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Nr. 50 Zweites Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Zreitag, 28. Februar 1950

Am Ende Europas.

Ton unferem v. ^.-Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Gibraltar, Februar' 1930.

Da der Kriegshafen von Malta nicht mehr geräumig genug ist, um die gesamte Mittel- meerflotte des britischen Teiches zu fassen, ist verordnet worden, Gibraltar als zweite Marincbasis einzurichten. In der Calpestadt herrscht grober Jubel, denn wenn fast auch immer Kriegsschiffe im Gibraltarhafen ankern, so bedeutet doch die Verordnung eine Verstär­kung für das Marineelement. CHcuc Dockarbeiten werden notwendig sein, der Handel wird auf­blühen und Reichtum wird den Bewohnern zu- flieben.

Gibraltar, das die Spanier als Dorn in ihrem Fleische bezeichnen, ist räumlich eine der kleinsten Kolonien Englands. Die Stadt liegt _ an den Wcstabhang des Felsens geklebt, unfähig, sich zu vergröbern. Der Reisende, der aus Spanien kommt, stöbt hier auf eine exotische Welt, mit einem Gemisch von Sprachen und Rassen, und wenn er das ins Meer hinausspringende Fel­sengebiet betritt, auf dessen Spitze die britische Flagge weht, so haben sich alle bisher gewon­nenen Eindrücke verschoben. Wenn er aber auf die blaue Bucht hinabschaut, so überzeugen ihn die rosigen Hügel mit den Häuserflecken von La Linea de la Concepcion, San Roque und Algeciras, daß er sich noch immer in un- zerreihbarer Rahe von Andalusien befindet. 3n der Mainstreet Gibraltars drängt sich die eingeborene Bevölkerung genuesischen Ur­sprungs, deren Muttersprache aber das Spa­nische geworden ist, drängen sich Inder, He­bräer, Malteser, spanische Schmuggler, englische Soldaten in roten Röcken und Seeleute aus aller Herren Länder. In der Enge der Festungs­anlagen sind sie zusammengepfercht, und sofern sie nicht Ausländer ohne Erlaubnis zum Lieber- nachten sind, bleiben sie von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang Gefangene in den Festungs­mauern.

Denn jeden Abcird marschiert der grobe Zapfenstreich durch die Straften. Trommler und Pfeifer, voran die Pauke. Hinter der Musik geht ernst und würdig ein Sergeant mit den Schlüsseln zu den Festungstoren. So­bald sich die Sonne im prächtigen Farbenspiel südlicher Breiten hinter dem Horizont gesenkt hat, ertönt von der Felsenspitze ein Kanonen­schuft. Die Festungstore werden verrammelt, Tau­sende von Spaniern, die im Arsenal at beiten, eilen zur Waterport, um noch rechtzeitig durch das tunnelartige Tor zu kommen, durch das sie das neutrale Gebiet und das Zollamt von La Linea erreichen. Jeder von ihnen versucht ein wenig Tabak zu schmuggeln, der in Gibraltar nur etwa den achten Teil von dem kostet, was im Monopolland Spanien bezahlt werden muft. Abgerichtete Hunde, denen in wasserfester Um­hüllung tabakgefüllke Schläuche um den Hals gebunden sind, werden in die Meeresbucht ge­trieben, um zwischen den Booten und gießen einen Weg an das spanische Ufer zu suchen. Aber die bewaffneten und uniformierten Wächter der Monopolgesellschaft stehen mit der Flinte im Anschlag, um die klugen und listigen Hunde abzufangen und zu erschießen. Aber die Tiere sind so gut dressiert, daft sie lieber den weiten Weg ans englische Ufer zurückfchwimrnen, als sich von den Tabakswächtern ertappen zu lassen. Ist der Wind günstig, so lassen die Schmuggler auf dem neutralen Gebiet Drachen auffteigen, deren Schweif Zigarren und Leine Tabakpäckchen bil­den. Die Drachen fliegen über die Zollinien und landen irgendwo in den Bergen von San Roque, wo sie von Komplizen aufgelesen werden. Da Gibraltar Freihafen ist, so bildet der Schmug­gel eine Haupterwerbsquelle der A.'.wohner. In der Festungsstadt, mit ihren nur etwa 35 000 Einwohnern, gibt es wenigstens fünf oder sechs Fabriken, die den Tabak nach spanischem Ge­schmack bearbeiten und in kleinen flachen Um­hüllungen verpacken, um den Schmugglern das Forlschaffen der verfrotenen Ware zu erleichtern.

