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gesehen, von einer weiteren Mitarbeit in der Tiroler Heimwehr und in der gan­zen österreichischen Heimwehrbewegung Abstand zu nehmen. Landesführer Dr. Sie idle hat aus diesem Anlaß an ihn ein Schreiben gerichtet, worin er sagt, sein Entschluß sei aus der Erkennt- nis entstanden, daß die Zersplitterung in den Reihen des Bürgertums die im Interesse des ge­samten deutschen Volkes bon ihm angestrebte Neu­gestaltung des Staates unter den gegenwärtigen Verhältnissen aussichtslos erscheinen lasse. Daß der mächtige Aufschwung dieser Volksbewegung nicht in entsprechender Weise im Interesse des Staates ausgenutzt wurde, sei nicht seine Schuld.

Lord Melchett f.

Der englische Chcmickönig, dessen Pater aus Darmstadt cinwandertc.

London, 27. Dez. (TU ) Der britische Wirt- schaftsführer Lord Melchett, der frühere S i r Alfred Mond, ist heute im Alter von 62 Jah­ren gestorben.

Der Vater Lord Melchetts, Ludwig Mond, wan­derte aus Darmstadt nach England aus, gründete dort mit dem Deutschen Brunner die Firma Brunner, Mond & Co., die aus kleinsten Ansängen zu dem größten englischen Chemie­werk und schließlich zum Mittelpunkt der 1927 erfolgten Fusion aller bedeutenden chemischen Fabri­ken Englands in der Imperial Chemical Industries Ltd. geworden ist. Die Errichtung dieses englischen Chemietrusts ist das Werk Lord Melchetts, dem zweifelsohne das Vorbild der deut­schen IG.-Farben-Industrie vorgeschwebt hat. Er hat damit auch die schärf st e Konkurrenz zur deutschcnFarbenindustrie geschaffen.

Politisch hielt Lord Melchett ursprünglich zu den Liberalen und war seit 1906 im Unterhaus. 1910 wurde ihm der Barontitel verliehen. Im Juni 1928 wurde er Peer und trat in das Oberhaus ein. Im Jahre 1926 trat er, bisher Führer der Liberalen, zu den Konservativen über, weil er Lloyd Georges Politik nicht billigte und auch dessen Ruß- landpolitik nicht mehr zu folgen glaubte. Lord Mel­chett setzte sich dann zunächst für einen Zoll- zusammen sch luß des englischen Welt­reiches als Gegengewicht gegen die wirtschaflliche Unabhängigkeit der USA. und der in Bildung be­griffenen wirtschaftlichen . Konzentrationsbewegung in den westlichen Industriestaaten des Kontinents ein. Melchett ist gewählter Führer der Zio­nisten in England und Präsident der Experten­kommission zur Erforschung Palästinas.

Marschall Zoffte schwer erkrankt.

Paris, 28. Dez. (SU.) Der Gesundheits­zustand deS MarschÄls Iloffre, über den bereits während der Krisentag« Poincarös die beun­ruhigendsten Gerüchte verbreitet waren, hat sich in den letzten Tagen derart verschlimmert, daß man von Stunde zu Stunde mit seinem Ableben rechnet. Llyffre, der seit einigen Tagen an einer Entzündung der unteren Gliedmaßen leidet, mußte operiert werden. Es handelt sich bei dem operativen Eingriff um die Abnahme des rechten Fußes. Die Aerzte befürchten, daß eine zweite Operation notwendig wird. Die Krankheit des Marschalls, die zunächst in einer Art T r o m b o s e bestand, und der man da­durch beizukommen suchte, daß man die um die erkrankten Adern liegenden Nervengewebe entfernte, hat insofern eine Verschlimmerung er­fahren, als nach der Operation Wundbrand eintrat. Die letzten ärztlichen Berichte lassen deut­lich erkennen, daß jede Hoffnung aufge- ?leben worden ist und stündlich mit dem Ab­eben des Marschalls gerechnet werden muß. Marschall Iloffre war bekanntlich der erste fran­zösische Generalissimus im Weltkriege, der die französische Armee in der Marneschlacht kom­mandierte. Der ,2lntransigeant" bemerkt, daß ganz Frankreich von dem gleichen Gefühl für einen Mann beseelt sei, der es an der Marne ge­rettet habe. Llcberall in der Welt, besonders in England und Amerika werde man für den berühmten Feldherrn beten, der im Jahre 1914 die Schlacht geschlagen habe, die die Völker vor der Knechtschaft rettete.

