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Einnormaler Entdeuischungsprozeß".

Minister Zaleski leugnet die Terrorwahlen.

Berlin, 27. Dez. (III.) DieVossische Zeitung" gibt eine vom polnischen Außenminister Zaleski dem Vertreter des PariserMatin" gewährte Unter­redung wieder. Zaleski sagte dabei u. a., Deutschland werde wohl in Gens beweisen wollen, daß die deutsche Minderheit nicht in aller Freiheit habe wählen können. Als Gegenbeweis könne er anführen, daß 90 o. H. der Bevölkerung gewählt hätten, eine Beteiligung, wie sie wohl bei einer terrorisierten Bevölkerung nicht zustande gekommen wäre. DieBeunruhigung und Wut gewisser deut­scher Kreise" führt Zaleski darauf zurück, daß in den früheren deutschen Gebieten e i nn ormaler Entdeutschungsprozeß" eingesetzt habe, gegen den anzukämpfen unnütz wäre.

Nie polnischepazifizierungS- att'vn" in Ostgalizien.

Warschau, 26.Dez. (LU.) Der Krakauer Illustrierte Kurier" weih angeblich auf Grund einer amtlichen Statistik über die Ergebnisse der Pazifizierungsaktion" gegen die ukrainische Minderheit in Ostgalizien zu melden, daß den Behörden große Mengen von Waffen aller Art in die Hände gefallen sein sollen. U. a. seien 1138 Karabiner und Revolver samt einigen Tausend Patronen beschlagnahmt. Ins­gesamt wurden angeblich 342Personenver- haftet, von denen 272 den Gerichten zwecks weiterer Ermittelungen übergeben worden sind. Unter den Verhafteten befinden sich 52 Hoch­schüler, 15 Priester, 26 staatliche und private Be­amte, 3 Lehrer, 6 Abgeordnete, 27 Rechtsanwälte, 30 Dauern, 177 Handwerker u. a. m. So stellt sich das Ergebnis der sog.Pazifizierungsaktivn" in Ostgalizien im Lichte des amtlichen Berichtes dar. Es ist ein Ergebnis, wie es die Behörden sehen und haben wollen.

Südamerika und der Völkerbund.

Drummonds Sircncnklänge verfangen nicht mehr.

London, 24. Dez. (TU.) DerTimes"-Korre- spondent in Brasilien bringt seine Ueberraschung darüber zum Ausdruck, daß der Besuch des Gene­ralsekretärs des Völkerbundes, Sir Eric Drum- m o n d, in Rio de Janeiro und anderen brasiliani­schen Städten so gut wie gar kein Inter­esse erregt hat. Die einzige Zeitung, die zu seinem Besuch Stellung nimmt, ist derDiario da Rotte", der schreibt, die brasilianische Regierung müsse hin- sichllich der Frage eines Beitritts zum Völkerbund die öffentliche Meinung in Betracht ziehen. Wenn sie dies täte, so würde sie auf keinen Fall nach Genf z u r ü ck k e h r e n. Die Er­fahrung habe gezeigt, daß der Völkerbund eine vollkommen wertlose und teuere Or­ganisation sei, die von den europäischen Na­tionen, insbesondere von Großbritannien und Frankreich beherrscht werde. Die amerikanischen Mitglieder, die zunächst einige wich- tige Posten innegehabt hätten, seien nicht in der Lage gewesen, irgendwelche positiven Erfolge zu er­zielen. Wo immer auch das Eingreifen des Völker­bundes notwendig gewesen wäre, sei die ganze Völkerbundsmaschine zusammenge- . brachen. Alle internationalen Fragen von groß- ter Bedeutung, die seit der Gründung des Völker­bundes aufgeworfen worden feien, seien stets außerhalb des Völkerbundes geregelt worden. Der Korrespondent erwähnt hierbei, daß Sir Eric Drummond vom Präsidenten Vargas die Ver­sicherung erhalten habe, daß er der Arbeit des Völ­kerbundesmit großer Begeisterung" zu- sehe.

Der Kampf gegen Gott.

Im kommunistischen Moskau am Heiligen Abend.

