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Geschichten aus aller Welt.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Tie Ritter vom Hosenband.

(I. r.) London.

Die Sankt-Georgs-Kapelle in Schloß Windsor an der Themse war kürzlich der Schauplatz einer seltenen Zeremonie, die eine mittelalLerlichePracht zur Entfaltung brachte. Es war die feierliche Wiedereröffnung der Kapelle, die nach zehn­jährigen RestaurationSarberten wieder dem Orden der Hosenbandritter zurücktzegeben wurde. Die hohen Mitglieder des OxöenB waren unter ihrem Oberherrn, dem König von England, voll­zählig versammelt, und ihre prächtige alte Fest­tracht verlieh der Feier ein besonderes Gepräge.

Die Sankt-Georgs-Kapelle ist eines der schön­sten Denkmäler gotischer Baukunst in England. 3m merkwürdigen Gegensatz zu den wuchtigen, festungsartigen Mauern deS KönigSschlosses sind seine Pfeiler und die hochgeschwungene Decke mit einer an Waghalsigkeit grenzenden Kühnheit aus- Seführt worden. Der älteste Teil stammt aus dem ahre 1240, aber hundert Jahre später, als Edward III. die Kirche dem neuen Hosenband­orden widmete, war der letzte Ausbau noch nicht beendet. Schon im siebzehnten Jahrhundert stell­ten sich die ersten Folgen des verwegenen Baues ein, ein berühmter englischer Baumeister wurde zu Rate gezogen, und nachdem man viel herum- gebastelt und geflickt hatte, um die Schäden zu verdecken, kam während des Krieges der kata­strophale Rist in die Decke, so daß die Kapelle als lebensgefährlich geschlossen werden muhte. Rach zehn 3ahren der Arbeit und einer Ausgabe von vier Millionen Mark hofft man den Schaden endgültig behoben zu haben.

Rachdem die Kirche des Goldenen Vlieses in Brüssel aufgehoben wurde, ist die Sankt-Georgs- Kapelle die einzige, welche noch einem Ritter­orden gehört. Ein Platz in der Kirche, über den, das Danner, Schild und Helm des Mitgliedes aufgehängt werden, ist eines der größten Privi­legien, das sich die Ritter des Hosenbandordens seit Jahrhunderten erhalten haben. Auch ihre anderen Bräuche sind treu bewahrt worden. Bei den Versammlungen erscheinen die Ritter noch heute in der malerischen Tracht, im dunkelblauen Samtwams, weihen Kniehosen, weihen Sei den- strümpsen und Schuhen mit roten Stöcken. Sin schwarzes Barett mit Feder und ein rotes Samt- kape vervollständigen die Ausrüstung. Der Orden, ein dunkelblaues Samtband, wird unter dem rechten Knie um das Dein getragen. Er trägt in Silberstickerei die WorteHonny soit qui mal y pcnse, mit welchen angeblich Edward UI. seiner Tänzerin bei einem Hofball ein verlorenes Strumpfband zurückgab. Eine andere Legende be­hauptet, daß Richard Löwenherz im heiligen Lande seine Getreuen durch ein solches Dand von den anderen unterschied und nach einer dritten Wendung soll der Orden als Auszeich- | irung für eine Reihe Adeliger nach der Schlacht

von Tröcy gegründet worden sein Wie dem auch sein mag, die Auszeichnung ist heute noch die größte Ehre, die der englische König zu vergeben vat und der Orden gilt als der angesehenste und höchste in der englischen Welt. Zu den weiteren 3nslgnlen des Ritters gehört ein silberner Stern mit dem Kreuz des heiligen Georg, das auf der Irnken Brust getragen wird und eine Halskette aus purem Gold, die sich aus Miniaturen des Ordens und goldenen Rosen zusammenseht. Wäh­rend die Anzüge Eigentum des Ritters sind und vererbt werden, müssen die Insignien bei dem Tod eines Ritters dem König zurückgegeben wer­den, der sie dann dem neuen Ritter verleiht. Die feierliche althergebrachte Formel bei der Ein­weihung des neuen Ritters lautet:Dind um dein Dein dieses edle Strumpfband und trage es unablässig als Symbol dieses hohen Ordens. Lege um deinen Hals die Kette mit dem Dildnis des heiligen Georg und trage es, damit du An­genehmes und LInangenehmes in seinem Sinne überstehst und nach äleberwindung deiner Feinde der Palme des ewigen Sieges teilhaftig werdest!" Manche der Ritter haben den Spruch wörtlich ge­nommen und das Dand bei Lebzeiten nicht ab­gelegt.

