Auflösung bestimmter Kreise Vorschlägen, sondern um ein Ermächtigungsgesetz einkommen werde, um auf Grund dessen die Sparmaßnahmen durchzuführen, die die Regierung für notwendig erachtet.
Oie Gehaltskürzung in Hessen.
Die FraktionderDeutschenVolkspartei bat im Hessischen Landtag folgende Kleine An- frage eingebracht:
Täglich stärker wird die hessische Bevölkerung von Gerüchten beunruhigt, die wissen wollen, dah die hessische Regierung ihre Beamten und Anwärter weit über das Maß des Reiches und der Übri gen Länder hinaus in ihren Bezügen und Rechten zu kürzen beabsichtige. Diese Gerüchte, die durch Zeitungs- mell)ungen und Aeuherungen prominentester Beamten gestützt werden, erregen die öffentliche Meinung bis weit über die Kreise der Staats- angestelUen hinaus: denn es liegt auf der Hand, baß Pläne der gekennzeichneten Art nur durch eine katastrophale Finanzkalamität hervorgerufen sein könnten, die ebenfalls weit über die Geldnöte des Reiches und der übrigen Länder hinausgeht. — Wir fragen deshalb an:
1. Entsprechen die erwähnten Gerüchte ganz ober auch nur zum Teil der Wahrheit?
2. Wenn die erste Frage bejaht wird: Wie will die Regierung ihre Absichten mit der eignen Einstelllmg gegenüber den Landbundvorschlägen vom Frühjahre in Einklang bringen?
Gez.: Birnbaum, Dr. Keller und Fraktion der DBP.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 25. November 1930.
Sturmschäden in Oberheffen.
Ter Gewittersturm, der in der Rächt zum Sonntag über unsere Gegerid hinwegbrauste, hat in den verschiedenen Ortschaften $um Teil großen Schaden angerichtet. So wurde in Vollbringen eine Feldscheune, die am Ausgang des Dorfes stand und dem Sturm sehr ausgesetzt war, völlig umgclegt: der Wind richtete außerdem im Walde großen Schaden an. 3n Treis wurde, wie wir gestern bereits berichteten, das Kirchenschiff abgedeckt. Aus dem O h m t a l e wird berichtet, daß der Sturm auch dort Dächer teilweise abdeckte, Fensterscheiben eindrückte und Telephonmasten umwarf. 3n Grünberg wurden ebenfalls eine Reihe von Dächern schwer be- schädigt und ein Leitungsmast umgeworfen: die Drähte, die zum Glühen kamen, machten die Abschaltung des Ortsnetzes notwendig, da die Leitungen in der dem gestürzten Mast benachbarten Oberrealschule infolge der glühenden Drähte Feuersgefahr bedeuteten. 3n Ridda hatten die mit dem Sturm verbundenen schweren Regengüsse dazu geführt, daß das lehmgelbe Wasser in die Wasserleitung eindrang und eine Trübung herbeiführte, die am Sonntag für einige Stunden eine Absperrung des ganzen Wasserleitungsnetzes notwendig machte.
Damen- und Herren-Haarmode.
Beranlaßt durch die Reichswerbewoche des Bundes Deutscher Friseure vom 24. bis 30. November wird uns von der Gießener Friseur- und Perückenmacher-Irrnung u. a. folgendes mitgeteilt:
Für die Dame ist nicht nur von den deutschen Friseuren, sondern von denen der gesamten Kul- turwelt in Beratungen mit den Verbänden der Kleider- und Hutbranche die Modeform der Frisur festgelegt worden, und zwar gilt der nacken- freie Bubenkopf als di« große Mode. Da * jeder Kopf ein anderes Gesicht, andere Formen und andere Haare hat, lassen sich in diesem Rahmen unendlich viele Variationen erzielen. Die langen, bis auf die Schulter hängenden Haare sind unmodern und lassen sich schwer pflegen. Sie fliegen überall herum, wirken staubaufsaugend und sind im höchsten Grade unhygienisch. Der Bubenkopf bleibt nach wie vor Mode, im Sommer etwas kürzer, für Sport und Reise eingerichtet, im Winter etwas länger für die Gesellschaftsfrisur, dem Kleid angepaßt. Das Haar soll hinsichtlich seiner Länge in der Mitte des Nackens mit dem Haaransatz abschneiden. Es bleibt an den Seiten lang genug, so daß es lockig und wellig frisiert
Die Tölzer Leonhardifahrt.