Aber nicht nur Tabak wird geschmuggelt. Die indischen Bazare Gibraltars sind voll von bun-

Brisling im Fjord.

Don per Schwenzen.

Ein Sprichwort, das sich leider nicht jedem ver­anschaulicht, besagt, daß das Geld auf der Strafte liegt. Manchmal liegt es auch im Wasser...

Es ist nicht mehr als fünfzig Jahre her, seit die ersten Brislingschwärme in Büchsen gelegt wurden, die damals noch verlötet wurden. Aus diesemHand­werk", das nur für den Schisfsproviant der Han­delsflotte gedacht war, entwickelte sich in einem kur­zen Menschenleben die Hauptindustrie des Landes. Die Stadt Stavanger mit ihren etwa 40 000 Ein­wohnern hat heute über 70 Hermetikfabriken auf­zuweisen.

Brisling im Fjord." Das ist wie ein silberner Klang aus der Tiefe! lieber diesen blitzenden Schwärmen, die durch das Glasgrün der Fjordtiefen jagen, steht ein Glanz von Geld und Freude... Die Fischerflotten schwärmen aus, überall in den bunten Buchten knattern Motore, pfeifen Ruder­boote, denn die Fabriken zahlen für den zarten Brisling viermal so viel als fürSmaafilb" (3ung> Hering), nämlich 6 gegen 1,50 Kronen für den Stjepp" (20 Liter).

Wenn die Kutter der Einkaufsgenossenschaften aus Bergen oder Stavanger hochbepackt mit Fischkästen den Fjordwinkel verlassen, dann schmunzeln ein paar wetterfeste Seebären in Sogne oder Hardanger und rechnen aus, daß hie Fanggeräte sich demnächst amortisiert haben werden.

Der Disponent ruft an.Heute haben mir Roh­stoff", sagt er,wenn Sie mal sehen wollen, wie eine Armee, die gestern noch sechs Fuft unter Wasser stand, in Del gelegt wird bemühen sie sich her. Ich erwarte Sie im Bureau.

Die erste Sensation war der alte Jngebretsen. Er ist das Faktotum der Fabrik. Was Jngebretsen auf drei Meter Abstand erspäht, sehen andere auf drei­hundert wer Jngebretsen etwas mitteilen will, muft ein geborener Lautsprecher fein, ja, Jnge- bretfen läßt nach, was die grobe Maschinerie anbc= trifft ober die Zunge, die Zunge!

Ja, Herr Direktor, meine alte Zunge!" sagt Inge- bretfen und steckt bedächtig dos Holzstäbchen in eine der vier Dosen mit Tomatenpüree, die auf dem Tisch des Herrn Disponenten stehen. Langsam zieht

ten Kostbarleiten. Wir sehen bernsteinfarbene Schals, dünn wie ein gewebter Hauch. Teppiche, auf denen die Lotosblume in seltsamen Zusam­menstellungen leuchtet, ferner lunstvolle Arbei­ten in Silber, Elfenbein oder Ebenholz. Die Ge­schäfte sind bis oben mit Seide und Samt ge­füllt, dazwischen hängen herrliche, von den Frauen in Marokko geklöppelt- Spitzen. Mauren aus Tanger und Marrakesch, im langen weiften Bur­nus, den Kopf in eine Kapuze vergraben, die Füße in gelbe Dabuschen gekleidet, betrachten die ausgestellten Waren. Berber in kurzen Pump­hosen, den rasierten Kopf vom Turban um­wickelt, bieten Eier und Hühner feil. Zigeune- riimen flitzen herum und wollen wahrsagen. Dazwischen gehen ernst, als ob sie mit all dielen Menschen nichts gemein hätten, die englischen Offiziere und Beamten. Auch die vielen in der Stadt geborenen Juden bilden eine Kaste für sich, sie tragen Zylinder und Gehrock und ihre Frauen, elegant in weift gekleidet, schauen distin­guiert auf die farbigen Fremdstämmigen hinab. Rur die Jüdinnen aus Marokko tragen noch ein buntes Tuch um die Schläfen geknotet, ihre Männer tragen zum Teil noch dieselbe Tracht, wie sie Abraham und die Patriarchen getragen haben, dazwischen ehrwürdige bärtige Rabbiner mit dem Ausdruck heiliger Weisheit in den Zügen. Diese einst aus Spanien vertriebenen Juden sind stolz auf ihre Abstammung, ihre Ahnen waren Könige, und Fürsten im Reiche

