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freie Aussprache zulasse und Liese nicht unter dem Zwange der Peitsche vornehme. Hier­auf wird über den Vertagungsantrag abgestimmt, gegen den die Regierung die Ver­trauensfrage stellt. Der Antrag wurde mit 319 gegen 262 Stimmen abgelehnt.

3n der Rachmittagssihung verlangt imRamen dem Kammerausschusses für Auswärtiges dessen Berichterstatter Abgeordneter Soulier von der Fraktion Marin, der Kriegsminister möge die Besatzungstruppen aus dem Rhein­land nicht eher -tzurückziehen. bis die vorgesehenen Zerstörungen vol kommen durchgeführt feien. 3m Falle einer Richt- ersüllung der Verpflichtungen durch Deutsch­land würden über dieses wirtschaftliche Sanktionen verhängt werden. Man werde jetzt Deutschland auf die Probe stellen. Man werde erfahren, welchen Wert das Wort dieses heute unter dem republikanischen Regime habe. »Wir", so rief Soulier aus, , haben Vertrauen zu diesem Volke. Gleichzeitig beweisen wir aber auch unser Vertrauen in die Zukunft unseres Landes und die kommenden Regierungen, die dafür sorgen werden, daß das geschworene Wort eingehalten wird."

Kleine politische Tlachnchten.

Der Reichstag verabschiedete das ganze Gesetz über die Rachträge zuch Haus­haltsplan 1 9 29. Dabei wurde der noch­mals von den Demokraten gestellte Antrag auf Wiederherstellung der im Ausschuh gestrichenen 400 000 Mark für Auslandpropaganda der Leipziger Messe wiederum mit 190 gegen 129 Stimmen abgelehnt. Es wurde dann noch die zweite Beratung des G a st st ä t t en - g e s e h e s begonnen, aber nach, einiger Zeit ab­gebrochen.

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Die Wohnungen der Nationalsozialistin schen Führer in Hiddesen, Barntrup, Hum- feld und Horn sowie die Geschäftsstelle der Partei in Detmold wurden von der Kriminalpolizei durchsucht. Dabei wurden verschiedene Druck­sachen und sonstiges Material beschlagnahmt. Der Führer der Hitlerjugend, Winkelmann aus Hiddesen, wurde festgenommen. 3m Lippischcn Landtag erklärte der Vorsitzende des Landes­präsidiums, Drake: Die Untersuchungen und Ver­haftungen sind vorgenommen worden auf Grund richterlicher Anordnung in Durchführung einer anhängigen Voruntersuchung gegen Winkelmann und Genossen wegen dringenden Verdachts einer schweren kriminell strafbaren Handlung.

Die Rational Geographie Society in Washington hat in feierlicher Sitzung Dr. E ck e n e r ihre goldene Medaille überreicht. Die Verleihung dieser Auszeichnung stellt eine ganz besondere Ehrung Dr. Eckeners dar. Bisher ist in 42 3ahren die goldene Medaille der R. G. S. nur elf mal zur Verleihung gelangt. Unter den mit ihr Ausgezeichneten befinden bzw. be­fanden sich Peary, Amundsen, Byrd, Lindbergh, Shackleton, Stefanson und Lwohd Dennet.

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3n Brüssel hatte Mac Franck, der Gouver­neur der Amerikanischen Rationalbank, Unter­redungen mit dem Präsidenten Mac Garrah von der Reuhorker Federal Reserve Dank, mit Leon Fraser, dem früheren Stellvertreter Par­ker Gilberts, und mit Tanaka, dem Vertreter des Gouverneurs der Bank von 3apan. Franck wird am Samstag zu Ehren des deutschen Reichs­bankpräsidenten Dr. Luther ein Essen geben. |jer sich auf einer Rundreise zum Besuch der Staatsbankpräsidenten von London nach Brüssel begeben wird.

