bundes, die der Sache des deutschen Männer- gesangs außerordentlich geschadet haben, wurde auf die großen Vorteile hingewiesen, die jeoer Verein durch seine Mitgliedschaft bei dem Hessischen Sängerbund hat. Eine lebhafte Aussprache rief der Termin des Dundesfestes in Steinberg hervor, das am 13. Lluli stattfinden soll. Eine Verlegung auf den 6. 3uli wegen des Motorradrennens in Schotten am 13. 3uli konnte nicht in Frage kommen, da Steinberg an den Festwirt vertraglich gebunden ist. 3n Zukunft soll die Vertreterversammlung alljährlich im Oktober anberaumt werden.
Landkreis Gießen«
00 Klein-Linden, 26. Jan. In gemeinsamer Sitzung der Kirchengemeindevertretung und des Kirchenvorstandes wurde der Voranschlag der Kirchengemeinde für das Rechnungsjahr 1 930 beraten. Aus dem Voranschlag ist zu entnehmen ; Aus dem Rechnungsjahr 1928 wird ein zahlenmäßiger Rechnungsrest von 1007,63 Mark übernommen. Der Ertrag aus der Obsternte des Alten Friedhofs wird mit 17 Mk. angeseht, ferner stehen in Einnahme 350 Mk. für Kirchenopfer und 50 Mk. für Kollekten und Düchsen- gelder. Die Höhe aller Einnahmen ist mit 1426 Mark angenommen. Di ser Einnahme stehen an Ausgaben g g nüber: Aufbringung für Kapital- zinsen 288 Mk., Unterhaltung, Miete u. dgl. für die Pfarrerwohnung 620 Mk., Heizung und Beleuchtung der Kirche 220 Mk., Zuschuß zur Landeskirchenlasse sür die Plarrverwa terstelle 1000 Mark, Beitrag an die Kirchenkasse Großen- Linden 350 Mk.. Zeitschriften, Formulare (Trauscheine, Konsirmationsscheine u. dgl.) 125 Mk., Reservefonds 300 Mk., Ablrag an Schuld bei der Landeskirchenkasse 500 Mk., die Gesamtsumme oller Ausgaben beläuft sich auf 7161,20 Mk. Die für das Rechnungsjahr 1930 zu erhebende Kirchensteuer hält sich auf lVrselben Höhe, wie im letzten Rechnungsjahr. 3m verflossenen 3ahr wurde bei der Bezirkssparkasse Gießen die Rest- schuld von 1320 Mk. getilgt, so daß die Kir- gemcinde außer der Schuld an die Landeskirchenkasse mit 3200 Mk. keine weiteren Schulden mehr hat. Der Voranschlag fand Genehmigung. Angeregt wurde die Klärung des Verhältnisses zur Kirchengemeinde Großen- Linden. Es sei nicht angängig, daß für die hiesige Pfarrstelle Beiträge nach Darmstadt und auf der andern Seite Zuschüsse zur ehemaligen Muttergemeinde Großen-Linden zu leisten find, zumal die hiesige Kirchengemeinde heute völlig unabhängig von Großcn'Linden ist. Auch die politische Gemeinde muß bis auf den heutigen Tag jährlich 230 Mk. sür Pfarrhauskostcn nach Eroßcn-Linden entrichten. Der Dorshende, Pfarrer Bremmer, wurde beau'tregl, Schritte zur Klärung bcß D.rhältnisses zu unternehmen. 3n der Sitzung wurde auch die Erbauung eines eignen Pfarrhauses in Erwägung gezogen und angeregt, einen Fonds zur Ansammlung von Mitteln für diesen Zweck zu gründen. Um den jeweiligen Pfarrer in der Ge- rneindearbeit unterstützen zu können, wurde eine Kommission gewählt, die dem Pfarrer mit Rat und Tat zur Seite stehen soll.
ck. Heuchelheim, 27. Ian. Die Arbeiten an 'her Erbauung der Wasserleitung und Kanalisation schreiten rüstig vorwärts. Gegenwärtig beschäftigt man sich im Ortsvorstand mit der Aufstellung eines Statuts über die Wasserletitung und Kanalisation. Wie man hört, sollen für die Wasserleitung etwa 25—30 Wa.se.messer bei Gewerbe- undIn.ustrie- betrieben eingebaut werden. Bei den übrigen Haushaltungen sollen Pauschalsätze in Anwendung kommen, die sich nach der Kopfstärke der Familie und nach der Stückzahl von Groß- und Kleinvieh richten. Der Durchschnittspreis soll sich bei diesem Berechnungsmodus pro Haushalt auf ungefähr 2,50 bis 3 Mk. für den Monat belaufen. Bei den Betrieben, die mit Zähler aus-
Der Traum vom Glliü.
