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180. Jahrgang

Montag, 29. Dezember 1930

vr. 303 Erster Statt

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Vrvck vnd Verlag: vrühl'lche Universirätr-Vuch. Stetaönuferei 8. Lange tn Gießen. Schttftlettung und Sefchastrftelle: Zchulittaße r.

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Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, fümtlich tn Gießen

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Kra-Nvrt am Main NS«.

Grenz- und ausianddeuische Lahresschau.

Don Dr Karl <£. von Loesch, Vorsitzendem des Deutschen Echutzvundes.

I.

Auf der ersten Tagung des Dölkerbundsrates Im neuen 2ahre steht die Klage zur Verhandlung, die daS Deuts cyeReich gegen Polen er­hob: wegen Verletzung des (Senser Abkommens und des internationalen Minderheitenschutzver- tragcs durch brutale Terrorisierung der deutschen Minderheit Cs ist daS erstemal in der Geschichte des Völkerbundes, daß ein Staat den anderen unmittelbar zur Rechenschaft zieht bisher lenk­ten Staaten nur die Aufmerksamkeit aus Petitio­nen der Minderheiten. ' Dieser Vorgang kenn­zeichnet die Gesamtlage der MinderhcitsvolkS- gruppen zehn Jahre nach Versailles! Roch immer Kamps gegenüber Willkür von Staat oder Staatsvoll, noch immer Verlust an volklichem, kulturellem und wirtschasllichem Gut!

Der große Gewinn, der dem Gesamtvolke trotz Entrechtung und Bedrückung zufiel: die Selbst­besinnung auf die eigene Einheit und SchicksalSverbundcnheit ist im Zeichen deS AotstandeS weiter gewachsen; doch an fast allen Grenzen drängt sremdeS DolkStum nach wie vor gegen deutsches Dolksgebiet und Besitz­tum vor. sucht es zu übersremden oder zu zer­setzen. Es ist sestzustellen, daß auch das ver­gangene Jahr 1930 dem Grenz- und AuslandS- veutschtum keine Besserung gebracht hat. Der Druck von selten derStaatsvölker" wurde stärker.

Zum zehnten Wale jährte sich die Zeit der Volksabstimmungen. Mit Recht wurden diese AbstimmunaSgedenktage in Schleswig, Ost- und West Preußen und Kärnten festlich begangen, waren sie doch Siege deS deutschen Do Usbeken n tn iss eS über Machtansprüche der Gegner, wenn auch nur innerhalb eng- gezogener Grenzen. Wo Volksbefragungen zu- gelassen und wirklich durchgeführt wurden, er­gaben sich (außer in dec ersten, freilich künst­lich abgegrenzten nordschieSwigschen Zone, wo am 10. Februar 1920 die Mehrheit der Bevölkerung für Dänemark stimmte) unzweiselhaste deutsche Mehrheiten, so am 14. März 1920 in der zweiten Zone Rordschleswigs, wo sich 51724 deutsche gegen 12 800 dänische Stimmen für daS Verbleiben beim Reiche entschieden; so im öst­lichen Abstimmungsgebiet, wo sich die überwäl­tigende Mehrheit zu Deutschland bekannte und Die Polen in den westpreußischen Kreisen nur 7,5 Prozent der Bevölkerung, im Bezirk Allen- ft ein, der nach polnischer Auffassung fast aus­schließlich von Polen bewohnt wurde, gar nur 2,5 Prozent aufbringen konnten; so in Kärnten, wo in der Abstimmungszone A 37 304 Stimmen für Oesterreich und 22 025 für Südslawien ab­gegeben wurden und auf Grund dieses End­ergebnisses die Abstimmung in der Zone B aus­fallen mutzte. .

Diese Abstimmungen bestätigten die Deutsch- he i t der umstrittenen Gebiete und rührten damit zugleich über die den einzelnen Volksbefragungen von den Pariser Machthabern gesetzten Grenzen hinweg an die Berechtigung der Gesamtbe- stimmunaen der Friedensdiktate. Die kommende Abstimmungsseier in Oberschlesien im März 1931 -- sie sollte als gesamtdeutsche Ab- fchlutzseier ousgestaltet werden wird freilich im Zeichen des Schmerzes über die ungerechte Tei­lung Oberschlesiens stehen, wie überhaupt der Schmerz um die abstimmungslos entrissenen Ge­biete als Wermutst^opfen in den Freudenbecher fiel.

