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Dem Reisenden, dem es teils der Deutel, Teils die echte Gattin nicht gestatten, länger als einen Tag in der Seestadt zu verteilen, sei empfohlen, den Dom beim Genuß der hamburgischen Ver­gnügungsmittel als Zwischengang zu wählen. Man beginne die Domtour nicht daheim, sondern anderswo, gehe dann den Dom dreimal aüf und ab und verliere sich anschließend rechts um die Ecke in der Etablissementstraße Reeperbahn.

Aus dem Dom muh auf alle Fälle Ahlers Affentheater besichtigt werden; der Flohzirkus, ein Unternehmen, das die blutgierigsten Raub­tiere der Welt dressiert vorführt, verdient drei Lobessterne; nicht zu vergessen ist die fürchterlich gefährliche Alligatorenfarm, die man nur mit kaltem Schweiß im Rücken betritt, um einem 30 Zentimeter langen Riesen-Eidechsenbaby vor­gestellt zu werden. Für ausschweifende Per­sonen haben Karussell und Achterbahn beson- deren Anreiz. Lind in einigen Haupt- und Reben­straßen locken verführerische Würstel-Duden und Zelte, in denen holländische Kientjes eine einzigartige Masse aus Zucker und Mehl, ohne die das Hamburger Kind sein Dom-Fest nicht echt findet eingehandelt werden können. Fast ebenso geschäht ist der mannigfache orientalische Schmierkram, der hier und dort feilgeboten wird.

Um Mitternacht ist Schluß; aber die Dom­tour ist noch nicht beendet. Wenn auch am an­deren Morgen in früher Stunde die Arbeit ruft, so genießt der Hamburger mit Genugtuung die Großzügigkeit seiner Polizei, die ihm einen glat­ten Ucbergang von den Stätten der Tanz­gymnastik zur Arbeitsstätte vermittelt. Dies ge­schieht, indem das Vergnügungs-Finale bei schlichtem- Bier und 'lüttn Körn'(hochdeutsch: kleinen Kümmel) intoniert wird. Für Fremde ist es ratsam, die geheimen Reize der Hamburger Mundart zu erlernen, um einen wirklichen Ge­nuß zu haben. Rur wer sich der Argot-Ausdrücke bedienen kann, wird echte Dom-Ausdrücke sam­meln können.

Oberheffen.

Gememderatssihung in Büdingen.

11 Büdingen, 26. Sept. 3n der jüngsten Gemeinderatssitzung stand zunächst die Erbauung einer Rebenbahnteil st recke von Büdingen nach Ochsengemäul zur Ver­handlung. Die Erbauung soll nunmehr durch einen Zweckverband ermöglicht werden. Der Gemeinderat konnte jedoch in dieser Sache keine endgültige Entschließung fassen, da noch Ver­handlungen mit den beteiligten Körperschaften gepflogen werden sollen.

Um den mit dem Arbeitsamt verbundenen starken Verkehr aus dem Rathause zu entfernen, beschloß der Gemeinderat, dem Arbeitsamt Gie­ßen einen Raum im früheren Schulhause auf dem alten Marktplatze zur Verfügung zu stellen. Als Mietpreis wurde ein monatlicher Betrag von 20 Mk. festgesetzt.

Auf Anregung der Büdinger Landwirte sollte mit städtischer Hilfe gegen die in der Büdinger Gemarkung herrschende Mäuseplage ringe» schritten werden. Die Sachlage hat sich nunmehr insofern günstig geändert, als durch die feuchte Witterung die Fortpflanzung dieser Plagegeister gelitten zu haben scheint. Cs wurde deshalb im Gemeinderat vorgeschlagen, die Bewilligung von Mitteln zunächst noch zu vertagen.

Der Gcmeinderat hatte in einer früheren Sitzung beschlossen, den städtischen Beam­ten, die in st ä d t i s ch e n Häusern wohnen, das Wohnungsgeld auf ihre Wohnungen voll anzurechncn. Gegen diesen Beschluß hatten sich einige Beamte beschwerdeführend an den ?. Gemeinderat gewandt. Der Antrag dieser Be- .amten wurde jedoch abgelehnt. Die Eingaben 'verschiedener Mieter gegen die Hohe des vom Gemeinderat festgesetzten Mietpreises für ' ihre Wohnungen in städtischen Gebäuden konnten zunächst noch keine Berücksichtigung ftnden. Es wurde vielmehr beschlossen, eine Besichtigung der Wohnungen vorzunehmen.

