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bei ihr die Erhöhung nur ganz mäßig für den einzelnen Steuerzahler auswirle. Einem viel­fachen Wunsch der Mieter entsprechend ist aller­dings auch eine gewisse Erhöhung bei der Sondcrgebäudestcuer vorgesehen, die sich aber nur auf diejenigen Gebäude erstreckt, deren Friedensmicte bereits mchr als 5 Prozent beträgt. Die Erhöhung der Gebäudesteuer soll 4 Millionen Mark ergeben, die der Sondcraebäudestcucr unter Berücksichtigung der Ausfälle eine halbe Million Mark. Diese Steuer­erhöhung wird um so eher tragbar fein, als ja im gleichen Augenblick für Die Senkung der Real steuern der Wirtschaft 5 Millionen Mark zugcführt werden.

Bon dem oben festgestcllten Fehlbetrag von 5,43 Millionen Mark bleibt dann noch nach Er­höhung der Steuer ein Fehlbetrag von 9 3 0 000 Mark, demgegenüber sich der Finanz- minister anheischig machte, im Falle der Bewilli­gung der Stcuererhöhungen ihn ebenfalls selbst mit den radikalsten Mitteln zum Bcrschwin- d e n zu bringen. Das Ziel eines ausgeglichenen Budgets ist um so erstrebenswerter, als Hessen dann bei der kommenden Reichsreform volle Verhandlungsfreiheit haben wird. Die Aus­sprache über die Erklärung des Finanzministers findet am Samstag statt.

Industrie und Handel zum Ganierungsprogramm und zur Preissenkung.

Berlin. 23. Rov. (LU.) Der Harrptausschuh des Deutschen Industrie- und Han­delstages nahm nach einem Vortrag des Staatssekretärs Lrendelenburg zu dem Finanz- Programm der Reichs reg ierung und zur Frage der Preissenkung eine Entschließung an, in der der Wirtschafts- und Finanzplan der Regierung a I s Anfangsmahnahmebegrüßt und an den Reichstag der Appell zu rascher Tat ge­richtet wird. Im einzelnen wird bedauert, daß der Gedanke der Realsteuersenkung im Rcichs- rat in einer Weise abgeq ue tscht worden sei, die dem Zweck, die gegenwärtige Heberlastung wirksam zu m i n d e r n und die Preissenkung zu untermauern, scharf widerspreche. An dem Entwurf des Steuervereinfachung s- g e f e h e s werden erhebliche Verbesserungen für notwendig erachtet, so insbesondere die Gleich­mäßigkeit derDesteuerung der Wirt­schaftsbetriebe der öffentlichen Hand und der der privaten Hand. Auch der Deutsche Industrie- und Handelstag hält eine weitere AnpassungderWarenpreise auf allen Stufen der Güiererzeugung und Vertei­lung an die veränderte Weltmarkt­lage für ein dringendes Gebot der Selbsterhal­tung. Indes wird vor allem die Senkung der öffentlichen Lasten, die Ermöglichung von Kapitalbildung und eine beweglichere Anpas­sung der Löhne an Die Konjunktur­lage für erforderlich gehalten. Wo Preis- vereinbarungen einer wirtschaftlich mög­lichen Preissenkung entgegenstehen, müssen die be­teiligten Kreise sich freiwillig zu einer An­passung entschließen, um das Kartellwesen in sei­nen gesunden Wirkungen zu erhalten. Gewarnt wird vor einer Schlagwortverwirrung der öffentlichen Meinung, insbesondere gehe es nicht an, von allgemeinen Heber- sehungen von Handelsspannen zu sprechen, zumal es im freien Großhandel wie im kaufmännischen Einzelhandel durchweg an den Voraussetzungen vereinbarter Preishaltungen fehle. Die Preis- abbaualtivn habe vielfach zu einer stärkeren Zurückhaltung de/ Käufer geführt, wie sie aus der Minderung der Einkommen zu erklä­ren sei.

Entschließung -es hessischen Lan-eslehrervereins.

