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Aus der Provinzialhaupistadi.

® i e ß t h, ben 28. August 1930.

Geistiger Wach-tum durch dar Elternhaus.

TDenn von der Anregung auf da» geistige Wachstum gesprochen wird, handelt es sich zuerst einmal um di« Kinder, um die Kleinen, di« schulpflichtig find. Was da» Kind in feiner Jugend hört. prägt sich ihm stark und intensiv ein. Wir haben alle die (Jrfabrung gemacht, daß Dinge, die wir in der Jugend lernen, un- auch im späteren Alter gegenwärtig sind. Anregungen, die au» der Umgebung de» Kinde» kommen, fördern seine Intelligenz so weit, daß e» in der Schule keine Schwierigkeiten bat. An­regungen sind unaufhörlich vorhanden. Da» Kind fragt, di« Mutter oder der Vater antworten ihm. Gerade die Fragen de» Kindes gewähren einen (JmMlrf Über seine Denkfähigkeiten und ebenso über die Denklust. Vun kommt es darauf an, auf die Fragen stet» die richtige Antwort zu wissen. Soll da» Elternhaus da- geistige Wachstum de» Kinde» auch wirNich fördern, muffen die mit der Erziehung betrauten Personen sich darüber klar sein, was sic dem Wißbegierigen zur Antwort geben. Diele Mütter machen e» sich leicht' .Da» verstehst du nicht, mein Kind", sagt die Mutter in liebevollem Ton. Zuweilen mag sie «» wirklich glauben, daß di« geistigen Zähigkeiten ihre» Kin­de» noch nicht zum Verständnis au»reichen. Für da» Hirn des, erwachenden Menschen genügt dieso Meinung'nicht, und nur dann läßt sich geistige» Wachstum erwarten, wenn die Antwort zwar auf den Geist des Kinde» eingestellt ist, jedoch so gewählt wird, daß Zweifel an der Wahrheit nicht entstehen.

Moderne Erzieher verwerfen die Umschreibung durch ein Märchen oder durch eine sagenhafte Er­zählung. Eine» Lag«» merkt da» Kind die Un­wahrheit, di« ihm von feiten der Erwachsenen mitgeteilt worden ist, und das Vertrauen ist für alle Zeiten erschüttert- Wird das Unverstanden« in dem Geiste de» Kindes geklärt, so entwickelt sich da» geistige Wachstum überraschend schnell. Dei der Entwicklung der Kinder unserer Zeit und bei ihrer sachli<^n Einstellung dem Leben gegenüber, hie wir schon an den Jüngsten beob­achten können, tut eS dem elterlichen Respekt nicht den oeringften Abbruch, wenn Vater oder Mutter sich selbst erst durch da» Vachschlagen in einem Vuch unterrichten, um eine richtige Antwort geben zu können. .E« ist mir entfallen", sagt die ver­ständige Mutter auf die Frage, wie weit bei­spielsweise die Sonne von der Erde entfernt ist .Ich werde einmal nachsehen. und es dir dann genau sagen." Mit regem Intercs!e verfolgt da» Kmd da^ Vachschlagen, schaut sicherlich selbst gern in da» Vuch, fofem es schon lesen kann, und da der optisch« Eindruck immer der stärkste ist. behält «S da«, wa» e» mit eigenen Augen ge­sehen hat, weit besser. Da» ausgeweckte Kind verlangt nicht von dem Vater, daß er alle» wisse, aber e» möchte durch den Vater unterrichtet wer­den, sofern e» da« Wissenswerte erfahren will.

Die Dankbarkeit des KindeS für geistige An­regungen aus dem Elternhaus bleibt gewöhnlich auch dann erhalten, wenn auS dem Kinde bereite der erwachsene Mensch geworden ist. Sie findet nicht zuletzt ihren Ausdruck in dem freien, siche­ren Auftreten, in dem Vertrauen auf da« eigene Können, und in dem "Bewußtsein vom Missen, dessen Urgrund bas Heim gegeben hat. Dei den Erwachsenen ist da» geistige Wachstum durch daS Elternhaus von der Einstellung bedingt. Sie teilen sich nämlich in zwei Gruppen Die eine, die sich so schnell wie möglich aus der schützenden Umgebung deS Heimes freimachen möchte, und die andere, di« daS Elternhaus als Mittelpunkt zur Vrife betrachtet. Menschen au» der ersten Gruppe neigen leicht zur Oberfläch­lichkeit. während die anderen Anregun-en mit in daS Leben hinausnahmen. Natürlich wäre auch noch von denienigen zu reden, die auf das Glück deS Elternhauses aus Schicksalsgründen verzichten müssen Doch sie suchen sich in den meisten Fällen einen Ersatz in einer befreundeten Familie, die ihnen geistige Entfaltung aus FreundschastSgründen gewährleistet

