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Nr. 277 Drittes Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Mittwoch, 26. November 1930

Bücher unter dem Weihnachtsbaum.

Bücher für die Krau.

Dorothea Hofer-Dernburg. D a - byS Welt als Wille und Dorstellung. Verlag Paul Reff, Berlin W 10, Leinen 5,50 Mark. (563) Eine Mutter und gleichzeitig eine Frau von Geist und Charme, erzählt von ihrem Kinde und dem Leben mit ihm. Die Welt des Babys tut sich auf, das gestern noch ein kleines, formloses Bündel und heute «chon di« neugierige Tochter ist, die mit großen Augen in die Welt sieht und sie zu begreifen sucht. Das Erwachen des KindeS, das Lebendigroerden einer kleinen Menschenseel«, schildert dieses srohe und fröh­lich machende Buch.

Hedda Walther, Mutter und Kind. Verlag Dietrich Reimer (Ernst Dohsen), A.-G., Berlin SW 48, Wilhelmstraß« 29. Preis 5,50 Mark. (557) Die klein«, engumgrenzte Welt, die Mutter und Kind in den allerersten Lebensjahren umschließt, in der beide sich noch in inniger Verbundenheit allein gehören, schil­dern diese schönen Bilder Hedda Walthers wie eine Wunderinsel in der Zerrissenheit unserer Zeit.

G ls a H e r z 0 g :W i e m ache ich mei­nen Mann glücklich?" Ein Buch vom ge­schmackvollen Haushalt. Mit 30 Zeichnungen von Erika Plehn. (Verlag Scherl, (Berlin SW. 6_>). Kart. 3,50 mt, Ganzl. 5 Mk. (533.) - In unserer Zeit ist es nicht ganz leicht, sich durch das schwierige Problem der neuzeitigen Ernährungstheorien hin­durchzufinden. Aamentlich die junge Frau, die bis zu ihrer Heirat im Berufsleben stand, steht diesen Fragen oft hilflos gegenüber. Ihr will dieses Buch Helsen. Auch auf den verzweigten Pfaden der Ge­selligkeit möchte es ihr Führer sein. Durch dieses Buch soll bewiesen werden, daß man auch mit be­scheidenen Mitteln Freunde empfangen und be­wirten kann. Zu allen Vorschlägen werden er­probte Speisezettel mit den dazu gehörigen Re­zepten beigegeben.

Was koche ich heute? Illustrierter Koch­kalender für das Jahr 1931. Verlag Ernst Reinhardt, München. 2,50 Mark. (552) Der Illustrierte Koch­kalender bringt für jeden Tag mittags und abends eine einfache Speisenfolge, ein neues Rezept und ein schönes Bild, das zeigen soll, wie eine Speise schön hergerichtet werden kann. Aus der Fülle der Speisenfolgen, die praktisch unendlich groß ist, kann die Hausfrau das, was ihrem Geschmack und ihrem Geldbeutel zusagt, herausgreifen. Der Kochkalender ist geeignet, der Haufrau die Arbeit wesentlich zu erleichtern. Darum seien auf dieses praktische Hilfs- mittel besonders die Ehemänner aufmerksam gemacht, die ein nützliches und gewiß hochwillkommenes Ge- schenk für den Weihnachtstisch suchen.

Deutsche Erzähler.

Leo Greiner: Altdeutsche Rovel- len. (Singeleitet und herausgegeben von Sieg­mund Hirsch. Zwei Bände. (älniv.-Dibl. Rr. 7092 und 7093.) Geh. je 40 Pf.. In einem Tand zu- sammengebunden 1,20 Mk. Phil. Reclam jun, Leipzig (511). Das deutsche Volksleben in der bunten Mannigfaltigkeit des Mittelal ers, in sei­ner Fülle auch an fremden, exotischen Gestalten wird hier in kleinen Ans chnitten lebendig, deren überzeugende Form der a.is wählenden und dichte­rischen Kraft Leo Greiners zu danken ist. Don der innigsten Zartheit, die den Sieg treuer Lieb« kündet, bis zur derben Schilderung handgreiflicher Dolkskur am bösen Weibe und am ungetreuen Ehemann, vom gutmütigen Spott bis zur schnei­denden Anklage ist jede Tonart in den Erzäh­lungen angeschlagen.

