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Aus der provinzialhaupistadi.
Gießen, den 25. April 1930.
Imkeriagung in Gießen.
Oie Pflicht, die keiner liebt.
Etwas dom Stenerzahlen.
„Heuer Landtag, gewiss« ©teuer“, sagt ein alter Spruch Da- ei gar nicht einmal eines neuen Landtag- dazu bedarf, spüren wir ständig am rigenen Leib«, sind unS doch wieder gar mancherlei neue Steuern angekündigt, und so etwa- ift niemals freudig begrüßt worden.
Schon die Griechen deS Jahres 600 v. Ehr. waren wohl kaum all« gleichmäßig entzückt von der Steuergesetzgebung GolonS, aber damals Hieb wenigstens den obersten Steuerklassen der Trost, daß sie allein Staatsämter bekleiden durften. Denn Despasian von seiner Kloakensteuer behauptete „non ölet“, so haben sich die Römer vermutlich daS ihre gedacht, ebenso, wie die LandeSkinder deS Herzogs Friedrich lII. von Gotha, als dieser Fürst daS schöne Sprüchlein prägen lieh:
„DotteS Wort und Steuer geben. Hilft zu diesem und jenem Leben." Der DolkSmund klaat: „Sterben und Steuer geben, muß der Mensch überall", und Benjamin Franklin spricht die gleiche Ansicht aus, wenn er wehmütig sagt: „In dieser Welt gibt eS nichts Sichereres, als den Tod und die Steuern." Das ist eine betrübliche Tatsache seit Weltbeginn. „Im Steueralmanach ist keine rote Schrist, sie feiert, feit di« Welt steht, keine Stunde nicht" singt Friedrich von Lvgau.
RichtS Wichtigeres auch, als daS Steuer- zahlen! Darum mahnt eine Inschrift im Wiesbadener Ratskeller:
„Bürger, schreib' den Rat dir auf, Erst zahl' Steuern und bann sauf'.“
Tiber der brave Steuerzahler will auch wenigstens wissen, wo daS hinkommt, was er zinsen muh. So ist es denn nicht mehr als recht und billig, wenn eine schwäbische Derordnung vom Jahr 1368 vorschreibt: „Man soll such elliu Iar Rich und Arm wissen laun, wa ir Stiur, Dult und ZinS hinkumen."
Immerhin ist der zu beneiden, dessen einziges Leid das Steuerzahlen ist, wie zum Beispiel der „Einsame", dessen Glück Wilhelm Dusch besingt, mit der einzigen Einschränkung:
„Kurz, abgeseh'n vom Steuerzahlen, Läßt sich das Glück nicht schöner malen." Ob nach alledem nicht heute noch mancher die Berslein über den „Schösser", den Steuereinnehmer, unterschreibt, das im „Kurtzweiligen Zeitvertreib" von 1668 zu lesen steht:
„Hier liegt begraben unser Schösser-, Ihm und uns ist nunmehr besser, Ihm, daß er nicht mefjt ein Sünder, LlnS, daß wir loS sind den Schinder.“ Aber, was helfen alle frommen Wünsche, eS bleibt doch bestehen:
„Macht'S dir noch so große Qualen.
Dcpne Steuern mußt du zahlen!" Da gibt's kein non possumus.
Elisabeth Dehaghel.
Neuer Gießener Ehrendoktor.
Die Philosophische Fakultät der hessischen Lan- deSUniversität Gießen ernannte, wie in einem Teile unserer gestrigen Ausgabe bereits gemeldet wurde, den Her au Kg aber der „Deutschen Juristen-, xeitung", Dr. jur. n. c. O 11 o Liebmann in Berlin, einen geborenen Mainzer, „der in seinen DerlagSwerken und vor allem in den beiden, von ihm gegründeten und geleiteten hochangesehenen Zeitschriften, der „Deutschen Iuristen- zeitung" und dem „Deutschen WohnungSarchiv" die Behandlung staatswissenschastlicher Probleme angeregt und gefördert, der sich um die Pfle^: der den Staatswissenschaften nahe verwandten Rechtswissenschaft die größten Verdienste erworben hat, den warmherzigen und treuen Freund ider Alma Mater Ludoviciana, der LandeS- llniversität seiner Heimat, aus Anlaß des vierzigjährigen Bestehens seines Berlages am Tage der Vollendung seines fünfundsechzigsten Lebensjahres ehrenhalber zum Doktor der Staatswissenschaften".
