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Nr. 255 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen) greitag, Zs.Gttober 1930

Berliner Brief.

Berlin, Oktober 1930.

Di» Welt ist wieder einmal mit einem Bussenfilm beglückt worden. Man muh ess den Bussen lassen, daß sie Filme zu drehen ver­stehen, Ihre Filmproduktion besitzt eine Bus­drucksfähigkeit, die sich von jeder Süßlichkeit ent­fernt hat und sich allerdings oft zur Kraßheit steigert. Dieser Chinesenfilm (»Der blaue Expreß") ist natürlich eine rein kommunistische Agitationsaugelegenheit. Den armen Chinesen geht es nur so schlecht, weil räuberische und er­presserische Kapitalisten sie aussaugen. Man sieht sie in der ersten Klasse dieses Expreßzuges, der von einer chinesischen Stadt der russischen Grenze zueilt, Sekt trinken und Jazz tanzen. 3n der dritten Klasse aber drängen sich die Kulis an­einander. die ihre Kinder zur Sklavenarbeit in die Spinnereien schaffen. Ein betrunkener weißer Beamter vergewaltigt ein minderjähriges chi­nesisches Mädchen und ruft dadurch einen Auf­ruhr der Chinesen hervor. Die erbrechen den Packwagen, nehmen die dort verstauten. Waffen und erobern den Zug. indem sie die ganzen Kapi­talisten über den Haufen schießen. Der Zug saust dann über die Grenze,in die Freiheit", so dah die Aufrührer den Schergen des Militarismus und des Kapitalismus entzogen werden.

Lieber solchen russischen Propagandafilm brauchte man sich nicht groß zu erregen. Es ist nicht der erste und wird nicht der letzte sein. Er wird auch in einem normal denkenden Men­schen keine allzu großen Verheerungen anrichten können, wenngleich man sich ein geeigneteres Fslmmaterial zur Massenunierhaltung denken kann. Aber das Berliner Prcmieren- Publikum, das dort in Smoking und in großer Abendtoilette sah und stürmisch Beifall klatschte, wenn wieder irgendeinDurschui" über den Haufen geknallt wurde, das i st es, was die Empörung aller anständig denkenden Men­schen Hervorrufen muß. Dieses Kokettieren mit dem Bolschewismus ist geradezu schamlos. Aus­gerechnet die Menschen, die von der Bot der heutigen Zeit überhaupt nicht betroffen werden, die als Mitglieder der sogenanntenGesellschaft" auch heute noch ein recht sorgenfreies Leben führen, und die sich bei Sekt und Austern über die Böte der Zeit unterhalten und ihr mit­leidiges Herz für die Armen und Unterdrückten entdecken, das sind recht bedenkliche und gefähr­liche Zeitgenossen, vor allem auch deshalb, weil sie in denjenigen Devölkerungskreisen, denen es heute wirklich schlecht geht, ganzfalscheDor- st e l l u n g e n über das Wesen dieserGesell- schast" Hervorrufen.

Denn es ist doch nun einmal nicht so. dah die besitzenden Klassen heute in ihrer Gesamtheit von dieser geistigen und seelischen Fäulnis an­gekränkelt sind. Denn im deutschen Bürgertum stecken trotz der bedenklichen politischen Schwäche­erscheinungen doch noch soviel gesunde geistige und wirtschaftliche Kräfte, dah heute dieser Fak­tor zur Erneuerung unseres Vaterlandes unbe­dingt in die Bechnung eingestellt werden muh. Der Salonbolschewismus aber ist gerade das­jenige, was wir uns am allerwenigsten leisten können, wenn wir nicht zu einer vollständigen Verwirrung der Maßstäbe und der Begriffe kommen sollen.