S. M.

Partei Partei!

lantaratei ich will ein Märchen ersinnen, eine Fabel, eine kleine Erzählung, eine Legende.

(Bolt wanderte in seiner ewigen und großen Gnade über die Erde und schenkte den Volkern, die einst die deutschen genannt werden sollten, den Rhein, die harmonische llserschonheit der Saale, die Verträumtheit der märkischen Seen, die Romantik der Sächsischen Schweiz und die tiefe Unendlichkeit des Thüringerwaldes. Er reichte ihnen die Gaben und freute sich so sehr über sein Werk, daß er im Saufe der Jahrhunderte unermeßliche Schätze hinzu- fügte. Den Kölner Dom, die Kaiserkirche in Bam­berg, die Wartburg, das Lutherhaus in Eisenach, die kargen Beethovenstuben in Bonn und die Stätten der hohen klassischen Kunst in Weimar. Er spendete in der glücklichen Laune des ewigen Schöpfers.

Der Teufel sah das 'Beginnen und ärgerte sich darüber. Er versuchte die Teilhaber der Geschenke zu ärgern und zu quälen. Als ihm sein Unterfangen wenig fruchtete, als sich Gottes Gestaltungen stärker und mächtiger bewiesen als sein Ingrimm, spielte er den stärksten Trumpf aus und verlieh den Men­schen zwischen Saar und Memel den Hana zur Parteibildung. Die Lust zum Sichbesehden und den Trieb zum Zwiespalt.

Und wir Armseligen nahmen den uns geworfenen Ball auf und spielten, spielen noch heute eifrig damit. Brauch.

Gictzcncr Wochcnmarktprcisc

E» kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Vuttcr 160 bis 180. Matte 30 bis 35. Käse (10 Ltücki 60 bis 140. Wirsing 10 bis 12. Weiß­kraut 6 bis 8. Voikraut 10 bi» 15, gelbe Rüben 12 % l?. rote Rüben 10 bis 12. Spinat 20 bi« 30, Römischkohl 8 bis 10, Dohnen, grüne 15 biS 20. gelbe 20 bis 25. Unter-Kohlrabi 6 bi« 8. Erbsen 20 bi« 25. Tomaten 15 bis 20. Zwiebeln 10 bi« 12, Meerrettich 50 bi» 60. Kürbis 8 bi» 10. Pilze 30 bis 35, Kartoffeln 5 (der Zentner 4.53 Mk.), Frühäpfel 15 bis 20, Falläpfel 5 bi» 6, Dirnen 20 bis 30. Dörrobst 30 bis 35, Brom­beeren 40 bis 45, Preißelbceren 35 bis 40. Pfirsiche 40 bis 70, Zwetschen 15 bis 25. Mira- bellen 25 bis 30. Reineclauden 15 bis 20. Honig 40 biS 50. junge Hähne 120 bis 130. Suppen­hühner 100 biS 120. Russe 60 bis 70 Pf. das Pfund: Tauben (Stück) 70 bi» 80. Sier 12 bis 13, Blumenkohl 30 bis 70. Salat 10 bis 15. Salat- gurken 10 bis 20, Sinmachgurkcn 2 bis 4, En­divien 10 biS 20, Ober-Kohlrabi 6 biS 8, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 20 Pf. das Stück: Radieschen Dd. 10 bis 15 Pf.

