Der Dreizehnte.
Roman von Anny von panhuys.
Copyright 1929 by Verlag Vechthold. Braunschweig
10. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Daß Don Primo sie nicht an die Dahn bringt, ist doch sonderbar", wisperte die kleine Geschwätzige, „aber viele meiner Landsleute sind in ollem, was Drautleute betrifft, sehr empfindlich. Erst wohnt Donna Montserrat bei der Portera, damit mün nur über sie und Don Primo nicht klatschen soll und jetzt begleitet er sie nicht einmal. Passen Sie auf. Eva, nun dauert es nicht mehr lange, dann holt er sie als seine Frau her. Jetzt wahren die beiden nur den Anstand, damit kein Stäubchen auf den guten Ruf der zukünftigen jungen Frau fallen soll."
Hnö Eva zweifelte keine Sekunde daran, daß alles, was sich das Hirnchen Paquitas zusammen- rcimtc, auch stimmte.
Eie empfand Schmerz bei dem Gedanken, in absehbarer Zeit Montserrat hier als Primo Dueros Gattin zu sehen.
Eie litt darunter, und als in diesen Tagen ihre alte Großtante aus der Heimat gar so flehentlich schrieb, ob sie nicht kommen wollte, sie sei krank und bezahlte Hände wären harte Pfleger, da besann sie sich nicht lange. Eie wollte heim in das kleine, waldumrauschte Heimatstädtchen.
Eie suchte Primo in seinem Dureau auf und dort, wo wenige Tage zuvor Montserrat gestanden, um Abschied von ihm zu nehmen, stand nun die blonde Eva Hirtberg und bat um ihre möglichst sofortige Entlassung. Sie nannte auch öcn Grund zu ihrer Ditte.
""Primo erschrak. Eva Hirtberg wollte fort! Er hatte sich in letzter Zeit, ganz erfüllt von den Pflichten, die durch die Gcschäftsübernahme an ihn herangctreten, wenig um die blonde Deutsche gekümmert, aber daß sie nun plötzlich fort wollte, kam ihm fast unbegreiflich vor. Doch er konnte sic nicht halten, wenngleich er wußte, der Anblick ihrer Lieblichkeit würde ihm fehlen.
Er erinnerte sich, daß er noch an dem unglückseligen Rosenmontag gedacht, er wußte fast nicht, ob ihm Montserrat oder Eva Hirtberg besser gefiel.
Er erwiderte nach kurzem Rachdenken: ..Es tut mir sehr leid. Sie zu verlieren. Senrrorita, aber ich darf nicht egoistisch sein. Eine schwer- kranke Verwandte geht vor."
All das bittere Erleben mit Montserrat lag ihm noch schwer wie Alpdruck auf der Drust. Es war ihm so unfrei, so befangen zumute.
Eva aber deutete sein Wesen als Gleichgültig
keit. Und sie schalt sich selbst, weil sie fühlte, wie locker ihr die Tränen faßen.
Was verlangte sie denn eigentlich von Primo Duero, der seine Kusine liebte und heiraten würde, und der so viel zu denken hatte, daß für sie wirklich nichts mehr übrig bleiben konnte.
Eie ahnte nicht, wie leid es dem Manne tat, sie gehen lassen zu müssen und daß, wenn sie noch ein Weilchen in seiner Rähe gelebt hätte, es gerade sie gewesen, der er sein Herz restlos ausgeschüttet hätte.
So erwiderte sie denn, sie würde schon in den nächsten Togen Darcelona verlassen.
Ihm schwebte ein warmes, liebes Wort auf der Zunge, aber cs blieb ungesprochcn, statt dessen sagte er:
„Damit Ihnen keine überflüssigen Laufereien mehr entstehen, Sennorita, werde ich Ihnen Ihr Gehalt gleich auszahlen." Er ging an den Geldschrank und legte das Geld, das sie noch zu erhalten hatte, auf den Tisch.
Wie kurz angebunden er sich gibt, dachte Eva schmerzlich bewegt und sann flüchtig einem Etwas nach, das in der Erinnerung wie eine rosige Wolke an ihr vorüberglitt.