Von Dr. Alfred Oetig.
Bad Tolz, im November.
Schneeflocken wiirbeln in den weiten Tölzer Talkessel. Eine stürmische Nacht lang. Mit der Dunkelheit schwinden die Wolken. Das frohe Behagen eines verfrühten, klaren Wintertages liegt über der Landschaft. Bäuerinnen mit hochgeschlagenen Röcken und buntleuchtenden, langen Unterröcken stapfen durch den ersten hohen Schnee. Die Isar schäumt grün an die steilen weißen Hänge. Menschen und Häuser, Tiere und Fahrzeuge sind festlich geputzt und geschmückt. Es läutet überall und ohne Unterlaß. Die dumpfen Glockentöne schwingen bis hinein in die engen Gebirgstäler. Aber auch vom Peitschenknall und von fröhlichen Zurufen hallt der ganze Isarwinkel wider. Heute regiert der Dauer die Stunde. Das weite Land im Umkreis von zehn Meilen kommt in die Stadt, das schönste uni) stolzeste Fest des Jahres zu feiern. Lang und mühsam waren die Vorbereitungen. Nun öffnen sich di« Ställe weit. Gott schenke euch eine fröhliche Leonhardifahrt!
*
Oben auf dem Tölzer Kalvarienberg recken sich steil über die Wipfel der höchsten Bäume die beiden weihen Türme der Wallfahrtskirche empor, in« neben der Leonhardikapelle errichtet wurde. Es gibt tausend Leonhardikapellen, verstreut über in« Weite des altbayerischen Landes. Alle liegen ein wenig abseits von der Ortschaft, die sie erbaute, aber keine hat es zu so alter Tradition und unbestrittener Berühmtheit gebracht wie dies« kleine Kapelle am hohen Isarufer von Tölz. Die alljährliche Leonhardifahrt im November zu dieser kleinen Kapelle, am Namenstage des Schutzpatrons der Pferde und des gesamten Viehes, ist ohne Vergleich unter den zahlreichen Leon- hardifahrten in Bayern. Der allgermanische Brauch, uralte Kultstätten dreimal vor Sonnenaufgang zu umreiten und Pferdeopfer darzubringen, wurde ins Christliche übersetzt zu einem religiösen Volksfest, das sich bis auf den heutigen Tag erhalten hat. Wie den altgermanischen Hof Pserdeköpfe, Pferdeeisen oder auch Hufe zierten als Wählzeichen und zur Dannung böser Geister, so hängen auch an den Wänden
Der firciwW über
Vom Kreisausschuß des Kreises Gießen wird uns mitgeteilt:
Der Kreisausschuß des Kreises Gießen hat in seiner Sitzung vom 22. November mit der Durchführung der von der Reichsregierung eingeleiteten und von der hessischen Regierung stärkstens unterstützten Preissenkung s a k t i o n befaßt. Der Kreisausschuß ist einmütig zu der Ueberzeugung gekommen, daß es im Interesse der Gesundung der deutschen Volkswirtschaft liegt, wenn alle Maßnahmen ergriffen werden, die zu einer Besserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage zu dienen geeignet erscheinen. Der Kreisausschuß des Kreises Gießen ist der Ueberzeugung, daß infolge einer vielfach übersetzten Zwischenhandelsspanne Preisherabsetzungen auf den verschiedensten Gebieten des täglichen Bedarfs durchaus möglich erscheinen. Der Kreisausschuß richtet an alle in Frage kommenden Berufsstände, insbesondere an Bäcker, Metzger, di« dringliche Mahnung, bei den bevorstehenden Verhandlungen auf Preissenkung zu berücksichtigen, daß ein« Herabsetzung der heutigen Preise im Interesse der gesamten Volkswirtschaft und jedes einzelnen Volksgenossen liegt. Die drohende Herabsetzung von Löhnen und Gehältern darf nicht zu einer Senkung des Realeinkommens der breiten Volksschichten führen. Der Vorgang,
werden kann. Für das lange Kleid wird es als Gesellschaftsfrisur an den Seiten ohrenfrei zurückfrisiert und mit Kammschmuck verziert. Da, wo die ohrenfrei« Frisur nicht kleidet, werden Wellen oder Biedermeierlöckchen über die Ohren frisiert oder für die Gesellschaftsfrisur künstliche Locken angesteckt. In Haarpflege und Dauerwellen, einem wichtigen Arbeitsgebiet des Friseurs, leistet der geübte Fachmann das Beste. Eine gut ausgeführte, wasserechte Krause hält drei Monate bis ein Jahr, je nach Beschaffenheit des Haares. Nicht alle Frauenhaare sind gleich. Gesundes, kräftiges Haar hält die Krause länger als weiches Haar. Maßgebend ist dabei, welche Behandlung das Haar erfahren hat, eh« der Fachmann aufgesucht wurde.
