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ußen. Nach den igborbnung endigt September, so daß ist. Die Jagdzeit nuar 1931.
schob sich der Ansatz des Halses, auf dem
ein
Nachdruck verboten.
22 Fortsetzung.
der
Helene Chlodwigs Schuld und Sühne. Vornan von I. Schneider-Zoerfil.
Urheber-Rechtschutz durch Verlag Oskar Meister. Werdau L Sa.
ergebener Hilflosigkeit blickten die Artgen des Kranken zu Franke empor.
„Möchtest du so gerne ein wenig an die Sonne, mein armer Junge?"
.Wenn cs möglich ist, ja, Vater! — — Aber eS must nicht sein", setzte der Knabe rasch hin- zu. als er das Zögern desselben gewahrte. .SS ist auch so ganz erträglich."
.Der Vollstuhl ist noch nicht gekommen", meinte Franke gedrückt, .aber wenn cs dir nicht zu große Schmerzen verursacht, trage ich dich hinunter. Die Großmama bettet dich in den bequemsten Stuhl im Dorten."
„llnb Just darf sich mit seinem Bilderbuch zu mir setzen und die Schwestern mir ihre Handarbeiten zeigen? — 3a. Vater?" —
„3a“. sagte Franke gepreßt, sah forschend in das Gesicht seines Aeltesten und fühlte die Wangen rot werden. Ahnte oder wußte Hubert, daß er um seinetwillen die Geschwister vernachlässigte und sie jeder Sorge und Liebe entbehren ließ, so dost nur noch die Großmutter ihre schützende Hand über sie breitete?
Sorglich in Decken gehüllt, lag der Kranks in dem Duhestuhl, den ihm die Geheimrätin unter dos Geäst eines mächtigen Apfelbaumes geschoben hatte. Franke stand daneben und zeigte nach den Vergen, die in unnatürlicher, grünblauer Färbung herüber grüßten.
Aber die Knabcnaugen irrten sehnsüchtig von den Vergen ab und suchten durch dos Gesträuch, das sich in der Umzäunung hinstrecktc. Als Franke ins Haus ging, um dringende Korrespondenz zu erledigen, lockte seine Stimme durch den Garten: „Irrst!" —
Zwischen den Vüschen raschelte es. Gin dunkler Kopf lugte scheu nach allen Seiten.
„3uft!‘7 lockte Huberts Stimme weiter „Lieber 3ust l" -
Der Kleine kauerte noch immer zwischen dem schützenden Strauchwerk und äugte verschüchtert zu ihm herüber.
„Komm!" bat eine tränenerstickte Stimme.
Der schmächtige Körper kam vorsichtig über den Dosen herzugeschlichen. 3mmer wieder glitten die Augen noch dem House hinüber, wo die Fenster so lusthungrig weit offen standen. 3etzt war er ganz nahe. Zwei Aermchen klammerten sich um die Füße des großen Druders. „Vater darf mich nicht sehen, sonst schlägt er mich wieder!"
„Hot er dich schon einmal geschlagen, 3ust?"
„Schon oft! — 3ch — bin ja schuld — daß du — so krank bist! 3ch habe dich ja gebeten, meine Toten zu begraben."
„3uft!“ Huberts Stimme war schreckgelähmt. „3ust!" stammelte er noch einmal, vom Uebermaß des Mitleids erschüttert. Dotlos sah der Kleine die herabperlenden Tropfen, die unaufhaltsam über die farblosen Wangen des großen Bruders rollten.
„Wenn du weinst, schlägt er mich tot", warnte er verängstigt. „Ich hole mir ein -Taschentuch von Großmama. Das meine ist nicht mehr ganz sauber. Damit wische ich dich —" Weiter kam
den strcnggeprögten Winkel des Mundes, über dem trotzigen Kinn in weißer Prägung
stampfend die silbernen Sch-enen entlang. Helene schob die Kupeetüre auf und sah den Gong hinunter, erblaßte und trat wieder in das Abteil zurück.
Die schwarze Kutte eines Mönches stand ein- acfeilt zwischen drei Herren am Fenster des Korridors. Aus dem hochgeschlossenen Kragen
ruhte.
Gs erschien ihr plötzlich etwas Ungeheuerliches, was sie zu tun im Begriffe war. Wenn Umbert ihr mit dem gleichen Gesichte, wie sie es jetzt vor sich sah, entgegentrat? — — Wenn er keinerlei 3nteresse mehr für sie aufwieS? Auch nicht für den Sohn, der feines Blutes war?
Sie würde die Hände zu ihm aufheben und er würde ihr entgegnen, daß cs dos Kind des anderen fei, dem sie seit siebzehn 3ahren Weib war.
Sie konnte doS Gesicht nicht mehr sehen. daS noch immer in steinerner Ruhe, den Blick geradeaus gerichtet, vor ih^er Tür stand. Ein Aufatmen hob ihre Brust, als Bewegung in die Masse kam und der Mönch nach vorwärts geschoben wurde.