Dem Ansinnen eines Büdinger Deutsch- Amerikaners, die Feier des 200. Geburts­tages des deutsch-amerikanischen Generals Fried­rich Wilhelm v. Steuben auch in Büdingen in irgendeiner Weise festlich zu begehen, konnte der Gemeinderat nicht entsprechen.

Gläubiger - Versammlung des Laubacher Vorschußvereins.

Laubach, 26. Sept. Unter dem Vorsitz des am vorigen Sonntag neugewählten Direktors Henze fand am Mittwochabend imSolmser Hof" eine Gläubigerversammlung des hie- sigen Vorschußoereins statt, zu der mehr als 200 Spareinleger erschienen waren. Der Direk­tor schilderte zunächst die Vorgänge, die sich in letz­ter Zeit bei der Kasse abgespielt haben, und wies darauf hin, daß das Fortbestehen der Kasse nicht allein für die Genossenschaftsmitglieder, sondern auch für die Gläubiger von größtem Interesse sei. Ein Konkurs müsse unter allen Umständen vermieden werden, da sonst den Gläubigern nicht die volle Einlage ausgezahlt werden könne.

Hierauf gab Bankdirektor S e u m - Nidda, der als Vorstandsmitglied der Landesgenossenschaftsbank in Darmstadt bei der Revision des Dorschußvereins dahier mitgewirkt hatte, einen dahingehenden Be­richt, daß im Wege des Vergleichsverfah­rens die bestehende Kalamität beseitigt werden könne. Zur Hebung des Defizits würden in erster Linie die vorhandenen Reserven in Höhe von 24 000 Mark, das Haus des seitherigen Rechners, sowie dessen Kaution vön 8000 Mark und ein Betrag von 5000 Mark, die ein Vorstandsmitglied für seine Ver­fehlungen zu zahlen habe, eingesetzt werden, so daß dann noch ein Fehlbetrag von 156 000 Mark zu decken sei. Zur vollen Befriedigung der Gläubiger sei erforderlich, daß sie zunächst ihre Einlagen mit einem Prozent über dem jeweiligen Reichsbankdiskontsatz verzinslich auf drei Jahre festlegen müßten, mit

Ebenso wurde ein Antrag über den käuf­lichen Erwerb der Oberhess ischen Ob st werke zu Büdingen abgelehnt.

3m Gemeinderat wurde angeregt, für die aus­gesteuerten Erwerbslosen in Büdingen Arbeitsgelegenheit zu schaffen. Der Ge­meinderot nahm die Anregungen zur Kenntnis und verwies die Vorschläge zur näheren Prü­fung an die Verwaltungs- und Finanzkommission.

Gtadivorstand in Lauterbach.

Lauterbach, 24. Sept. In der gestriaen Sitzung des Stadtvorstandes unter der Leitung des Bürgermeisters Walz wurden u. a. folgende Beschlüsse gefaßt:

Der Voranschlag der Realschule für 1931 wurde genehmigt. Der Zuschuß der Stadt beziffert sich gegenwärtig auf rund 17 680 Mark; er hat sich gegenüber dem Vorjahre durch die Erhöhung des Schulgeldes, sowie durch die Be­setzung von Lehrstellen mit jüngeren Krpsten er­heblich ermäßigt.

Hinsichtlich der Verstärkung des Elek­trizitäts-Ortsnetzes im Stadtteil Bahnhof-Rord hat der Bürgermeister mit der Molkerei verhandelt, die nunmehr auf den erweiterten Ausbau des Ortsnetzes verzichtet und mit der Ausführung des ursprünglichen Projektes einverstanden ist, das auf etwa 23 000 Mark ver­anschlagt wurde. Der Stadtvorstand beschloß, das zu errichtende Transformatorenhaus in unmittel­bare Rähe der Bahnhofstraße zu stellen und es so groß zu bauen, daß jederzeit ohne Erweiterung des Transformatorenhauses die Anlage ver­größert werden kann.

Der Bürgermeister berichtete noch über die Besichtigung der neuenQuellenschürfung. Rach den letzten Mesiungen ergaben sich auf den neuen Quellen täglich rund 155 Kubikmeter Wasser. Der Stadtvorstand beschloß, die Quellen­bohrungen fortzufetzen und die Vergebung der erforderlichen Wasserleitungsarbeiten und -liefe- rangen vorzubereiten.

Landkreis Gieren.