Don der Herrenhaartracht ist zu sagen, daß man nur in Deutschland di« rasierten Köpfe mit einem schnurrbartähnlichen Büschel Scheitelhaar« kennt, und daß der Deutsche im Ausland durch dies« Frisur unliebsam auffällt und erkannt wird. Die Friseure wollen dies« Frisurformen mildern und dem Haarschnitt eine schön verlaufende Form geben. Auch das Herrenhaar wird am Stirnansatz durch einige Dauerwellwickel wasserecht gekraust und dann naß in Wellen gelegt. Damit ist jedes, auch das schwierigst« Haar, zu bändigen. Die Friseure zeigen, daß sich mit geringer Mühe und unerheblichen Kosten die Frisur des Herrn dauerhaft und kleidsam gestalten läßt- Zu früh ergraute Haare sind heute ein überwundener Standpunkt. Sie werden ohne Schwierigkeit natürlich und wasserecht gefärbt. Augenbrauen und Wimpern erhalten ebenfalls durch Färben eine wasserechte lebhaft« Farbe.
Daten für Mittwoch, 26. November.
Sonnenaufgang 7.34 Uhr, Sonnenuntergang 16 Uhr. — Mond auf gang 21.51 Uhr. Mvndunter» gang 21.26 ilfjr.
1822: der preußische Staatsmann Karl August Fürst von Hardenberg in Genua gestorben: — 1857: der Dichter Joseph Freiherr v. Eichendorff in Neiße gestorben.
Bornotizen.
— Taaeskalender für Dienstag. Stadt- theater: „Rose Bernd", 20 bis 22.30 Uhr. — Evangel. Fraucnoerein: Versammlung (Thema: „Die Sünde der Gleichgültigkeit!"), 15 Uhr, im Cof6 Leib. — Die Chrlsten'gemeinschaft: Öffentlicher Vortrag, 20.15 Uhr, Universität, Hörsaal 41. — Unterhaltungsstunde für jedermann. Vortrag: „Was muß jeder Staatsbürger von der Reichsverfassung wissen?", 16 Uhr, im Singsaal des Realgymnasiums. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Korvettenkapitän". — Astoria- Lichtspiele: „Das Schweizerland", 16 und 20.30 Uhr.
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute, um 20 Uhr, in völlig neuer Inszenierung erstmalige Auffüh-
der Kapelle des Helligen Leonhard Pferdeeisen I und Dotivtafeln für Errettung von Seuchen und | Gefahren für das Vieh, und um die Kapelle läuft eine lange Kette. Sie stammt von einem Wagen, der in einen tiefen Abgrund stürzte, wobei jedoch sämtliche Pferde unversehrt blieben. Seitdem soll sie Unheil abwenden, nachdem sie dem Schutzpatron der Fuhrleute dargebracht wurde.