er das Stäbchen über das unfehlbare Organ des Wohlgeschmackes. Gespannt hängen die Augen der gesamten Werkleitung an diesem entscheidenden Vor­gang, denn es gilt, eine besonders geeignete Zutat für ein Fabrikat zu wählen.Gut im Aroma, ein wenig auf herb gestimmt, nicht fo intensiv in der Fruchtsüfte, aber für die besondere Komposition ge­eignet. Ich empfehle Sorte drei."

Besten Dank" schreit der Disponent, Jngebretsen zieht seine Zunge ins Futteral zurück, und wir wer­den im Hintergründe unserer Bescheidenheit entdeckt.

Der Rundgang beginnt. In den flachen Holzkästen, denSkjepps", wandert derRohstoff" von Bord der Motorkutter, die am Kai der Fabrik liegen, in die Produktionssäle. Ein Schwarm, der vor ein paar Tagen noch durch die Tiefen jagte, umzirkelt, eingeschnürt und nach drei Tagen Netzhaft gehoben, in tausend Kästen eingesargt, das ist der Rohstoff, der im Lause eines Tages alle Stadien bis zur eti­kettierten Dose durchwandert.

Gestern noch in Meerestiefen, Heut im Dele der Oliven, Morgen schon im ßagerraum ..."

Zuerst wird die Silbermasse der fingerlangen Fische gewaschen und gelakt, dann wandert sie durch die geistreichen Pfade einer modernen Transport­anlage auf die Arbeitstische der kleinen Arbeiterin­nen, die mit weißen Hauben und hohen Stiefeln einen Trachtenquerschnitt von Holland bis Rußland vermitteln ... Diese flinffingerigen Mädchen stellen blitzschnell alle Kompanien Brislinge auf den Kops, in die Löcher einer listigen Maschinerie, und jagen der tadellos ausgerichteten Reihe einen perfiden Drahtstab durch die Köpfe. Die Ausgereihten werden in Rahmen gehängt, die Rahmen wandern in die Räucherei.

Kammer an Kammer, wie die Spinde einer Ka­serne, liegen die Rauchöfen. Die Fischrahmen wer­den 45 Minuten in den Rauch der glimmenden Scheite gelegt und haben Muße, sich der Entwicklung ihres Aromas hinzugeben. Diele Rahmen stehen und warten auf ein freies Ofenplätzchen. Die Front der blitzenden Fischleiber wirkt im Scheine des elektri­schen Lichtes täuschend wie eine aus Metallzungen gefertigte Heizkörperoerkleidung.

Der ganze Raum zittert vom Stampfen und Schüttern der Maschinen, der Stanzen und Transporte. Ueberaü laufen Bänder, neben uns, über uns sausen Büchsen auf Gleitbahnen, fallen

Juda und fic leiten ihren Stammbaum ab von David und den Makkabäern.