Oie Unregelmäßigkeiten bei der Stadtverwaltung Wehlar. Oer Oberbürgermeister und ein Beamter des Bauamts vom Amt suspendiert

Dehlar, 27. #ug. (WIB. vrah!bericht.) Gegen den IDeßlarer Oberbürgermeister vr. Sühn und den Sladtbauinspektor h e p p ist wie wir in einem Teile unsere» gestrigen Blatte» schon berichteten. D. Red. vorn Regterung»präsidenten In Sodien; am 26. August da» förmliche Disziplinarver­fahren eingeteitet worden. Velde Herren sind vom Lmtsu»pendleri und dürfen die Verwaltung»- räume nicht mehr betreten. Ihre Bezüge werden ihnen nur z u r hälfte ausgezahlt. Vie Ver­tretung de» Oberbürgermeister» ist einstweilen dem 1 Beigeordneten Georg übertragen worden. 6» handelt sich um Unregelmäßigkeiten bei der Verwendung von städtischen Gel­dern. Einzelheiten sehien noch.

Bürgermeister Kühns kommunalpolillsches Wirken.

Dem W S R. - D i e n ft wird au» Wetzlar ergän­zend berichtet:

Ueber die B e r f e h l u n g e n der beiden Beamten wird zunächst strengstes Stillschweigen bewahrt. Immerhin deutet die Art des Dorgehens des Regierungspräsidenten darauf hin, daß sie chwerwiegend fein müßen. Dr. Kuhn, der cit 1914 im Amt ist, stammt aus Gießen. Er gehört ►er Demokratischen Partei an und ist auch Mitglied des Wetzlarer Kreistages. Seine 2Iera, bk in die schwerste Zeit der kommunalpolitischen Entwicklung fiel, hat viel Angriffe gegen ihn heroor- flerufen. Ohne Zweifel ift er ein Mann von starker Initiative, aber seine Pläne, die den Ausbau der Stadt Wetzlar fördern helfen wollten, waren samt und sonders unzeitgemäß großzügig. Er betrieb einen großzügigen Ausbau des Straßen­netzes, wofür allerdings z.T. die Vorteile der In- flation und wesentliche Beihilfen von Reich und Staat nutzbar gemacht werden konnten. Er über­nahm weiter die Umwandlung der früheren Unter- Offizierschule in einen vorbildlichen Schulkomplex, er vergrößerte den städtischen Friedhof zu einem der schönsten Friedhöfe Westdeutschlands, der zugleich die schönste Friedhofskapelle und em sehr kostspie­liges Krematorium enthält. Unter seiner Geschöfts- sührung entstand auch der städtische Schlachthof, ebenfalls ein hochmodernes Gebilde, das einen Korn- munallonflift von unendlichem Ausmaß hervor- gerufen hat wegen der gewaltigen Ueberteuerung, die heute noch nicht liquidiert ist. Verschiedene größere Projekte sind ins Wasser gefallen, so die Erstellung eines stadteigenen Hotel» und einer Gast- ftätte auf dem Aalsmunt, dem bekannten Ausflugs­punkt bei Wetzlar. Diese gesteigerte Aktivität, die zweifellos das Beste für die Stadt im Auge hatte, war naturgemäß mit einer immer größer werdenden Belastung der Oefsentlichkeit verbunden. Heute hat Wetzlar Steuersätze, die In der lat z u den höchsten im ganzen Reich zählen Es hat eine Verschuldung von etwa neun Mil­lionen bei etwa 14 Millionen RM Vermögen. Allerdings hat es auch sehr unter der Ungunst der Wirtschaft zu leiden. Bei dem industriellen Einschlag der Stadt ist die Belastung des Wohlfahrtsetats außerordentlich hoch. Man wird abwarten müssen, was das Disziplinarverfahren an den Tag bringt. Man spricht davon, daß es sich um die Verwen­dung ft ä b t H d) e r Gelder für private Zwecke (Bauten usw) handelt: daher auch die Einbeziehung des Beamten vom Stadtbauamt in das Verfahren Der Beamte hat einen Nerven­

zusammenbruch erlitten. Ob Dr. Kühn in das Amt zuruckkehrt. selbst wenn er rehabilitiert werden tollte, ist fraglich, denn seine Gesundheit ist stark erfchut- tert E» schwebte bereit» vor dem Kriege gegen ihn ein Disziplinarverfahren, allerdings auf Grund halt­loser Denunziationen.

Die Vorwürfe gegen die beiden Beamten.

