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Nr. 302 (Elftes Blatt

180. Jahrgang

Samstag, 27. Dezember 1930

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SiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Chefredakteur

Dr. Fnedr Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr §.Ibt)riot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Biehen

Der Weg des deutschen Voiles.

Don Reichsdankprasident Dr. Hans Luther.

Spengler will uns glauben machen, wir stünden in den letzten Jahrhunderten abendländischer Kul­tur. So einfach und eindeutig wie seine Formeln ist das Geben sicher nicht, und neben Untergangserschei- nungen sprießt um uns junge Straft. Soll es bedeutungslos sein, daß wir endlich wieder lernen zu bauen? Und: warum soll eine zweite Kultur- blute nicht aus demselben 'Bolte erwachsen? Die Menschheit steht ja vor dem völlig neuen Sachver­halt, daß all ihre Teile untereinander sich in einer Weise ergänzen und wechselseitig befruchten, wie es vordem niemals war. Keine rückschaucndc Geschichts- Weisheit wird ableiten können, wie vor solcher ®e» staltung das Geben der Menschheit sich entwickeln mag.

Manchmal kommt cs mir wirklich vor, als ob das deutsche Volk erst einige Jahrzehnte alt sei. Seine Geschichte trägt bisher alle Züge des immerfort Werdenden. Zeiten großer Kraft­entfaltung nach außen wechseln ab mit Spannen geistiger Vertiefung und innerer Kraftsammlung, ja des Nichtstuns. Wie im Geben so vieler Menschen, aus denen Großes geworden ist, gibt es Fristen, in denen Jung-Siegfried fast zu verkommen scheint. Die Umwelt macht sich solchen Zustand stets zunutze, um einzubrechen, zu rauben und zu erben, was sich nur irgend mitnehmen läßt. Aber doch ist es nie­mals gelungen, auf eine längere Zeit über größere Teile Deutschlands eine Fremdherrschaft aufzurich­ten. Deutschland ist niemals wie andere Länder unter die Nachbarn geteilt worden. Mag sich auch gerade in Deutschland einer der seltsamsten geisti­gen Ueberpflanzungsvorgänge vollzogen haben, d i e Rezeption des römischen Rechtes mitten in ein bodenwüchsiges Rechtsleben hinein, so ist doch selbst unter dieser gewaltigen Woge das deut­sche Derwaltungs. und Rechtsleben nicht etwa zu leeren Formeln erstarrt; sondern das fremde Recht ist langsam deutsch geworden und immer deut­scher. Mag auch lange hindurch französischer K u l t u r e i n f l u ß deutsches Wesen überschattet haben, so ist doch unter solcher Befruchtung einer der geschichtlich Großen Deutschlands, der Alte Fritz, erwachsen, der bet all seinem französischen Parlieren der Deutschesten einer war. Frei­lich, cs ist nicht nur eigenes Urteil des deutschen Volkes, sondern Meinung der Welt, daß im deut­schen Volk die Besonderheiten und Eigenwilligkeiten der einzelnen Volks- und Ganbeetcile weit stärker entwickelt sind als anderswo. Darf man schluß­folgern: Geschichtlicher Gängsschnitt und geographi­scher Querschnitt durch die deutsche Seele ergeben das Bild ungebändigter Kräfte, die im jugendlichen Gären noch nicht sich zur Persönlichkeit geformt haben?

Jedoch, da tarn der A u f st i e g Preußens und Preußens Führerschaft im Reich. Was innerlich noch brodelte und miteinander rang, wurde zur Staatspersönlichkeit zusammengefaßt. Die Jugend schien beendet, und unter glückhaftem Stern begann ein Mannestum in klarer Ccbensorbnung.

Aber das Schicksal hatte es so einfach mit bem deutschen Volke nicht gemeint. Das deutsche Volk war nicht eine Jahrtausende lange Geschichte hin­durch gerüttelt und immer neu gemodelt worden, um nun mit einemmal im Hasen eines wohlbehüteten Staatsgebildes zu landen. Der Wettkrieg und die Ereignisse, die auf ihn folgten, zerschlugen das Staatsgefiige und das Volk war wieder ganz auf sich g c ft c (11. Unter dem Druck der Not hat das Volk die Probe bestanden. 1918 und 1919, die Jahre unseres Niederbruchs, haben das deut­sche Volk ebensowenig auseinandersprengen können, wie der Währungszersall des Jahres 1923, der in einer Tiefenwirkung wohl ohne Vergleichbares in der Weltgeschichte ist.

