Aus der Provinzialhauptfiadi.
Dteheu. den 26. August 1930.
Prof. Hoehsch über bie Ziele der Konservativen VolkSpartei.
Di« ÄonlcrtHiUDe Dolk-partei griff am Sonntagabend in einer hart besuchten Wählervertamm- Lung im (kife Oeib in den Wahlkampf in Gceßcn ein. Der hessische Spitzenkandidat der Partei, Professor Dr Hoetzsch hob zu Beginn seiner Red« hervor, daß daL Kabinett Brüning mit feinen Notverordnungen Deich- und Dammarbeit zur Abwehr der schlimmsten Äefahrenslut geleistet habe Dr machte der Deutschnationalen VolkS- Partei den Dorwurs. daß sie zusammen mit den radikalen Parteien dieser Damm- und Deich- arbeit Schwierigkeiten bereitete. Bei der Reichs- tagtwahl am 14. September handle es sich um die Schaffung einer aktion-fähigen und sicheren Reichs laas-Mehrheit. mit der das vorläufige Rot- und Sanierung-Programm des Kabinett- Brüning ausrechterhalten und weiter durchgeführt werden könne. Darm mühten auch Die Besonnen begonnen werden, di« schon seit Jahren als notwendig anerkannt worden seien. Ueder die Stellung seiner Partei zu dem Staate von heut« erklärte der Redner, in diesem Staate der Gegenwart und für diesen Staat, unseren Staat, den Staat unserer Kinder zu arbeiten, sei die Pflicht einer verantwortungsbewußten positiven Rechtspartei. Diesen Grundsatz habe er schon in der Deutschnationalen VolkSpartei vertreten, und daran Halts er sest. Dagegen sei der Führer der Deutjci). nationalen Volkspartei immer mehr dazu über« gegangen, die grundsätzliche Ablehnung dieses Staa. les in den Vordergrund zu stellen. Durch positive Mitarbeit wolle seine (des Redners) Partei sich beteiligen an dem Aus. und Umbau des Staates nach dem Gedanken der konservativen Wirtschafts« und Gesellschastsanschauung. Das Wort „konservativ" sei aber nicht etwa als „reattionär" zu verstehen. Er suhle sich al» konservativer Demokrat: in dieser Synthese liege kein Widerspruch Von dieser Einstellung au» müsse der Ausbau der Wirtschaft erfolgen, nicht nach dem Gedanken der sozialistischen Massenherrschast, sondern durch Ueberroinbuna der großen Kluft zwischen Besitzenden und Nichtbesitzen, den, durch den sozialen Ausgleich. Eine konservative Partei werde sozial sein, oder sie werde nicht sein. Sie trete ein für die Anerkennung des Eigentums jedermanns, erkläre aber auch, daß Eigentum verpflichte im Dienste für die Gesamtheit. Der Redner begrüßte sodann die Inangriffnahme der Wahl« reform durch das Kabinett Brüning und forderte beschleunigte Arbeit an der Reichsreform, damit endlich unser großer und viel zu teuer arbeitender Apparat der gesamten öffentlichen Verwaltung gründlich reformiert werde Der Redner betonte bann u. a. weiter, baß ber Poungplan von uns auf bie Dauer nicht erfüllt werbe könne, weil seine Last so groß sei, baß unter ihr unsere Wirtschaft nicht zu arbeiten vermöge
Die Revision de» Poungplane» sei mit aller Energie anzustreben. Er hält biefe Revision zu einem nahen Zeitpunkt für möglich, ja unabweisbar auf Orunb des allgemein in der Welt gestiegenen Goldwertes und der dadurch bedingten stärkeren Kaufkraft auch unseres Geldes Unsere Regieruna werbe unter bie- fern Gesichtspunkt schon balb an diese Frage Herangehen und bestrebt sein müssen, eine Herabsetzung unserer Leistungen herbeizuführen. Dazu seien aber ein geordnetes Finanzwesen und eine klare, feste Innenpolitik notwendig. Alle diese Aufgaben könnten nicht durch die berufsftänbische Gliederung des Parlaments gelöst werden, weil diese bas politische Leben materialisiere, sondern nur durch Arbeit nach weltanschaulichen Idealen. Seine Partei lehne e» ab, mit einem großen Katalog von Zusagen und Verheißungen dem Wähler schin zu tun, sie wolle aber nach den Richtlinien ihrer Grundeinstellung mitarbeiten in biesem Staat unb an seiner Verbesserung in wahrhaft konservativem unb sozialem Geiste zum Besten bes ganzen Volke».
