Ausgabe 
28.7.1930
 
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Ur. 174 Zweiter Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Montag, 28. Juli 1930

Okkultes Erlebnis.

Don p. Messer Platz.

Dor Jahren erregten berechtigtes Aufsehen die Versuch« des Genfer Universitätsprosessors Flournoy, die er mit dem Medium Helene Smith machte. Fünf Jahre sorgfältigster Be­obachtung brachten neue und wertvolle Tat­sachen über dessen Trancezustände zu Tage, die als »Inkarnation", als eine Art »Besessenheit" bezeichnet werden können. Bei der Seltenheit sol­cher stark medial begabter Personen ist cs be­deutsam, daß auch in der Gegenwart ein ähn­liches Medium lebt, Heinrich Melzer. Hier soll über Privatsitzungen mit diesem Medium berichtet werden.

Bei hellster Beleuchtung des Zimmers, an einem kleinen Tischchen direkt bei den Teilneh­mern sitzend, bringt sich das Medium durch Schreiben fast sofort in Trancezustand. Er dauert meist drei bis vier Stunden, in deren Verlauf ununterbrochen »Geister" in den Körper des Mediums cintreten oder nach anderer Erklä­rungsweise sein unterbewußtes Ich in ver­schiedene Einzelpersönlichkeiten sich spaltet. Er­staunlich ist, daß nicht nur Haltung, Stimme, Tonfall, Dialekt und Gesten dem jeweiligen »Geist" entspreche, daß nicht nur fremde Spra­chen und Schrift produziert wird, sondern daß auch Lransfiguration am Mediumkörper stott- findet. So bilden sich zum Beispiel dicke Tränen- säck« unter den Augen, oder eine Art Wundmal erscheint an den Händen.

Bei einem kurzen Bericht ist es unmöglich, auch nur einen Begriff von der Zahl und Eigen­art der sich Manifestierenden zu geben. Immer wieder erscheinen neue Trancepersönlichkeiten, nach ihrer Angabe meist Verstorbene: bestimmte, be­sonders charakteristische Gestalten kehren aber fast bei jeder Sitzung wieder. Zu den prägnan- testen derselben gehört »Lissipan" und die »Mut- ter Adam". Erstere gibt an, eine Prinzessin aus dem Hause der Mandschu zu sein, die mit acht fahren starb Man kann sich nichts Reizvolleres denken als chre zierlichen und doch so beherrsch­ten Bewegungen, so daß man völlig vergißt, daß sie von dem medialenWerk,zeug", einem 60jährigen Mann, ausgeführt werden. Weih die .Prinzessin" auf die vielerlei Fragen der Teil­nehmer keine Antwort, so wendet sie sich an ihren unsichtbaren Führer, den »Guru", und übermittelt dessen, oft sehr feine und gehaltreiche Worte. Zu ihrem »Lied von der Mandelblüte" verfertigte sie auf Wunsch unglaublich rasch eine

Illustration, die ganz den Charakter chinesischer Tuschzeichnunyen trägt. Bei einem improvisier­ten Klavierspiel führt sie einen solch ergreifenden Opfertanz auf, daß jede Künstlerin des modernen Ausdruckstanzes Anregung davon hätte ge­winnen können.

Einen völligen Gegensatz dazu bildet die »Mut­ter Adam", ein bayerisches Kräuterweib, das vor etwa hundert Jahren gestorben sein soll. In derb­ster Ausdrucksweife äuhert sie sich über ihre Zeit, über Sitten und Menschen, beantwortet Fragen naturwüchsig, originell, oft mit bissigem Humor und gibt genaue Angaben über ihr Leben, ihre Heimat und ihre ehemalige Tätigkeit. Ihr eignet die besondere Fähigkeit, aus hingelegten Taschentüchern die Krankheit des Besitzers zu erfühlen. Meist ohne dieselben zu kennen, gibt sie mit ruhiger Sicherheit genaue Einzelheiten über Organschäden und -schwächen bis in ört­liche und zeitliche Einzelheiten. Wenn sie es für nützlich hält, so diktiert sie die Zusammensetzung eines Kräutertees. In einer Sitzung kam es zu sechs solcher Diagnosen, die von den Betreffenden sckweit sie selbst ihre Krankheit kannten als absolut zutreffend bezeichnet wurden.

