Nr. 276 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
Dienstag, 25. November (930
Oer Vogelsberg und die Kreisausteilung. Don Bürgermeister Menget, Schotten.
Die Bevölkerung der von der Aufteilung bedrohten hessischen Kreise, besonders die davon berührten Kreisstädte, schweben zur Zeit in sehr begrün- deter, großer Sorge über die bevorstehende Derwaltungsreform und die geplante A u f h e - buna von Kreisen. Man spricht und liest von der Aufteilung mehrerer Kreise in Oberhessen, genannt werden die drei Vogclsbergkreise Alsfeld, Lauterbach, Schotten. Die Regierung läßt erklären, daß eine endgültige Entscheidung noch nicht getroffen sei, Landtag und Gesamtministerium würden die Frage demnächst regeln. Man kann nur wünschen, daß baldige Klärung erfolgt.
In seinem Gutachten über die Staatsverwaltung von Hessen spricht der Reichssparkommissar (S. 192) aus. „Es kann nicht anerkannt werden, daß ein Fortfall von einigen 10 bis 20 Haushaltungen (der durch Aufhebung eines Kreisamts für die Kreisstadt bedingt ist), auf Handel und Wandel einen wesentlichen Eistfluß ausübt." Gegen diesen unheilvollen Irrtum und gegen diese Verkennung der Folgen, die mit einer Aufteilung für eine Kreis- Habt verbunden sind, muß man entschieden Stellung nehmen. Der Verlust des Kreisamtes bedeutet für die Kreisstadt selbst den Ruin, einen sehr erheblichen Schaden für die Kretsbevölke- rung und zuletzt auch für den Staat selbst, ein Schaden, der mit der angeblichen Ersparnis in keinem Verhältnis siebt. Eine Stadt wie z. B. Schotten, die an sich schon seither viele Aemter und Beamtenstellen (Forstamt, Vermessungsamt, Landwirtschaftsamt, Hochbauamt, Kreisgesundheits- amt u. a. m.) dem Abbau geopfert hat, würde beim Wegfall des Kreisamtes kulturell und wirtschaftlich völlig ruiniert und zum Dorf herabsinken. Das Schicksal von Alsfeld, Lauterbach wäre nicht viel besser. Der Abbau des Kreisamtes hat ohne weiteres den Verlust der sonstigen damit in Verbindung stehenden Aemter (Kreisschulamt, Kreisoeterinär- amt, Kreisgesundheitsamt, Bauamt), eine Beamten- einschränkung auch bei anderen Aerntern zur Folge. Daß das Finanzamt aufgehoben würde und daß auch die höhere Schule dem Untergang geweiht wäre, wäre nur eine Frage der Zeit. Eine Möglichkeit, den Kindern eine höhere Schulbildung zu gewähren, fehlte bann, jebcr sonstige Beamte würbe von ber Stabt fortstreben. Wir haben berechnet, daß bei einem etwaigen Abbau unsere Stabt zirka 15 bis 20 v.H. ihrer Bevölkerung und ein Einkommensteuerkapital von zirka 300000 bis 400000 M k. verlieren würde. Die staatlichen und die von der Stadt mit erheblichen Kosten erbauten Amtsgebäude stünden leer und würden verfallen. Viele private Mietwohnungen waren verlassen, die Grundstücksbesitzer erlitten einen ungeheueren Mietausfall. Ohne weiteres gingen in der Stadt die gesamten Häuser- und Grundstückspreise ganz enorm zurück. Es hätte eine völlige neue Steuerveranlagung des Grundbesitzes, des Häuserwertes, der Vermögen und der Einkommen zu erfolgen. Der hessische Staat erlitte bei dieser weit niederen neueren Taxation einen Steuerausfall und einen Schaden, der weit höher wäre, als die durch den Preisabbau erzielte Ersparnis. Seine eignen ftaatlidjen Schäube stünden dem Verfall preisgegeben da, eine Verwertung wäre für den Staat völlig aus- geschlossen. Oder welches Amt, welchen Ausgleich will man der Stabt für ben Wegfall geben?
Man muh sich die für eine Kreisstadt ganz katastrophalen Wirkungen nur klar machen, die ein aufwärtsstrebendes Gemeinwesen wirtschaftlich, finanziell und kulturell vollkommen ruinieren und zum Dorf degradieren, und man wird die schweren Sorgen verstehen, die die Bevölkerung um ihre Zukunft hegt. Alte, ehrwürdige Landstädte, die auf tausendjährige Geschichte zu-
Die Münchner Funttürme wurden durch den Orkan umgedrückt.
