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Nr. 201 Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberheflen)

Zreitag, 29. August 1950

Momenibilder aus dem Eowjeiparadies

bori der DcrlofungStempei, In GaSgeräte zur Bcrlolung an Veranstaltung kommen werden Seite des SaaleS kann man

dem eine Anzahl, die Besucher der Aus der anderen eine interessante

Wenn man Wahlplakaten durchblättert,

ein halbe- Dutzend Mappen mit auS den Jahren 1919 bis 1928

Stande) chr Kind, das als Kops ein TentirneS- ftüd trägt, zur Wahlurne

Aus einem englischen Plakat berät eine Partei als Anwalt eine junge Frau. Aus einem an­deren reden die Kopse dreier bekannter Politiker aus einen Mann ein, der anscheinend nicht weist, waS er wählen soll. Oft wird mit sehr drasti­schen Mitteln gearbeitet Da sieht man eine Aiesenhand und darunter die Worte:5ünf Finger hast dul Mit Liste 5 packst du den Feind." Oder ein Dutzend feuerspeiende Gewehrrohre schie-

Bericht unserer E. K.-Conderkorrespondentin der bolschewistischen Politik, dem Mangel. Ich bin durch ^aimt- und Nebenstraßen gegangen, um mir die Läden anzusehen. SS gibt nichts zu kaufen. DaS Gefchäft-v,ertel ist tot. Tau­sende von Läden sind leer. Die Schaufenster sind zerbrochen und grau. 3n den prächtigen Äauf- Ogllen. in der Passage, m den Warenhäusern gähnt einen Leere an Wo in den Schaufenstern etwa- zu sehen ist, sind es Daumwollstosse oder Hau-w:rtschaftSgegenstände oder Broschüren deS StaatSverlagS oder Propagandaplakate Aller Handel ist verstaatlicht, vertrustet. Privater Han­del führt nur in der Form des Schleichhandels und in Form eines armseligen StrahenhandelS mit Obst und Gemüse sein Dasein.

Drotmangel, Fle.schmangel. Ledermangei. Fett­mangel. Seisenmangel.. Wo eS Drot gibt, stehen die Menschen an. Nur wer ein Le - benSmittelhest hat, bekommt 03rot, und LebenSmittelheste haben nur die Arbeiter. Denn .wer nicht arbeitet, soll nicht essen", steht an der kommunistischen Akademie Wer aber keine Arbeit bekommt, wie die Paria­der jetzigen Gesellschaft, die früheren DouraeoiS, der muß daS zum Leben Notwendige mit Lebens­gefahr im Schleichhandel verschaffen oder verhungern Der Fleischhandel ist katastrophal infolge der überstürzten Kollektivierungspolitik der Landwirtschaft. Die Dauern haben ihr Vieh massenhaft abgeschlachtet, und nun gibt eS fein Fleisch, kein Leder. Daher auch keine Schuhe Mit den Schuhen ist es wie mit den Fahrkarten. ®rft steht man nach DonS an, und wer eine

Oie Gießener Gaswoche.

Am Mittwochabend wurde im Saale deS ®af< die Siebener Gaswoche ertffneL Die Mitglieder der Giesiener GaSvereinigung haben in verständnisvoller Zusammenarbeit und mit guter Raumausnützung in dem Saale deS 6a1d Leib eine interessante Ausstellung koch- wissenschaftlicher Art ausgebaut, die in übersichtlicher Gliederung und reichhaltiger Aus­stattung einen umfassenden Ucberbhd über tue neuzeitlichen Apparate und Einrichtungen auf dem Gebiete der GaSverwendung ermöglicht. In einer Anzahl Kojen auf der einen Seite deS SaaleS kann man die Verwendung deS GaleS in der kleinen und der mittleren Küche, wie au* in der Wohnküche und der großen Küche br> gestellt sehen Hier wurden die bekannten Gas­kocher und Gasherde mit Drat- und 03adösen aulgebaut und durch neuzeitliche, mit allen Sicherheit-- und Regulierorganen auSgestattets GaSgeräte ergänzt. Weiter bemerkt man eine Anzahl Warmwafferapparate. die den verschie­denartigsten Verhältnissen angepaßt sind. Das­selbe ist von den Bad- und Walchanlagen, den Warmwasserapparaten und den Walchkesseln zu sagen 3n einer Okische vor der Dühne bemerkt man eine ga-beheizte Zentralwarmwasserheizung. die in Dietzen neuartig ist und wohl die idealste Lotung einer modernen Heizung und Warm- wasseranlage darstellt. Aus der Bühne ist u. a. eine ®a#gerätef<f au auf gebaut ferner befindet sich

Gewinn-Nummer hat. steht dann nach Schuhen an, die ein Drittel deS ArbeitsmonatSlohnS kosten sollen. Anstehen überall, auch nach 3flarcttcn. Nicht anstellen, heitzt verzichten.