England und der Friede im Mittelmeer.

Der französisch-italienifcheZlottcngcgensatz

London, 28. Dez. (TU.) Der Marinekorre­spondent desDaily Telegraph'' vertritt die An­sicht, daß die gegenwärtigen Bemühungen der englischen Regierung, Frankreich und Italien zu einem Flottenbau-Feiertag zu bewegen, vollständig hoffnungslos sei. England müsse aber trotzdem alle Mittel versuchen, da es den größten Wert auf die Erhaltung des Friedens im Mittelmeer lege, durch das eine der wich­tig st en englischen Handels st raßen führe. Ein Krieg zwischen Italien und Frankreich würde das völlige Verschwinden der neutralen Schiffahrt im Mittelmeer bedeuten, was zu schweren Schädigungen der eng­lischen Schiffahrt führen müßte. Daher berühre der augenblickliche Gegensatz in der Flottenfrage zwischen Italien und . Frankreich die englischen Lebensintercssen auf das empfindlichste und bereite ernsteste Sorge. Besonders beängstigend sei die Tatsache, daß sowohl Italien wie Frankreich die Bauzeiten beschleunige. Italien baue Kreuzer jetzt in weniger als zwei Jahren und Torpedobootzerstörer und Unterseeboote in 18 Monaten. Frankreichs Bauzeiten seien ungefähr die gleichen. Die fieberhafte Tätigkeit auf den Wersten im Mittelmeer verstärke die Be­sorgnisse über eine Lage, die an sich schon zu ernster Beunruhigung Anlaß gebe. Es wird die Ansicht angedeutet, man solle Frankreich im Hinblick auf die Verteidigung seiner atlantischen Küste eine gewisse Ueberlegenheit über die italienische Flotte zugestehen.

Aus aller Welt.

Der Mannheimer Nachtragsetat zwangsweise eingeführt.

Der Landeskommissar und sein Beirat haben nach mehrstündiger Verhandlung den vom Mannheimer Stadtrat zweimal abgelehnten Nach- trogsetat genehmigt, so daß ab 1. Januar k.I die G e m e i n d e b i e r st e u e r um 10 o. H. erhöht, eine Gemeindegetränkesteuer von 10 v.H. und die gestaffelte Bürger st euer erhoben und die Umlage von 158 auf 170 v.H. erhöht wird. Dadurch sollen Mehreinnahmen von 1285 000 Mk.

craielt werden. Die noch fehlenden 1,1 Mill. Mark sollen durch Kürzungen an den Zuführungen zum (Erneuerung^, und Sammelfonds eingespart werden.

Zwangsetat in Heidelberg.

Auch der Aachtragshaushalt der Stadt Heidel­berg, dessen Fehlbetrag zur Hälfte durch die Anträge deS Oberbürgermeisters gedeckt werden sollte, die aber der 6t ab trat dann wiederholt ablehnte, ist jetzt vom Landeskvmmis- fat in Kraft gesetzt worden.

Der Gottesdienst durch Steinwürfe gestört.

In Finow (Mark) wurde am Heiligen Abend der Gottesdienst auf empörende Weise gestört. Die festlich geschmückte Kirche war dicht gefüllt. Plötzlich flog ein halber Ziegel- ftein, der mit großer Kraft geschleudert sein muhte, durch ein Kirchenfenster, daS vollkommen zertrümmert wurde, und traf die Witwe Brenecke an der Schläfe. Die Frau brach bewußtlos zusammen. Im Augenblick be­mächtigte sich der Kirchenbesucher ungeheure Er­regung. Dem Pfarrer gelang es, die Aufgereg­ten zu beschwichtigen. Frau Brenecke, die man nach dem Krankenhaus brachte, hat eine schwere Gehirnerschütterung und eine sehr ge­fährliche Schädelwunde davongetragen. Die Fahn­dung nach dem Täter dürfte bald zu seiner Ver­haftung führen.

Auf der Lokomotive tödlich verunglückt.

Der Lokomotivführer Messen ist am ersten Weihnachtsfeiertag auf der Strecke Urmitz Weißenthurm einem bedauerlichen Unglücksfall zum Opfer gefallen. Als er auf der Lokomo- tive des Schnellzugs, der mittags von Koblenz nach Köln fährt, die Feuerung bediente, wurde die zum Schüren des Feuers benutzte Stange von dem Ausfahrtoorsignal erfaßt und zu­rückgeschlagen. Der Heizer wurde hierbei so unglücklich getroffen, daß er mit einem Halswirbel- bruch tot zusammenbrach. Auf dem Bahnhof Weißenthurm wurde der Tote von der Lokomotive genommen und diese selbst in Andernach abgehängt. Der Schnellzug fuhr mit größerer Verspätung nach Köln weiter.