Oie Wetterlage.

ui u | e u m 2000 Mark Einnahmen, 137 403 Mark Ausgaben, Kapitel 71 (Hochbauwesen des Kul­tusministeriums 425 020 Mark Ausgaben 98 486 Mark weniger als im Vorjahre); Kapitel 74 (Denkmalpflege mit 210 Mart Einnahmen und 66 350 Mark Ausgaben. Hier sind für die Wie­derherstellungsarbeiten am Wormser Dom (dritte Rate) 10 000 Mark, für gefährdete und er­haltungsbedürftige Bau, und sonstige Denkmäler des Landes (zweite Rate) 125 000 Mark (10 000 Mark weniger, als der Landtag 1929 beschlossen hat) vorgesehen. Gestrichen sind die ursprünglich be­absichtigten 10 000 Mark für die Nikolaikirche in Alzey und 3000 Mark für die K a t h a r i n e n- kirche in Oppenheim.

Damit sind die Kapitel des Kultusministeriums erledigt. Der Ausschuß beschloß, demnächst mit der Technischen Hochschule und der Landesunioersität an Ort und Stelle eine Besprechung über die erfolgten Einsparungen abzuhalten.

Ankurbelung des vaumarttes.

Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durch Maßnahmen der Kommunen.

B er lick, 27. März. (WTB.) Der Reichsarbeils- minlster hat im Hinblick auf die u n g e h e u r e Zu­ll a h m e der Arbeitslosigkeit i m Bau­gewerbe gestern Vertreter der kommunalen Spihenverbände: des Deutschen Städtetages, des Deutschen Landkreistages und des Reichsslädtebun- dcs, ferner des Deutschen Sparkassen- und Girover­bandes und einen Vertreter des Reichswirtschafts­ministeriums zu sich gebeten, um sie auf die be­drohlichen Zu stände aufmerksam zu machen, die sich auf dem Arbeitsmarkt durch die Verknappung der für den Baumarkt zur Verfügung stehenden Mittel ent­wickeln. Zu den verschiedensten Schwierigkeiten auf dem Baugeldmarkt seien nun noch Schwierigkeiten bei den Gemeinden gekommen, die im Wegfall des größten Teils der Anleihemittel und der Inan- fpruchnahme der Sparkassen für die Umschuldungs­aktion bestehen. Der Minister betonte, dah die Lag^ auf dem Arbeitsmarkt des Baugewerbes weil über die saifonmähige Arbeitslosigkeit hinaus zu einer starken konjunkturellen Arbeitslosig- k c i t geführt hat. Während im Februar 1928 nur 3 3 v. h. der gewerkschaftlich organisierten Bau­arbeiter arbeitslos gewesen sind, waren es deren im Februar 1930 6 3 v. h. bei gleichen Witterungsver­hältnissen. Der Minister erklärte, bei aller Würdi­gung der wirtschaftlichen Bedrängnis der Kom­munen sei es doch unerläßlich, gerade jetzt die Bau­tätigkeit im allgemeinen und im besonderen den Wohnungsbau auch durch Maßnahmen der Kommunen zu steigern.

Der Präsident des Deutschen Städtelages, Dr. M u l e r t, klagte eindringlich über die wirt- fchaftliche Rot der Kommunen. Er er­klärte sich aber schließlich doch bereit, den durchaus als berechtigt anzuerkennenden Wünschen des Reichsarbeitsministers, soweit es den Kommunen nur irgend möglich sei, Rechnung kragen zu wollen. Die übrigen Vertreter der kommunalen Spihenverbände schlossen sich diesen Ausführungen an. Der Vertreter des Deutschen Landkreistages, Frhr. v. Stempel, berichtete, daß in den Land­kreisen die Sparkassenmittel für den Wohnungsbau durch die kommunale Umschul­dung nicht gekürzt werden. Alle Vertreter wie­sen jedoch auf den eeb l i chen Rückgang in den Sparkassenanlagen im allgemeinen hin.

Gevenng seht den Krieg gegen Thüringen fort. Tie Zahlungen bleiben gesperrt.

