ldOt]e
18ow|e
Händ. 'n Be. Gebote • 2815 bau«.
fie
;ise
ährend en Zu-
orstr. 12
I 0/4
istalten hrige
iche
irch die schon bruar
,G
;-?s
ft n a MM
LÄo l(ieben U”»u Krückmann, frenhof lit Veib3eit«n ibauilderLE
t0enToni’e*J jSmviflnjnig »««•Ä n ZlW'" ,, WÄ. HZ!
adio- Ipeztalist eoer 1»«R1 !SZ “jä?
letzte 1
MW ixet, uwtairc a bodk Mi tnui. u'Dlarbutflet m-lOb.vie; ijäffl. 10133 hmlf a 5 PS. eötL mit mcmiifioiu.lo“/ 6ci.2dir.«ntk .iQn.ö.&j- irschiedend
Nr. 48 Zweites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Mittwoch, 76. §ebruar 1950
reiche Skala subjektiver Ausdruckswerte; der Akademische Gesangverein vermochte diesen Anforderungen restlos zu entsprechen. Klangliche Realistik im „Dies irae", „Rex tremendae" und „Domine Jesu Christe"; im letzteren aber auch eine scharf profilierte Bildhaftigkeit. Innere Gespanntheit, stärkste, wuchtigste Akzente, ungemein plastische Durcharbeit des Thematischen charakterisierten die Durchführung der yugen, besonders aber die Eingangs- und Schlußfuge erwuchs ihrem inneren Aufbau konform, voll gespannter Kraft, sich türmend und wölbend wie ein gotischer Dom und, bei aller Verflochtenheit der Stimmen, kontrastreich in den Gegenthemen, fließend als eine in sich geschlossene organische Entwicklung. Im „Quam olim Abrahae" hätten sich die Tenöre in ihrem Bestreben um möglichst scharfe Akzentuierung etwas zurückhalten können. Den homophonen Stellen entsprach eine ideale Geschlossenheit des Klanges, die sich zumal in den Sequenzen des „Oro supplex" am Schluß des „Confutatis" überaus stimmungsvoll und rein auswirkte; im „Lacrymosa" ein Aufwallen und Erheben 3U höchster Kraft („homo reus") und klangliches Absinken; ein Verklingen in verklärter, fast überirdischer Weichheit im „Salva me" am Schluß des „Rex tremendae"; ein durchgeistigtes Einhalten bei „et semini ejus" in der „Quam olim Abrahae"' Fuge; entrückte Klänge von bezaubernder Weichheit der „sotto voce" in den Frauenstimmen des „Confutatis". Ganz besonders aber verdient der Sopran hervorgehobeu zu werden mit seiner wohligen Fülle und Weichheit des Klanges, die selbst im stärksten dynamischen Ausmaß nicht überschritten wurde.
Der Jnstrumentalkörper (das verstärkte Frankfur- ter Kammerorchester) stellte sich namentlich durch seine Streicherbesetzung dem Chor würdig zur Seite, mit starken Akzenten und seiner dem Ganzen charakteristisch sich einfügenden Begleitung; nur für den Posaunenpart hätte man einen prominenten Vertreter heranziehen sollen, angesichts der überaus schwierigen Solostelle in „Tuba mirum". Mit bewährter Sicherheit waltete an der Orgel Johannes Rebeling (Gießen), mit seinem Instrument dem Ganzen an den Höhepunkten eine besondere Weihe verleihend. So konnte diese Aufführung die Höhenlinie der vorjährigen „Missa"-Darbietung fortsetzen, dank der eminenten musikalischen Arbeitskraft, die Universitätsmusikdirektor Dr. Stefan Temesvary auf die Vorbereitung des Werkes verwandt hatte und dank seines alle Kräfte zur einheitlichen Höchstleistung mit sich fortreißenden, impulsiven musikalischen Wollens. Dr. H.
Parteieninflation in England.
Lord Beaverbrook als Führer der Vereinigten Weltreichspartei.
Von unserem E. ^.-Berichterstatter.