Ich schaue noch einmal zurück: Einstmals, im frühen Mittelalter, waren wir ein Reich, waren in Uebcrfpringung unserer eigenen Grenzen b i e Welt und lebten mit jugendlicher Inbrunst die Bilder, die in unserer Seele waren. Der jugendliche Sprung war zu wett angesetzt. Die neidischen Nach­barn erhoben sich wider uns, und nun Huben die Zeiten tiefen inneren Reifens an, scheinbar ohne Plan und doch mit Entfaltung jeder nur möglichen Kraft. Zuletzt kam die kurze Zeit des Seins als männliche Persönlichkeit im Rahmen des starken Staates. Nun ist das hochgezimmerte alte Haus verbrannt, aber wir haben gelernt, daß wir ein Volk sein können, und werden uns nicht wieder aufgeben.

Diesem deutschen Unterfangen, Dolkspersön- lichkeit 3 u werden aus eigener Kraft, kommt der Gang der Weltgeschichte entgegen. Durch alles, was feit 1914 weltgeschichtlich geschehen ist, zieht sich bei vielem Gegensätzlichen der eine Ge­danke hindurch, bah es entscheibend nunmehr auf bic Völker anfommt. Sicher werben die Staaten als solche nie verschwinden, und Staats­gesinnung wird immer bas stärkste .Kennzeichen bc* iahender Einstellung zum Gemeinschaftsleben bcs Volkes bleiben. In steigendem Maße aber wird die Form des Staates aus dem Stoff des Do 1 - k c s ihr Gesetz entnehmen. Unsere Naturanlage haben wir Deutschen sicherlich nicht verändert, wie das kein Gebewesen kann. Wir wollen auch unseren inneren Reichtum uns nicht verkümmern lassen. Ja, wir haben schon wieder begonnen, den anderen Völkern internationale Gedanken vorzudenken, und für manche Augen sieht es manchmal aus, als ließen wir den jungen Keim einer Volkspersönlichkeit wie­der eingehen, weil unsere Seele schon wieder hin­ausdrängt aus bem eigenen Bereich. Mir aber will es scheinen, daß trotz einiger Oberslächenoor- gänge, die aussehen wie würdeloses Verleugnen des eigenen Ich, im Unterstrom das Bekenntnis des deutschen Volkes zu sich selbst wächst und wächst.

Polen rüstet zur Ratstagung.

Neue Llebergriffe gegen die deutsche Mmderheii. Zynische Bemerkungen Zaleskis. Wer fuhrt den Vorsitz in Genf?

England erwartet Sensationen.

Die ,olenfragcn in Genf.

Gondon, 24. Dez. (TU.) DerDaily Tele- araph" berichtet, auf der nächsten Völkerbundsrats, fitzung könne man sensationelle Entwicklungen er- warten. Dr. Curtius, der eigentlich den Vor­sitz aus der R a t s t a g u n g'führen müßte, be­absichtigte, von diesem Recht keinen Gebrauch zu machen, sondern wolle dem englischen Außen­minister Henderson an feiner Stelle den Vor- sitz anbieten, während er wieder den Vorsitz i n b c r barauffolgenbcn Sitzung annehmen wolle. Der Hauptgrunb für biefe Entscheibung des Reichs- außenminifters fei darin zu suchen, daß Deutschland der hauptsächlichste und in der Tat sehr ernsthafte Beschwerdeführer auf der Januartagung hinsichtlich der Mißhandlungen der deut­schen Minderheiten in Polen sein werde. Man könne ferner mit der Möglichkeit rechnen, daß sich die Aussprache über die Minderheiten auch auf die Forderungen Deutschlands nach einer Revi­sion der polnisch - de u tschen Grenze erstrecken werde. Dies würde natürlich zu sehr deli­katen Verhandlungen führen, deren Umfang und Ergebnis niemand voraussehen könne. Die euro­päische Diplomatie zittere zur Zeit vor einer solchen Möglichkeit.

DerDaily Telegraph dürste den Ereignissen vorgreifen, wenn er jetzt schon eine allgemeine Erörterung der Frage der deutsch-polnischen Grenze für möglich hält. England wird natürlich im Hin­blick auf die gegenwärtigen Beziehungen zu Frank­reich und im Hinblick auf fein starkes Inter­esse, das F l o 11 e n a b t o m m e n unter Dach und Fach zu bringen, auch nicht das geringste Interesse daran haben, sich für eine deutsch­polnische Grenzrevision einzusetzen. Jedoch wird im Foreign Office ganz offen zugegeben, daß die Dinge sichaußerhalb der Kontrolle der Men- s ch e n h a n d" befinden, wie es non Henderson vor einigen Tagen in einem Rundfunkvortrag gesagt wurde.