Ihr Stolz erhob sich. Was wollte und erwartete sie denn eigentlich von dem Manne, der in Kürze die schöne Montserrat seine Gattin nennen würde? So lange er der Sohn des Chefs gewesen, hatte er manchmal ein wenig mit ihr gescherzt, nun aber war er selbst Chef.
Sie sagte leise: „Ich werde mich gleich von allen im Geschäft verabschieden." Sie sah ihn an. „Auch von Ihnen, Sennor Duero. Dielen Dank für alle Freundlichkeit."
Sie bot ihm die Hand, und als sich seine Finger um die Schmalheit der ihren legten, fühlte sie das Schlagen ihres Herzens wild und auf- lehnend. Aber in ihrem Gesicht verriet sich nichts davon.
So gaben sich denn zwei Hände frei, die sich wohl festgehalten hätten für immer, wenn die beiden jungen Menschen etwas von ihrem gegenseitigen Empfinden geahnt hätten.
i 7.
Heimat! Er wirkt immer wieder, der uralte Zauber, auf jeden, der auch nur ein wenig Herz und Gemüt besitzt.
Eva Hirtberg kam vom Friedhof. Sie hatte die alte Großtante treu gepflegt bis zu ihrer letzten Minute. Zwei Iahre hatte sie Tag für Tag am Dette der langsam Dahinsiechenden verbracht, zwei freudlose, stille Iahre, deren einziges Glück zuweilen ein dankbarer Dlick aus zwei lebensmüden Altfrauenaugen gewesen. Run ruhte die alte Frau seit Wochenfrist auf dem Friedhof nahe am Waldesrand, wo Eichen und Buchen ihre breiten üppigen Kronen gufammenbrängten, zu einem einzigen dichten, wundervollen grünen Laubdach.
Ieht galt es, neue Lebenspläne fassen. Die alte । Frau hatte ihr das Häuschen vermacht, in dem sie selbst seit ihrer Verheiratung gelebt. Es lag in der Drunnenstraße und war eine jener altmodischen geduckten Villen, die in der Diedermeier- zeit jung gewesen.
Eva wanderte langsam durch den schattenspendenden Wald und sann, was sollte sie nun anfangen?
Sie mochte sich nicht in der Stille der kleinen Stadt verkriechen, sie wollte sich wieder Beschäftigung suchen. Zu jung war sie, um sich hier einzu- spinnen in das Gleichmaß der Tage.
Ihre Gedanken kamen und gingen, flogen auf wie scheue Vögel und irrten umher. Weit flogen sie. weit, suchten ein Land hinter wild zerklüfteten Felsen, unter blauestem Himmel, suchten eine große Stadt, angefüllt von Hasten und Lärm und suchten einen Mann mit bräunlichem Gesicht und dunklen Augen.
Sie blieb stehen. Kein Mensch war weit und breit zu erblicken.
Eine Dank lud zum Ruhen ein.
Und so lieh sich Denn Eva Hirtberg nieder und träumte sich mit halbgeschlossenen Augen zurück in einen Tag voll Glanz und Sonne unter lachenden, jauchzenden Menschen.
Rosenmontag!
Plastisch lebendig zog Bild an Bild an ihrem Geiste vorüber. Der geschmückte Wagen mit den roten Clowns fuhr wieder den Paseo de Gracia hinauf und hinunter, allerlei bunte Gefährte reihten sich an und die Musik lärmte, es schneite Konfetti und auf den Promenadenwegen wogte ein Menschenmeer.
Wie eine einzige große Freude lag es über allen.
Eie hörte Primo Dueros Stimme wieder weich an ihr Ohr Hingen, und empfand wieder das Glücksgesühl, das sie empfunden an jenem Tage.