‘ Wirtschaftseinheit zu
sammenzufasfen,
erreicht werden s
undesgenoifen Lord Rother
10 Prozent könne
Partei, Errich
Diese Grundfoh
tkSfte in öem f ;'®on"ene" S10“
Grete Kortes (Sopran) aus Elberfeld, <yrau _ . r « „ — n Z Ar (1 \ Oft? n r
nann (Alt) aus Gießen, Max
M en e r-S te^i •)an *• oau) aus <yrani.urr am Mnin erfüllt 3 vie Sopranistin war anscheinend
Position an der vollen Entfall
durch eine 3nit>
s lichen Mittel in der Hohe be
schließen der A
eine
Gießens Konzertverein.
VIII. KonzO t: Mozarts „Requiem “.
stilvolle Art feinsinniges Q
Solostellen erreichte das
Personen hinter als mächtigsten 1
:e hat, der vorsichtig genug war er 90 Prozent der Gedanken ->ehaltlos billige. Die restlichen i sich sehr leicht als entscheidend
Irmgard Heetz Meili (£ew •
i» aus München und Erich kh a n (Vaß) aus Frankfurt am
ntsstimmunq des „Benedictus“.
itil im Requiem verlangt trotz fei
nte re an ber 6e zu erklären, daß Deaverbrovks vo
erweisen Die gri^dsähliche Richtung dieser neuen ~ •• ä '^ung hoher Zollmauern gegen das Asjusland, bringt zwangsläufig mit sich, daß sics weder von arbeiterparteilicher
juiHiuvitouiun.u, ;aß durch Errichtung hoher Zollmauern geqcnüb t allen nichtbritischen Ländern ' iL Vorläufig haben sich 200 000 Lord Deaverbrook gestellt, der
Dachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! London, Februar 1930.
Die Zeit ist längst vorüber, zu dqr England das klassische Land des Zweiparteiensystems war. Seit die Arbeiterpartei etwa um die Jahrhundertwende ihre Lebensfähigkeit als dritte unabhängige Partei anzumelden begann, war die abwechselnde Herrschaft der Liberalen und Konservativen gefährdet. Der große Aufschwung der Arbeiterpartei begann jedoch erst in der Rachkriegszeit, war dann aber so rapide, daß der alte Grundsatz der wechselnden Herrschaft zwischen den beiden bürgerlichen Parteien innerhalb weniger Jahre endgültig begraben wurde. Die Entwicklung ging sogar soweit, daß das Anwachsen der Arbeiterpartei die Existenz der Liberalen ernsthaft gefährdete. Den Führern der Arbeiterpartei schwebt zugegebenermaßen so etwas ähnliches vor wie ein Aussaugen der Liberalen Partei zum größeren Teil durch die Arbeiterpartei, zum kleineren durch die Konservativen, um auf diese Weise wieder zu dem logischen und bequemen Zweiparteiensystem zurückzukehren. Ob sich dieses Ziel verwirklichen lassen wird, ist vorläufig zum mindesten noch sehr fraglich, wenn auch unverkennbar ist, daß dir Zersehungstendenzen innerhalb der Liberalen sehr erheblich gefördert werden durch den auch heute noch in weitesten Kreisen Englands lebendigen Gedanken, daß zwei Parteien nicht nur für die Staatsverwaltung ausreichen, sondern > auch allen Bedürf nissetz der Gesinnungsteilung genügen.
Lord Deaverbrook ist mit der kürzlich durch ihn Dor genommenen Gründung der „Vereinigten Weltceichspartei" über diese grundsätzlichen Strömungen hinweggegangen und hat sich auch durch das nicht sehr ermutigende Schauspiel einer langsamen Zerreibung der Liberalen durch die stärkeren Bataillone öe/ konservativen und Arbeiterpartei von seiner Parteigründung nicht abhjlten lassen. An Stelle des Jdealzustandes von zwei Parteien gibt es nun vier, oder wenn man will, auch fünf und sogar sechs Parteien, nämlich Konservative, Liberale, Arbeiterpartei und Vereinigte Weltreichspartei. Daneben erheben sowohl die Kommunisten wie die Unabhängige Arbeiterpartei entschieden Anspruch darauf, als eigene Parteiorganisationen gewertet zu werden. Heber die 6000 Kommunisten kann man ohne Diel Federlesens Hinweggeher und sie einfach zu dem radikalen Flügel der unabhängigen Arbeiterpartei schlagen. Damit Decbleiben aber wenigstens nominell fünf, tatsächlich Dier Parteien.