Eie stieg als letzte über das Trittbrett und gab dem nächsten Gepäckträger, der mit den Armen eines Polypen auf sie z'.-schoß, ihren Handkoffer und den Passagierschrin. Einen Tag wollte sie in Dom bleiben. Einen einzigen kurzen Tag! Sie fühlte nach der TraumwirmiS dieser Dacht und noch der Anstrengung der langen Deise doS Bedürfnis, sich für den Gang noch Sonklo dello Trovestorc zu stärken.
Sie durfte nicht als eine halb Ohnmächtige, Geschwächte bei ihm versprechen. Was sic für den Sohn erbitten wollte, beanspruchte ihre ganze Kraft. Stark wollte sie sein, wie ein Berg, auf dessen Schultern man allcS häufen konnte, wenn dafür nur die Menschen, die in seinem Schatten wohnten, von jeglichem Unheil verschont blieben.
Em Kraftwagen setzte sie zwanzig Minuten später vor dem Portal des Park-Hotels ob. Der Lift hob sie nach dem zweiten Stockwerk, vor dem dos Grün der Bäume geweitet lag.
Abgehetzt, mit hämmernden Pulsen, fiel sie auf den Divan. Aber die Unruhe ließ sic nicht lange bleiben. Eie wusch sich, kleidete sich zum Ausgehen fertig und verließ noch einer Stunde daS Hotel, um in der großen Stadt etwas Zerstreuung zu suchen.
Was das Morgen brachte, wußte sie nicht.
Dur das Heute gehörte ihr.
Doch log ein Dachmittag und eine ganze Dacht vor der großen Entscheidung, die sie wie ein Gotteswunder erwartete.
* * * -
„Vater, macht es dir sehr viel Mühe, wenn du mich etwas ins Freie bringst?" 3n rührend
Do» Kupee schaukelte sacht im Gleichest der Däder. Hinter der Riesenscheibe des Fensters lauerte die Tücke der Dacht.
Gegen Morgen erwachten Stimmen. .Suren schoben sich auf. Füße schlürften dahin, treuer drückte Helene den Kopf zurück. Da» Hetzen der Maschine verringerte sich, während die Unruhe auf den Gängen zunahm. Man näherte sich Torviso. Wie oft war sie diesen Weg gefahren in lachender Lust neuen Triumphen entgegen.
Heute glitt sie an Venedig vorbei, der Stadt der goldenen Gassen, hatte kein Auge dafür, wie die Lagunen sich mit dem Golde der aus- gehenden Sonne verbrämten. Lichter waren wie sprühende Ampeln weithin am Horizont aufgeregt.
Todmüde von dem Hämmern der Gedankpn upb der Last deS feit Wochen abgehetzten Leibes schlossen sich ihre Augen. 3n wilder, jagender $aft tanzten die Träume einher. Petratinis Arm preßte wie Schrauben unb zwang sie, ihm zu willfahren. - Frankes Lippen glitten in sachter Liebkosung über sie hin, während Averfon ihr behutsam die Tränen von den Wimpern tupfte. Dazwischen klang das Lachen der Töchter unb da« Wildwestgeschrei des kleinen 3ust. — Und in all das hinein ein Stöbnen: „Mutter — wird das nun immer so bleiben?"
Sin bleiche«, vom Schmerz gezeichnetes Kna- benantlih lehnte sich gegen ihre Schulter. Ein abgehärmter Leib drängte sich. Zuflucht heischend, an den ihren. „Mutter! — Ach Mutter, für wen büße ich solche Schuld?"
Der schweißgebadete Frauenkörper schob sich zur Seite, um dem Sohne Platz zu machen, der sich hilfesuchend an sie schmiegte. Zwei weiße Hände tasteten inS Leere. „Hubert!"
Helenes Lider taten sich auf. Ungläubig starrten die Augen in die glitzernde Helle, die durch die Fenster brach. Sie sah nach der Uhr an ihrem Handgelenk. Eine halbe Stunde noch, dann mußte man in Rom fein.
3n halber (Betäubung stellte sie die Füße zu Boden unb begann Toilette zu machen. Goldene Pfeile kamen durch die etwas verstaubten Scheiben geflogen und verfingen sich in ihrem Blondhaar, zitterten über den ovalen Spiegel hin, und spiegelten sich in den Ringen ihrer Hand, die eilig an dem Verschluß des Kleides nestelte.
Draußen, in der Enge des Korridor«, schoben sich die Reisenden vorüber. Sprachen schwirrten durcheinander.
Doch immer schaukelten die Räder und liefen
durchgeistigter Kopf ruhte. Sie vermochte nur das Profil zu sehen. Den kühnen Schwung der Olafe, die schwache Duchtung der Wangen und
er nicht Mit einem Laut des Schreckens Kef er über den Rasen zu den Sträuchern hin, verschwand und kam nicht mehr zum Vorschein.