DaS Abstimmungsergebnis ist vor allem für den deutschen Anspruch auf diese den Polen ohne 2lbstimmung zugesprvchenen Gebiete im Osten wichtig. CS sollte in der deutschen Oeffent- lichkeit als Beweis für die Rotwendigkeit der Revision der O st grenze mehr als bisher genutzt werden. Warum wurde am ll.GuIt nicht auch im übrigen Westpreußen, im Eoldauer Zipfel und im Retzegau abgestimmt? Eine solche er­weiterte Volksabstimmung hätte genau so un­widerleglich erwiesen, daß die Bevölkerung in den von Polen beanspruchten Gesamtgebieten in ihrer Mehrheit deutsch und deutschge­sinnt war. Der deutsche Rechtsanspruch auf das Land. daS 1920 keinesfalls .von einer unbestritten polnischen Bevölkerung" bewohnt war, ist auch dadurch nicht zu beseitigen, daß Polen nachträg­lich mehr oder minder gewaltsam rund 750000 deutsche Menschen aus diesen Gebieten ver­trieben hat. Die deutsche 'Forderung auf Re­vision der Ostgrenze besteht nicht nur wirtschaftlich und politisch sondern auch volkspolitisch zu Recht.

Der Revisionsgedanke, die Erkenntnis der lln- haltbarkeit der Versailler Grenzziehung, hat sich in der internationalen Oesfentlichkeit, wenigstens Dort wo der Wille zur Wirllichkeit und Wahr­heit vorhanden ist. weiter durchgesetzt. Wenn wir gleichzeitig feststellen, daß sich insbesondere in Polen der Druck auf die deutsche Minderheit verschärft hat. so hängt auch das mit der Der- breiterung des Revisionsgedankens, mit dem Un­behagen zusammen, das Polen vor den Stimmen des Rechtes verspürt. Wir brauchen im einzelnen nicht auf die ungeheuerlichen Mißhandlungen, welche die Deutschen in Polen während des Wahl­kampfes erleiden mußten, einzugehen. Sie sind von de» deutschen und internationalen Presse

Vorbereitungen für Gens.

polens Verbündete.

Der französische Außenminister B r i a n b hat die Stille der Weihnachtstage benutzt, um,mit den diplo­matischen Vertretern befreundeter Mächte, nament­lich aber mit dem polnischen Gesandten einige Unterhaltungen über die bevorstehende Rats­tagung 3u führen. Man darf wohl annchmen, daß diese Besprechungen bereits zu einer vollen Verständigung über die von Frankreich und seinen Verbündeten in Genf einzuschlagende Taktik geführt hat. Zweierlei steht im Vordergrund des Interesses: Einmal die Abrüstung, von der die Herrschaften in Paris ebenso wenig wissen wollen wie in Warschau, Prag, Belgrad oder Brüssel; zum anderen liegen die deutschen Mindcrhe.i- tenbeschwerden vor, die besonders den Polen, aber auch einigen anderen östlichen und südöstlichen Freunden Frankreichs unangenehm sind, weil bei dieser Gelegenheit das Minderheitenproblem gründ- s ä tz l i ch angepackt werden kann. Das aber gilt es zu verhindern. Infolgedessen werden wir damit redp neu müssen, daß in Genf mit allen nur denkbaren Winkelzügen gearbeitet wird, um unsere Beschwerde ohne viel Geräusch zu den Akten legen zu. kön­nen. Die französische Presse hat sich ja durch Herrn Z a l c s k i, den polnischen Außenminister, dahin unterrichten lassen, daß die Reichsregierung völ­lig falsch informiert worden sei und daß das Wahlergebnis ja gezeigt habe, welche Fort- schritte die Entgerrnanisierung nach Ausschaltung der deutschen Propaganda in Ostoberschlesien und Posen gemacht habe. Mit derartigen Hinweisen und Be­hauptungen läßt sich natürlich unsere wohlbegründete Anklage nicht einfach beiseite schieben. Wir werden im Gegenteil nachdrücklichst verlangen, daß endlich für das Minderheitenproblem eine zufriedenstellende Lösung gefunden wird. Aus diesem Grunde ist es auch verständlich, daß der Reichsaußenminister auf den Ratsvorsitz verzichtet hat. Rur so kann er sich wirkungsvoll unserer Volksgenosien jenseits der deutschen Grenzen annehmen.

Oberschlesien

zum Zaleski-Interview.