Eine leichte Berührung ihres Gesichts lieh sie erschreckt zusammenzucken. Sie mußte lächeln. Ein Zweiglein war vom Baum gefallen, unter dem sie saß, und als sie unwillkürlich hochschaute, lugte ein Eichhörnchen von dem niedrigsten Aste auf sie nieder. Sie sagte leise und wehmütig: „Du kleiner böser Schelm hast mich aus einer hübschen Erinnerung gerissen, ich hätte gern noch ein bißchen so weiter gesonnen. Cs war ein so liebes, glückliches Erinnern!"
Sie erhob sich und seufzte. Wie weit zurück lag jener Rosenmontag!
Waren wirklich nicht viel mehr als zwei Iahre seitdem vergangen? Richt mehr als zwei Iahre. Unbegreiflich schien es ihr.
Während sie das letzte Stück Weg zurücklegte, dachte sie, jetzt war Primo Duero natürlich lange verheiratet und vielleicht durste er schon ein Kindchen liebkosen.
Sie kam nach Hause und freute sich, als sie die
Nr. 275 Zweiter Blatt ' Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Montag, 24. November 1950
Oberheffen.
Geflügel-Ausstellung in Wieseck.
L Wieseck, 23.Rov. Der Geflügel- und Vogelzuchtvewein Wieseck, der erst un vergangenen Iahre gegründet wurde und seitdem eine rege Tätigkeit entfaltete, hatte bereits dieses Iahr seine erste Bezirksschau übernommen, was in der heutigen wirtschaftlich schweren Zeck eine gute Leistung bedeutet. Das von dem Verein gesteckte Ziel, die Dezirksschau zu einer wertvollen Schau zu machen, kann als vollkommen gelungen angesehen werden.
Schon bei der Eröffnung am Samstagvormittag konnte der Vertreter des Landwirtschaftskammer» ausschusses für Oberheffen, Oekcmomierat D r erden b a ch (Dorheim) auf den Wert solcher Veranstaltungen Hinweisen. Er überbrachte dem Verein die besten Wünsche und verband damit die Hoffnung, der Verein möchte den einmal beschrittenen Weg weitergehen. Der 2. Vorsitzende des Geflügel- und Dogeizuchtvereins Wieseck, Ludwig W a g e n b a ch, begrüßte die Gäste, besonders den Vertreter des Landwirtschaftskammerausschusses. 'beü ' Universitäts-Tierzuchtinstituts, der Gemeinde Wieseck, der Volksschule Wieseck. den Bezirksvorsihenden des Verbandes Oberhessischer Geflügelzüchter, fowie die Ehrengäste des Verbandes Oberhessischer Geflügelzüchter. Herr Franz Funk sprach im Ramen des Verbandes Oberhessischer Geslügelzüchter.
Die Schau zeigt, daß es den Züchtern sehr darauf ankommt, vom guten das Beste zu zeigen. In allen Abteilungen sind die besten Tiere ausgestellt. und dies macht sich auch bei der Beurteilung durch die Preisrichter bemerkbar. Es konnten 44 Tiere mit Ehrenpreisen ausgezeichnet werden. Insgesamt waren 220 Tiere ausgestellt. Bereichert wurde die Schau durch das Ausstellen einer Anzahl ausgestopfter Raubvögel und Tiere. Die Schau war gut besucht, alle dürften vollauf befriedigt worden fein. Dem Wiesecker Verein ist zu wünschen, daß er sich in der seitherigen Art weiterentwickelt zum Wohle der Allgemeinheit.
Das Ergebnis der Prämiierung.