.Was ist?" Franke hob da« tränenüberftrömtc Gcficht seines Aeltesten mit sachter Hand empor. „Bist du so unglücklich mein lieber Junge?"
.Ich möchte sterben, Vater!"
DaS Männergeficht erblaßte jäh. .Vor Tagen noch sagtest du, es wäre dir höchstes Glück, bei mir zu fein.“
„Das war vor Tagen, Vater! — 3etzt möchte ich sterben. Du bist doch Arzt! Hast km kein Mittel, da« mich erlöst?"
Aus FrankeS Stirne perlten die Tropfen. DaS Blut wich au« den Adern zurück nach dem Herzen unb ließ ihm die Finger in Eiseskälte erstarren. „Und ich? - An mich denkst du nicht?"
„ES ist besser für dich wenn ich tot bin! Diel besser. Vater, glaub mir « doch!" Die Knaben- hände drückten sich verzwe.s:lt ineinander. „Sobald ich nicht mehr lebe, bat alles andere wieder» Wert für dich Aber solange ich atme, bin ich für dich nur Stein, der dich mit seiner Schwere zu Boden drückt. - 3st es nicht so?"
„Dein, Kind! Du und ich, wir beide —"
Die Stimme der Gcheimrätin rief aufgeregt herüber und ihr Winken mahnte zur Eile: „Helene ist am Telephon'"
Franke lief ins Haus. Don der Ecke der Umzäunung spähten vier M^dchenaugen nach dem Bruder herüber. Zaghaft fetzten sich die Füße in Bewegung.
„Er wird uns nicht fressen!" lachte Hella gequält.
„Wie häßlich!" mahnte Sabine..
„Ich habe den Vater gemeint." Die Fünfzehnjährige warf den Kopf zurück und ging auf den Lehnstuhl zu. Dabei vermied sie es, nach dem Haufe zu sehen und hielt den Blick nur auf den Kranken gerichtet. „Geht es jetzt beff-'r. lieber Bert?" Sie neigte das schöne Gericht und legte cS gegen das verhärmte des Bruders. Ihre Hand strich zaghaft über seine blut- und fleischlos gewordene. Er fühlte, wie etwa- auf feine Wange, herabtropfte und hob den Blick zu ihr auf.
„Weinst du um mich, Hella?"
Sie nickte verzweifelt.
„Hat dich Vater auch geschlagen, wie Just?"
Sie schüttelte den Kopf und preßte das Schluchzen zurück. Sabine, die Jüngere, kniete im GraS und drückte das Gesicht gegen die Decke, die seine Füße umspannte. Ihr Mund koste darüber hin.
Das Knabengesicht verfiel wie das eines 61er- benden. „Hätte ich mich doch zu Tode gestürzt."
„Tert!" Sabines Hand klammerte sich um seine Schenkel und fühlte die Leblosigkeit derselben. In Grauen und Mitleid zugleich glitten ihre Finger davon ab. „Sag so etwa« nicht wieder! Die wieder. Bert, sonst wird uns daS Leben zur Hölle. Diernand hält e« mehr au8 bei ihm. Die Mutter ist auch nur deshalb gegangen, weil ihr daS Dasein unerträglich wurde."
„Das wußte ich nicht", sagte er tonlo«.
(Fortsetzung folgt.)
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gestern im 68. Lebensjahre sanft entschlafen ist.
Wieseck, Herborn, den 25. September 1930.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Lina Dech Heinrich Dech und Familie Karl Dech und Familie Gustav Dech und Familie Wilhelm Dech und Familie Ernst Dech.
Die Beerdigung findet Freitag, den 26. September, nachmittags SVi Uhr vom Sterbehaus, Wieseck, Kirchstr. 26 aus statt 6563 o
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
BaupOdWMNeh
e. G. m. b. H.
Einladung zur Hauptversammlung auf Snmwtag, den 4. Oktober 1930, abendR 8 Uhr, Im Gewerkechafte- hanse, Schanzenstraße. [6565D Tagesordnung: Satzungsänderung.
Der Vorstand und Anfslchtsrnt.
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Frau Else Mahnkopp Oskar Mahnkopp.
Gießen, den 25 September 1930.
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Von Beileidsbesuchen bittet man abzusehen.
Am 23. September verschied in Steinheim i. W. infolge eines alten Kriegsleidens plötzlich und unerwartet im 48. Lebensjahr mein innigst- geliebter Mann und treusorgender Vater, mein lieber Sohn, unser treuer Bruder, Schwager und Onkel
6566
65580
Allen A. H.. A. H. und Bbr, Bbr. die traurige Nachricht, daß unser Heber A. H.
Prof. Br. Friedrich Scriha
aktiv 1872—1874
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Stud. Reformverbindung „Adelphia" i. V. D. B.
L A-d. C. Alfred Strack XXX
Gießen, den 25. September 1930.