Die außerordentlichen Fähigkeiten, die das Medium Heinrich Melzer zeigt, bei dessen Phänomenen häufig auch Apporte (Bringungen) auftreten, lassen immer aufs neue den Wunsch aufsteigen, daß sich die Wissenschaft mehr noch als bis jetzt an der genauen Erforschung solcher okkulten (dunklen) Geschehnisse beteiligen möchte. Aur die Wissenschaft kann entscheiden, ob hier Ich-Spaltung oder Besessenheit vorliegt und in welch größere Zusammenhänge all diese Phä­nomene gehören.

999 Worte Bayrisch."

»Dos Bayrische ist eine männliche Sprache. Cs ist grob gegen das gemütliche Frankfurterisch, saftig-sinnlich gegenüber dem Ostpreuhischen: sein Witz ist trockener als der des rheinischen Platt, gemütvoller als der der Berliner Zunge: seine Haltung ist würdevoll im Vergleich zum Ober- sächsischen, kraftvoll im Vergleich zum Wieneri­schen, klangvoll im Vergleich zum Alemanni­schen: neben dem Pfälzischen erscheint es schwer­fällig, neben dem Schwäbischen durchsichtig " So charakterisiert Johann Lachner das bajuva- rische Idiom in einem lustigen und nützlichen Buch9 9 9 Worte Bahris ch", das er als »Eine kleine Sprachlehre für Zugereiste, Fremde und Ausländer" bei Georg Miller in München veröffentlicht. Auf die angenehmste und spaßigste

Turnen, Sport und Spiet.

Verbands Regatta des Süddeutschen Ruderverbandes.

Dem Wassersportoerein Hellas", Gießen, war die Durchführung der Ver­bands-Regatta des Süddeutschen Ru­derverbandes übertragen worden, die am gestrigen Sonntag auf der Lahn ftattfond. Eine verhältnismäßig ansehnliche Zahl von Vereinen Halle dem Ruf des Hellas" Folge geleistet, um in den einzelnen Rennen ihre Kräfte zu messen. Cs trafen in geschiedenenRennen ziemlich gleichwer­tige Gegner aufeinander, die sich schöne Kämpfe lieferten.

Wenig vom Wetter begünstigt, begannen am Vormittag bei anhaltendem Regen die Bar­re n n c n. Bereits hier wurde teilweise recht guter Sport geboten.

Die Hauptrennen am Nachmittag nahmen ihren Anfang bei etwas besserem Wetter, als am Vormittag. Wenn auch nicht gerade hellster Sonnen­schein die Veranstaltung begünstigte: war dennoch eine stattliche Zuschouermenge an den Ufern der Lohn erschienen, um sich die Wettkämpfe anzusehen. Einige Regenschauer, die noch niedergingen, hatten feinen nennenswerten Einfluß auf die Regatta. Der festgebende Verein wickelte die ihm gestellte Ausgabe glatt ab, und er kann mit dem Verlauf der Veranstaltung zufrieden sein. Auch in fport- licher Beziehung hat er gut abgeschnitten.

Nachstehend die Ergebnisse der Vor- und Hauptrennen (Bahnlänge 1800 Meter):

Borrennen.

Iungmann-Einer (Ehrenpreis): 1. Lauf: 1. WassersportvereinHellas", Gießen (Karl Becker), 7:03,8 Min.; 2. RuderklubHassia", Gießen (Rudi Schmidt), 7,04 Min. Schmidt,Hassia", liegt bei 1000 Meter klar in Führung, muß sich aber dem ftarf auskommenden Becker,Hellas", beugen, der bann bet den letzten 100 Meter den Sieg für sich entscheidet. 2. Lauf: 1. Arbeiter-Ruder- und SchwimmoereinVorwärts", Offenbach (August Lang), 7,34 Min. im Alleingang. Das Hauptrennen bestreiten demnach Hellas", Gießen undVor­worts", Offenbach.