Die Ehrenpreise, die von verschiedenen Seiten gestiftet wurden, entfallen wie folgt:
Abteilung I:
Brahma, hell. Hahn, Mustergeflügelhof Funk, Gießen, Ehrenpreis Rr. 16; Plymouth-Rocks, gestreift, Hahn. Theodor Beckcl, Lollar, E. Rr.4; Plymouth-Rocks, gestreift, Henne. Heinrich Pfeiffer, Großcn-Buseck. C. Rr. 31; Wyandottes, weiß- gold, Henne, Geflügelfarm Schneider, Lehnheim, C. Rr. 3; Wyandottes, weiß, Mustergeflügelhof Funk, Gießen, Landwirt'chaftskammer-Ghrenpreis; Wyandottes, schwarz, Henne, Ludwig Klinkei, Lollar, L.-K-E.; Wyandottes, schwarz. Hahn. Ludwig Klinket. Lollar. E. 11; Sussex, bunt, Henne, Richard Schmidt. Kolbenmühle, E. 33; Rhodeländer, Hahn, Wilhelm Hoffmann, Lollar, E. 28; Rhodeländer, Henne, Wilh. Melior, Gr- Buseck, L.-K.-E. 4; Rhodeländer Hahn, offen, W. Melior, Gr.-Buseck, E. 7; Minorka,schwarz, einfach- kämmig, Henne, Eduard Walter, Hattenrod, L.- K.-E.; Italiener, rebhuhnfarbig. Hahn, Ludwig Krieb. AHendorf a. d. Lda., L.-K.-E. ; Italiener, rebhuhnsarbig, Henne, offen, Ludwig Wagner, Altcn-Buseck, C. 27; Italiener, weiß, Henne, Heinrich Dörr, Münster, E. 25; Italiener, gestreift, Hahn, Christoph Ranft, Allendors a d. Lda.. C. 10; Italiener, schwarz. Hahn, Karl Christ, Wieseck, E. 30; Italiener, rebhuhnfarbig, rofen- kämmig, Henne, offen. Heinrich Menge! jr.. Hattenrod, E. 29; Leghorn, weiß, Hahn, Gustav Schmellenkamp. Wieseck, L.-K.-E.; Drackel, silber, Hahn, Heinrich Müller, Gießen, E. 2; Rheinländer. schwarz. Hahn. Gustav Lehr. Lollar, E. 15;
Rheinländer, schwarz. Henne, Wilhelm Schmidt, Wieseck, L.-K.-E.; Hamburger, schwarz, Hahn, Karl Deibel. Wieseck, E. 17; Hamburger, filber- lack, Hahn, Karl Denner, Wieseck, E. 32; Barnevelder, Henne, Heinrich Dörr. Hattenrod. C. 24; Welsumer, Henne, offen, Heinrich Weller, Wieseck (Wellersburg). C. 22; Reichshühner. Hahn. Fritz Riehm, Lollar. E. 18; Drloff, russische, rotbunt, Henne, offen, H. Sommer. Gießen, E. 5.
Abteilung II: Zwerge.
Zwerg-Wyandottes, schwarz, Hahn, Ludwig Kreiling, Gießen, Ehrenpreis 1; Zwerg-Wyan- dvttes. schwarz, Henne, Wilhelm Lich IV., Londorf, E. 12; Zwerg-Wyandottes. schwarz, Henne, offen, Mustergeflügelhof Funk, Gießem E. 6; Zwerg-Bantam, schwarz, Hahn, August Felsing. Gießen, E. 8.
Abteilung III: Tauben.
Kröpfer, hessische, blaue m. B., Täuber, Wilh. Lich lv„ Londorf. L.-K.-E.; Kröpfer, Brünner, schwarz. Täuber. Emil Schäser^ Wieseck, E. 13; Dries tauben, rot-gehämmert, Täubin, Tierzuchtinstitut Gießen, E. 19; Pfautauben, weih. Täuber, Theodor Dchwieder, Gießen, E. 14.
Abteilung V: Wassergeflügel.
Lausenten, weih, Erpel, Wilhelm Rachtigall, AHendorf a. d. Lda., E. 9; Laufenten, weiß, Ente. Wilhelm Rachtigall. AHendorf a. d. Lda., L.-K.-E.; Laufenten, forellenfarbig, Erpel, offen, Richard Schmidt, Kolbenmühle, E. 26; Khaki, Campbell, Erpel, offen, Friseur Fuchs Lollar, L.-K.-E.; Khaki, Campbell, Ente, offen, Heinrich Dierau, Wieseck, C. 23.
Abteilung VI: Zuchtstämme.
