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Nr. 305 Erstes Blatt

180. Jahrgang

Mittwoch, 31. Dezember 1030

Erich«»»' löghdLanfcei Somtiag» und Feiertag»

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Chefredakteur

Dr Friede Wilh. Lang«. Deranlwortlich für Politik Dr Fr Wilh. Lange, für Feuilleton Dr ft.Thgriot; Sr den übrigen Teil Ernst lumfchein und für den

Anzeigenteil Max Filter, fämtlid) in (Biehen

Oie Politik an der Jahreswende 1930/31.

Rückblick und Ausschau nach innen und außen ...

ÖaöJatM* 1930.

Don Professor D. Dr Martin <5 bian, (Seneralsuperiniendenien von Schlesien.

QDte dunkel man auch am Ende de» vorigen Jahre» die kommende Entwicklung angesehen haben mag. keine Prophezeiung hat an die Wirklichkeit herangeceicht, die wir erlebt haben. 1930 ist ein Jahr schweren Unheils gewesen

Man widerspricht? Habe ich. jetzt im Osten lebend, die große Wendung Im Geschick des Westens vergessen? Den Abzug der DesatzunaS- truppen? Die Befreiung deS Rheinlands? Ich bin nach wie vor innerlich viel zu eng mit dem Hessenland verbunden, al» daß ich ein Ereignis, das eS so nahe angeht, beiseite stellen könnte. Und ich will den freien Rhein ganz gewiß mit Freuden als Ergebnis diese- Jahres buchen. Aber bereits damals, al» die Glocken am Rhein da» Ende der harten Desatzungszeit begrüßten, habe ich die Sor.ie nicht loswerden können, ob diese Befreiung nicht zu teuer bezahlt sei. Denn wir haben sie bezahlt, wenn schon mit Wech­seln. Was aber geschieht, wenn der Schuldner Wechsel, die er ausgestellt hat, nicht einlösen kann? Und schon die Tatsache, .daß wir die Befreiung bezahlt haben, drückt nieder

Rach anderen frohen Daten de» scheidenden Jahres schaue ich vergeblich au». Um so reich­licher drängen sich der Erinnerung die Röte auf, die un». daS Leben schwer gemacht haben, und von denen nvch keine einzige überwunden ist. ja deren Ueberwindung auch beut noch nicht entfernt abzusehen ist. Ich zähle kurz auf. wa» wir alle wissen: Darniederliegen der Wirtschaft in einem bisher unerhörten Au-rnaß: Anwach­sen der Arbeitslosigkeit zu phantastischen Dimen­sionen: völlige» Versagen de» parlamentarischen System» im Reich: steigende innere Zerrissenheit de» Volk»: di« Feindschaft der Parteien ist bi» jUt Siedehitze gediehen. Wir haben ein Rot­regiment: verfassung-gemäß kann man da» Deutsche Reich eben nur noch mit Rotparagraphen regieren. Ja. ist diese RegierungSart. genau genommen, überhaupt noch verfassung-gemäß?