Vornan von E Lovett und M. v. Weißenihurn.
Copyright by Marie Brügmann, München.
24 Fortsetzung. Na. -druck verboten
„Alberne Schwärmerei! Sicherlich werde ich nichts dergleichen tun. Da mühte ich wirklich ins 3rrenhaus gesperrt werden! Warum sollte ich das Spiel aufgeben, wo ich es fast gewonnen habe: ganz abgesehen davon, daß deine Aussichten durch einen so wahnsinnigen Schritt für immer zerstört würden! O nein: ich werde sogar — wenn es fein muh — schwören, dah ich nicht das geringste über den Mann weih. Wer aber sollte auf die 3dee verfallen, mich darüber zu befragen? Niemand ahnt hier unsere Beziehungen zu ihm, nicht einmal der Rechtsanwalt Hagenau, der in dem so heruntergekommenen Menschen den einstigen Verurteilten gewiß nicht wiedererkannt hat. Sollte es dennoch sein, so biete ich ihm Trotz. Wenn er mich verrät, werde ich seine Aussagen einfach leugnen. Er kann ohnehin nur angeben, dah er mich damals bei der Unter* suchung als Frau Klimar verhört hat: doch ich werde daS aus das bestimmteste in Abrede stellen und aussagen, dah ich mich zu jener Zeit in Rußland bei Verwandten aufgehalten hätte, also nur eine Verwechslung vorliegen könne. Wodurch will er mir das Gegenteil beweisen ...?"
Sabine ging noch lange in ihrem Zimmer auf und ab, nachdem ihre Mutter sie verlassen hatte. Sie fühlte sich hin und her geschleudert zwischen dem Wunsch, ihrem toten Vater Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und dem, das Ansehen der Mutter zu retten.
-2ch werde nichts aufklären, so wahr ich hier stehe!" waren die letzten Worte der Mutter getoefeix, „und was dich anbetrifst, so kannst du nichts sagen, denn du hast deinen Vater nicht mehr gesehen, seit du ein Kind warst: daher ist es unmöglich, dah du dich seiner noch erinnerst. Während der im Gefängnis verbrachten 3ahre hat er sich ohnedies so unglaublich verändert, dah ich selbst ihn wirklich nicht erkannte, bis er mich anredete. — Du weißt, das war erst vor einigen Tagen."
Sabine hatte ihrer Mutter nicht gesagt, daß sie ihren unglücklichen Vater sogar erst gestern gesehen und gesprochen hatte. Das war ihr letzter Trunrpf. und sie beschloß, ihn nicht jetzt, sondern erst im äuherften Rotfall auszuspielen.
Zum Abendessen begaben sich beide Damen hinunter In das Speisezimmer, wo das Mahl heute sehr ernst verlief. Es war, als ob ein düsterer Schatten auf allen Gemütern lagerte.