Man kann im Zweifel sein, ob hier nicht auch wieder jener unheilvolle Zug des Deutschen zur Romantik mahgebend ist. Der Deutsche hat es stets an sich gehabt, für die wirklich oder angeb­lich Unterdrückten einzutreten, gleichgiltig, ob er sich dabei ins eigene Fleisch geschnitten hat oder nicht. Dieses Stück Sentimentalität, das zweifellos auch bei der Kommunistenschwärmerei vieler unserer Intellektuellen im Spiele ist, bildet eine-alte deutsche Erbkrankheit, eine Erscheinung, die offenbar auch durch die harten Erfahrungen

der Kriegszeit noch nicht überwunden worden ist. Batürlich ist es eine faule Romantik, von der hier öie Bede ist. Denn Romantik als geistige Haltung ist eine der grohen Einstellungen des menschlichen Geistes zu den letzten Dingen des Lebens überhaupt. Diese pseudoromantische Sentimentalität in politischen Dingen ist aber eine Entartungserscheinung, die ihrerseits wie­derum das Zeichen eines übersteigerten Intellek­tualismus ist. In die hier besprochenen Erschei­nungen gehört auch die kritiklose Schwärmerei

für den Angeklagten, die heutzutage Mode ist. Cs gibt kein psychologisches Hilfs­mittel, das nicht herangezogen wird, um der staunenden Mitwelt begreiflich zu machen, daß nicht der Mörder, sondern der Ermordete schuld ist. Wir erleben das bei allen grohen Sensations- Prozessen. insbesondere bei solchen mit erotischem Motiv. Der sexuelle Blutrausch ist eine ständig wiederkehrende Vokabel, um den einfachen Tat­bestand des gemeinen Verbrechens gefühlvoll zu umschreiben.

Polen-Terror in der Ukraine.

Don unserem L. B.-Derich'erstatter.

(Bachdruck, auch mit Quellenangake, verboten!)

Lemberg, Ende Oktober 1930.

Während jenseits der polnischen Grenze, im russischen Teil der Ukraine, nach den furchtbaren Kämpfen mit den Sowjets der rote, der bolsche­wistischeStiebe über dem Lands lastet, regiert diesseits der polnischen Grenze, in der westlichen Likraine wie in Ostgalizien, die polnische Knute. Die Lage in dieser südöstlichen Ecke Po­lens ist seit einigen Monaten wirklich tragisch ge­worden, nachdem es schon früher unter polnischer Herrschaft keine Lebensfreude für die Ukrainer gegeben hatte. Jetzt hat man sich an die Verfol­gung und Unterdrückung kultureller und natio­naler Einrichtungen der Ukrainer, an die Schlie­ßung ihrer Schulen, an die Konfiskation ihrer Zeitungen, an Derha'tungen und Verfolgungen und an die systematischen Zerstörungen ukrainischer Fabriken gewöhnen müssen, wie an alltägliche Dinge.

Diese Methoden der polnischen Verwaltung er­innern an die Strafexpeditionen Ludwigs XIV. Ab'"ilungen von polnischen Soldaten durchziehen ukrainische Dörfer und zerstören sie. richten un- sag^a.cs Uicheil an und lassen bei ihrem Weg­zug Leichen und Ruinen zurück. Es sind sogenannte Strafexpeditionen, die die Regierung Pilsudski zur Bache für irgendeine erfundene oder wirkliche Missetat eines unbekannten Ukrainers ausfendet. Meist sind es Ulanen, die diese heute selbst in afrikanischen Kolonien kaum noch ange­wandtenS't afexpedi io/.en durch'.u ühren hak^n. Der Kommandant einer solchen Truppe befiehlt gute Quartiere, reichliche Lebensmittel und das beste Futter für die Pferde... Die Solda'.en füh­ren diese Befehle auf ihre Weise aus... Hunderte von Protokollen, von namhaften und achtbaren Persönlichkeiten unterzeichnet, stellen fest, dah die Soldaten unter den Augen des Offiziers Männer und Frauen mihhandelten in Formen, wie man sie sich schaudernd von der entmenschten Soldateska , des Dreißigjährigen Krieges erzählt. Klagen der Bevölkerung werden von den Zivilbehördrn über­haupt nicht angenommen, man verweist sie an die Militärbehörden. Ergebnis: stets gleich Bull. Be­schwerden an den Völkerbund werden entweder von Warschau aus schon beschlagnahmt oder, wenn sie nach Genf gelangen, im Sekretariat ..regi­striert". Der allseits hochgeach'ete griechisch-katho­lische Metropolit von Ostgalizien, Graf Schep- t i tz k i, hat persönlich in Warschau interveniert. Völlig erfolglosI

Lind welchen Zweck verfolgt Pilsudski mit diesen militärischen Strafexpeditionen, die ganz Ost- galizien, Stadt und Land, unter ein Echreckens- regiinent gestellt haben? Er will dieWahlbc- e i n f l u s s e n. Er will wenigstens verhindern, daß Ostgalizien für die ukrainischen Kandidaten stimmt. Und das dürfte er erreichen, wenn «s ihm auch nicht gelingen wird, die Ukrainer zur Wahl der Kandidaten Pilsudstis zu bestimmen.