Zweiter Senior Achter (Ehrenpreis): 1. Lauf: 1. RudervereinFreiheit", Mühlheim, 5,36 Min. im Alleingang. 2. Lauf: 1. Arb.- Ruder- und SchwimmvereinVorwärts", Offen­bach, 5:31,4 Min.: 2. Ruderklub Raunheim 5:39,2 Min. Bei 1000 Meter hat sichVorwärts", Offen­bach einen kleinen Vorsprung erkämpft und sichert sich bis ins Ziel mit gut zwei Bootslängen voraus den Sieg. »

Jungmann - Achter (Ehrenpreis): 1. La u f: 1. Wafferfportoerein .Hellas", Gießen (Willi Staffel, Karl Strack, Albert Schöndorf, Willi Will, Fritz Lotz, Karl Lipp, Heinrich Becker, Karl Becker; Steuer: August Baumann) im Alleingang. 2. Lauf: 1. RuderklubHassia", Gießen (Willi Reh, Heinrich Heilmann, Heinrich Liehr, Heinrich Rühl, Ludwig Dehus, Erich Eisenträger, Otto Uhl, Friedr. Dirlamm, Steuer: Emil Noll), 5,36 Min.: 2. Arb.-Ruder, und SchwimmvereinVorwärts", Offenbach, 5:40,8 Min. Vom Start weg übernimmt Hassia", Gießen, die Führung und gewinnt, immer stark bedrängt von Offenbach, das Rennen mit etwa einer Bootslange Vorsprung sicher. Im Haupt­rennen treffen sich nach diesem Ergebnis die zwei ersten aus den beiden Läufen.

Ermunterungs-Vierer (Ehrenpreis): l.Lauf: 1. RuderklubBorussia". Frankfurt, 6:47,4: 2. RuderklubGermania", Offenbach, gleich nach dem Start aufgegeben. 2. Lauf: 1. Ruderklub.Hassia", Gießen (Willi Reh, Hans

I Rühl, Heinrich Liehr, Heinrich Heilmann: Steuer: Jakob Lehr) 624; 2. Ruderverein Wetzlar 6:32,2. »Hassia", Gießen, hat die bessere Mannschast und gewinnt das Rennen sicher. Das Hauptrenncn sieht somit .Borussia", Frankfurt, und .Hassia". Gießen, am Start.

Hauptrennen.

Begrühungs - Vierer (Heraussorde- rungspreis): 1. WassersportvereinVorwärts", Mannheim. 6:04.8; 2. Ruderverein Wetzlar 6:13,8; 3. Ruderklub 03. Mainz. 6:17.6. Die Mannheimer sehen sich kurz nach dem Start an die Spitze und gewinnen sicher mit etwa einer Bootslänge Vorsprung vor Ruderverein Wetzlar und Ruderklub Mainz.

Anfänger-Vierer (Ehrenpreis): 1. Ru­derklub »Germania". Offenbach, 6:32; 2. Ruder­verein Wetzlar 6:41,6. Offenbach hat die stärkere Mannschast, gegen die Wetzlar nichts ausrichten kann. Mit gut vier Bootslängen Vorsprung fährt Offenbach einen schönen Sieg nach Hause.

Junior-Einer (Ehrenpreis): 1. Arb- Rudcr- und Schwimmvcrein »Vorwärts", Offen­bach (Hermann Kümmel) 6:37,6 Min: 2. Wasser- sportvercin »Hellas", Gießen, (Albert Schön­dorf) knapp vor dem Ziel umgefallen. Ein schönes Bord-an-Bord-Rennen auf der ganzen Strecke. Kurz vor dem Ziel gerät Albert Schön­dorf, »Hellas" Gießen, mit seinem Gegner, Her­man Kümmel, »Vorwärts "Offenbach", in Kol­lision, bei der Schöndorf ins Wasser fällt und so für den Sieg nicht mehr in Betracht kommen kann.

Erster Iungmann-Dierer, t. Abtei­lung (Ehrenpreis): 1. Wassersportverein Hellas" Gießen (Fritz Lotz, Karl Lipp, Heinrich Becker, Karl Becker: Steuer: Karl Strack) 6:15. 2. Ruderverein, Wetzlar, 6:23,4. Die Hellas- Mannschaft fährt ein schönes Rennen nach Hause, obwohl sie bei der 1000-Meter-Marke noch nicht in Führung liegt.