Vielleicht ist e» ein Anzeichen wachsender Be­sinnung. daß sich da» Volk di« Kette von Der- fündigungen gegen den heiligen Deist de» Parla­mentarismus. al» die sich das Handeln der ReichSregierung seit dem Sommer darstellt, über­haupt gefallen läßt? Vielleicht sind überhaupt erfreulichere Momente in der Richtung größerer politischer Klarheit zu verzeichnen? Die schran­kenlos optimistische Finanzwirtschast im Reich, in den Ländern und in den Gemeinden hat uns in den Strudel gerissen: ist daS nun dem Volk deutlich geworden? Hat es erkannt, daß e» so nicht weiter geht? Wissen jetzt alle Volksschichten, daß Deutschland nur leben kann, wenn da» ge­genseitige Sichüberbieten in volkstümlichen Auf­wendungen, wie e» die Parteien liebten, auf» hört? Ich fürchte, daß diese Erkenntnis noch immer nicht allgemein ist. Roch immer glaubt jede Partei, Daß die Sache sehr bald einen guten Gang gehen werde, wenn nur sie selber am Ruder faße. Run soll hier über keine einzelne Partei geurteilt werden: und ganz sicherlich könnte und würde manches anders, manches beffer gemacht werden, wenn nicht die aus­schlaggebende MehrheiiSpartei Dafür ein schwere» Hindernis bildete. Aber der Schade sitzt doch viel tiefer, viel zu tief, al» Daß er durch irgend­ein« Partei rasch behoben werden könnte. Ratür- Nch tragen die Reparationen eine schwere Schuld. Der V o u n g - P l a n . der 1930 seine aller­erste Probezeit absolvierte, ist schneller der all­gemeinen Mißachtung anheimgesallen. als irgend­einer seiner Väter geglaubt hat. Seine Ab­änderung gilt wohl schon jetzt allgemein al- absolute Voraussetzung jede» Ansätze- zu wirt­schaftlicher Gesundung Deutschland». Aber auch wenn die Abänderung gelänge, so wird Deutsch­lands Wirtschaft Damit noch lange nicht gesund fein: wir tragen zu schwer an den Schäden Der letzten eineinhalb Jahrzehnte: wir leiden zu hart unter Den (auch.von Den Reparationen ganz abgesehen) furchtbaren Bestimmungen De» Friedens von Versailles: wir sind durch unsere Machtlosigkeit zu sehr verhindert, uns wirt­schaftlich Durchzusehen: ja, wir finD a.s Voll noch zu lehr in außenpolitischer leiharg'fcher Willenlosigkeit befangen, als Daß wir bessere Zeiten in naher Frist erhoffen Dürften.

Aber hier zeigt sich doch wohl em Silber- streis? Die Reichstagswahl September 1930 hat doch ein unerhörtes Anwachsen Der scharf nationalgesinnten Seite gebracht! In der Tat: hier mag der Anfang zu einer Wen­dung liegen. Wir werden ihre volle Auswirkung freilich erst spüren, wenn diese neue nationale Strömung sich äußerlich so weit durchgeseht und innerlich soweit abgeklärt hat. Daß sie an der Leitung Der deutschen Geschicke mit- zuarbeiten in der Lage sein wird. Und ob diese innere Klärung sich mit weiterem Wachstum nach außen verbinden lassen wird? Fast sieht eS so aus. als gehe ein vielleicht erheblicher Teil nur mit, solange und soweit es auf unbeküm­mertes. sagen wir ruhig: politisch gänzlich un­bedachte» DraufloSschlagen anlommt. Aber wir verzeichnen die Wendung und warten.

Hötig wahrhaftig haben wir nationale Energie! Denn wie hat man auch 1930 un» und allem, was deutsch ist, mitgespielt! Wie un­erhört unverschämt spielen sich die Polen aus. Wie zynisch weigert sich Frankreich. Die un Der- fallier Frieden verbrieften 21 Prüft ung»- zusagen zu erfüllen! Wie grausam werden öle deutschen Minderheiten behandelt! Und nieeenD» gibt e» für Deutschland und Deutsche

Copyright 1930 by Nordische Gesellschaft, Lübeck. Nachdruck, auch auszugsweise. verboten.

Rachstehend äußern sich Politiker au» verschicdenen Lagern über aktuelle Pro­bleme, zu Deren Beurteilung sie besonder» berufen sind. Die Beiträge geben ein Spie­gelbild der verworrenen politischen und wirtschaftlichen Lage, in Der sich die Welt an Der Jahreswende befindet. Darum ist Der Ausblick trüb, wie auch rückschauend Glanzpunkte das alte Jahr nicht erhellen. Um so notwendiger, einmal Bilanz zu machen, Illusionen gehörig abzuschreiben, weniger vom neuen Jahr zu erwarten, aber positiver und zielbewußter an Den Tages­aufgaben niit.uarbeiten! Stille» Vertrauen in die Zukunft, Mitanpacken und gesunder Optimismus helfen auch diese Rotzeit über­winden, besser als verbit.erteSAbseilSstehen und lärmende Kritik der Swig-Pessimisten.

