glück. Zu solchem Klagen besteht kein Anlaß; was wir in der Vergangenheit erlebt haben, bleibt unser Besitz. Man lese die Auto­biographien, die Menschen von gesundem Gefühl in ihrem Alter geschrieben haben, da ist allesbesonnte Vergangenheit", da liegt über dem Erlebten ein ver­klärender Schimmer, die Vergangenheit nimmt sich aus wie ein fruchtbares, von der Mittagssonne be­leuchtetes Land, das man von einer Bergesspitze überschaut. Goethe gedenkt schöner, vergangener Tage und sagt:Ich besaß es doch einmal, was so köstlich ist." Wenn man Ludwig Richters Jugenderinne­rungen liest, so fühlt man, wie der alte, zitternde, augenleidende Mann froh ist, als Jüngling in Dres­den und in Rom so viel Gutes erlebt zu haben. Unser bleibt der Tag, an dem wir mutvoll und hoff­nungsvoll in die Welt zogen, an dem eine liebe Hand sich in die unsere legte, an dem wir froh waren über ein gelungenes Werk. Und wenn unsere Tage auch dahinschwinden wie noch einem schönen Bilde Jakob Grimms die Tropfen, die nach einem Regen von dem Dache fallen, was wir erlebt haben, kann uns keine Macht der Erde nehmen.

Beklagenswert sind die Grübler, die beim Rück­blick in die Vergangenheit alle Sätze, die sie in Ge­danken bilden, mit den Worten beginnen:Hätte ich doch!"Hätte ich doch vor dem Kriege mein Ver­mögen so gesichert, daß es die Inflation nicht zer­stören konnte!"Hätte ich doch einen anderen Be­ruf erwählt!" Hätte ich doch meine Kinder in andere Wege geleitet!" Wir können die Zukunft nicht voraussehen, wir können in jedem Augenblick nur so handeln, wie wir es nach gewissenhafter Erwägung für richtig halten, alles andere steht in einer höheren Macht. Deshalb sollten wir die unmutigen Gedanken abschütteln, wie wir an einem Wintertage bei der Rückkehr in das Haus den Schnee vom Mantel schütteln.

Beklagenswert finb auch die. die sich immer für zurückgefetzt halten, wenn sie ihr eigenes Lebensfchickfal mit dem anderer vergleichen. Lleberall ist Sonnenschein, so meinen diese iln» glücklichen, nur bei mir ist es dunkel. Sie stellen sich das Ergehen anderer so vor, wie es zuweilen in minderwertigen Romanen geschildert wird; da werden Mämrer vorgeführt, die über unbegrenzte Macht und unerschöpflichen Reich­tum verfügen, Frauen, die nichts zu tun haben, als ihre Schönheit zu pflegen, 3ugend, die be­wundert wird und von einer Freude zur andern eilt. Es gibt auch minderwertige Lebensbeschrei­bungen, die Männer der Geschichte so schildern, als seien sie die Seligen Griechenlands, von denen Schiller sagt: .Ewig klar und spiegelrein und eben flieht das zephyrleichte Leben im Olymp den Seligen dahin. Monde wechseln und Geschlechter fliehen, ihrer Götterjugend Rosen blühen wandellos im ewigen Ruin." Eine sehr irrige und unreife Geschichtsauffassung schil­dert Goethe als den Olympier, den Mann un- ermessenen Glückes. Der Dichter selbst hat sehr

skeptisch über das Glück seines Ledens geurteilt. Seine Familienverhältnisse waren unerfreulich, sein Sohn starb nach einem verfehlten Qcben in Rom, auf feinem Grabstein auf dem protestan­tischen Friedhof an der Pyramide deS Testius steht das trostlose Wort:Goethe filius patri anfevertens, in freier Uebersehung: .Goethes Sohn, dem Vater im Tode vorausgehend." Doch war gerade Goethe ein Mensch von seltenem Lebensmut. Er war im besten Sinne ein Optimist und hielt es hierin mit feiner Mutter, die in ihrer gefunden, unverbildeten Art als 65jährige Frau an den Sohn schrieb: .Es gibt doch viele Freuden in unseres lieben Herr Gotts seiner Welt! Rur muß man sich aufs Suchen ver­stehen. sie finden sich gewiß; und das Kleine ja nicht verschmähen! Wie viele Freuden wer­den zertreten, weil die Menschen meist nur in die Höhe gucken und was zu ihren Füßen liegt, nicht achten." Heute zerbricht man sich den Kopf über die Erziehung der 3ugend. Man erzieht sie zur Handfertigkeit, zum Kunstver­ständnis. zu Leibesübungen, man sollte sie auch zum Optimismus erziehen, gerade Goethe ist ein Erzieher zum Optimismus.