(Eine Aussprache über den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag wurde von ber Versamm- lung nicht beliebt.
Wicßcncv Wochcnmarttpreise.
E« kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt bas Pfund: Butter 160 di- 180; Matte 30 bi« 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 10 bis 12; Weihftaut 6 biS 8; Rotkraut 10 bi« 15: gelbe Rüben 10 bi« 12; rote Rüben 10 bi- 12; Spinat 20 bi- 30; Römischkohl 8 bi- 10; grüne Bohnen 15 bis 20; gelbe Dohnen 20 biS 25; Anter-Kohlrabi 6 bis 8; Erbsen 20 bis 25; Tomaten 20 bis 25; Zwiebeln 10 biS 12; Meerrettich 50 bis 60; KürbiS 8 bis 10. Pilz« 30 bis 35; Kartoffeln 5; Frühäpfel 15 bis 20; Falläpsel 5 bis 6; Birnen 20 bis 30; Dörrobst 30 bis 35: Pflaumen 10 bis 15; ZWetschen 20 biS 25; Mirabellen 25 bi- 30; Reineklauben 15 bis 20; Honig 40 bi« 50; junge Hähne 120 bi« 130; Suppenhühner 100 bi« 120; Rüsse 60 bis 70; Pfirsiche 40 bi« 70; Brombeeren 40 bis 45. Preiselbeeren 40; da« Stück: Tauben 70 biS 80, Gier 12 bi« 13; Blumenkohl 30 bi« 70; Salat 10 bis 15. Salatgurten 10 bi« 25; Sinmachzurken 2 bi« 4; Endivien 10 bi« 20; Ober-Kohlrabi 6 biS 8; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 biS 15. Sellerie 10 biS 20; das Bund: Radieschen 10 biS 15 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 4,50 Mart.
tAornotncn.
— Tageskalender für Dienstag Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Freundin des Mi« Nisters"; im Beiprogramm „Charlie Chaplin".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am nächsten Sonntag wird die Aufführung von Shakespeares Lustspiel „Liebes Leid und Lust" auf der Waldbühne wiederholt werden. Es wird dies die vorletzte Vorstellung im diesjährigen Sommerabonnement jein. Damit können die Abonnementsblöcke noch ausgebraucht werden.
— Eine W ä h l e r v e r s a m m l u n g der Deutschen Staatspartei findet am mvrgi« gen Mittwochabend in der Turnhalle statt. Es spricht der Kandidat Bürgermeister Dr Ehrhard aus Mainz. (Siehe heutige Anzeige.)
*• 8erztkicher Fortbildungskursus. Die Medizinische Fakultät der Universität Gießen veranstaltet vom 6. bis 11. Oktober einen allgemeinen Fortbildungskurs mit seminaristischen Uebun. gen und praktischen Demonstrationen für praktische Äerzte. Zur Bestreitung der Unkosten wird ein Beitrag von 10 Mark erhoben. Vortragende sind die klinischen Fachvertreter, sowie die Fachoertreter für Physiologie und physiologische Chemie. Ein Ausflug findet nachBad-Rauheim statt mit Demonstrationen in dem neuerrichteten Lalncologischen Universitätsinstitut. Anfragen nach Prospekten, die das Nähere enthalten, und Anmeldungen sind an Prof. Dr. Georg Herzog, Gießen, Pathologisches Institut, Klinik- 1 trabe 32 g, zu richten.