Die Herren Bertram und Sohn waren nach Hause zurückgekehrt, um morgen zu dem Verhör
gerüstet sind, wird der Preis pro Kubikmeter zwischen 30 bis 35 Pfennig zu stehen kommen. Umstritten ist die Frage der Hausanschlüsse an die Kanalisierung. Bei den besonders gelagerten örtlichen Verhältnissen ist es schwer, hier den richtigen Weg zu finden. Wie man hört, will die Gemeinde sämtliche Anschlüsse herstellen lassen, aber nur einen auf ihre Rechnung, die übrigen sollen die Hausbesitzer selbst bezahlen
kst Lollar, 27. Ian. Die 3ah reshaupt- versammlung der Sängervereinigung Lollar fand dieser Tage in der „Linde" statt. Rachdem der im abgelaufenen 3ahre verstorbenen Mitglieder gedacht war, erstattete der 1. Vorsitzende, Georg Schnell, den 3ahres- bericht, der 1929 als ein arbeitsreiches 3ahr erkennen ließ.-Es fanden 49 Gesangstunden statt, deren Besuch unter Berücksichtigung der bestehen- den Verhältnisse (Schichtarbeit) sehr zufriedenstellend war. Eine größere Zahl Sänger fehlte in feiner einzigen Gesangstunde. Der Verein beteiligte sich an 13 eigenen und sonstigen öffentlichen Veranstaltungen: hervorzuheben ist dabei die geschlossene Beteiligung am Bundesfest des Lahntalsängerbundes mit Wertung.s.ngen in Weilburg, die zweitägige Feier des zehnjährigen Stiftungsfestes, ein öffentliches, Konzert, die Entsendung einer Abordnung zum Dun des- fest des Hessischen Sängerbundes nach Darmstadt. Der Devein zählt 68 aktive, 183 passive und 20 Ehrenmitglieder, von denen sich noch ein Teil am aktiven Gesang beteiligt. Ehrenvorsitzender Peter Freudenberger und Dorstandsmitglied Heinrich Esvich konnten für 40jährige aktive Sangestät gleit und Vorstandsmitglied Adam K reu ter für 25jährige Mitarbeit im Vereinsvorstand geehrt werden. Für 25jöhrige aktive Verein z^g h r gleit kamen durch den 2. Vorsitzenden Heinrich Henkelmann Ehrennadeln an die Sänger Georg Schnell und Ludwig Großhaus zur Ueberreichung. Der Kassenbericht, von dem 1. Rechner Ludwig Klin- kel vorgetragen, zeigte ein günstiges Bild. Bei 4434 Mark Einnahme betrugen die Ausgaben 3059 Mk., sodaß ein Ueberschuß von 1375 Mk. vorhanden ist, wozu noch 28,44 Mk. an aufgewertetem Bankguthaben kommen. Die Vorstandswahl hatte nachstehendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Georg Schnell, 2. Vorsitzender Heinrich H e n- felmann, 1. Schriftführer Heinrich Klinke!, 2. Schriftführer Theodor Pfaff, 1. Rechner Ludwig Klinkel, 2. Rechner Karl K a l e t s ch, Beisitzer Heinrich Bierau, Adam Kreu ter, Wilhelm Zecher, Heinrich Espich, Zeugwart Johann Dietz. Als Dereinsbote wurde Karl Hofmann gewählt. Die Beschaffung einer Schreibmaschine wurde beschlossen: im übrigen gelangten innere Dereinsangelegenheiten zur Beschlußfassung.
V. Londorf, 28.Ian. Am Sonntagabend hielt Oberst a.D. Kleinhans (Gießen) im hiesigen Kriegerverein einen Vortrag über die „Kriegsschuldlüge von Versailles". Die objektiven und klaren Ausführungen des Redners fanden bei der zahlreichen Zuhörerschaft starken Beifall.
* Münster. 27. 3an. Die auf vorigen Sonntag angeschte Wahl unseres Bürgermeisters brauchte nicht statlzufunden, da ein zweiter Wahlvorschlag nicht eingegangen war. Sonach gilt unser seitheriger Bürgermeister Heß, der im Januar 1924 im Alter von 30 3ahren gewählt wurde, für die neue Amtszeit von neun Jahren als wiedergewählt. Dies ist ein Zeichen dafür, daß Bürgermeister Heß es in den sechs 3ahren seiner Tätigkeit verstanden hat, sich das Vertrauen der ganzen Gemeinde zu erwerben. Das Amt wurde von ihm mit großer Gewissenhaftigkeit und zur vollen Zufriedenheit der Gemeinde verwaltet. Da fein Vorgänger, Altbürgermeister ©ontrum, der nach fast 18jähriger Tätigkeit im Dezember 1923 wegen vorgerückten Alters von s.inem Posten zurücktrat, während seiner Amtsführung mit einsichtsvoller und weitblickender Unterstützung des Gemeinderats eine
wieder zu erscheinen. Kurt von Wildhofen hatte man während des Speisens einige Male ab- gerufen und auch an den Schlohherrn hatte der Diener ein paar leise, unaufschiebbare Anfragen gestellt. Der Rechtsanwalt sah nachdenklich und fast finster drein, und Doris, besorgt um die, die ihr teuer waren, sah wortkarg und zerstreut auf ihrem Platze.
Früher als sonst erhob man sich vom Tisch, da die beiden Herren von Wildhofen in das Bibliothekzimmer gerufen wurden, wo sie der Arzt erwartete, der die Untersuchung des Toten vorgenommen hatte. Am folgenden Tage um zwölf Uhr mittags sollte das bereits eingeleitete gerichtliche Verhör beginnen.