Carl Haensel: Die letzten Hunde Dschingis Khans. Roman aus der Türkei. 316 Seiten 8°. (Broschiertes Billig-Buch DBB). I. Engelhorns Rachf., Stuttgart 1929. (493) Der Inhalt dieses merkwürdigen und aufregenden Buches wird gekennzeichnet durch eine Rotiz aus dem Baedeker, die als Motto vor dem Titel steht:Opa, ein unbewohnter Marmor­fels. wo 1910 die zahl- und herrenlosen Konstan­tinopeler Etrahenhunde ausgesetzt wurden, um auszusterben." Leider ist die Broschur der wohlfeilen Ausgabe nicht sehr haltbar.

Robert Walter: Löffler. Roman eines Mannes. Ganzleinen 4,50 Mk. Verlag Phi­lipp Reclam jun., Leipzig. (479.) Aus Löfflers längst verschollenem Bericht gestaltet Robert Walter einen Roman, der strotzend von Begeben­heiten menschlich ergreifend ist. Löfflers Leben ist eine Fahrt durch drei Erdteile und durch viele Möglichkeiten menschlicher Existenz: Bald Deutsch­meister. bald Soldat, bald Exerziermeister und glücklicher Gatte. Ein Abenteurerroman, möchte man sagen, aber dieser Abenteurer wächst durch seine Erlebnisse zum Menschen des unerschrockenen Herzens und ungebrochenen Daseins empor: einer von jenen ewigen Deutschen, die in die Fremde stürmen, dem Fremden die Welt erobern und als Bettler heimkehren.

Peter Mendelssohn: Fertig mit Berlin? Roman. Ganzleinen 6,50 Mk. Ver­lag Philipp Reclam jun., Leipzig. (482.) Dieser Roman eines jungen Mannes, der seine Lehr­jahre in Berlin verbringt, die Kreise der literari­schen Boheme, des bewegten Durcheinanders auf- steigender und absteigender Schicksale schneidet entrollt Bilder von Menschen und Ereignissen je­nes Berlins, das zwischen der Kaiser-Wilhelm- Gedächlniskirche und dem Eity-Zeitungsviertel Tempo markiert. Das große anonym« Kollektiv der Weltstadt wird durchlebt in diesem Kampf eines aufgeschlossenen, bohrend ehrlichen Menschen.

Willy Seidel: Iossa und die Iunggefellen. Ein heiterer Roman aus dem heutigen Schwabing. Preis 5 Mk. Verlag von Albert Langen in München. (378.) Da sitzt er, der Junggeselle ällrich von Llzbach, fünfundvierzig Iahre alt, Privatgelehrter, in seiner schwabinger Behausung, entweder bei mil­dem Lanpenschein im Sanctissimum, der fenster­losen Bibliothek, allwo er seine zwanzigbändige Grabbe-Ausgabe bearbeitet, umgeben von fünf- zehntausend Büchern, darunter unbezahlbaren Erstabzügen, oder er sitzt daneben, im Sanctum, auf dessen Mitteltisch wesentlich unwissenschaft­lichere Arbeiten verfertigt wurden. Und zu diesem Rou6" aus der Aera des Frou-Frou, zu diesem ausgekochten Hagestolz, findet sich eine moderne Eva, keck, ehrfurchtslos und aufreizend schön, Studentin zudem und wirtschaftlich selbständig.