Paneuropa zwischen Moskau und USA.

Don Or. War! Hausier, o. o. Professor der Geographie an der Universität München,

Generalmajor a. D.

Da» geopolitisch bedeutendste Ereignis des IahreS 1930 ist sicher Die anglo-inDifcbe Tagung in London gewesen, Die Tatsache, daß man doch wenigsten» die indischen Oppor­tunisten als Vertreter Asien» mit denen De» größten weißen Imperium» Der Erde konfron­tieren konnte, und Dabet tn einer einzigen Aus­sprache Umgruppierungen, wie die Abtrennung Burma» mit rund 600 000 Quadratkilometer Lan­des und 13 Millionen Menschen zu erzielen ver­mochte. Darin sehe ich al» Befürchtung, wie Hoff­nung die Uederlegenheit raum weiten Denken» über cngräumlgc Anschau­ungen so sehr bekräftigt, daß ich allerdings große Sorgen f ft r d i e Zukunft Pan- e u r o p a » habe, wenn es zwischen Die Mühl­steine der revolutionären panasiatischen Bewegung unter Führung der Sowjet» und Der evo­lutionären panpazisischen unter Der Führung Der U 8.» Amerikaner geraten sollte! Daneben wird alle» inneren ropäische Deräufe sehr unwesentlich sein.

Oie Zukunst des deutschen Bürgertums.

Don Erich Noch'Weser, ehem. Deichsminisier.

Solange sich in unserem Volke 80 Prozent in unzureichenden Lebensumständen befinden und 90 Prozent Der Aufstiegsmöglichkeit für sich und feine Kinder ermangeln, wird keine Regierung auf die Dauer Autorität erwerben können. Autorität bleibt dem Führer nur erhalten, wenn er Erfolge auf zeigen kann. Ds kommt also letzten Ende» Darauf an, ob Die deutsche Wirtschaftskrise. Die in Wahrheit eine Weltwirtschaftskrise ist, im nächsten Jahre Dem EnDe entgegengeht.

Ist da» nicht Der Fall, so wirD Der Sozialis­mus. der immer weitere Schichten unseres Volke», und zwar viel mehr des deklassierten Bürgertums al» der Arbeiterschaft ergreift, wachsen. Eine nationalistische Diklatur wird sich bei ihrer inner­lichen Uneinigkeit und bei ihrer Hilflosigkeit gegenüber den praktischen Fragen nicht auf Die

Recht! Der Völkerbund ist und bleibt ein Instrument in Der Hand Der gegnerischen Mächte, vor allem Frankreichs: wo Deutschland» Recht gelten sollte, hat er 1930 noch schmählicher ver­sagt al» zuvor. Wir sind, Gott sei es geklagt, machtlos. Aber nationale Energie lami auch ein machtloses, geknechtete» Volk zeigen. In unserem Volk aber sind weite Schichten auch heute noch international eingestellt: sie empören sich über jedes scharfe Wort, ha» ein Deutscher spricht, und nehmen viel schärfere Worte und Taten Der Franzosen und Polen ergeben bin. Darum hat unser Volk keine Kraft, kein Ansehen!