Gauliederiag in Gießen.
Der Sängergau Gießen-Stadt und -Land i m He f f tf ch e n Sä n g e r b un d veranstaltete Svnntagnachmittag auf ber LiebigS- höhe seinen ersten Gau-Liedertag. der bei außerordentlich starker Beteiligung in bester Weise verlief ES nahmen an der Deranstaltung teil die Männergefangvereinc Eoncorbia (Dieben), Harmonie (Klein-Linden), Turn- und (Gesangverein (Lollar), GesangSabtellung der Polizeibeamten Tiehen, Germania (Burkhardsfelden), Eintracht (Trüningcni, Liederkranz (Trcis a. d. Lda.). Germania (Steinbach), Frohsinn (Gar- benteich), Arion (Klein-Liyden), Biftoria «Dar- benteich), Heiterkeit (Gießeck). Daucrscher Gesangverein (Giehen).
Bei dem zunächst stattfindenden Ehrensin - gen wurde von den einzelnen Vereinen der aufgegebene Pflichtchor .Rur die Hoffnung fest- gehalten" von öurläult) gelungen, außerdem trug jeder Derein einen selbstgewählten Thor vor. Bei den Vorträgen wurden durchweg gute Leistungen geboten.
Während deS Ehrensingen« übermittelte Beigeordneter Dr. Hamm die Grüße de- Oberbürgermeisters und der Stadtverwaltung. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß beabsichtigt fei, derartige Veranstaltungen zu einer dauernden Einrichtung zu machen. Es fei erfreulich, daß durch die Pfege des deutschen Liedes dem BolkSempsinden gebührend Rechnung getragen werde.
Anschließend an da« Ehrensingen sand eine kritische Besprechung der Dirigenten und Vereinsvorsitzenden über die gesanglichen Darbietungen der einzelnen Bunde-vereine statt.
Rach einer kurzen Pause folgte eine ein»
druck-volle Kundgebung sämtlicher Vereine tm Garten der .Liebigsdöde". Eingeleitet wurde diese durch den .Deutfchen Sängergruß", vorgetragen von mehreren hundert cangern Hieraus hielt der Gauoorsitzende E. Koch, Gießen, eine Ansprache, in der er zunächst die Vertreter der Behörden, der Prelle. dcs Hess. Sängerbundes, deS Provinzialverdanbes. der benachbarten Gau« und die zahlreichen Sänger begrüßte, um dann auf die Bedeutung der Veranstaltung für die Pflege de- deutschen Liedes hinzuweifen. Richt Rückgang, noch Rasten, sondern BorwärtSstreben und ständiger Ausbau solle die Losung de- Gaues sein. Denn alle 2kreine deS Gaues von diesem Gedanken durchdrungen feien, dann werde der Gau ein starkes Glied in der Volksgemeinschaft bilden, die fich das edle Ziel gesteckt habe, da» deutsche Lied al- das edelste Gemeingut der deutschen Volksseele zu hüten und au fördern. Anschließend an die mit «rr-hem Beifall angenommenen Ausführungen folgte da- bei dem Ehrensinaen als Pflichtchor gewählte Lied: .Rur die Hoffnung festgehalten" als Mas'enchvr. AIS Vertreter des Hess. Sängerbünde- sprach dann Dundesvorstandsmitglied Schönberger, Darmstadt. Sr erläuterte kurz den Zweck der Gauliedertage und betonte, daß die Gesangvereine ihre Arbeit bewußt in den Dienst des Vaterlandes stellen, im übrigen diene die Pflege deS Gesangs auch der engeren Heimat. Er hoffe, daß der Gau Gießen auch für die Folge vorbildlich wirke. Den Schluß der Kundgebung bildete ein weiterer Massenchor: .Deutschland, dir mein Vaterland".
Hieran schloß sich al- Abschluß der Veranstaltung ein gemütliche« Beisammensein der Vereine.