Tragödie auf dem Bahnsteig.

Auf dem alten Düsseldorfer Bahnhof Deren­dorf kam eine 21jährige Stütze aus Düsseldorf auf tragische Weise ums Leben. Sie hatte sich a u f d e m Bahnsteig von ihrem Bräutigam ver­abschiedet. Als dieser kurz darauf die Seren» dorfcr Brücke betrat, die über den Bahnkörper, führt, winkte ihm seine Braut vom Bahnsteig aus noch einmal zu. In diesem Augenblick brauste der Rheingold-Expreß heran. Er erfaßte die Winkende und überfuhr sie. Ent­setzlich zugerichtet, konnte sie nur a l» Leiche ge­borgen werden.

Schwere Sporluusälle.

In Schlesien ereignete sich an den Feier­tagen eine Reihe schwerer Unfälle. In Krumm­hübel stürzte beim Dobrennen in einer Kurve, wahrscheinlich infolge Versagens der Bremsen, ein besetzter Schlitten um. Drei Schüler erlitten Beinbrüche und leichte Gehirnerschütterungen. Der vierte indessen wurde so schwer verletzt, daß er an innerer Verblutung verstarb. In Herms­dorf fuhr der Wagenarbeiter Leder beim Ro­deln mit voller Wucht in ein Auto hinein. Er selbst, feine Frau und ein Enkelkind wurden hoch durch die Luft geschleudert. Die Frau wurde so schwer im Gesicht verletzt, daß sie auf einem Auge erblindete. Der Mann erlitt einen doppelten Beinbruch. Das Kind trug nur Haut­abschürfungen davon. Im Eulengebirge stürzten drei Skifahrerinnen so unglücklich, daß sie Arm - und Beinbrüche davontrugen.

Drei Skifahrer von einer Lawine verschüttet.

3m Säntis-Gebiet ist am Samstagabend eine Gruppe von Skifahrern aus Winterthur von einer Lawine überrascht worden. Fünf Personen wurden m i t g e r i f f e n. Während zwei sich her­ausarbeiten konnten, blieben die anderen, darunter eine Dame, verschüttet. Als man sie nach längeren Bemühungen ausgegraben hatte, war der Tod bereits eingetreten. Die drei Leichen konnten infolge der starken Lawinengefahr bisher noch nicht geborgen werden.

Aus der Entenjagd ertrunken.

In Göhren auf Rügen fuhr der Reederei­besitzer Wittmih mit seinem Kapitän Koos in einem Ruderboot auf die Entenjagd. Da beide nicht zurückgekehrt sind, wird angenommen, daß sie in der Ostsee ertrunken sind, um so mehr, als inzwischen schwerer Rebel und hef­tiger Wind aufgekommen waren. Die Rach- forschungen sind bisher ergebnislos verlaufen.

Todesstur; in die Aare.

In Bern geriet beim Einfahren auf die über die Aare führende Kirchenfeldbrücke ein Auto­mobil ins Schleudern, riß das Geländer der Brücke weg und stürzte ab. Die beiden In- fassen des Autos ertranken.

Zwei Kinder durch Gas getötet.

Als in Mannheim die Ehefrau eines Bahn­arbeiters von der Arbeit zurückkehrte, war die Küchentür von innen verschlossen. Nachdem die Tür aufgebrochen worden war, fand man in der mit Gas gefüllten Küche die beiden Kinder im Alter von vier und sieben Jahren, am Boden liegend, tot vor. Die Kinder hatten vermutlich mit dem Gashahn ge­spielt und waren von dem ausströmenden Gas betäubt worden. Trotz aller ärztlichen Bemühun­gen sind beide Kinder gestorben.

Eine große Kirche in Ottawa niedergebrannt.

Die katholische St. Josephs-Kirche, eines der größten Gotteshäuser der kanadischen Haupt­stadt Ottawa, ist durch eine Feuersbrunst voll­kommen zerstört worden. Der Schaden wird auf eine halbe Million Dollars geschätzt. Der Brand entstand dadurch, daß ein Kind eine brennende Kerze umwarf.

Die Elektrizitätswerke von Bristol durch Feuer vernichtet.

