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Neue Giedlungspläne.

Begünstigung von Landarbeitersiedlungcn.

3m Rahmen der letzten Besprechungen des Rerchskabinetts Hut man nicht nur reine Finanz­fragen behandelt, sondern unter einer Reihe an­derer Probleme auch die Frage der Sied­lung berührt. Dabei ist man von dem Grund­gedanken ausgegangen, ob gegenüber dem bis­herigen Zustand Möglichkeiten bestehen, die für die Siedlung aufgewandten Gelder noch wir­kungsvoller anzuwenden. Wie wir von gut unterrichteter Seite hören, hat der Reichsernäh- rungsminister Schiele den Vorschlag stark un­terstützt, die Landarbeitersiedlung mehr als bisher auszubauen.

Man glaubt, daß mit einer gut geleiteten Land­arbeitersiedlung bei wesentlich geringerem finan­ziellen Aufwand mit der Zeit schließlich doch ähnliche Ergebnisse zu erzielen sein werden, wie mit der eigentlichen Bauernsiedlung, da die bis­herigen Erfahrungen zeigen, daß unter einiger­maßen günstigen Umständen und bei tüchtigen Kräften die angesiedelten Landarbeiter sich lang­sam zu Kleinbauern entwickeln. Sie haben die Tendenz, ihren Besitz ständig zu ver­größern, zu der einen Kuh sich eine zweite zu erwerben und so langsam zu schollenver­bundenen Selbstversorgern zu werden. Da für eine Bauernsiedlung mit 2 Pferden und 15 Hektar insgesamt nahezu 40 000 Mark auf­gewendet werden müssen, das Inventar be­trägt allein 5 bis 6000 Mark, für eine Land­arbeiterstelle von sechs bis acht Hektar aber nur rund 13 000 Mark, so könnte theoretisch mit dem gleichen Geld einer wesentlich grö­beren Zahl von Landarbeitern zu Grund und Boden verhalfen werden.

Der ganze Fragenkomplex konnte noch keiner endgültigen Klärung zugeführt werden. Ungelöst ist vor allem noch die Art der Finan­zierung d. h. inwieweit man bereit wäre, verlorene Darlehen zu geben, und auf wie lange Zeit. Hierbei handelt es sich aber mehr um Detailfragen, die auf Grund der bisherigen Er­fahrungen keine prinzipiellen Schwierigkeiten machen dürften.

Zunahme -er landwirtschaftlichen Zwangsversteigerungen.

Das erste Vierteljahr 1930 hat ein betrüb­liches weiteres Ansteigen der landwirtschaftlichen Zwangsversteigerungen gebracht. Es kamen im Deutschen Reich mit Ausnahme von Bayern und Baden insgesamt 37 512 Hektar im Zwangswege zur Versteigerung, womit die höchste Zahl seit der Währungsstabilisierung er­reicht worden ist. Auch die sehr hohen Ziffern des dritten Vierteljahrs von 1929 sind damit übertroffen worden, und im ganzen ergibt sich das Bild eines unaufhörlichen Ansteigens der Verstcigerungsziffern. 3n dem Zeitraum vom 1. April 1929 bis 31. März 1930 ist nach Fest­stellungen des Instituts für Konjunkturforschung gegenüber dem Vorjah. eine Zunahme der zur Versteigerung gelangten Fläche von Grundstücken über 2 Hektar um 1 35,5 Prozent zu beob­achten. _ Es scheint, daß die Zunahme vor allem die größeren Güter betrifft, aber auch schon mittlere Betriebe werden betroffen.

Die Regierungsttisis in Sayern.

Die Sozialdemokraten nehmen den Auf­trag zur Regierungsbildung an.