Frankfurt a.M., 28.Nov. (WSN.) Der Vor­stand des Hessischen Landeslehrervereins tagte am Mittwoch in Frankfurt a. M. und nahm zwei Ent­schließungen an. Er erblickt in den vom Reiche in Aussicht genommenen Sanierungsmaßnah­men die Auswirkung der seit langem betriebenen Beamtenhetze. Er fordert seine Mitglieder auf, zur Abwehr der ungerechtfertigten Eingriffe zur Selbst­hilfe zu greifen. Er ist entschlossen, dahin zu wir« ken, daß die inzwischen gelösten Verbindun- gen z u beamtenwirtschaftlichen Ein­richtungen wieder neu geknüpft werden, wenn nicht eine durchgreifende Preissenkung und ausreichende Entlastung eintritt. In der zwei­ten Entschließung wird zu den neuesten hessi­schen Sparmaßnahmen Stellung genom­men, die über das Maß hinausgehen würden, das man vom Reiche der Beamtenschaft auslade. Der Verein lehnt eine außergewöhnliche Verkürzung der Bezüge und eine Verschlechterung der Einstufungs- verhältnisse entschieden ab.

Thüringen gegen das Reichsbanner. Ein Ersuchen Fricks an das Reichs­innenministerium.

Weimar, 28. Nov. (WTB.) Dom thüringischen Ministerium des Innern wird folgendes mitgeteilt: Nach den polizeilichen Ermittlungen hat die Orts- gruppe Gera des Reichsban-ners Schwarzrotgold am Bußtag zwischen Klein­saara und dem WaldrandIn der Käseschänk" bei ®era eine militärische Hebung abgehalten, an der etwa 260 Personen teilgenommen haben. Die militärische Hebung sah Marschsicherung, Serbin» dunasleute und anderes vor. Vor dem Waldrand wurden Schützenlinien auf freiem Felde entwickelt. Es erfolgte ein markierter Angriff auf den Wald­rand, der durch Hornfignale, wie sie früher bei den Felddienstübungen der Infanterie abgegeben wur­den, abgebrochen wurde. Aus dem Verhalten der Ortsgruppe Gera des Reichsbanners geht hervor, daß sich diese Ortsgruppe militärisch betä­tigt und durch ihre Betätigung und ihren Zweck im Widerspruch zu dem Gesetz zur Durchführung der Art. 177 und 178 des Friedensoertrages steht Das thürin­gische Ministerium des Innern hat daher pflicht­gemäß nach § 1 des genannten Gesetzes den Herrn Reichsminister des Innern um feine Zustimmung zur Auslösung der Ortsgruppe Gera des Reichs­banners Schwarzrotgold aufgrund der erwähnten gesetzlichen Bestimmungen gebeten.

Das Schreiben ist heute morgen im Reichsmini­sterium des Innern etngegangen. Die Ange­legenheit wird von der Reichsregierung geprüft

Die deutsche Protestnote

Berlin, 28. Rov. (III.) Die Belchsregie- r u n g hat ihre Befchwerdenote an den völkerbunds- rat nach längerer kabinetlssihung am Donnerstag­abend endgültig formuliert und sie noch am späten Abend nach Genf abgesandt. Die Rote wird Samstagvormiltog in Genf einlreffen. Gleichzeitig find die diplomatischen Vertreter der Reichsregierung bei den Ratsmächten beauftragt worden, ihrerseits den Bcschwerdefchritt der Reichsregierung beim Völkerbund entsprechend vorzubereilen und den Ratsmächten den Wortlaut derproteft- note zu übergeben, wegen dieser diploma­tischen Aktion, die in den nächsten Tagen überall durchgeführt werden wird, ist mit einer Veröf­fentlichung des Wortlautes der deutschen Bc- schwerdenote nicht vor Dienstag oder Mittwoch nächster Woche zu rechnen. Die deut­sche Regierung verlangt in der Rote, daß der Völ­kerbund aufgrund der bestehenden Ab­kommen über die Behandlung der Minderheiten gegen die Verletzung der Rechte e i n g r e i f e, daß die durch polnische Terrorakte betroffenen Dentschen entschädigt und die politischen Rechte der deutschen Minderheit in Zukunft gewahrt werden.

