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Montag, 3t. März 1930

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

Ur.76 Zweites Blatt

Em Phänomen im Gießener Stadtwald

Winter 1928,29 durch die einen Meter Dicke Erdschicht den Schnee zu schmelzen. 3m Früh­jahr bewirkte die Wärme ein schnelles und üppiges Wachstum, während sie in dem trocke­nen vorigen So nmer dem Boden die Feuchtig­keit entzog und die Pflanzen dadurch ver-

Die Zermürbungssch acht im Hessischen Finanzausschuss

Don Or. Otto Keller, Dberflubienbiretfor in Büdingen, M d. L

Man wird dem 1. Ausschuß unseres Land- tagcs das Zeugnis lobenswerten Fleißes nicht wohl versagen können. Seit dem 20. Februar bemüht er sich unausgesetzt, der Schwierigkeiten Herr zu werden, die sich einer Ausbalan­cierung unserer LandeSsinanz e n ent- gcgcnstellen, und hat wider allen Brauch seine Arbeit sogar schon aujgenommen, ehe noch der gedruckte Staatsvoranschiag in den Händen der Mitglieder war Bis zum Ende des Marz hat er trotzdem er st knapp zwei Drittel der umfangreichen Materie in erster Lesung bewal- tigen können und wird an die zweite schwerlich vor dem Osterfeste kommen, zumal ,zwischen den Schlachten" gewöhnlich zunächst eine General­bereinigung großer und k einer Zwistiglltten zwi­schen Regierung und Rcgicrungspartci.n einer- seits, aber auch zwischen den letzteren selbst anderseits im verschwiegenen Kämmerlein statt­zufinden pflegt. Es dürfte also Mai werden, ehe der Landtag sich mit dem Boranschlag für 1930 zu befassen hat, und bis zur Berabschie- düng wird der Sommer vor der Tür stehen oder vielleicht auch schon die Zeit der Hunds­tage. Borläusig hat sich daher unsere Regierung eine Erstreckung des Finanzgcsehes von 1929 aus drei Monate am letzten Freitag genehmigen lassen und kann so mit dem alten Mahlgange wcitermahlen. bis der neue sein erstes Mehl liefert.

Roch steht eine Beratung der Ministerien für Arbeit und Wirtschaft, für Justiz und für Fr- nanzen aus. dazu auch die der Steuerkapitel. Trotzdem zeichnet sich heute schon deutlich die Linie ab, mit der unsere Mehrheitsparteien künftig Ausgaben und Einnahmen des Hessen­landes zu begrenzen gedenken, und so mag es einem, der nicht zur verantwortlichen Firma ge­hört und deshalb auch keinen Grund hat, jeden Rcgicrungsvorschlag als der Wahrheit letzten Schluß anzusehen, erlaubt sein, schon dem un­fertigen Werke gegenüber seine Meinung zu äußern.

Da wär edcnn demnächst ein Doppeltes festzu- ftcllen: es ist unverkennbar, freilich auch nur zu begreiflich, daß eine der Koalitionsparteien, die demokratische, nur mit äußerstem Widerstreben an einemSparprogramm" mit- arbeitet, das überall dort zu schmerzlichsten Ab­strichen zwingt, wo der demokratische Finanz­minister Henrich einst mit vollen Händen ge­spendet hatte. - man denke nur an die Schule, äänd nicht weniger begreiflich ist es. wenn plötz­lich bei der gleichen Aktion der Weimarer Trias ein Heiser ersteht, von dem sie sich früher nicht träumen ließ, den sie aber auch schamhaft ver­leugnet hätte den Landbund unter Führung des bienenfleißigen, indes nicht immer bequemen Dr. LeuchtgenS. den vor nicht allzulanger Zeit noch die Sozialdemokratie höchst unfreundlich als iistgabclbolschewisten" abzutun Pf egte, obg'eich er nie in seinem Leben jenes wichtige landwirt­schaftliche Gerät, wohl aber die Waffen des 3ugendcrzichers beruflich gehandhabt hat. Jedoch sparen ist nun einmal seine Leidenschaft, und nun er der Regierung aus gleichem Wege begegnet, bildet sich ungezwungen eine 3n ter- essengemeinschaft, die sicher bis zu dem Augenblicke hält, in dem das bekannte Schiller-, wort vom ..Mohr, der seine Arbeit getan hat wieder zeitgemäß wird. Vorläufig freilich fuhrt dieses .Stühlchen vertauschen" gel gentlich zu merkwürdigen M.hrheitsbildungcn. die für alle Teile gleich beachtsam sind, und denen wenig­stens die eine Seite ohne Zweifel auch mehr als Augenblicksbedcutung beil'gt.