Berlin, 27. März. (C.N.B.) Auf das heute hier eingetroffene Schreiben der thüringischen Regierung hvt der R e i ch s in i n i st e r des Innern, wie wir von zuständiger Stelle hören, bereits eine Antwort erteilt. Er erklärt, daß er seinen früheren Schreiben nichts hinzuzu fügen habe und von feiner darin geäußerten Ansicht nicht abgehe. Die Lage ist jetzt so, daß Ministerialdirektor Mentzel, der die Untersuchung der thüringischen Polizeiverhältnisse vornehmen sollte, nicht wei­ter bemüht wird. Der Neichsminister des In­nern wird an die thüringische Staatsregierung keine Zahlungen mehr leisten. Weitere Maßnahmen sind nicht in Erwägung gezogen und nicht Gegenstand von Erörterungen gewesen. Es handelt sich nicht um eine Reichsexekutioe, sondern um die Sperrung der Fonds auf Grund nichtöffentlicher Abmachungen vom 1. April 1928, die von allen Ländern, also auch von Thüringen, anerkannt worden sind.

Moskau beschwert sich über Held.

Unangebrachte Einmischung in eigene deutsche Angelegenheiten.

Berlin, 27. März. <Priv.-Tel.) Die Drei­stigkeit, mit der die Moskauer Machthaber sich in die inneren deutschen Angelegen­heiten einmischen, findet ihren Ausdruck neuer­dings nicht nur in den provokatorischen Hand­lungen der kommunistischen 3nternationale, son­dern auch in einer amtlichen russischen Beschwerde beim Auswärtigen Amt in Ber­lin, die sich gegen das Verhalten des bayerischen MinisterpräsidentenDr. Held richtet. Dr. Held hatte an einer Pro­testkundgebung Münchener Katho­liken gegen die R e l igi»nsversol- gungen in Rußland teilgenommen. Das Auswärtige Amt soll nach Münchener Mittei­lungen aus die russische Beschwerde hin Dr. Held nahegelegt haben zu erklären, er habe an der Münchener Kundgebung nicht als bayerischer Ministerpräsident, sondern als Privatper- s o n teilgenommen. Die bayerische Regierungs­presse wendet sich mit Recht gegen die Stellung des Reichsautzenministers, der offenbar nicht die Absicht hat, gegenüber den russischen Provokatio­nen endlich einmal eine etwas deutlichere Hal­tung einzunehmen. Das Auswärtige Amt hat es seinerzeit für richtig gefunden, die Vorstellun­gen von Dr. Curtius bei dem russischen Bot­schafter Krestinski wegen der Tätigkeit der kom­munistischen 3nternatit>nale in

Deutschland nachträglich sehr zur Freude der Sowjetpresse zu bagatellisieren. Das deutsche Volk steht auf dem Standpunkt, dah die Tellnahme des bayerischen Ministerpräsidenten an einer Kundgebung gegen den Religionsterror in Rußland die russische Regierung gar nichts a n g e h t.

Die ärztlichen Spitzenoraanisationen gegen die Gewerbesteuer.

Berlin. 27. Märst. (ERB.) Die ärztlichen Spitzenorganisationen, der Deutsche Aerzte- vereinsbund und der Verband der Aerzte Deutschlands, haben heute eine Entschließung gefaßt in der u. a. gesagt wird, wenn der Preußische Landtag die Einbe­

ziehung der freien Berufe und damit auch der Aerzte in die Gewerbesteuer (wie sie in Hessen bereits feit längerem be­steht) endgültig beschließen sollte, so könnten empfindliche Rückwirkungen auf die wirtschaftliche Lage der heilungs­bedürftigen Bevölkerung nicht aus­blei b e n. Die Last einer solchen Besteuerung hätten insbesondere auch diejenigen Kreise zu tragen, die sich hartnäckig für eine derartige Reuregelung einsetzen. Dor allem aber wäre mit Sicherheit zu erwarten, dah das gegenwärtige friedliche Verhältnis zwischen Dersicherungsträ- gern und Aerzten aufs schwerste gefährdet würde. Die geplante Besteuerung müßte sich als eine Kranken st euer auswirken, die gerade die wirtschaftlich ungünstig gestellten Bolkskreise zu tragen hätten.

Berlins Millionenverluste in Grund- fiücksgeschäflen.