Das wird schlimm: zwei Generationen Platzen aufeinander. Sie weiß eigentlich gar nicht, warum sie gerade auf dieses Originalgeflogen" ist, aber kühl entschlossen sucht sie aus dem fait accompli das Beste für sich zu destillieren. Dieser Roman ist eine Ueberrafdjung. Ein guter, aber starker Tropfen I

Dicki Daum: Zwischenfall inLoh- w i n ck e l. Roman. 322 Seiten 8°. Drosch. 3, Leinen 4.50 Mk. Verlag Ullstein, Berlin. (591) Irgendwo in Deutschlaird liegt ruhig und verträumt, umgeben von Weinbergen, Loh- winckel. Dort lebt der Arzt Dr. Persenthciin mit Frau und Kind, dort leben die Honoratioren:

Fabrikbesitzer, Kaufmann. Gutsherr, Apotheker, Rektor und Pfarrer, dort leben Arbeiter und Gymnasiasten, gehen ihrem Tagwerk nach. Sin kleines Ereignis genügt, um den Frieden des Städtchens zu stören, Gesetze des Lebens und der Moral, die unabänderlich schienen, zu er­schüttern. Diese Bewegung, die alle in gleicher Weise ergreift, wird verursacht durch einen Auto- unsall, der einen Großindustriellen, eine Film­diva und einen Boxer unfrcitoi.Iig in diese Ab­geschiedenheit verschlägt. Der neue Roman der geschätzten Autorin unterhält nicht nur, er erregt und stimmt nachdenklich.

Kinderbücher und Zugendschristen.

Liederfibel 2.Teil. Kinderlieber inBil- demoten dargestellt von Heribert ©rüget, Bil­der von Johannes G r ü g e r. Geb. 4,30 Mark. Ostdeutsche Derlagranstalt GmbH., Breslau. (537) Dies ist eines der hübschesten und originellsten modernen Kinderbücher, die wir lenren. Lern Ver­ständnis- und Vorstellungslre'.s der ersten kind­lichen Lebens- und Dorschuljahre angemessen, bringt es eine Reihe der verbreitetsten und be­liebtesten Reime und Lieder: mit Text und Roten auf der einen Seite und mit farbigen Illustratio­nen auf der andern, wobei der Rhythmus der Bilder dem Aus und Ab der Tonfolge zierlich entspricht. Die Bilder sind worauf es hier an­kommt vollkommen kindlich gesehen und da­bei durchaus künstlerisch empfunden. Hierauf be­ruht der besondere Wert dieser Fibel, di« wir allen jungen Eltern als ein vorbildliches Weih­nachtsgeschenk empfehlen möchten. Leider hat uns der erste Band des Bilderbuches mit Roten (der einen außerordentlichen Erfolg gehabt haben soll) nicht Vorgelegen.

Das Golden« Knabenbuch. Heraus- gegeben von Erich Georgi. Mit Beit ägen von A. Auswald H ll r, Ingen eur Pa il G. Ehrhardt, Prof. Dr. E. Fraas, Otfrid von Hanstein, Erich Laßwih, Ios. Iul. Schäp Sportschriftleiter Rich. Tschorn, C. von Wedelstaedt. 160 Seitei 8°. Mit a<±) t Kunst beilagen nach P hotographien. In Gold­folien Einband mit farbigem Ochuhumschlag 4.. Levy & Müller, Stuttgart (500). In diesem Band finden unsere Heranwachsenden Knaben, was sie heute vielfach interessiert. Der Herausgeber hat es verstanden, namhafle Fachschriftsteller zu gewin­nen, die leicht verständlich, aber spannend zu er­zählen und zu schildern wissen. Die Titel einiger Beiträge: I A 99 999, Pc ter wird Sportsmann, Im Luxusslugzeug Berlin Australien, Das Kampfspiel, Fernsehen, Tage der Wunder, Ge­sprächige Lokomotive, Meine Faltbootreise auf dem Inn.

Das Goldene Geschichtenbuch. Her­ausgegeben von Frida Schanz. Mit Beiträ­gen von Ilse Manz. 160 Seiten 8°. Mit sechs farbigen Vollbildern von P. Leuteritz. Halb­leinen 4 Mk. Levy & Müller, Stuttgart. (497) Frida Schanz ist bekannt als feinsinnige Erzäh­

lerin für die Iugend. Zu dem vorliegenden Sam- melbond hat sie wieder eine Anzahl frischer, lebendiger Kindergefchichten beig. tragen, die kleine und große Erlebnisse aus der Kinderwelt darstellen, aber ganz neuzeitlich auf den Tat- sachensinn und das Interesse unserer heutigen Iugend im Schulalter eingestellt sind. Reben den Erzählungen von Frida Schanz enthält der Band noch einige der so beliebten Kurzgeschich­ten von Ilse Manz.