•• Auszeichnung eines Gießener Schülers. Die hessische Wanderausstellung für Gesundheitspflege und soziale Fürsorge hatte für sämtliche Schuler des Dolksstaats Hessen ein Preis, ausschreiben über die beste Besuchsschilderung der Ausstellung veranstaltet. Gleichzeitig wurde ein Wett, bewerb für das beste Diplom unter den Schülern angesetzt. Unter 681 Einsendungen aus allen Schulen wurde dem Schüler Otto Rabenau von der hiesigen Goetheschule der erste Preis in Höhe von 30 Mark für die beste Diplomzeichnung zuerkannt.
•• Gießener Gaswoche. Morgen, Mittwoch, 20.15 Uhr, wird — wie au« dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich — die von der Ga-vcr- einigung und Hausfrauenberatung Dießen vom 27. August bi« 3. September im Cafö Leib veranstaltete (Siebener Gas-Woche nut einem Haus- frauen-Abenb eröffnet werden. Dipl.-Ing Winte r b e r g, Berlin, wird eingangs über die zweckmäßige Gasvcrwcnduna in Küche und HauShalt referieren, Frau Dr Koeppe von der Haus« frauen-Beratung Gießen wird sodann über .Reue« vom altbekannten Einmachen" sprechen. Der Eintrittspreis ist mäßig, so daß jedem Interessenten die Möglichkeit deS Besuches geboten wird. E« sei noch bemerkt, daß für den morgigen HauSfrauen-Abend nicht mehr Karten ausgegeben werden, als Sihplähe vorhanden sind.
"ZlrkusSarrasanlkommtnachGie- ß en. Anfang Oktober wird der weltbekannte Zirkus Sarrasani zu einem mehrtägigen Gastspiel nach Gießen kommen. Das Zirkusuntcrnehmcn, wohl das größte unserer Zeit, bat bekanntlich auf feiner großen Amerikafahrt außerordentliches Aufsehen erregt und ständig einen Riesenbesuch erfahren Nach seiner Rückkehr nach Deutschland bat Sarrasani seine Gast, spiele in großen Städten mit starkem Erfolg wieder ausgenommen.
•* Die Bereinigung ehemaliger 168er, Gießen, veranstaltete am Freitagabend im Saale des ©af6 Leib einen gutbesuch- ten Vortragsabend. Rach kurzer Begrüßung durch Installateurmeister G. Eid mann hielt Oberstleutnant a. D. De iß, Darmstadt, einen interessanten Vortrag über die Schlacht bei Reu-Lhateau. Der Redner, der diese Schlacht als Führer der 4. Kompanie mitgemacht hat, wie« zunächst daraus hin, daß durch daS tapfere Verhalten der Hessen im Verband der IV. Armee das Rheinland und Hessen vor den Schrecken des Kriege- bewahrt geblieben seien. Hierzu hätten besonders die Kämpfe am 22. August 1914 beigetragen. Der Redner schilderte dann in eingehender Weise das Ausrücken des 18. Armeekorps mit dem 18. Reservekorps, den Aufmarsch der IV. Armee in Luxemburg, den Vormarsch in Belgien, sowie die Gruppierung zur Schlacht bei Reu-Thateau. Er erläuterte weiter den Aufmarsch und den ersten Angriff der Franzosen, die unseren Truppen überall in ilebermaebt gegenüberftanben, gab ein Bild von der Entwicklung der Schlacht upd dem aufopfernden Verhalten unserer Truppen, die gerade bei der Schlacht bei Reu-Ehateau schwere Verluste erlitten. Allerdings seien die Verluste des Feinde- wesentlich größer gewesen. Trotz der älebermacht deS Feindes habe biefer an fast allen Stellen ber Schlacht zurückgehen müssen. Der Rebner schilberte dann bie Ileberlegenheit der deutschen Infanterie; insbesondere habe sich bei bie'er Schlacht die bessere Schießausbildung unserer Truppen, sowie die neuzeitlichen Schußwaffen bewährt. Auch unsere Artillerie habe sich ber feindlichen überlegen gezeigt. In einer Reihe von Lichtbilbern illustrierte er bie einzelnen Bewegungen während der Schlacht, zeigte die praktische Ausnutzung deS Geländes, um zum Schluß die Auswirkungen unsere- Artilleriefeuers zu veranschaulichen Im übrigen wurde der Abend durch musikalische Darbietungen ausgeschmückt.