Erster Iungmann-Dierer, II. Ab­teilung (Ehrenpreis): 1. Arb.-Ruder- und SchwimmvereinVorwärts", Offenbach, 6:18,2; 2. RuderclubBorussia", Frankfurt, 6:21,8. Be­reits zu Beginn des Rennens nimmtDor­wärts", Offenbach, die Spitze ein und vergrößert den Dorsprung auf etwa eine Dootslänge bis ins Ziel.

Leichtgewichts - Schüler - Vierer (Ehrenpreis), Bahnlänge 1000 Meter: 1. Wasser­sportvereinHellas", Gießen, (Willi Dinges, Ludwig Pfeil, Ernst Keibel, Erich Walldorf; Steuer: Karl Becker) 4:11,6 im Alleingang.

Iungmann-Einer (Ehrenpreis): 1. Arb.- Ruder- und SchwimmvereinVorwärts", Offen­bach (August Lang), 7:04; 2. Wassersport­

vereinAllas", Gießen (Karl Decker), 7:09,2. Beide Boote kommen gut vom Start ab; der Osfenbacher Lang erweist sich als der Bessere und gibt schon auf der Strecke dem Gießener das Rachsehen. Mit gut drei Bootslängen voraus erkämpft sich Lang den.Sieg.

Schüler-Vierer (Ehrenpreis, Dahnlänge 1000 Meter): 1. RuderklubUndine" Rüsselsheim, 3: 40,2 Min.; 2. RuderklubGermania" Offenbach, 3,46 Min.; 3. WassersportvereinHellas" Gie­ßen (Willi Dinges, Ludwig Pfeil, 6mft Keibel, Erich Walldorf: Steuer: Karl Strack), 3,48 Min. Die Rüsselsheimer Jugend verfügt über größeres Können und fährt einen sicheren Sieg nach Hause. Um den zweiten Platz kämpfenGermania" Offenbach undHellas" Gießen.

Zweiter Senior-Achter (Ehrenpreis): 1. Rudcrv. .Freiheit" Mühlheim, 5:30,2 Min.; 2. Arbeiter-Ruder- und Schwimmverein ..Vor­wärts" Offenbach. 5:36,2 Min.Freiheit" Mühl­heim hat sich bereits bei 1000 Meter die Führung gesichert und kann das Rennen mit etwa einer Bootslänge voraus als Sieger beenden.

Zweiter Iungmann-Vierer, 1. Ab­teilung (Ehrenpreis): 1. Arbeiter-Ruder- und SchwimmvcreinVorwärts" Offenbach. 6: 48.8 Min.; 2. Ruderverein Wetzlar. 7:05.6 Min. Die Osfenbacher Mannschaft hat nicht viel zu tun, um die Wetzlarer auf den zweiten Platz zu ver­weisen.

Zweiter Iungmann-Vierer, 2. Ab­teilung (Ehrenpreis): 1. RuderklubBorussia" Frankfurt, 6:28 Min.; 2. RuderklubGermania" Offenbach, kurz vor dem Ziel wegen Behinderung ausgeschlossen.

Senior-Einer (Ehrenpreis): 1. Wasser- sportvcreinHellas" Gießen (Albert Schöndorf), 7:22,6 Min. im Alleingang.

Junior-Vierer (Ehrenpreis): 1. Ruder­klub. Raunheim, 6:17 Min.: 2. Wassersportv. Hellas", Gießen (Fritz Loh, Karl Lipp, Heinrich Decker, Karl Decker; Steuer: Karl Strack), 6:18,8; Ruderverein Wetzlar 6:46. Die Junioren des Raunheimer Ruderklubs haben sich den Sieg gegen die Gießener Hellas-Mannschaft teuer erkaufen müssen, denn gegen Ende des Rennens sind die Gießener stark aufgelaufen und haben dem Sieger viel zu schassen gemacht.

Erster Senior-Vierer (Ehrenpreis):!. Wassersportv.Dorwärts", Mannheim, 6:04,4; 2. RudervereinFreiheit", Mühlheim, 6:08,6. Die Mannheimer sind die weitaus Desseren und

können einen wohlverdienten Sieg für sich buchen.