Frau von Wildhofen lud die Damen nach Tisch ein, ein Stündchen im Salon zu verplaudern und forderte den Rechtsanwalt auf, sich ihnen anzuschlietzen.
„Ich denke, es wird am besten sein, wenn ich morgen srüh den ersten Zug benütze, um in die Stadt zurückzufahren," sagte Hagenau zur Schloß- Herrin. „Hier kann ich 3hnen von keinerlei Nutzen sein: in D. aber erwarten mich dringende Geschäfte."
Frau von Wildhofen drückte ihr lebhaftes Bedauern aus, ihn scheiden zu sehen. „Aber freilich," fügte sie hinzu, „unter so unerquicklichen Umständen kann man Sie kaum einladen, 3hren Aufenthalt zu verlängern."
Konrad Hagenau schritt auf Doris zu mit den Worten:
„Morgen früh sehr zeitig, noch vor dem Frühstück, muß ich abreifen, darum möchte ich mich schon heute von 3hnen verabschieden."
„So verlassen Sie uns also noch vor dem Verhör?"
Er sah ihr voll in die Augen.
..Ja," antwortete er nach einer bedeutsamen Pause, „und ich nehme an, dah ich damit so handle, wie Sie es wünschen."
In den Augen des jungen Mädchens flammte es auf und einen Moment lang suchten ihre Micke die seinen mit dem Ausdruck tiefster Dankbarkeit.
„Unter gewissen Umständen ist ein ruhiges Abwarten das Klügste und Beste, was man tun kann," fuhr er fort, und von feinem Lächeln ging ein sonniger Reflex auf ihre Züge über. 3hr tiefes Erröten bekundete, daß sie diese, in doppeltem Sinn gemeinte Aeußeruna verstanden hatte.
„Es sind doch auch andere Leute da, um die Person des Toten festzustellen und seinen wahren Namen anzugeben," setzte er wie sondierend hinzu.
„Denken Sie dabei an Sabine?"
„3a, ich hoffe es von ihr. Denn wenn sie das ist, wofür Sie sie halten, wird sie es tun: und falls sie es nicht tut, Doris, ist ja noch jemand
fortschrittliche Gemeindepolitik betrieb, waren größere Projekte, wie Eisenbahn, Wasserleitung, Kanalisation, Feldbereinigung, eleltrisches Licht und ein prachtvolles Gefallenendenkmal zu einer günstigen Zeit zur Ausführung g.tommen. Unter Bürgermeister Heß hat sich das Ortsbild durch einige Etrahenverbesserungen bedeutend gehoben, außerdem wurden mehrere Feldwege chauffiert. Die Anschaffung einer Kirchenuhr und die Instandsetzung des Pfarrhauses, das in seiner schönen Lage jetzt eine Zierde des Dorfes ist, fallen in die beiden letzten Jahre seiner Amtstätigkeit. Am Sonntagabend folgte man der Einladung des Bürgermeisters zu einem Glas Bier. Bei dieser Gelegenheit brachte Beigeordneter Dörr die Glückwünsche der Gemeinde dar und ein Hoch auf den Bürgermeister aus. Bürgermeister Heß dankte für das ihm erwiesene Vertrauen und versicherte, daß er weiterhin zum Besten der Gemeinde wirken werde. Don einem Ständchen, das der Gesangverein unter Leitung von Lehrer 011 seinem langjährigen Mitglieds barbringen wollte, hatte man auf besonderen Wunsch des Bürgermeisters wegen des Todes seines Daters abgesehen.
O Holzheim, 27. Jan. Dieser Tage hielt Dbftbauinfpettor Enkler vom Landwirtschaftskam- merausschuß in Gießen im hiesigen Rathaus einen zweieinhalbstündigen Vortrag über Obstbaumpflege, der sehr stark besucht war. Der Redner zeigte an Hand zahlreicher guter Lichtbilder die notwendige Schädlingsbekämpfung. Vor allem empfahl er, bald die sog. Winterspritzung durchzuführen. Weiter schlug der Vortragende vor, sich wegen besseren Absatzes auf wenige Obstsorten zu beschränken, und er nannte die für unsere Gegend geeignetsten Aepfel: Schöner von Boskop, Goldrenette von Blenheim und Jakob Bebel; Birnen: Gellerts Butterbirne und Gräfin von Paris. Beigeordneter Hrch. Grieb I., der in Verhinderung des Bürgermeisters die Versammlung leitete, konnte dem Redner für seine ausführlichen Darbietungen, die reichen Beifall ernteten, bestens danken. Die rege Aussprache zeigte, wie groß das Interesse für Obstbau hier ist, hat doch auch die Gemeindeverwaltung in den letzten Jahren über 400 Dbftbäume fetzen lassen.
