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Aus -er pwvinzialhaupifiadi.

Giehen, den 30. Dezember 1930.

Oie Zeit der heiligen Nächte.

Das Wethnachtsfest ist vorüber. Wir faßen am Ende des Jahres. Ter Tannenduft des Ehrist- baumcs füllt noch das Haus. Die Kinder sprelen mit den neuen Spielsachen. Still und versunken schen wir zu. Wieder ein Jahr dahin! Wie die

| wn schwerer, grauer Himmel lastet über der Erde. Morgens und abends hüllen dichte Nebel alles ein. Wie im Traum gehen die Stunden. Die Schritte der 'Borüberschreitenden sind lautlos.

- Don der Strahe heraus Hingen gedämpft Die Stimmen der Kinder. ~ri t .

HnD erst die langen Nächte! 3fl es vcrwunder- t lich, dah unsere Vorfahren, aber auch noch einige I unserer heutigen Zeitgenossen, glaubten, dah in 1 diesen zwölf Nächten von Weihnachten bis zum sechsten Januar gar merkwürdige Dinge gc- schehen? Die Tiere können nun sprechen und die Zukunft Voraussagen, und wer ein Sonntags­kind ist, versteht diese Tiersprache. - Wir andern müssen sie uns deuten.

' In manchen Gegenden ist es üblich, daß der Dauer ein junges Schwein recht fest in die Hinter-

schenke! kneist. Wenn es laut quiekt, dann gibt es im nächsten Jahre bestimmt eine gute Ernte.

Alle Haustiere müssen gerade in diesen Tagen gut gepflegt werden, sonst kommt manches iln- fllüd ins Haus. Die Naubtiere aber, die uns i Schaden bringen, darf man nicht laut mit ihrem ? Namen nennen; denn sie treiben in den dunklen ; Nächten ihr Wesen. Sie sind überall und haben I übernatürliche Kräfte.

Daß da die Sage am meisten von den Wölfen, , l den alten Feinden unserer Vorfahren, erzählt, ist ganz natürlich. Ist ein Mensch gar vorwitzig ge- !' nug und ruft einen Wolf mit Namen, und sei es nur im Scherz, dann geht es ihm im kommenden j l Satire sicherlich schlecht. Man darf den Wolf nur Untier" oderDing' nennen 1

Auch der Teufel kommt in der Zeit der zwölf i, Nächte, und zwar in allen möglichen Tiergestal- li ten Wer sich jetzt mit ihm verbündet, kann im i nächsten Jahre über ungeheure Kräfte verfügen. Aus Tirol wird erzählt, dah man vom Teufel : eine Sense erhalten kann, die nie ihre Schärfe verliert. Man muh sich nur ganz nackt (!) auf das Dach des Hauses setzen und anfangen, seine alte Sense zu dengeln. Dann erscheinen allerlei Spukgestalten, die den Mann auf dem Dach er« I schrecken wollen. Er muh aber immer mutig weiter klopfen. Zuletzt fliegt der Teufel in eigner I Perfon herbei, nimmt die Senfe unb, wetzt sie. | dah sie nie wieder stumpf wird.

Eine landwirtschaftliche Unsitte, das Stehen­lassen der Ackergeräte, wird ebenfalls in den 1 zwölf Nächten bestraft. Da kommt Wotan als : feuriger Drache durch die Luft daher und ver­flucht die Aecker, dah sie eine Mißernte bringen.

Alle Mädchen aber, die auf einen Freier warten, können sich in der Zeit der heiligen Nächte Nat bei den Tieren holen. Am sichersten ' sollen Die Schweine und Hähne die Zukunft weissagen. Die Mädchen brauchen nur um Mit- | ternacht ganz leise an die Etalltür zu klopfen, r Wenn der Hahn anfängt zu krähen, dann gibt es sicher im kommenden Jahre eine Hochzeit, 11 beginnen aber die Hennen mit ihrem Gegacker, dann ist alles Warten vergeblich.