München, 27. Aug. (WTD.) Die sozial­demokratische Fraktion hat den Auftrag zur Bildung der neuen bayerischen Regierung an« -genommen. In einem Schreiben an den Landtagspräfidenten erklärte sich die Fraktion Bereit, den der Stärke der Fraktion entsprechenden Teil der Verant­wortung in der Führung der Staatsgeschäfte zu übernehmen. Sie hätte seit Jahren mit größtem Rachdruck auf die verhängnisvollen Folgen der Fehlbeträge im Staats­haushalt der letzten Jahre hingewiesen. Die durch die jahrelangen schweren Versäumnisse ent­standenen Fehlbeträge des Staatshaushaltes könnten nicht in einem Jahre beseitigt werden. Als Mittel für die Ausgleichung des Haus­halts seien die Vereinfachung und Ver­billigung der Staatsverwaltung so­wie weitere Kürzungen im Staats­haushalt geeignet. In dem Entschluß, den Auftrag zur Regierungsbildung anzunehmen, seien die Sozialdemokraten bestärkt worden durch die Rotwendigkeit, durch ein Arbeitsbe­schaffungsprogramm dem notleidenden Volke und der Wirtschaft zu Hilfe zu kommen. Da die Sozialdemokraten im ßanötage über keine Mehrheit verfügen, ersuchen sie den Prä­sidenten des Landtages, ihre Stellungnahme den Fraktionen der Bayerischen Volks- Partei, des Bauernbundes und der Deutschen Dolkspartei zur Kenntnis zu bringen.

Zu diesem Briefe bemerkt dieBayerische Volkspartei-Correspondenz", die Sozialdemokra­ten wollten also selbst mit keiner Fraktion direkt in Fühlung treten, sondern den Landtagsprä- sidenten als Mittelsmann in Anspruch nehmen. Rätselhaft sei, wie nach den bestimmten wieder­holten Verlautbarungen die Bayerische Volks- partei als eine der Parteien genannt werden könne, die für die Regierungsbildung in Be­tracht komme.

Neuer Kommunalskandal in Berlin.

Berlin, 28.Aug. (WTB.) Bei der Berliner Staatsanwaltschaft ist eine Strafanzeige eingegan- aen, in der behauptet wird, daß d i e S t a d t B e r - l i n den jetzigen Besitzern des durch seine Baufällig­keit wertlosen Grundstücks H e b e l st r a ß e 19, das diese bei der Zwangsversteigerung für 70 000 Mark erworben haben, bisher zu Renovie- rungszweckenmehralseinehalbeMil- lion zur Verfügung gestellt hat und daß weiter dieselben Leute zur Bebauung eines anderen für 170 000 Mark angekauften Charlot­tenburger Geländes aus öffentlichen Mit­te l n 1 500 000 Mark zugeschanzt erhalten baden. Die beiden Eigentümer ließen dann auch sowohl auf dem Grundstück Hebelstraße 19 wie auf dem anderen Gelände Bauarbeiten durchführen, fan­den aber für die von der Stadt erhaltenen zwei Mil- Honen anderweitige Verwendung, be­zahlten die Lieferanten, Handwerker und Arbeiter nicht, so daß jetzt von den Geschädigten Strafanzeige erstattet wurde.

Oie Parteien im Wahlkamps.

Wahlreden.

Graf Westarp für -ie Konservative Volkspartei.

In einer Gründungsversammlung der Kon­servativen Volrspartei in Chemnitz führte Graf Westarp u. a. folgendes aus: Die im Volke lebendigen konservativen Kräfte seien infolge fehlerhafter Führung bisher abseits gehalten und ihres Einflusses beraubt worden, während doch ohne ihren vollen Einsatz die Katastrophe nicht abgewendet und die Staats­autorität nicht wieder hergestellt werden könne. Der neue Reichstag werde sich mit der Siche­rung und dem weileren Ausbau eines Reformprogrammes zu befassen haben, das durch die große Rotverordnung des Reichs­präsidenten bereits begonnen worden sei. Man habe den Führern der Konservativen Volkspartei, der Deutschen Volkspartei und der Wirtschaftspartei einen Vorwurf daraus ge­macht, daß sie das Programm alsHinden­burg-Programm" bezeichnet hätten. Es handele sich dabei um die Frage, ob es politisch richtig sei, die Politik der Rotverordnung zu bekämpfen. Die Tatsache, daß es sich dabei um eine Politik des von der Rechten ge­wählten Reichspräsidenten vonHin- d e n b u r g in ganz besonderem Sinne handele, könne nicht bestritten werden. In seinen Kund- gebi ngen vom März d. I. habe der Reichs­präsident ausdrücklich die Rettung der Land­wirtschaft und des Ostens als sein per­sönliches Programm gefordert. Es sei da­her keine unzulässige Hereinziehung der Person des Reichspräsidenten in den Wahlkampf, son­dern lediglich die Feststellung einer hi­storischen Tatsache, wenn man darauf Hin­weise, daß der Reichspräsident die Initiative zu dem in der Rotverordnung begonnenen Reformwerk ergriffen habe. Die Konservative Volkspartei sei entschlossen, Öen Reichspräsidenten hierbei zu unter st ützen.