Ein Berliner Neubau wurde von dem Sturm am Sonntag vollständig abgedeckt.
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rückblicken und die für unseren Vogelsberg immer gewisse Kulturzentren und wirtschaftliche Mittelpunkte bedeutet haben, sollen mit einem Federstrich zerstört werden. Mit dem Kreisabbau werden ohne weiteres auch die Beziehungen der Kreisbevölkerung zu ihrer seitherigen Kreisstadt gelöst. Zahlreiche Familien in Handel und Gewerbe, Landwirtschaft und in der Arbeiterschaft, die seither an den Aerntern und den Beamten verdient haben, verlieren Existenz und Einkommen. Der Steuerausfall, der auch hier den hessischen Staat trifft, wäre ebenfalls sehr hoch und über
träfe die vermeintliche staatliche Ersparnis. Am schlimmsten wäre die Finanzverwaltung der Kreisstadt in Mitleidenschaft gezogen. Die Stadt hat für ihre Fortentwicklung erhebliche Opfer bringen müssen, neue Deamtenhäuser, Amtsgebäude, höhere Schule u. dgl. m. errichten müssen. Bei all diesen Rückgängen und Ausfällen an Miete, Steuerverminderungen und bei dem erheblichen Wegfall von Reichssteueräber- weisungen wäre die Stadt mit ihrer Finanzkraft am Ende und nicht mehr in der Lage, ihren Verpflichtungen nachzukommen, auch nicht dem hessischen Staat gegenüber, der
alsdann größter Leidtragender in der Abbaus frage wäre.
Don jeher waren die Kreisstädte gewisse Kulturzentren. Der Reichssparkvmmissar sagt selbst in seinem Gutachten: „Das Kreisamt ist das Re- prätentationsorgan der Regierung im Lande. Durch den Kreisdirektor und seine Beamten nimmt die Regierung mit der Bevölkerung unmittelbar Fühlung. Demgemäß muß es für die Große befl Kreisamtsbezirkes oberster Grundsatz sein, daß der Bezirk räumlich so bemessen wird, daß diese Fühlungnahme in der Praxis auch wirklich möglich ist. Wer das Land verwalten will, muß von sich aus die Fühlung mit der Bevölkerung aufneh- men.“ (©.191.1 ilnfere oberhessischen Kreise sind größer als der sonstige, besonders der Reichsdurchschnitt. Der Vogelsberg ist wirklich nicht mit Aerntern überladen und besitzt feinen großen Derwaltungsapparat. Kreise und Gemeinden sind in sparsamer Wirtschaft aus gezogen, in harter Arbeit ringt auf kärglichem Boden eine mit irdischen Gütern gering gesegnete Bevölkerung um ihre Existenz. Die M-rkehrsver- hältnisse sind im allgemeinen sch'echt, die Bevölkerung ist meist auf Fußmarsch angewiesen, um an den Sitz ihrer Aemter zu gelangen. Man lege nicht noch neue Lasten auf die Schultern dieser Bevölkerung, wenn man sie zwingen will, weite teure Bahnfahrten in eine neue, weit entlegene Kreisstadt zu machen. Die angebliche staatliche Ersparnis wird dadurch nur auf die Schultern der Bevölkerung abgewälzt. Es mag zugestanden werden, daß eine gewisse Grenzregulierung erwünscht und zweckmäßig ist, daß einzelne Gemeinden bessere Derkehrsmöglichkeiten nach einer anderen Kreisstadt haben und daher praktischerweise einem anderen Kreis zugeteilt werden. Gut!, so trage man diesen etwaigen Wünschen nach Möglichkeit Rechnung imAustausch- w e g. Die Reform kann u. E. auch nicht an den preußisch-hessischen Grenzpfählen Halt machen und nur in Verbindung mit dem Rachbarstaat gelöst werden, wenn sie auf weite Sicht abgestellt werden soll.