Verkündet Die Turmuhr am sechsten Januar die Mitternachtsstunde, Dann ist der ganze Zau­ber hin. Die Tiere verlieren die Gabe der Weissagung, Die Wölfe, Drachen und Kobolde verschwind^. Die Kräuter aber, die wir uns Draußen in Wald und Flur zur Zeit Der hei­ligen Nächte gepflückt haben, behalten ihre be- sondere Heilwirkung. P.

Dom Glückwünschen.

Eine Hochflut von guten Wünschen ergieht sich | in diesen Tagen über Stadt und Land. Zwar geht man nicht mehr so weit wie vor sünfzig Jah-

I j ten. wo man jcDcn beschicken zu müssen glaubte, ! mit Dem man in irgendeiner, wenn auch losen, i Beziehung stand. Man erweist die Aufmerksam­keit nur noch näheren Bekannten, und man tut wohl Daran.

Was nun Die Formulierung der Glückwünsche betrifft, so ist diese nicht selten sinnwidrig. Was , will man Denn einem guten Freunde wünschen? Doch wohl Glück für das ganze bevorstehende neue Jahr. Das liegt aber nicht in Den Worten, wenn man Den Glückwunschzum Jahreswechsel" Dar­bringt oDcr gar einen .gesegneten Eintritt ins neue Jahr" wünscht. Kann man die erste Wen­dung noch so Deuten, dah der Jahreswechsel der A n I a ß zur Darbringung der Wünsche ist, so ist bei Der zweiten Diejc Auslegung unmöglich; dann bezieht sich Der Segenswunsch unzweideutig auf Die unmeßbar kurze Zeit, in Der Der Jahreswech­sel sich vollzieht, ilnö das ist doch natürlich nicht gemeint. Dagegen entspricht Dem Sinn sehr wohl das in Der Neujahrsnacht tausendfach in allen i Tönen erschallendeprost Neujahr"; prosit, es \ nütze Dir, bringe Dir Gutes. Der fremde Ursprung des (lateinifchen) Wortes wird kaum noch emp- | funDeit Der Brauch, einem Niesenden prosit zu- | zurusen, ist alt und geschichtlich begründet. Als [? Der schwarze Tod durch Die Lande zog, war hef­tiges Niesen oft das erste Svmptom Der Erkran­kung. So suchte man dem Liebel durch einHelfs Gott" oder eine ähnliche Wendung vorzubeugen. Heute verwirft der gute Ton Den Brauch mit : Recht und läßt solche unwillkürlichen körperlichen Funktionen überhören.

Bei dieser Gelegenheit sei Daran erinnert, Daß wir oft in FällenGlück wünschen", wo die Wen- I Dung eigentlich nicht am Platze ist. Wenn je­mand sein Examen bestanden oder das große Los gewonnen hat, will man ihm Da wirklich Glück wünschen? Er hat ja das Glück gehabt, ab­gesehen auch Davon, Daß Der wohlbestallte Re° serendar ober Der junge Doktor sich Dagegen vcr- I wahren kann. Daß man seinen Erfolg vorwiegend Dem Glücke zuschreibt. Hier wäre das gleichfalls Dem Latein entstammendegratulieren" mehr am Platz, Da ihm Der Begriff des Dankes, Der Ge­nugtuung über den Erfolg innewohnt. Leider ist es ein Fremdwort, und Die Erweiterung des Be­griffsGlückwunsch" au> die genannten und ähn­liche Fälle ist nicht geradezu unlogisch oder sprach­widrig. O. D.

LlnterstühmlgSbeLhilfen aus der Städtischen Rothilfe.

Don Der Städtischen Nothilfe wird uns mitgeteill:

-Aus Den bisher zugunsten Der StäDtischen Nothilfe eingegangenen Geldspenden konnten heute rund 220 Familien und alleinstehenden Personen einmalige

Anfechtung derAnordnung desSlaMommiffars?

Don Bürgermeister Dr. Dölsing, Alsfeld.