Am Weihnachtsabend zerstörte ein Grobfeuer bie neuen Elektrizitätswerke in Portishead fast vollständig, so daß die Stadt Bristol zeit­weilig völlig ohne jede Beleuchtung war. Annähernd 4000 Liter Oel gingen in Flam­men auf, die 25 Meter hoch aufschofsen. Etwa eine halbe Stunde lang bildete das ganze Werk ein einziges Flammenmeer. Erst nach vier Stunden gelang es den Feuerwehren aus Bristol des Feuers einigermaßen Herr zu werden. Alle Juweliere in Bristol schlossen wegen der Dunkelheit ihre Läden. Die Lichtspieltheater muh­ten zunächst ihren Betrieb einstelten, bis es mög­lich war, bei behelfsmäßiger Beleuchtung bie Vor­führungen fortzusetzen. Vor 23 Jahren war das

Elettrizitätswerk von Bristol vollständig nieder- gebrannt, unb zwar auch am Weihnach tr­abe n d.

Schwere Einsturzkatastrophe in Algier.

Im Eingeborenenviertel von Algier wurden zwei Hauser, die an einem Abhang standen, durch einen Erdrutsch verschüttet. Rach Aus­sagen eines Eingeborenen sollen sich unter den Trümmern der eingestürzten Häuter noch die Lei- chenvvnetwa40 FrauenundKindern befinden. Die Villa des deutschen Generalkonsuls Windeis befindet sich in der Rähe der Lln- glücksstätte. Rach Ansicht des deutschen General­konsuls ist das Terrain, wo der Hauseinfturz er­folgte, dadurch unterhöhlt worden, daß die Ein­geborenen dort Kalk st eine zum Dau ihrer Behausungen aus der Erde entnahmen.

ein Hirsch tötet den Tierpfleger.

3m Tierpark der Stadt Stralsund wurde der Tierpfleger 3onas von einem Hirsch angegangen und so zugerichtet, baß der Schwerverletzte seinenWundenerlag. Der Hirsch mußte erschossen werden.

keine Betragensnote mehr In Preußen.

Der preußische Kultusminister läßt an die Pro- vinzialschulkollegien einen Erlaß über die Ausge­staltung der allgemeinen Urteile in den Schulzeug­nissen hinausgehcn, nach dem künftig die Prädi­kate über Betragen und Aufmerksam­keit auch in den regelmäßigen Schulzeugnissen in Fortfall kommen sollen, während sie bis jetzt nur in den Zensuren über die bestandenen Schlusz- und Reifeprüfungen beseitigt waren. Ausdrücklich aber wird in der Verordnung darauf hingewiesen, daß der Ernst der Erziehung und die Strenge der Förderung, die sich in diesen Urteilen auesprechcn, damit nicht beseitigt, sondern umgekehrt gestei- g e r t werden, zugleich aber den Ergebnissen der Iugendkunde besser angepaßt wer- den sollen.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 29. Dezember 1930.

Herzenstakt und Höflichkeit.

.Die Höflichkeit fängt dort an, wo die Liebe auf hört", sagt Goethe. Er will damit darauf Hin­weisen, dah dort, wo bie wohlwollende Freundlich­keit der Umgangdformen nicht aus dem Herzen quillt, also Menschen gegenüber, die uns gleich­gültig oder gar unsympathisch sind, die Pflicht der Höflichkeit in ihre Rechte tritt. In der Tat ist die Höflichkeit der äußeren Formen, wenn sie nicht aus der Seele entspringt, ein Surrogat der Rächftenliebe, der Achtung des Rebenmenschen. Sie muh gelernt werden, und wie alles Ange­lernte läßt sie in manchen Momenten der Heber* raschung ober heftiger Gemütserrcgung uns leicht im Stiche, während der in der Liebe wurzelnde natürliche Herzenstakt auch in den schwierigsten Augenblicken das äußere Betragen richtig zu lenken weiß. Allerdings ist der Herzenstakt eine nicht erwerbbare, sondern eine angeborene Ratur­anlage, die sich aber, wie jede andere naturgege­bene Eigenschaft in bet Erziehung entwickeln ober ersticken läßt. Alnb so paradox es auch Bingen mag, so kann man doch behaupten, dah gerade eine solche Erziehung, die darauf ausgeht, das äußere Betragen des Zöglings nach den glatten Formen der Konvenienz zu drillen, besonders dazu an­getan ist. den natürlichen Takt lahm zu legen, an­statt ihn zur trollen, schönen Entwicklung zu bringen.