Iungmann-Achter (Ehrenpreis): 1. Ru­derklubHassia", Gießen (Willi Reh, Heinr. Heil­mann, Hch. Liehr, Hch. Rühl, Ludw. DcduS, Erich Eisenträger. Otto Uhl, Friedr. Dierlamm; Steuer: Emil Roll), 5:45,6; 2. Wassersportv. Hellas". Gießen (Willi Staffel. Karl Strack. Alb. Schöndorf. Willi Will, Fritz Loh, Karl Lipp. Hch. Becker. Karl Becker: Steuer: Aug. Bau­mann), 5:51,4.Assia" ist seinem Gegner über­legen und kann einen sicheren und schönen Sieg nach Hause fahren.

Schüler Achter (Ehrenpreis), Bahnlänge 1000 Meter: 1. RuderklubUndine", Rüsselsheim, 3,25 Min.; 2. RuderklubGermania", Offenbach, 3 34,8 Min. Den Rüsselsheimern ist es nicht schwer gefallen, die Offenbacher auf den zweiten Platz zn verweisen und einen sicheren Sieg zu erzielen.

(Ermunterung s Vierer (Ehrenpreis)? Durch die am Vormittag ausgefahrenen Vorrennen waren für die Entscheidung Ruderklub ,Maffia", Gießen, und RuderklubBorussia", Frankfurt, vor» gefehen. Durch den Sieg derBorussia", Frankfurt, im Iungmann-Vierer und derf)affia", Gießen, im Iungmann-Achter, scheiden beide Teilnehmer für dieses Rennen aus Ruderverein Wetzlar, der in einem Laus der beiden Vorrennen zweiter gewor­den war, kommt dadurch in das Hauptrennen und gewinnt im Alleingang. Zeit 7:20,8 Min.

Großer-Achter (Wilhelm Falkenheiner» Gedächtnispreis, Herausforderungspreis): 1. Wasser» fportocreinHellas", Gießen (Karl Strack, August Baumann, Willi Staffel, Willi Will, Willi Balser, Fritz Rupp, Fritz Lotz, Karl Rupp; Steuer: Erich Walldorf) im Alleingang.

fflotorrabrennenMd um Schotten".

Ein großer Tag war gestern wieder für Schotten gekommen. Zum sechsten Male wurde auf der bekannten Rennstrecke, demDogclsberger Rürburgring", das Motorradrennen Rund um Schotten, verbunden mit einem von der Obersten deutschen MotorradsPortbchörde festgesetzten Deutschen Meisterschafts­lau s abgehalten. Aus kleinen Anfängen hat sich dieses Rennen entwickelt, das heute zu den größ­ten sportlichen Ereignissen Südwestdeutschlands auf dem Gebiet des Motorradsportes zählt.

Schotten hatte sich zum Empfang der Fahrer und Gäste festlich geschmückt. Ehrenpforten, über­all Fahnen hießen willkommen. Der Vogels- berger Automobil- und Motorrad­klub, der das Rennen aufzog, arbeitete in seinem Rcnnbureau und in seinen verschiedenen Kom­missionen unermüdlich schon seit Wochen, um die großen Dorbereitungen zu treffen. Alles war bestens organisiert und gerichtet. Schon seit Mitt­woch trafen die Fahrer ein, um sich für den End­spurt zu trainieren. Ihre gute, freie Unterbrin­gung und Verpflegung war Ehrensache des Klubs. Deutschlands erste Kräfte auf dem Gebiete des Motorradsportes, wie Bauhofer, Zündorf, Klein, Wiese, Rüttchen, Pätzold u. a. m. sind zum Meisterschaftslauf gestartet. Auch der erste Sieger auf dem Rürburgring, der Engländer Bullus (109,3-Stundenkilometer-Rekord auf Rürburgring) war zum Rennen gekommen. So lag große Spannung über dem ganzen Rennen.