Run aber das rein Sachliche! Es dürfte sich an dieser Stelle erübrigen, daran zu erinnern, vaß der Finanzminister in der Zwickmühle zwischen Fehlbetrag im hessischen Staats'aus-

Astronomische Briefmarten ($ine Sammlerplauderei von M. Bi'ttner. Sonne, Mond und Sterne - auf der Brief- marke? Mancher w.rd geneigt sein, Frage­zeichen zuzustimmen und dieses unwahrscheinliche Bündnis zwischen Post und Himmelskundc ;u bezweifeln. Er hätte dann aber die allseitig un- begrenzte Flugweite der men chl.ch-posta.ischen Phantasie unterschätzt. Wie von so mancher an- deren Er cheinung des Kosmos ist auf den klei­nen Hilfswerkzeugen des Verkehrs, den Brief­marken auch ein Abglanz jener leuchtenden Ge° heimni se über unseren Häuptern zu finden.

Die Gestirne, die ein aufmerk ames Auge auch ohne Fernrohr auf Postwertzeichen entdecken kann, haben vielfach symbolische Ausgabey <vu er- füllen So ist die Sonne, die auf den Bries' marken vieler Länder scheint, oft ein Sinnbi.d der politi chen Freiheit. 3n dieser Eigenschaft findet sie sich besonders häufig auf den Marlen der seit dem Kriege neuerstandenen oder umge­wandelten Staaten, wie Lettland. Polen, ^.chccho- llowakei, Rußland. Türkei usw. Vei Litauen sieht man die Sonne hinter Ruinen ausgehen. Die Arbeit der Säerin beleuchtet sie seit Jahren in Frankreich, die des Sämannes in Argen­tinien. Aus dem Meere steigt die Friedcnssonne von Honduras auf. ähn.ich wie aberma.s in Ar­gentinien dessen Marken auch Sonnenöilder a.s Wa serzeichen tragen. Anderswo wieder gehl sie hl: ter Bergen aus, wie in Bulgarien oder im west nd chen Dominica Wappensonnen mit men ch ichcm Antlitz blicken uns von Briefmarken Perliens. Ekuadors. Uruguays und anderer Län­der an. Besonders freundlich lächelnd strahlt sie auf älteren Postwertzeichen von Peru. Bon 3ta- lien und Britllch-Ostafrika her kennt der Samm­ler sogar eine gekrönte Sonne, ein noch größeres Raturwunder von Marten des indischen Klein­staates Jaipur: den von einem siebenköpfigen Pferd gezogenen sagenhaften Sonnenwagen, auf dem mit gekreuzten Beinen der vierarmige Son­nengott Surja sitzt!

Auch der gute Mond gehl ,.|o stille durch das Markenalbum hin. Als langjähriger Be.euch- tungskörper des türkischen Wappens taucht er natürlich in erster Linie auf den meisten Brief- marken der Türkei auf, gewöhnlich von einem

womit dann eine neue Planetenart entdeckt wäre!

3m Markenwappen von Mauritius glänzt ein mit stattlichem Schweif ausgerüsteter Komet. Stellaland, ein südafrikanisches Staatswesen von kometenhaft kurzer LebensDauer, hatte sogar seinen Ramen von den «Sternen abgeleitet und mit ihnen auch seine 1884 erschienenen sechs Post- marken geschmückt.