Aufregende Jagd nach einem Zahrraddieb.
WSR. Darmstadt. 25. Aug. Am Samstag hatte ein 24jähriger Wanderbursche au« Württemberg, ein Schuhmacher, der sich auf der Durchreise befand, auf dem Marktplatz ein Fahrrad gestohlen, mit dem er in feine Heimat fahren wollte. Der Geschädigte, ein Händler aus Griesheim, ertaimte das Rad in der unteren Waldstraße wieder, unb seine Braut nahm auf ihrem Fahrrab die Verfolgung bes FahrraddiebeS auf. Balb hatte sich bie Zahl ber Verfolger so vergrößert, bah ber Dieb in ber Reckarstrahe bas Rab wegwars unb in bet unteren Elisabethenstrahe von Hof zu Hof flüchtig ging. Zuletzt stieg er auf das Dach eines Haukes in der Elisabethenstrahe. Als er einsah. daß eine weitere Flucht zwecklos war, gab er sich freiwillig in die Hände seiner Verfolger. Er wurde verhaftet.
Geheimrat Paul Wagner f.
WSR. Darmstadt. 25 Aug. Heute morgen verschied im 88. Lebensjahr der Geheime Hof' rat Dr. phil., Dr. ing. h. c., Dr. agr. h. c. Paul Wagner Der Entschlafene wat am 7. März 1843 in ßiebenau < Hannover) geboren und hat in Erlangen unb Göttingen Pharmazie unb Ra- turwissenschaft ftubiert. In Göttingen promovierte er im Jahre 1869. Rach kurzer Tätigkeit als Privatbozent der Agrikulturchemie an dieser Universität kam er am 1. Oktober 1872 a!S Rachfolger Ernst SchulzeS an die am 1. April 1871 neugegrünbrte Landwirtschaftliche ilnterfu±ung«- unb Kontrollstation Darmstadt, die et länget als 50 Iah« bis zum 1. Oktober 1923 leitete. Paul Wagner hat eine außerordentlich fruchtbare Tätigkeit entwickelt. Durch seine Forschungen auf dem Gebiete der Pslan.^enemährung und -Düngung hat er die Lehren Liebigs weitet ausgebaut unb bie sicheren Fundamente für diese Wissenschaften gelegt, die auch heute noch fest und unverrückt stehen, unb auf benen noch toet- tergebaut wirb. Dor allen Dingen hat er bie Methobik ber Vegetation-- unb Feldversuche wesentlich Derbeffert In zahlreichen Vorträgen unb Schriften, von benen viele in frembe Sprachen übersetzt würben, sowie in Aufsätzen unb Abhandlungen in wissenschaftlichen unb landwirtschaftlichen Zeitschriften hat er seine Ansichten unb Lehren belanntgcgcben, bie heute Gemeingut ber gesamten Lanbwirtschast geworden sind. Die Entwicklung ber Äunftbüngerinbuftrie Deutschlands und bet Welt ist ohne die Pionierarbeit P. WagnetS überhaupt undenkbar. Zahl- «iche Ehrungen wurden ihm dafür zuteil. Er wat Mitglied einet Reihe wissenschaftlicher Akademien deS In- und Auslandes, u. a. auch ber französischen Akabemie ber Wissenschaft in Paris. Die Hessische Landwirtschaftskammer, viele landwirtschaftliche Ve«ine. vor allen Dingen die Deutsche Landw rtschaftsgefellschast haben ihn durch die höchsten Ehren, bie sie zu vergeben haben, ausgezeichnet. Gr war Dr. ing. h. c. ber Technischen Hochschule Darmstadt unb Dr. agr. h. c. bet Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin. Als er am 7. Mär^ 1923 feinen 80. Geburtstag feiern konnte, hat ihn bie hessische Regierung besonders geehrt, und der damalige Reichspräsident Ebert verlieh ihm den Adletschild deS Deutschen Reiches. Mit ihm ist ein großer Forscher, dem viele Erfolge im Leben beschießen waren, dahingegangen, dessen Rame für immer mit der Agrikulturchemie und der Landwirtschaft auf das engste verbunden fein wird.