Prüft man die Zusammenhänge etwas naher,
dann ergibt sich allerdings, daß sich gesinnungs- gemäß nur Öre Gruppen unterscheiden lassen. Die neue Partei 5Lord BeaDerbrooks ist, obwohl gegen die Konsavativen gerichtet, diesen zuzurechnen, die Um Sbängige Arbeiterpartei wenigstens für absehb "e Zeit noch der Arbeiterpartei anzugliedern. D • neue Partei ist unter dem Schlagwort gegr 'ndet worden, die Derschiedenen Teile des britifdrn Weltreiches zu einer frei* händlerische'* ivHzfcnf Hptnhfi t 111»
Gab die Cho^ufführung des Vorjahres mit BeethoDenS Misf* solemnis den Höhepunkt sub- jektiv erweitertes kirchlichen Stils so gewahrte Las diesjährig-^ Chorkonzert mit Mozarts Requiem den^"blick in einen wichtigen Markstein auf dem Cj)c9c der Entwicklung zur Missa bin. Bei BeethZven stärkste persönliche Durch- setzuna und Du 'chdringung mit Dorherrschendem Anteil des Ordert; fei Mozart im Gegensatz au der fast in.rumental geführten menschlichen Stimme Deetbc^n^ ein Dorwalten des gefang- - i>™ 'ich der Instrument-,., pari mit öemJ&rc eigenen Charakterisierungs- Dermöaen au a oßtem Ausdruckswert eint.
Die Solod? '"en des Requiems gaben der menschlichen S fotme in Dollster Ausdrucksgel- tuna Raum v. langen aber Don den einzelnen StimmDertreter^ ein hohes Maß Don stimmlicher Schönhei?. und Edel lang; besonders aber ist für das Sr^ftencnfemble neben individueller Ausgeprägtheil^. Ausgeglichenheit und WohlabgcwooeA^t unumgänglich nolwenoig. Diele Grundfo gerungen waren auf das Treff-
tuna ihrer ft in 1 "^en in oer 0)0ye DC»
bindert sowst ihr sicherlich die Ausprä-
i J J ( 'etlichen Linie im „Recordare“ S9einhn.^r « möglich gewesen. im Benedic- h?s^fnnaÖrHed1n 8ausdrucksvoller Hingabe. Jrrn- mT"n« Alt hat sich sehr Dorteil-
3nf? 9er hat an charakteristischer Farbe
uÄ> Bo^>°nnen, und so verlieh sie ihrem <’1Cnteü innerlich warmdurchlebte Max W-ili und Erich ßÖ!>an' beide in Gießen keine Nnb^onnl^^^ehr, gaben durch die vornehme, Unbekannten ie.re8 Zingens im Ensemble und statten in den charakteristischen sgezeichnetes. Seinen Höhepunkt rtett in dem klangschönen Er-
Mnraria (rhr<-Wni Requiem uenunyi uug n°^°itMilig-n^"di,i°n°ll-kirchlich°n Bindung
noch liberaler Seite auf irgendwelchen Zuwachs rechnen kann, da beide uneingeschränkte Gegner dieser Idee sind. Ihre Lebensfähigkeit kann die neue Partei also nur durch Zuzug aus den konservativen Kreisen erhallen, mit anderen Worten, die Festigung der Stellung des neuen Parteiführers Deaverbrook wird abhängig sein von dem Ausmaß, in dem die Stellung D a 1 d w i n s als Führer der Konservativen geschwächt wird.