Auf Grund von eigenen Informationen in Wetzlar ift noch folgende» mitzuteilen:

Oberbürgermeister Dr. K ü h n und Stadtdauinspek- lor Hepp waren bereit» seit etwa zehn Tagen auf Veranlassung der Regierung in Koblenz vom Dienst beurlaubt, bi» schließlich gestern die Suspendierung von der Regierung verfugt wurde. Bereit» seit Monaten waren in Wetzlar Ge­rüchte im Umlauf, nach denen sich Oberbürgermeister Dr. Kühn wegen Krankheit pensionieren lassen wolle. Später verstummten jedoch diese Gerüchte in der Oefsentlichkeit, unter der Hand wurde aber weiter von dieser Möglichkeit gesprochen. Dor etlichen Tagen erfolgte nun anonymeAnzeigebeiderRe- gierung in Koblenz in der die Behauptung ausgestellt wurde, daß in Werdorf (Dillkrei») ein Iagdhau» für Oberbürgermeister D r. Kühn erbaut worden sei und der Oberbürger­meister sowie der Stadtbauinspektor Hepp sich Un- regelmäßigsten dergestalt hatten zu schulden kom­men lassen, daß gewisse Ausgaben fürdiesen Prlvatbou auf städtische Rechnung übernommen worden seien. Wie man hört, b e {freitet Oberbürgermeister Dr. K ü h n jede Schuld und gibt an, daß diese Lieferungen lediglich durch den Stadtbauinspektor Hepp unrichtig ver­bucht worden seikn. Was an dieser Sachlage richtig ist, wird ja wohl das Disziplinarverfahren ergeben. Es werden Beträge genannt, die sich auf etwa 5000 Mark belaufen. Wester werden Vermutungen ge­äußert, daß in der Villa de» Oberbürger, meister» in Wetzlar vorgenommene Arbeiten auch auf städtische Rechnung genommen worden seien, obwohl sie nicht dorthin gehörten. Auch hier wird man natürlich nähere Aufklärung abwarten müssen.

Für bi« Stabt Wetzlar bringt dieser erneut« Zwischenfall mit ihrem Bürgermeister begreif­licherweise eine wenig angenehme Lage, da sich die Stadt, wie früher schon berichtet, in großen finanziellen Schwierigkeiten befindet, toobei der neueste Fall um so unangenehmer sein wird, al« dadurch der Kredit der Stadt sicherlich nicht gehoben werden dürfte. Man erinnert sich, daß bei der Beratung des städtischen Voranschlag« für 1930 von dem Bürgermeister selbst ein Fehl­betrag von 260 000 Mark genannt wurde, dessen Deckung durch neue Steuern die Stadtverordneten damals ablehnten. AuS der letzten Kreistags- sitzung wurde dann bekannt, daß Oberbürger­meister Dr. Kühn ein weitere- Defizit in Höhe von 150 000 Mark durch die Erhöhung bzw. die Veuregelung der Kreissteuem für die Stadt Wetzlar errechnet habe, so daß man gegenwärtig wohl mit einem Fehlbetrag in der städtischen Rechnung in Höhe von 400 000 Mark rechnen müsse. Dazu kommt dann noch die Belastung durch die große Zahl der Erwerbslosen, uno ferner ist auch eine städtische Schuldenlast in Höh« von etwa 10 Millionen Mark wie sie in gleichem AuSmaß wohl keine Stad, in der Größe WetzlarS haben dürfte ernstlich in Betracht -u ziehen.

Verbesserungen im stäotischen Schwimmbad.