Die Rennstrecke führte von Schotten über Ru­dingshain nach der Poppenstruth auf der Feld- krückerhöhe, über Ludwigsbrunnen, Götzen, Was­serwerk zurück, sie ist 17,6 Kilometer lang, hat Steigungen bis über 600 Meter zu überwinden, sehr viele und scharse Kurven, eine ideale, auch landschaftlich wunderschöne Strecke. Sie war für das Rennen besonders hergerichtet und gesäubert

worden, manche früher gefährliche Kurven wur­den überhöht und verbessert. Die Strecke war durch Draht an den gesährlichen Stellen abge­sperrt, ein großes Aufgebot der Schutzpolizei sorgte für die nötige Aussicht und Absperrung. Eine Telephonleitung war um die Strecke ge­legt, so daß jederzeit mit den verschiedenen Posten auf der Strecke eine Verständigung mög­lich war. Mehrere Streckenärzte, die freiwillige Sanitätskolonne Schotten waren über die Strecke verteilt. Am Start und Ziel, die sich am Aus­gang von Schotten, Vogelsberger Straße, be- sanden, waren mehrere Zelte für die Renn­leitung, für die Ehrengäste, für die Presse er­richtet. Eine Reihe von Wirtschaften sorgten für das leidliche Wohl der Zuschauer. Diele Parkplätze waren in der Stadt und in der Röhe eingerichtet, um die Masse der Autos und Räder unterzubringen. Die Reichsbahn hatte einen Sonderzua eingelegt, um die Zuschauer von Frankfurt heranzubnngen. Auch der Süd­westdeutsche Rundfunk hatte sich für das Rennen interessiert und übertrug den Endverlauf durch das Radio.

Zu Beginn der Rennen gingen leider starke Regengüsse nieder, dichter Rebel verhüllte das Landschaftsbild, und erst gegen Ende klärte sich der Himmel auf. Trotzdem war das Interesse deS Publikums außerordentlich rege, die Rekord- zuschauermenge, die die Rennen mit lebhaftem Anteil verfolgte, betrug schätzungsweise etwa 50 000. Die Organisation klappte ausgezeichnet, und trotz des starken RebelS ereigneten sich keinerlei Unfälle.

Das erste Rennen über zwei Runden bestritten die Beiwagen-Lizenzfahrer, wobei sich der Frankfurter Dernh. Schneid (Hecker-Iap) in der großen Klasse den Sieg holte, nachdem der favorisierte Kürten (Düsseldorf) ausge-

Wcise werden wir hier durch das dornige Laby­rinth dieses Sprachgeistes geleitet, der so viel Urwüchsiges hervorgebracht hat, und dabei spie­len natürlich die Kraftworte eine nicht geringe Rolle.Der Bayer nimmt nicht leicht etwas krumm", erfahren wir,sondern freut sich von Herzen über saftige Ausdrücke, auch wenn er selbst damit belegt wird. Cs gibt keine andere Sprache, in der sich zwei Spähzi (enge Freunde) ihre EigensAften in so farbenreichen Worten vorhalten könnten, kein anderes Dolk, bei dem das so unerschöpfliche Heiterkeit auslöst.

Don den folgenden, ihrer ursprünglichen Be­deutung nach durchwegs kritisierenden Ausdrücken kann beinahe die Hälfte ins Komisch« gewendet werden. Einige sind, unter Freunden gebraucht, direkt anerkennend. Rur lobend sagt man in der Stadt zu einem luftigen Kerl, der viele Spassettln und Gschpah weih, er ist ein D i h ch. Je nach der Lage kritisierend, komisch oder an­erkennend sind die Bezeichnungen Trohps, Lump, Hodalump, Bahzi, Gauna, Luada, Spihzdua, Spihzbuamheiptling, Schlawihna (mit Dorsicht zu gebrauchen), Sau (nur in der Stadt anerken­nend), Eaggramenta; dazu die Eigenschafts­wörter absckeiliga (abscheulicher), schlechta, ganz schlechta, vadächtiga oder vodächtiga, ohdrahta, ciskoita (zu Trohpf), miferabliga, elendige, aus- gschamta. Rur fritifierenb und recht beleidigend sagt man Kerl, Lacki, Hammi, Pfundhammi, g s ch e h r t a R a m m i. um die gröberen mensch­lichen Spielarten zu bezeichnen; Däpp. Schäps, Schohf bei da Rächt, Rindvihch, damischa Ritta, um auf mangelnden Geist anzuspielen; dasselbe, in Verbindung mit Unmännlidjfeit bedeuten Lapp, Lattirl, Dohdirl; unfreundlich sind noch Hans- Wurscht und Ctrihzi, grob ist das Schimpf­wort Krüppi. Dazu die Eigenschaftswörter damischa, deppata, windiga, ftinfata (bei Men­schen selten). Darerfta. Die stärkste Beschimp­fung ist etwa: Sauhund, varecktal Spezialitäten sind: für Kinder Mistbua, Rohzbua, Fratz (auch zu jungen Mädchen) und im stärksten Fall, wenn etwa der Bub dem Vater das Bier umstoht, Saubua: für einen alten, gebrechlichen Mann o i b a Krakla, für einen täppisch gewordenen Greis oida Dahdirl (dagegen ist o i d e H ü 11 n eine intimfreundschaftliche Anrede); für einen, der sich unverständlich benimmt, spinnata Deisi; für einen, der unnatürlich ist und immer etwas besonderes macht, Krampfbruada (weiblich Krampfhenna); für einen Geizigen Schund- niggl (Eigenschaftswörter schundi und nohdi); für einen habgierigen Ruach (Zeitwort ruacha). Schließlich nennt noch der Münchener jene Leute,