LI Nonnenrot h, 27. 3an. Dieser Tage fand in unserem Gemeindewald eine Holzverstei- gerung statt, zu der ru: Ortsansässige anwesend waren. Die Preise waren bedeutend niedriger als in den letzten Jahren. Es kostete ein Raummeter Duchenscheit 12 bis 13 Mk., Buchen- k.rüppel 7 kis 8 Mk., Buchenstockholz 4 bis 5 Mk., Fichten- und Tarmenknüppel 3 bis 4 Mk.
# Langd, 27.3an. Dieser Tage fand im hiesigen Gemeindewald die erste Nutzholz- Versteigerung statt, zu der sich neben den hiesigen Geschäftsleuten solche aus den umliegenden Ortschaften eingefunden hatten. Die Preise weisen gegen das Vorjahr einen Rückgang von 10 bis 20 Prozent auf. Obwohl die Zahlungsbedingungen günstig zu nennen sind (die Hälfte des Kaufpreises ist am 1.3uli, der Rest Martini 1930 fällig), war die Nachfrage nur mittelmäßig. Eichenstammholz 2. Klasse kostete 19 bis 23 Mk. je Festmeter. Kiefernstämme 3. Klasse kamen durchschnittlich auf 28 bis 38 Mk., Lindenstämme waren weniger begehrt und wurden mit etwa 12 bis 15 Mk. je Festmeter bezahlt. Fichtenstammholz 2 a- und 1 b-Klasse wurde verhältnismäßig billig zugeschlagen.
# Inheiden, 23. Jan. Das Braunkohlen- Schwellraftwerk Wölfersheim plant die Erbauung einer Wasserleitung vom Provinzialwasserwerk nach Wölfersheim. Die Ar- beilen sind bereits ausgeschrieben. Die Rohrleitung wird durch die hiesige, die Dellersheimer, Obbornhoser und Wohnbacher Gemarkung geführt in einer Gesamtlänge von 7,5 Kilometer. Entsprechende Dcrhandlungen mit den in Betracht kommenden Ortsvorständen haben bereits statt- gefunden. Bei Errichtung des Schwelwerkes wurde der Trinkborn in Obbornhofen käuflich
„Noch jemand?" wiederholte sie erstaunt. Er hatte sie zum ersten Male „Doris" genannt; aber in ihrem Eifer bemerkte sie es kaum.
„Sie selbst!" beantwortete er ihren fragenden Blick in freundlich-ernstem Ton. „Sie haben mir doch gesagt, daß auch Sie den Mann vor einigen Tagen sahen und wußten, wer es war — so daß..."
„Sie meinen also, daß ich das an geben muß?" fragte sie in plötzlicher Verwirrung.
„Nun, ich hoffe nicht! Nur — — wenn feine Tochter es unterlassen sollte ..."
„Ich verstehe! Sie können sich auf mich verlassen, Herr Rechtsanwalt!"
„Sie sind ein edles, verständiges Mädchen!" flüsterte er, ihre Hand ergreifend und mit warmem Druck umschließend.
Das war Konrad Hagenaus Liebeserklärung, älnd Doris hatte die beseligende Empfindung, dah er ihr auch mit den längsten und schönsten Worten leine bessere hätte machen können.
„Alles in allem genommen", fuhr er in feiner gewöhnlichen Sprechweise fort, „hat der Tod dieses Mannes die Sachlage wesentlich geändert. Augenblicklich denkt Kurt nicht anders, als daß Klimar der Liebhaber von Sabine gewesen ist — unglaublich, aber wahr! Seit diesem Vorfall kann ihn aber niemand weiter als die Tochter des Unglücklichen selbst über feinen Irrtum ausklären. Ich hoffe, daß der Augenblick, in dem sie ihm die Wahrheit sagt, für beide ein Moment der Erlösung und des Glückes sein wird."
Rechtsanwalt Hagenau befand sich am andern Morgen schon auf dem Wege zur Stadt, bevor sich die meisten Bewohner von Schloß Wildhofen von ihrem Lager erhoben. Er hatte sich schon am Abend von der Gesellschaft verabschiedet.
