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Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 28. Februar 1930.

.Gute Nacht!

Eine hygienische Plauderei.

Wenn wir einandergute Nacht" sagen, so verbinden wir damit stillschweigend den Wunsch für die Kräftigung der Gesundheit unseres Näch­sten durch einen guten, erquickenden Schlaf. Der Schlaf ist für uns Menschen ein absolutes Lebens- lndürfnis. Würde man uns zwingen, wie es einst als grausame Folter im Orient geschah, den Schlaf zu entbehren, so tritt beim Menschen nach etwa neun Togen der Schlaflosigkeit der Tod ein. Wir müssen den Schlaf daher als eine wohltätige Einrichtung der Natur zur Erhaltung von Leben und Gesundheit betrachten. Es ist die Aufgabe des Schlafes, den Körper von den durch die Tagesarbeit in unserem Inneren auf- gehäuften Ermüdungsstoffen zu befreien. Zu die­ser Generalreinigung müssen wir aber auch un­serem Körper die Möglichkeit geben durch eine ausreichende Schlafenszeit.

Wieviel Schlaf braucht der Mensch? Eine bün­dige Antwort auf diese Frage läßt sich kaum geben, denn das Schlafbedürfnis des Menschen ist sehr verschieden, nach Alter, Tätigkeit, Klima, Jahreszeit und Geschlecht. Der Säugling ver­schläft bekanntlich dreiviertel seines Lebens, das Kind im Alter von 2 bis 10 Jahren braucht eine Nachtruhe von 10 bis 12 Stunden, während der gesunde, erwachsene, arbeitende Mensch im allgemeinen nach acht Stunden Schlaf genügend ausgeruht fein dürfte. Wer weniger schläft, tut dies meist auf Kosten seiner Gesundheit. Zwar ist vielfach, besonders von berühmten Persönlich­keiten, wie Napoleon, Friedrich dem Großen, Ko­lumbus, Edison und anderen behauptet worden, daß sie mit viel weniger Schlaf ausgekommen seien. Allein einmal pflegt man bei dieser Rech­nung das kleine Mittagsschläfchen, das am Tage eingeschaltet wird, nicht mitzuzählen, anderseits ist eben das Schlafbedürfnis der Menschen, wie erwähnt, individuell durchaus verschieden. Für die gesundheitsfördernde Wirkung des Schlafes kommt weiterhin die Schlaftiefe in Betracht. Ein altes Sprichwort behauptetDer Schlaf vor Mitternacht ist der Gesündeste". Wissenschaftliche Llntersuchungen haben indessen diesen Sah nicht allgemein bestätigen können. Man hat vielmehr festgestellt, daß es unter uns Menschen zwei Typen gibt, nämlich dieAbendschläfer" und die Morgenschläfer". Erstere sind abends frühmüde und erreichen bald nach dem Einschlafen die größte Schlaftiefe. Das sind diejenigen, für die das Wort vom Schlaf vor Mitternacht zutrifft. Die zweite Gruppe, die Morgenschläfer, verfällt erst gegen Morgen in einen Tiefschlaf, der die notwendige Erquickung bringt. Diese Art Men­schen kann mit Vorteil ruhig etwas später zu Bett gehen, wird aber gut tun, zumal wenn der Beruf ein frühzeitiges Auf stehen erfordert, nach Möglichkeit ein Mittagsschläfchen einzuschalten. Gleichgerichtete älntersuchungen an Schulkindern haben zu d:m erstaunlichen Resultat geführt, daß die Mehrzahl der Kinder im Alter von 6 bis 13 Jahren Morgenschläfer sind. Sie sind es auch, die früh nicht zur rechten Zeit auf- wachen, sondern erst geweckt werden müssen und dann meist schläfrig und mürrisch den Weg zur Schule antreten.

Schließlich sind für einen guten Schlaf noch eine Anzahl äußerer Umstände von Bedeutung. Das gilt vor allem wiederum für die Kinder. Man gewöhne sie daran, pünktlich, d. h. all­abendlich zur selben Stunde, schlafen zu gehen und rege ihre Phantasie nicht durch Märchen­erzählen oder Gruseligmachen an, in der irrigen Meinung, sie dadurch schneller zum Einschlafen ?u bringen. Auch der Erwachsene wird gut tun, urz vor dem Schlafen kein aufregendes Buch zu lesen, mit dem sich seine Gedanken weiter be­schäftigen und ihn so am rechtzeitigen Einschlafen verhindern. Für Kinder wie für Erwachsene ist es unzweckmäßig, die Abendmahlzeit erst kurz

vor bem Schlafengehen einzunehmen, oder sie zu reichlich zu gestalten. Man sorge vielmehr dafür, daß zwischen einem leichten und eher etwas knapp gehaltenen Abendessen und der Schlafzeit eine Zeitspanne von 3 bis 4 Stunden liegt.