Die Unruhen in den Opelwerken vor Gericht.
Darmstadt, 25. '2Iug. (WSN.) Vor Dem Er- wetterten Bezirksschöfjengericht begann heute die Verhandlung gegen die Teilnehmer an den U n • ruhen in den Ooelwerken am 12. 5ebruar.
Der Angeklagte Junge war am 11. Februar fristlos entlasten worden, ging am 12. Februar wieder in bie Fabrik, wohnte den Versammlungen bei und wurde mit in bie Dampfleitung gewählt. Gewalttätigkeiten will er keine begangen haben. Der Angeklagte Sumpf sagt aus, daß er auf dem Holzhof ber Opelwcrke gesprochen unb durch verschiedene Abteilungen gegangen sei, ohne zur Rebe gestellt worden zu sein. Der Angeklagte Mauer war seit April 1929 Betriebsrat. Er habe nicht ge- beßt, sondern lediglich mit d.r Direktion verhandelt. Als man sich versammeln wollte, sei xum allgemeinen Erstaunen Polizei erschienen. Hieraus feien dann Verhaftungen vorgenommen worden. Der Angeklagte 2B ei bau er will von Gewalttätigkeiten auch nichts gesehen haben. Der Angeklagte Albus will gesehen haben, wie in ber Schreinerei ein Mann geschlagen wurde, weiß aber nicht von wem. Daß er selbst zugejchlagen habe, wie ihm die An- klage zur Last legt, bestreitet er. Der Angeklagte Greifs will aus purer Neugierde in die Betriebe gegangen fein, ohne zur Belegschaft zu gehören. Der Angeklagte Bickelhaupt bestreitet einen Meister bedroht xu haben. Der Angeklagte Hahn har. wie er auslagt, ermahnt, keine Unbesonnen- beiten zu begehen. Der Angeklagte Abgeordnete Oskar Müller verwahrt sich dagegen, daß er, w>e auch in Worms, hier eine führende Rolle gespielt habe. Er sei lediglich in die Opelwerke gekommen, um die Verteilung der Flugblätter zu kontrollieren.
Regierungsassestor Machenheimer, Proku- rist bei der Firma Opel, gibt Auskunft über die Verhandlungen zwischen Kampfleitung und Direktion. Der nächste Zeuge, Handlungsbevollmächtigter der Firma Opel Bernauer, gibt Auskunft über über die Lohntarife der Opelwerke unb über bie Ursache ber Entlastung der Betriebsräte.
Die Sranffurter Falschgeldfabrik.