Einige Stunden später begann im Bibliothek- zimmer des Schlosses die gerichtliche Unter! uchung über den gewaltsam herbeigeführten Tod des fremden Mannes. Anwesend waren dabei, außer Herrn von Wildhofen und Sohn, die beiden Dertrams, Pächter Heiß und Frau, sowie verschiedene Treiber, Wildhüter und Förster— alle, von denen man entweder eine Aussage über die Person des Fremden oder die näheren Umstände bei seinem Tode erwarten konnte.
lieber seine Person ließ sich wenig genug feststellen. Er hatte sich den Pächtersleuten gegenüber Heinrich Scharf aus Hamburg genannt. Seit seiner Ankunft war gerade eine Woche vergangen, und das Ehepaar Heiß konnte nicht die geringste Vermutung darüber aussprechen, was den Fremden mitten im Winter in ihr weltverlorenes Häuschen geführt haben mochte. Sie glaubten, daß es vielleicht aus Sparsamkeit geschehen fei; denn allem Anschein nach war er sehr atm. Man hatte nach seinem Tode kaum noch eine Mark bei ihm gefunden, woraus sich
erworben und eine direkte Leitung nach Wölfersheim erbaut. Die anfallenden Wassermengen reichen aber zum Betrieb nicht aus.
jfirtciä Friedberg.
* Reichelsheim, 29. Jan. Vor gut besetztem Hause veranstaltete hier gestern der vaterländische Film- und Vortragsdienst der Deutschen Volkspartei einen Filmabend. 3m Mittelpunkt eines reichhaltigen Programms stand die Vorführung des Zeppelinweltfahrtfilms. Provinzialgeschäftsführer Dr. Weiher, Gießen, gedachte in feiner Ansprache des Lebenswerkes des alten Grafen vom Bodensee. Mit sichtlichem Interesse folgten die Zuhörer den klaren und schönen Bildern.
Kreis Büdingen.
ld. Aus dem oberen Niddatale, 24.3an. 3m Frühjahr wird es manche Schäden auszubessern geben, die die gewaltigen Wassermassen anrichtcten, die nach dem Wolkenbruche vom 15. Dezember v. 3. die Nidda und ihre Zuflüsse zu reißenden Strömen an- schwellen ließen. 3n Kurven, die schon immer bei Hochwasser ausgewaschen wurden, ist das sichernde Flechtwerk samt den Haltepfählen und dem angesehten Rasen verschwunoen, und ansehnliche Erbmassen sind weggeschwemmt worden. An vielen Stellen, besonders Furten, die ein seitliches Ausweichen des Wassers gestatten und mithin ein Stauen Hervorrufen, sind starke Kiesbänke entstanden, die schnellstens entfernt werden müssen, da sie bei kommenden Hochwasserzeiten die Gefahr wesentlich vergrößern.
Kreis Schotten.
ld. Schotten, 23. 3an. 3n der letzten Konferenz des BezirkslehrervereinsSchot- t e n legte Lehrer i. R. Karl Sind, früher in Rudingshain, jetzt in Schotten, sein A m t als Obmann des Vereins nieder, das er 32 3ahre lang in vorbildlicher Weise führte. Die Dorstandswahl bestimmte Lehrer Blei, Schotten, als Obmann, Lehrer Maurer, Schotten, als Schriftführer, Lehrer Schwarz, Rudingshain, als Rechner.
ld. Schotten, 24.3an. 3n 3ägerlreifen ist man über die Zunahme der Fasanen, die man in allen 3agden bis zur 500-Meter-Grenze feststellen kann, sehr erfreut. 3n Revieren, in denen im ungewöhnlich strengen Winter 1928/29 regelmäßig gefüttert wurde, hat selbst sibirische Kälte den Dogeln kaum etwas onhaben können. Allerdings kann eine pflegliche Behandlung der jetzt wieder vorhandenen Fasanenbestände erst im Laufe einiger 3ahre die Verheerungen des Winters 1923/24 ausgleichen, der die Fasanen im vorderen Vogelsberge fast völlig ausrottete.