Holländer, Weißhauben, offen, Heinrich Bremer, Lollar. E.; Hamburger, schwarz, Karl Frank, Lollar, E. 20; Wyandottes, schwarz, Ludwig Künkel, Lollar, E. 21. (Anmerkung: E. = Ehrenpreis, L.-K.-E. — Landwirtschaftskammer-Ehrenpreis.)
Gemeinderatssihung in Nidda.
0 Ridda. 23. Rov. Der Gemeinderat beschloß in seiner jüngsten Sitzung, die D ü r - geratener zu erheben; er hat sich bei dieser Beschlußfassung aber weniger von der Absicht der Erschließung einer neuen Steuerquelle leiten lassen, als von der Tatsache, daß die in den beiden letzten Iahren beschlossenen Steuerausschlags- sähe auf Grundbesitz und Gewerbe die Grenzen der Leistungsfähigkeit der Steuerzahler erreicht haben und eine Senkung der Realsteuerlasten angestrebt werden soll. Von der Erhebung der Bier st euer sah man vorläufig ab. Die Beschäftigung der Wohlfahrtserwerbslosen bedeutet für die Gemeinde laufend eine z u hohe Belastung, so daß sich der Gemeinderat vor die Rotwendigkeit gestellt sah, entweder Kurzarbeit einzuführen, oder die Löhne zu senken. Man beschloß mit sofortiger Wirkung bii Herabsetzung der Stundenlöhne.
Landkreis Gicfzcn.
§ Daubringen, 21. Rov. Da sich die Provinzialstraße von hier nach Gießen bis zur Einmündung in die Straße Gießen—Marburg durch die häufigen Umleitungen in sehr schlechtem Zustande befand, hat sich die Provinzialstraßenbauverwaltung entschlossen, der Straße eine besonders geartete Straßendecke zu geben. Zur Durchführung der Arbeit wurden in der Hauptsache Erwerbslose aus Daubringen und den benachbarten Orten heran- gezogen. Die Drücke über den Hainbach, die durch (eine schwere Walze stark beschädigt wurde, ersetzte man durch eine Eisenbetonbrücke.
* Lang-Göns, 23. Rov. Die hiesige Freiwillige Feuerwehr beabsichtigt, am 12. und 13. Iuli ihr 50jähsriges Bestehen
zu feiern. Die Wehr, die sich in der Gemeinde sowohl als auch in der Umgegend allgemeiner Dcliebtheit erfreut, hat bereits mit sen Vorarbeiten begonnen. Mit dem Fest ist daS übliche Kirchweihfest verbunden.
Mr eie Schotten.
□ Laubach, 22. Rov. Gestern fand im hiesigen Rathaussaale die durch den Rücktritt des
seitherigen Laubacher Vertreters (Kaufmann Gg. Friedr. S ch w ö r e r) erforderlich gewordene Reuwahl zur Industrie- und Handelskamm er Friedberg statt. Don 20 abgegebenen Stimmen entfielen 12 auf Zigarrcn- fabrifant Ludwig Hohmann fcn., der somit auf 5 Iahre gewählt ist.
Fußball in Hessen-Hannover.
Uebcrrafchung in der Südgruppe.
Am Totensonntag kam in Hess en-Hannover nur ein Spiel zum Austrag. Der Tabellenletzte der Südgruppe, Hermannia Kassel, konnte Sport Kassel überraschend mit 2:1 schlagen und somit seine Position wesentlich nerbelfern. Die Spiele der ersten Serie in der Südgruppe sind nunmehr beendet. An der Spitze liegt der DIB. Kurhessen Marburg mit 14:2 Punkten vor Do- russia Fulda mit 11: 5 Punkten und Hessen Hers- seid mit 10:6 Punkten.
Wieder eine Jußbalttagung im Westen.
In Gelsenkirchen tagte der Ruhrbezirk des WSV. und nahm zu den schwebenden Fragen im deutschen Fußball Stellung. Dabei legte man ein Bekenntnis zum Amateursport ab und versprach, auch bei der bevorstehenden Verbandstagung in Düsseldors für Beibehaltung des Amateursports einzutreten.