DaS Leid des Leben- weht hier wie der Wmd über alle hin, die da stehen und sitzen, stunden­lang, Olächte hindurch Menschenschlangen in allen Stadtteilen, im Regen, im Son­nenschein. Nervenkraft und Zeit haben keinen Wert. Ist eS auS Angst vor Bespitzelung, daß niemand schimpst? Oder ist da- 03olt da- ruhige geduldige Ertragen gewohnt? Man muh an die großen russischen Dichter denken Aber der Kreuz- träger sind mehr geworden seit jener Zeit.

Die Führerin lenkt ab. wenn man nach den Anstehenden fragt. .DaS ist nur vorübergehend Wir müssen eine Weile hungern und darben, damit c- uns später besser geht." Aber sie bekommt ihr Essen mit den Fremden im Hotel Ihr Mann ist in einer Staatsstellung. Sie trägt elegante Schuhe und ist gut angezogen, und sie war zur Erholung im Kaukasus Aber sie ist eine Fanatikerin für den Kommuni-muS. .Der einzelne ist arm. aber die Gesamtheit wird reich sein" sagt die Führerin. Sie ist eine hübsche Person, ihre Augen glänzen vom Feuer der De- geifterung. Sie konjugiert alle Derben im Futur. Wie die Machthaber der Partei, lebt sie in ZukunstSplänen und - Zahlen. Und so verdient sie. in die Partei ausgenommen au wer­den. was gar nicht so einfach ist, wie sie unS erzählt, und wozu Paten und Karenzzeit ge­hören. aber als Lohn winkt die Macht.

tzen den als Mensch verkleideten Sparpsennig lot. Aus einem sehr wirksamen Plakat sitzt ein bluttriesender Nabe auf einer Kanone, daneben aber eine kleine weitze Taube mit einem Ocl- zweig, die gern den Frieden bringen möchte. Sehr luftig wirkt ein Dild mit einem Dauern, der die Parteifahne schwenkt und als Fahnenstange einen ungeheuren Blumenkohlstrunk benutzt.

Einmal sieht man einen adernden Landmann, der am Pflug von harter Faust niedergeschlagen wird. 3IIuftnert ist das Plakat durch den Satz: .Fällt der Dauer, stürzt der Staat." Die Eng­länder haben immer sehr originelle Ideen. An­der Fülle des Materials fällt ein Plakat auf, daS mehrere Parteien als Heine Duden angezogen, auf Stühlchen zeigt, wo sie aus einem gemein­samen Topf, welcher .Praktische Politik' enthält, Seifenblasen in die Luft stoßen AuS den Spezial­gebieten sei ein belgisches Plakat erwähnt, auf welchem eine elegante und eine sehr einfach gekleidete Mutter ihre Kinder in die Einheits­schule bringen, wo die Lehrerin verspricht, dah alle Kinder gleich gut behandelt werden sollen. Sehr wirksam auf die große Masse sind stet- Motive wie diese: Gin Arbeiter hat seine Spar­groschen in einen Deldschranf getragen, aber während er diesen befriedigt zuschließt, stehlen ihm ein paar elegante Herren in Gehpelz und Zylinder aus der Rückwand deS Schrankes seine Ersparnisse. Ein ähnliches Motiv behandelt ein holländisches Plakat. Ein deutsches Plakat der letzten Reichstagswahlen war sehr lustig. Aus einem Kriegsschiss steht Hermann Müller als Matrose, mit Hornbrille und einem kleinen Mütz­chen. Der Text lautete: .Auf dem neuen Panzer­kreuzer wird Hermann Müller Oberheizer." Tat­sächlich ist er dann zwar nicht Oberheizer, aber - Reichskanzler geworden.

III.

3m roten Moskau.