DSM Frankfurt a. M . 25. Aug Mit ber Aufdeckung der Zalschgcldsabrik in Frankfurt a. M -Höchst unb ber Verhaftung der Falfchmünzcr Böse. Engelhardt unb Jen» ber bat eine« ber größten .Unternehmen" auf dem Gebiete ber Falschmünzerei fein Ende gefunden. Die Falschmünzer haben anfänglich in einem leerstehenden Fabrikraum an der Breuer» wiesenstrahe in Höchst ihre Kunst probiert, mußten aber dort da» Feld räumen, da dem Hausbesitzer ihr Treiben verdächtig vorkam unb er sie unter dem Vorgeben, er benötige den Fabrik- raum selbst, zur Räumung veranlaßte. Da« Trio verlegte nun seinen Betrieb im Juli d. 3. in die am Wege HalterSheim-Hofheim liegende frühere B e h e r b a ch s ch e Mühle, bie zuletzt al« Fahfabrik betrieben wurde. Heber die näheren Am stände, unter denen die Polizei mit zerstörender Hand in da« .gutgehende Geschäft" ber drei Geldmänner eingrisf. gibt es verschiedene Lesarten. Rach ber einen sollen sie sich in Stuttgart badurch verdächtig gemacht haben, daß sie in allen möglichen Ladengeschäften Kleinigkeiten einkauften und stet« mit einem neuen Fünsmarkstück bezahlten, nach der andern LeSart hätten sie eine Autoreparatur. bie zirka 200 Mk. kostete, mit lauter neuen Zünsmärkern bezahlt unb fich daburch verdächtig gemacht. Bei Engelhardt fand man 7 00 Stück Münz platten au« Messing, die noch geprägt ux'rbcn sollten unb bereits in Paketen verschnürt waren, sowie weitere 500 Stück lose in einer Schachtel. Da« Trio befaßte fich bereit« feit Dezember v. 3. mit bet Herstellung de« Falschgelbes. Im Ianuar b. 3. würben bie ersten Falsifikate au«gegeben, und zwar zunächst in Frankfurt. Wie«baben, Mainz, Worin« unb anberen Orten im Rhein-Main- gebiet, später bann auch in westbeutschen unb südbeutschen Stählen. Die Falschstücke waren so gut hergestellt. daß sie sich kaum von den echten Stücken unterschieben.
Berliner Börse.
Berlin, 26. Aug (WIB. Funkspruch.) Heute am filqulbationstag konnte sich im Friihoerkehr noch kein Geschäft entwickeln. Die Spekulation wartete scheinbar ab, ob zum Ultimo noch Ware heraus- kommt, außerdem wirkten die schwachen Auslandbörsen weiter geschäftshemmend. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,88, London gegen Mailand 92,98, London gegen Spanien 44,65 zu 44,70, London gegen Kabel 4,87, London gegen Berlin 20,3913.
Kirchliche Aachrichien
Mittwoch, den 27. August.
Hungen. 6.30 Uhr: Messe.
Die Wetterlage.
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tk-cttcrvorauosage.
Zentraleuropa steht unter der Herrschaft hohen Drucke-, Dabei ist ber Kern, bet sich genern vergrößert, aber nicht weiter auSgebreitet hat. etwas ostwärts abgewanbert unb nimmt noch ganz Deutschlanb mit in seinen Bereich. Bei bet herrschenden Schönwetterlage werden die Temperaturen durch Ein- und Ausstrahlung bestimmt. Do steigen sie tagSübet bis über 20 Grad an, aehcn nachts schon wieder zurück bi« auf 5 und 6 Grad. 3m Bereich deS hohen Druckes bleibt auch morgen der herrschende Wettertypu« bestehen, und erst später bürsten langsam die Ausläufer bes neuen Atlantiktief« ben Hochdruckeins luh abbauen.
Aussichten für Mittwoch: Weiterhin meist heiter, stellenweise Dunst ober Frühnebel, später auskommenbe hohe Bewölkung, noch wärmet. trocken.
Aussichten für Donnerstag: Warm, zeitweise startet bewölkt, babei Reigang zu einzelnen getoitterartigen Rieberschlägen.
Lufttemperaturen am 25. August: mittags 20,2 Grad Celsius, abends 12,1 Grad; am 26. August: morgens 11 Grad. Maximum 20,4 Grad. Minimum 7,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm liefe am 25. August: abends 20,6 Grad: am 26. August: morgens 14,4 Grad.— Sonnenscheindauer 10>i Stunden.
Reifewetterdienst.
Garmisch-Partenkirchen: 16 (9 rab, Südwind, heiter bis halb bedeckt.
ffie ft erlaub auf Sylt: 16 Grad, Südwind, heiter.
Bet übermäßiger Schweißabsonderung an Händen. Fühen unb m den Achselhöhlen, sowie DeruchLbeläsngung, be ander» dewähri Le«»form-< reme. Tube 1 Mart. 3a allen einchtägigen Delchäben erhältlich.