Deuthen. 28. Dez. (CAB.) Die oberschlesi- scheu Zeitungen befassen sich ausführlich mit dem Interview. daS der polnische Außenminister 3 a- leffi einem Mitarbeiter des PariserMalin" gewährt hat und in dem er sich in einer gegen Deutschland gerichteten aggressiven Form über die Zwischensälle bei den ost oberschlesischen Wahlen äußerte. Die oberschlesische Zentrumspresse er­klärt u. a., es sei eine Herausforderung, wenn der polnische Außenminister sage. Deutschland rolle die Minderheitenfragen auf. Gerade das Gegenteil sei der Fall. Die brutale Knechtung und Mißhandlung der deutschen Minderheit, die systematischen Verletzungen eingegangener Ver­träge durch Polen sei die Tlrsache dafür, daß die Dölkerbundsratstagung im Januar sich mit der Frage des Minderheitenschutzes für die Deutschen im abgetrennten Gebiet belassen müsse. Wenn jetzt gesagt werde, Deutschland betreibe den Minderhei­tenschutz nur als Mittel zum Zweck der Grenz- revislon, so wisse jeder, daß hier nur die pol­nische Propaganda dahinterstecke. Sie wolle damit die öffentliche Meinung beunruhigen, als ob eine Behandlung des versagten Minderhei­tenschutzes die allergrößten Konsequenzen für den Frieden haben müßte. Demgegenüber müßte man klipp und klar erklären, daß es sich nur um die Frage handele, wie Polen das Recht ver­letzt habe und wie diesen Rechtsbrüc^n gegen die deutsche Minderheit wirksam ein Ende be­reitet werden könne.

pariser Angstpropaganda.

Törichte Kommentare zu einem Artikel des Prälaten Kaas.

Paris, 28. Dez. (ERB.) Ein Vorwort, das der Reichstagsabgeordnete K a a s für ein Werk über die Außenpolitik Deutschlands geschrieben hat, be­unruhigt denTemps" und das »Journal des Dsbats". Beide Blätter benutzen die Gelegenheit, um die politische Stimmung in Deutschland in über­aus pessimistischem Sinne darzustellcn. So schreibt derlemps": Alle deutschen Staatsmänner, ob

eingehend behandelt worden. Die verdeutlichen genau so wie die zahlreichen Prozesse, die im vergangenen Jahre den deutschen Führern ge­macht wurden, die allgemeine Rechts - Unsicherheit, die in Polen herrscht, die bru­tale Verletzung der Verträge in einem Lande, das aus Grund der von ihm angewandten Me­thoden kaum noch zum gesitteten Europa ge­rechnet werden kann. Durch die deutsche Be­schwerde ist der Völkerbund erneut an die von ihm übernommene Verpflichtung gemahnt worden, den Schuh der Minderheiten endlich sicherzustellen. Letzten Endes aber unterstreicht die rechtswidrige Behandlung der deutschen Min­derheit die Notwendigkeit der Revision .un­haltbarer Verhält niss c".

Auch im Memelland erwies die Entwick­lung. wie wenig der der Memelkonvention zu- grunbeliegcnbe Rechtsgedanke praktisch Boden gewonnen hat. Während der Döllerbundsrot sich im September in Genf mit dem fortgesetzten Bruch des Memelstatuts beschäftigte, gab die li­tauische Regierung ihren Gesetzen zur völligen Ausschaltung der vertragsmäßigen Autonomie

sie rechts, in der Mitte oder links stehen, wollen die Wiederherstellung der deutschen Macht in der Welt. Sie sordcrn Revision der Verträge, Abänderung der Ostgrenzen, allge­meine Abrüstung oder das Recht filr Deutschland, sich ungehindert au bewafsnen, und endlich den Anschluß oder besser gesagt, die Annektion Oester­reichs. Die Meinungen weichen in der Frage der Mittel, die man zur Durchschrcitung der einzelnen Etappen anzuwenden habe, voneinander ab. Das Journal des Döbats", das Organ des Schwer- industriellen de Wendel, sieht schon eine neue Aufteilung Polens und auch die Annek­tion Oesterreichs, natürlich auch die Wie­deraufrüstung Deutschlands voraus. Wenn das, so ruft das Blatt aus, realisiert würde, dann würde man sich einem stärkeren Deutschland gegenüber befinden, als dem von 1914. Man müßte besonders naiv sein, wenn man sich einbilden könnte, daß Deutschland, wenn es dieses Ergebnis batte, sich nicht in sehr aktiver Weise auch für seine W e st grenze interessieren würde. Rach dem Blatt müßte man von deutscher Seite der Welt den Glauben beibringen, daß die Stillung des deutschen Appetits das einzige Mittel fei, den Frieden zu bewahren. Kaas vergleiche Deutsch­land mit Sim so n. Er erkläre, daß der Tag kom- men werde, an dem es als Gefangener des Frie- densoertroges wie der biblische Held die Säulen seines Gefängnisses Niederreißen werde. Es fei nicht Hitler, der dies aussprach, sondern der Führer des Zentrums. Müsse Frankreich daraus die Schlußfolgerung ziehen, daß man Simfon nicht handeln lassen dürfe,

sondern ihn bewachen und die Tragsäulen, die er umreiben wolle, verstärken müsse.