Nun streben die Reiter und die einundfünfzig Wagen der Leonhardifahrt den steilen Derg empor und umrunden dreimal die Kapelle auf der Dcrgeskuppe, während der Priester im Namen des heiligen Leonhard Pferden und Wagen und Menschen den Segen erteilt. Das ist wahrlich nicht nur ein religiöses Volksfest, ein Fest des Glaubens, das seine Zauberkraft bis ins zwanzigste Jahrhundert auf di« bodenständige Bauernschaft auszuüben vermag. Es ist zugleich ein eindringliches Fest bäuerlichen Stolzes, eine überzeugende Bekundung ungebrochener Dolkskraft, die sich nun vor den erstaunten Augen des Groß- stadtmenschen abwickelt, der vor allem auch die einfachen und gerade deshalb hinreißenden Erscheinungen primittven bäuerlichen Kunstsinns und natürlicher Farbenfteude kaum zu fassen vermag. Es ist beste Tradition, durch viele Jahrhunderte gehegt und gepflegt, die hier an uns vorbeifährt, Uraltes Brauchtum wird treulich bewahrt unter schweren Opfern, und hier in Oberbayern blieb das Pferd auch im Zeitalter der Pferdestärken nicht nur der Stolz und die Sorge des Bauern, sondern auch der Gradmesser für seinen Wohlstand. Die prächtigsten Pferde des ganzen Gebietes, teils geritten, zum größten Teil aber vierelang vom Dock oder Sattel aus gelenkt, umrunden eine ganze Stunde lang die Kapelle ihres Schutzpatrons ...
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An der Spitze reiten drei Tölzer Bürger mit der Tölzer Stadtfahne. Sie tragen Zylinder und bleiben die einzigen Zivilisten, die einzigen Städter im ganzen Zug. Es folgt der Wagen mit der Geistlichkeit im Ornat, und dann der bunte Wechsel der ältesten und schönsten Trachten des ganzen Landes. Buntbemalte Truhen, reichgeschmückte Leiterwagen, flache Tafelwagen und Kammerwagen wechseln einander ab. Mancher dieser Wagen, der einem reichen Bauern gehört, verläßt nur an diesem Tage, nur dieses einzige
die preissenlunMlion.
der sich im Kreise Gießen auf dem Gebiet« des Milchpreises ereignet hat, liefert den Beweis dafür, daß in Zeiten der Not mit einer wesentlich geringeren Derdienstspanne auszukommen ist. Die Preissenkung darf sich nach Auffassung des Kreisausschusses aber nicht allein auf Lebensmit- t e l beschränken, sondern sie muh sich auch auswirken auf Preise anderer Bedarfsartikel, insbesondere auf Kohle und Berechnung handwerklicher Leistungen, im Interesse der Landwirtschaft aber auch eine Senkung des Preises im Hufbeschlag bewirken. Der Kreisausschuß ersucht das Kreisamt Gießen, im Benehmen mit dem Herrn Oberbürgermeister der Stadt Gießen sofort Verhandlungen mit den maßgeblichen Kreisen der Geschäftswelt aufzunehmen, um auf den genannten und anderen Gebieten eine nachhaltige, für die Verbraucherschaft auch fühlbare Preissenkung herbeizuführen.
Ein gle cher Beschluß in Büdingen.
~ Büdingen, 24. Nov. In seiner letzten Sitzung beschloß der Kreisausschuß des Kreises Büdingen, das Kreisamt zu ersuchen, olle Maßnahmen zu ergreifen, die geeignet find, die von der Reichs- und Landesregierung eingeleitete P rei s sen kun g s a k t i on durchzuführen.
rung des Schauspiels: „Rose Bernd" von Gerhart Hauptmann. Spielleitung Peter F a s s o t t. Mitwirkende: Damen: Doering, Jahn, Schubert- Iüngling, Koch, Schwend, Wielander: Herren: Bruck, Bäuerle, Hauer, Fassott, Linkmann, Volck, Nieren, Schelcher, Wahlen, Zingel. — Am Samstag im Freitagabonnement Erstaufführung des musikalischen Lustspiels: „Meine Schwester und ich" von Derr und Verneuil, Musik von De- natzky. Intendant Dr. P r a s ch hat selbst die Spielleitung übernommen. — Am Montag, 2. Dezember, Gastspiel der Exl-Dühne. Zur Aufführung gelangt Schönherrs Komödie: „Erde".