Daten für Samstag. 26. April.
Sonnenaufgang 4.44 älhr, Sonnenuntergang 19.13 Uhr. — Mondaufgang 4.09 Llhr, Mond- unter gang 16.35 Uhr.
1787: der Dichter Ludwig Uhland in Tübingen geboten (gestorben 1862); — 1812: der Industrielle Alfred Krupp in Essen geboren (gestorben 1887); — 1863: Arnold Holz in Rastenburg geboren; — 1920: der norwegische Dichter Björnstjerne Djörnson in Paris gestorben; — 1925: Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten.
Bornotizen.
— Tageskalender für Freitag. Stadttheater: ,In der Iohannisnacht", 19.30 bis 22.30 älhr. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: .Liebeswalzer." — Astoria-Lichtspiele: „Der Kampf um die Goldfelder' und .Ich hab' mein Herz im Autobus verloren."
— Stadttheater Gießen. Man schreibt uns: DiS zum l.Mai setzt sich das Programm wie folgt zusammen: Heute 19.30 älhr „In der Iohannisnacht". Gastspiel Auguste Prasch-Gre- i-enberg, Spielleitung Intendant Dr. Prasch. Diese erste Operette des eigenen Ensembles hatte bei Presse und Publikum einen durchschlagenden 'rfolg. — Sonntag, 27. April, 19 iUjr, Fremden- Dtftellung zu ermäßigten Preisen, „In der Io- nnisnacht". Am 30. April wird die Operette :m letzten Male gegeben. Gleichzeitig wird sich rau Prasch-Grevenberg in der Rolle der Großmutter in dieser Ausführung von dem Gießener Publikum verabschieden. Als letzte Premiere im April wird „Elavigo" von Goethe herausgebracht. Spielleitung Oberspielleiter Hans Tannert. In diesem Stück verabschiedet sich Trude Heß in der Rolle der Marie von dem Gießener Publikum, di: für die nächste Spielzeit an das Stadttheater Zwickau verpflichtet ist. Ebenso tritt Franz Arzdorf in der Titelrolle zum letzten Male in der Winterspielzeit auf (neues Engagement: Reues Theater, Frankfurt a. M.). Hans Tannert, der für die nächste Spielzeit an das Stadttheater Krefeld verpflichtet wurde, wird mit „Elavigo" die letzte Inszenierung eines ernsten Stückes in Gießen herausbringen.
•
•• Sitzung des ProvinzialauS- s ch u s s e s. Am nächsten Samstag, 8.30 Uhr beginnend, findet im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen statt nnt folgender Tagesordnung: 1. Klag« des
Dertreierversammlung des oberhessischen BienenzüchiervereinS.
Wie alljährlich, so sand auch in diesem Jahre am dritten Osterfeiertag zu Gießen die alljährliche Dertreterversammlung des ober- hessischen Bienenzüchtervereins statt, auf der die Vertreter von etwa 2000 Imkern zugegen waren.
Auf der TageSordnuirg stand neben den geschäftlichen DereinSangelegenheiten (Rechnungsablage, Jahresbericht, Ersatzwahl für den verstorbenen 1. Vorsitzenden) auch die Frage der Zustimmung der Vertreter zu der in Frankfurt am Main gegründeten Honigverwertung S st e l l e. der neben dem oberhessischen Verein noch die Imkervereine von Kurhessen, Hessen-Rassau und der Mitteldeutsche Bienen- HÜchterverband mit dem Sitz in Frankfurt, sowie Die LandwirtschastSkammem Darmstadt und Wiesbaden angeschlossen sind.