Das Gesetz zur Sicherung der Haushaltsführung der Gemeinden, Kreise und Provinzen vom 11. De­zember 1930, das auch in Hessen die Einrichtung des Staatskommissars geschaffen hat. ent­halt keinerlei Bestimmungen darüber, ob und in welcher Form eine Anfechtung der Anord­nungen des Staatskommissars seitens der betroffenen Gemeinden, oder Streife und Pro­vinzen möglich ift Aus der Fassung des Gesetzes kann gefolgert werden, daß seitens der Regierung bei Borlage des Entwurfs nicht beabsichtigt gewesen ist, ein Rechtsmittel gegen die Maßnahmen des Staatskommissars zuzulassen. Ob indessen diese Auf- affung rechtlich haltbar ist, darf bezweifelt werden. Wenn man annimmt, daß die Maßnahmen des Staatskommissars den Charakter einerVerfü­gung der Aufsichtsbehörde"' haben, so wäre an und für sich seitens der davon betroffenen Gemeinde Beschwerde im Dienstaufsichts- wege an den Minister des Innern denkbar. Wenn man hingegen den Standpunkt vertritt, daß die Maßnahmen des Staatskommissars den betreffenden Stadtratsbeschluß (Gemeinderatsbeschluß) ersetzen ollen, wie es nach dem Wortlaut des Art. 1 des Gesetzes beabsichtigt ist, so käme nach Den Grund­ätzen der hessischen Verwaltungsrechtspflege das Derwaltungs st reitverfahren in Betracht. Es ist anzunehmen, daß über diese Frage in Kürze eine Entscheidung herbeigeführt werden wird.

In dem speziellen Falle Der zwangsweisen Ein­

führung Der GemeinDebiersteuer und Der Bürger ft euer bestimmt Der Artikel 3 Des des- fischen Ausführungsgesetzes vom 11. Dezember 1930 zu Dem 2. Abschnitt Der Verordnung Des Reichs­präsidenten zur Behebung finanzieller, wirsichaft- sicher und sozialer Notstände vom 26. Juli 1930, Daß im Falle Der Weigerung Des StaDtrots (Gemeinde­rats) zur Einführung der Steuern Die Aufsichts­behörden diese durchVerfügungen" einzufuhren haben. In dem Ausschreiben des Ministers des In- nern vom 17. Dezember 1930 zu Nr. M. D. 1.51566 wird Die Auffassung vertreten, Daß DieseVerfügun­gen Der Aufsichtsbehörden" das Verfahren ersetzen sollen, das sonst nach Den bestehenden landesrecht- sichen Bestimmungen für Die Einführung Der be- trcffenDen Steuer vorgesehen ist. Wenn man analog Die Auffassung vertritt, Daß Demgemäß auch alle Maßnahmen Des Staatskommissars auf Grund Des Gesetzes zur Sicherung Der Haus­haltsführung Der GemeinDenVerfügungen Der Aufsichtsbehörde" sind, [o muß logischer Weise zum mindesteneinBeschwerderechtaufdem Dienstaufsichtswege zugelassen werden. Die Regierung vertritt allerdings den entgegengesetzten Standpunkt, wie aus dem Wortlaut der Verfügung des Kreisamts Offenbach a. M. an den Oberbürger­meister Der Stadt Offenbach hinsichtlich der zwangs­weisen Einführung der Biersteuer und der 'Bürger steuer hervorgeht, indem dort bemerkt ist, daß die Verfügung endgültig und unanfechtbar ist.

Unterstützungen gewährt werden. DieBei» Hilfe wird in Form von Gutscheinen für Lebens­mittel und Brennstoffe ausgcgeben. Sie soll dazu Dienen, Die in Den Kreisen der Bedachten herr­schende besondere Not zu lindern.

taten für Mittwoch, 31. Dezember

Sonnenaufgang 8.06 Ahr, (Sonnenuntergang 16.01 Uhr. Mondaufgang 12 38 Ahr, Mvndunter- gang 3.34 Ahr.

1747: Der Dichter Gottfried A. Bürger geboren; 1877: Der französische Maler ®. Eourbet ge­storben.

Gießener Wochcnmarktpreife.