Cs gibt kein äußeres Zeichen der Höflichkeit, das nicht einen tiefen sittlichen Grund hätte, unb bie rechte Erziehung barf sich nicht darauf beschränken, allein das äußere Zeichen zu überliefern, sondern sie muh auch die Erkenntnis von dessen Grund wecken. Ein fein entwickeltes Taktgefühl wird nie­mals gegen die Höflichkeitsformen verstehen und und auch bei heftigen Gemütserregungen als sichere Richtschnur dienen. Es ist das Ergebnis einer feinen Gemütsbildung und ganz unabhängig von den Regeln der konventionellen Etikette. Da­her kann mancher mit feinem natürlichen Takt be­gabte Mensch gegen diese Regeln, wenn er sie nicht gelernt hat, verstoßen, aber anderseits gibt es viele Leute, die nach diesen Regeln so fest geschult sind, daß sie den Eindruck eines personi­fizierten Zeremonien-Kodex machen und doch des wahren Herzenstaktes entbehren. Wie frei unb warm wirb uns ums Herz im Verkehr mit jenen, wie frostig unb unbehaglich mit biefen. Die sorg- fältigft aufgetragene Tünche^eremvnieller Höflich­keit vermag nie die weiche Milde des natürlichen Feingefühls zu ersehen.

Run zeigen sich im Leben die Menschen stets von ihrer besten Seite, wenn ihnen an der Mei­nung anderer Menschen etwas gelegen ist. Da sollte man in logischer Folgerung annehmen, dah die Menschen denjenigen stets die beste Seite zeigten, welche ihnen das Liebste auf Erden ist, dah also die Angehörigen, die Familienmit­glieder sich gegenseitig möglichst liebevoll, zart, freundlich unb schonend entgegenkämen. Leider ist das aber nicht immer so. 3m Hause läßt man sich häufig gehen; man ist ja der Zuneigung seiner Angehörigen so sicher, da kann man ruhig einmal unliebenswürdig und verstimmt sein; es hat keine Gefahr, man erleidet dadurch keinerlei Einbuße. Geht man aber in Gesellschaft, bann wird mit dem besseren Kleide auch die beste Seite des Charakters gezeigt. Ist's nicht eigentlich widersinnig, daß wir so leicht diejenigen ver­letzen. für welche unser Leben hinzugeben wir keinen Augenblick zögern würden aber im täglichen Leben? Das ist eben eine so ganz andere Sache, da glauben wir, uns im .Schlaf­rock" zeigen zu dürfen. Rein, unseren Lieben sollten wir uns immer von der besten Seite zeigen. Eine Verstimmung, ein kleiner Aerger mag manchmal bie älrfache des ersten bitteren Wortes fein. Gewiß, es ist gar nicht böse ge­meint, aber die Wirkung ist oft erschreckend. Eine sekundenlange Selbstbeherrschung würde das herbe Wort von der Lippe zurückdrängen, der bittere Zank wäre vermieden, der Friede ge­wahrt. Möchte doch das Dichterwort im. Ver­kehr von Herz zu Herz, von Mund zu Mund stets Gesetzeskraft haben:

ilnb hüte deine Zunge wohl. Bald ist ein böses Wort gesagt;

O Gott, es war nicht bös gemeint Der andre aber geht und klagt."

Gr.

Borrrotizerr.

Tageskalender für Montag. Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Die drei von der Tank­stelle". Astoria-Lichtspiele:Saxophon-Susi".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Dienstag, infolge Erkrankung im Personal statt: .Die erste Frau

Selbh* daS Schauspiel:Der Wann, den sein Gewissen trieb; Anfang 20 älhr. Die Inten­danz bereitet auch in diesem Jahre für Silvester wieder eine launige älcberralchung vor. Heinrich Hub inszeniert die PosseRobert und Bertram^ von Raeder völlig neu und aktualisiert sie kari­katuristisch. Musik und Text sind entsprechend modemistert. Ende gegen 22.30 Uhr. Am Reujahrstage gastiert das Vereinigte Operetten* theater Dochum-Hambom mit der großen Ope­rettenrevue:Die drei Musketiere". Dieses Werk war im Großen Schauspielhaus Berlin der große Erfolg deS letzten Winters. Uebcrall fand dies« Operette begeisterte Zustimmung. Ralph Benatzky (Meine Schwester und ich") hat die Musik ge­schrieben. Die Vorstellung fmbet außer Abonne­ment statt zu ermäßigten Operettenpreisen; 'Be­ginn 18.30 Uhr. Ende 21.30 älhr.