Das M a t e r i a l, auf das sich die Dcschwerde- note stützt, ist in zwei Gruppen behandelt: Po­litische Entrechtung der deutschen Min­derheit und Terrorakte gegen einzelne Deutsche. Zu der ersten Gruppe gehört die Fest­stellung. daß zahlreiche polnische Staatsangehörige deutscher Rationalität nichtindieWähler- listen ausgenommen wurden mit der Be­gründung, sie besäßen nicht die polnische Staats­angehörigkeit. Allein in Kattowih und Königs­hütte ist 30 0 0 0 Wählern deutscher Ra­tionalität die Ausnahme in die Wählerlisten verweigert worden. Der schlesische Woiwode ließ durch Anschlag erklären, daß die Wähler ösfentlich oder geheim stimmen können. Aber im Wahlbezirk Kattowih forderte die Bezirks- wahlkommission die Ausständischenverbände nach­

an den DölkerbnndM. drücklichst aus, zu beobachten, welche Wähler geheime Stimmzettel abgä­ben und dadurch deutscherGesinnung verdächtig seien.

Zu den Terror-Akten in Oberschlesien wird festgestellt, daß die polnischen Be­hörden das Vorgehen des schlesischen Aus- ständischen-Verbandes wohlwollend ge­billigt haben, daß der höchste Beamte ,in Polnisch-Oberschlesien, der W oiw o d'e, Ehrenvorsitzender des Ausständi- schenverbandes ist und daß der zu Gewalt­taten aufsvrdernde Aufruf der Aufständi- schenvcrbände von z^lreichen In­habern öffentlicher dfvmtcr unter­zeichnet war. In Ricolai waren vier polnische Polizeibeamte Augenzeugen des Hebersalls von 25 Aufständischen auf eine deutsche Wahl­versammlung, ohne einzugreifen. In Svh- rau wurden vier deutsche Stadtverordnete beim Verlassen des Rathauses überfallen und so schwer mißhandelt, daß einer von ihnen besinnungs­los liegen blieb, ohne daß die Rathaus­polizeiwache eingriff. Bei der Mißhand­lung eines Deutschen in Kattowih v erwei- gerte die Polizei eine Untersuchung des Falles und verwies den Mißhandelten auf das Privatklageverfahren.

Besonders schwerwiegend ist der mehrstündige Angriff auf eine deutsche Häusergruppe in Hohenbirken, der trotz seiner langen Dauer nicht zum Eingreifen der Polizei führte. Richt weniger ernst ist der Vorfall in Golaffowitz, wo es nicht gelang, die Po­lizei gegen den Heberfall polnischer Aufständischer auf das deutsche Gemeindehaus und die Min­derheitenschule zu mobilisieren. Schließlich spiel­ten bei den terroristischen Vorgängen Tausende von Briefen eine Rolle, die ganz offen mit dem Stempel der Aufständischenverbände Ange­hörigen der deutschen Minderheit zugestellt wur­den mit der Drohung, daß sie ihr Testament machen müßten, wenn sie nicht Haus und Hof verließen.

werden. Im übrigen wird vom Reichsinnenministe­rium darauf hingewiesen, daß schon gelegentlich andere Landesregierungen bei ähnlichen Anlässen sich mit der Reichsregierung in Verbindung gesetzt haben: aber noch niemals sei es vorgekommen, daß vor der Klarstellung des Sachverhaltes, und bevor die Reichsregierung Gelegenheit zur Prüfung hatte, eine Laichesregierung sich mit der Behauptung, daß ein Verstoß gegen den Versailler Vertrag vorgekom- men sei, unmittelbar an Die Oeffen11ich° feit gewandt habe.

0er (Streit um die polizeikostenzuschüffe. Minister Frick wird als Zeuge vernommen.

Weimar? 28. Rov. (WTB.) Auf Anord­nung des Reichsgerichts fand heute eine Ver­nehmung des thüringischen Innenministers Dr. Frick wegen der Polizeikostenzuschüsse in Weimar statt. Auf die Frage des Derhand» lungörichters, Reichsgerichtsrats Dr. Schmitz, gab Staatsminister Dr. Frick u. a. folgende Auskünfte:

Er stehe auf dem Standpunkt, daß bei den Poli­zeibeamten die sozialdemokratischePar- teizugehörigkeit ein Boden sei, auf dem sich leicht persönliche Eigenschaften entwickelten, die mit den Aufgaben eines Polizeibe­amten kaumvereinbar seien. Er denke da­bei an extrempazifistische und klassenkämpferische Bestrebungen. Deshalb und weil er die thürin­gischen Verhältnisse nicht genau kannte, habe er sich an Vertrauensleute gewandt, be­sonders an den Abgeordneten Sauckel, dem er die Liste der Bewerber aushändigte für Einholung vertraulicher näherer Auskünfte über die Persön­lichkeit des Bewerbers, seine Gesinnung, seinen Charakter, feinen Ruf im bürgerlichen Leben und seine politische Einstellung. Diese Auskünfte habe er bei seiner Entscheidung zwar verwertet, sich aber nicht unbedingt daran gehalten. Er müsse die Ansicht ablehnen, daß er die thüringische Lan­despolizei in eine nationalsozialistische Partei­truppe habe umwandeln wollen. Meist sei ü b e r - Haupt nicht bekannt gewesen, welcher Partei der einzelne Bewerber angehörte. Von nationalsozialistischen Parteigenossen seien zahl­reiche Einstellungsgesuche an ihn gelangt, von denen nur ein verschwindend kleiner Bruchteil angenommen sei. Von Hunder­ten von Gesuchen früherer Offiziere sei nicht ein einziges angenommen. Bei der Ge­nehmigung der Dewerberliste habe er sich von dem Gedanken leiten lassen, zersetzende Ele­mente von der Polizei fernzuhalten, da deutsche Gesinnung verlangt werden müßte, weil sonst die Gefahr eines Versagens der Poli­zei im Ernstfälle und ihrer allgemeinen Verseu­chung bestehe.

Hitler über den national­sozialistischen Gedanken.

Bremen, 28. Rov. (WTB. Funkspruch.) Im Rahmen des Wahlkampfes für die bremischen Türgerschaftswahlen sprach der Führer der Ratio­nalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei Adolf Hitler. Heute sähe, betonte Hitler, ein großer Teil der Politiker die Rettung in der Lösung von Ta­gesfragen, während derKeim desDerfalls aber bereits im deutschen Volkskörper arbeite. Die drohende Katastrophe liege in der Krankheit nicht nur der Wirtschaft, sondern des politischen Lebens. Rur unter den Fittichen politischer Kraft könne die Wirtschaft gedeihen. Im Kampf um die Begriffe Rationalsozialismus und Sozia­lismus fei das Reich zerrieben und gestürzt wor­den. Erst jetzt durch die große Rot lerne auch der Proletarier begreifen, daß fein Leben gebunden sei nicht an eine Klasse, sondern an das Leben der Ration. Ietzt sei wiederum der Zeitpunkt da, wo die Entscheidungsfrage gestellt werde: Sind wir noch ein Volk? Wollen wir als Volk wieder gemeinsam in Erscheinung treten oder uns auf ewig in Klasseninteressen spalten? Die Aufgabe der nationalsozialistischen Bewegung bestehe lediglich darin, daß wir aufhören, uns als Marxisten oder als patriotische Bürger zu fühlen, denn keine dieser beiden Reihen sei stark genug, die andere zu überwinden und in sich a. fzunehmen. Cs müsse eineBrückegefunden werden, die die beioen Lager, Rationalismus und Sozialis­mus miteinander verbindet. Wenn ir­

gend jemand die neue Basis finden könne, so sei es der Frontsoldat. Wenn Geireräle und Offiziere versagten, damr werde der Muske­tier zum Träger des neuen Deutsch­tums werden.

Hugenberg fordert Mstungöfreiheit oder Austritt aus dem Völkerbund.

Berlin, 28. Rov. (TH.) Dr. Hugenberg hat namens der Deutschnationalen Volkspartei an Reichskanzler Dr. Brüning folgendes Telegramm gerichtet:Die Vorgänge in der Genfer Abrüstungskonferenz entblößen kraß den bösen Willen Frankreichs und der feine Rüstungspolitik stützenden Staaten in der für die Erhaltung des europäischen Friedens ent­scheidenden Abrüstungsfrage. Sie widerlegen zu­gleich Kurs und Methoden der bisherigen deut­schen Außenpolitik. Angesichts dieser Erfahrun­gen und angesichts der für die ungeschützte Ost­mark durch Polens Terror drohenden Ge­fahren wiederholen wir heute nachdrücklichst unsere Forderung auf Erklärung des Selbsterhaltungsrechts der deut­schen Rüstungsfreiheit. Bei Richtaner- fennung dieses Rechts durch die Versailler Der- tragSgcgner halten wir den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund, in dem die Gleichberechtigung zur hohlen Phrase wurde, für unerläßlich.