Die gesamte Ersparnis bei der Aufteilung von sieben hessischen Kreisen hat der Reichsspar- kommissar auf 116500 Mark berechnet (noch nicht y3 der Einsparung beim Landes- t he ater 362 868 Mk. S. 107 des Gutachtens). Anderseits stellt der Sparkommissar 1 Million (je 200 000 Mk. = 5 Jahre lang, Seite 196 Gutachten) in Rechnung für die notwendigen baulichen Erweiterungen und Veränderungen bei den elf übriggebliebenen Kreisamtsgebäuden. Wo bleibt in der Praxis tatsächlich die Ersparnis? Rechtferttgen diese Zahlen diesen Abbau, der auf die Bevölkerung neue Lasten abwälzt und der gewesenen Kreisstadt jede Entwicklungsmöglichkeit und Lebensfähigkeit nimmt? Bei der Entscheidung über diese Schicksalsfrage für uns ruht auf der hessischen Staatsregierung und dem hessischen Landtag eine sehr schwere Verantwortung. Wollen die verantwortlichen Stellen die Hand dazu reichen, daß das Todesurteil über die betroffenen Kreisstädte ausgesprochen, daß die ohnehin schon wirtschaftlich schwer nvtleidendeDevölkerung imVogels- berg noch mehr bedrückt wird und bann Anhänglichkeit, Treue und Staatsgesinnung zu unserem Hessenland völlig verlorengehen?
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Wie sich die 2Rcgicrung die Der- wattungsreform denkt.
WSR. Darmstadt, 24. Rov. Zu den in der letzten Zeit durch die Presse gegangenen Meldungen über die Auflösung von hessischen Kreisen wird von der Regierung nahestehender Seite mitgeteilt, daß man beabsichtige, drei Kreise aufzulösen, injederProvinz einen. Der Standpunkt der Regierung sei immer noch so, wie er im Voranschlag für das Rechnungsjahr 1930 zum Ausdruck komme, nämlich, daß die Regierung dem Landtage nicht die
Hauch von Paris.
Don Albert Rausch.
IX. Soiree de Paris: Rue de la Gait£.
Wir waren uns beim schwarzen Kaffee darüber einig geworden, daß wir in die nie de la Gait£ hinübergehen und den Abend in einem der Varietes verbringen würden, die es dort gibt. „Casino“, meinte Georges. Aber ich war mehr für das „Bobino“. Denn nichts macht mir so viel Freude, als die ©onntagsprogramme für „anständige" Familien zu sehen. Die groteske Vorstellung, welche sich auch heute noch der durchschnittliche Deutsche von der Pariser „Pinsittlichkeit". von ber .Pinsittlichkeit" bes Franzosen, überhaupt macht, sollte beseitigt werben in einer Zeit, in ber sich — allen augenblicklichen Gereiztheiten zum Trotz — völlig neue Beziehungen zwischen ben beiben Länbem anbahnen. Man kann ohne Hebertrci- bung behaupten, baß Paris eine sittlichere Stabt als Berlin ist. Es kommt nicht barauf an, was geschieht, svnbem in welchem Geiste es geschieht. Die Verrohung bes Vergnügens — bes erotischen, m seinen vielen Spielarten — hat hier niemals den Grab erreicht wie in Berlin (ober etwa auch iss ben rheinischen Großstäbten), bic Versachlichung ber Luft ist niemals so brutal betrieben, ihre Loslösung vom Menschlichen schlechthin niemals so bewußt vollzogen worben. Lust auszuüben heißt in Paris immer: sich menschlich freunb- Ikf) begegnen. Richt aber: sich gegenseitig aus- bcuten.