Baldwin war bisher vorsichtig genug, auf der einen Seite ein gewisses Entgegenkommen an die von Deaverbrook und Rothermere vertretene Richtung erkennen zu lassen, auf der anderen Seite aber zu versichern, daß Rahrungsmittel- steuern für die konservative Partei nicht in Frage kommen können. Die Durchführung der Gedanken Teaverbrooks ist aber ohne die Einführung solcher Rahrungsmittelsteuern und damit einer Verteuerung des Lebens- Haushalts unmöglich. Aeberdies hat das Deaverbrooksche Programm auch sonst erhebliche logische Mängel, da es trotz des an sich sehr wirksamen und mit riesiger Energie betriebenen Feldzuges „Kaufe britische Waren" weite Kreise in England gibt, die billig und gut kaufen wollen und andere, die billig kaufen müs - f e n. Wenn ein Teil dieser Kreise durch die Verwirklichung der Deaverbrookschen Ideen gezwungen würde, mehr Geld als bisher für die Defriedigung ihrer Bedürfnisse aufzuwenden, dann würde auf der anderen Seite die Steuerleistungsfähigkeit in gleichem Umfange sinken.
Das aber schließlich haben die Engländer mit sich selbst abzumachen. Worüber sie nicht allein entscheiden können, ist erstens die Haltung des Auslandes und zweitens die der Dominions. Lord Deaverbrook meint zwar, daß es sich das britische Weltreich leisten könne, den mit der Errichtung hoher Zollmauern unvermeidlichen Verlust der ausländischen Absatzmärkte hinzunehmen, da dieser Verlust nach seiner Ansicht durch die Erstarkung der inneren Wirtschaftseinheit mehr als wett gemacht wird. Das aber ist nicht nur zweifelhaft, sondern sehr unwahrscheinlich, da die Dominions von der Schutzmarke „british made“ allein nicht befriedigt werden. Siewollenbillig kaufen und gut verkaufen. Canadas Handel mit den Vereinigten Staaten ist fast so groß oder zeitweilig sogar etwas größer als der mit Grvß-Dritannien, Südafrika hat sehr eigene Ideen Don der zweckmäßigen Wahrnehmung seiner Wirtschaftsinteressen, Australien schließlich wird mit seinen fünf Millionen Einwohnern und einer vorläufig völlig öerangierten Wirtschaft keinen sehr zugkräftigen Ersah für etwa verloren- gehende europäische und, wenn Canada in diese Theorien einbezogen würde, auch amerikanische Märkte bieten können. Anders liegen die Dinge naturgemäß in Indien und den direkt von London kontrollierten oder abhängigen Kolonie-, Kron- und Mandatsgebieten. In allen diesen Gebieten kann die britische Wirtschaftsmacht sehr wesentlich verstärkt und ausgebaut werden, und in dieser Tatsache liegt der eigentlich gesunde Kern eines sonst sehr verlockend aussehenden, aber in der Durchführbarkeit zweifelhaften Programms.
Deutschland mit seinem beträchtlichen Handel sowohl mit Groß-Britannien, wie den wichtigsten britischen Dominien und auch einigen der englischen Kolonien ist an der Weiterentwicklung der Frage besonders interessiert. Wahrscheinlich wird weder die Arbeiterpartei, die gegenwärtig in Genf durch den Handelsminister Graham für einen internationalen Tariffrieden eintritt, noch Lord Deaverbrook, der genau das Gegenteil anstrebt, auf längere Sicht durchdringen können. Die stärkste äleberzeugungskraft werden
schließlich doch die Vertreter des Rationalisierungsgedankens behalten, Hand in Hand mit der dann ohne weiteres möglichen Verstärkung der britischen Reichswirtschaftseinheit. Vorläufig hat der Canadier und Presselord Deaverbrook jedenfalls noch einen weiten Weg, bis er Dald- wins Anwartschaft auf einen Wiedereinzug in der Downingstreet Rr. 10 zu seinen Gunsten beseitigen kann.