Wir beschließen daS böse Jahr 1930 mit schwe­rem Herze» Denn wer noch ein bißchen zu den­ken versteht, sieht, daß 1931 noch schwerer werden wird. Schließen wir Die» Jahr wenigstens nicht ab, ohne aus ihm zu lernen! Wir haben ge­wirtschaftet, ohne zu bedenken. Daß wir ganz arm sind: es gilt Dieser Tatsache rücksichtslos Rechnung zu tragen. Wir (ober Doch große Teile DeS Volk») haben auf Die wirtschaftliche Einsicht Der anheren vertraut: Da» war ganz falsch. Richt einmal Das ist richtig. Daß die anderen un», da­mit wir ihnen steuern können, am Leben lassen wollen. Rein, nicht einmal Da» wollen sie mehr haben. Viele haben auf den Völkerbund ver­traut er verdient kein Vertrauen, unter seinem Schutz bricht Frankreich seine Abrüstungsverspre­chungen. Wir haben (ober doch viele) auf die Durchsetzung bes Recht» im Leben Der Völker vertraut: aber nach wie vor, ja, mehr al» je zu­vor lassen Die Mächtigen nut Die Macht re­gieren. Wir stehen allein; so geben wir un» selber nicht aus! Wit stehen gegen eine Welt: so zerfleischen wir un» doch nicht selbst! Wir müssen unsere Sache führen; so führen wir sie

Dauer halten. Ihre größte Gefahr besteht Darin, Daß ihre enttäuschten Anhänger sich schaventvei» zur äußer st en Linken wenden und Die be­harrliche Politik Rußland» auf Herbeiführung einer Weltrevolution in Deutschland zuerst ver­wirklichen helfen werden.

»Deutschland etwa che!" sollte Dem gegenüber nicht Der Schlachtruf Der Rational- fozialisten sein, sondern das Mahnwort an Diejenigen st aat» erhaltenden Ele­mente, Die heute noch ihre Qlugen gegenüber Den furchtbaren Gefahren, hie Deutschland bedrohen, geschlossen halten und sich in kleinlichen Zänkereien untereinander auf reiben.

Oie große innere Reform.

Don Eduard Dingeldey, JJtDDV, Führer Der Deutschen Dottöpartei.

Die wirtschaftliche Rot unseres deutschen Volke» ist auf Drei Ursachen zurückzusühren:

1. Die gewaltige Massenerzeugung Der Welt stieß aus zerstörte Absatzmärkte. DaS Mißverhältnis von Angebot und Rachfrage führte zu einem nie geahnten Preissturz und im wei­teren Verfolg schweren Funktionsstörungen Der landwirtschaftlichen und industriellen Produktion in der ganzen Welt.

2. Die von sozialistischem Geiste beeinflußte, einem falsch verstandenen und häufig genug dilet­tantisch geführtem Wohlfahrt» st aale die­nende deutsche Gesetzgebung auf Den Gebieten Der Steuerpolitik, der Sozialpolitik, Hand in Hand gehend mit einer uferlosen Aufblähung' de» gesamten Apparate» der öffent­lichen Hand, hängen sich wie eine Zentnerlast an die Fähigkeit Der deutschen Wirtschaft, Den Wettbewerb In her Welt mit anderen Rationen aufzunehmen, der ohnehin durch die unter 1. genannte 'Weltwirtschaftskrise In ungeheurem Maße erschwert ist.

3. Die von außen, durch allgemeine Einflüsse, von innen durch ein falsches System von Gesetz­gebung und Verwaltung in ihrer Lebensfähigkeit getroffene deutsche Wirtschaft wurde belastet mit Den Tributforderungen der Gläu­biger, deren Hohe auch nach dem Voungplan außer allem Verhältnis zur wirklichen Ertrag»- fäbiqfeit her deutschen Wirtschaft steht.

Aus diesem Zusammenfluß her Ursachen ergibt sich, das, die deutsche Reichsregierung u n - mittelbar nach Sicher st elluug der inneren Reformak11on Die Reuaus- rollung der Tributsrage an streben muß. Die Frage der Taktik, ob also durch Die Erklärung eines Moratoriums oder durch Anrufung de» Sachverständigenausschusse» der Internationalen Bank da» Ziel besser erreicht wird, kann hier unerörtert bleiben. Zweisellos aber liegt her deutschen Reichsregierung die Pflicht ob. die Revision De» Zoungplanes zum Ausgangspunkt ihrer außenpolitischen Aktionen im Jahre 1931 zu machen Hoffentlich wird sie dann gestützt durch eine gesunde, aber entschlossene breite Front innerer Volksgemeinschaft.