Ein Ausschluß aus dem Orden ist nur sehr selten vorgekommen. Rach den alten Vorschriften war er mit Oer Schmach einer Zerreißung des Danners, das mit den Fühen getreten wurde, und dem Zerstören des Sterns verbunden. 3m 3ahre 1915, als die Ramen einiger europäischer Monarchen als Feinde Englands aus der Liste der Ritter gestrichen und des Hosenbandordens verlustig erklärt wurden, begnügte man sich da­mit, ihre Banner stillschweigend zu entfernen.

Clcveland Anekdote.

(a) Reuhork.

Amerikanische Blätter geben aus einer soeben erschienenen neuen Biographie des früheren Prä­sidenten Eleveland folgende Anekdote wieder:

Als Schuljunge hatte Cleveland etwasaus- gefressen". Der Lehrer war während einer Pause dahintergekommen und beschloß, den Sünder nach Beginn des Unterrichts in der üblichen Weise zu strafen, indem er ihm einige Rutenstreiche über die 3nnenfläche der ausgestreckten rechten Hand gab. Der kleine älebeltäter, der keine Ahnung von dem älnheil hatte, das sich da gegen ihn zusammenbraute, spielte inzwischen lustig aus dem Schulhofe, und zwar buk er Kuchen aus Lehm, eine Beschäftigung, aus der die Hände nicht gerade in vorbildlicher Sauberkeit hervor­gehen.

Als zu Wiederbeginn des Unterrichts der Lehrer nun dem 3ungen die ihm gebührende Strafpredigt hielt und ihn dann aufforderte, die rechte Hand auszustrecken, wischte sie der kleine Schmierfink schnell vorher am Hosenbein oberflächlich ab, ohne weiteren Erfolg, als daß der Lehrer entsetzt beim Anblick dieser

..schwarzen Hand" zurückfuhr und dann kopf­schüttelnd sprach:

..Du bist doch der größte Schmierfink in der ganzen Schule! Mit solch verschmutzten Pfoten wagst du es, in den Unterricht zu kommen? Wenn du mir hier in der Klasse eine Hand zeigen kannst, die auch nur annähernd so schmutzig und verdreckt ist wie die da, erlasse ich dir die verdiente Strafe!"

Da zog Cleveland hinterm Rücken hervor, wo er sie bisher vor den strengen Blicken seines Erziehers verborgen hatte, sein« linke Hand. Die hatte er vorher nicht an den Hosen ab ge­wischt. Sie war, was Schwärze anbetrifft, die rechte in erhöhter Potenz.

Der Lehrer lachte laut auf und erließ dem schlagfertigen Dengel die Strafe. Wenn sich doch, so kommentieren die amerikanischen Zeitungen diese Anekdote, unsere heuttgen Politiker nach dem Vorbilde dieleS ihres großen Vorgängers stets zu ihren schmutzigen Händen bekennen würden!

Was eine tüchtige Hausfrau leistet.

(8) P r a g.

Frau Anna Daloun, Ehefrau. Hausfrau und Statisttkerin von großem Format, wohnhaft in Kosolup (Tschechoslowakei) hat genau ausgerechnet, daß sie während ihrer rund vierzigjährigen haus­fraulichen Tätigkeit 240 000 Mahlzeiten gekocht, 33 000 Brote gebacken, 318 000 Knödel zubereitet und 1500 Kilo Dunstobst eingelegt hat. Sie verbrachte 36 000 Stunden mit Groß- und Klein­reinemachen. zog 8000 Hühner auf und wandelte 5500 Liter Milch mit Meisterhand in Butter um. Sie meint, ihre Arbeit sei etwa eine halbe Mil­lion Goldmark wert. Die Aermste wurde je­doch niemalsentlohnt" und mußte sich zeit­lebens damit begnügen, freie Station in ihrem bzw. in ihres Mannes Hause zu genießen. Frau Anna Daloun ist außer allem Zweifel eine tüch­tige Hausfrau. Daß sie aber nebenbei Zeit genug hatte, vierzig 3ahre hindurch auch noch ihre epochemachende Statistik aufzustellen, das ist vielleicht ihre beachtlichste Leistung.