Minister Dietrich für die Deutsche Gtaatspartei.

In Stettin sprach für die Deutsche Staats- Partei Reichsfinanzminister Dietrich. Der Mi- nister erklärte, auch der neue Reichstag könne die Notverordnung nicht aufheben, ohne das Staats­ganze zu gefährden. Als Ursache der Notverordnung sehe er das mangelnde Verantwor­tung s b e w u ß t s e i n des letzten Reichs­tages. Der Minister forderte die Schaffung klarer |

Verhältnisse zwischen dem Reichsetat und der Ar­beitslosenfürsorge. Als einziges Mittel wirksamer Abhilfe bezeichnete der Minister die Wiederbe­lebung der Wirtschaft. Er beabsichtige daher auch nicht die Schaffung neuer Steuern, weil die Wirtschaft sie nicht mehr tragen könne. Dem deutschen Volke fehle noch der Staats- geist, aus diesem Mangel sei die jetzige Krise und als weitere Folge die Gründung der Deutschen Staatspartei entstanden.

D. Mumm für den Christlich-sozialen Volksdienst.

In Görlitz sprach der Führer des Christlich, sozialen Volksdienstes, Reichstagsabgeordneter D.Lic. Mumm. Zwei Fünftel der Abgeordneten des letzten Reichstags hätten keine Beziehungen mehr zu den christlichen Kirchen gehabt. Die Nichtbeteiligung bei den Wahlen fei einer der größten Sünden. Bei 90 vH. protestantischer Bevölkerung und trotz des Entscheids bei den Elternbeiratswahlen habe Sachsen seit über zehn Jahren nicht eine evangelische Bekenntnisschule. Das sei eine Mißachtung der Verfassung. Der Redner wandte sich gegen den Pessimismus und erklärt, das deutsche Volk habe noch große Aufgaben zu erfüllen. Eine individuelle Aufwertung hätte furchtbare Folgen gehabt, und sei^ darum nicht möglich gewesen. Die Leute, die immer nur an ihr eigenes verlorenes Ver­mögen dächten, müsse man bemitleiden.

Die Deutsche Bauernpartei in Hessen-Nassau.

WER. Kassel, 27. Aug. Die bisher nur in Bayern zur Geltung gekommene Deutsche Bauernpartei beabsichtigt jetzt auch in Hes- sen-Rassau in den Wahlkampf einzutre­ten und hat bereits eine eigene Liste auf­gestellt. An der Spitze dieser Liste steht der Bürgermeister von Oberellenbach im Kreise Ro­tenburg, Cornelius Trieschrnann, der als demokratischer Abgeordneter der Rationalver- sammlung angehörte, ferner Landwirt und Kreis­tagsabgeordneter Rau aus dem Kreise Mar­burg sowie der bisherige Reichstagsabgeordnetei der Deutschen Bauernpartei, A. Hillebrand. In den Richtlinien wird u. a. als einzige Steuer für die Landwirtschaft eine einheit­liche Flächen st euer verlangt, ferner die Offenlegung der Steuerlisten, die Heraufsetzung des Wahlalters auf 25 Jahre und eine Reichs­invalidenkarte für alle Deutschen unter gleichzeitiger Abschaffung der Deamtenpensions- rechte.