Lieber Gibraltar flutet der Verkehr nach Marokko. Die Lieberfahrt nach Tanger dauert bei gutem Wetter etwa drei bis vier Stunden. In gerader Richtung ist die Meerenge 30 Kilo­meter breit, aber der Festung gegenüber liegt das wilde Rifgcfriet. in dem es weder Weg noch Steg gibt und wo stolze Kabylenstämme jedem Europäer den Zutritt verwehren. Bei klarem Wetter sieht man von Gibraltar aus die Rif­felfen steil aus dem Meere steigen, man sieht auch die weiften Häuser von Ceuta, während Tanger weiter in einer westlichen Ducht liegt und dem Dlicke meistens durch Dunst verdeckt bleibt. Gibraltar, oder richtiger Algeciras, das auf der anderen Seite der Gibraltarfrucht liegt, bildet den Endpunkt der graften Bahnlinie, die von Paris über Madrid ans Ende Europas führt. Man erwartet in der Stadt mit Lingeduld den Tunnelbau, zu dem bereits die Vor­arbeiten in Tarifa begonnen haben, durch den die Eisenfrahnzüge direkt aus Europa nach Afrika geleitet werden sollen. Aber da die Mündung des Tunnels etwa 40 Kilometer von der Festung entfernt lügen wird, fo befürchtet man gleich­zeitig. daß der große Verkehr zwischen Europa und Afrika zum Schaden Gibraltars abgelenkt werden wird. Man findet dafür den Trost in der vergröberten Marinebasis.

in Wagen, wandern auf baggerartigen Transporten in Trockenschächte.

Die geräucherten Fische, im Rahmen hängend, werden auf die Schienen einer Guillotine mit krei­sendem Stahlband gelegt, eine Einrichtung, die Guil­lot leider nicht mehr erleben durfte. Die Enthaup­tungsmaschine maltet ihres elektrisch betriebenen Amtes, und die appetitlich geräucherten Leiber fallen in Blechkästen, um alsbald wieder von den Fang- armen, Haken, Walzen und Ketten einer technischen Gegenwart ersaßt und bis an den Arbeitstisch be­fördert zu werden, wo eine sorgsame Hand sie in das Del des endlichen Friedens bettet.

Eine ratternde Stanzmaschine stampft und falzt den Deckel auf die Büchsen und wirft sie in die Gleitbahn. Die Gleitbahn gibt sie an die Drahtkorb­wagen ab, und so fährLdas Produkt direkt in die Sterilisierungsöfen, wo es in Dampf und 90 Grad Wärme 70 Minuten lang Zeit hat, sich in fein nahr­haftes Schicksal zu finden.

Ein Flaschenzug taucht die gedämpften Büchsen in die Seifenlauge der absoluten Reinlichkeit, und dann beginnt die Baggerfahrt in den Warmluft­schacht. Blank und trocken landen die Büchsen aus den langen Tischen der Packerinnen. Wenn der Abend naht und die blonden Fabrikmädchen mit den kind­lichen Himmelfahrtsnasen und dem großstädtischen Schick die Regenmäntel anziehen, dann sind tatisend Skjepp Brisling den Weg gegangen, der aus den Tangwäldern der Fjorde in die Konfervenbücksen und in die Magen der hungrigen Menschheit führt.

Frankfurter Theater.

Zuweilen schläft auch der gute Bernhard Shaw. Oder wird er alt? SeinKaiser von Amerika" ist ein schwaches Stück. Zwar Glied in der Dramenkette, die der Helden-Des- illusionierung gewidmet sind, aber ohne schlag­kräftiges Objekt. Ohne Shaws Ironie, die tötet. Bernhard Shaw war zeitlebens Sozialist. Lind als Sozialist antidemokratisch und antiparlamen* tarisch. Sein Schlag gilt der parlamentarischen Demokratie. Aber so sehr ist Shaw Engländer, daft er sich selbst das England zu Beginn des 20. Jahrhunderts nur als konstitutionelle Mon­archie vorstellen kann.

Einem vertrottelten Kabinett steht ein geistig und dialektisch überlegener König gegenüber.