Bei den erwähnten Auasührungen des Prälaten Kaas handelt es sich um sein Vorwort zu der in diesen Tagen erschienenen Schrift des Außenpoli- tikers der©ermania", Hagemann. Der Zentrums- führer kennzeichnet in seinem Vorwort das Ver­hältnis zwischen Außen- und Wirtschaftspolitik, die Erscheinungen des Radikalismus als eines Nutz­nießers eines außenpolitischen Stillstandes oder Rückschritts und die Notwendigkeiten der deutschen Revisions. und Abrüstungsansprüche in durchaus gemäßigten Worten. Er gelangt dabei zu der Schlußfolgerung, daß eine friedliche Udo« lutionspolitik die unbedingte und einzige Möglichkeit nicht nur für Deutschland, sondern auch für die übrige Welt sei, hält aber mit seinen Be­sorgnissen nicht zurück.

Die Hypothese von der Erreichung einer physi­schen und psychischen Belastungsgrenze und von den Folgen, die eintreten, wenn sichdie Simson- Tragödie im Politischen wiederholt", ist keineswegs in den Ausführungen des Zentrumsführers als ein erwünschtes oder drohendes Ereignis, sondern a l s die letzte tragische Konsequenz fort­gesetzter Verbohrtheit und Verstand- nislosigkeit auf der Gegenseite er­wähnt. Rur ein besonders schlechtes Gewißen kann bei verantwortungsbewußter Prüfung der tatsäch- lichen Ausführungen des Prälaten Kaas daraus deutsche Zielsetzungen entnehmen, wie sie vom Temps" und vomJournal des Döbats" behaup­tet werden.

Der Reichskanzler zur Zahreswende.

Berlin, 29. Dez. (TDTB. Funkspruch.) Reichs- kauzlcr Dr. Brüning hat dem Herausgeber der wohlsahrkskorrespondenz, Ernst Börschel, eine Zu- schrist zugehen lassen, in der cs heißl: Auch dieses Jahre» Ende trifft da» deutsche Volk bei der Er- kenntnls. daß es schwere Monate durchzu­machen hat. Die Deltwirtschaftskrife, die alle Staaten ersaßt hat, trifft e» nach den Entbehrungen der Rachkriegs- und Znslationsjahre besonder» stark. Aber fester Wille, Selbstzucht und Bereitschaft zum gemeinsamen Tra­gen können und werden un» Helsen, wenn wir die

schlimmen Zeiten benutzen, um Mißbräuche abju ff eilen, die sich in unser gesellschaftliche», soziale» und politische» Leben eingeschlichen hotten, wenn wir nötige Reformen heute unter dem Drucke der Rot kraftvoll oorantrelben. dann ziehen wir die rechten Lehren. And wenn wir jetzt, wo un» gemeinsame» Schicksal die engste Ver­bundenheit aller Schichten und Stände deutlich be­weist, uns als ein Volk fühlen lernen, dann werden zugleich die seelischen fträfte lebendig, die die besten Bürgen einer schöneren Zukunft sind.

Der VDA. an die deutsche Jugend.

Ein Aufruf zur Jahreswende 1930/31.

Berlin, 27. Dez. (TU.) Der Verein für bas Deutschtum im Ausland erläßt zur Jahres- wende den nachstehenden Ausruf:

Zehn Fahre eines neuen Europa liegen hinter uns. In diesen zehn Jahren hat man daran ge­arbeitet, die Verwüstungen des Weltkrieges zu be­seitigen, eine neue Ordnung im Zusam­menleben der Völker zu finden. Die Er­örterungen und Vorverhandlungen über diese neue Ordnung der Friedensverträge standen unter dein GedankenS e l b st b e st i m m u n g s r e ch t" für alle Völker, Freiheit der Sprache und K u l t u r für jeden Menschen und jede Volksgruppe.