Sehr häufig sind Gestirne lediglich aus dekora­tiven Gründen ins Markenbild geraten, wie bei­spielsweise früher auf bayerischen Dienstmarken, bei Bolivien, Samoa usw. Oder man kann aus Postwertzeichen von Lettland, Liberia. Costa Rica, Chile, den Vereinigten Staaten und vielen an- deren die Verwandtschaft der darqcstellten Sterne mit dem Landeswappen aufspü.en. Zu einem symbolischen Stern blickte die weibliche Gestalt auf den deutschen Wohlfahrtsmarken von 1922 auf Besonders gut ausgewachsene Exemplare bilden bei Hawaii, Salvador und Paraguay den vorherrschenden Mittelpunkt der Mark.nzeichnung.

Der sünfstrahlige politische Sowjetstern ging feit 1921 natürlich auf vielen Postwertzeichen Rußlands auf, merkwürdigerweise übrigens auch schon 1913 zu Häupten des Zaren Paul I. inner- halb der > Romanow-3ubiläumsausgabel Aber­gläubische Gemüter, die Kometen oder anderen seltenen Raturerscheinungen prophetische Eigen­schaften zuschreiben, könnten hier in ihrer Mei­nung bestärkt werden. Auch in den transkauka­sischen Republiken Armenien. Georgien usw.. die bald nach dem Zerfall des Zarenreiches ent­standen waren, trieb der Sowjetplanet fein poli­tisches Spiel und ist oft genug auf damaligen Postmarken - sei es halbversteckt in Ornamenten, sei es als Aufdruck auf Wertzeichen der früheren Staatsform als problema tisch es Sinnbild einer neuen Zeit anzutreffen. Auf den Marken der kurzlebigen ungarischen Räterepublik von 1919 erschien ebenfalls vorübergehend der Sowjetstern, um nach wenigen Wochen wieder zu erlöschen. Als besonders hübsch seien noch die älteren Marken der Schweiz erwähnt, auf denen ein Kranz von 22 Sternen die politische Gliederung des Landes in die verschiedenen Kantone an­deutete. ,

Während bei den bisher gegebenen Beispielen die durchaus nicht vollständig sein sollen - die Gestirne sozusagen getrennt marschierten, fin­det sich schließlich in einigen Markenbildern sogar die ganze astronomische Familie, Sonne, Mond

Stern getreulich begleitet. Das später bulgarische I Ostrumelien wurde von 18801886 po.itisch und I philakelistttch ebenfalls vom türkischen Halbmond | beherrscht. Portugal, das sich in allen Zeiten oft mit ungebetenen mohammedanischen Gästen her» um'chlagen mußte, verausgabte 1927 Marken mit der Darstellung eines Kampfes gegen Mauren. auf Fahne und Sch ld der Feinde sind winzige Halbmonde und Sterne zu bemerken. 3n Afrika selbst begegnet man ihnen bei Tunis und Aegyp­ten (wo Mond und Sterne auch als Wa ser­zeichen erscheinen), in Asien bei kleinen ost.ndl- 'chen Postgebieten, w.e Pahang, Perak und Se- langor. Für viele Marken Ungarns hat merk­würdigerweise die Sichel des Halbmondes als Randverzierung herhalten müssen. 3m, Wappen von Salvador und damit auf vielen seiner Postwertzeichen - umkreisen Mond und Sterne einen feuerspeienden Berg.