Es kosteten auf Dem heutigen Wochenmarkt: Butter 130 bis 140, Kochbutrer von 110 an, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 10 bis 15, Weißkraut 8 bis 10. Rot­kraut 10 bis 12, gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 20, Llnter-Kohl- rabi 5 bis 6, Grünkohl 10 bis 15, Rosenkohl 25 bis 30, FelDsalat 80 bis 100, Tomaten 70 bis 80, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 30 bis 50, Kartoffeln 3Vz bis 4, Aepfel 25 bt8 45, Birnen 20 bis 40, Dörrobst 30 bis 35, Honig 40 bis 50, junge Hähne 80 bis 100, Suppenhühner 80 bis 100, Gänse 80 bis 110, Nüsse 50 bis 60 Pf. Das Pfund; Tauben (Stück) 50 bis 70, Eier 16 bis 17, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 20 bis 30. Endivien 10 bis 15, Ober-Kohl- rabi 8 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 50 Pf. Das Stück; Kartoffeln Der Zentner 2,20 bis 2,50, Weißkraut 4, Wirsing 6, Rotkraut 5 Qltt.

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag. Stadttheatcr Gießen:Die erste Frau Selby", 20 bis 22.15 Uhr. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Die drei von Der Tankstelle". Astoria-Licht- spiele:Saxophon-Susi".

Aus Dem ©taDttßeaterbureau toirD uns geschrieben: Heute im Dienstag- Abonnement statt .Die erste Frau Selby" das Schauspiel von RostandDer Mann, Den fein Gewissen trieb". Für Den SilvesterabenD hat Die Intendanz große Vorbereitungen für Sil­vesterüberraschungen getroffen. Der Jahresaus­klang soll ein fröhlicher werden und das Ver­gangene aus Der Perspektive Des Humors vor Jahresschluß nochmals Revue passieren. Die In- tenDan) läßt Daher unter Heinrich Hubs Regie Raeders VagabundenposieRobert unbBertram musikalisch und textlich völlig neu inszenieren und aktualisieren, wobei Löffler, Keim und Huber für Bühnenbild und Kostüme verantwortlich zeich­nen. Solotänze des Ehepaares ulte, Gcscmgs- und Tanzeinlagen sind vorgesehen. Bis gegen 22.30 Ahr werden Robert undBertram (Hub und Linkmann) Führer sein für einen fröhlichen Ein­tritt ins neue Jahr. Am Neujahrstage gastiert das Bereinigte Operettentheater Bochum- Hamborn mit der großen OperettenrevueDie drei Muskettere", einemSpiel aus romanti­scher Zeit von gestern und heute". Die Handlung wurde von Schanzer und Welisch aus dem be­kannten Roman Alexander Dumrs' übernommen und revuemäßig bearbeitet. Ralph Benatzky (Komponist vonMeine Schwester und ich") setzte die Musik fürDie drei Muskettere". Direktor Bachenheimer hat dieses Werk mit allen Mitteln moderner Regie einftubiert. Das gesamte Personal Der Bereinigten Operetten- bübnen ist beschäftigt. Heber 200 Kostüme ver­leihen Dem Werk, das in Berlin über ein Jahr ununterbrochen geradezu fenfationelle Erfolge er­zielte, ein farbenprächtiges Bild. Die Borstel» lung findet außer Abonnement statt zu er­mäßigten Operettenpreisen; Beginn 18.30 Llhr, Ende 21.30 Ahr.

Bischöfliche Auszeichnung des katholischen Pfarrers von Gießen. Geistticher Rai Dekan Bayer, Pfarrer Der katholischen Gemeinde zu Gießen, wurde an Weih­nachten vom Hochwürdigsten Bischof von Mainz Dr. Ludwig Maria Hugo zum Ehren-Dom­kapitular ernannt.

" Auszeichnung eines Gießener Gelehrten. Von Der Pressestelle Der Landes- ilnioerfität wird mitgeteilt: Dem ordentlichen Professor Dr. Rudolf Herzog an Der Lan­des-Universität Gießen wurde vom Präsidium der Notgemeinschaft Der deutschen Wissenschaft Die zur Erinnerung an ihr zehnjähriges Bestehen geschaffene Medaille verliehen, die den um die Notgemeinschaftsarbeit besonders verdienten Männern als Ausdruck des Dankes und zugleich als Gemeinschafts- und Erinnerungszeichen Dienen soll.