Z Allen dors a. d. Lumda, 26. Sept. Nach­dem gegen die Bürgermeisterwahl vom 20. Juli keine Beanstandungen erhoben worden waren, wurde der neugewählte Bürgermeister Schneider vor einigen Tagen durch Oberregierungsrat Ritzel vom Kreisamt Gießen in Gegenwart des vollzählig erschienenen Gemeinderats in sein Am t ein- geführt. Die erste Gemeinderatssitzung unter dem

Ausnahme der gesetzlich festgesetzten Aufwertungs­zinsen. Die Zinsen sollen vom 1. Juli 1930 an ge­rechnet jährlich ausgezahlt werden. Ferner sei eine Erhöhung der Geschäftsanteile von 200 Mark auf 800 Mark vorgesehen, worüber die demnächst statt­findende Versammlung der Genossen beschließen wird. Auch sollen sonstige bankmäßige Geschäfte von der Kasse weitergeführt werden. Nach Schluß des Vergleichsverfahrens fei dann die Durchführung der Liquidation beabsichtigt, damit ein neues In­stitut geschaffen werde, welches für das Wirtschafts­leben Laubachs und Umgebung ein dringendes Be­dürfnis fei.

Nachdem zu diesem Vergleichsvorschlag, zu dessen Rechtsgültigkeit die Zustimmung von 75 v. H. der Gläubiger mit mindestens 50 v. H. der Gesamtforde­rungen erforderlich ist, eingehend Stellung genom­men worden war, sprach sich die Mehrheit der anwesenden Gläubiger für die Annahme des Vergleiches aus. Die meisten Gläubiger zeich­neten sich sofort in die aufgelegten Listen ein, um der Eröffnung des einzuleitenden Vergleichsverfah­rens zuzuftimmen. Die erforderliche Zahl der Gläu­bigerftimmen hofft man ohne Bedenken zu erlangen.

Von der Versammlung wurde ein aus fünf Mit­gliedern bestehender Gläubigerausschuß ge­wählt und als Vertrauensmann Bankdirektor S e u m bestimmt. Die endgültige Entscheidung über das Schicksal des Dorschußvereins liegt nun in den Händen der demnächst stattfindenden zweiten Gene­ralversammlung der Genossenschaftsmitglieder.

Vorsitz von Bürgermeister Schneider fand nun statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärte Bürgermeister Schneider in einer kurzen An­sprache, daß er bestrebt sein werde, sein Amt ge­wissenhaft, gerecht und ohne Ansehen der Person auszuüben, und er erbat sich die Mitarbeit des Ge­meinderats. Von der Tagesordnung ist hervorzuhe­ben: Da Bürgermeister Schneider, der seither dem Gemcinderat angehört hat, infolge seiner Wahl aus dieser Körperschaft ausscheidet, tritt an dessen Stelle als Gemeinderat der Eisenbahnbeamte i. R. Heinrich Dörr. Dessen Verpflichtung wurde durch den Bürgermeister vorgenommen. Nachdem die Hebeliste für das Wassergeld pro 1930 schon durch die Baukommission vorgeprüft worden war, soll eine nochmalige Nachprüfung stattfinden und etwaige Beanstandungen dem Gemeinderat in der nächsten Sitzung zur Entscheidung vorgelegt werden. Um den vielfachen Klagen der Landwirte über das Ueberhandnehmen der Feldmäuse zu begegnen, beschloß der Gemeinderat, nach völliger Einbringung der Kartoffel- und Dickwurzernte eine allgemeine Ausstreuung von Gifthafer, wie dies schon in früheren Jahren mit sehr gutem Erfolg durchgeführt wurde, über die ganze Gemarkung stattfinden zu lassen. Der Hafer wird auf Kosten der Stadt beschafft, die Ausstreuung erfolgt durch die Einwohnerschaft. Dem hiesigen, unter der Füh­rung des Hilfsförsters Förster stehenden Klein­kaliberschützenverein, der dem Reichsver­band deutscher Schützenverbände angeschlossen ist, wurde als Anerkennung seiner vorzüglichen Leistun­gen beim Verfassungsschießen vom Reichspräsidenten v. Hindenburg ein Ehren-Diplom und -Plakette überwiesen.