Auf die Frage des Volksliedes., wieviel S t e r n l e i n am Himmelszelt stehen, müßte man wie in der Ratur auch in der Philatelie Die Antwort schuldig bleibe i 3hre große Zahl ist bisher von keiner Statist.! leiden, naftlich-gründ- licher Sammler erfaßt worden. Sozusagen ein Sternbild in Reinkultur hat Brasilien auf meh reren seiner Briefmarken wieder gegeben: das sogenannte Kreuz des Südens. Ein richtiges Stückchen Sternenhimmel flimmert auf Marken der früheren englischen Postgebiete Viktoria und Westaustralien Besonders poetisch wirkt auf Den Luftpostmarken Uruguays von 1929 der reich gestirnte Himmel, an dem das Mu.enroß Pega­sus zwischen Wolken dahinstürmt. Eine Art klas- ischer Astronomie kann man bei Griechenland treiben zu den Olympischen Spielen von 1906 erschienen dort Marken mit der Szene wie Her­kules mal für ein Viertelstündchen den Atlas beim Tragen des Himmelsgewölbes abgelost hat, auf dem hier in drollig naiver Darstellung Mond und Sterne zu sehen sind! Ein ©icben- gestirn schimmert auf den deutschen Wohltatig- keitsmarken von 1926 als Wappen von Thürin­gen, in ähnliche" Weise wie die Sterngruppen ?e- Kantone Wcllis und Aa.gau a.s denShwcr »er Wappenmarken, die ihrer bunten Schönheit wegen in der Sammlerwelt besonders beliebt sind. Auf Postwertzeichen von Fiume hat sich eine eitle Freiheitsgöttin mit einem öhrnreif gefchmückt, der einen großen Stern tragt man könnte also von einem Stirn-Stern sprechen,

Hochschulnachnchten.

Das wachsende 3nteresse für Serienreifen und für Ferienstudium in Deutschland findet einen wertvollen Ratgeber zur Ausgestaltung solcher Ferienpläne in der von der Zentrale für aka­demischen Auslanddienst, derDeutschen Aka­demischen Auslandstelle" herausgegedenen Schrift Ferienkurse in Deutschland 1 9 30", die die Programme sämtlicher Ferienkurse die­ses 3ahres enthält. Danach bietet Deutschland in diesem 3ahre mannigfachste Gelegenheit zum akademischen Studium in Sommerkursen. 3n 20 Städten (Darunter Gießen) finden 36 Ferien­kurse statt. Die Programme Der Kurse kommen den verschiedenen 3nteressen Der ausländischen Studierenden und Akademiker entgegen. Sie bie­ten in verschiedenen Städten ein ausgezeichnetes Programm zur Einführung in das geistige Le­ben des heutigen Deutschland. 3m Anhang dec Schrift werden kurze Hinweise für diejenigen ge­geben, die ihre akademischen Studien durch Auf­enthalt in einer deutschen Familie oder ihre Berufsstudien durch Volontärdienste in einem deutschen Betrieb ergänzen wollen. Ferner sind an dieser Stelle wertvolle Mitteilungen über Studienreisen nach Deutschland, Reisekosten und Reisewege Kongresse, Ausstellungen und Lite­ratur zum Studium in Deutschland gegeben.

3n Der Philosophischen Fakultät Der älniver- sität Marburg ist die Privatdozenttn für deutsche Philologie, Dr. Luise Berthold, zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor er­nannt worden. Frl. Professor Berthold ist Mit­arbeiterin an der Zentralstelle für den Sprach­atlas des Deutschen Reiches und deutsche Mund­artenforschung in Marburg.- 1916 bis 1923 war sie vorwiegend Assistentin am ..Hessen-Rassau- ischen Wörterbuch" in Marburg und erhielt ein I 3ahr später die venia legendi in der Marburger Philosophischen Fakultät.