Ein Optimist im Sinne der Bibel ist auch jener sächsische Arzt Paul Flemming gewesen, der 1635 nach Persien zog und im Hinblick auf die gefahrvolle Expedition alles in Gottes Hande legte. Er sprach damals in unvergleich­lichen Versen:Cs kann mir nichts geschehen, als was er hat ersehen und was mir selig ist. Ich nehm es, wie ers gibet, was ihn von mir beliebet, das hab ich willig auch erkiest" und .Leb ich nach feinen Sähen, so wird mich nichts verletzen, nicht fehlen, was mir ewig nützt."

So sollen wir beim 3ahreswechsel empfinden, Gottvertrauen und Gewissenhaftigkeit sind daS beste Weggeleite bei der Wanderung in die Zukunft. H. D.

(Siebener Wochcnmarktpreisc.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 130 bis 140 Pf. (Kochbutter von 100 Pf. an), Matte 30 bis 35. Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 10 bis 15 (pro Zentner 6 bis 8 Mk.),

Weißkraut 8 bis 10 (pro Zentner 4 bis 5 Mk ),

Rotkraut 10 bis 15 (pro Zentner 6 bis 8 Mk.).

Kartoffeln 3,5 bis 4 (pro Ztr. 2,20 bis 2.50 Mk.),

gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 20 bis 25, ilnterkohlrabi 6 bis 6, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 30 bis 35,

Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 70 bis 80,

Zwiebeln 8 bis 10. Meerrettich 30 bis 60.

Schwarzwurzeln 30 bis 50, Aepsel 25 bis 45, Birnen 20 bis 40, Dörrobst 30 bis 35, Rüsse50bis 60. Honig 40 bis 50, Gänse 80 bis 100, junge Hähne 80 bis 100, Suppenhühner 80 bis 100 Pro Pfund; Tauben 50 bis 70, Eier 16 bis 17, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 20 bis 30, Endivien 30 bis 30, Oberkohlrabi 8 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 50, Lauch 5 bis 10 Pfennig pro Stück.

Taten für Donnerstag, 1. Januar.

Sonnenaufgang 8.05 Llhr, Sonnenuntergang 16.01 ilfjr. Mondaufgang 13 älhr, Mond- unter gang 6.56 Uhr.

1484: der Schweizer Reformator ällrich Zwingli geboren.

Bornotizen.

Tageskolenderfür Mittwoch. Stabt- theoter:Robert und Bertram", 19.30 bis 22.30 Uhr. Lichtspielhaus Bahnhofstraße:Die drei von der Tankstelle". Astoria-Lichtspiele:Der Hund von Baskcrville".

Tageskalender für Donnerstag. StadttHeater:Die drei Musketiere", 18.30 bis 21.30 Uhr. Lichtspielhaus Bahnhofstraße:Die drei von der Tankstelle" undDer Hund von Baskerville".

Vom Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute 19,30 Llhr große Silvester- Vorstellung mit vielen Ueberraschungen. Zum ersten Male in neuer Inszenierung die Posse »Robert und Bertram". Spielleitung Heinrich Hub, musikalische Leitung Fritz Cuje, Tänze Ewald Bäulke; Die beiden Vagabunden: Hub und Link- maim, in den übrigen Rollen das gesamte Solo- personal. Am Reujahrstag Operettengastspiel der Vereinigten Operettentheater Bochum-Hamborn mit der großen Ausstattungsoperette »Die drei Musketiere" von Schanzer und Welisch, Musik von Benatzky. Die Vorstellung findet außer Abon­nement zu ermäßigten Operettenpreisen statt. Be­ginn 18,30 Uhr, Ende 21,30 Uhr. Freitag, den 2. Januar 1931 als Vorstellung im Freitags­abonnement einmalige Wiederholung des Ope- rettengastfpiels Bochum-Hamborn mit der Ope­rettenrevue »Die drei Musketiere". Die Intendanz macht darauf aufmerksam, daß die Operette der großen Unkosten wegen nicht in den Spielplan ausgenommen werden kann und mithin diese Auf­führung als die unwiderruflich letzte Wiederholung anzuseyen ist. Um vielen Anfragen betreffs Wtederholung des Weihnachtsmärchens entgegen­zukommen, teilt die Intendanz mit daß das Weih­nachtsmärchen .Goldmarie und Pechmarie" noch zweimal, am 4. und 11. Januar, zur Aufführung gelangt