Fast zu gleicher Zeit mit der Deaverbrook- schen Parteigründung hat Ministerpräsident Macdonald seinen Austritt aus der Unabhängigen Arbeiterpartei erklärt. Er ist damit einem von Schahkanzler Snowden bereits vor drei Jahren gegebenen Beispiel gefolgt. Die Haltung der unabhängigen Arbeiterpartei seit Bildung be'r zweiten arbeiter- parteilichen Regierung hat Macdonald kaum noch eine andere Wahl gelassen. Macdonald ist als Regierungschef fortwährend auf das schärfste durch die unabhängige Arbeiterpartei bekämpft worden, ein Zustand, der eben auf die Dauer unmöglich ist. Rach und nach verliert so die unabhängige Arbeiterpartei alle ihre Gründungs
mitglieder, die sich mittlerweile in bedeutenden Staatsstellungen befinden. Mit dem bloßen Austritt aus der Partei ist aber die grundsätzliche Frage der versteckten oder offenen Gegnerschaft zwischen der unabhängigen Arbeiterpartei und der Arbeiterpartei nicht gelöst. An einem Trennungsstrich sind vorläufig allerdings beide nicht interessiert, da Macdonald hierdurch seine parlamentarische Basis untergraben würde, während die unab-, hängige Arbeiterpartei als selbständige Organisation und im Kampf gegen die Mehrheit leine allzu rosigen Aussichten hätte. Bevor die Frage einer Trennung akut wird, werden auch sicherlich die größten Anstrengungen gemacht, um eine Spaltung der englischen Linksbewegung unter allen ilmftänben zu verhindern. Vorläufig muß man also die Tatsache hinnehmen, daß die Konservativen durch die neue Partei Lord Dea- verbrooks, die Arbeiterpartei al er durch ihren linken Flügel ernstlich bedroht wird. Statt der erhofften Vereinfachung wird die nächste Parlamentswahl Dcrmutl.d) auf eine Bereicherung deS Parteiwettkampfes sehen.
Exzellenz macht Visite.
Linier der Herrschaft des diplomatischen Protokolls. — Der Aufstieg der Balkan- diplomaten.—GeschnitteneSowjetbotschafter. - Oie Etikette muß gewahr» werden!
Von Legatus.
Es ist ein internationaler B-auch, baß in den Außenm ni er en fast a er Staaten — der Men- archien svwoyl wie der ^c^umen — eine besondere Abteilung für Etikette besteht, deren Leitung einem Diplomaten anDer- traut ist, der alle Feinheiten des gesellschaftlichen Verkehrs beherrscht, alle Paragraphen des diplomatischen Protokolls im Kypf hat und über große Personenkenntnis verfügt. Zu Öen Ausgaben dieses Zeremon.enmeisters gehören u. a. alle Fragen, die Sicherheit und Wohlergehen des gesamten Diplomatischen Korps betreffen. Ist unter den Diplomaten ein Reuling. dem die gesellfchastlichen Kreise noch verschlossen sind, dann ist es die Sache dieses Zeremoniars, ihm verschlossene Türen zu öffnen. Wie fast jedes Außenministerium eine solche Abteilung besitzt, so verfügt auch jede diplomatische Vertretung über einen Protokollführer des diplomatischen Zeremoniells. Dieses Amt bekleidet gewöhnlich ein Legationsselretär, der alle Schattierungen der gesellschaftlichen Sitten kennt und darüber zu wachen hat, daß, angefangen Dom Missionschef bis hinunter zum jüngsten Attache, alle Regeln des KartenauZtauschs eingehalten werden. Cs gibt da Abstufungen, Don deren Feinheit ein gewöhnlicher Sterblicher nur unklare Vorstellungen hat. Ist ein neuakkredidier- ter Diplomat eingetroffen, dann wird er Don einem Kollegen, der schon längere Zeit amtiert, im Außenministerium eingeführt, zuerst beim Chef dcs Protokolls, dann beim Leiter des betreffenden politischen Referats, worauf die Rundfahrt bei Öen Missionschefs zur Abgabe der Visitenkarte beginnt.