Der stellvertretende Vorsitzende Lehrer Runk (Ridda) widmete nach Degrühungsworten an die Versammlung dem im verflossenen GeschästSjahre verstorbenen langjährigen Dereinsvorsitzenden Lehrer Buh (Leihgestern) einen warm empfundenen Rachruf und hob dabei besonders die großen Verdienste des Heimgegangenen um die Bienenzüchterorganisation und die hessische Bienenzucht hervor. Die Versammlung ehrte den Entschlafenen durch Erheben von den Sitzen. Anschließend erstattete der stellvertretende Vorsitzende den
Jahresbericht.
Seinen Darlegungen ist u. a. zu entnehmen: DaS Dienenjahr 1929 brachte einen zufriedenstellenden Honigertrag. Im Arbeitsgebiet deS oberhessischen Bienenzüchter- vereinS traten vereinzelt unter den Bienenvölkern Seuchen auf, die aber dank rechtzeitigen Eingreifens sich nicht zu schweren Fällen auswuchsen. Die Haftpflichtversicherung wurde in drei Fällen in Anspruch genommen, die sämtlich im Sinne der Versicherten erledigt wurden. In Frankfurt a. M. wurde die Südwest - deutsche Honigverwertungsgenos- s e n s ch a f t gegründet, der die obengenannten Verbände angeschlossen sind. Der Zweck dieser Reueinrichtung ist die Erfassung deS Bienenhonigs aus den Imkereien der Mitglieder zur bestmöglichen Verwertung, die Bekämpfung deS unlauteren Wettbewerbs mit gefälschtem Honig und die Erschließung neuer Absatzquellen. Dadurch soll besonders den wirtschaftlich Schwachen geholfen werden, daß sie ihren Honig absetzen können, ferner soll hierdurch ein Ansporn zur Erzeugung von größeren Mengen Honig gegeben werden. Es sei noch darauf buv» gewiesen, daß die Garantie für echten deutschen Honig nur in Packungen — gewöhnlich in (Sin- uni) Zweipfund-Gläsern — mit dem Gewährstreifen des Deutschen ImkerbundeS gegeben ist. Das Geschäftsjahr 1929 brachte eine Erhöhung des Zuckerzolles von 40 auf 65 Mk. je Doppelzentner Auslandhonig durch den Reichstag bei der Beschlußfassung über daS Agrarprogramm.
Im Anschluß an den Geschäftsbericht erteilte die Vertreterversammlung die Genehmigung zum Beitritt des Vereins zu der HonigverwertungS- genossenschaft Frankfurt a. M. und zur lleber- nahme von vier Genossenschaftsanteilen.
Oer neue Dereinsvorsihende.
Bei der Wahl des Amtsnachfolgers für den verstorbenen ersten Dereinsvorsitzenden, Lehrer Buh, wurde der seitherige zweite Vorsitzende, Lehrer R u n k, Ridda, einstimmig zum ersten Dereinsvorsitzenden gewählt, und als zweiter Dorsitzender Lehrer Braun, Holzhausen (Kreis Friedberg), berufen.
Oie Rechnungsablage.
Im Anschluß an die Wahlen erstattete der Rechner Schäfer, Gießen, die Rechnungsablage, aus der folgendes zu berichten ist: die Einnahmen im Geschäftsiahre 1929 beliefen sich auf 11 733.93 Mk., die Ausgaben auf 11080,53 Mk. Einschließlich einiger anderer Aktivposten ist ein Kassenvorrat von 946,89 Mk. zu verzeichnen. Das Dermögen des Vereins beläuft sich auf insgesamt 1923,10 Mk.
Die Prüfung der Rechnung gab zu Beanstandungen keinen Anlaß, so daß dem Rechner mit Worten des Dankes Entlastung erteilt wurde.