Bach dem Londoner Vertrag von 1916 sollte Ostgalizien an Rußland fallen. 1919 jedoch änderte die Entente ihre Ansicht und gab das

Land denPolen unter der Bedingung einer weitgehenden politischen Autonomie. Die Ukraine sollte nicht nur eine selbständige Regie­rung, sondern auch eine eigene Armee bekommen. Gewiß hat die ukrainische Bevölkerung in ihrem fanatischen Polenhaß diesen Vertrag nicht an­erkannt, sie griff zu den Waffen und wurde von den Polen im offenen Krieg besiegt. Lemberg fiel im Sturm. Aber Polen hat auch nach diesem Krieg die Verpflichtung zur Gewährung der Auto­nomie an Ostgalizien niemals zu leugnen vermocht. Man hat den Ukrainern immer wieder Ver­sprechungen gemacht, um jetzt den Terror auf das Land loszulassen. Die ukrainischen Lehrstühle an der Universität von Lemberg, die schon die Oester- reicher eingerichtet hatten, wurden abgeschasft. Die Organisation Prosvita. die das ukrainische Un­terrichtswesen förderte, wurde geschlossen, die ukrainischen Gymnasien wurden in polnische ver­wandelt. Die Antwort der ukrainischen Bevölke­rung waren politische Attentate und die Grün­dung einer militärischen revolutionären Organi­sation. der UBO, an deren Spitze ein alter öster­reichischer Offizier, Konovaletz, steht. Druck er­zeugt nun einmal Gegendruck, und so haben sich in der Zeit des jetzt verschärften polnischen Ter­rors auch die Attentate der Ukrainer gehäuft. Da man die Urheber der Attentate niemals er­griff, half man sich mit Strafexpeditionen gegen die sicher unschuldige Bevölkerung.

Die polnische Regierung wirft den Ukrainern vor, sie gehe mit ben 5tommuniften zu­sammen. Diese Anschulbigung ist grundfalsch, benn bie UBDO, bie nationalbemokratische Partei ber Ukraine, bie in Ostgalizien bei weitem stärkste Partei, ist eine gemäßigte bürgerliche Partei, bie durchaus antikommunistisch eingestellt ist. Man braucht nur bie kommunistischen Zeitungen von Charkow und Kiew zu lesen, um zu sehen, daß die Bolschewisten nicht nur die Partei, die UBDO, sondern auch die militärische Organi­sation, die UBO, für ihre schlimmsten Feinde hal­ten. Daß es in diesem Lande eine ziemlich große Partei gibt, die auch mit ber Gewährung ber von Polen stets versprochenen aber nie wirklich eingerichteten Autonomie nicht mehr zufrieden ist, sondern völlige Lösung von Polen wünscht, das ist nach den Erfahrungen, die Ost­galizien mit Polen nun einmal gemacht hat, nicht verwunderlich. Daß auf der anderen Seile der polnischen Grenze die freie Sowjetrepublik der Ukraine mit der von aller sozialen Unter­drückung abgesehen fulturcll tatsächlich vorhan­denen Autonomie lockt, ist nicht minder begreiflich. Wie lange die ukrainische Tragödie noch dauern wird, kann niemand sagen. Sicher ist nur, baß Ostgalizien auf seine nationalen und politischen Ansprüche nicht verzichtet. Der Haß gegen Po­len wird nur immer größer und es kann fein, daß Polen feine Schandtaten in der Ukraine noch einmal bereuen wird. Selbst die polnisch-konser­vative Zeitung von Krakau,Czas", beschuldigt Pilsu.ski, durch seine sinnlose Regierung Polens Zukunftsmöglichkeiten in ber Ukraine schon jetzt völlig vernichtet zu haben.