die aus dem Balkan zum Kunststudium in feine Stadt kommen, Schlawihna. Der Ausdruck hat sich dann auf alle übertragen, die lange Haare haben und sich mit verdächtigen Dingen wie Literatur, Schachspielen im Kaffeehaus, moder­nem Tanz usw. beschäftigen. Der Schlawihna ist ein verdächtiger Mensch und deshalb kann der Ausdruck unter Freunden auch als Anerkennung (siehe oben!) gebraucht werden. Er hat dann den Sinn von Bahzi, vadächtiga. Die Weibs­bilder kommen auch nicht ungeschoren Patron. Besonders die alten. Man heißt sie (Einzahl) oide Trummel, oide Schartäkn, oide Echraubn; wenn sie recht bös sind, Beißzonga oder Bihsgum. Bei den jungen unterscheidet man zwischen einer faden Wacht! und dem Gegenteil, der Flihtschn (oder dem Flihtscherl) und dem schon ganz sich wegwerfenden Fehn» Schlampn ist eine unordentliche Person, Mist­amsel ein leeres Schimpfwort, ebenso gscherte Mölln und Loas. Dinge werden kritisiert durch Wörter G l u m p, Graffi, Schmarrn, D r e h g. Glump und Graffi ist etwas, was nichts taugt, Schmarrn etwas, was nichts heißt. Run seien noch die kritischen Präfixe erwähnt, Hauptwörter, die man vor andere stellt, um diese zu kenn­zeichnen. Sie heißen in der Reihenfolge der Stei­gerung Malefiz-, Saggraments- und Bluats-. Wenn man in em Wirtshaus kommt und die Kellnerin geht nicht gleich her und fragt, was man will, und hernach ist das Bier auch noch warm, so handelt es sich, je nachdem, um eine Malefizwirtschast, Saggramentswirtschast oder Bluatswirtschaft. Malefiz ist ein harmloser Tadel, Bluats eine furchtbare Verwünschung. Außer­dem sagt man noch Bruch-, womit das Kläg­lich«, Kümmerliche einer Sache betont wird.

Elchbutten als Verkehrshindernis.

Eine seltsame Panik wurde dieser Tage in den Straßen der amerikanischen Stadt Duluth hervorgerufen. Die Störenfriede des Verkehrs waren vier Elchbullen, riesige Vertreter dieser fast völlig ausgestorbenen Hirschart, die noch in öen_ Wildnissen von Minnesota erhalten ist. Die mächtigen Tiere riefen unter den Passanten ein furchtbares Entsetzen hervor, da sie in wilder Erregung umherrannten. Einer der Dullen stellte sich einem Lastkraftwagen entgegen, der mit ihm zusammenprallte. Der Wagen war wenig be­schädigt, aber der Elch war tot. Die drei an­deren Dullen entkamen, nachdem sie viel Un­heil angestiftet hatten, und kehrten nach diesen; Ausflug in die Willmis zurüch , .