Oer Altonaer Bombenlegerprozeß

Altona, 27. Aug. (Tel.-Än.) Bei Beginn der Mittwochverhandlung im Bombenleger-Prozeh fehlten fünf Angeklagte. Es wurde beschlossen, in Abwesenheit dieser Angeklagten zu verhan­deln. Rechtsanwalt Dr. $raf von der Golz er­klärte, Dolck volle eine Aussage machen, ohne die anderen zu belasten und ohne Ramen zu nennen. Er sei 1927 auf einer vaterländischen Vortragsreise nach Holstein gekommen und später lange Monate dort tätig gewesen. Bei dieser Gelegenheit have er auch mit den Trägern der Landvolkbewegung Verbindung bekom­men. Das Ziel dieser Bewegung sei die innere und äußere Befreiung Deutschlands. Der Steuerbolschewismus richte den Bauern­stand, die Altquelle des Volkes, zugrunde. Mit gesetzlichen Mitteln habe sich eine Befreiung nicht mehr durchführen lassen. In Abwehr kommunisti­scher Gefahren, die nicht gering waren, sei die Wachvereinigung für Stadt und Land entstanden, in der sich deutsche Männer überparteilich zusammengefunden hätten. Da die Unzufriedenheit immer mehr gewachsen sei, hätten sich auch die Bauern gegen die so­genannte kalte Enteignung gesträubt. Hunderte von Höfen seien gepfändet wor­den. Run habe es gegolten, die Scholle zu ver­teidigen. In Beidenfleht habe sich der Volks­wille ganz spontan aufgelehnt und es sei der Sah geprägt worden:Unser Weg zur Freiheit geht durch die Gesängnisse." Die Kampfer seien reine Idealisten. Alle hätten aufgerüttelt werden müssen und daher sei der Gedanke ent­standen, demonstrative Akte zu veran­stalten. Er, Volck, habe sich dafür sofort zur Ver­fügung gestellt und die Knallpakete an bestimmte Orte bringen lassen. Heber

ihre Zahl verweigert er die Auskunft. Ge­bäudeschäden wurden nicht angerichtet, Menschen­leben nicht gefährdet. Sodann sei beschlossen worden, verschärfte Demonstrationen auch in anderen Gegenden Deutschlands zu ver­anstalten.

Man wünschte, die völkische Studentenschaft in die Bewegung hineinzuziehen. Man ist auch an den Alldeutschen Verband und Iustizrat Claß herangetveten, das Unternehmen, das da­mals noch geheimgehalten wurde, zu finanzieren. Die Verhandlungen scheiterten ebenso wie die mit Kapitän Ehrhardt an den Forderungen Heims, der allein 100 000 Mark verlangte, wäh­rend Volck 80 000 Mark erhalten sollte. Ein Versuch Heims, mit Hugenberg in Verbindung zu kommen, ist gleichfalls gescheitert. Infolge der Warnung eines Hamburger Astro­logen, der Gefangenschaft oder Exil für den Urheber der Anschläge fürchtete, ging Volck ins Ausland. Hamkens und Salomon will Dolck erst nach Ausführung der Anschläge kennen- yelernt haben. Er fuhr über München und Kuf­stein nach San Remo, Monte Carlo und Locarno. Als er von den Verhaftungen in Deutschland hörte, wechselte er fortwährend seinen Aufent­halt, bis er es Anfang Rovember für besser hielt, zurückzukehren, worauf dann seine Verhaftung erfolgte.

Rechtsanwalt Block bittet Volck zu fragen, ob ihm als alten Soldaten bekannt war, daß Handgranaten, wie sie in Wesselburen verwen­det wurden, nach zehnjährigem Lagern gar n i ch t m e h r gebrauchsfähig sein konnten. Volck bejaht dies. Der Vorsitzende fragt, wie er denn mit solchen Dingen habe demonstrie­ren wollen. Dolck wendete sich achselzuckend ab.

Der Skandal wurde bekannt durch den wirtschaft­lichen Zusammenbruch der Architekten Arthur Wagner und Ernst S ch a l d a ch, der Eigentümer des baufälligen Hauses Hebelstraße 19 und eines Gcbäudekomplexes in der Wernigeroder Straße ist. Von den Gläubigern Schaldachs wird behauptet, daß es Schaldach nur dadurch gelungen wäre, so er­hebliche Schulden aufzuhäufen, weil bei seinen Un­ternehmungen städtische Beamte angeblich ehrenamt­lich beschäftigt gewesen wären.