Vom Andromedanebel.

Von Professor Or. Küstermann.

Man sollte ihn immer nur mit einer Art ehr­fürchtiger Bewunderung anschauen, diesen kleinen Lichtfleck im Sternbilde der Andromeda! Ihn aufzufinden, macht leine besonderen Schwierig­keiten: Prägt man sich die Andromeda in der üblichen Weise ein, indem man in ihr drei Sterne in gerader Linie und den vierten, schon zum Himmclsquadrat gehörenden, etwas nach links abgebogen erblickt, so wird man den Bebel in klaren Herbst- oder Wintemächten ohne sonder­liche Mühe über dem zweiten dieser vier Sterne in ber Richtung nach der Cassiopeia zu sehen. Freilich sieht man nicht viel mehr als eine Art Bebelstreif. Erst die Erforschung mit dem Fern­rohr und namentlich mit ber Lichtbildaufnahme durch das Fernrohr konnten uns die merkwür­digen Geheimnisse dieses Gebildes entschleiern: Cs ist der hervorragendste Vertreter der sog. Spiralnebel. Lange Zeit war es zweifelhaft, ob Diese Spiralnebel und andere ihnen ähnliche Bebel noch mit zu der ungeheuren Stemenwelt der Milchstraße zu rechnen sind, der auch wir angehören, oder ob sie bereits jenseits von deren Grenzen lägen. Vieles sprach für diese letzte Auf­fassung, so z. B. daß die innerhalb des Bebels sichtbaren Sterne dieselbe Verteilung der Hellig­keitsabstufungen zeigten wie in anderen Himmels­gegenden, woraus man schließen konnte, daß das Sternlicht nicht durch den Qlebcl hindurchgegangen sei. das heißt, daß die gewöhnlichen Sterne vor dem Bebel liegen. Es schien auch, als ob sich alle diese Bebel, was man durch bestimmte Unter­suchung ihres Lichtes feststellt, mit außerordentlich großer Geschwindigkeit auf uns zu oder von uns weg meist von uns weg bewegten, träßrenö bie sichtbare Wirkung ihrer Bewegung, nämlich ihre Verschiebung in seitlicher Richtung, ganz unbedeutend war. Dies erklärt sich nur durch die Annahme einer ungewöhnlich großen Entfernung. Die Untersuchung des von dem Bebel ausgehenden Lichtes lieferte auch den Be­weis, daß er nicht aus einem leuchtenden Gase bestehen kann, sondern leuchtende feste oder feuer- flüssige Körper enthalten muß. Cs lag also nahe, ihn als eine ferne Fixstemwelt zu betrachten.

Da gelang es vor einigen Jahren mit ben ge­waltigen Fernrohren der amerikanischen Derg- ftemtoarte auf dem Mount W.;son, einzelne Sterne zu entdecken, bie offenbar nicht vor. sondern in dem Bebel liegen, also zu ihm gehören; man konnte sogar deren Batur feststellen. Es stellte sich heraus, baß sie zu einer bestimmten Klasse veränderlicher Sterne gehören, bei denen man

aus ber Zeit, die der sich regelmäßig vollziehende Lichtwechsel bei ihnen beansprucht, auf ihre wirk­liche Helligkeit schließen kann. Cs ergab sich, daß der untersuchte Stern von ungewöhnlich großer Leuchtkraft war, während er uns als ein recht schwaches Stemlein erscheint. Dies erklärt sich nur durch die Annahme einer ungeheuren Ent­fernung. und man konnte so berechnen, baß der Andromedanebel rund eine Million Lichtjahre 300 000 000 000 Kilometer von uns entfernt sein muß, da das Licht in einer «Sekunde 300 000 Kilo­meter zurücklegt. Diese Forschungsergebnisse wur­den auch durch einige andere Beobachtungen und Ueberlegungen gestützt.