Wirtschaftspolitische Einsicht.

Don Discount d'äbernon, ehem. lgl. britischer Dotschaster in Derlin.

Meine Ansicht ist die. haß Die Zukunft Der europäischen Politik und ihre Fortsetzung im Geiste von Locarno im kommenden Jahre haupt­sächlich von wirtschaftlichen Umstän­den abhängt, während Die wirtschaftliche Zu­

ruhig und besonnen, aber auch toüthlg und ent­schieden!

Möge 1931 trotz allem es besser machen al» 1930'

Bayern und die Reichsreform

Eine Reujahrokundgebung des bayerischen

Ministerpräsidenten.

München. 30. Dez. (WTB.) Der bayerische Ministerpräsident Dr. Held veröffentlicht au» Anlaß de» bevorstehenden IahreSwech'el» eine Kundgebung, in Der e» u. a. heißt

In den vergangenen RachkriegSjahren haben die Verantwortlichen im Reich und in Den Ländern ihre Sorge mehr und mehr Dem neuenReichS- bau zugewendet. Die jüngste Vergangenheit hat geoffenbart, daß die Mängel unseres Verfaffungs- leben» nicht in Der Gewaltenleilung zwischen Reich und Ländern liegen. Sie sind vielmehr darin zu erblicken, daß ganz unabhängig davon Die Reichsgewalt al 5 solche einer hin­reichend st arkenGrundlage entbehrt. Die wichtigsten und wirksamsten iragpfeiler für die Bildung einer starken Reichsgewalt sind nach den Erfahrungen der Gefchichte und nach Dem Vorbilde anderer Droßstaaten Der Welt in folgen­den Forderungen zu erblicken:

1. Erhebung des ReichSrates zur gleich­berechtigten Zweiten gesetzgebenden Kammer nach dem Vorbilde De» BundeSrate».

2. Gewährleistung einer größeren Stetig­keit derReichSregierung.

3. Ausbau Der orDentließen verfassungsrecht­lichen Machtvollkommenheiten De» ReichSprä- | i De n tc n, etwa nach Dem Vorbilde De» Präfi­

hinft vorwiegend von Der Währ u n g abdängt und von der Behandlung de» Gold­problem» feiten» Der führenden Handel S- iiationen der Welt. Wenn nicht mehr Verständnis für diesen Punkt von den maßgebenden Autori­täten an den Teg gelegt wird, sehe ich schwere finanzielle Verwicklungen voran».

Oie Revision

des Versailler Oiktats.

Son Oraf IBrflorp, DlbDV, Führer der SVnnfcrvdhvcn Dolkspartei.

Schon her Januar im Jahre 1931 stellt die deutsche Vertretung beim Völkerbund vor die Aufgabe, die deutsche Minderheit gegen Den brutalen Vernichtunftskamps Polen» zu schützen. Ebenso unverzüglich muß die Komödie her A brüstungSverhandlungen in Genf zum formellen Abschluß gebracht werden. 'Deutsch­land darf keinen Zweifel darüber lassen, haß e» jede» Interesse am Völkerbund verliert, wenn er wie bisher auf diesen beiden Gebieten versagt. Ist hie Tatsache, daß Die anderen Mächte Den vertragsmäßigen Anspruch Deutschland» auf Ab­rüstung nicht erfüllen, endgültig sestgeftellt. Dann ist auch Deutschland nicht mehr gebunden und in her Lage, für sich Die Rüstungsfreiheit In An­spruch zu nehmen.