— E i n Fa'mllienabend der Gern- hardtschen Musikschüler findet am Frei- tagabenb im Caf6 Leib statt. Die Beranstaltung bringt, wie man uns schreibt, nicht nur Darbietungen des Gernhardtschen Schülerkreises, sondern auch Gesangsdarbietungen von Fräulein Ida Stammler und den ihrer Gesangsschule angehörigen Damen. Weiter wird der Gernhardtsche Zither- und Mandolinenchor mit musikalischen Vorträgen aufwarten. Näheres in der heutigen Anzeige.
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* Weihnachtsausstellung. Die Hausfrauenberatungsstelle Gießen trat seit gestern für drei Tag« mit einer Ausstellung an di« Öffentlichkeit, di« nicht nur di« Aufmerksamkeit der Hausfrau, sondern auch die der Männer, der Väter verdient. Unter dem Gesichtswinkel, Anregungen für dos bevorstehende WeihnachtSfeft zu geben, wird in den oberen Räumen des Cafe Astoria eine Schau gezeigt, die eine Reihe von Arbeiten für den Weihnachtstisch bringt. Es handelt sich hierbei um Kindersieplzeug, Handarbeiten, Gebrauchsartikel und Weihnachts- und Adventsschmuck verschiedenster Art, die auf die denkbar einfachste Weise, unter geringem Kosten- und Zeitaufwand von den Mitgliedern der Hausfrauenberatungsstelle hergestellt wurden. Die Arbeiten tragen fast durchweg eine persönliche Note. So wurde zum Deifpiel aus Pappe und Duntpapier ein origineller Christbaumschmuck her- gestellt ein Kasperltheater mitsamt den Schauspielern von liebevoller Hand geschaffen, ferner waren Krippen in Laubsägearbeit, die in der gezeigten Form den Kindern sicher viele Freude machen, ausgestellt. Ein Kaufladen, ein Kiosk mit allem Zubehör, ein ganzes Negerdors (geschaffen von Frau Prof. Weidenbach) legen weiter davon Zeugnis ab, daß auch größere Dinge mit gutem Willen herzustellen sind. Handarbeiten als Geschenkarttkel, ausgeführt in Stickerei, Häkelarbeit. Zierdeckchen, bemalt mit Relieffarben und au reizvoller Wirkung gesteigert, gestrickt« Kleidungsstücke für Kinder dürften gleichermaßen interessieren. Ueberaus originell gestaltete und aus Stoff und Wolle gebildet« Tiere gefallen nicht nur den Kindern, sondern auch den Erwachsenen sehr gut. In Verbindung
Mal im Jahr, den heimatlichen Hof. Die Geschirre glänzen blitzblank. Man sieht reiche Silber» beschläge, wertvolle Schmiedearbeiten und di« fast ausgestorbenen Dachs- und Fuchsfelle als Schmuck eines festlichen Geschirres. Dazwischen das melodische Klingen der kleinen Glocken, die das Kummet umsäumen. Bunte Bänder wurden kunstvoll und mühevoll in die Mähnen und Schweife der Pferde eingeflochten.
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Viele Wagen tragen fromme Sprüche zwischen bunten Dildern an ihren Wänden. So lesen wir die Bitten gläubiger Einfalt: „Heiliger Leonhard steh' uns bei, halt' unfern Stall von ilnglüd frei! Beschütze uns auf allen Wegen und bitt' für uns um Gottes Segen!" Oder: „St. Leonhard vorm Himmelstor, wir reiten Dir die Rösser vor. Wir kommen einst zu Fuß herauf, falt uns dann Deine Hände auf!“ Oder: „Sag' an mein lieber Bauersmann, wem gehört wohl dieses Viergespann? Dem Herrn, der mir gnädig hat gegeben Besitztum. Haus und Hof und Leben." Die Bemalung der Wagen stellt in ergreifend schlichter Weise die vier Jahreszeiten dar, die Gefahren des Fuhrwerkes im winterlichen Hochgebirge, die Errettung aus schwerer Leibesnot beim Holzfällen, bei der Ernt«: oder «in rein religiöses Motiv, wie wir es auch auf alten bayerischen Bauernmöbeln finden. Di« Bänke auf den Wagen find mit handgewebten bunten Tüchern ausgeschlagen, den „Fleckerl-Teppichen" der Bauernstube des Oberlandes.