** Der 400jährige Gießener Fried­hof- Der alte Friedhof am Rahrungsberg besteht

mit Ablauf des Jahres 1930 nunmehr 44» Jahre 3m Jahr« 1530 wurde er eingeweiht und feiner Bestimmung übergeben.

Die Post am ReujahrStage. Am 1. Januar werden der Schalterdienst und die Driefkastenentlcerung wie an Sonntagen durch­geführt die OrtSbriefzuftellung findet nach'Bedarf statt, mindestens aber einmal am Vormittag: des­gleichen eine OrtS-Geldzustellung (ohne Rach- nahme und Postaufträge' Eine Orts-Paketzustel­lung wird nicht durchgeführt. Die Landorte wer­den einmal mit Dries post bestellt.

Die Museen und der Heidenturm sind am ReujahrStage zwischen 11 und 13 11 br bei gewöhnlichen Preisen geöffnet. (Die Räume sind geheizt.)

Reue Sachverständige der Han­delskammer. Von der Industrie- und Han­delskammer Gießen find öffentlich angeftellt und beeidigt worden: Kaufmann Iofef Job. Sauer in Firma Denner, Krumm & Sauer in Gießen, als Sachverständiger für Kolonial- und Material­waren; Diplom-Ingenieur Fritz Schilling in Gießen, als Sachverständiger für das Kraftfahr- zeugwefen.

Lernt Einheitskurzschrift! Wie aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich, eröffnet die 1. Reichskurzschriftgcsellschast c. V. Gießen am , Dienstag, 6. Januar 1931, in der Pestalozzischule. Rordanlage 8, unter Leitung eines staatlich ge­prüften Lehrers der Stenographie einen An- fängerlehrgang in der Einheitskurzschrift. Weiter gibt der Verein in seinen neu beginneirden Rede­schrift-, Fortbildung-, Praktiker- und Diktat­kursen zur weiteren Ausbildung reichlich Ge­legenheit.

Weihnachtsfeier derKriegSblin- de n. Am Sonntag fand im Saale des Katholischen VereinShauseS eine ernste und zugleich erhebende Feier statt. Galt es doch, denjenigen Opfern des Kriege«, denen das Schicksal das Augenlicht ge­nommen, einige schöne Stunden zu bereiten. Außer den 40 Erblindeten, die in den Saal geführt wur­den, nahmen an der Feier die Angehörigen der Blinden, die Vertreter der staatlichen und städti­schen Behörden, der Fürsorge und Wohlfahrts­pflege, ber Friedberger Blindenanstalt, die unter­stützenden Mitglieder, der Bezirksvorstand, die Presse und zahlreiche geladene Gäste teil. Sie wurden begrüßt von dem kriegsblinden Vorsitzen­den Reallehrer Kranz (Friedberg), der unter dem Kernwort:Ehre fei Gott in der Höhe", dem Danke dafür Ausdruck gab, daß es den Kriegsblinden beschieden war, den Tag des Weih° nachtsfestes zu erleben. Wenn es ihnen, den Kriegsblinden, auch nicht vergönnt sei, daS Sinn­bild des WeihnachtSfesteS, den im Hellen Licht strahlenden Weihnachtsbaum zu sehen, so leuch­teten die Lichter doch in die Herzen und erleich­terten es ihnen, das Schicksal zu meistern. Der 'Red­ner dankte allen, die sich an der Veranstaltung des Feste« helfend beteiligten, besonders Herrn D o ge l, der die schwere Arbeit der Darbietungen leistete, und wünschte schließlich allen Teilnehmern einige frohe Stunden in dem Kreise der Kriegs­blinden. Rach einem gemeinsam gelungenen Liede begrüßte Bürgermeister Dr. Selb für die Stadt die Teilnehmer und schloß mit dem Versprechen, dah die Fürsorge alles tun werde, den Leidenden zu helfen. Ferner dankte Studiendirektor Herz dem Vorsitzenden Kranz für die Arbeit, die er im Interesse der Kriegsblinden bisher geleistet hat. Da« reiche Programm deS Tages bot allerlei Kurzweil. Das Sextett der Regimentsmusik erntete mit seinen musikalischen Darbietungen und der GesangvereinConcordia" mit seinen Liedvvrttä- gen reichen Beifall, ebenso der sinnige von Frl. K i l l m a n n gesprochene Prolog und ein von dem Kriegsblinden Müll (Gambach) verfaßten Gedicht. Dank wurde auch den Mit- wirkenden bei der Aufführung zweier Lustspiele zuteil. Durch die Freigebigkeit hiesiger und aus­wärtiger Spender war e« möglich, jedem Blinden ein großes Paket mit Liebesgaben zu überreichen und die Blinden, ihre Familien und Führer mit Kaffee und Kuchen zu bewirten. Die Kinder wurden nach dem "Bortragen von Sprüchen und Liedern vomRikolaus" mit Gaben bedacht. Die Tombola brachte etwa 250 Losbesihern aller­lei nützliche und wertvolle, ebenfalls freiwillig gestiftete Gegenstände. Die Feier nahm einen würdigen Verlauf.