K o w n o, 26. Dez. (TU.) Das Weihnachtsfest ist in Moskau sowie in der ganzen Sowjetunion i m Zeichen des Kampfes gegen die Religion verlaufen. Alle Betriebe haben am 25. und 26. Dezember wie üblich gearbeitet. Trotz der Hetze gegen das Weihnachtsfest waren a m Abend sämtliche Kirchen in Moskau überfüllt. Die Behörden hotten jedoch den Sängern der Staatsoper verboten, in den Kirchen zu singen. In Moskau haben am Heiligenabend etwa 10 0 antireligiöse Versammlun­gen stattgefunden, in denen die Vertreter der Kom­munistischen Partei zum Kampf gegen die Religion aufforderten und die weitere Schließung von Kirchen verlangten.

Das Arbeitskommissariat erließ zwecks Erhöhung der Arbeitsleistung neue Verordnungen, durch die strengste Disziplin in der Ar­beitstätigkeit erreicht werden soll. Arbeiter, die die Disziplin systematisch verletzen, werden künf­tig fristlos und ohne Entschädigung entlassen und dürfen sechs Monate in keinem anderen Betrieb beschäftigt werden. Wenn die Ver­letzung der Disziplin in böser Absicht geschieht, wer­den die Arbeiter strafgerichtlich aur Ver­antwortung gezogen. Falls ein Arbeiter die Betriebsleitung nicht rechtzeitig davon unterrichtet, daß ein durch ihn heraestelltes Erzeugnis untauglich ist, verliert er den Anspruch auf Lohnauszahlung. Diese drakonische Verordnung wurde erlassen, um die möglichste Beschleunigung des Tempos der Er­füllung des Fünfjahresplanes durch­zuführen.

Der Stahlhelm fordert erneut Volksbegehren in Preußen.

Berlin, 24. Dez. (TU.) Der Bundesvorstand des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, hat fol­genden Beschluß gefaßt:

Irofc des nationalen Erfolges des 14. Septem­ber Hot sich erwiesen, daß in diesem zusammen­brechenden System von 1918 das deutsche Schicksal allein Partei- und p a r l a m e n t s p o l i - tisch nicht mehr zu meistern ist. In dieser Erkenntnis hat die Stahlhelmführung bereits in Koblenz zum Kampfum Preußen aufgerufen. Wer Preußen hat, hat das Reichl Jm Kampf des Stahlhelm um die Freiheit des Reiches und zur Abwehr der drohenden bolschewistischen Revolution werden wir die Auflösung d-s

Reichsmimsiera.S. Är.Eduard Davidi'.

Frankfurt a. 217., 26. Dez. (DJ SJt.) Der lang­jährige sozialdemokratische Reichslogsabgeordnete und ehemalige Reichsminister des Innern Dr. Dr.h.c. Eduard David ist am heiligen Abend in feiner Wohnung in Berlin-Zehlendorf gestorben. Staatspräsident Dr. Adelung hat an die Witwe Dr. Davids folgendes Beileidstelegramm gerichtet: ,Zief erschüttert vom plötzlichen hinscheiden Ihres verehrten Herrn Gemahls spreche ich Ihnen und den Ihren auch im Namen der hessischen Regierung mein herzlich st es Beileid aus. Dr. David war mir seit Jahrzehnten ein Neber Freund und dem hessischen Volk ein treuer Anwalt und Führer. Sein wirken wird im Hessenlande stets in dankbarer Er­innerung bleiben."

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Eduard David wurde am 11. 6. 1863 in Ediger (Mosel) als Sohn eines Kreisrentmeisters ge­boren. Er ging zunächst von 188183 in Berlin in eine kaufmännische Lehre, brachte dann aber in Bielefeld seine unterbrochenen Gymnasial-i studien zum Abschluß und studierte weiter in Gießen (188690) Geschichte und Germanistik. Als Student war er eifriger Burschenschafter, re­digierte auch später einige Zeit hindurch die Durschenschaftlichen Blätter". Rach dem Exa­men wurde er Gymnasiallehrer in Gießen.

Da er sich aber inzwischen der Sozialdemo­kratie zugewendet hatte, schied er 1894 aus dem Lehramt aus und gründete dieMittel­deutsche Sonntagszeitung" in Gießen. Don 1896 bis 1897 redigierte er dieMainzer Volks- zeitung" und blieb seitdem Mitarbeiter der so­zialdemokratischen Zeitschriften und Tagesblätter.