Das Nachrichtenamt der Stadt Berlin hat mitge- teilt, daß Schaldach aus öffentlichen Mitteln tat- ächlich 1 472 300 Mark für die Wohnungsbauten n der Wernigeroder Straße und Wagner außer­dem 342 000 Mark für die Instandsetzung des Ge­bäudes in der Hebelstraße erhalten hätten. Einzelne Lieferanten sind in verzweifelte Lage geraten. Die Lieferanten dürften leer ausgehen, während die Stadt vielleicht einen Teil ihres Geldes retten kann.

Der Handelsvertrag mit Finnland.

Wie wir aus gutunterrichteten Kreisen der Wirtschaft hören, hat der Kampf um den Finn­land-Vertrag sein entscheidendes Stadium er­reicht. Die Situation wird dadurch erschwert, daß bei den jetzigen Verhandlungen Deutsch­land nicht in der Lage ist, so große Angebote zu machen, wie seinerzeit bei den Privatab­kommen, wo es sich um die Hereinnahme eines Butterkontingentes von 7000 Tonnen handelte, &a man bei dem jetzigen Vertragsabschluß auf öcr Ebene der Meistbegünstigung verhandeln muß. Hinzu kommt noch, daß rein taktisch gesehen die deutsche Situation dadurch erschwert ist, daß wir einen beträchtlichen Aus- uhrüberschuß im Handel mit Finnland haben. So sind im ersten Halbjahr 1930 für etwa 66 Millionen Mark deutsche Waren nach Finn- ^"^Wangen gegen eine Einfuhr von nur 31 Millionen Mark für finnische Waren. Die

Verhandlungen dürften in den allernächsten Tagen geklärt sein, da für die Finnen jetzt eine ganz eindeutige Situation geschaffen ist.

Aus aller Wett.

Falschspieler.

Von der Plauener Kriminalpolizei wurden der Ingenieur Schmidt und seine Frau festgenommen, als sie von einer Badereise aus Zoppot zurück- kehrten. Das 'Ehepaar hatte im dortigen Spiel- kasrno durch Verwendung falscher Marken 18 000 Danziger Gulden erschwindelt. Es gelang, die Personalien der beiden Betrüger festzustellen, so daß sie in Plauen von der Polizei sofort in Empfang genommen werden konnten.

Schwindel mit einer Millionen-Erbschoft.

Seit einiger Zeit traten in Breslau zwei Frauen als Erbinnen einer 200-Mil- lionen-Erbschaft auf, und haben auf Grund dieser angeblichen Erbschaftsaussicht Waren und Darlehen für bisher etwa eine Million erhal en. Die be denErbinnen" behaupten, Rach­kommen eines in der schlesischen Ortschaft Dietz- dorf geborenen und in Riederländisch-Indien verstorbenen Kapitäns Bensch zu fein, der ein Vermögen von sieben Millionen Dollar, drei Tonnen Gold, mehrere Plantagen usw. hinter­lassen haben sollte. Sie kauften u. a. von einem holländischen Konsul, der von ihren Ansprüchen überzeugt war, seine Breslauer Villa für eine halbe Million, gestatteten ihm aber auf Lebens­zeit in derselben zu wohnen. Die beiden Frauen arbeiteten zusammen mit mehreren Helfershelfern, auch in der Weise, daß sie Anteilscheine auf die zukünftige Erbschaft ausgaben, mit denen in Breslauer Lokalen ein schwung­hafter Handel getrieben wurde. Als die Staatsanwaltschaft schließlich beim Auswärtigen

Amt anfragte, stellte sich der Schwindel heraus. 1 Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft wurden dieErbinnen", Frau Schneider und Frau Hart­mann, in Untersuchungshaft genommen. Bei der ersten Vernehmung machte Frau Hartmann An­gaben, die das stärkste Bedenken gegen ihre geistige Zurechnungsfähigkeit auf- kommen lassen.

Ein Kindermörder.