Für unser deutsches Volk sind diese Hoffnungen noch nicht annähernd verwirklicht. In 21 Staaten Europas lebt es, zerrißen und zer­stückelt, in staatlichen und kulturellen Ordnungen, die es nicht frei gewählt hat. Du, deutsche Jugend im Reich, bist ein Teil des deutschen Ge­samt volkes. Du siehst Millionen deiner Kame­raden, deiner Alters- und Volksgenossen, in der weiten Welt leben, in fremder Umgebung, unter fremden Fahnen, als Staatsbürger fremder Staa­ten, aber auch als Dolksbürger unseres weltweiten deutschen Volkes.

Deine auslandsdeutschen Kameraden wollen und müßen nun ebenso wie du deutsche Bildung, Erziehung in der deutschen Slutter- spräche, Anteil an unserem deutschen

des Wemelgebietes die letzte Form. Und wenn dann auch in direkter Aussprache zwischen dem reichsdeutschen und dem litauischen Außemninister die in Gens voraebrachte Memelbeschwerde inso­fern ..vorläufig' erledigt wurde, als Litauen sich verpflichtete, nunmehr für vertragsmäßige Zustände zu borgen die gegebenen Verspre­chungen wurden nur unzureichend eingelöst, so daß die Mcmelsrage erneut vor den Völkerbund gebracht werden muß. Mit Recht hob derMan- chestcr Guardian" hervor, daß die Verletzung der Wemelkonvention nicht nur den Völkerbund, son­dern auch di« Signatarmächte dieser Konvention vom 8. Mai 1924 an ging« und diese veranlassen mühte, eine neue Lösung zu finden, ilnb wenn derManchester Guardian" hinzusügte. daß die beste Lösung darin bestehe, den Einwohnern das Recht zu geben, unter Lei­tung deS Völkerbundes durch Volksabstimmung über ihr« Zukunft zu entscheiden, so ist damit eine Lösung angedeutet, ohne die auch in diesem Dell des Ostens kein« dauernde Befriedung mög­lich ist.

Kulturleben erhalten und behalten, wenn sie sich als Teile unseres Gesamlvolkes empfinden, als unsere Brüder und Schwestern an unserem ge­meinsamen Schicksal mitwirken sollen. Dazu reichen die heutigen deutschen Kultureinrichtungen im Aus lande nicht aus. Eure Kameraden können oft kaum noch das notwendigste Deutsch lesen und schreibe» lernen! Künstlich erschwerte Priisungsvorschristen, Sperrung vieler Berufe, Ausschluß von Bildungs­möglichkeiten zeigen die Gefahren für sie: Herunter- sinken von der Höhe deutscher Bildung, Zurückbleiben im Kamps ums Dasein aus aMngel an geistiger Schulung, Verlust der starken, innigen Verbundenheit mit den Gütern unse­res Volkstums, Rückgang des deutschen Kul- turbewußtseins!

Deutsche Jugend im Mutterland! Vergiß sie nicht, die das Schicksal der Vergangenheit oder Gegenwart in die weite Welt geführt hat! Hilf dazu, sie beim Deutschtum zu erhol- ten als unsere besten Freunde draußen in der Welt! Schließe dich zusammen in den Gruppen des VDA., der eine planmäßige, tatkräftige Betreuung der ouslandsdeutschen Kultureinrichtungen seit vielen Jahren durchfuhrt! Diene damit dem Gesamtvolke jenseits des parteipolitischen Kampfplatzes auf dem großen Felde der Kulturarbeit! Rur bewußte Be schränkung auf diese Sonderaufgabe kann hierbei größtmögliche Erfolge bringen!"

Teure Diplomatie.

Kostspielige dcutscheBertrctungen in Nord- und Südamerika.

Berlin, 27. Dez. lBD.) Die Aufwendungen der großen Staaten für die Pflege ihrer inter­nationalen Beziehungen sind recht groß, da sie ihren Diplomaten ein Gehalt aussehen müff«n dos dem gehobensten Lebensstandard des betref­fenden Landes entspricht. Die höchsten Aufwen­dungen macht Deutschland nicht für einen Botschasterposten, sondern für das Gehalt des Gesandten in Buenos Aires, der nach der bisherigen Regelung ein Jlahresgehalt von 127 000 QKarf bezieht. Der sehr teure Boden dieser füb- amerikamschen Hauptstadt und die Bedeutung de» Postens für Deutschland, um dessen Umwandlung in einen Botschasterposten seit langem ein Kampf geht, erklärt die Spitzenstellung des Gesandten in Buenos Aires. Es folgt dann der deutsche Bot­schafter in W a f h i n g to n mit einem Gehalt von rund 126 000 OHL Amerika ist für da« AuSwäi> tige Amt überhaupt «tn sehr kostspielige- Feld,