Der sozialdemokratische Parteitag zu Frank­furt a. M., 1894, wählte David in die Agrarkom­mission, der die Aufgabe ward, die Agrar­

verhältnisse in Deutschland zu untersuchen und ein sozialdenrokratisches Agrarprogramm aus­zuarbeiten. Dr. David bearbeitete die landwirt­schaftlichen Verhältnisse Südwestdeutschlands. In­folge dieser Studien übernahm er es, ein groß- angelegtes Werk überSozialismus und Land­wirtschaft" zu schreiben. Dr. David vertrat darin eine von der marxistischen Auffassung abwei­chende Ansicht über die Entwicklung der Land­wirtschaft und gehörte fortan zu den Revisioni­sten. Im Iahre 1922 erschien von ihm auch Die Siedlungsgesetzgebung", wie er überhaupt der Archivar und Wissenschaftler seiner Partei war.

Im Iahre 1896 trat Dr. David in d ie ZweiteKammerdesHessischenLand- t a g s ein; er gehörte ihr bis 1903 an. Zum Reichstag kandidierte er wiederholt vergeb­lich in Mainz. Schließlich wurde er 1903 gewählt und hat diesen Wahlkreis bis 1918 vertreten. Während des Krieges wurde er im Kabinett des Prinzen Max von Baden am 15. Oktober 1918 Unter st aatssekretär im Aus­wärtigen Amt. In dieser Stellung verblieb er zunächst auch nach der Revolution. Dann wurde er am 7. Februar 1919 zum Präsiden­ten der Rationalversammlung ge- ,wählt, trat aber infolge seiner Ernennung zum Mini st er ohne Portefeuille im Ka­binett S ch e i d e m a n n am 13. Februar 1919 wieder zurück, worauf Fehrenbach Präsident wurde. Für Preuh, der mit Scheidemann und den Demokraten wegen der bevorstehenden Unter­zeichnung des Vertrages von Versailles im Iuni 1919 zurücktrat, übernahm David im Kabinett Bauer das Innere, machte aber schon im Oktober wieder dem Demokraten Koch Platz. Im Reichstag tritt an die Stelle des Verstorbenen der Gewerkschaftsbeamte Wilhelm Weber aus Offenbach.

überständigen und dem Willen des Preußenvolkes nicht mehr entsprechenden Landtages durch ein Volksbegehren erzwingen. Die Verhand­lungen mit den anderen nationalen Gruppen und den Parteien fetzen wir fort. Inzwischen wird sich der Stahlhelm zur Durchführung seiner selbständi­gen Freiheitspolitik einen Kampffonds schaffen. Ohne Opfer kein Sieg!"

Frankreich das Land ohne Arbeitslosigkeit.

Paris, 27. Dez. (WTD. Funkspruch.) Wie 3dum al" berichtet, hat Arbeitsminister Grinda nach Schluß des gestern nachmittag abgehaltenen Kabinettsrats erklärt, daß man sich auch mit der Arbeitslosenfrage beschäftigt habe. Rach der Sta­tistik gebe es in Frankreich etwas über 10 0 0 0 Arbeitslose. Die Lage in Frank­reich könne also in dieser Hinsicht nicht mit der der übrigen großen Länder verglichen werden, die Millionen von Arbeitslosen zählten. Llebrigens seien alle Maßnahmen getroffen wor­den, um eine Ausdehnung der Krise auf Frank­reich zu verhüten.

Kleine politische Nachrichten.

Der Kirchensenat der evangelischen Kirche der Altpreußischen Union hat beschlossen, daß auch die Bezüge der im Dienste der Kirchen­gemeinden und kirchlichen Verbände stehenden Pfar­rer, Beamten und Angestellten entsprechend den Bestimmungen der Verordnung des Reichspräsi- deuten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen gekürzt werden sollen.

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Von den am 31. Dezember 1930 aus dem Derwaltungsrat der Deutschen Reichsbahngesellschaft ausscheidenden Mitgliedern hat die Reichsregierung die Herren Geheimer Kommerzienrat Dr. K l ö ck n er , Reichsbahndirekttonspräsident a. D. Dr. Vitus v. H e r t e l, Staatssekretär a. D. Dr. Carl S t i e- l e r und Herrn. R. M. M ü n ch m e y e r wieder ernannt. Ferner sind die Herren Landrat a. D. Freiherr v. W i l m o w s k h und Ministerialdirek­tor Geheimer Rat Dr. Erich Klien neu er­nannt worden. Hertel ist von der bayerischen Regierung, Dr. Stteler von der württembergischen Regierung und Dr. Klien von der sächsischen Re­gierung benannt worden.