Der Schlafraum sei möglichst geräumig und luftig, am besten ist es, wenn ein gesunder Mensch sich daran gewöhnt, bei offenem Fenster zu schlafen. Das Bett überlade man nicht mit Feder­betten und Kissen, die unnötig die Gefahren der Erkältung und ber Luftverschlechterung heraus- beschwören. Arn besten wird der Säugling wie der gesunde Erwachsene auf harter Matrahe liegen und zweckmäßig nur mit einer Wolldecke zugedeckt fein, der man im Winter allenfalls noch ein Federkissen oderPlumeau" beigibt. Die richtige Schlafhaltung ist mehr oder minder Sache der Gewohnheit, doch ist es wertvoll, darauf Bedacht zu nehmen, daß die Brust frei atmen kann.

Bornotizen.

Tagestalender für Freitag. Stadt- theater:Drei alte Schachteln", 19.30 bis 22.30 Uhr. 23. Sy (£.: Monatsversammlung bei Hopfeld. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Symphonie der Liebe" undDas süße Mädel von der Jazzband". Astoria-Lichtspiele:Das Rätsel der Kriminälistik".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Zur Zeit sind zwei Premieren in Vorbereitung: der FastnachtsschwankWeekend im Paradies" von Arnold und Bach und das Schau­spielDie heilige Flamme von Maugham". Heute abend zum letztenmalDrei alte Schachteln", Operette von Walter Kollo.

Reifeprüfungen im Gymnasium und in der Oberrealschule. Am Diens­tag und Mittwoch wurden am Gymnasium und an der Oberrealschule die Reifeprüfungen ab­gehalten. 3m Gymnasium bestanden sämtliche 18 Abiturienten, in der Oberrealschule 64. Das hessische Kultusministerium war durch Ministe­rialrat ® der t bei den Prüfungen vertreten.

** Eine Achtzigjährige. Am nächsten Sonntag, 2. März, kann Frau Kunigunde Marie Wehner, Dammstraße 20 wohnhaft, ihren acht­zigsten Geburtstag begehen.

** Das Fröbel-Seminar veranstaltet von Samstag, 1. bis einschl. Montag, 3. März, eine Ausstellung von Schülerinnen-Arbeiten der abgehenden Kindergärtnerinnen und Kinderpfle­gerinnen. Die ausgestellten Arbeiten sind her- gestellt im Handarbeiis-, Werk-, Zeichen-, Aus- schneide- und Modellierunterricht. So werden u. a. gezeigt: Kinderwäsche und »Reibung, Holz» und Papparbeiten, Gegenstände aus Bast und Rohr. Spielsachen aus wertlosem Material, selbsther» gestellte Bilderbücher u. v. a. Es sei daraus auf­merksam gemacht, daß die Ausstellung in diesem Jahr nur drei Tage zu besichtigen ist. Der Ein­tritt beträgt 30 Pf. Man beachte die heutige Anzeige.

** Oeffentliche Bücherhalle. 3m Fe­bruar wurden 1225 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 809, Zeit­schriften 66, 3ugendschriften 71, Gedichte und Dramen 4, Länder- und Völkerkunde 61, Kultur­geschichte 3, Geschichte und Biographien 111, Kunstgeschichte 12, Naturwissenschaft und Tech­nologie 40. Heer- und Seewesen 4, Haus- und Landwirtschaft 5, Gesundheitslehre 6. Religion und Philosophie 12, Staatskisser.schafl 12, Sprach­wissenschaft 2, Fremdsprachliches 7 Bände. Nach auswärts kamen 2 Bände. Zugang neuer (3.S. gegifteter) Bücher in Auswahl: Romane: W. Dloem: Held seines Landes (George Washington); A. Bohnagen: Kilian Krafft; H. Dixelius: Sara Atelia; 3. Galsworthy: Schwanengesang, Der silberne Löffel; G. Graben- Horst: Die Gestirne wechseln; S. Lagerlöff: Anna, das Mädchen aus Dalarne; S. älndset: Kristin Lavranztochter; 3. Wassermann: Der Fäll Mau- rizius; Das große Abenteuerbuch. Reisen: S. Hedin: Aus großer Fahrt; W. FUchner: Om mani padme hum; H. Grimm: Das deutsche Südwester» buch. Heimatkunde: K. Schumacher: Aus