" Einmaliges Gastspiel des Stadt­theaters Gießen in Heuchelheim. Aus dem Sladtcheateröureau wird uns geschrieben: Das Stadtthvater Gießen wird am Neujcchrstag I ein einmaliges Gastspiel mit Dem Schlager Der SaisonMeine Schwester und ich" geben. Diese Jazzoperette wird in der Besetzung der Gießener Erstcncksühnmg in Szene gehen. Für das plötzlich

erkrankte Fräulein Jahn wurde als Gast in Der Rolle Der Irma Fräulein Hertha G r e e f f vom Stadttheater Mainz verpflichtet, die diese Rolle dort mit großem Erfolg gespielt hat. Die Bor» stellung findet in der Tumchalle statt und be­ginnt um 20 ilßr. Vorverkaufsstellen: Turnhalle (Burg), Friseure Volkmann, Sack, Reuchlin und Firma Schleenbecker.

Früherer Kassenschluß Der Geld­institute. Die hiesigen GelDinstitute geben be­kannt, Daß ihre Geschäftsräume am Nachmittag Des 31. Dezember geschloffen sind. KassenstunDen sind lediglich von 8 bis 13 Uhr. Näheres in Der heutigen Anzeige.

" Oeffentliche Bücherhalle. Im De­zember wurden 1257 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 860, Zeit­schriften 70, Jugendschriften 62, Literaturgeschichte 3, Gedichte und Dramen 6, Länder- und Völ­kerkunde 76, Kulturgeschichte 1, Geschichte und Biographien 100, Kunstgeschichte 22, Natur­wissenschaft und Technologie 24, Haus- und Land­wirtschaft 5, Gesundhei tslehre 5, Religion und Philosophie 10, Staatswissenschaft 6, Sport 1, Fremdsprachliches 6 Bände.

' Landkrankenkasse Gießen-Land. Die 'Bureauräume dieser Kasse, Die sie bisher ge­meinsam mit Der Allgemeinen Ortskrankenkasse Gießen-Land in Dem Hause Kaiserallee 3 innc- hatte, werden am 31. Januar nach dem ersten Stock des Gebäudes der Commerz- und Privat­bank (früher Mitteldeutsche Kreditbank), Ecke Goethe- und Johannesstraßc, verlegt.Wegendes Umzugs bleibt Die Geschäftsstelle an diesem Tage und am 2. Januar 1931 geschlossen. (Siehe heu­tige Anzeige.)

Gteuerbeschlüsse in Wieseck.