Neuer Vorstoß gegen die deutsche Schule.

Tic deutsche Volksschule in Biala wird aus ihrem eigenen (Gebäude verdrängt.

Biala, 26. Dez. (LNB.) Wie der Oberschlesische Kurier meldete, plant das Schulinspektocat von Biala einen Borstoß gegen die deutsche Volks- und Bürgerschule. Diese soll i n eine polnische Lehranstalt umgewan- d e 11 werden. Die bisherigen deutschen Klassen sollen in anderen Gebäuden unkergebracht werden. Diese Neuregelung soll mit dem Schulbeginn im neuen Jahre vorgenommen werden.

Dieser angekündigte Vorstoß ist nunmehr b c - reifs erfolgt. Der Ortsschulcat beschloß, die Schule so zu teilen, daß einige deutsche Klassen i m Stockwerkaufbau des Feuerwehrde­pots, andere im Gebäude desPolnifchen Schulvereins untergebracht werden, während die restlichen fünf deutschen Schulklassen vorerst noch in dem Gebäude belassen werden. Diese Verfügung widerspricht einem verbrieften Recht. Das Schulgebäude ist von den Deutschen mit deutschem Gelde errichtet worden, und es ist urkundlich festgelegt, daß das Gebäude, das der katholischen pfarrgemein be gehört, nur solange zu Schul- und Unterrichtszweckcu zur Verfügung gestellt wird, als d i e Unterrichts­sprache die deutsche ist.

Reichsdank an Oberschlesien.

Eine Lpendc zur Zchnjahresfcier der Volksabstimmung.

Gle iwitz, 26. Dez. (WTB.) Der Berliner Ver­treter der oberschlesifchcnDollsstimme" übermittelte seinem Blatt ein Interview mit Reichsinnenminister Dr. Wirth, in dessen Verlauf Dr. Wirth mit- teilte, daß die Reichsregierung und die preußische Staatsregierung sich entschlossen haben, zur b e = vorstehenden Z e h n j a h r e s f e i c r der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März nächsten Jahres den Dberpräfibcnten von

Gaufcht man hinein in die Jugend, so hört man j Töne des Deulfchseins von überall her, gewiß mit verschiedenem Klang und verschiedener Stellung­nahme zu den allgemeinen großen Menfchheits- fragen. Aber den letzten Ankergrund sucht die Sehn­sucht nach neuen Zielen, wenn ich mich nicht täusche, überall im Gefühl des D e u t f ch s e i n s. Die einen haben es als Nationalgefühl im alten Sinne mit klarer Empfindung der Gegensätzlichkeit zu anderen Nationen. Andere aber fühlen es nur als die Selbstverständlichkeit der Zugehörigkeit zum eigenen Volk, ohne daß eine Gegensätzlichkeit zum Fuhlen anderer Völler mitfchwingt.

Das letzte Gofungsmort dieser Entwicklung heißt Treue. In anderen Völkern überwiegt bas Ge­fühl eines selbstsicheren Jchsinns, ja bei manchen geradezu eines Berufenfeins als auserwähltes Volk.

Oberschlesien mit einer Spende von 100000 Mark auszustatten, um besondere Hilfs­maßnahmen kultureller ober sozia - l c r Art als Reichsbank für bic Treue ber Ober- schlesier durchzuführen.

Unter Bezugnahme auf seine kürzliche Ober­schlesienreise bemerkte ber Reichsinnenminister Dr. Wirth: Mit großer Freude habe ich in Oberschle­sien feststellen können, wie stark bas Gefühl ber Treue und Zusammengehörigkeit

ist. Aus dieser Treue werden auch die besten 3u< kunstsmöglichketten für dieses hart geprüfte und ge­fährdete Grenzland ersprießen. Zuversichtlich glaube ich die Hoffnung aussprechen zu können, daß diese Treue zum Reich und unser aller Zusammengehörig­keitsgefühl, unterstützt durch die von der Reichrregie- rung getroffenen und noch zu treffenden Maßnah­men, in baldiger Zukunft ein friedliches Wiederaufblühen und Gedeihen Ober- schlesiens im Gefolge haben werden.

Sine Weihnachtsansprache des Papstes.

Gerechtigkeit die Voraussetzung wahren Vöckerfnedens.