Kennt man nun die Entfernung des Gebildes, so kann man aus der Größe, die es für unser Auge hat, auf seine wirkliche Ausdehnung schließen und kam es dazu, diese mit etwa 50 000 Licht­jahren anzufehen; er wäre dann Wohl kleiner als die Milchstraßenwelt, der wir angehören, nämlich nur vielleicht die Hälfte oder ein Viertel des Durchmessers der Milchstraße, hätte also immerhin doch eine ber Milchstraße ähnliche Gröhe. Der Andromebanebel ist aber unbedingt der nächste Bachbar der Milchstraße, denn die anderen ver­gleichbaren Bebel sind noch viel, viel weiter ent­fernt. Die besten Kenner dieses jüngsten Gebietes der Welterforschung sprechen von Entfernungen von 100 bis 200 Millionen Lichtjahren.

Uraufführung in Frankfurt.

Im Frankfurter Heuen Theater kam das Schauspiel ,.P a n a m a s k a n d al" des er ft 24- jährigen Eberhard Wolfgang Möller zur Ur­aufführung, ber bereits mit seinen Dramen Douaumont" unbKalifornische Tragöbie" zu Wort kam. Direktor Hellmer vom Beuen Theater hat mit bem ihm eigenen Gefühl für zeitgemäße unb wirksame Stücks bem jungen Dichter seine Bühne geöffnet. Was ist in unserer Zeit ber großen unb kleinen ötanbalaffären aktueller als der Panamaskandal, jenes Schul­beispiel einer Korruptionsaffäre, bie sich politisch unerhört auswirkte unb bie junge französische Republik hätte stürzen können, wenn sie nicht mit Diplomatie ben ausgedeckten Augiasstall zu reinigen verstanden hätte? Inmitten der mit krankhaften Begriffen geschwängerten Atmo­sphäre, in ber das Bakschich weit über orienta­lisches Maß hinaus zur Allmacht wirb, steht der greife Erbauer des Suezkanals, Ferdinand von Lesseps. Selbst unberührt von den schädlichen Miasmen des Sumpfes seiner Zeit, wirb er doch ihr Opfer, weil er das Milieu, in dem sein Genie schafft und bas Ziel der Vollendung des Panamaskandals erstrebt, nicht erkennt und schließlich Objekt der Leute wird, denen dies

Werk nichts und ihr persönlicher Vorteil alles ist. Den tragischen Weg dieses Mannes zeigt uns dcr Dichter in acht Szenen, öie straff gefaßt sind, einen klaren Dialog unb Sinn für Theater­wirkung zeigen unb bie Hoffnung erwecken, von biesem Dichter noch Besseres zu sehen. Kleine Mängel bürfen darüber nicht hinwegtüuschen, daß dcr reiche Beifall verdient war. Eine geschickte Regie und eine in ben wesentlichen Rollen gute Darstellung liehen bem Dichter ihre Unterstützung. Herr Günther spielte einen in Maske unb Darstellung ausgezeichnet ver­körperten Ferbinand von Lesseps. Lydia Busch stellte Frau Lesseps mit ihrer reifen Kunst über­legen auf die Bühne. Franz M a s s a r e k zeigte den jungen Lesseps sicher in seinen verschiedenen Wandlungen. Dr. W.

40 Jahre Aotgemeinschast der Deutschen Wissenschaft.

Am 30. Oktober b. I. waren 10 Jahre ver­gangen, seitdem die deutschen wissenschaftlichen Körperschaften zurBotgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft" zusammentraten, um von ber deutschen Forschung die drohende Gefahr des Zusammenbruches abzuwenden und die Forschung als unentbehrlichen Faktor im deutschen Wiederaufbau tätig und lebenskräftig zu erhalten. Mit den Jahren hat sich gezeigt, daß die Aufgabe der Botgemeinschaft sich nicht in einer einmaligen Hilfsaktion erschöpft, sondern daß für eine Reihe von Bedürfnissen der deut­schen Wissenschaft die zentrale Wirksamkeit eines Körpers wie ber Botgemeinschaft auf bie Dauer notwenbig ist. Die Botgemeinschaft ist unter der Leitung ihres Präsidenten, des früheren preußi­schen Kultusministers Dr. Schmidt-Ott, zu einem wesentlichen Organ in der deutschen Wissenschaftspflege geworden, dessen Bedeutung auch das Reich durch Uebemahme ber ihr geleiste­ten Zuschüsse in das Orbinarium des Reichs Haus­halts Rechnung getragen hat.