DaS ist Moskau, ein grauet, untnb licheS Meer der Hoff nungSlofigketl. DaS Rad der Oteoolution ist mit Druck, Slend und Schrecken über die sozialen Schichten hin- gegangen und die Walze de- Dollchewi-muS hat alle Unebenheiten glatt gerollt. Alle müssen da- sein, waS die herrschende Kommunisten- faste benft. Jede soziale Abstufung fehlt im Aeußern E S gibt nur noch Proleta­rier Da- Dürgertum ist nicht mehr vorhanden. Eleganz. Mode, unbekannte Worte Frauen und Mädchen tragen rote und weiße Kopftücher, sehr kurze Rod«. Dlufen au- zerknittertem 03aum- wollstoff. den der Staat verkauft, 03aft» und Stoffschuhe oder auS früherer 3cit hohe Schnür­stiefel. Am besten sehen noch die Männer au-, wenn sie schwarze ober weiße Russenblusen tra­gen. Nur durch ein Abzeichen an der Mütze sind Techniker und Ingenieure von den Ar­beitern unterschieden.

Viele Halbwüchsige sieht man die roten Schlipse der .Pioniere" tragen, der organisierten, der kommunistischen Jugend Dis zum zehnten Jahre heißen sie .O k t o b e r k i n d e r", dann werden sie Pioniere, und im Alter, wo unsere Mädchen mit Puppen spielen, lernen sie mit den Jungen schießen und Maschinengewehre bedienen. Man sieht jetzt keine Herden von verwahrlosten Kin­dern in Mo-kau. die sich, wie mir ein Herr erzählte, der eS erlebt hat, aus die Fremden stürzen und ihnen entreißen, was sie bekommen Wimen. Si« sind im Sommer nach dem südlichen Rußland gezogen, und viele sollen erschossen wor­den sein DaS find die .Djespersonä", die Un- beaussichtigten. die immer wieder aus den Hei­men für verwahrloste Kinder entfliehen.

Menschliche- greift erschütternd ans Herz, wenn man die Twerskaja im Menschengewühl entlang­gebt. Abgehärmte alte Frauen in jämmerlich -usammengefuchten Kleidern verkaufen Zeitungen. Man sieht sehr junge Mütter mit Kindern auf dem Arm. Niemand weicht auf dem Bürger­steige au», den die Arbeiter in zaristischen Zeiten nicht betreten dursten. SS ist. alS wollten sie sich nun dasür schadlos halten. Niemand steht in der überfüllten Elektrischen vor alten Leuten auf Man steigt hinten ein und muß fich durch den ganzen Wagen drängeln, um vom aus­zusteigen. Die Wagenführer find häufig Frauen. Sie sitzen. Auch die Weichenstellerinnen sitzen aus der Straße, im dichtesten Gewühl, da- sich ohne Verkehrsschuhmann entwirren muß. Hier sausen nicht Personenauto-, sondern Lastauto- und Autobusse wie 03efef|ene durch die Straßen. In feiner Großstadt Europa- sieht man so viele Fußgänger über die Fahrbahn rennen.

Durch da- Weiße Tor zwischen Sowjethau- und Historischem Museum sehe ich von meinem Hotelzimmer einen ununterbrochenen Strom von Menschen fluten. WaS ist loS? Nichts Deson- dereS. SS ist immer so. Da die Arbeitszeit aus sieben Stunden verkürzt ist, und in Schichten ?«arbeitet wird, haben immer Arbeiter frei. Ind da nach der Fünstage-Woche jeden Tag für ein Fünftel der Devölkerung Sonntag ist. so sind immer Feiernde unterwegs nach irgendeinem un­bekannten Ziel. Aber eS ist ein freudloses Ziel, denn die Gesichter sind ohne Erwartung. GS gibt nicht» zum Freuen, wenn der Magen leer ist. Moskau ist die Stadt ohneKeep stniling.

teere toben in Moskau.

Handelnde und Mißhandelte, Kommunisten und .Parteilose" leiden gleicherweise unter der Folge

DasGesicht -er Wahlen

Was man aus den Wahlplakaten herauslesen kann.

Taten für Lamstag, 3V. August.

Sonnenaufgang 5.08 Uhr, Sonnenuntergang 18.53 Uhr. Mondaufgang 13.34 Uhr, Mond­untergang 21.18 Uhr.