Berlin, 27.März. (ERB. Eigene Meldung.) Der Staatsanwaltschaft ist im Zusammenhang mit den Häusergeschäften der Stadt Berlin neues Material zugegangen. Wie die B. Z." meldet, liegen der Behörde jetzt kon­krete Angaben von Leuten vor. denen ein­zelne von den großen Geschäften bis ins kleinste bekannt sind. Erst darauf hin soll die Staatsanwaltschaft zur Erlangung des De- weismaterials die Haussuchung bei Stadt­rat Busch veranlaßt, Akten und Geschäfts­papiere beschlagnahmt hoben. Während in der Stadtverordnetenversammlung in erster Linie schwere Vorwürfe gegen Magistratsoberbaurat Z a n g e m e i ft e r, Direktor Brokat von der Berliner Verkehrs-A.°G. und Stadtrat Reuter vorgebracht wurden, handelt es sich jetzt um Anschuldigungen gegen Personen, die an den Ge­schäften der Stadt Berlin unverhältnis­mäßighohe Gewinne gemacht haben sollen. Zangemeister und Reuter sollen die Millionen­geschäfte Leuten überlassen haben, die derartigen Geschäften weder kaufmännisch noch moralisch ge­wachsen waren. Eine oberflächliche Rachprüfung der Grundstücksgeschäfte der Stadt Berlin in den letzten 3ahren soll bisher schon als He6er- preis eine Summe ergeben haben, die sich um 10 0 Millionen Mark herum bewegt.

DasBerliner Tageblatt" will wissen, wie die Haussuchungen bei Stadtrat Busch zustandekamen und welches Material beschlagnahmt worden ist. Die Angelegenheit Busch wurde von feinem frü­heren Sekretär Günther ins Rollen gebracht. Stadtrat Busch ist neben seiner anderen um­

fangreichen Tätigkeit noch Direktor der Petrolea A. - G. Günther ist ebenfalls An­gestellter der Petrolea und wurde von Stadtrat Busch in seinen persönlichen Arbeitskreis ge­zogen. Günther hat die Einblicke, die er in das Wirken des Stadtrates tun durfte, dazu be­nutzt, eine kurze aber inhaltsreiche Denk­schrift herzustellen. Diese Denkschrift umfaßt 30 Seiten. Günther wollte dem Stadtrat Dusch seine Denkschrift unter der Bedingung zu eigen geben, daß ihm Busch für zede Seite 1 000 Mark Honora r auszahle. Busch sagte dem Mittelsmann, der ihm das Angebot Günthers überbrachte:Günther wird, wenn er mm die Denkschrift bringt, nicht 30 000 Mark, aber 30 000 Backpfeifen kriegen!"

Nach dieser unzweideutigen Ablehnung bot Gün­ther seine Denkschrift, nachdem sich Stadtrat Busch nach Lugano begeben hatte, demMagistratvon Berlin zum Kauf an. Nachdem der Magistrat vier Wochen lang überlegt hatte, faßte er den ver­nünftigen Entschluß, das Günthersche Ängebot a n d i e Staatsanwaltschaft weiterzuleiten. Die Staatsanwaltschaft faßte zu und beschlag­nahmte die Denkschrift, vermutlich im Bureau des Rechtsbeistandes des Sekretärs. Die staats- anwaltfchaftliche Untersuchung der Geschäfte des Stadtrats Busch hat durch diese neue Material­zufuhr einen kräftigen Impuls bekommen. Es ist für die nächsten Tage nicht nur mit einer großen Anzahl von neuen Vernehmungen zu rechnen, son­dern man spricht davon, daß mehrere Verhaf­tungen bevorstehen sollen.

Lmgle DoimgbeMte in der pariser Kammer.

Briands Anwesenheit wird verlangt. Tardien stellt die Vertrauensfrage. Vertagungsantrag abgelehnt.