Oer Voranschlag für 1930
weist auf der Ausgabeseite bei der Position „Druck der Dereinszeitschrift" eine Wenigerausgabe der Herstellungskosten auf. Der Dorsitzende hob bet diesem Punkt das entgegenkommende Verhalten der Brühl'schen älniversitätSdruckerei R. Lange hervor, das eine erfreuliche Ausnahme in der heutigen Zeit darstelle, und er richtete an die Dereinsvertreter die Ditte, durch Werbung neuer Mitglieder die Zahl der De- zieher der Vereinszeitschrift zu erhöhen und so dem Verlag der Zeitschrift den Dank abzustatten. Für die diesjährige Derbandsausstellung in Hersfeld, die am 26., 27. und 28. Juli stattfindet, ist ein Zuschuß vorgesehen. Rach reger Aussprache wurde der Voranschlag in Einnahme
und Ausgabe mit je 5500 Mark einstimmig genehmigt.
Anträge.
Del dem Tagesordnungspunkt „Anträge" wurden zu Preisrichtern für die diesjährige Wanderversammlung mit Ausstellung der kurhessischen. oberhessischen, starkenburgischen und rheinyessischen Imkervereine die Herren Steinader, Schlitz, und K ü ch. Hungen, alS Ersatzleute die Herren Greis, AlSfeld, unb Bernhard, Heimertshausen bestimmt.
Der Verein ist für das Jahr 1930 nochmals bei der Gothaer Versicherungsgesellschaft gegen Haftpflicht versichert, vom 1. Januar 1931 ab hat er den Versicherungsschutz beim Deutschen Imkerbund.
Es wurde noch dringend gewünscht, daß die Bevölkerung daS Pflückender Haselnuß- und Werdenkätzchen, deren Pollen zur Pflege der Bienenbrut nötig sind, unterlassen möge. Die Dereinsmitglieder wurden aufgefordert. in diesem Sinne aufklärend tätig zu sein.
Mit Worten des Dankes an die Versammlungsteilnehmer schloß der Vorsitzende die anregend verlaufene Tagung.
Ehrung -es Altmeisters Hensel.
3m Anschluß an die Dertreterversammlung, sand eine feierliche Derbandssitzung statt, in der dem verdienstvollen Vorkämpfer und Förderer der Imkerei in Hessen, Lehrer i. R. und Bürgermeister Hensel (Hirzenhain), eine eindrucksvolle Ehrung bereitet wurde. Herr Hensel, der sich noch bester körperlicher und geistiger Frische erfreut, konnte seine 50jährige Mitgliedschaft im Oberhessischen Dienenzüchterverein und zugleich fein 25jährigeS Jubiläum als Schriftleiter der Dereinszeitschrift „Die Diene" begehen. Zu der Jubiläumsfeier hatten sich neben den offiziellen Vertretern der Vereine auch zahlreiche Freunde deS Jubilars eingesunden, um ihm Glückwünsche auSzusprechen und zugleich Dank zu sagen für alles, was er in den langen Jahren seines Wirkens als VerbandSmitglied und Schristleiter der „Diene" für die hessische Imkerei, aber auch für die gesamtdeutsche Dienenzucht geleistet hat. Reben der Schriftleitung der „Diene" hielt Herr Hensel schon viele Jahre vor dem Kriege und auch in den Rach krieg sjahren zahlreiche praktische Imkerkurse in Hirzenhain ab. Rund 1800 hessische und nichthessische Imkerinnen und Imker sind durch seine erfolgreiche Schulung auf dem Gebiete der Bienenzucht gegangen. Weit über die Grenzen unseres deutschen Vaterlandes hinaus werden seine reichen Kenntnisse und Erfahrungen in der Bienenzucht geschätzt. Dor Jahren wurde u. a. auf einer deutsch-österreichischen Imker-Wander- versammlung festgestellt, daß Herr Hensel damals »um 35. Male bei dieser alljährlich einmal statt- findenden Veranstaltung mitwirkte.