halt und Spargutachten, in dem betrüben­den Zeitpunkt, wo bei wachsenden Ausgaben die Steuerüberweisungen zurückgehen, wäh­rend gleichzeitig die Hilfsquelle der Berliner Borschüsfe rettungslos rer iegt. zwar nicht einen organisch Durchgcarbeiteten Spar«llan, wogt aber einen Voranschlag zur Beratung gestellt hat, der mit sansten und unsanften Mitteln das 12- Millionen-Defizit (es kann auch ein Milliönchen mehr sein) um die Hälfte ver­mindern will. Die Rotwendigkeit dazu wird von keiner Seite bestritten: im Gegenteil! Die Opposition hat ja schon feit 3ahren für eine Aus­gaben- und Lastendeckung verzweifelt, nur immer erfolglos gekämpft. Die Meinungsverschieden­heiten beginnen erst bei Der Frage, w o der Hebel anzusehen sei, aber auch da ist wenigstens meinem Punkte eine überraschende 2 nnähc.ung eingetreten, auch Die Regierung erkennt heute an, was bei Dem Volksentscheid 1926 entschieden von ihr bestritten wurde, nämlich die Tatsache, daß der heslische Staat in den Brau e ahren der jungen Republik mehr und größe.reLa- sten sich aufgebürdet habe,als seinen Kräften entspricht. 3a, es ist gar nicht zu verkennen, daß inehr als ein Wink ver Ov-v- sition das neue Regierungsprogramm beeinfußt hat, das an allen möglichen Stellen Anläufe nimmt, voreilig von den Gemeinden her über­genommene Aufgaben diesen wieder zuzuschiebcn, freilich nur stückweise und ohne die unbe­dingt dafür notwendige Aenderung des inneren Lastenausgleiches. Kann deshalb gerade die Partei, die immer eine Zu­rückführung der neuen Staatserrungenschasten auf I die früheren Träger an sich gewünscht hat. Die | Deutsche Dolkspartei, Den Weg Der Regierung nicht ohne weiteres mitgehen, so erst recht nicht aus einem anderen Grunde, nämlich weil der Forderung einer Dezentralisation Der Verwaltungsaufgaben weder vom neuen Voranschlag, noch von Den Koalitionsparteien in irgendeiner Weise Rechnung getragen wird.

Die vom Finanzminister geplanten Maßregeln belasten die Provinzen, die Kreise, die Gemein­den. sie verlangen Einbußen schwerer und schwer­ster Art von breiten Schichten Der Bevölkerung wie von Gewerbe und Beamten, sie bedrohen mit Niedergang eine Anzahl von Städtchen, deren Aemter abgebaut werden sollen: sie bedeu­ten eine Gefährdung unserer verschiedensten Bil­dungsstätten, sie legen vielleicht mit ihrer Be- schränkung der Daudarlehen den Arbcitsmarkt noch mehr lahm, als es die Rot der Zeit ohne­hin getan hat, und wenn man ehrlich sein will, wird man zugestehen müssen, daß vieles, daß vielleicht das meiste von all dem gar nicht zu vermeiden sein wird, - aber eine V oraus- sehung muh dann gegeben fein, und Die ver­missen wir in vollem Umfange: daß nämlich d l e 3n stanz, die von anderen Opfer ver­langt, selber mit utem Beispieie vorangeht, und das wäre eben unsere Zentralverwaltung in Den Mini­st e r i e n.

Es hanDelt sich da vor allem um Die mora­lische Forderung, um das Dorangehen auf schwierigem Wege, wie es Den Führern geziemt, um das gute Beispiel! Es handelt sich zum zweiten auch um nicht unbeträchtliche E r - sparnismöglichkeiten; denn rund 300 Be- amte, darunter die mit Einzelgehalten und 70 hoch eingestufte Reseren:e . betreuen vom Bann­kreise des Darmstädter Luisenplahes aus das ..hessische Reich". Es geh. aber zum dritten - und das zu betonen, wollen wir nicht müde wer- den! Darum, daß zahllose Arbeiten von Der Zentrale auf anDere Stellen. Die lokalen, übertragen toerDen können. Die sie rascher, besser unD billiger zu erledigen im-

3n dem harten Winter 1'28'29 erzählte nur der GastwirtZur Krone" in Annerod von einer Stelle beim Gießener Steinbruch im Stadt- toalD zwischen Annerod und der ..Hohen Warte", die vollständig eis- und schnee­frei sei. Auf dem Heimweg nach Gießen sand ich diese Angaben bestätigt. Gin Platz von etwa 20 Meter Länge und 4 Meter Breite war ohne Cis und Schnee, eine merkwürdige, mir uner­klärliche Erscheinung. Wie im ganzen Walde, mußte auch hier hoher Schnee gelegen haben: er war aber nicht mehr da. 3m Frühjahr kam ich wieder dort vorbei, der Platz zeigte jetzt einen üppigeren Pflanzenwuchs als die Umgebung. Bei einem Besuche im vorigen Sommer war die Solche umgekehrt, der Platz sah wie v e t ö o r r t aus, während die Umgebung im sastigen Grün prangte. 3ch weihte nun meinen Freund und Wandergenossen M. in diese geheimnisvolle Erscheinung ein. der meinte, der Anneröder Aepselwein habe wohl bei diesen Feststellungen mitgewirkt.