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Der Strafsenat des Oberlandesgerichts Kiel hat den Haftbefehl gegen den im großen Dom- benlcgerprozeß zu Zuchthaus verurteilten Her­bert Volck wegen Haftunfähigkeit ausge- h o b e n.

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Der Präsident des Bayerischen Verwaltungsge­richtshofes, Staatsrat Dr. Gustav o. Kahr, tritt am 1.Januar wegen Erreichung der Al­tersgrenze.in den dauernden Ruhe­stand. Dr v. Kahr war vom März bis Septem­ber 1921 bayerischer Ministerpräsident, Mi­nister des Innern und Minister des Aeußeren und vom September 1923 bis Februar 1924 Staats- kommiffar für Bayern. Oktober 1924 wurde er zum Präsidenten des Verwaltungsgerichtshofs er­nannt.

Ans aller Welt.

Kommunisten stören den weihnachksgollesdienft.

In Koblenz wurde am zweiten Feiertage von drei betrunkenen jugendlichen Kommunisten einem Mann und zwei Frauen in einer katholischen Kirche öie Frühmesse gestört. Besonders die Frauen taten sich durch Rufe,, von denenHeil Moskau" noch der gelindeste war, hervor. Die Polizei wurde vom Küster herbeigerufen und nahm die drei Kommunisten fest. Es handelt sich um drei Geschwister, die früher in Fürsorgeerziehung gewesen sind. 3n Bremen waren die von den Kommunisten für den Heiligen 2lbend angekündigten sog.H u n- gerdemonstrationen" von der Polizei verboten. Richtsdestoweniger ereignete sich am Heiligen Ab erst) bei dem Gottesdienst im Dom ein Zwischenfall. Zu Beginn der An­dacht verursachten drei bis vier jugendliche Bur­schen wüsten Oa r m. Es ertönten Schimpfrufe wie:Hol' der Teufel die Kirche" undGebt uns Arbeit". Als die Polizei auf dem Plan erschien, waren die Unruhestifter nicht mehr zu ermitteln. 3n Pasing bei München hatte der dorttge katho­lische Stadtpsarver einen kommunistischen

Drohbrief erhalten, in dem ihm angedroht wurde, man werde ihn während der Christtnesse von der Kanzel Herunterschiehen. Der Bries wurde der Polizei übergeben, die Beamte in Zivil in die Christmesse entsandte. Während des Gottes­dienstes drangen junge Kommunisten mit brennenden Zigaretten in dieKirche ein. Sie wurden aus dem Gotteshaus gedrängt und draußen vom Publikum gehörig verprü­gelt. Der Berliner Dom war am ersten Feiertag schon lange vor Beginn des Gottes­dienstes auch in den Gängen gefüllt, als plötzlich aus den ersten Reihen am Altar ein Mann crusstand und nach der Kanzel ging. Von hier aus rief er:Ich bin ein Gesandter Gottes, mein Haus ist ein Bethaus. Ihr aber habt es zu einer Mördergrube gemacht!" Dann ging er zu den am Altar ausgestellten Cristbäumen, riß die elek- ttische Beleuchtung herunter und warf einen Daum um. Als die Kirchenbesucher den Ruhe­störer entfernen wollten, leistete er heftigen Widerstand und schlug mit den Füßen imi» Fäusten um sich. Schließlich wurde er durch Polizei entfernt.

Von der Weihnachtsfreude in den Tod.

Am ersten Weihnachtsfeiertag ereignete sich i n Düsseldorf-Hamm ein tragischer Anglücks- fall. Die beiden Kinder der Familie Windhövel gingen morgens gegen sechs llfjr ohne Wissen der Eltern vom Schlafzimmer im Rachthemd in das eine Treppe tiefer liegende Wohnzimmer, um die Geschenke zu bewundern. Rachdem sie einigeKerzendesWeihnachtsbaums angezündet hatten unb sich über ihre Spiel­sachen freuten, kam das vierjährige Töchterchen einer Kerze zu nahe, so daß die Haare und das Rachthemd Feuer fingen. Auf das Schreien des Kindes eilten die Eltern herbei, hüll­ten das Kind in eine Decke und erstickten so den Brand. Das Kind hatte sich aber bereits so schwere Drandverletzungen zugezogen, daß trotz der sofor­tigen äleberführung ins Krankenhaus das be­dauernswerte Kind noch am Rachmittag seinen schweren Verletzungen erlag.