ld. R a i n r o d, 24. 3an. Der außergewöhnlich milde Winter hat die Holzhauerarbeit so gefördert, dah jetzt schon im Kröllschen Saale eine größere Brennholzversteigerung abgehalten werden konnte. Der geringe Holzverbrauch in den letzten Monaten, die zunehmende Kohlenverfeuerung und die gespannte wirtschaftliche Lage wirkten nicht im erwarteten Maße preisdrückend. Es wurden gelöst für ein Raummeter Buchenscheitholz 13 bis 13.50 Mk., Buchenknüppel 10 Mk., Buchenstockholz 5 bis 6 Mk., Tuchenknüppelreisig 3 bis 4Mk., Buchenstammreisig 1,50 Mk., Tuchen- astreisig 1 Mk., Cichenknüppel 7 bis 8 Mk., Eichenknüppelreisig 1,50 bis 2 Mk. Sämtliche Preise liegen etwa 20 Prozent unter den vorjährigen.
* Cichelsdorf, 23. 3an. Unser Gesangverein „Eintracht" veranstaltete im Möser- schen Saale einen sehr gut besuchten, wohlgelungenen Familienabend. Außer von dem nun 60 Sänger zählenden Derein (Dirigent Werkmeister Adolf Rau) vorzüglich Dorgetragenen Chören bot die Dortragsfolge Violinvorträge, humoristische Gedichte und Gesänge, sowie Äon- zertmusik der Kapelle Spangcnberger. Die Brüder Wilhelm und Heinrich Schmittber- ger konnten für zwanzigjährige Mitgliedschaft ausgezeichnet werden.
ergab, daß er die Zimmermiete wirklich nicht hätte entrichten können. 3n ihrer Aussage fortfahrend, berichtete Frau Heiß:
„Noch gestern früh hat mir aber der arme Herr — er war ein Herr, ganz gewiß, aber durch llnglück tief heruntergekommen —, er hat mir also noch gestern gesagt, daß er für den folgenden Tag, also heute, eine große Summe Geld erwarte und dann sofort alles bezahlen würde, womit er im Rückstand war. Dann hat er auch etwas gemurmelt, wie: Er würde wahrscheinlich gleich von hier aus ins Ausland gehen."
Hieraus schritt man zur Beweisaufnahme. Einer der Wildhüter war Augenzeuge des Vorfalls gewesen. Er sagte au3, daß er dem jungen Herrn Bertram, als er ihn anlegen sah, noch schnell zugerusen hätte:
„Richt dorthin schießen — da steht ein Mann hinter dem Daum."
Aber fein Zuruf wäre zu spät gekommen. Der Schuh krachte bereits und — der Mann fiel sofort tot nieder.
Jetzt erhob sich der Untersuchungsrichter und forderte die Anwesenden auf, ihm in das Kutscherhaus zu folgen, wo im Beisein des Arztes dec Tote besichtigt und seine Person, soweit es möglich war, festgestellt werden sollte. Rur einer der Anwesenden zweifelte ernstlich daran, daß der Rame des Derunglückten wirklich Heinrich Scharf gewesen war: aber dieser eine mochte seine Zweifel nicht laut werden lassen.
3n dem Augenblick, als der Arzt, die Richter und alle Zeugen ernst und schweigend die Bahre umstanden, auf der der Tote, mit einem weißen Tuch bedeckt, lag, öffnete sich die Tür noch einmal. und zum Erstaunen aller Anwesenden stand Doris Harter auf der Schwelle.
Ein Gemurmel des Unwillens erhob sich Onkel Georg fuhr sie zornig an und Kurt trat vor, um sich ihr in den Weg zu stellen. Wie aus einem Munde riefen alle anderen: „Zurück! Zurück! Das ist kein Anblick für eine Same!"
Aber Doris schien plötzlich taub geworden zu sein: wenigstens zeigte sie sich völlig unempfindlich gegen die ihr begegnende Abwehr. Sie behauptete nicht nur ruhig ihren Platz, sondern öffnete die Tür noch weiter und zog eine zweite Gestalt herein und so dicht als möglich an ihre Seite.
Diese andere war Sabine.
Bleich wie eine Tote und an allen Gliedern bebend, so daß sie sich kaum auf den Füßen halten konnte, stand sie, von Doris gestützt, da.
„W^s habt ihr beiden Mädchen hier zu ftlchen?!" rief der alte Herr vcn W ldhofen heftig. Er jü/ien alle Mäßigung verloren zu haben.
„Fräulein von Rechten hat eine Aussage zu machen. Onkel!" antwortete Doris mit klarer Stimme. „Sie möchte Aufklärung über den Toten geben." (Fortsetzung folgt.)