£ Wiese ck, 30.Dez. Nachdem sich der Ge­rn e i n d e r a t bereits in seiner Sitzung vom 22. De­zember mit der E rs ch l i e ß u n g neuerSteuer- quellen befaßte, damals aber Die Angelegenheit der Finanzkommission zur Bearbeitung überwies, stand diese Angelegenheit gestern abend erneut zur Beratung. Bürgermeister Schomber teilte einlei­tend mit. Daß Durch Den Ausfall von verschiedenen Einnahmen aus Sandabgabe, Pferch-, Obst- und Grasgeldern im laufenden Rechnungsjahr eine Mindereinnahme von 5950 Mark, ferner ein Mehrbedarf für Wohlfahrtsupterstützungen notwendig sei, das Gesamtdefizit im laufenden Rech- nungsjahr vorausfichtsich 15 500 Mark betrage und die Erschließung neuer Steuerquellen unbedingt er- forderlich erscheine. Wenn auch die Gemeinde in der Lage fei^ 3000 Mark aus Schuldverschreibungen, die dieser Taye ausgelost wurden, zu verwenden und darüber hinaus 4400 Mark, die in diesem Jahr für Feldbereinigungskosten vorgesehen waren, aber durch Nichtfertigstellung Der Feldbereinigung noch zurückgestellt werben können, ferner 1200 Mark an vorgesehenen Derpflegungskosten nicht gebraucht würden, so müße doch mit einem ungedeckten Fehlbetrag von rund 7000 Hart ge­regnet werden, der durch Erschließung neuer Steuerquellen aus der Welt geschafft werden müsse. Er schlug vor, den Vorschlag der- Finanzkommission anzunehmen, der besagt. Die Grundsteuer von Gebäuden und Bauplätzen von 28 auf 35 Pf. für 100 Mark Steuerwerk zu erhöhen. Ferner sollen erhöht werden: die Grund­steuer vom land- und forstwirtschaft- l i ch oder gärtnerisch genutzten Gelände von 69 auf 75 Pf. für 100 Mark Steuerwert; die Gewerbe­steuer vom Gewerbekapital von 92 auf 100 Pf. für 100 Mark Steuerwerk und die Gewerbesteuer vom Gewerbeertrag von 270 auf 280 Pf. Die Bier st euer wolle Der Gemeinderat ab 1. Februar beschließen, während die ersteren Steuern ab 1. April 1930 zu erheben seien. Die Annahme dieser Steuern sei trotz aller Bedenken, Die Durch diesen Beschluß ja jedem bekannt seien, notwendig, um den Ge­meindehaushalt in Ordnung zu halten. Lehne der Gemeinderat diese Steuern ab, so sehe er auf Grund Der Notverordnung keine Möglichkeit mehr, für einen Ausgleich im Haushalt zu sorgen. Gemeinde- rat Erb (Komm.) lehnt alle Steuererhöhungen und neue Steuern ab. Gemeinderat Seibert will durch Sparmaßnahmen beim Wasserbezug, Strei­chung Der Zinszuschüsse, Die früher zur Behebung Der Wohnungsnot bewilligt würben, an nichtbe­dürftige Bauherren, sowie durch Erhöhung Der Mieten von zahlungsfähigen Mietern in Gemeinde­wohnungen, Beseitigung des kostenlosen Bestat-- tungswesens für Nichtbedürftige, Den Ausgleich her­beigeführt haben. GemeinDerat Benner, empfiehlt in Anbetracht Der großen Notlage, in Der sich sehr viele Ottseinwvhner befinden, für Die Erhöhung Der obenangeführten Steuern zu stimmen. Wenn auch Wieseck in Hessen mit noch anderen 3 0 Ge­meinden an Der Spitze Der Realsteuern marschiere, o sei doch zu berüdfttigen. Daß die Wirtschaftskrise ich in einer reinen zltbeiiergemetnbe besonders tark auswirke. Nachdem Der Finanzausschuß noch­mals kurz beraten hatte und Die Beschlußfassung über die Biersteuer ab gesetzt wurde, entspann sich noch­mals eine lange Aussprache, in Der von allen Seiten Die Not anerkannt und auch Hllfe zugesagt wurde. Die Abstimmung, Die geheim oorgenommen wurde.

ergab Die Annahme Der oben berichteten Steuererhöhung. Dafür stimmten 9 Mit­glieder Der (BcmeinDcDcrtretung, Dagegen 8 Oe- mcinDeocrtrctcr. Ein Gesuch Der Schützenabtei­lung Des FreienTurn-u. Sportvereins um Ueberlasfung Des SchicßstanDes soll Der Baukom­mission überwiesen werden. Die Aussprache mit Dem Verein soll baldigst stattfinDen.

Kommunisten belästigen den Bischof von Mainz.

Mainz, 30. Doz. (*£11. Funkspruch.) Wie erst jetzt bekannt wird, wurde der Mainzer Bischof Dr. Ludwig Maria Hugo nach der Heimdrhir von derDeihnachtsnteife unterwegs von Kom­munisten belästigt. Ein in seiner Beglei­tung befindlicher junger Geistlicher konnte die Angreifer vom Bischof fernhalten. Auf Hisierufe suchten die Kommunisten das Bkitc. Der Mainzer Bischof hat in den letzten Tagen eine Reihe von Drohbriefen erhalten, so an einem Tage über 50 Stück. Der Vorfall beschäfttgt Die Polizeibehörden