526: der Ostgotenkönig Theoderich der Große in Ravenna gestorben: 1856: der Nordpol­fahrer John Roß in London gestorben: 1924: Londoner Abkommen über den Dawes-Plan.

dann gewinnt man die lleber- xeugung. daß im Grunde nichts unversucht ge­lassen wird, um auf die große Masfe der Wähler einzuwirken Und zwar geben sich die verschie­denen Parteien aller Länder nicht viel nach. Da findet man03. ein englisches Plakat, aus dem fünf Männer ihre in die Länge gezoge­nen Olafen in der Mitte zufammensteden. um an den Etagen eines Hause- zu riechen, wo daS beste Elfen gekocht wird, das heißt, welche Partei ihnen am meisten verspricht. Die Ehinesen haben den Werdegang eines Menschen in zehn Bildern dargestellt, um zu beweisen, daß nur eine Partei den Menschen glücklich zu machen im­stande ist. Frankreich besitzt sehr gute Zeich­ner Dementsprechend sind auch die meisten Pla­kate. Glänzend eins, wo ein Degenfechter zwei ©egner (andere Parteienj glatt zusammenschlägt und wo ein Fußballspieler trotz Gegenwehr ein unhaltbare- Tor schießt. Natürlich fehlt auch das Dild nicht, auf dem ein an einen Felsen ge­schmiedeter Mann seine Fesseln sprengt. Frank­reich alS die Nation der Rentner, operiert natür­lich bei jeder Wahl mit dem Sparpsennig. Auch aus einem Plakat schleppt eine Mutter (La

Schau neuzeitlicher GaS- und Küchengeräte für den wirtschaftlich geführten HauSbalt in Augen­schein nehmen. Die GaSgeräte sind an die Gas­leitung sest angeschlossen und können Infolgebeffen im Detrieb vorgeführt werden. Die Ausstellung kann während der GaSwoche täglich von 10 Olhr an besichtigt werden.

In Verbindung mit der Eröffnung der Aus­stellung fand am Mittwoch ein gutbesuchter HauSsrauenadend statt, den der Vor­sitzende der Gießener GaSvereinigung Dr. G o e - r e - mit begrüßenden Worten einleitete. Hierauf sprach Diplomingenieur Winterberg von der Organisation .Gasverbrauch" in 'Berlin in all­gemeinverständlicher Form über da- Vas als un­entbehrlich« Energieguelle in Küche und Haus­halt. Sodann hielt Frau Dr. K o e p p e von der Gießener Haussrauenberatung einen interessan­ten Demonstration-vortrag über Neues vom alt­bekannten Ginmachen, bei dem die verschieden­artigsten Methoden deS DinmachenS und Sterili­sierens praktisch vorgesührt wurden Kostproben der eingemachten Gerichte konnten den De- suchem zurBeurteilung überreicht werden. Mit Dankesworten des Vorsitzenden an die Damen der Haussrauenberatung und die zahlreichen Hel­ferinnen bei der Zubereitung deS GinkochguteS fand der interessante Abend seinen Abschluß.

Am gestrigen Donnerstagabend sprach nach Degrüßungsworten durch einen Vertreter de- hicsigen Gaswerks Diplomingenieur Winter- b e r g vor hiesigen Metzgermeistem über die Verwendung deS Gase« im Metzgereigewerbe, wobei mehrere Filme die rationelle Gasanwen- bung auf diesem Gebiete erläuterten. Die zahl­reichen Besucher des gestrigen AbendS, wie auch während deS Tage- nahmen die Ausstellung mit großem Interesse in Augenschein.

päischer Wissenschaft aufs neue bis in die fernsten Erdteile getragen hat, dem aber bisher jede öffent- liche Auszeichnung versagt geblieben ist Dr. Land- mann verlas bann den Text der Widmungsurkunde und schloß mit dem Bedauern, die ehrwürdige Ge­stalt des großen Gelehrten nicht in der Mitte der Festgäste begrüßen zu können. Er bat die Tochter Vjreubs, bie Grüße unb Glückwünsche ber Stabt Frankfurt in die österreichische Heimat mitzunehmen.

Hieraus verlas die Tochter Freuds eine Rede ihres Vaters, in der es zu Beginn heißt- Meine Lebensarbeit war auf ein einziges Ziel eingestellt: Ich beobachtete die feineren Störungen der seeli­schen Leistung bei Gesunden und Kranken und wollte aus solchen Anzeichen folgern, wie der Apparat ge­baut ist, der diesen Leistungen bient unb welche Kräfte in ihm zusammen, und gegeneinander mit­ten. Was wir auf diesem Wege lernen konnten, er­schien bedeutsam für den Ausbau einer Seelenkunde, die normale wie pathologische Vorgänge als Teile des nämlichen natürlichen Geschehens verstehen läßt. Freud feiert sodann in seiner weiteren Rede Goethe als Dichter und Mensch und seine Freuds Beziehungen als Psychoanalytiker zu Goethe und seinem frühen psychoanalytischen Ver­ständnis. Die Feier wurde von musikalischen Vor­trägen eingeleitet und würdig abgeschlossen.