Margarethe Mi ltschinskh:Puppe Liesels Abenteuer. Mitvi rf r'igenBil­dern von Valerie May- smann. 156 ©eiten 8'. Halbleinen 4,80 Mk. K. Thienemanns Verlag, Stuttgart. (596) Eine allerliebst« Käthe-Kruse- Puppe erlebt hier wundersame Schicksale. Don fünf Müttern wird sie nacheinander betreut: von der blonden Träubel, dem stillen Reserl, der wilden Susi, der flinken Marie und dem ernsten Annerl, und mit jeder teilt sie Freud und Leid. Iedes kleine Mädchen, das an feinen Puppen hängt, wird an dieser Geschichte seine Freude haben. Einen hübschen Schmuck des Buches bilden Sie bunten Bilder von Frau Valerie May- Sülsmann. Für Mädchen von 7 bis 13 ähren geeignet.

Sagen der Technik. Von Fliegern und Schiffern, Drücken und (Bauten, älhren, Glocken und Zauberspiegeln und wunderbarem Hausgerät nach alten Quellen berichtet von Prof. Dr. Oskar Ebermann. Mit 20 Bildern nach alten Originalen. Ganzleinen 4,80 Mk. Verlag Hegel & Schade, Leipzig C 1. (559.) Technik und Sage scheinen völlig unvereinbar, da sich technisches und mythisches Denken widersprechen. Aber um so reizvoller ist es, der Sage nach­zugehen, wenn sie sich einmal mit der Technik begegnet und uns den Zusammenstoß zwischen dem Reugestalter der Welt und den alten Göttern der Beharrung darstellt. Ieder, mag er di« technische Entwicklung unserer Tage mit Freud« oder Sorge verfolgen, besonders aber unsere technikfrohe Iugend wird in dem nach alten Originalen bebilderten Bande einen der alten Zauberspiegel wiedererkennen, der den Blick in eine gewünscht« Welt erschließt.

Kalender und Almanache.

Hessen-Kunst 1931. Jahrbuch für Kunst- und Denkmalpflege in Hessen und im Rhein-Main-Gebiet. Begründet und herausgege­ben von Christian Rauch, Professor der Kunst­geschichte in Gießen. Mit Dildschmuck von Felix K l i p st e i n, Laubach. 24. Jahrgang. Brosch. 2,50 Mark. R. G. Elwertsche Verlagsbuchhandlung. Marburg a. d. L. (398.) Auf der ersten Seite findet man das kuriose Motto:3m Lande Hessen gibt's hohe Berge und wenig zu essen, große Krüge und sauren Wein, wer möchte wohl em Hesse sein? Wenn Schlehen und Hagebutten nicht geraten, haben sie weder zu sieden noch zu braten." Im Geleitwort des Herausgebers aber heißt es:... Der Reichtum unserer Lande an alter Kunst ... ist unerschöpflich. So möchten wir hoffen, daß das alte Schiff Hessen-Kunst nun wieder flott geworden ist für die Weiterfahrt durch das Jahrhundert." Die Mitarbeiter: Dr. Friedrich Dieibaum (. Kunstdenkmäler der Graf­schaft Schaumburg"): Dr. Albrecht Kippenberger (Von den Glasfenstecn der Elisabethkirche zu Marburg, ihren künstlerischen Voraussetzungen und ihrer Rachsolge"): Dr. Werner Meyer-Dark- hausen, Gießen (Fachwerkhäuser des 16. Jahr­hunderts in Wildungen"); Dr. Olga Bloch (Kasseler Fayencen"). Vortreffliche Graphik von Klipstein schildert Mensch und Tier, Landschaft und Architektur des heimatlichen Bezirks. Zahl­reiche, tadellos reproduzierte Illustrationen be­gleiten und beleben den Text. Die verlegerische Ausstattung verrät gediegenen Geschmack. So wird auch der neue Jahrgang viele Freunde ftnden in Hessen und willkommen sein wie seine Vorgänger in früheren Jahren.