auf treppab rennen, flitzen, jagen, immer brauchte man ihn gerade dort, wo er nicht war, alle glaubten seine Schnelligkeit gar nicht genug aus- nutzen zu können. Es war ein elendes Dasein, das nur durch die Hoffnung auf einen Gewinn einigermaßen erleichtert wurde. Lind siehe da! Richt weniger als eine halbe Million Pesetas entfiel auf seine Losnummer, auf die 8668. Der Junge war toll vor Freude. Jetzt muft alle Rot ein Ende haben, jetzt wird er ein großer Mann, ein reicher Mann fein. Aber da kommt auch schon wieder der Chef und schickt ihn zur Arbeit. Alles bäumt sich in ihm auf. Was nimmt der sich nur heraus! Er ist jetzt selbst reich, er braucht nicht mehr zu flitzen und sich von ihm an- schnauzen zu lassen. Lind einmal dem da die Wahrheit sagen zu können, ja. das war schon immer sein sehnlichster Wunsch. Wann, wenn nicht jetzt, bot sich ihm die Möglichkeit dazu? Lind der Junge rafft seinen Mut zusammen und schreit seinen Vorgesetzten an. Was er sich denn denke, sich so unerhört zu benehmen, er werde sich das nicht mehr gefallen lassen, er, der Chef, solle sich nur ja nichts einbilden auf seinen Reich­tum ... Dieser ist sprachlos. Lind es soll ge­raume Zeit vergangen sein, bis er die Sprache wiedergefunden und dem Jungen mit einem sehr energischen Wort die Ture gewiesen haben soll. Dieser zieht, befriedigt durch die Heldentat, von dannen und läßt sich in der nächsten Wirtschaft eine Erfrischung geben. Zwar ist er gekündigt, er hats ja aber nicht mehr nötig, zu arbeiten. Denn er ist reich, Besitzer einer halben Million, die er sich gleich morgen abholen wird. Dort in dem Blatt steht es schwarz auf weiß, feine Rummcr, die 8668. Er zieht das zerknüllte Blatt noch einmal heraus und wird kreidebleich. Denn dort steht als Hauptgewinner 6886.

Oer Arbeitsmarkt.

Roch sind wir mitten in der Hochsaison der Arbeitslosigkeit, aber in Anbe­tracht der zahllosen Schwierigkeiten, die einer endgültigen Regulierung des Ärbeiismarktes ent* gegenstchen, bemüht man sich schon jetzt darum, Mittel und Wege zu finden, die eine wesentliche Entlastung des Arbeitsmarktes gewährleisten können. Die Statistik zeigt, daft das Anwach­sen der Arbeitslosigkeit im vergangenen Jahre in der Hauptsache darauf zurückzuführen ist, daß die Bevölkerungsvermehrung einen Zuwachs an arbeitsfähigen Menschen mit sich brachte, die aber von der deutschen Wirtschaft nicht aufgenommen werden konnten, weil sie ihren Beschäftigungsstand hielt und somit in der Pro­duktion einen Stillstand aufwies.

Was nun die Arbeitslosigkeit in den wichtig­sten Gewerbezweigen betrifft, fo ist fic imBerg- b a u relativ gleich geblieben. Sie bewegte sich etwa in einer Höhe von rund 3 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder. Es folgte sodann der Verkehr, wo die Arbeitslosigkeit sich in den Grenzen um 5 Prozent der Gewerkschaftsmitglie­der hielt. Ein allmähliches Anwachsen der Erwerbslosigkeit hat die Textilindustrie zu verzeichnen, wo ja auch die»Produktionsstatistiken eine deutliche Abnahme aufweifen. Gegenwärtig ist der Stand 10 Prozent der Gewerkschaftsmit­glieder. In der Metallindustrie war die ßageftart variabel, doch hat sie jetzt ebenfalls 10 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder über­schritten. Starke Veränderungen zeigte sodann das Rahrungsmittelgewerfre, wo es erfreulicherweise zu einem außerordentlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit kam, so daß heute nur noch rund 8 Prozent der ®e- werkschastsmitglieder als arbeitslos erfaßt wur­den. Die unruhigste Kurve hat das Holzge- werbe aufzuweisen, insofern, als im Dezember 1928 etwa 16 Prozent, im Februar 1929 23 Pro­zent der Gewerkschaftsmitglieder als arbeitslos erfaßt wurden, während sich die Lage im Sommer außerordentlich besserte und bis auf 14 Prozent im Hochsommer zurückging, im Winter aber wie­der anstieg und zur Zeit wieder hart an die Grenze von 20 Prozent herangekommen rfr Das Baugewerbe, das von den Witterungsver­hältnisfen abhängig ist, hat eine ziemlich gleich- mäßige Kurve, die beinahe der Witterungs­kurve gleichläuft. Im Winter eine 60- bis 70-