Der Verband der hessischen Imker, dem alle hessischen und kurhessischen Imker angeschlossen sind, lieh den hochverdienten Jubilar durch den 1. Verbandsvorfihenden, AmtSanwaltschastsrat Wenkebach (Kassel) beglückwünschen und gleichzeitig ein wertvolles IubiläumSgeschenk als äußeres Zeichen deS DankeS überreichen. Die Glückwünsche deS oberhessischen HauptvereinS brachte dessen erster Vorsitzender, Lehrer Runk (Ridda) mit herzlichen Worten zum Ausdruck, denen er ein ergänzendes IubiläumSgefchenk als Dankeszeichen beifügte. Im Ramen der Starkenburger Imkerschaft überbrachte Amtmann Brunner (Darmstadt) Herrn Hensel herzliche Glückwünsche, die goldene Radel deS Vereins und eine Ehrenurkunde über die Ernennung des Jubilars zum Ehrenmitglied deS Starkenburger Vereins. Buchdruckereibesiher Lange (Brühlsche Universitäts-Buch- und Steindruckerei) zu Gießen, von dem die Dereinszeitschrift „Die Diene" gedruckt wird, hob in seiner Glückwunschansprache die segensreichen Auswirkungen der langjährigen Imker- und Schriftleitertätigkeit deS Jubilars hervor und ehrte ihn ebenfalls durch Lieberreichung einer Gedenkgabe. Weitere Glückwunschansprachen hielten ein Tkrtretet des Rheinhelsi- schen Bienenzüchtervereins, der zugleich die Ernennung Hensels zum Ehrenmitglied dieses Dereins mitteilte, ein Vertreter des Mitteldeutschen Bienenzüchterverbandes in Frankfurt a. M.» der den verdienten Jubilar zugleich mit einem Geschenk ehrte, Dr. Freudenstein von der Dienen- zuchtstation der Universität Marburg undAmtS- anwaltschaftsrat Wenkebach als Vertreter des Deutschen Imkerbundes, der dem Gefeierten eine Ehrenurkunde mit der bronzenen Wabe aushändigte. Bewegten Herzens dankte der Jubilar für die zahlreichen und herzlichen Ehrungen, zugleich versicherte er seinen Imkerfreunden, daß er auch weiterhin gerne feine Kraft in den Dienst der deutschen Imkerei stellen werde. Die Ansprachen wurden in stimmungsvoller Weise von musikalischen Darbietungen umrahmt.
Die hessische Imkerschaft wünscht ihrem Altmeister Hensel, daß er ihr noch viele Jahre in voller Schaffensfrische erhalten bleiben möge, zum Ruhen der hessischen und der deutschen Imkerschaft und damit auch zum Besten unseres Volkes.
Ferdinand Klein in Ilbenstadt gegen das Kreisamt Friedberg wegen Versagung eines Wandergewerbescheins; 2. Klage des Dezirks- fürsorgeverbandes des Kreises Gießen gegen den Dezirksfürsorgeverband des Kreises Friedberg wegen Erstattung von Pflegekosten für den Geisteskranken Josef Buch aus Saulgau; 3. Klage des Preuh. Dezirksfürsorgeverbandes der Stadt Essen gegen den Dezirksfürsorgeverband des Kreises Alsfeld wegen Erstattung von Fürsorgekoften für die Familie Philipp Pfisterer; 4. Klage des Dszirksfürsorgeverbandes der Stadt Worms gegen den Dezirksfürsorgeverband des Kreises Gießen wegen Erstattung der Aufwendungen für Luise Kirch aus Ringelshausen.