Die „Kleeblätter" in Wien.
Der deutsche Altmeister Spiclvereinigung Fürth ist in nächster Zeit sehr unternehmungslustig. Reben der Weihnachtsreife nach Italien trägt man sich bereits mit dem Gedanken einer Beteiligung an einem in Wien zu Ostern 1931 stattfindenden internationalen Turnier. Außer Fürth und dem Veranstalter Rapid Wien werden noch Austria Wien und Kamratema Göteborg teil- nehmen.
Lilly Außeni in Mannheim.
Zum Hallen-Tenniskampf Rheinland — Baden.
Bei dem am 2. Dczemvcr in der neuen Mannheimer Rhein-Rcckarhalle stattfindenden Hallen- Tenniskampf zwischen Rheinland und Baden wird cs zu einer interessanten Begegnung im Samen» Einzel kommen. Denn Rheinland hat an erster Stelle Cilly Äußern genannt, während Frau Friedleben Frankfurt an erster Stelle für Baden spielen wird.
7000 deutsche Jungens fliegen.
In erstaunlich kurzer Zeit ist der motorlose Flug im Deutschen Luftfahrt-Verband zu einer wirklichen Bewegung unter der deutschen Iugend geworden. Rach einem Zahlenvergleich zwischen den Ergebnissen des Iahres 1929 und den ersten zehn Monaten des Iahres 1930 ist die Zahl der Verbands- und Vereins-Gleit- und Segelflugzeuge von 643 auf nahezu 1100 gestiegen. 22 älebungsstellen für unsere Segelfliegerjugend sind in Deutschland vorhanden. 163 Iungflieger- gruppen sind im DLV. zusammengeschlossen, die Zahl der Luftfahrtlehrgänge betrug 130. Sieben regionale Wettbewerbe wurden 1930 bisher veranstaltet. Während im Vorjahre auf den Wettbewerben als Bestzeiten nur Dreiminutenflüge erreicht wurden, sind im Iahre 1930 mehrere Stundenflüge zu verzeichne. Auch die Zahl der an diesen Wettbewerben beteiligten Flugzeuge hat sich verdoppelt. Ganz besonders erfreulich
ist aber der starke Andrang der Iugend zu diesem Sport: Während im Vorjahre die Gesamtzahl aller im DLV. vereinigten Iungflieger 4300 betrug, ist diese Zahl jtit auf rund 7000 an- gewachsen.
Reitturnier in Toronto.
Rach dem großen DoppeLprsolg des deutschen Oberleutnants Hasse auf Derby und Elan muhte sich unser Vertreter beim Reitturnier am folgenden Tage abermals mit dem S>olfteincr Elan mit einem zweiten Platz begnügen. Der amerikanische 2t. Wofsard hatte einen ganz großen Tag und feierte auf Babe Wartham eine» sicheren Sieg, um auf Proctor und Rigra auch mach den vierten und fünften Platz vor Oblt. Moimn auf Rinon zu belegen. Auch ein Ungar kam diesmal mit in die engere Entscheidung des Iagdspringens, und zwar endete Oblt. Endrody auf dem dritten) Platz.
Kurze Sportnotizen.
Bei den süddeutschen Punktkämpfen am Sonntag wurden drei neue Meister ermittelt: Bayern München (Südbayern), Spvg. Fürth (Rvrd- bayern), Karlsruher FV. (Baden).
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Der 1. FC. Nürnberg wurde in Berlin bei einem Privatspiel gegen Tennis-Borussia vor 10 000 Zuschauern 1:0 (1:0) geschlagen.
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Die süddeutsche Vcreinsmcisterschast in der Leichtathletik fiel an Stuttgarter Kickers vor VfB. Stuttgart, Saar 05 Saarbrücken, Eintracht Frankfurt und Freiburger FC.
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Hertha BSC., der Deutsche Fußballmeister, wurde am Sonntag in Altona vom FC. 93 Altona mit 4:2 (Halbzeit 0:1) geschlagen.