Seinc Minister zwingen ihn, auf seine konsti­tutionellen Rechte zu verzichten: sein Vetorecht und feine Reden. Der König ist bereit. Aber: er will als einfacher Staatsbürger sich für die Parlamentswahlen auf ft eilen lassen, ins Unter* haus einziehen. Führer der Opposition werden und vielleicht sogar Premierminister.Sie waren nie imstande, dem britischen Volk zu sagen, was Sie wirklich von mir halten, weil eine wirkliche Kritik am König nie möglich ist. Ich war nie imstande zu sagen, wie ich über Ihre verschie­denen Fähigkeiten und Charaktere urteile. Diele Zurückhaltung, diese widerliche Verlogenheit, dieses ungesunde Versteckspielen wird ein Ende haben." Der König ist für fair play. Für demo­kratische Kampses-Gleichheit. Aber nicht so die behördlich-parlamentarisch approbierten Demo­kraten. Die Monarchie ist gerettet.

Shaw benutzt die Gelegenheit der Kabinetts­besprechungen zu boshaften Bemerkungen über Demokratie, Parlamentarismus. Völkerbund ufto. Aber nur einmal zeigt Shaw den wirklichen Gegner und Gegenspieler der Demokratie: die den Staat beherrschende Wirtschaft. Wie ein Kapitel aus seinemWegweiser für die intelli­gente Frau zum Sozialismus" hort sich die Rede des Wirtschaftsministers an, die deutlich die politischen Hintergründe einer großen Ver­sicherungsgesellschaft aufzeigt. Eine kurze Szene, die das Stück sprengt, die zugleich seine falsche Stoßrichtung aufzeigt. Da liegt auch der Grund für die kühle Aufnahme des Stückes.

Die Frankfurter Aufführung im Reuen T h e a t e r machte keinen sehr durchgearbeiteten Eindruck (Regie: Ernst Held). Cs wurde außer­ordentlich ungeschickt gestrichen. Lleberflüssige Szenen bleiben an Stelle wichtigerer. Darstel­lerisch eine wirklich bedeutsame Leistung: Max W i 11 m a n n als Premierminister. Die Grenze zur Posse wird beinahe gestreift. In ihrer außerordentlichen Selfrstbezwingung gibt sie dem Abend das Gepräge. Karl Günther als Kö­nig denkbar unenglisch. denkbar unkoniglich. In seinem Element nur in dem Zwischenspiel mit Orinthia (Lydia Dusch), seiner Geliebten. Lydia Dusch glänzend, aufgelockert und spielfresessen wie immer. Aber ihr Zwischenspiel ist im Rahmen des Shawschen Stückes überflüssig. Ihr Spiel bleibt ein amüsantes Auf atmen. W.A,

Geschichten aus aller Wett.

Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Tic Mauern von Jericho.

(fr) Jerusalem.

In diesen Tagen hat eine große englische Expedition begonnen, die Mauern von Jericho bloßzulegen. Lind schon ist man auf die ersten Steine der Rieseirfrefestigung aus dem Deginn der Dronzezeit gestoßen. Josua dürfte keine leichte Arbeit gehabt haben, als er die Mauern mit feinen Trompetenstößen zum Einsturz brachte, denn man findet jetzt Steinkolosse von 2 Tonnen Gewicht. Aus solchen ©feinen bestanden die gan­zen Mauern. Teilweise waren die Defestigungen noch in einer Hohe von 12 Wir. sestzustellen. Wie man im Jahre 2000 v. Ehr. diese Blocke barg, transportierte und bearbeitete, ist vor­läufig noch ein Rätsel, das vielleicht durch die weiteren Grabungen gelost wird. Man hofft näm­lich, unter dem vorerst in geringem Maße ab­getragenen Schutt neues Forschungsmaterial zu finden, das uns manches Llnerklärliche aus längst vergangenen Tagen klarer erkennen läßt.

Revolution bei den Äioihäuten.

(a) Reuy or k.