Odenwald und Frankenland. Philosophie: A. Schopenhauer: Sämtliche Werke, herausge­geben von E. Grisebach (6 Bände); E. v. Aster: Goethes Faust. Volkswirtschaft: P. Mees- mann: Grundfragen der Wirtschaft. Lebens­beschreibung: Marie von Bunsen: Die Welt in der ich lebte; Th. Leipart: Carl Legien; E. Löns: Hermann Löns Mannesjahre; St. Zweig: 3oseph Fouche. Bildnis eines politischen Men­schen (aus der Zeit Napoleons I.). Geschichte: L. Weidemann: Weltgeschichte am Kamin. Der Weltkrieg: W. Deumelburg: Sperrteuer um Deutschland; F. Lehmann: Wir von der 3nfan- terie; P. Seelhof f: Der Weg in den Krieg. Na­turwissenschaft und Technik: Kosmos, 3g. 1929; Umschau, 3g. 1928; Das neue Univer­sum Bd. 50; O. Lange: Mineral- und Pflanzen­gift; C. Benz: Lebensfahrt eines deutschen Er­finders.

Vorträge über das Glanzplät- ten. Die Elektro-Gemeinschaft und die Haus­frauenvereine Gießen veranstalteten am Diens­tag» und Mittwochabend im Cafä Leib zwei Vorträge über das Glanzplätten, die sich eines guten Besuches seitens der Hausfrauen und -Töchter erfreuten. Zunächst begrüßte ein Ver­treter der Elektro-Gemeinschaft Gießen die Er­schienenen und wies kurz auf den verbilligten Lichttaris hin. Alsdann sprach Frau W. H e- d r i ch. Berlin, die auf dtne über 40jährige Tätigkeit als Plättlehrerin zurückblicken kann, in

Helft der Landwirtschaft: Eßt Roggenbrot!

längeren Ausführungen über das Glanzplätten. Sie erläuterte zuerst das Waschverfahren, kam dabei ausführlich auf die verschiedenen Wasch­mittel und ihre Vorzüge zu sprechen und lllu- strierte die bequeme Bewältigung des überall gefürchteten Waschtages durch Verwendung eines elektrischen Waschautomates. Zum eigentlichen Thema übergehend brachte sie zunächst eine Ge­genüberstellung des früheren und des jetzigen Plättverfahrens unter Zuhllfenahme des elektri­schen Bügeleisens. An Hand von praktischen Vorführungen zeigte sie das Aufträgen der Stärke und die Handhabung des Eisens. Sie kam sodann auf die Vorzüge einzelner Stärkesorten zu sprechen und zeigte die richtige Verwendung des Plätt- steins. Die weiteren Vorführungen erläuterten das richtige Plätten der einzelnen Wäschesorten, sowie das Glänzen und Runden. Die Rednerin erklärte weiter das Plätten gestärkter Damen­wäsche und kam zwischendurch auf die richtige Verwendung der Wäschebläue zu sprechen. Sie erläuterte alsdann die Vorzüge eines guten elek­trischen Plätteisens und schloß mit der Ver­sicherung, daß alle Hausfrauen an Hand der gegebenen Anweisungen in der Lage seien, die Stärkewäsche selbst herzustellen. Sie lud zur Be­sichtigung der ausgestellten elektrischen Haus­haltsgeräte ein, welcher Aufforderung auch zahl­reich Folge geleistet wurde. Anschließend fand eine Gratisverlosung elektrischer Gegenstände statt.

Minz errichtet ein Stresemann-Denlmai.

WEN. Mainz, 27. Febr. Die Bemühungen interessierter Kreise für die Errichtung eines S t r e se m ann ° D e n km a l s in Mainz am Rheinufer find von Erfolg gewesen. Es hat sich jetzt ein Arbeitsausschuß gebildet, ber die Errichtung dieses Denkmals eifrig betreibt. Der hessische Minister des 3nnern gab diesem Ar­beitsausschuß die Erlaubnis zur Sammlung von Geldspenden durch Werbeschreiben, Aufrufe und zur Auflage von Einzeichnungslisten. Diese Er­laubnis hat Gültigkeit bis zum 31. Dezember 1931. Man hofft iedoch, den Grundstein zum Stresemann-Denkmal schon im 3uni legen zu können.