Damit ist die offizielle Einführung des Reu- lings im Diplomatischen Korps beendet. Schwieriger ist es, in den Salons der Geburts- oder Finanzaristokratie Eintritt zu finden. Denn der Zugang zu diesen hängt nicht nur Don den persönlichen Eigenschaften des Diplomaten ab, sondern auch öaoen, welcher diplomatischen Mission er angehört. Gewisse Vorurteile im diplomalischen Verkehr haben sich noch aus jenen Tagen erhalten, in denen ein Diplomat nur dann für Doll genommen wurde, wenn er sich zur Botschaft einer Großmacht rechnen öurjte. Konnte doch die Gattin eines Don Wilhelm II. geadelten millionenschweren Großindustriellen ten Die.bespöt- telten Ausspruch tun, daß sie ihre Visitenkarte nur bei Botschaftern abzugeben pflege. D a l k an d i p l o m a t e n kenne sie nichll
Diese Geringschätzung ist für die damals innerhalb des Diplomatischen K.rps herrschende Ansicht bezeichnend. Welcher Diplomat hatte eine so befestigte Position, daß ihm alle Türen der Geburts» und Finanzaristokratie offen standen? Dor allem die Botschastsmitglieder der europäischen Großmächte, denen, in gewissem Abstande, die diplomatischen Vertreter der Vereinigten Staaten folgten. Damit war aber auch die Reihe der priDilegierten Diplomaten zu Ende. Hin und wieder wurde in diesen exklusiven Kreis vielleicht auch einmal der Vertreter eines skandinavischen Staates ausgenommen. Was sonst noch im Chiffrefrack amtierte, galt schlechtweg als „Exot e", öcr sich schon sehr geehrt sühlte. wenn ihn d:r Militärattache einer Großmacht mit zwei Fingerspitzen begrüßte.
Tonangebend in der diplomatischen Atmosphäre vor 1914 war allerorts der Geburtiiadel, der der Finanzaristolratie nur soweit Anerkennung gewährte, als es die Vergoldung eines start verblichenen Adclswappens durch eine Heirat erforderlich machte. Diplomatische Vertreter vom Balkan oder von älebersee erschienen nur bei ganz offiziellen Veranstaltungen auf dem höfischen oder diplomatischen Parlett, sozusagen als Statisten, und es war durchaus keine Seltenheit, daß ein solcher Gesandter gesellschaftlich prüskiert wurde, wenn zwischen Wien, Petersburg und Berlin irgendeine politische Intrige, gesponnen wurde. Man braucht bloß an die Tage zu denken, als der Battenberger Wilhelms II. Schwester Viktoria heiraten sollte. Alexander III., der mit allen Mitteln die Regentschaft des Dattenbergers in Sofia zu unterminieren suchte, ließ seinen Zorn auch an dem Vertreter Bulgariens am Zarenhofe aus, den er so ostentativ brüskierte, daß der Gesandte auf einen Wink des Hofmarschalkamtes in aller Stille Petersburg verlassen mußte. Die Art. wie Dalkandiplomaten damals an den kaiserlichen Höfen empfangen wurden, war für besonders scharfsichtige Politiker nicht selten ein Gradmesser der jeweiligen politischen Druckverteilung. Als der Einfluß der Donaumonarchie in Belgrad dominierte, und König Milan bei Franz Joseph in seinen ewigen Geldnöten stets Verständnis fand, reagierte Alexander III. auf diese llntertoürfigleit dadurch, daß er dem Vertreter Serbiens am Zarenhof kurzerhand das Agrement verweigerte.
Nachwinter.
Von Karl Ziffer.
Tagelang stürmten die Wolken vergebens gegen die Bergketten und tarnen endlich in Fetzen westlich der „Grinde" durch. Die fernen E.e.nente am Horizont waren in Bewegung, während die Rähe stumpfer und stumpfer wurde. — Aber Reuschnee war nicht gefallen. Durch den Harsch kam die wilde Bodenkälle. Es waren in öcr Luft —10 Grad. Die Skier kratzten über die eisige, neblige Fläche, und bei dem Aufstieg zerriß man die dumpfe, abgeschleierte Luft. Trotz der harten Kälte roch es irgendwo nach Schmelze und Tau und modriger Erde. Welke Tannennadeln wehten zu Tausenden über die verschneiten Wege. Das Riesengerüst des hohen Fichtenwaldes umftäubte eine zimtbraune Farbe und als später die Sonne darauf schien, standen die Stämme in einem glanzmatten, ab ged unk eiten Kupferrot. Dieser Metallglanz steigerte sich und ging über auf das Grün der Aeste und das Weih der Schneefläche zu goldener Glasur. Auf den Bäumen war nur noch wenig Schnee aufgeftreut, und es zeigte sich schon die kräftige Grundfarbe des Vorfrühlings.