* Universitätspersonalie. Ernannt wurde der Prioatdozent Dr. Melchior W e st h n e s zu Gießen zum außerplanmäßigen außerordentlichen Professor an der Landesuniversität Gießen.

* EtneReihe von städtischen Steuer« undAbgaben werden zur Zahlung bis spätestens 6. Januar gemahnt. Näheres in der heutigen amt­lichen Bekanntmachung.

** Spielplanänderung im Stadt« theater. Die Intendanz teilt mit, daß infolge plötz. kicher Erkrankung im Personal am Dienstag als Abonnementsoorstellung stattDie erste Frau Sclby* das Schauspiel von RostandDer Mann den sein Gewissen trieb gegeben wird. Anfang 20 Uhr, Ende 22 Uhr.

Gastspiel des Stadttheaters in Heuchelheim. Das Stadttheater Gießen wird am Donnerstag, 1. Januar, mit der Jazz-Operette Meine Schwester und ich (Ralph Benatzky) in Heuchelheim gastieren. Die Vorstellung findet in der Turnhalle statt und beginnt um 20 Uhr.

* Di e Auszahlung der Unfall., In­validen-, Altersrenten usw. für den Monat Januar 1931 erfolgt, wie uns vom Postamt mit­geteilt wird, am Dienstag, 30. Dezember, in der Zeit von 8 bis 12 und 14 bis 18 Uhr, im GasthausZum Lamm", Westanlage 7.

* Vom Wochenmarkt. In dieser Woche finden die Wochenmärkre am Dienstag, Mitt­woch und Samstag statt.

* Konzert in der Chirurgischen Kli - n i k. Die Mitglieder des Quartettvercins 1920 Gießen bereiteten am Vormittag des zweiten Weih­nachtsfeiertags den Patienten und dem Personal der Chirurgischen Klinik eine Weihnachtsfreude, indem sie unter der Leitung von Musiklehrer Leib einige Chorlieder zum Vortrag brachten. Die Sänger fan­den dankbare Zuhörer.

* 5 r e i c <5 d) u l ft c U e. Erledigt ist eine Schul­stelle für eine evangelische Lehrerin an der Volks­schule zu Heuchelheim, Kreis Gießen.

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Ein Ausläufer des Rordmeertiefs greift weit südlich vor und hat über Frankreich starken Baro­meterfall verursacht. Auch haben an der West-- küste bei lebhaften Winden und Temperaturen? um plus 10 Grad Riederschläge eingesetzt. Da auch bei uns das Barometer stärker fallende Ten­denz zeigt, so ist damit zu rechnen, dah die Warm­luftwelte unseren Bezirk überqueren wird. Dabei wird das Wetter zunächst etwas milder und zeit­weise kommt es zu Riederschlägen.

Aussichten für Dienstag: Vielfach be­wölktes Wetter mit einzelnen Riederschlägen, vor­erst etwas milder, lebhafte Luftbeweaung.

Aussichten für Mittwoch: Wechselnd bewölkt, dabei auch aus klarend, vereinzelte Schauer, Temperaturen wieder sinkend.

Lufttemperaturen am 28. Dezember: mittags 3,1 Grad Celsius, abends 0,9 Grad; am 29. Dezember: morgens 1,5 Grad. Maximum 5,1 Grad, Minimum 0,8 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. Dezember: abends 0,2 Grad; am 29. Dezember: morgens0,2 Grad Celsius. Sonnenschcindauer % Stunde.

Amtliche Wintersportnachrichten.

Vogelsberg, Hoherodskopf: Bedeckt. 0 Grad, 5 cm Schnee, Pulverschnee; Sportmöglich­keit im Walde stellenweise möglich.

Taunus, Feldberg: Nebel, 0 Grad, geringe Schneedecke, vereist, nur Rodeln möglich.

Sauer land; Winterberg: Rebel, minuÄ 0 Grad, geringe Schneedecke, 1 bis 2 Zentimeter Schnee, Ski und Rodeln mäßig.

Rhön, Wasferkuppe: Rebel, 0 Grad, 15 Zentimeter Schnee, feine Sportmöglichkeit.

Schwarzwald, Feldberg: Heiter^ 0 Grad, 20 Zentimeter Schnee, verharscht; für Ski und Rodeln Sportmögllchkeit gut

Sprechstunden der Ncoaktion.

11-30 bis 1230 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag pachmittag geschlossen.