Das Schwimmbad im städtischen Volksbad wird, wie wir gestern schon kurz berichteten, von morgen ab nach Beendigung notwendiger Reparaturen und dem Einbau von Erneuerungsanlagen dem Publi­kum wieder zur Verfügung gestellt. Bisher hatte sich für den SchwimmhaUcnbau die an den Wänden und der Decke niederschlagende Feuchtigkeit unan­genehm bemerkbar gemacht, weshalb man jetzt eine Belüftungsanlage eingebaut bat, durch die eine ausreichende Beseitigung des Wasserdunstes und zugleich eine wirksame Erneuerung der Lust in der Halle durchgefuhn werden kann. 3m Sommer kann die Halle durch die Ansaugung von Außenluft mit­tels der Belüftungsanlage abgekühlt werden, so daß man in den Räumen des «chwimmbades immer eine angenehme Temperatur oorfinden wird. In den Wintermonaten wird die angesaugte Außenlust über ein System von Dampfrohren geleitet und dadurch erwärmt, so daß also erwärmte Luft in die Halle hineingelangt und dadurch die Luft verbessert wird, ohne aber eine kalte Temperatur zu erzeugen. Fer­ner ist es möglich, mit dieser Anlage die oer- braucht« Lust aus der Halle ins Freie hinaus zu befördern. Das Ansaugen, bzw. das Hinausdrucken der Luft erfolgt durch die Tätigkeit eines kleinen Elektromotors, der in die Apparatur eingebaut ist. Die gleiche Anlage ist auch in den Abteilungen für Wannenbäder und für B raufe b ä b e r ge­schaffen worden, so daß man also in allen Teilen des Docksdades die Annehmlichkeiten dieser Neu­einrichtung haben wird. Lieferant dieser Anlage ist die hiesige Firma S ch a f f st a e d t. In der Schwimm­halle ist ferner der untere Teil der Hallenwände mit einem Steinplattenbelaa versehen worden, der sich sowohl für die Hallenbesucher, wie auch für die Verwaltung dieses städtischen Betriebs selbst vor­teilhafter erweisen wird. Ferner sind in der Schwimmhalle zwei besonder« Kabinen geschaffen worden, in denen sich die Herren rasieren und fri- fieren bzw. die Damen in der anderen Kabine die Haare mit einem Föhnapparat ttocknen können. Weiter sind di« Toilettenanlagen gründlich erneuert und schließlich auf der Empore der Halle 25 eiserne Kleiderfchränke ausgestellt worden, die bei Masten- besuch benutzt werden können. Schließlich bat man an Stelle des großen Spiegels und der Figuren, die sich an der westlichen Stirnwand befanden, eine glatte Herrichtung der Wandfläche mit Waschputz verwandt, wodurch die Helligkeit der Halle nur ge­winnen konnte. Durch diese Derbesterungen ist in dem Schwimmbad dafür gesorgt worden, daß den Wünschen der Besucher Rechnung getragen wird.

Aoruotizen

TageSkalender für Donnerstag: Gießener Gaswoche: Lichtbilder-Dorträge. 16 uni 20.30 Ußr, un LafL Leib. Frauen-Dortrag, 15.30 und 19.30 Hßr, im Eaf6 Leib. Lichtspiel- ; haus Bahnhofstraße:Die Arche Aocch".

Aus dem Stadttheaterbureau wird und geschrieben: Am nächsten SamStag um 16 Uhr findet auf der Waldbühne ein« Schüler­vorstellung von Shakespeares Lustspiel .Liebe- Leid und Lust" statt. Am darauffolgenden Sonn­tag beginnt di« letztmalige Wiederholung des von Intendant Dr. P r a s ch inszenierten Stückes bereits um 15.30 11 pr. Für beide Vorstellungen gilt wieder die am Stadttheater hochgezogene Flagge als Zeichen, ob auf der Waldbühne oder im Stadttheater gespielt wird. DaS Stück ist für beide Möglichkeiten inizeniert worden. (Vorletzte Vorstellung im Sommerabonnemeni!-

Wähleroersammlung. Am Montag, 1. September, 20.15 Uhr, sprechen in der Turn­halle am Oswaldegarlen VeichStagsabg. Bür­germeister Berndt, Berlin-Schöneberg, und Studienrat Dr.Ruppel, Friedberg, über: ..Qlur Hugenberg!" (Siehe heutig« An­zeige!)

Gießener Gaswoche. Wie aus dem heutigen Anzeigenteil heroorgeht, finden anläßlich der Gießener Gaswoche Gewcrbcgas- und Fachvor­träge mit Filmvorführungen statt. Während für die einzelnen Gewerbegasvorträge mehr das Inter- effe der Innungen vorhanden ift, dürfte der am Freitagabend öffentliche Lichtbildervortrag allge­meine Beachtung beanspruchen.

Ein Kärntnerabend des VDA. findet am kommenden Samstag. 20.15 Uhr, in der Turnhalle am Oswald »garten statt. Deran- ftalter find Mitglieder der Ortsgruppe Klagen­furt desDeutschen Schulvereins ßübrnarf* (Oesterreich). Volkslied. Tanz, Dichtung unb Spiel au« dem Heimatgcbiet der Veranstalter sollen den Besuchern einige angenehme Stunden be­reiten. Der Besuch diese« Abends sei bestens empfohlen. Man beachte die heuttge Anzeige.