Die Indianer in den abgelegenen Gebieten von Ontario find augenblicklich ein wenig in Erregung, wobei sie jedoch nicht beabsichtigen, die kanadische Regierung zu stürzen. Ihre Er­regung richtet sich allein gegen ihre eigenen grauen. Bis vor kurzem faßen bei diesen Rot­häuten, ganz im Gegensatz zu sonstigen Indianer.» fitten, nur Frauen imStaatsrat", während die Männer nichts zu sagen haften. Rur ein einziger Mann faß in der Regierung, aber auch er wurde von den Frauen ernannt und unterstand einer besonderen Kommission, der er Rechen­schaft afrzulegen hatte und die ihn zu jeder Zeit afrsehen konnte. Stirbt eine dieser Rats­damen, so gehen ihre Funktionen ohne weiteres auf die älteste Tochter über. Diesen Zustand haben die Rothäute nun endlich über. Als un­längst derHäuptling" von den Frauen abgeseht wurde, weil er nicht folgsam genug war, gru­ben die Männer den Tomahawk aus und ver­langten einstimmig die sofortige Wiedereinsetzung des Entthronten. Darüber hinaus forderten sie für sich das Recht, den Häuptling in Zukunft selbst zu wählen. Mit dieser Forderung kamen sie jedoch bei den Frauen richtig an. Den Män­nern wurde eine glatte Abweisung zuteil. Die Folge war die kleine Revolution unter der ParoleWeg mit den Frauen aus der Regie­

rung". Die Rothäute stürzten denStaatsrat" und fetzten als echte Revolutionäre ein Exe­kutivkomitee ein, das bis auf weiteres die Re­gierungsgeschäfte wahrzunehmen hat.

Tic konnten zusammen nicht kommen.

Mailand.

Der junge Fumazelli verliebte sich in die schöne Teresa Bettoni und verlobte sich kurze Zeit da­nach mit ihr. Als nun der Tag der Trauung näherrückte, nahm sich Mama Bettoni ihren zu­künftigen Schwiegersohn beiseite und svrach also: Hierzulande ist es Sitte, daß die Töchter ihrem Alter nach sich verheiraten. Ich habe noch zwei ältere Töchter und möchte nicht gegen diesen Brauch verstoßen. Du mußt also schon, wenn du durchaus Teresa, meine jüngste Tochter, hei­raten willst, auf die Mitgift verzichten." Silvio liebte feine Teresa über alles und erklärte sich natürlich sofort bereit, seine Braut auch ohne Mitgift zum Altar zu führen. Das aber war Mama Bettoni auch nicht recht, denn sie fiel ihrem Schwiegersohn sofort ins Wort und er­klärte, daß auch das der Landessitte zuwider­laufe, denn ein Mädchen, dem man eine Mitgift geben könne, dürfe nicht ohne eine solche hei­raten. Als sich nun Teresa dieser Auffassung ebenfalls anschloß, da war es um die Fassung des Bräutigams geschehen. Ererinnerte sich ebenfalls einerLandessitte", derzufolge die Par­tei, die eine Verlobung breche, alle Geschenke zurückzugeben hätte, ohne Anspruch auf die Ge­schenke der anderen Seite zu haben. Davon woll­ten Mutter und Tochter jedoch nichts wissen und die Debatte wurde schließlich so erregt, daft Sil­vio seinen Revolver zog und Schwiegermutter und Braut ernstlich verwundete. Zwei Jahre hat der arme Silvio nun Zeit, im Gefängnis zu überlegen, wie er glücklich werden kann, ohne gegen die Landessitten zu verstoßen, falls nicht inzwischen die beiden älteren Töchter unter die Haube gekommen sind. Vorausgesetzt natürlich, daß Silvios und Teresas Liebe die Schüsse und die Hast überdauert.

Der Gewinner.

(g) Madrid.

Es soll Menschen geben, die vor Glück über ein gewonnenes Lolterielos der größten Dummheiten fähig sind. Keiner aber ist gewiß noch aus den Gedanken jenes Lehrlings gekommen, der in der alljährlichen großen spanischen Lotterie eine halbe Million Pesetas gewann. Der Junge hatte es auch nicht leicht: Tagaus tagein mußte er trepp»