Velhagen L Klasings Almanach bringt in diesem Jahre eine Fülle ausgezeichneter farbiger Wiedergaben nach Gemälden neuer und alter Meister. Unter den Rovellen heben wir zwei von Clara Diebig und Axel Lübbe hervor. Fried­rich Freksa erzählt Histörchen aus der Levante, Katharina von Kardorss ein Jagderlebnis. Der berühmte Marburger Prof. Dr. E. Kretschmer gibt den Grundriß einer modernen Physiogno­mik. Walther Dahms schildert galante Musik. Di« genannten Themen deuten die reichhaltige Füll« dieses amüsanten Almanachs an. Er ist, getreu dem Vorbild seiner Vorgänger, entzückend aus­gestattet, das gegebene Festgeschenk für die Dame.

(562)

Insel-Almanach auf das Jahr 19 31. (Insel-Verlag in Leipzig.) 443 Als Jubiläumsjahrgang erschien in diesem Jahr der Insel-Almanach: er ist der fünfundzwanzigste in der Reihe und zugleich der älteste aller neuzeit­lichen Terlagsalmanache. Bezeichnenderweise trägt er das Goethesche Motto:

Von Jahren zu Jahren

Muh man viel Fremdes erfahren, Du trachte, wo du lebst und leibst, Daß du nur immer derselbe bleibst. Wiederum gibt er in Proben und Auszügen einen Querschnitt durch das vielseittge Schaffen

des repräsentativsten deutschen Verlags. Reben den Autoren, die dem Insel-Verlag sein Gesicht gegeben haben: Hugo von Hofmannsthal, Rainer Maria Rilke, Stefan Zweig, Hans Carossa, Albrecht Schaeffer, Felix Timmermans steht eine Anzahl junger verheißungsvoller Dichter, wie Karl Heinrich Waggerl, Richard Dillinger und Martin Deheim-Schwarzbach. Ferner finden wir Auszüge aus den gelehrten Düchern des Ver­lags (Kühnemanns Goethe und Cortis Raucher­buch). Der Abschnitt aus dem Kin Ping Meh gestattet uns einen tiefen Einblick in die rätsel­hafte Welt Chinas. England ist durch die Ramen Aldous Huxley und Virginia Woolf, Frankreich durch Henry de Montherlapt vertreten. Zwölf Dilder erhöhen den Reiz des Buches.

Meyers Historisch-Geographi­scher Kalender 1 9 31. 34. Jahrgang. 365 Tagesblätter mit genauen kalendarisch-astronomi­schen Angaben, mit je einem Bild (darunter mo­natlich eine ausführlich erläuterte Sternkarte), mit je einem Spruch oder Gedicht und mit Erwähnung vieler Gedenktage. Außerdem: farbiges Titelbild, Tierkreis mit Planetenuhr, sachlich geordnetes Verzeichnis der Bilder, astronomische Gesamtüber­sicht des Jahres und einführende Bemerkungen für den Gebrauch des Kalenders, auf dem Rücken­deckel Jahreskalender. Als Abreißkalender einge­richtet. Preis 4 Mk. (555.) Der 34. Jahrgang für 1931 ist besonders weltwirtschaftlich und aero­nautisch betont. Man findet hier neben prachtvol­len Raturbildern aus aller Welt, neben Por­träts und Kunstwerken zahlreiche Flugzeugauf- nahmen, ferner Bilder aus den Ueberfeefjäfen, aus den großen Provinzen der Weltwirtschaft: Lateinamerika, Rußland, Drittfchem Weltreich. Stets sind kurze Erläuterungen mit statistischen Angaben usw. hinzugefügt, wichtige Gedenktage, Sonnen- und Mondphasen bei jedem Tag ver­merkt.