"WeihnachtSfeierderKinder-Ab- tcilungt n deS Turnvereins 1 846. Der Turnverein 1846 hatte zu einer Weihnachtsfeier seiner Kinder-Abteilungen ein geloben. Die Ver­anstaltung fand in der Turnhalle am Oswalds- garten statt, war von vielen Eltern und Kindern besucht und vom Oberturnwart sorgfältig vor­bereitet. Das Programm war sehr umfangreich und brachte neben gemeinsam gelungenen Liedern eine Reihe von turnerischen Darbietungen der 3u- gendlichen, die dem Geiste im Verein und den verantwortlichen 3ugenb(eitern das beste Zeugnis ausstellten. Während die Hebungen der Mädchen unter dem MottoAnmut und Freude" standen, waren die der Knaben mehr erbgebunbener Ra­sur, nichtsdestoweniger aber frisch und lebendig. Tänze und Keulenübungen, Schrittübungen und Sprünge an Pferd unb Dock, Körperschule der Kleinsten, das alles unterhielt die Zuschauer auf das beste. Reben der Pflege des Körpers fanden auch die Bemühungen um die Pflege des Ge­mütes und deutscher Sitte ihren Ausdruck in den Weihnachtsliedern und in einem gut aufgeführ- ten Weihnachtsspiel. Zum Schluß erfreute Knecht Rupprecht die Kinder mit seinen Gaben.

Wettervoraussage.

Der neue Wirbel über Irland hat seinen Weg sehr rasch ostwärts eingeschlagen, so daß das barometrische Minimum in den heutigen Morgen­stunden über der Nordsee lag. Dabei hat das an seine Warmluft gebundene Regengebiet be­reits unseren Bezirk überquert und Temperatur­zunahme von 3 bis 5 Grad gebracht. Im Be­reich der Störung stellt sich jetzt durch den fol­genden Rückfeiteneinfluh mehr unbeständiges Wetter ein. Die Winde drehen von Südwesten nach Westen zu und bewirken dabei wieder Ab­kühlung. Außerdem folgen in Begleitung der kühleren ozeanischen Luft vorerst noch Schauer, die aber später nachlassen werden, wobei die Bewölkung durchbrochen wird und auftlarendes Wetter vorherrschen Dürfte

Aussichten für Donnerstag : Wech!:l- Haftes Wetter, bewöllt, mit Schauern, später vor­übergehend aufklarend und Temper aturrückzancl

Lufttemperaturen am 30. Dczcmber: mittags 4,3 Grad Celsius, abends 3,5 Grad, am 31. Dezember morgens 5,6 Grad. Maximum 6 Grad, Minimum 2,6 Grad. Erdtemperaturen in 10 an liefe am 30. Dezember: abends0,2 Grad; am1 Dez. nbcr. morgens 1 Grad Celsius Niederschläge 10 m.i'., Tonnenscheindauer Stunde.