** Schulpersonalien. Es wurden ernannt: am 17. April die Studienräte: Hermann Buß an der Realschule in Schotten, §ur Zeit kommisiarisch an der Augustinerschule (Gymnasium und Ober, realschule) in Friedberg, zum Studienrat an der Ernst-Ludwigs-Schule (Oberrealschule) in Bad Rau. heim; Hans Krämer an der Aufbauschule in Friedberg, zur Zeit kommisiarisch an der Schillerschule (Lyzeum und Frauenschule) in Friedberg, zürn Studienrat an dem Realgymnasium in Gießen; Friedrich Kreutzer an der Oberrealschule in Bad- Ranheim zvm Studienrat an der Schillerschule (Ly
zeum und Frauenschule) in Friedberg, Artur S ch a rJ mann an der Realschule in Ober-Ingelheim zum Studienrat an dem Recügymnasium in Gießen; Dr. Otto Steiger an der Oberrealschule in Bad-Rau» heim zum Studienrat an der Studienanstalt in Oie- feen; Friedrich Bolz an der Realschule in Dilbel zum Studienrat an der Studienanstalt in Offenbach; Friedrich Ploch an der Oberrealschule in Alsfeld zum Studienrat an der Oberrealschule in Grünberg mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts ab; am 19. April: der Lehrer Otto Philipp zu Ober- Seemen, Kreis Schotten, zum Lehrer an der Volksschule zu Bellersheim, Kreis Giefeen, mit Wirkung vom 6. April 1930 ab.
** Pensionskassen • Verschmelzung im Bankgewerbe. Dom Deutschen Bankbe- amten-Verein E. 23., Zweigoerein Gießen, wird uns geschrieben: Unverzüglich nach dem Bekanntwerden der Fusion der Deutschen Bank mit der Disconto- Gcsellschaft war vom Deutschen Bankbeamten-Ver- ein, auch in den Generalversammlungen der beiden Institute, die Verschmelzung des Beamtenfürsorge- Vereins der Deutschen Bank mit dem Beamtenver- sicherungsoerein des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes angeregt worden. In der Pensionskasse der früheren Deutschen Bank sind gegenwärtig etwa 13 000 Angestellte versichert, während in der allgemeinen neutralen Altersversicherung, der sich seiner
Zeit fast alle Großbanken und viele mittlere und kleinere Bankfirmen angeschlosien haben, rund 56 000 Versicherte vorhanden sind. Die Verhandlungen über die Fusion sind gegenwärtig so weit fortgeschritten, daß der Vorstand der D. D.Bank zugestimmt hat, und daß auch die Aufsichtsräte der beiden Pensionskassen ihr Einverständnis erklärt haben. Nunmehr teilt der Deutsche Bankbeamten- Verein mit daß die Generalversammlungen zur Beratung und Beschlußfassung über den Fusionsvertrag demnächst ftattfinben. Die Tagung des Beamtenfürsorge.Vereins der Deutschen Bank wird am 3. Mai und die der Neutralen Pensionskasse am 4. Mai abgehalten. Wenn die Verschmelzung beschlossen wird und die Genehmigung der zuständigen Reichsbehörden findet, dann wird für die Bankangestellten eine Altersversicherung mit einem Anfangskapital von 120 Millionen Mark vorhanden fein.
•• Motorradunfall. Gestern abend gegen 6 älhr fuhr der Motorradfahrer Lemke auS Eschhofen bei Limburg, der sich auf einer Geschäftsreise befand, oberhalb der Wellersburg nach Lollar zu gegen einen Meilenstein, stürzte um und erlitt dabei eine Schulterprellung. Sein Motorrad wurde völlig zertrümmert. Der Fahrer mußte von der Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in die Chirurgische Klinik gebracht werden. Der Gestürzte hatte vermutlich infolge eines Schwäche- anfaNS die Gewalt über fein Fahrzeug verloren.
•• Sachbeschädigung. Das Polizeiamt berichtet: Verschiedene Schaufensterscheiben wurden in letzter Zeit dadurch beschädigt, daß sie mit scharfen Gegenständen angeschnitten worden find.
Preußen.
Oie Mordsache Kern.