" Sitzung deS ProvinzialauSschus- f e s. Am nächsten SamStag, 30. August. 8.30 Uhr beginnend, findet im Sitzungssaal deS Re- gierungsgebäudeS zu Gießen eine öffentliche Sitzung de» ProvinzialauSichufse« der Provinz Oberhessen statt mit folgender Tagesordnung: 1. Klage de» Heinrich Keil in Wieseck ge­gen das Kreisamt Gießen auf Aufhebung des Bescheids vom 17. Juni 1930 wegen Versagung des Wandergewerbescheins. 2. Klag« des Preuß. DezirksfürsorgeverbandeS Wetzlar gegen den Landesfürsorgeverband Hessen, vertreten durch den DezirkSfürsorgeverband des Kreiles Als­feld, wegen Erstattung von Pflcgekosten für Johann Schvvp. 3. Klage deS Preuß. Bezirks- fürforgeverbande» de» Kreise» S «Inhausen gegen den Hess. Dezirksfürlorgeverband des Krei­ses Büdingen wegen Erstattung von ilnter- stützungskosten für 1. das Kind Karl Weißbecker zu Bad Orb, 2. die Eheleute Willi Eberhard in Bad Ob und deren älebemahme in unmittel­bare Fürsorge.

©traßenfberrungen, mitgetröt tom Oberhefslschcn Automobilklub E. B (X v D.) Gießen Anläßlich de« Preishüten» des BevetnB für deutsche Schäferhunde ist am 31. Xumift die Ctraße von Hungen in Richtung Grün­berg bi» Vonnenroth von 8 bi« 10 Ußr und von 12 bi» 17 Ußr polizeilich gesperrt. Umleitung über Dillingen. Die Strecke » bert » Grebenhain wird ab 1. September für jeglichen Verehr gesperrt Um­leitung über Deid-Moo«.

Echuloersonalie. Auf sein Nachsuchen wurde der Lehrer Konrad Herber an der Volks­schule zu Sausen vom 1 Oktober an in den Ruhe­stand versetzt.

Woran erkennt man bic falschen Fünfmarkstücke? Nachdem durch die unschäd­lich gemachten Frankfurter Falschmünzer mehr denn 1000 saliche Funsmarkstucke in den Verkehr gebracht worden sind dürfte e» von allgemeinem Interesse jein zu wissen, worin sich in der Hauptsache bic falschen von den echten Funfmarkstücken unterschei- dcn. E» kommen Stucke m Frage mit dem Münz- Zeichen(B. 1929**. Die Stücke haben einen dumpfe­ren Klang im Gegensatz xu den echten, der heller ift, und den man mit dem sog Silberklang bezeichnet. Die Oerflächen sind porö». Die Prägung ist insolae der nachträglichen Versilberung nicht so scharf wie bei den echten. Da» markanteste Erkennungsmerkmal ist der link» oben in der Baumkrone besinbliche dürre Ast in Form einer 5. Dieser siebt bei den fal­schen Stucken kleiner au» und liegt näher an dem linken Blatt

** Gastspiel von Heinrich Schlus- n u in Dah-Vauheim. Man schreibt uni: Der Lieder- und Arienabend von Kammersänger Heinrich Schl u Sn u» von der BerlinerStaat»- oper, der kürzlich Infolge Erkrankung de- Künst­lers au»fallen mußte, wird nunmehr am Montaa. 1. September, stattfinden. Diese Sonderveranstal- tung gibt die seltene Gelegenheit, einen gelebt len Sänger au bewundern, dessen schöne Stimm« ihresgleichen sucht. Schlu-nu- hat für Bad- Vauheim ein vollkommen neue« Programm auf- gestellt. SS weist Balladen von Loew«, Opern- lieber von Schumann, Wolf und Strauß, sowie Arien au« Opern von Verdi und Massenet auf. Die Begleitung am Flügel wird ausgeführt durch den bekannten Pianisten und ständigen Be­gleiter de« Sänger« Franz Rupp. Den beliebten deutschen GesangSkünstlcr dürst« auch diesmal, da die Kartennachsrage recht stark ist, ein ge­füllte« HauS erwarten. Siehe heutige Anzeige.