Rom. 24. Dez. (LU.) Papst Pius XL hielt am Mittwoch an bic Karbinäle, bic hohe Prä­latur und den päpstlichen Hofstaat, bic sich im Konsisdoriensaalc versammelt hatten, um dem Papst durch den Kardinaldekan ihre Weih­nachtsglückwünsche zum Ausdruck zu bringen, eine bedeutsame Ansprache. Der Papst wies auf die Weltwirtschaftskrise und vor allem auf die große Arbeitslosigkeit hin, die die 21 Ot­to e n b i g I e i t einer christlichen, f o - zialen Orbnung erheische, bic eine drüber-- liche Zusammenarbeit statt bes Kampfes ermög­liche. Der Papst fügte hinzu, bic Befürchtungen, mit ber einige bic dichten Wolken am H o r izon t sähen, feien übertrieben, da die Wolken nicht immer Vorboten eines Sturmes seien und die Ehristen auf die Vorsehung ver­trauen müßten. Eine große Gefahr liege in der Zunahme ber Unfitten und in der Duldung von Grundsätzen, die jedes Gesetz untergraben. Aach einem Hinweis auf Mexiko sprach der Papst von dem gequälten Rußland und dec Gefahr einer Propaganda, bic die Kultur ber Welt bedrohe.

Der Stiebe Christi könne nicht erreicht werden, so lange bic Welt nur an materielle Güter denke.

Friede fei kein konfuser Pazifismus. Ein weiterer Irrtum sei der Glaube, daß es einen äußeren Frieden gebe ohne einen inneren Herzensfrieden. Der Friede muffe nach einem Wort des Propheten Jesaias die Frucht der Gerechtigkeit sein und gehöre, wie der bl. Thomas ergänze, eher in das Gebiet der Charitas als ber Gerech­tigkeit. Wenn bie Erhaltung des inneren Friedens bei den sozialen Gegensätzen schwer sei, so sei ein dauernder Friede zwischen den Völkern und Staa­ten noch schwerer, wenn nicht gar unmöglich, so lange an Stelle der wahren und ursprünglichen Vaterlandsliebe ein wilder und harter Qlatio- nalismus vorherrsche, der an Stelle des gegen­seitigen Wunsches nach Wohlergehen Haß und A c i b sehe unb den Ehrgeiz nach Hege­monie u n b Vorherrschaft an Stelle der Wahrung unb des Schuhes der Rechte aller. Ab­solut unmöglich aber sei es. daß die Völker in Orbnung und Freiheit, bic das Wesen des Frie­dens ausmachen, jene Ruhe genießen, so lange sie im Innern unb von außen her Drohungen und Gefahren ausgeseht finb, denen keine genü­genden .Verte t'digungs- und Vor­beugungsmaßnahmen gegenüberfteben.

Wirtschastszahlen imNotjahr1930

Wechselproteste, Konkurse, Vergleichsverfahren. produktionö- und Einfuhrrückgang.

Wenn es auch verfehlt wäre, in einem Augen­blick zu flagen, wo das alte ablaufcnbe Jahr allmählich in ein neues hoffnungsvolles Jahr übergeht, so muß! man doch gerade in diesem Augenblicke noch einmal rückblickend zusammen- ftel.cn, welche unendlichen Sch wierig- feiten auf dem Jahre 1930 lasteten, welche Röte die Grundfesten der deutschen Wirttchaft zu erschüttern versuchten und welches unendliche Leid sich in weiten Kreisen des deutschen Dolles breit machte. Es ist ein Jahr großer Sorge gewesen, einer Sorge, die an keiner nationalen Grenze Halt machte, die vielmehr die ganze Welk erfaßte unb in beäng­stigender Weise jede gesunde Entwicklung schon im Keime zu ersticken drohte.

15 bis 18 Millionen Menschen wurden zwangs- wette zur Arbeitslosigkeit verurteilt. Von Monat zu Monat stieg die Arbeitslosenkurve in Deutschland, um zum Jahresende die grauen­volle Höhe von vier Millionen zu erreichen. Leider wird damit noch nicht der Höhepunkt erreicht sein. Die Depression laftet ohne Unterlaß auf der Wirttchaft. Konkurse, Vergleichsversah- ren unb Wechselproteste sprechen nach dieser Dichtung hin eine beredte Sprache. Gegenüber bem Vorjahre ist eine Steigerung zu verzeichnen, ilnb nur die Wechselproteste konnten im Durchschnitt von 12 Millionen Mark auf 11,6 Millionen Mark im Werte bes Monatsburch- schnitts zurückgehen. Man rechnet aber immer noch für 1930 mit einem Gesamtbettag von an­nähernd 557 Millionen. Die Konkurse sind im Monatsdurchschnitt um rund 15 Proz. ge­stiegen unb bic Vergleichsverfahren haben ein Anwachsen von 30 Proz. zu verzeich­nen. Dieser Entwicklung läuft selbstverständlich ein starkerRuckgang ber Produktion parallel. Die Steinkohlenförderung