Lahrer Hinkender Bote. 3m al­ten Gewände, aber neuen 3nhalte ist der 131. 3afjrgang des in ganz Deutschland und dar­über hinaus gleich gut aufgenommenen Kalenders des Lahrer Hinkenden Boten erschienen. (Verlag von Moritz Schauenburg.) (320.) 3eder- mann leicht verständlich, echt volkstümlich be- hcmdelt der .Hinkende" wie immer die Welt- begebenheiten bis zur Hälfte des laufenden 3ah- res. Eine stattliche Reihe bekannter Schrift­steller schildert das Leben und Denken, die Eigenart und Sitten deutscher Landesteile, teils in packender süddeutscher und pfälzischer Mund­art, und kommt durch in den Text eingereihte Bilder dem Verständnis zu Hilfe. Ein ausführ­liches Marktverzeichnis, das nicht nur das Ge­biet des Deutschen Reiches, sondern darüber hinaus die früheren deutschen Landesteile im Osten, sowie Luxemburg, umfaßt, dürfte allen wirtschaftlich 3nteressierten willkommen sein. Alles in allem genommen eine kräftige, allen Lesern gut bekömmliche, geistige Kost.E.

Oer neue Timmermans.

Felix Timmermans: Di e Del­phine. Eine Geschichte aus der guten alten Zeit. Aus dem Flämischen übertragen von Peter Mertens. 265 Seiten 8°. Mit vielen Zeich­nungen des Dichters. Leinen 7 Mk. 3m 3nfel* Verlag zu Leipzig. (370.) Abseits von der Zeitgeschichte, von den Sensationen und den wirtlichen oder vermeintlichen Aktualitäten deS Literaturbetriebes, schreibt der flämische Dichter Felix Timmermans seine schönen und stillen, heiteren und idyllischen Bücher: fast wie ein mittelalterlicher Mönch weih er geruhsam zu berichten und zu schildern und seine Phantasien mit farbigen Miniaturen oder Schwarzweih- zeichnungen sinnfällig zu begleiten und zu be­leben. Dieses neue Buch scheint uns das reifste zu fein, was der Mann aus Lier feit langem gestaltet hat, und ganz aus der gefunden Blut- fülle seines Stammes hervorgewachsen. Das ist eine zarte, melancholische und beschauliche Ge­schichte. ein biedermeierliches 3dyll, überspielt von den mancherlei funkelnden Lichtern eines krausen und barocken Humors, wie wir ihn unter den Unfern etwa bei 3ean Paul oder bei E. T. A. Hoffmann zu finden gewohnt sind. 3n fünften Pastellfarben setzt der Dichter Szene an Szene, Bild neben Bild: der geruhsame Atem seiner Schilderung hat nichts gemein mit dem hämmernden Pulsschlag unserer aufgeregten Zeit. Man lieft dieses Buch bei der Lampe an stillen Winterabenden und verliert sich darein wie in ein längst verlorenes Paradies. Timmermans erzählt hier von den Stammgästen des Gast­hofesZum Delphin" in der alten schönen flan­drischen Stadt Lier, denen die Abende im Delphin" zu einem Bestandteil ihres Lebens geworden sind. Viel Seltsames und Vergnüg­liches weih er von den Delphinen und ihrem Leben zu berichten, von ihrer Liebe und Kunst, ihren (Narrheiten und Leidenschaften, vor allem aber von dem Oberhaupt derPhilosophen von Lier", dem urwüchsigen Rotor Pirruhn und von feiner hartnäckigen Liebe zu Adelaide von Sint- 3an. Man kann diese zarte Geschichte voll naturhafter Bezauberung nicht nacherzählen. Der 3nfel-Q3erlag hat dem Buch eine schöne unö noble Ausstattung gegeben; man muß wün­schen, daß es bald als Geschenk auf vielen weihnachtlichen Tifchen zu finden sei.

Biographisches.

Richard Wagner an Ma thilde Maier (1 862 1 87 8 )her ausgegeben von Dr. Hans Scholz. Verlag Theodor Weicher, Leip­zig. Ganzleinenband 12 Mark, Halblederband 16 Mark. (587.) Diese Dries samm lang