Der Brief an Zar-Bätcrchen.

(n) Moskau.

Die Weltfremdheit der russischen Dauern, deren Dörfer nicht selten in einer Entfernung von mehreren hundert Kilometer von der nächsten Eisenbahnstation gelegen sind, ist bekannt. Ein Vorfall, der jetzt von den offiziellen Moskauer Dlättern bekanntgegeben wird, wird dennoch über­raschen. Da schreibt eines Tages ein biederes Bäuerlein in einem Dorf im Kasanschen, weit draußen in vergessener Einsamkeit, einen Brief, in dem er sich bitter über das Schicksal beklagt, das ihn nach dem Kriege getroffen hat. Erst jetzt hat er authentisch erfahren, daß seine beiden Söhne im großen Kriege für Väterchen-Zar ge­fallen sind. Er ist nun ohne Schuh geblieben und kann sein Landstück nicht mehr allein bewirt­schaften. Er bittet also um Hilfe. Aber der Brief ist nicht angekommen. Obgleich er ord­nungsgemäß adressiert war:An Zar-Väterchen. Petrograd. Winterpalais".

Preußen.

Kreis Wetzlar.

ch K r o f d o r f, 28. Rov. Ein Saal unserer Schule ist seit einiger Zeit mit einer moder­nen VerdunkclungSanlage ausgestattet. Durch ein paar einfache Handgriffe ist sofort der Raum verdunkelt, wodurch sich die Möglichkeit ergibt, den Lichtbildwerscr jederzeit im Schul­unterricht zur Veranschaulichung des Lehrstoffes heranzuziehen.

c>oLützellinden,27. Nov. Bei einer in einem Teil des hiesigen Jagdbezirks abgcbaltencn Treib« j 6 g d wurden 25 Hasen und ein Reh geschossen.

* Hörnsheim, 27. Nov. Der hiesige G e f l ü « gelzuchtoerein veranstaltet am nächsten Sonn­tag seine dritteLokalschau im Sagte des Gast- wirts Bepler. 120 Tiere wurden für diese Schau gemeldet. Als Preisrichter fugicrt Herr May aus Lang-Göns.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Derantwottung.)

Abbau der Steuern!

Auch Preisabbau der Steuern ist not­wendig, wenn die Wittschaft wieder in Gang kommen soll. Eine ganze Reihe von Betrieben: sind durch die hohen Steuersätze zum Erliegen gebracht worden. Man vergleiche die Konkurs- anzeigen imGießener Anzeiger", an einer ©teile in summa 14 Konkurse, ein andrer Teil hat seinen Betrieb beizeiten sttllgelegt, um nicht zusammen­zubrechen, und wieder andere halten zurück, sich auszudehnen oder anzufangen, denn in diesem Moment lauem schon über ein Dutzend Steuer­arten, um sich eine Einnahmequelle zu sichern, nicht nur vom Ertrag, sondern schon vom Vor­handensein des Dettiebs, einerlei, ob derselbe etwas abwirft oder nicht. DaS ist, gerade herauS- gesagt, Kapitalvernichtung. Kapital und Arbeit sind im Wirtschaftsprozeß unlöslich ver­bunden. Wer das Kapital vernichtet, vernichtet auch die Arbeit, und wir erleben es heute, daß letztere keinen ihr zustehenden Anteil zugeschoben bekommt, sondern Almosen. Aus dieser Kala­mität herauszukommen, muß das Bestreben aller sein. Die Wirtschaft darf nicht in Steuern ertrinken, sondern sie muß durch Steuererleichterungen gefördert werden, weil sie die einzige Quelle des Staatshaushalts, wie der Einzelexistenzen ist. Sie muß Vertrauen zu ihrer eigenen Existenz wiedergewinnen, dann wird die Arbeitslosigkeit zurückgehen und jede Exi­stenz durch ihrer Hände Arbeit lebensfähig wer­den. Wir dürfen uns nicht damit trösten, daß die heutige Krisis die ganze Welt beherrscht: wir können behaupten, daß sie durch unsere Sttllegung begonnen hat, denn es fällt für dis ganze Welt schwer ins Gewicht, wenn ein 60- Millionen-Dolk, wie das deutsche, infolge Rieder­gangs seiner Wirtschaft schon seit 3cchren nicht mehr Käufer im Ausland ist. H.G.

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