Wieder andere Völker sind erfüllt von einem Stolz auf sich selbst, ber jede kritische Bemerkung eines Ausländers als untragbar zurückweist. Des deut­schen Dolles stärkste Scclenregung ist Treue. Nur war sie bislang, wie cs so die Eigenart der Jugend ist, Treue nicht schlicht zu sich selbst, zum eigenen Wesen und inneren Gebensgefetz, sondern zu etwas als außerhalb des eigenen Ich Vorgeftelttem, und wurde da manchmal zur Schwärmerei. Nicht ganz selten entftanb so in deutschen Herzen Treue zu fremden Staatsmächten oder fremdem Gebens­gut. Sonst aber war es Treue zu deutschen Gewal­ten, Mannestreue zu den Fürsten oder Treue zum Reich in einer bestimmten Gestalt wie etwa zum Bismarck-Staat. Nun aber, wo mir beginnen, a I s Volksperfönlichkeit auszureifen, muß diese Seelenttast dahin neu werden, daß sie Treue zu

verminderte sich um 11 Proz. gegenüber bem Vorjahre, bic Förderung ber Braunkohlen um 15 Proz., di- Rohstahlerzeugung ging sogar um 27 Proz. zurück, während die Roh - e i se n he r st e l lu n g um 25 Proz. sank. Äe Rot zwang darüber hinaus zu einer starken Einschränkung der Einfuhr, die in g an* besonderer Weise das deutsche Elend widerspie­gelt. Machte der Wert der deutschen Einfuhr im Öanuar b. 3. noch runb 1,3 Milliarden aus, In- ging die Einfuhr im Oktober d. 3. auf 0,8 Mil­liarden zurück. Alle Anstrengungen, hier einen Wandel zu schaffen, scheiterten an der allge­meinen weltpolitischen Verwirrung, und es wird noch großer Anstrengungen bedürfen, um zu einer Besserung zu kommen.

Diese Besserung hängt aber in allererster Lime von der Stabilisierung derpolitischen Verhältnisse ab. Gerade nach dieser Rich- hing hin ist es deshalb unbedingte Pflicht, alle Kräfte anzuspannen, um die politischen Voraus­setzungen für die allgemeine Wirttchaftsgesundung zu schaffen. Die Well ist in ihrer Gesamtheit krank. Für alle Staaten war das Jahr 1930 ein ernstes Krisenjahr und selbst das in Gold star­rende Amerika mußte an s einem eigenen Reich­tum leiden. Das 'Rotjahr geht zu Ende. Welchen Weg wird das neue Jahr nehmen? Das ist bic Frage, die alle in diesen Tagen bewegt. Ihre Beantwortung ist schwer. Aber darin müssen wir uns alle einig sein, bah keine Rot so groß ist. daß sie nicht überwunden werden kann. Wenn wir im kommenden Jahre alle Kräfte anspannen, und uns in gemeinsamer Arbeit zusammenfinden, bann wird und muß es möglich sein, die erschüt­terten Grundmauern der Wirtschaft wieder zu feftigen und auf diesen Grundfesten einen Wieder- anftieg einer besseren Zukunft entgegen anzu- b ahnen.

uns selbst wird, zu uns selbst als Volk. Das wäre die Erreichung des Mannesatters. Das wäre zugleich aber Einstellung des Volkes auf feine Ge­samtheit. Damit hört das Volk auf, ein Gegensätz­liches jum Staat zu fein, das zahlenmäßig zur Geltung gebracht werden soll, um die Uebermacht einer Minderheit, die den Staat beherrscht, zu bre­chen. Nun en'cheint das Volk als Persönlichkeit, die sich in sich selbst nach ihren Aufgaben und Geistun­gen gliedett. Hierfür die Form zu finden, ist Deutsch­lands große Zukunftsaufgabe. Im Schützengraben hat das Dollwerden begonnen. Aber auch die zweite Welle unserer Jugend, die den Schützengraben nicht mehr erlebt hat, wächst empor im Angesicht der geschichtlichen Tatsache, daß die deutsche Zukunft abhängt von unserem Zusammenhatten als Doll.