2ch sprach mit Georges über biefe Dinge, als toir, aus ber nie d’Odessa tommenb, eben in bie ruc de la Gatte — „bie Straße ber Lustigkeit" — einlenkten. Sie trägt ihren Romen zu Recht. Sie ist wirklich sehr lustig mit ihren vielen Lichtem unb Reklamestreifen, mit ihren grell erleuchteten Schaufenstern (Schuhe unb Kleider), mit ihren offenen Cafes, ihren Pfannkuchenbäckereien, Ka- ftanienroftcreien .. und dem sonntäglichen Auf unb Rieber ber Menge, bie noch nicht recht weiß, wofür sie sich entscheiden soll. Da ist bas Th^ätre de Montparnasse mit einer obskuren Tragöbie — da sind zwei Kinos mit amerikanischen Filmen, ba finb bie Varietes. Gewaltige bunte Programme locken unb laben... Wir beobachten bie Ankom- menben — unb bleiben bei meinem Vorschlag, ins „Bobino“ zu gehen. Promenoir? meint Georges. Rein, nicht hier. Denn hier ist bas „Promenoir“, ber dB anbetgang hinter ben Parkettplätzen (fünf Franken, achtzig Pfennig) ohne Reiz. Da ist nichts von ber seltsamen Atmosphäre wie etwa im „Empire* — wie im „Olympia“; 2m „Bobino“ .tut
sich nichts". 3m „Bobino“ fehlt jene zweite, heimliche, oft gefährliche Szene, auf ber oie Besucher selbst ihr Spiel spielen . jene Besucher, bie kaum einen Blick auf die wirklichen Vorführungen werfen, sondern im Aoenteuem zwischen sinnlichen Pingewißheiten die Erfüllung ihres Abends finden ... Rein, nein: diese kleinen Leute im Bobino, welche da m Reih unb Glieb Im Parkett, in den Logen, auf ben Dalkonen unb Galerien sitzen, suchen nichts: sie haben bezahlt — unb nun soll es losgehen, bamit sich bie zwölf Franken (zwei Mark) in „marchandise emotionelle“, wie Georges sagt: in „ Empfinbungsware" umsehen können, ilnb es geht los. Das Orchester, das eben noch in einem Souza-Marsch tobte, wird plötzlich mild — ein kirschroter Vorhang teilt sich — eine Art Vagabund mit zerrissenen Hosen (das Hemd hängt hinten heraus), durchlöcherten Schuhsohlen, einem moosbewachsenen schwarzen steifen Hut und einem roten Regenschirm stiert aus besoffenen Augen ins Publikum lacht und sagt: 3ch war doch vor fünf Minuten noch bei der Köchin des Pfarrers — unb jetzt auf einmal bin ich in der Deputiertenkammer (bas Publikum brüllt auf) — Meine Herren, ich muß boch bitten, bie Würbe bes Hauses zu wahren (neues Brüllen) — 3a, das wollen (Sie denn eigentlich hier, meine Damen? Din ich denn balli? 3a, aber meine Herren Deputierten, schicken Sie doch 3hre Damen nach Hause! Die Deputiertenkammer ist doch kein Wellenbad (ein Sturm von Gelächter fegt durchs Haus).. aber ich flehe Sie an, meine Herren Deputierten, nein wirklich, sie ist auch kein Kaninchenstall (lautes 3uch- zen, Kinder flennen, weil sie Angst bekommen vor dem Lärm) — die Musik macht einen Tusch.. Der Komiker hat sich in Positur gesetzt und beginnt — einen berühmten royalistischen Abgeordneten nachahmend — eine Rede über die „Rationierung ber Liebe aus Grünben bes Staatswohles unb in Erwägung ber Frage ber Ertüchtigung bes 3n- bivibuums im Gegensatz zum Prinzip ber beliebigen Massenprobuktion". Wir lachen nicht mehr, wir schluchzen schon halb — Leiber krümmen sich vor uns, Frauen stoßen Schreie aus, baß _ bie Lampen wackeln, Männer wischen sich bie Tränen aus ben Augen — — Wir lachen eine Diertel- stunbe lang — Wirkung: wie nach kunstvollster Massage. Fast ermattet sinkt alles in seinen Sessel zurück, als ber Dorhang enblich fällt.. Als er toieber auf geht, wissen wir, baß es nun ernst wirb. Gefühl heißt bie Losung. Zwischen blauen Velvet- Vorhängen, von schlummrigem Lichte überspielt, schaukelt eine schöne blonde Dame auf goldener Schaukel, deren Schnüre mit gebackenen Veilchen umwunden sind... 3hre Augen sind müb, schwül unb müb, ihre weißgepuderten Hände umfassen
lässig die Seile... ihr rotgemalter Mund öffnet sich, indem zugleich ein tiefer Seufzer ihren unzeitgemäßen Busen hebt, und--Süßester Drei
vierteltakt ... ach, und die Melodie: umnebelnd, similich und weh, und bie Worte:
„Soll ich noch einmal bir sagen Wie unbeschreiblich ich dich geliebt?
Soll ich mein Leid nochmals klagen.
Da es zu jenen Tagen
Doch feine Heimkehr mehr gibt?“
Cs geht ums Ganze. Augen verschleiern sich... Die Sängerin spürt, daß bie Antwort im Publikum schon ba ist. Sie wirb noch weher, noch gefühlvoller... Totenstille im Haus. Run singt sie bie Schlußzeilen:
„3ch will bein Glück nicht mehr stören, Weil ich... (Schluchzen) weil ich ...
(Schluchzen ä la Caruso) Weil ich... nur dich ja —
(schmetternd) ge... lie... b... t"
Das Publikum rast. Sie singt noch drei ähnliche Lieder. Sie kennt die Seele des Pariser Volkes.