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Jeder einzeln« dieser 51 Wagen dient einer besonderen Bestimmung. Da finden wir die Holzfäller vertreten, di« derben Flößer und die Fischer von der oberen Isar, di« berühmten Wackersberger Gebirgsschützen mit ihren grünseidenen, hohen Stöpselhüten, di« Senner, die Sennerinnen, religiöse Kongregationen und Vereine, Frauen und Jungfrauen Männer und Burschen, alle nach Geschlecht und der ledige Stand wiederum vom verheirateten streng geschieden, Schulkinder der verschiedenen Pfarreien, alle einheitlich in der Tracht ihrer Heimat. Bei dieser Tölzer Leonhardifahrt ist kein einziger Bubikopf zu finden bei den Hundertem von Teilnehmerinnen! Unter altbayerischen Brautkronen, Diegelhauben und hohen Pelzmützen legen sich die schweren Zöpfe um den Kopf. Auf den Wagen thronen Statuen aus der heimatlichen
mit dieser Schau Bringen auch die Vereinigung „Der Bienenkorb", die Mädchenfortbildungs- schule und die Gewerbe- und Fachschule eine Reihe von Handarbeiten zur Ausstellung, die ebenfalls alle Aufmerksamkeit verdienen. Plastische Arbeiten eines Primaners, die wir vorfinden. interessieren außerordentlich. Dem verdienstvollen Bestreben der Hausfrauenberatungsstelle stellt die Veranstaltung dieser interessanten Schau wiederum ein sehr vorteilhaftes Zeugnis aus.
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
U Grotzen-Linden, 24. Nov. In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde einer Ortssahung zur Erhebung der D i e r ft e u e r zugestimmt. Die Anschaffung einer Kleinmotorspritze, die vom Kreisamt empfohlen wurde, sowie das Angebot des Rhein-Mainischen Volks- bildungsverbandes zu Filmvorführungen für Erwerbslose wurden abgelehnt. Der Waldwirtschaftsplan für das Jahr 1931 wurde genehmigt: «ine vorgeschlagene Hiebkürzung von 20 Proz. fand die Zustimmung nicht, es foltert vielmehr auch in diesem WinrTr wieder 1000 Festmeter Holz geschlagen werden. Die Beratung über die Vergebung der Wasserleitungsarbeiten für das Rechnungsjahr 1931 wurde, ebenso wie die Wahl eines Vertreters für die Dezirkssparkasse Gießen, vertagt.
t Treis a. d. Ld a.. 24. Nov. In einer eiligen Sitzung beschloß der Gemeinderat. sofort an die (Erneuerung des durch den Sturm in der Nacht zum Sonntag abgerissenen Kirchsndaches heranzutreten und die nötigen Schutzmaßnahmen zu treffen, damit das Innere der Kirche, das erst vor zwei Jahren unter Mitwirkung des Kirchenmalers Velte (Darmstadt) erneuert worden ist, nicht durch Regenwetter beschädigt werd«. Auf dem Fried- h o f hat der Sturm eine freistehende Tanne im oberen Drittel abgebrochen und mehrer« Meter weit fortgeschleudert, glücklicherweise ohne an Denkmälern Schaden zu verursachen. Auch im Wald sind durch den Sturm stellenweise Bäume abgeknickt worden. Die Sammlung für die Kriegs- gräberfürforge betrug 53,80 Mark.
s. Aus dem mittleren Horlofftal. 24. Nov. Die Winterfrucht steht in unserer Gegend durchweg gut, da das günstige Wetter dem Auslaufen der Frucht förderlich war. Da man hier die Aussaat mit Rücksicht auf die Mäuseplage hinausgeschoben hatte, ist auch bei der Winterfrucht nicht viel Schädigung festzu- stellen, mit Ausnahme von einzelnen frühausgestellten Roggenäckern, di« nochmals gesät werden müssen. Hauptschaden haben dagegen die QHäirf« am jungen Klee angerichtet.
Kreis Büdingen.