DerhSn?nISvotle Svrengw'rkung-n.

WSN. Herborn, 27. Febr. Durch Spren« § ungen im Basalt st einbruchSchmal- u r g" wurde in der etwa 800 Meter entfernt lie­genden Ortschaft B c i l st c i n erheblicher Sach­schaden an Gebäuden und Obstkultu- r e n verursacht. Zur Explosion gebracht wurden etwa 16 Zentner Dynamit, die eine unge­ahnte Wirkung zeigten. Unter überaus heftigen Er­schütterungen ergoß sich ein Steinhagel über Beilstein und seine nächste Umgebung. Am mei­sten wurden die Dächer in Mitleidensct)aft gezogen. In einem Falle durchschlug ein Steinblock das Dach und den Speicherboden eines Hauses und fiel in das Schlafzimmer der Bewohner. In mehreren anderen Fällen wurden Hauswände durchschlagen, so die massive Wand eines Schulsaales. In einem Hause beschädigte ein Stein die Haustür, durchschlug Küchengegenstände, bohrte sich in die mittlere Wand und drang durch die Stallwand wieder ins Freie« Einem Personenauto, das glücklicherweise un­besetzt war und vor einem Gasthaus stand, mürbe der Kühler abgerissen. Wie durch ein Wun­der sind Personen nicht zu Schaden ge­kommen, obwohl viele Zuschauer im Augenblick der Sprengung innerhalb des Absperrungsbezirkes weil­ten.

Kunst und Wissenschaft.

Hvlzamer-Dund.

3m Geburtsort Wilhelm HolzamerS (Rieder-Olm bei Mainz) wurde kürzlich ein Ho'zamer-Bund gegründet. Er ist bestrebt, dem frühverstorbenen und zu Anrecht vergessenen hessischen Dichter wieder das Ansehen zu ver­schaffen, das er zu seiner Zeit in literarischen Kreisen gehabt hat. 3n einem Aufruf bittet er die Freunde Holzamers um Beitritt als Mitglied oder ©oimer. Er sammelt alle Werke und Aeuße- rungen von und über den Dichter, beschafft Sub­skriptionen für Neuauflagen und wird Holzamer durch ein kleines Denkmal .einen Gedenkstein ober dergleichen eine würdige Ehrung erweisen. Die Anhänger des Dichters werden um Unter» stühung gebeten und die Sachwalter der Dich­tung aufgerufen, Holzamer anläßlich feines 6 0. Geburtstages (28. März) gebührend zu feiern. 3n Nieber-Olm selbst werben in jenen Tagen alle Holzamer-Freunbe zu einet Beratung über ben Ausbau bes Bunbes und seine weitere Tätigkeit und zu einer größeren Feier mit Enthüllung einer Gedenktafel zu­sammen! ommen.

Reisebericht von den Großen Sunda - Inseln

Soerabaya(Java):Reise heute für

10 Tage nach Bandjermasin (Borneo). Kaffee Hag ist hier überall erhältlich, es ist kein Laden zu finden, wo Kaffee Hag nicht zu kaufen wäre. Im Kalibesar- Klub in Batavia wird nach dem Lunch ausschließlich Kaffee Hag gereicht."

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In 39 Ländern der Erde wird Kaffee Hag getrunken.

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Nutzholzversteigerung.

TNonlag, den 3. Marz 1930, sollen in den Waldungen der Gemeinde Alten- Buseck die nachstehenden Nutzholzmengen öffentlich meistbietend an Ort und Stelle versteigert werden: 1712D

86 Eichen-St. u. Abschn. 1. bis 4. Kl., A u.N = 18,27 fm

9 Äiefern-St. u. Abschn. 3a- bis 4b-Kl., Au.N = 5,90 fm

20 Buchen-St. u. Abschn. 3. bis 5. Kl., A u. N = 18,61 fm

136 Fichten-St. u. Abschn. la- bis 4bȀL, A u. N = 50,89 fm

54 Eichen-Derbstangen 1. bis 3. Kl.

641 Fichten-Derbstangen 1. bis 3. Kl.

2 Eschen-Derbstangen 1. Kl.

1293 Fichten-Reisstangen

Zusammenkunft vormittags 9 Uhr am Distrikt Wolfsacker.

Alten-Buseck, den 26. Februar 1930.

Bürgermeisterei AUenBuseck, __

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