Beim Spielen tödlich verunglückt.

In Oebisfelde ist durch fahrlässiges Spie­len mit Karbid ein Knabe auf dem Bahnhof ums Leben gekommen. Drei Kinder füllten eine Flasche mit Karbidresten und gossen Wasser dar­aus. Dabei explodierte die Flasche, und durch die Glasscherben wurde demIungen die Hals­schlagader aufgerissen, so daß er auf der Stelle verblutete. Auch die beiden an­deren Kinder erlitten erhebliche Verletzungen.

Schwerer Autoabsturz eines Kasseler Anwalts.

Am Heiligen Abend stürzte der Kasseler Rechts­anwalt Dr. Oswald Freister bei der Ab­fahrt auf der nach der Wilhelmshöherallee füh­renden steilen Serpentinenstraße in der scharfen Kiirve infolge Vereisung der Straße mit feinem Auto den steilen Abhang hinab. Das Auto wurde nach etwa 30 Metern von den Bäumen aufgehalten, Freisler rollte noch etwa 20 Meter weiter bis zur näch­sten Serpentine, wo er mit schweren Verletzun­gen blutüberströmt liegen blieb.

Sechs Tiger zerreißen ihren Bändiger.

In einem Zirkus in der Rähe von Toulon ereignete sich ein folgenschwerer Zwischenfall. Der Raubtierbändiger war am Morgen, wie üblich, in den Zwinger getreten, in dem sich sechs si­birische Tiger befanden, um mit Ihnen die Morgenarbeit zu beginnen. Plötzlich stürzte sich ein Tiger auf ihn und zerschlug ihm mit seiner Tatze das ganze Gesicht. Erblindet und blutüber­strömt brach 6er Unglückliche inmitten der Tiger zusammen. Das Blut war das Zeichen für die anderen Tiere, sich ebenfalls auf ihn zu stür­zen. Sämtliche sechs Tiger fielen über den Körper des Unglücklichen her und hieben mit ihren Tatzen auf ihn ein. Erst nach geraumer Zeit gelang es den Aussichtsbeamten, den vollkommen zerfleisch­ten Bändiger in Sicherheit zu bringen. Er starb jedoch bald nach seiner Einlieferung ins Kranken­haus. Der Tiger, der den Unglücklichen zuerst angegriffen hatte, hatte bereits vor zwei Iahren einen jungen Bändiger zerfleischt.

Erdbeben in Argentinien.

In der nordargenttnischen Provinz Salta ist die westlich von der Provinzhauptstadt liegende Stadt P o m a durch ein Erdbeben völlig ver­nichtet worden. Rach dem (Srbbebengebiet ist eine Hilfsexpedition entsandt worden. Bei dem Erdbeben sind 35 Personen getötet und 70 ver­letzt worden. Die Rot und der Schrecken der Heberlebenben des heftigen Erdbebens wur­den noch durch sechs totUer« Erdstöße

und durch starke Regenfälle erhöht. Hilfsmannschaften haben den zerstörten GebirgS- ort Poma nach einem Tagesmarsch erreicht. Sie sanden die Heberlebenben durchnäßt auf den Trümmern ihrer Heimstätten hockend vor. Infolge des Erdbebens sind zwei große Erdspalten entstanden, aus denen heißes Wasser hervorquillt. Eine Anzahl von Per­sonen sind in diese Spalten gestürzt. Sie blieben verschwunden.

Indianeruberfall auf Fords Gummiplantagen.

Die im Innern des nordbrasilianifchen Staates Para gelegenen großen Gummiplantagen Fords sind von Indianern überfallen worden. Dabei sollen 21 Ansiedler getötet und mehrere verschleppt worden sein. Die Regierung des Staates Para hat ein amerikanisches Verkehrsflug­zeug beschlagnahmt, um die auf der Plantage an­sässigen Amerikaner in Sicherheit zu bringen. Nach den Plantagen sind Truppen entsandt worden, deren Eintreffen jedoch nicht vor Ende der Woche erwartet wird.

Fortschritte im Fernsprechwesen.