Am 4. August fand man in Wesermünde- Lehe in einem Kornfeld ein fünfjähriges Mäd­chen halbtot auf, an dem ein grauenhaftes Sitt­lichkeitsverbrechen verübt worden war. Unter ganz gleichen Umständen ist dann in Bre­merhaven während des Freimarktes ein siebenjähriges Mädchen verschwunden und trotz fieberhafter Suche nicht gefunden worden. Wohl aber haben sich Zeugen gemeldet, die beob­achteten, wie ein genau beschriebener Mann das Kind mit nach Wesermünde nahm. Dieser Mann ist nun anscheinend in der Person des Maurers Künne aus Wesermünde verhaftet worden. Mehrere Leute wollen ihn einwandfrei wiedererkannt haben. Er ist bereits zweimal in einer Irren­anstalt untergebracht gewesen, einmal davon wegen eines Sittlichkeitsverdrochens. Don dem blauen Anzüge, den er am Tage eines ver­mutlichen Verbrechens anhatte, fehlte die blaue Hose. Run entdeckte man auch auf einem Lager­plätze, den K. gepachtet hatte, diese Hose, die mit Blut bedeckt war, und außerdem auch blutige Unterwäsche. Künne erkannte im Polizeigefängms diese Kleidungsstücke als sein Eigentum an. In seiner Wohnung wurden inzwischen verschiedene Briefe und Schriftstücke aufgefunden, aus denen hervorgeht, daß Künne der Verfasser von anonymen Zuschriften war, in denen die Polizei nach Düsseldorfer Vorbild verhöhnt wurde. Künne leugnet jede Schuld.

Wieder zehn russische Silberaufkäufer hingerichlet.

Zehn Aufkäufer und Hehler großer Silber­münzenbeträge, die sich auch aktiv mit der Ver­breitung konterrevolutionärer Ge­rüchte befaßt haben sollen, wurden von der staatlichen politischen Verwaltung zum Tode verurteilt. Das Urteil ist bereits voll- st r e ck t worden.

Verhängnisvoller Irrtum.

In Rorton (Virginia) wollte die Leitung einer Pulverfabrik 40 Kisten Explosivstoffe, die sie für unbrauchbar geworden hielt, verbren­nen. Es erfolgte eine furchtbare Explosion, die in einer nahegelegenen Ortschaft vier Häuser zerstörte und in einer eine Meile weit entfernten Schule sämtliche Kinder von ihren Sitzen warf. Zahlreiche Personen wurden verletzt. Die Erschütterung war in weitester Umgebung zu verspüren: man dachte allgemein an ein Erd­beben.

Giftgaskatastrophe.

In Denver (Kolorado) wurde ein mit 110 Tonnen flüssigem Chlorin beladener Tank­wagen vor einer Fabrikanlage für feuerfeste Tonprvdukte leck. entwickelten sich sofort gelbe Schwaden von Chlordämpfen. 26 Per­sonen, darunter mehrere Feuerwehrleute, mußten in bedenklichem Zustande gasvergiftet ins Krankenhaus gebracht werden.

70 Opfer des Lübecker Kindersterbens.

Durch zwei neue Todesfälle hat sich die Zahl der Todesopfer der mit dem Calmette-Echutz- präparat gefütterten Lübecker Säuglinge auf 70 er­höht. Krank find noch 50 Kinder.

Die Wetterlage.

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Werre rpocü "Stage.

Mit der über Skandinavien zugeströmlen Kalt­luft hat sich dort der hohe Druck weiter abgebaut und den Schwerpunkt nordwärts verlagert. Heber Rorwegen und der Ostsee lagert infolgedessen jetzt der Kern des Hochdruckgebietes mit Baro­meterständen von über 770 Millimeter. Deutsch­land, das nun im Bereich seiner Südseite liegt, erhält damit ausfließende, d. h. nordöstliche Luft. Dabei bleibt der herrschende Witterungscharak­ter vorerst noch bestehen.

Aussichten für Freitag: Meist heiter, stellenweise morgens dunstig, warm und trocken.

Aussichten für Samstag: Fortdauer der Wetterlage, oder aufkommende Gewitterstörungen wahrscheinlich.

Lufttemperaturen am 27. August: mittags 27,8 Grad Celsius, abends 18,1 Grad: am 28. August: morgens 16,6 Grad. Maximum 27,8 Grad: Mini­mum 12,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 27. August: abends 25,2 Grad, am 28. August: morgens 17,8 Grad CelsiuS. Sonnenscheindauer 101/, Stunden.

Keisewelterdiensk.

Garmisch - Partenkirchen: 16 Grad^ Südwestwind, heiter bis halb bedeckt.

Baden-Baden, 18 Grad, Windstille,heil«.