von den zahlreichen Werken Freuds, der am 6. Mai 1856 zu Freiberg in Mähren geboren ist und seit 1902 als Professor in Wien wirkt, seien hier nur genannt:Studien über Hysterie" (mit Breuer):Die Traumdeutung" (5. Ausl 1919):Zur Psychopathologie des Alltagslebens" (10 Aufl. 1924): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse": Der Witz und seine Beziehungen zum Unbewuß­ten":Totem und Tabu":Das Ich und das Es": 3ur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung". Eine eisbändige Gesamtausgabe erschien 1924 25

Hochfchulnachk-ichten.

Ernannt wurde der a. o. Professor Dr. Oskar Gan - in Heidelberg zum ordentlichen Pro­fessor der Haut- und Geschlechtskrankheiten an der Universität F r a n k s u r t al- Nachfolger von Geheimrat K. Herrheimer. Seine Arbeiten betreffen besonder- pathologische Histologie bzw. pathologische Physiologie der Haut. Der Or­dinarius des Maschinenbaues an der Technischen Hochschule in Darmstadt, Dr.-Ing. Enno Heidebrvek hat einen Ruf art die Technische Hochschule in Dresden erhalten. Dr. Heide­brvek war zunächst Assistent bei Geheimrat Ernst Reichel an der Berliner Technischer Hochschule, wirkte später als Oberingenieur in Halle und folgte einem BCj) SflDUlLubL _

Uraufführung in Bad Homburg.

Wilhelm Lichtenberg:Leine Majestät das Publikum" ,

Piranbello auf wienerisch oder, so ist bas Leben wirklich unb zwar mit gutem Ausgang, mit einem happy end, bas der Autor noch knapp vor dem letzten Vorhang ironisiert, aber schließlich be- ßnben wir uns ja hoch wohl im Lustspiel, obgleich Lichtenbe r g die etwas verschämte Formulierung Das Thema Liebe, Ehe, Scheibung in 3 Akten (5 Bildern)" vorgezogen hat

Alfo bas ist so: ber junge Herr hat ein Stück geschrieben (über bieses Thema hat seinerzeit ber große Dramaturg Kahane in unserem Programm­heft entzückende Glossen gemacht) Unb zwar ein Stürf mit Liebe unb Perlenbiebstahl Die gnäbige Frau Baronin, vom Autor angeschwärmt, findet es nicht befonbers; bas Leben nämlich spiele ganz anders als bas Theater. Wollen wir s mal pro­bieren? Los! Vier Partner, zwei Paare übers Kreuz: anbers ist ja heutzutage offenbar bas Thema Liebe nicht mehr zu behandeln Erstes Paar: bie Baronin unb ber Dichter: zweites Paar: bie Schau- spielerin und der Baron. Licht aus! Hinterbühne! Piranbello!

Drei Akte lang: |o ist bas Leben in Wirklichkeit. Eine Halsbanbgeschichte unb ein Liebesquartett. Die Baronin fingiert ben Diebstahl eines ber Schauspie­lerin geschenkten Kolliers. Also Piranbello mit einem Schuß Wallace, bemerkenswerter Fall von Klepto­manie. (Die Baronin hat's ja wirklich nicht nötig.) Aber sie kämpft mit biefem Trick um ihren Mann, der ber Schauspielerin zu verfallen droht Unb ob­wohl sie selbst schon zur romantischen Flucht mit dem jungen Herrn bereit scheint, erobert sie sich erst das Mitleid und bann die Liebe ihres Gemahls zurück

Nicht nur, daß der Baron den (angeblichem Diebstahl kameradschaftlich auf sich nimmt, wozu schon der junge Autor ritterlich bereit war, nein: als seine Frau mit dem Jungen fliehen will, stellt er sich ihrren in den Weg und schießt sogar, da alle Beschwörung versagt, einen veritablen unb reißerisch knallenden Revolver- schuß auf den blonden Romeo ab.