Das Fernsprechwesen im vergangenen Jahr stand im Zeichen des weiteren Ausbaus ber Selbstanschlußämter, dott denen 47 große Aemter dem Verkehr übergeben wurden, darunter in Berlin 7, in Hamburg 6, im Wuppertal 3, in Bremen, Düsseldorf und Mannheim je 2 und in weiteren 14 Städten je 1 Selbstanschlußamt. An diese Aemter sind 1542 Vermittlungsstellen ange- schlossen, die wiederum über 1040 000 Hauptanschlüsse verfügen. In Düsseldorf und Wuppertal ist der Uebergang zum reinen Selbstanschlußbetrieb voll­zogen, während in vielen anderen Städten ber 8^.-Betrieb in Vorbereitung ist. Auch der Fern­sprechverkehr aus weite Entfernun­gen ist im vergangenen Fahr erheblich ausgebaut worden, es stehen ihm jetzt 292 Leitungen gegen 220 Leitungen Ende 1929 gegenüber. Davon dienen 98 Verbindungen dem Fernsprechwesen innerhalb Deutschlands, 174 Leitungen vermitteln den Verkehr zwischen Deutschland und dem Ausland und 20 Leitungen sind für den Verkehr von zwei Auslands st aalen durch deutsches Gebiet bestimmt. Mit Esk land, Sowjetrußland und Australien ist ber Ferm sprechverkehr im Laufe bes Jahres aufgenommen worden.

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Die Warmluft an der Südseite des starken brittschen Tiefs hat uns bereits im Laufe des gestrigen Rachmittags erreicht und bei ihrem Ausgleiten auf die vorgelagerte kalte Boden­luft zu starken Schneefällen geführt. Es hat sich eine geschlossene Schneedecke von etwa 10 Zenti­meter gebildet, auch sind die Temperaturen in unserer Gegend und ebenfalls in Süddeutschland schon über den Gefrierpunkt gegangen, während in Rord- und Ostdeutschland bei östlichen Win­den noch Frost herrscht. Lieber Westfrankreich und den britischen Inseln lagen die Temperaturen heute morgen über plus 10 Grad, was auf das Vordringen weiterer Warmluftwellen hindeutet. Somit dürften auch die Temperaturen bei uns um den Gefrierpunkt und auch darüber halten, wenn auch nachts noch leichter Frost auf tritt. Auch ist dabei weiterhin mit Riederschlägen zu rechnen, die teils als Schnee, teils als Regen fallen.

Aussichten für Sonntag: Etwas milbe- res Wetter, vielfach bewölkt, vereinzelte Nieder- schlüge, teils als Schnee, teils als Regen.

Aussichten f ü r Montag: Unbeständiges, wechselnd wolkiges Wetter mit vereinzelten Nieber-. schlügen.

Lufttemperaturen am 26. Dezember: mittags 2,1 Grab Celsius, abends1,7 Grab; am 27. Dezember: morgens + 1,5 Grab. Maximum + 1,5 Grad, Mini­mum10,1 Grad. Erbtemperaturen in 10 cm Tiefe am 26. Dezember: abenbs 1 Grab; am 27. Dezember: morgens0,7 Grab Celsius.

Amtliche Wintersportnachrichken.

Vogelsberg, Hoherodskops: Rebel, 2 Grad, 17 bis 18 cm Schnee, 8 cm Reuschnee, stellenweise verharscht, Sportrnögttchkeit gut bis sehr gut. Herchenhainer Höhe: Klar,3 Grad, 25 cm Schnee, 25 cm Reuschnee, Pulverschnee; Sportmöglichkeit sehr gut.

Odenwald, Reunkircher Höhe: Tau­wetter, 4-2 Grad, keine Sportmöglichkeit.

Taunus, Kleiner Feldberg: Rebel, 1 Grad, 16 cm Schnee, 6 bis 10 cm Reuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodeln gut

Sauerland, Winterberg: Leichter Schneefall, 3 Grad, 14 cm Schnee, 2 bis 5cm Reuschnee; Ski und Rodeln gut.

Rhön, Wasserkuppe: Sprühregen, 2 Grad 25 cm Schnee, 1 bis 2 em Reuschnee, ver> harscht; Ski gut, Rodeln mäßig.

Schwarzwald, Feldberg: Leichter' Schneefall, 1 Grad, 30 cm Schnee, 6 bis 10 cm Reuschnee, Pulverschnee; SV und Radeln sehr gut.