90000 Mark auf offener Straße geraubt.

Main;. 30. Dez. (TU. Drahtbcricht.) Heute vor­mittag 9 Ahr wurde in der Rahe des Reichsbankge- baudcs auf ffartbdebter Straße ein äußerst ver­wegener Straßenraub ausgeführt. Zwei Angestellte der Mainzer Volksbank hatten von bet Reichsbank Ultimogelber in höhe von 90 000 Bl L erhoben, vor dem 3ufti$gcbäube sprangen aus einem Personenauto 1. Y. 23 529, das längere Zeit vor der Reichsbank gehalten hatte und wahrschein- sich gestohlen ist, zwei mit Revolvern be­waffnete Männer und raubten blitz­schnell die Aktenmappen mit sämt­lichen Geldern. Als in Der Röhe befindliche Passanten hinzusprangen, gab einer der Räuber Schüsse ab. Die Täter entkamen In Der Rich­tung Frankfurt, werden aber von mehreren Per­sonenautos verfolgt.

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Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinden.

Mittwoch, Den 31. Dezember. Silvesterabend.

Stadtkirche. 20 Uhr: Pfr. Becker. Zohanneskirche.

20: Pfr. Ausfeld. Kapelle des Asien Friedhofs. 18: Pfr. Lenz; Beichte und hl. Abendmahl für Die Luchergemeinde. Esisabeth-üleinkinderschule. 20j Pfr. Lic. Waas. wieseck. 19.30: Liturgische Jahres­chlußfeier. Alten-Vuseck. 17.30: Liturgische Jahres. schlußseier. Kirchberg. 20: Lollar. Leihgestern. 19: Silvestergottesdienst. Housen-Garbenteich^ 17.15: Garbenteich, 18.30: Hausen. Watzenborn- Steinberg. 20: Silvesterfeier. Lich. 20: Pfarrvikar DrauDt; Beichte; hl. AbenDmahl; Posaunenchor; Kol« lekte.

katholische Gemeinden.

Mittwoch, Den 31. Dezember.

Gießen. 16.30 Uhr: Beichte; 17.30: Silvesternndacht mit IcDeum; 19: Beichte. Laubach. 17: Silvester« predigt unb Andacht. Hungen. 18.30: Silvester« predigt und Andacht. Lich. 20.15: Silvesterpredigl und Andacht.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Nachdem der gestern über Frankreich gelegene Tiefauslauser bis in unseren Bezirk vorgedrungen ist und uns neben Erwärmung auch einzelne Regens falle gebracht hat, ist über Irland bereits ein neuer Wirbel erschienen. Er führt an seiner Dorderseits wieder ein ausgedehntes Regengebiet mit sich. Wenn auch nach dem Abzug der Teilstörung sich der Hirn« mel vorübergehend aufklart, wobei nachts die lern« peraturen einen Rückgang bis in Gefrierpunktsnähs erfahren können, so wird doch mit dem Herannahen Des neuen atlantischen Tiefs wieder stärkere Bewöl« kung aufkommen und veränderliches, für Die Jahres­zeit milDes Wetter mit einzelnen NieDerschlägen eintreten.

Aussichten für Mittwoch: Nach vor­übergehendem Aut klaren wieder stärker be­wölkt, für die Jahreszeit mildes Wetter, ver­einzelte Niederschläge.

Aussichten für Donnerstag: VZeitrr- hin veränderliches Weiter mit einzelnen Nieder­schlägen.

Amtliche Dmtersportaachrlchten.

Vogelsberg: Nebel, 0 Grad, geringe Schnee­decke. keine Sporttnöglichkeit mehr.

Taunus, Feldberg: Nebel. 1 Grad, ge­ringe Schneedecke, vereist; nur Rodeln möglich.

Rhön, Wasserkuppe: Nebel, minrrS 1 Grad, 15 cm Schnee, 1 bis 2 cm_ Neuschnee, Schneedecke vereist; Ski und Rodeln mäßig.

Schwarzwald, Feldberg: Bewölkt, mi­nus 2 Grad, 35 cm Schnee, 11 bis 15 cm Neu­schnee, Pulverschnee; Ski und Rodeln sehr gut