Reben (Senf wirb Basel al» S i tz her Tributbank un Jahre 1931 ein zweiter Brennpunkt heutfcher Außenpolitik sein. Im Interesse ebensowohl her (SläubigerlänDcr wie Deutschlands kann die Revision de» Pa­riser T r l b u t p 1 a n e » nicht länger aufge­schoben werden. Bei seiner Annahme bat nie­mand feine Durchführbarkeit garantiert. Die Aus« bringungskrise in Deutschland. Die Weltwirt­schaftskrise und Da» mit ihr verbundene Steigen he» Werte» der Goldzahlungen, her Abschluß her Außenmärkte gegen die deutsche '?lu»fubr und das Versacken weiterer Kreditmöglichkeiten müssen bei Festhalten an dem Tributplan zu schwersten Katastrophen führen. Rachdem her Reg e ung Brüning die'Notverordnungen in die Hand gegeben sind, die zum Zwecke her inneren Reformen dem deutschen Volke s ch w e r st e L a st e n n n d E i n s ch r ä n k u n g e n auf erlegen, ist für sie Die Voraussetzung erfüllt unb die Verpflichtung gegeben, unverzüglich Die Xrlbutreinflon in» Werk zu fetzen. Transfer­aufschub unD Einberufung des beratenden Gonder- ausschusses müssen, so gefahrvoll und unzulänglich diese im Tributplan vorgesehenen Maßnahmen find, verlangt werden, wenn da» erforderlich ist. um ha» Rad ins Rollen zu bringen. Die un­mittelbaren Verhandlungen von Regierung zu Regierung mit dem Ziel einer wirklichen Re- Vision sinb Die Hauptfach« DI scheu Volkes und sein erwachender nationaler Widerstandswille gestatten keinen weiteren Auf­schub.

Auch diese für da» Jahr 1931 im Vorder­grund stehenden Ausgaben erhalten ihre volle Vedentung erst in dem Zusammenhang her For­derung Deutschland» auf Revision de» ge­samten Versailler Diktate». Da» Re- visionsgespräch her Welt hat begonnen, ö» wird und Darf nicht verstummen. Die ganze deutsche Außenpolitik muß bei Freunb und Gegner Der Revision allein Darauf gerichtet fein. Fessel um Fessel he» Versailler Diktate» abzustreifen, bl» Ehre und Freiheit der Ration wiederhergestelkl sind.

Deuten Der Vereinigten Staaten von Amerika.

Dazu wäre weiter nötig, haß Verfassung unb Recht im öffentlichen und privaten Leben wieder zu größerer Achtung und Geltung gelangen. Mit Treu und Glauben wird auch da» Vertrauen wie­derkehren, da» heute in weiten Kreisen, nicht zuletzt durch Ereignisse aus Dem Ge­biete des öffentlichen L«b< schwunden ist. VerfassungSänDerungen müssen für die Zukunft erschwert tocrDcn. Solchergestalt muß eine Reichsreform fein, wenn sie Dem deutschen Volk zum Gegen gereichen soll. Ein Werk der Zerstörung statt De» Ausbaues würde au» den Händen Derer bervorgeßen, Die ha» Fundament abtragen möchten, das Die deutschen Länder, für da» Reich In guten wie in schwersten Zeiten gebildet haben. Bauern» Aufgabe wird e« auch im kommenden Jahre und in Der Zukunft fein, solchen Versuchen gewappnet mit hem blanken» Schilde schärfsten Widerstand zu leisten.

Oie Wettarbe tslosigleil.

Berlin. 30. Dez. iBB.) Die These, daß die deutsche Wirtschaftskrise Teil einer Weltwirt­schaftskrise ist, wird merkwürdigerweise immer noch beftritten. Die Zahlen zeigen aber ihre Rich­tigkeit. denn gemessen an Der Gesamtbevölkerung steht Die Arbeitslosigkeit in Deutschland erst an der zweiten Stelle her Weltstatistik. 3m Herbst waren in Großbritannien 4,8 Prozent, in Deutschland 4.7 Prozent, in den Vereinig- ten Staaten 4,6 Prozent der Gesamtbevölkerung arbcit»lo». Die drei größten Industrieländer Dal ten fich olfo annähernd Die Waage. Bei Italien beträgt der Anteil 2 Prozent, nach zuverlässigen Rachrichstn hat fich aber auch hier die Krise In der letzten Zeit außerordentlich stark verschärft.