Mein Begleiter war ein Arzt aus Tübingen: Ein 38jähriger, er war neben mir aufgetaucht, wie eben beim Sport einer dazu kommt. Man soll die Ratur nicht immer literarisch sehen wollen. Raturgenuß entsteht nicht nur aus monomaner Einsamkeit, sondern auch aus dem Austausch der Gedanken. Eine gewisse Trefflichkeit beider Charaktere ist Grundbedingung. Der Doktor war ein guter, sicherer Fahrer. Bei der Abfahrt blinzelte er die Kurven nur so ab und riß den Christiania beinahe auf Öen Zentimeter. Sein Sportsanatis- mus trieb ihn durch Eis, Schnee und Sonne. Trotzdem ist er ein ruhiger Späher mit feingeschnittenem Gesicht. Der Skigeist der Jung- mannschaft hat sich gelodert. Mit dem grüßenden „Skiheil" und dem „Hüttenbetrieb" ist noch keine sportliche Gemeinschaftsdisziplin bekundet. Die Generation der Schneider, Luther, Fang hat geschulten Pioniergeist und ist nicht nur skiläuferisch begabt, sondern auch sportklug. Sie hatten das Recht der gesellschaftlichen älmschichtung im Skigelände, wo ein Stadtsekretär — erste Skiläuferklasse — eben mehr war als ein Geheimrat, der auf den Brettern öilettierte. Bei den alten Meistem weckte der Sport fast Expeditionsgelüste. Ihnen spann sich auf der herrlichen Schneefläche
— wie ganz -großen Abenteurern — die Vision der Sahara und des Rordpols in Gold zusammen. Denn die Sonne hat hier oben eminente Kraft und drückt einen fast aus der Gegenwart.
Das glitzernde Weih des verschneiten Geländes scheint in Feuer überzugehen. Man gleitet über hohen, scholligen Schnee ... Tellerbruch, älnd an den Mächten wirft's den Schnee und zackt ihn, wie in alpinem Gebiet. Die höchsten Kuppen sind von Stürmen gefegt und dort krallt sich der Schnee zu Eis, damit ihm die Sonne nicht zu Leibe kann. Wie Gesteinsadem ziehen sich Ornamente durch die körnige, schmirgelscharfe Fläche. Wir schließen die Augen. Es blitzt hinein Eine riesige Tanne trägt wie einen Brillante die Sonnen kugel. Die fernen Gebirgsketten li gen alle im spitzen Winkel übereinander. -‘V verschwommenen Perspektiven bedeuten Wetter. Der Schnee hat intensive Reflexkraf; tiefsten Wald fällt die Sonne in die Schn ein. An den Rvrdhängen sticht der Wind Reißnägel ins Gesicht. Man muh achtgeben, i einem der Sturm nicht den Stand lockert. Er I Tannen bis auf tiefsten Wurzelgrund hochgerisf und mancher Baum splittert über Öen Weg ein Gewühl Don Schnee, Grund, Felsen und balkendick wirres Geäste.
Wie Brücken und Dogen hängen Bäume über die Abfahrtsstraßen. Bei Mondnacht sind die Schneisen und Wiesen ausgewaschen vom Mond- licht und leuchten tief in die Wälder. Das nackte Holz foppt die Fahrer. Ein Fest — der aus- gestirnte Himmel. Der Horizont ohne Schwingungen, trotz des violetten Tons in der blau- grauen Rächt. Zu den höchsten Sternen hin über» wiegt das Blau. Die Wälder sind Kar und losgelöst Don den Umfdjleierungen des Morgens.
Rachmittags ist die Sonne wannenwarm. An äilebungshängen sieht man farbige Figuren. Frauen in Sweatern ... rot, gelb, blau. An den Hängen unterhalten sich die Menschen bloh Don den Muskeln aus. Die Luft ist satter und äther- arm. Im Fenster des Hotels bei der Wiese sieht man eine Kochmütze, so weih wie der Schnee. Lauter Keine Amoretten rutschen die Schneehalden hinunter. Der Wald hat den Frühling in sich. — Ein kleines Mädel mit roter Mühe — ich nenne es das Zündhütchen — weil die ganze älebungswiese närrisch nach ihr ist, sporielt entzückend und schwingt famos. Der Himmel ist von ausgelassener Tollheit. Breit und wohlig spürt man den Frühling aus dem Tal. Die Erde dehnt sich dem Horizont entgegen ...