Das ist geschickt etngefäbell unb auf gebaut, das hat eine (primitive) Spannung unb bringt em paar nette, trockene Bonmots in einem sonst recht hgrwlofen, wiLtoohI DulloL

Daß die Schauspielerin, deren erpresserische Drohung mit einem faltigen Skandal mißlingt, zuletzt nicht nur da- verlorene Halsband toicber- friegt, sondern noch drei andere dazu (ein- von der Baronin, ein- vom Baron, eins vom jungen Herrn) ist schon nicht mehr Lustspiel, sondern Posse und kennzeichnet bie soziale Sphäre, in ber Lichtenberg- wirkliches Leben sich bewegt. (Gelb haben bte Leute - bei den Zeiten, na!)

Nachspiel: e- war ja aottseidank alle- gar nicht wahr. Gs war doch nur Theater. Der große italienische Illusionist und Kulissenzauberer hat Schule gemacht. Alsdann, glückliches Ende. Triumph der halbwegs vollkommenen Ehe ohne Van de Velde. Man ist wieder verheiratet.

DaS Nachspiel ist zugleich nach neuestem Muster ein Lehrstück. Nutzanwendung und schöne Moral: das Leben schreibt feine Lustspiele (Die Dichter leider auch nur selten.) Das Leben schreibt hingegen ganz kitschige Tragödien Und wer entscheidet über den OBert des Stücke-? Die Kritik am andern Morgen? Bewahre Deine Majestät das Publitum? Gottbehüte. Sondern der Theaterkassierer. Deprimierende« Endergeb­nis eines unterhaltsamen Abends. Schade, daß Lichtenberg dasür kein besserer Titel eingefallen ist E- ist, unseres Wissens, lange genug dar­über gegrübelt worden.

Die Aussührung war vom neuen Spielleiter Walter Bäuerle geschickt inszeniert, sie bekam nach dem etwas spröden Voripiel schnell Füh­lung mit dem Publitum, Tempo, Pointierung unb Handseste Theatralik. die denn auch prompt chre Wirkung tat und den Ersolg der Premiere entschied.

Jochen Hauer (Freiherr Silenius) erwieS feine vielseitige Verwendbarkeit im Ensemble mit auter wienerischer Konversation im modernen Kammerspiel, gab der Gestalt mehr Umriß und Farbe, als sie von Haus aus zu haben scheint. Sehr sicher geschmeidig und gepflegt gab Maria Koch (Baronin) eine dieser Salonrollen, bie ihr vorzüglich liegen. Aus ber weniger vornehmen als temperamentvollen Partie der Diva holte Marianne Mewes das Möglichste heraus. Wesener machte recht artig den etwas harmlos und stiefmütterlich behandelten jungen Herrn, der ein Stück geschrieben hat.

Schwacher Besuch. Freundlicher Erfolg. Heiter Adevd. Lichtenberg barj -utriedeu Im hÜL _

Frankfurier Goeihepreis für Gigmund Freud.

Das Kuratorium für den Goethepreis der Stadt Frankfurt a. M. hat den Goethepreis für 1930 an Professor Dr. Sigmund Freud in Wien, den berühmten Nervenarzt unb Psychoanaly­tiker, verliehen. In einer schlichten Feier im Goethehaus an Goethes Geburtstag fanb die seier- liche Bekanntgabe des Preisträgers und die lleber- reichung der Derleihungsurkunde statt Der dies­

jährige Preisträger Prosesior Dr. Sigmund Freud war leider wegen Krankheit am Erscheinen verhin­dert und hatte daher an Oberbürgermeister Dr. Landmann als den Vorsitzenden des Goethe- preis-Äuratoriums ein entsprechendes Schreiben ge­richtet An seiner Stelle war seine Tochter Anna bei der Feier anwesend.

Bei der lleberreichung der Verleihungsurkunde feierte Oberbürgermeister Dr. L a n d m o n n in einer kurzen Ansprache die Verdienste Freuds, besten Derk den Zeitgeist mitbeftimmt hat, wie es nur wenigen Lebcnben zugeschrieben werden kann. Dem Kuratorium sei es in diesem Jahre schwer gefallen, wiederum auf die Wahl eines Dichters zu verzichten' Seine Erwägungen kamen aber zu dem Ergebnis, daß die inneren Beziehungen Sigmund Freuds zu Goethe immer deutlicher zutage treten. Darum wurde Freud der Preis verliehen, um sein G e (amtwerf hervorzuheben, das Werk eines Man- nes, der heute als Forscher wie als Denker vor tinem Werk« steht, bas ben Ruh« btuxü&L iiufl«