Paris, 27. März. (WTD.) Die Kammer be­gann heute vormittag die Beratung des Gesetz­entwurfes betreffend die Ratifizierung der ver­schiedenen Haager Abkommen. 'Der Abgeordnete Douis Marin stellte zunächst die Vorfrage, weil der Voungpl.au die Räumung des Rheinlandes nach sich ziehe und infolgedessen die Sicherheit Frankreichs bedrohe. Das Verhalten Deutschlands sei nicht dazu an­getan, Frankreich ausreichende Sicherheitsgaran­tien zu geben. Deutschland habe es darauf nb- gesehen, den Versailler Vertrag zu zerstören. Rach und nach habe es die finanziellen Klauseln vernichtet. 3etzt greife es die territorialen Klauseln an. Es sei äußerst ernst, dieses Pfand aufzugeben. Es bleibe jetzt nur noch das feierliche Wort eines Schuldners übrig, der schon oft sein Wort nicht gehalten habe. Marin bedauerte auch, daß die Rachbar­völker Deutschlands, und vor allem Polen keine neuen Garanti> n erhielten. Die durch den Voungplcm gegebene Garantie sei unzureichend an Bern Tage, an dem Deutschland seine Zahlungen einstelle, während Frankreich gegenüber Amerika und England sich verpflichtet halten würde.

Für den Kammerausschuß für auswärtige Ange- legenheiten erstattete der Abgeordnete Soulier (Fraktion Marin) den Bericht über den ^oungplan. Der Bericht weist auf die Bedeutung der Deutsch­land gemachten Zugeständnisse, insbesondere der vor­zeitigen Rheinlandräumung hin und erklärte, der Kammerausschuß habe die Sicherheitsga­rantie kennenlernen wollen, die an die Stelle der bisherigen unbestreitbaren Garantien treten sollen. Hinsichtlich des juristischen Verfahrens, das in Frage komme, falls eine Verletzung des 2) oung- planes ftattfinde, erklärt der Bericht, daß der Ständige Internationale Gerichtshof im Haag an die Stelle der Reparationskommiffion getreten fei und daß die Haager Abkommen damit ein Ver­fahren des gemeinen Rechtes für die ge­richtliche Feststellung des Falles geschaffen hätten, daß der Schuldner seinen Verpflichtungen nicht nach­kommen wolle.

Wenn diese CEoenfualifäf vom Stündigen Inter­nationalen Gerichtshof festgestellt werden sollte, erkennen die Haager Abkommen den Mächten das Recht zu. ihre volle handkungs- f r e i h e i l wiederzuerlangen. Deutschland habe von vornherein die Rechtmäßigkeit die­ser Handlungsfreiheit zugelafsen. Es fei klar, daß diese Freiheit im Rahmen des völkerbunds- ftatuts und des Vriand-Kellogg-Paktes sich aus­wirken könne.

Es müsse für alle, die die internationale Lage aufmerksam geprüft hätten und gleichzeitig um die Einnahmen Frankreichs und um feine gegen­wärtige Stellung in der Welt besorgt seien, schwierig fein, nicht für die Bewilligung der der Kammer unterbreiteten Abkommen zu stimmen. Wenn Amerika es momentan ablehne, in eine Gemeinschaft der Welt einzutreten, so könne es sich das dank seiner Lage jenseits des Atlanti­schen Ozeans leisten. Eine derartige Freiheit bleibe aber Frankreich auf Grund seiner diplo­matischen und Parlamentarischen Traditionen, seiner geographischen Lage und der europäischen Solidarität versagt.

Ministerpräsident T a r d i e u erflärte, daß die Regierung nur die eine Pflicht habe, die Vor­lage so schnell wie möglich zu verabschieden. Wenn man die Mobilisierung der ersten Tranche unmöglich machen wolle, so würde man das ge­

samte Land in eine gefährliche Lage bringen. Da der Abgeordnete Marin seinen Antrag auf Stellung der Vorfrage nicht zurückgezogen habe, sei er gezwungen, die Vertrauensfrage zu stellen. Die von Marin gestellte Vorfrage wird hierauf durch Handaufheben abgelehnt. Rur Marin selbst stimmt dafür.

Der radikale Abgeordnete Mayer begrün­dete hierauf einen Antrag, di«? Debatte bis zur Rückkehr Briands aus London zu vertagen. Es sei nicht möglich, ohne ihn zu verhandeln. Briand würde auf zahlreiche Fra­gen Antwort geben müssen. Ministerpräsident Tardieu wandte sich gegen diesen Antrag. Der Außenminister fei durch die Londoner Flotten­verhandlungen ferngehalten. 3n seinemRa- men ersuche er die Kammer, die Debatte zu be­ginnen.