Ausflugfahrten mit Kraf tomni- b u« veranstaltet feit einiger Zeit di« Kraft- toagenfirma HooS in Annerod. Die bisherigen Fahrten diese- Unternehmen- haben bei den Teilnehmern besten Anllang gefunden, lieber die für nächsten Sonntag vorgesehen« Au-slug-sahrt ist auS der heutigen Anzeige VähereS zu ersehen.

Di« Zusammenkunft der 48. R. - D. in Vassau, die wir gestern meldeten, findet nicht ün Dezember, sondern am 6. und 7. September statt.

' Richtigstellung. Der bei dem Schüler- wettbewerb der Hessischen Wanderausstellung für Gesundheit-Pflege und soziale Fürsorge mit einem Diplom ausgezeichnete Gießener Schuler ver­gleiche unseren Bericht vom Dienstag heißt nicht Otto, sondern Karl Rabenau.

Zwei schwere Jungen verhaftet. Auf Gnind einer Zeitungsmeldung über die Fest- nahm« zweier Einbrecher in Marburg gelang e» der hiesigen Kriminalpolizei, den einen der beiden Täter, den 24 Jahr« alten Otto Hoyer au» Rußheim (Baden), der Einbrüche in die hiesige Wirt- schäft ,Lur Puloermühle", in die Gastwirtschaft von Dippel an der Neustadt und in einen Verkaufsstand in der Bahnhofsstraße zu überführen. An Hand der Beschreibung des Komplicen bei diesen Einbrüchen konnte unsere Kriminalpolizei gestern nachmittag den Mittäter in der Person de» 40 Jahre alten Schlossers Otto Bruno Lippert au» Netschkau (Kreis Zwickau) in einer hiesigen Wirtschaft ermit­teln und sestnehmen. Lippert leugnet bis zur Stunde seine Beteiligung an den Straftaten. Er sowohl, wie auch Hager sind allem Anschein nach zwei schwere Jungen, die die Umgegend vqn Marburg, Gießen, Friedberg und diese Städte selbst unsicher gemacht haben.

" Ein Einbrecher von Münzenberg verhaftet. Zu dem gestern mitgeteilten Ein­bruchsdiebstahl in der Burgwirtschaft auf Burg Münzenbery ift noch mitzuteilen, daß «S der Landeskrimmalpolizei stelle in Gießen in Verbin­dung mit der Kriminalpolizei in Friedberg ge­lang, «inen der beiden Einbrecher in Friedberg festzunehrnen. Der Täler hatte vor seiner Fest- nahrn« die Flucht ergriffen, war von einer gro­ßen Menschenmenge verfolgt in ein Hau- am alten Bahnhof geflohen, dort auf daS Dach ge­stiegen, und suchte über die Dächer zu entfommen. Hierbei stürzte er aber auS der Höhe mehrerer Stockwerke in den Hof ab, trug jedoch zu feinem Glück nur geringfügige Verletzungen davon, so daß er sofort in Hast gebracht werden konnte.

Gießener Jugendgericht.

3n der letzten Sitzung des Jugendgericht- Waren al- Jugendschöffen tätig Frau Luise Peter- von Gießen und Glasermeister Friedrich Rinn von Heuchelheim.

Eine jugendliche, bereit- verheiratete FrauenS- person hat sich in mehreren Fällen der Ver­breitung einer Geschlechlskronkhcit schuldig ge­macht. Zwei Arbeiter, die wußten, daß die An­geklagte verheiratet war, haben trotzdem mit ihr verkehrt und sich angesteckt. Obwohl sie sich ohne Zweifel bewußt war oder den Umständen nach wissen mußte, daß sie krank war denn sie stand wegen geschlechtlicher Erkrankung in ärztlicher Behandlung, hat sie sich doch mit den Betreffenden eingelassen. Die Angeklagte, die jetzt mit ihrem Manne in Scheidung lebt, erhielt eine Gesamtgefängni-ftrafe von fünf Monaten, von denen sie drei Monate zu verbüßen hat. während ihr hin­sichtlich der Reststrafe eine Bewährungsfrist von vier Jahren zugebilligt wurde.

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