Als der erste Schnee im letzten Winter fiel, ging M. mit mir dort hinaus. Wir hatten Gluck es schneite tüchtig. Während der Schnee überall liegen blieb, schmolz er auf Dem Platze sofort. Wir sahen uns an; hier war ein Rätsel, wenigstens für uns. Wir beschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen, und am nächsten Samstagnachmiltag rückten wir, mit einem Spa­ten bewaffnet, in den Wald hinaus. An Der tief­sten Stelle jenes rätselhaften Waldstückes, am Rande des Platzes, der außerdem den Vorteil hatte, daß er gut gegen Sicht deckte - totr wollten uns bei der wissenschaftlichen Unter- suchung nicht sehen lassen gruben wir em Loch von einem Meter Durchmesser. Der Anfang war schwer, Der Spaten ging kaum durch den Rasen. Aber je tiefer wir kamen, desto leichter war das Graben. Bei etwa 70 Zentimeter Tiefe fanden wir feinen Sand, so fein und so | trocken, daß Der größte Teil immer toieDer von Dem Spaten riefelte. Bei ungefähr einem Meter Tiefe stießen wir auf harten Stein. Den letzten SanD machte ich mit Den HänDen von dem Stein weg und stellte zu meiner nicht geringen Überraschung fest, daß Der Sand sowohl, als auch Der Stein sehr warm waren. Der aus Der Grube geworfene SanD kühlte langsam^ ab, Der silbergraue Stein ober ist es Metall, oder eine Verbindung von beiden, oder ein Me­teor - blieb gleichmäßig warm. 3eht sah ich klar: der Stein strahlte Wärme aus. die stark genug war. auch in dem strengen

tert. Denen Winisterialdirelloren unD -röte gleich sehr am Herzen liegen wie Der letzte ^jyTtcrial- amtsgehille. Ärckänuer, Forstämter und Amts­gerichte werden über die Klinge springen muffen, 20o Voltsfchulllasfen werden abgeaaut. und Otu- Dknaffefforcn von über' 30 Jahren fliegen auf die Straße; Untcrbcamte mit halb erwachsenen Kindern werden über Rächt ihrer nötigsten Zu­lagen beraubt. aber, um mit Heinrich yeme zu reden: ..Die Katz, Die Katz ist gerettet! Und das ist es. was wohl nicht nur den Schreiber dieser Zeilen, sondern Hunderttausende im Lande tiefinnerst empört, dieser blinde unbelehrbare Glaube der Herren all. die früh in die Mini­sterien hinein- und nie wieder herausgekomn^n sind, an ihre eigene Unentbehrlich- {e i t, wogegen sie alles andere für entbehr­lich halten,was da kreucht und flcugt. Schier unfaßbar aber scheint es, daß Die Mehrheit Der Volksvertretung so willig unD restlos mitzugehen bereit ist, wenn im vielgelobten Volksstaat, Der längst totgeglaubte HerrenstanDpunkt desLetat cest moi!" in der Ministerialhierarchie welter­lebt, und wenn er mit die Ursache bildet, Das) Die Sanierung des Landes ein frommer Wunsch bleibt, bis Die Flut über uns zu- sammensch'.ägt.

stände sind. 3e größer Die Ausgaben, Desto größer Das Amt, pfleg! man zu lagen. Aber Das Wort läßt auch eine Umkehrung zu 3e größer ein Amt aufgcöva..i wird, desto umfang­reicher wirD auch Die Tätigkeit, mit Der es seine Rotwendigteit nachweist. 3ch bestreite keinem Der Herren sein gerüttelt Maß an Arbeit. 3ch be­zweifele nur in vielen Fällen, daß Diese Arbeit 'unbeDingt notwenDig ist, sowohl die, die Der Betreffende selbst fein Tagewerk widmet, wie auch die, mit der er anderen draußen in den Lokalstellen wieder das Leben sauer macht. Ein Abbau in den Zentralen führt ganz von selbst auch zu Ersparnissen im Lande draußen.