umfaßt die Diebricher, Penzinger, Münchener und Triebschener 3ahre sowie die Konzertreisen nach Ungarn und Rußland, also die gesamte musikali­sche Entstehungszeit der .Meistersinger". WagnerS tiefste Erniedrigung und höchsten Aufschwung. Re­ben höchst interessanten Ausschlüssen über deS Meisters äußeres Leben sind es namentlich die Deziehungen zur Adressattn, was dem Dache sei­nen großen Reiz verleiht. Mathilde Maier ist für Wagner viel mehr gewesen, als seine Auto­biographie erraten läßt: hat er doch, bevor Co­sima v. Bülow in fein Leben entscheidend eingriff, den Wunsch einer ehelichen Verbindung mit ihr ernstlich genährt, wie sich aus einem Brief an Mathildens Mutier, der einem förmlichen Hei- ratsantrage gleichkommt, unzweideutig ergibt. Mathilde Maier stand, noch lange nach WagnerS Tod, in engen freundschaftlichen Beziehungen zu Frau Cosima, di« ihr als Mutter seiner Kinder und Förderin feines Lebenswerkes heilig war.

3akob Christoph Heer, Erinne­rungen. Mit einem Bildnis. 3n Ganzl. 6 Mk. Verlag 3. G. Cotta, Stuttgart. (564) Das ganze liebenswürdige, bei aller Männlichkeit doch zarte Wesen des vor fünf 3ahren verstorbenen schwei­zerischen Dichters, das ihm die Herzen so vieler Leser gewann, spricht auch aus diesen seinen nach­gelassenenErinnerungen". Mit ihren Bildern auS der 3ugeni> und dem Vaterhause, mit ihren Aus­schnitten aus dem oft sturmbewegten Lebens­kämpfe, mit all den Offenbarungen und Bekennt­nissen des liebe- und sehnsuchtsvollen Dichter­herzens sind sie eine schön« Ergänzung zu HoerS autobiographischen Werken. Wovon Heer auch immer erzählt, von der versöhnend-schlichten Er­scheinung feiner Mutter, von der (Natürlichkeit fei­ner jungen Herzenssreundinnen, von der wuchtig- getoitterhaften Gestalt seines Vaters, von der na h v Uen e nes Verlcgrrs Adolf Kröner, von der verständig-unverstänoigen Schar seiner Leh­rer, von der Art, wie er seine Dichtungen kon­zipiert und ausgestaltet alles dies hat Leben und Farbe, Wärme und Reichtum des Gefühls.

Das 3ofeph-von-Lauff-Buch. Her­ausgegeben von Carl Hanns Erkelenz mit 70 Abbildungen. Kart. 3,80 Mk., Leinen 5,40 Mk. G. Grote, Berlin. (554.) Einen Spiegel nieder- rheinischer Welt, umwunden mit Geburtstags­sträußen für den 75)ährigen Dichter, hat Erkelenz mit feinem Verständnis für Sache und Persönlich­keit geschaffen. Lausf, der Entdecker des Rieder­rheins! tönt es aus dankbar bewegten Worten rheinischer Dichter wie Drües, (Sulenberg und an­derer. Der Dichter selbst führt den Leser ent­lang an seinem Lebensweg und Schaffen, dann tut sich in sorgsam aus den Werken ausgewähl­ten Abschnitten ein rundes Bild niederrheinischer Landschaft auf, dann treten die Menschengestalten dieses Landstrichs mit ihrem heiteren Lebenssinn zu einem anmutigen Reigen zusammen. Drollige Zeichnungen von Lauff und Wiedergaben von Meisterwerken alter Holländer sind in den Barch eingestreut.

Kronprinzessin Cecilie, Erin­nerungen. Zum Besten des Augusta-HofpitalS vom Roten Kreuz zu Breslau, Verlag von K. F. Koehler, Leipzig, Ganzleinen 9 Mark. (573). Die ehemalige deutsche Kronprinzessin, öie sich nun entschlossen hat, ihre Erinnerungen der Oef- fentllch'eit zu übergeben, entstammt dem alten mecklenburgischen Fürstenhause der Obotrüen, das seit dem 19. 3ahrhundert enge Verwandtschaft vor allem mit den Hvheirzollern und dem Zaren- hause verband. So stammt die Kronprinzessin Cecilie sowohl väterlicherseits, über die Groß­herzogin Alexandrine, die eine Schwester bei alten Kaisers war, wie auch mütterlicherseits