Der jetzt vorliegende neunte Bericht der Bot­gemeinschaft gibt ein eingehendes Bild von ber Tätigkeit ber Botgemeinschaft im Jahre 1929/30. Die Förderung der Experimentalforschung unb der großen Forschungsaufgaben im Bereich der nationalen Wirtschaft, der Volksgesundheit unb des Dolkswohls erstreckt sich über eine große Zahl wichtiger Arbeiten. Durch Forschungsstipendien sucht die Botgemeinschaft planmäßig einen tüch­tigen wissenschaftlichen Bachwuchs unb seine Mit­arbeit an wichtigen Problemen zu förbern. Wei­tere Cinzelbewikligungen, vor allem für For­schungsreisen, wissenschaftliche Ausgrabungen und Expeditionen, verfolgen ebenfalls das Ziel, die

Oberheffen.

Friedberger Schupo kommt nach Mainz

WSB. Friedberg. 30. Oft. Bach längerer Ungewißheit erfährt jetzt die Oeffentlichkei't, daß eine Bereitschaft der hiesigenSchutz- polizei nach Mainz verlegt werben soll. Diese Verlegung bcbcutct für Friedberg eine schwere wirtschaftliche Schädigung. Zweifelhaft scheint sogar, ob auch der verbleibende Rest der Schupo auf bie Dauer in Friedberg stationiert bleibt. Die Entscheidung des Ministeriums in dieser Sache hat hier starke Erregung hervor­gerufen.

Landkreis Gießen.

g Klein-Linden, 30. Oft. Am 6. Bovember begehen die Eheleute Friedrich Wilhelm Bau­mann, dahier, das Fest der goldenen Hoch­zeit.

g. Klein-Linden, 30. Oft. Heute morgen ist mit den Wasserleitungsarbeiten be­gonnen worden. 3m ganzen werden etwa hun­dert Arbeiter bei dein Bau beschäftigt fein, so baß unsere gesamten Erwerbslosen für die nächste Zeit untergebracht sind. Auch dürfen bis zu 20 v. H. ber Belegschaft Wohlfahrtsunter­stützungsempfänger sein, so baß der Gemeinbe hierdurch eine gewisse Entlastung zuteil gewor­den ist.

xy Leihgestern, 31. Oft. Heute Freitag, 31. Oktober, 13.30 Uhr, wirb anläßlich des Re­formationstages die im Jahre 1883 aus dem gleichen Anlaß im hiesigen Schulhof gepflanzte und inzwi­schen verdorrte Lutherlinde durch eine junge Linde ersetzt. Bürgermeister Heß, Rektor Lotz und der zur Zeit hier als Vertreter amtierende Pfarrer S t a u d a ch aus Watzenborn-Steinberg werden bei der Feier Ansprachen halten.

)( Lich, 30. Oft. Unsere Mitbürgerin Frau Margarete M i t n a ch t. geb. Lotz, konnte am Dienstag in bester körperlicher und geistiger Rüstigkeit ihr 8 5. Lebens j ahr vollenden. Der Ortsgeistliche überbrachte ein Gedenkblatt des Landeskirchenamts, verbunden mit den besten Wünschen der Kirchengemeinde; der Posaunen­chor brachte ein Ständchen.

D Lich, 30. Ott. Am kommenden Sonntag, 2. Bovember, können die Eheleute Förster i. B. 3ohann Philipp F i n d t unb Frau Katharina, geb. Eise, in körperlicher und geistiger Frische bas Fest der goldenen Hochzeit begehen. Das Jubelpaar erfreut sich weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus allgemeiner Wertschätzung. Der 3ubilar stand vom 16. -März 1899 bis zum 3ahre 1922 als Kommunalforstwart in Diensten der Stadt Lich, wurde dann als Förster in ben Staatsdienst übernommen und trat am 1. Ok­tober 1924 auf Grund des Altersgrenzengesetzes in den Ruhestand.

Kreis Büdingen.