WSR. Frankfurt a. M., 24. April. Die Voruntersuchung in der Mordsach « Kern ist nunmchr zum Abschluß gelangt. Der Gang der Dinge nwch der Tat läßt erkennen, daß die polizeilichen und gerichtlichen Stellen schneU gearbeitet haben. Die Akten werden nunmehr vom Llntersuchungsrichter der Staatsanwaltschaft zur Erhebung der Anklage zugeleitet werden. Voraussichtlich wird der Fall schon in der kommenden Schwurgerichtsperiode Mitte 3uni zur Verhandlung gclanacn. Unabhängig von der Mordfache werden die übrigen den Inhaftierten zur Last gelegten und von ihnen auch fast sämtlich zugegebenen Delikte behandelt. Es dreht sich hierbei um etwa 20 Fälle, die teils vor, teils nach der Mordtat an dem Polizei- Wachtmeister Kern begangen wurden. Dahin gehören: Kircheneinbrüche in Flörsheim und Glashütten, versuchter Einbruch in die Krie- gcrgedächtniskapelle in Flörsheim (begangen in der Zeit vom 25. bis 27. Februar), ein Motorraddiebstahl in Wiesbaden (28. Februar), der Raubüberfall auf die StationSkasse in Otzenhausen bei Trier (3.März), der versuchte Raubüberfall auf die Vorschuhkasse in Schwanheim (8. März), Einbruch in einen Kraftwagenschuppen in Kaan im Kreise Siegen (16. März), Einbruch in daS Pfarrhaus von Sechshelden usw. Der Landwirt Georg au8 Scheuerfeld wird der Hehlerei und der De- günftigung beschuldigt. Gr soll u.a. auch bei dem versuchten Kassenraub in Schwanheim eine gewisse Rolle gespielt und Hoyer eine Waffe verschafft haben. Die Diebstähle und die Raub- Überfälle werden zu einer Anklage vor dem Großen Schöffengericht bereinigt werden.
AuS Wermelskirchen wird gemeldet: 3m Dezember vergangenen IahreS wurde aus der dorttgen Sparkasie ein Betrag von 40000 Mk. geraubt. Wie sich jetzt herauSgeftellt hat, war an diesem Einbruch der Schlosser Hermann Hoher hervorragend beteiligt, der bekanntlich den Frankfurter Polizeioberwachtmeister Kern erschossen hat. Hoyer soll ferner auch an der Ermordung der Frau Emma Meyer aus Remscheid mitgewirkt haben.
Kreis Wetzlar.
JL LaunSbach, 25. April. Der hiesige Gesangverein „Liedertafel" veranstaltete am 1. Oftertage einen Theaterabend. Der neu erweiterte Saal des Gastwirts Rinn war bis auf den letzten Platz beseht. Zur Ausführung gelangte die Operette „Der Graf von Olala". Die Mitwirkenden, Laienspieler von hier, gaben ihr Bestes. Der Verein erntete mit der Darbietung Beifall. — Der Umbau der elektrischen Straßenlampen, die zum größten Teile unbrauchbar waren, ist soweit beendet.
Berliner Börse.
Berlin, 25. April. (WTB. Funkspruch.) Der heutige Frühverkehr lag geschäftsloS und o5n wartend. Besondere Momente waren nicht vorhanden, nur die bevorstehende Liquidation hemmte naturgemäß die Llmsätztätigkeit. Kurse waren noch nicht zu hören. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,96 zu 123,97, London gegen Mailand 92,80, London gegen Madrid etwa 39, London gegen Buenos 43,50, London gegen Kabel 4.8640, London gegen Berlin 20,3650 zu 20,3675, Kabel gegen Berlin 4,1870 zu 4,1875.
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinden.
Samstag, den 26. April.
Skadtkirche. 14 Uhr: Beichte für die Konfirmanden der Markusaemeinde und deren Angehörigen. — Johanneskirche. 14: Beichte für die Konfirmanden der Lukasgemeinde und deren Angehörigen. — Kapelle des Alten Friedhofs. 14: Beichte für die Konfirmanden der Luthergemeinde und deren Angehörigen.
Israelitische Gemeinden.
Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst ht der Synagoge (Sudanlage): Samstaa, 26. April. Vorabend: 7.15 Uhr; morgens: 8.30 Uhr; abends» 7.45 und 8.25 Uhr.________________________________
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen.
Verantwortlich für Politik: i. V.: Ernst Blumschei^
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