* Stockheim, 23. Nov. Um die zahlreichen Arbeitslosen der Gemeinde zu beschäftigen, hat sich der Gemeinderat entschlossen, eine neue Straße zu bauen. Die Straße, die eine Verbindung der Selterser und Bahnhofs- straße sein wird, bringt eine große Derkehrsent- lastung für unseren Ort, da zur Zeit aller Verkehr nach dem Bahnhof durch das Dorf führt. Die Arbeiten sind bereits in vollem Gange.
Kreis Schotten.
/ Gedern, 21. Nov. In der Herb st Versammlung des hiesigen Vogelsberger Höhen-Clubs wurde beschlossen, in btefem Winter von einer größeren Veranstaltung ab- zusehen. Verschieden« zwanglose Zusammenkünfte, in denen durch Lichtbildervorträge und andere Darbietungen Heimatliebe gepflegt werden wird, sollen eingeführt werden.
wg. Gedern, 20. Nov. Im Gememdesaal fand am Dienstagabend ein« Versammlung der Kirchengemeindevertretung statt. Der vom Kirchenvorstand nach Maßgabe größter Sparsamkeit festgelegte Haushaltsplan für 1931 wurde einstimmig angenommen. Die von der bürgerlichen Gemeinde zu tragende Defizitsumme konnte gegenüber dem Vorjahre, eine Senkung von 140 Mark erfahren. — Die winterlichen Vereinsabende der kirchlichen Vereine haben wieder begonnen. In der ersten Versammlung des Frauenvereins hielt Missionarin Fräillein S t i ch t e r von der Basler Mission einen Vortrag über die Frauen-
Dorskirche, kleine Kreuzigungsgruppen sind aufgebaut, Kreuze aus Blumen und Tannengrun, man sieht einen Bildstock mit betenden Kindern davor, eine kleine Kapelle als Nachbildung der Tölzer Leonhardi-Kapelle, und zwischen den Wagen immer wieder zahlreiche Einzelreiter, Buben mit Lederhosen, grauer Joppe, Wadenstrümpfen und riesigen Sporen, alt« bayerische Postillon« in ihrer weiß-blauen ilnlform, die berühmte Tölzer Stadtkapelle hoch zu Roß mit langen braunen Röcken und mit braunen Zylindern, die nach oben spitz Aulaufen, all dies in bunter Reihenfolge, eine unerhörte Schau alter malerischer Trachten.
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Aus fromme Weisen, Gesänge und Gebete während der Umfahrt um den heiligen Berg folgen beim Einzug auf den von alten bemalten Giebelhäusern flankierten Marktplatz der Stadt Tolz schneidige Märsche, Jodler und lustige Lieder. Am Schlüsse umreiten und umfahren die olrenre! jener Oberlandbauern, die 1705 im spanischen Erbfolgekrieg mit Sensen und Beilen von dieser Gegend zur Befreiung Münchens auszogen, das Standbild des berühmten Bauemführers Wmzerer auf dem Tölzer Markt, das die Inschrift trägt: „Dieses Denkmal ist geweiht Bayerns alter Heldenzeit. Laßt uns leben in Kampf und Streit für des Reiches Herrlichkeit." Nach diesem sinnvollen, wohltuenden Gruß über die Jahrhunderte löst der Zug sich auf. Die Pferd« werden ab- geschirrt und die Gasthäuser füllen sich. Während nun in den engen, verrauchten und verräucherten Tölzer Scheuten in den nächsten Stunden mancher Rausch von altbayerischen Ausmaßen das Licht der Welt erblickt, geben sich die jungen Bauernburschen auf den freien Plätzen der Stadt in Gruppen von Dreien und Viereii um die Wette dem kunstvollen Peitschenknallen hin, daß es nur so von den nahen Bergwänden im Umkreis widerhallt. Rhythmisch muß immer ein Schlag schnell dem andern folgen, genau so wie es vor 2000 Jahren ihre Vorfahren in rauhen Nächten zur Abwehr böser Geister getan haben. Mit diesem Wettknallen ist das Fest zu Ende. Die Spatzen von Tölz und Umgebung aber sitzen faul auf den beschneiten Gartenzäunen und rühren sich nicht. Sie sind so satt, daß sie kaum noch zu fliegen vermögen. Denn auch für sie ist der Leonhardirittl der schönste Tag des Jahres in dieser pserde-
I armen Zeit.