Keine Offenlegung des Rüstungsstandes.

Französischer Abstimmungssieg in Genf.

Genf, 28.Rov. (TH.) In der Freitagssihung des Abrüstungsausschusses, an der der tschecho­slowakische Außenrnmister Dr. Denesch, vom Prä­sidenten mit einer begeisterten Ansprache be­grüßt, teilnahm, wurde ein deutscher Antrag behandelt, als Ausgangspunkt und Grundlage der kommenden Abrüstungskonferenz eine um­fassende Veröffentlichung der ge­samten Rüstungen der einzelnen Länder vorzunehmen. Der Antrag wurde vom Ausschuß mit dem Anheimstellen an den Dölkerbundsrat verwiesen, die Regierungen aufzufordern, falls möglich, der Abrüstungskonferenz Angaben über ihre Rüstungen vorzulegen.

Ein holländischer Antrag, im Abrüstungsab­kommen die bindende Veröffentlichung des gesamten lagernden und aktiven Kriegsmaterials vorzunehmen, wurde a b- gelehnt. In einem von den militärischen Sach­verständigen Englands, Frankreichs, Belgiens, Rumäniens und Südslawiens borgelegten Bericht wurde erklärt, die Veröffentlichung des Kriegs­materials könne leicht die militärische Schwäche einiger Staaten allzu deutlich entschleiern, sei technisch undurchführbar und würde ferner die militärischen Operationen zur nationalen Verteidigung erschweren. Dagegen wurde in einem Sachverständigen bericht von Deutschland, Italien, Iapan, Holland, Rorwegen und Schweden darauf hingewiesen, daß das Kriegsmaterial bereits von dem direkten Mate­rial ausgenommen sei und deshalb die Der- öffentlichung des Kriegsmaterials unbedingt notwendig sei, insbesondere im Hinblick auf die großen Ziele des Abkommens, zu einer Siche­rung des Friedens zu gelangen.

Der Ausschuß nahm schließlich mit 12 Stimmen gegen Deutschland, Italien, Iapan, Amerika, Sowjetrußland, Holland und Schweden einen französischen Antrag an, nach dem im Ab­rüstungsabkommen von jeglicher Bekannt­gabe des Kriegsmaterial abge­sehen wird und lediglich die Gesamtsum­men für den Ankauf, Aufrechterhaltung und Herstellung des Kriegsmaterials der Landrüstun­gen angegeben werden.

Aus aller Welt.

Ein Zwischenfall an der Universität Breslau.

Wie in anderen Städten veranstaltete auch in Breslau die Freie Studentenschaft der Unioerfität und der Technischen Hochschule eine Protest - kundgebung gegen die Deutschenoerfolgung in Ostoberschlesien. U. a. nahmen die beiden Rek­toren der Hochschulen sowie einige Professoren an der Kundgebung teil. Der Referent des Abends, der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Dr.

Kleiner (Beuthen) griff die Reichsregierung we­gen ihreslangen Wartens" heftig an. Daraufhin verließen d i e beiden Rektoren sowie zwei weitere Professoren unter Protestrufen der Studenten den Saal. Als er dann in beleidigen­der Weise von dem preußischen Ministerpräsidenten Dr. Braun sprach, verließen weitere Professoren, diesmal von lauten Pfui-Rufen begleitet, den Saal.

Verhaftung eines Baugenossenschaftsdirektors.

In Nürnberg wurde Direktor Willi Steu- del wegen Betruges in Hntersuchungshaft ge­nommen. Steudel gründete im Frühjahr 1929 die Rheinische Schnei.lbaugenossen- schäft m. b. H. in Köln und im Iuli 1929 eine Zweigstelle in Nürnberg, als deren Direktor er sich bezeichnete. Don den Genossenschaftsmitglie­dern wurden zur Erbauung von Eigenheimen rund 1 90 000 Mark Bargeld einge* zahlt. Ausgeführt wurden aber nur zwei Häuser. Bereits angefangene Bauten muhten wegen Geldmangels eingestellt wer­den. Ein großer Teil der Genossenschaftsgelder soll von Steudel für eigene Zwecke ver­braucht worden fein. -**

Ein schlechter Scherz.