WSB.B ü b ing e n, 30.Oft. 3n einer Ausschuß- sihung ber Allgemeinen Ortskranken­kasse für den Kreis Büdingen wurde durch einstimmigen Beschluß der Arbeitgeber- unb der Arbeitnehmervertreter ber Beitrag zur Kasse von 6,5 auf 5,5 Prozent mit Wirkung vom 1. Bovember ab ermäßigt. Für bie frei­willig bei ber Kasse versicherten Mitglieder, die bei Arbeitsunfähigkeit ihr Einkommen weiter­beziehen und denen infolgedessen kein Kranken­geld zu zahlen ist, wurde der Beitragssatz von 6,5 Prozent auf 4 Prozent gesenkt.

Aus d'e m Biddatal, 28. Oft. Fasa­nen und Hasen sind in diesem 3a')re reichlich vorhanden. Der rückläufigen Preisbewegung des Schweinefleisches folgend, haben die H a s e n einen verhältnismäßig niederen Preis. Die Händ­ler zahlen etwa 50 Pfennig pro Pfund, was kaum den Vorkriegspreis übersteigt. 3m Vor­jahre wurden 90 Pfennig bezahlt. Unter diesen Umständen kann sich mancher einen billigen Hasen­

deutsche Forschung zur Arbeit an lebenswichtigen Aufgaben zu befähigen.

Die Mittel der Botgemeinschaft waren im Jahre 1929 bereits einer Einschränkung unter­worfen, die in den Bewilligungen vielfach zu größter Zurückhaltung zwang; dies machte sich besonders auch bei der Unterstützung von Ver­öffentlichungen (Druckzuschüsse) und der beschaffen­den und vermittelnden Tätigkeit für die wissen­schaftlichen Bibliotheken geltend. Auch die wei­tere Arbeit vollzieht sich im Zeichen der Wirt­schafts- und Finanznot, ber bie Botgemeinschaft durchaus Rechnung zu tragen sucht. Trotzdem dürfen begonnene große Unternehmungen nicht unterbrochen werden, wenn die deutsche Forschung in der Lage bleiben soll, die Botlage des deut­schen Volkes weiterhin zu bessern.

Die Abenteuer des Aationalhelden Azuma

Der japanische Flieger Azuma, der mit seiner 2OO-?5-MaschineTatschikava" aus Los An­geles nach ber Heimat flog und in Tokio wie ein Bationalheld gefeiert wurde, blickt auf ein recht bewegtes Leben zurück. Er begann seinen Werde­gang als Hasenkuli, mußte vor ber Polizei, fliehen wegen einer [leinen Messerstecherei und trieb sich sodann jahrelang als Mat.ofe herum. Er arbeitete sich allmählich in bie Höhe, ersparte etwas Geld und ließ sich vor knapp zwei Zäh­ren in Kalifornien als Gastwirt nieber. Einer seiner Gäste erweckte sein Interesse für bie Flie­gerei. In erstaunlich kurzer Zeit lernte Azuma das Hanbwerk; sein Pilotenruf drang bis in die Heimat unb bald fand sich ein begeisterter Förderer der Fliegerei in Okayama, der dem ehemaligen Kuli bie Maschine zur Verfügung stellte, mit der er jetzt heimkeyrte. Der edle Spender brauchte seine Freigebigkeit nicht zu bereuen; bie japani'che Regierung erkannte bie außerordentlichen Fähigkeiten des Fllegers und stellt ihn demnächst an die Spitze einer Piloten- schule. Richt ohne die Maschine zu übernehmen, so daß alle Beteiligten auf ihre Rechnung kommen.

Dochschulnachnchten.

Bachdem Prof. Paul Kluckhohn ben Ruf nach Jena abgelehnt hat, wurde auf den hier durch das Ableben des Geh. Hofrates Prof. Victor Michels erledigten Lehrstuhl der deutschen Philologie Prof. Dr. Albert Leitzmann in Jena zum 1. Bovember 1930 berufen. Leitzmann hat den Ruf angenommen. Der Würzbur­ger Privatdozent Dr. Emst Langloy hat einen Ruf nach Jena auf den Lehrstuhl der Archäologie als Bachfolger von Prof. H. Koch erhalten.