(p Grüningen, 25. Sept. Die Obsternte in unserer Gemarkung ist an Aepfeln und Dirnen sehr gering, während Zwetfchen eine gute Mittel­ernte bringen. Birnen und Aepfel werden noch nicht gehandelt. Zwetschen finden guten 2lbsah. Täglich kommen Händler aus Frankfurt, Hanau und Wiesbaden. Es wurden bisher 7,50 Mark, 10. 15 und zuletzt 19 Mark per Zentner gezahlt.

s. Utphe, 25. Sept. 3n dieser Woche feierte einer unserer ältesten Einwohner, der Landwirt und Schmied 3ohannes 'Bornmann, seinen 8 5. Geburtstag im Kreise seiner Familie. Der Greis erfreut sich noch geistiger und körper­licher Rüstigkeit und hilft noch bei vielen land­wirtschaftlichen Arbeiten.

s. 3 n h e i d e n, 25. Sept. Am Sonntag fand die Einweihung des Ehrenmals für unsere Gefallenen statt. Dazu hatten sich die ganze Gemeinde und viele Gäste aus der

Umgegend eingxfunden. Um 3 Uhr bewegte sich ein Zug unter den Klängen des ChopinscheM Trauermarsches vom Rathaus nach dem Fried­hof. Die Feier wurde mit dem Riederländischen Dankgebet eingeleitet und von Gedichtvorträgen und Gesängen der Schüler umrahmt. Bürger­meister Reitz sprach kurz über den Zweck des> Denkmals, woraus die Hülle fiel, während der Gesangverein unter Leitung von Lehrer Muhl 3ch hatt' einen Kameraden" fang. Darauf hielt Pfarrer G e r i ch, Bellersheim, die Weiherede, die in eindrucksvoller Weise das Gedächtnis an die Gefallenen wachrief. Dann wurden die auf dem Denkmal eingehauenen Ramen der Ge­fallenen verlesen und von den Angehörigen Kränze niedergelegt, während die MusikEs ist bestimmt in Gottes Rat" spielte. Rachdem die Gemeindeverwaltung und die Vereine Kränze niedergelegt hatten, wurde eine Ehrensalve ab­gegeben. Der Gesangverein trug den ChorDen Gefallenen" vor. Der gemeinsame Gesang des LiedesHarre meine Seele" beschloß die Feier.

Kreis Schotten.

Laubach, 26. Sept. Heute nachmittag rannte ein etwa 8 3ahre altes Mädchen beim Spielen auf der Straße in -de^^Rähe des Amtsgerichts gegen ein vorbeifahren- des Personenauto, wurde dabei von dem Hinteren linken Kotflügel des Wagens gefaßt und zur Erde geschleudert. Der Chauffeur hielt sofort den Wagen an und verbrachte das bedauerns­werte Kind in das hiesige Krankenhaus. Die sofort vorgenommene Röntgenaufnahme zeigte einen Knochenbruch im linken Unter­schenkel. Den Chauffeur soll keine Schuld treffen, da er ein geringes Tempo durch die Orts­durchfahrt gehabt haben soll.

§ Feldkrücken, 25. Sept. Unter großer Be­teiligung, auch von auswärts, wurde gestern der im 80. Lebensjahre hier verstorbene Alt- bürgermeifter Wilhelm Schleuning zu Grabe getragen. Der Ortsgeistliche entwarf in seiner Grabrede ein Bild von der Persönlichkeit und der Lebensarbeit des Verstorbenen, der 43 3ahre hindurch als Bürgermeister an der Spitze der Gemeinde gestanden und etwa 50 3ahre lang dem Kirchenvorstand angehört hat. Rach der kirchlichen Handlung schoß der Krieger­verein seinem toten Kameraden die übliche Ehrensalve über das Grab. Sodann legten Kränze nieder, z. T. mit Rachrufen, Bürgermeister Kai - fer für die Gemeinde, Alh. Keil für den Krie­gerverein, Amtsgerichtsrat Groh für das Amts­gericht, sowie die Spar- und Leihkasse Ulrichstein, Pfarrer Kornmann, der frühere Geistliche der Gemeinde, für den Kirchenvorstand, Bürger­meister Menge! (Schotten) für die Bürger­meister des Kreises und Dr. Bruchhäuser für den Vogelsberger Höhen-Club, dem der Ver­blichene angehört und dem er auch in der Rühe des Friedhofes ein idyllisches Fleckchen Erde mit einer romantischen Felsgruppe, jetztSchleuning- fteine genannt, vermacht hat. Daß er im 3uli vorigen 3ahres noch erleben durfte, wie dort durch Gießener VH C. - Brüder eine Ge­denktafel an den Stifter angebracht wurde, war eine der letzten Freuden des nunmehr Verewigten.

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