Zu stürmischen Austritten kam es im Buda­pester Rathaus. Mehrere hundert Ar­beitslose erschienen mit Telegrammen in den Händen im Rathaus und verlangten einen Be­amten zu sprechen. Die Telegramme enthielten durchweg die Aussorderung, einPartei­sekretär" möchte sich im Rathaus melden, um einen Posten in der Abteilung für geistige Rotstandsarbeiten zu übernehmen. Als sich herausstellte, daß es sich um eine Irreführung handelte, gerieten die Arbeitslosen in Wut. Die Stimmung wurde so bedrohlich, daß Polizei geholt wurde, die das Rathaus räumte.

Schmuhregen" in Paris.

In Paris war am Freitag ein seltenes Naturphä- nomen zu beobachten, einSchmutzregen", also mit Erde beschwerte a Hertropfen, die nach dem Trocknen auf den Dächern eine rötliche Kruste hinterließen. Einige Meteorologen geben für dieses Phänomen in der Morgenpresse die Erklärung, es handle sich dabei um durch besondere atmosphä­rische Bedingungen hochgewirbelte Sand­massen aus Nordaspika, die in Wolken in 5000 oder 6000 Meter Höhe fortgetrieben werden. Wenn diese aufgewirbelten Staubmassen in Algier niedergehen, werden sie zum Schirokko, wenn sie aber Europa erreichen, so vermischen sie sich mit den Nie­derschlägen und werden zumSchmutzregen".

Die neue Telephonanlage der Vatikanstadt.

Der P a p st weihte im Beisein des Kardinat- staatssekretärs P a c e 11 i die neue automatische Telephonanlage der Vatikanstadt ein. Der Papst besichtigte eingehend die gesamte Anlage und be­dankte sich für das fürstliche Geschenk, das er gern annehme, da er auf demselben Standpunkt stehe, wie der Heilige Donbosco, der einmal von sich ge­tagt habe, daß er dem Fortschritt immer vorangehe. Die Telephonanlage der Vatikanstadt, die von einer Neuyorker Firma geschenkt worden ist, verfügt über 800 Nummern, von denen vorläufig etwa 300 in Gebrauch genommen werden. Sie ist mit dem Römer Teiephonnetz durch 30 Leitungen und mit dem Fernamt durch sechs Leitungen verbunden. Auch auf dem Schreibtisch des Papstes befindet ich ein goldener Telephonapparat, so daß Pius XI. ich jederzeit mit allen Teilnehmern verbinden las en kann. Er kann jedoch nicht ohne weiteres angerufen werden, da die Glocken an seinem Apparat entfernt wurden.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Das Tiefdruckgebiet über Frankreich hat feine Lage kaum verändert, sich aber etwas abgeflacht. Auch ist sein Regengebiet zusammengeschrumpft. Im Norden und Osten baut sich hoher Druck auf, aus dem meist kontinentale Lustmassen nach Deutschland fließen, Eine wesentliche Umgestaltung der herrschenden Wetterlage findet somit auch nicht statt. Wohl wird durch die sich noch weiter vordrängende Warmluft der französischen Störung der Himmel sich zeitweise mit einem Wolkenschleier überziehen, wobei gelegent. lich auch Niederschläge, jedoch ganz bedeutungsloser Art, auftreten können.

Aussichten für Sonntag: Teils wolkiges, teils aufheiterndes Wetter, ohne nennenswerte Nie­derschläge, Temperaturen zwischen Tag und Nacht sich etwas verschärfend.

Aussichten für Montag: Keine wesentliche Aenderung der herrschenden Wetterlage.

Lufttemperaturen am 28. November: mittags 8,7 Grad Celsius, abends 4,2 Grad; am 29. November: morgens 2,1 Grad. Maximum 9.2 Grad, Minimum 1,6 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. November: abends 7,9 Grad; am 29. November: morgens 4,3 Grad Celsius. Sonnenscheindauer % Stunde.