(wird fortgesetzt.)
Goethe-Bund.
Vortragsabend Josef Ponten.
Der erste Dichterabend des Goethe-Bundes in diesem Winter war dem Westdeutschen 3oses Ponten Vorbehalten, dessen künstlerisches Schaffen zwischen volkhafter Verbundenheit und ausgrei- fend-schweifender Weltweite beschlossen liegt, — ber mit seinem jüngsten Werk „Wolga Wolga", bem Roman ber deutschen Unruhe, einem nationalen unb politischen Buch von geräumigen Ausmaßen, eine starke und tiefgehende Wirkung hervorrief.
Ponten begann seine Vorlesung mit einem größeren Abschnitt aus bem ersten Teil bes Romans „Seine Hochzeitsreise", ber das menschliche Schicksal des berühmten deutschen Totentanz- Meisters Alfred Rethel schildert. Hier horte man einige in ben Grundfarben noch heiter unb licht getönte Kapitel, behäbig ausspinnende Erzählung von der Hochzeitsfahrt des Künstlers mit seiner jungen Frau nach Italien. Breite ßanb- schaftsmalerei führt zu idyllischen Episoden, in denen behaglicher Humor den gleichsam unter ber Oberfläche bes Geschehens lagernden Emst übertönt. Den episch breiten Fluß ber Erzählung vermochte ein ausdrucksvoll schilbemder, halb beschaulich-betulicher, bald mimisch belebter Dor- tragsstil au^ulodem unb zu schöner Wirkung zu bringen.
Als Zwischenspiel vor ber Pause las Ponten aus bem italienischen Versbuchc „Römisches 3byll" zunächst ben einsührenben Vorspruch, bann ben dritten unb siebenten Gesang. 3m klassischen Versmaß bes Distichons erzählt diese Dichtung in gesättigten Bildern von südlichen Quellen und Brunnen, von Künstlern und Zechern unb, in ein paar schonen, aus unmittelbarer Anschauung aufsteigenden Versen vom geheimen Glück ber liebenden und gesegneten Frauen.
Der zweite Teil ber Vorlesung brachte statt ber angefünbigten Proben aus „Wolga Wolga“ einige Abschnitte aus bem Roman „Die Studenten von Lyon", einer historischen Chronik aus ber Zeit ber Religionskämpfe, in deren geistigem Mittelpunkt bie reformatorische Persönlichkeit des 3ohannes Calvin sich beherrschend erhebt. Aus einer Szene, bie ben Besuch von fünf französischen ©hibenten bei Calvin beschreibt, wirb ein von außen nach innen aufbauendes, ins Menschliche vertieftes Porträt bes Helben entwickelt, ober vielmehr aus einem sich steigernden und kaum unterbrochenen Monolog ein geschichtliches Selbstbildnis und Selbstbekenntnis, — interessant unb bemerkenswert stilisiert ohne Zweifel, aber boch nicht so stark unb lebenbig in ber Wirkung wie bie zuvor gelesenen Abschnitte: wobei schwer zu beurteilen ist, ob bies an der bem mobernen Hörer boch verhältnismäßig fernliegenben, historischen Problemstellung lag ober an bem stellenweise ein wenig überhasteten Dorttag ber Erzählung : vielleicht an beibem.
Das zahlreiche Aubitorium dankte zum Schluß mit freundlichem Beifall. -y-
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Hochschulnackrichten.
2ln ber Technischen Hochschule inDarmstabt ist ber außerorbentliche Professor für Philosophie, Pädagogik und Psychologie Dr. Matthias Meier zum ordentlichen Professor für die gleichen Lehrgehiete ernannt worden. Prof. Meier habilitierte sich 1914 in der Münchener Philosophischen Fakultät für Philosophie, erhielt später den Titel und Rang eines a. o. Professors, wirktq 1922/23 an der Akademie zu Vraunsberg und folgte dann einem Rufe als planmäßiger a. o. Professor an die Philosophisch-Theologische Hoch- schule in Dillingen, wo er bald darauf zum ordentlichen Professor befördert wurde. 1927 siedelte Meier nach Darmstadt über, wo er zum persönlichen Ordinarius für Philosophie auf scholastischer Grundlage ernannt wurde. Prof. Meier ist als Forscher, namentlich in philosophiegeschichtlicher Hinsicht, wie als Führer unb Berater beg akademischen Äugend gleichermaßen angesehen.