Und wie ist es nun im Ausschuß gegangen? Richt nur. daß jeder Vorschlag der Regierung, der die oben aufgezählten Opfer von der Be­völkerung erheischt, die Billigung der Mehrheit gefunden hat. diese selbe Mehrheit hat auch keine Bedenken getragen, in einzelnen Fällen noch schlimmere Opfer neu zu beschließen, wie das der gestrichenen Kinderzuichläge. 3eder Ver­such der Opposition aber, in die Dreimal heilige Feste Der 3 c n t r a l D e r to a 11 u n g auch nur Die kleinste Bresche zu schlagen, i st an bet gemeinsamen Abwehr Der Minister und Der Koalitionsparteien geschei-

dorren ließ.

Mein Freund und ich befanden uns begreiflicher­weise in n.cht geringer Erregung. Wie gesagt, hat­ten wir die Grube am Rande des Platzes angelegt und hatten Damit unbewußt auch das Ende des Steines gefunden. Freund M. machte fid) mit fieber» Haftern Eifer daran, die Seite des Steines freizu legen, ich half ihm getreulich. Als wir einen Meter tief waren es dunkelte bereits entkleidete sich plötzlich Freund M. Der sonst so zurückhaltende Mann mit seinen 365 Krankheiten im Jahre jeden lag eine andere entwickelte auf einmal ungeahnte Energie: er setzte sich nackt in die Grube und ich mußte Wache stehen. Jetzt Dämmerte mir, was er wollte. Rach einer kurzen Viertelstunde ich dachte, er wolle überhaupt nicht mehr heraus schlüpfte er schnell in die Kleider und ich mußte in das Loch. So komisch es sich anhoren mag, wenn zwei, zusammen genau 100 Jahre alte Knaben solcheSpäße" machen, ick, machte mit. Eine über­aus wohltuende Wärme umfing mich. Es war nicht die Wärme der künstlichen Heizung, nein, Sonnenwärme. Es war mir wie bei einem Sonnen­bad an einem heißen Sommertage, gegen 4 Uhr nachmittags, wenn die Sonne nicht mehr sticht. Das Wunder war da, wir hatten das Glück erhascht. Rur schnell in die Kleider. In die Grube steckten wir zwei dürre Fichtenbaumchen und füllten mit Acsten aus, . welche die Holzmacher liegen ließen, damit niemand hineinfällt. Etwas ernüchtert, wagte idj die Frage:Wird die Wärme anhalten, oder kühlt der Stein ab?" Am nächsten Samstag traten wir mit einem Thermometer an! Der Stein war noch gerade so warm, 21 i Grad, nach drei Wochen aud) noch. Mein Genosse, der vier Bäder genom­men, behauptet, gesund geworden zu sein; er klagte auch tatsächlich über nichts mehr. Ich will hier nicht behaupten, daß der Stein Krankheiten heilt, weitere Versuche müssen abgewartet werden. Aber warum soll die gütige Natur, die für jede Krankheit eine Heilquelle sprudeln läßt, nicht der leidenden Menschheit einen heilenden Stein schenken? Auf jeden Fall bekommt ein Bad gut, das habe ich am eigenen Leibe verspürt. Mein Freund sieht schon ein Sanatorium dort entstehen. Auf jeder Seite des offenbar 20 Meter langen Steines je 20 Badezellen auf den Breitseiten je vier, zusammen 48. Ich aber muß Wasser in den Wein gießen. Ja, unD Sterne, traulich vereint, fei es mit Absicht oder aus Zufall. Aus Den ersten Marken Geor- qiens von 1919 umschwebten sie gemeinsam Den heiligen Georg; in Der Türkei unD in Aserbeid­schan gab cs Briefmarken, Die im Mittelstück Die aufgehen De Sonne und im Rahmen HalbmonD unD Stern zeigen.