Der roeifere verlauf der Boungbebatfe gestattete sich außerordentlich stürmisch, als der Abgeord­nete Meyer (Radikal) erklärte, daß er und seine Freunde von dem völligen Einvernehmen zwischen Tardieu und Briand keineswegs über­zeugt seien. Gerade deshalb sei die Anwesenheit Briands erforderlich. Tardieu erwiderte erregt, er sehe dieser kühnen.-unvorsichtigen und gefährlichen Behauptung ein formelles Dementi entgegen. Die Regierung verlange die schleunige Verabschiedung und stelle hierfür die Ver­trauensfrage.

Der Sozialist G r u rn b a ch betonte, daß die Sozialisten die Anwesenheit Briands verlangten, weil er der Außenminister sei. Die Sozialisten blieben Anhänger der Politik Bri­ands. Ministerpräsident Tardieu warf in den immer größer werdenden Lärm den Sozialisten vor, daß sie zwischen ihm und Briand einen Zwiespalt schaffen wollten. Er könne ihnen aber erklären, daß Briand bereits die Regierungen von England, 3talien und Belgien auf die Rotwendigkeit hingewiesen habe, b i s zum 5. April den Poung-Plan zu ratifizieren, damit die erste Tranche mo­bilisiert werden könne. Er verlange also im Ramen Briands ebenso wie in seinem eigenen die Verabschiedung des Voung°Planes. Der ra­dikale Abgeordnete Francois Albert erklärte, dah Briands Anwesenheit geboten feil denn wenn Tardieu auch» an seiner Stelle antworte, dürfe man nicht verkennen, daß Tardieu bisher Briands Politik bekämpft habe. Rach diesen Worten wird die Erregung immer größer. Es kommt zu lebhaften Ausein­andersetzungen zwischen Regierung und Linke. Leon Blum meint, ob die Anwesenheit Bri­ands etwa Mn Ztöeck habe, der Regierung einen Teil ihrer Mehrheit zurückzugewinnen? Der Mi­nisterpräsident ist über diese Worte außerordent­lich empört und verwahrt sich dagegen, daß man Briand eine illoyale Politik unterschiebe. Er betont nochmals, daß er durchaus mit Bri­and solidarisch sei.

Leon Blum läßt aber in feinem Angriff nicht nach und deutet an, dah feine Freunde ihren Be­schluß, für den Voungplan zu stimmen, möglicher­weise ändern würden. Herriot unterstützte den Antrag seines Fraktionsgenossen Weher auf Vertagung. Es fetzt ein P u l t d e ck e l k o n z e r t auf beiden Seiten des Hauses ein, so dah der Präsident die Sitzung aussetzen muß. Rach Wiederaufncchme der Sitzung erklärt Herriot, wenn die Radikalen ihre Tlnterstützung bedin- gunglos und vorbehaltlos gewährten, so geschehe das doch unter der Bedingung, bah man eine

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ELettervo raussage.

Mit dem Rückgang des hohen Druckes gewinnt die neue Atlantikstörung langsam Einfluß auf die Wet­terlage, welche durch ihre Südseite milde Luft nach Deutschland bringt. Nur östlich der Oder herrscht durch den Rückseiteneinfluß der abziehenden Polen­störung noch kühles Wetter, während im Westen die heutiaen Morgentemperaturen durchweg schon über 5 Grad lagen. Die Störung wird zunächst weiter mildes, meist wolkiges und dunstiges Wetter verursachen, jedoch sind verbreitete und stärkere Nie­derschläge vorerst nicht zu erwarten.

Wettervoraussage für Samstag: Dunstig und bewölkt, mild, nur vereinzelt geringe Niederschläge.

Lufttemperaturen am 27. März: mittags 10,7 Grad Celsius, abends 7,3 Grad: am 28. März: mor­gens 5 Grad. Maximum 12,3 Grad, Minimum 3,9 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 27. Märst: abends 7,1 Grad; am 28. März: morgens 5,4 Grad. Sonnenscheindauer 4% Stunde», _

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