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Carmine, ein bekannter schweizerischer Motor» rad-Rennsahrer, ist bei der Probefahrt mit einem neuen Automobil tödlich verunglückt.
Der Hallentcnniskampf Kopenhagen — Hamburg in Kopenhagen endete mit einem 5: 2-Sicg der deutschen Spieler.
Bei den Hallentennismeisterschaften von Westdeutschland siegte Hilde Krahwinkel bei den Damen; im Hcrren-Einzel siegte im Finale Rour- ney über Heitmann 6:2, 6:4.
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Das Rugby-Städtespicl Berlin — Bukarest endete mit einem 3:0-Sieg der Rumänen, die am Bußtag mit dem gleichen Ergebnis gegen den Berliner Rugby-Club verloren hatten.
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Auf der süddeutschen Handballtagung wurde beschlossen, die Pokalspiele der Bezirksliga Wegfällen zu lassen. Weiter wurde gefordert, daß an den deutschen Endspielen drei süddeutsche Vertreter teilnehmen sollen.
niedrige Gittertür des Villenvorgärtchens auf- stieß, welch liebliches Bild des Friedens ihr kleines Heim bot. Da lag das Häuschen vor ihr, ganz eingebettet in Bäume und Büsche, und die Rosen standen in voller Blüte, dufteten so süß und stark, älm den kleinen Vorbau rankte sich Pfcisenkraut in üppiger Fülle und umspann ihn in ein geheimnisvolles grünliches Licht.
Eva Hirtberg hatte als Haushilfe die alte Stütze ihrer Großtante behalten und die noch kräftige lebhafte Sechzigerin öffnete ihr die Haustür. Eva Hirtberg legte den Hut ab und ging in das behagliche altmodische Wohnzimmer, dessen Möbel schon den Großeltern der Verstorbenen treu gedient.
Sic setzte sich. Sic wollte die Berliner Morgenzeitung lesen, die während ihrer Abwesenheit gekommen. And dabei sprang wieder der Gedanke in ihr auf, sie mußte hinaus ins Leben. Heber zwei Iahre hatte sie als Pflegerin der Kranken in einer Zurückgezogenheit die Tage verbracht. die melancholisch machen mußte, wenn sie ihnen nicht gewaltsam ein Ende bereitete.
Sie schlug in der Zeitung die Rubrik angebotener Stellungen auf und las sie aufmerksam durch. Sie war sich darüber klar, sehr leicht war cs nicht, unterzukommen. Plötzlich stutzte sie. Welch ein Zufall kam ihr anscheinend da zu Hilfe!
Sie las, daß die Berliner Iuwelierfirma, bei der tie gelernt, und dann als Verkäuferin an- gestellt gewesen, eine sprachgewandte Verkäuferin suchte. Die Firma hatte ihr damals ein gutes Zeugnis ausgestellt und der Chef sie nur ungern gehen lassen. Also bestand die Hoffnung, man zog sie vielleicht dort anderen Bewerberinnen um den Posten vor.
Sie schrieb sofort, betonte, daß sie damals nur die Stellung verlassen, um sich in Spanien in der spanischen Sprache zu vervollkommnen, und erhielt sofort Rachricht, sich vorzustellen, damit man persönlich über alles sprechen könne.
Die Unterredung führte zu dem Ergebnis, daß sich Eva Hirtberg bald darauf in einem der elegantesten und größten Iuweliergeschäfte Berlins als Verkäuferin betätigte. Sie blieb in der kleinen Stadt wohnen und fuhr jeden Morgen nach dem eine Stande Bahnfahrt entfernten Berlin. So blieb ihr die Möglichkeit, jeden Abend nach dem Lärm der großen Stadt immer wieder unterzutauchen in Frieden und Stille. Die Sommerabende waren lang. Sie konnte sich immer noch ein Stündchen im Garten gönnen.
Dort faß sie dann mit der alten Stütze Frida beisammen und erzählte der aufmerffam Lauschenden von der großen weiten Welt, in der sie einmal ein Iahr lang gelebt. Sie erzählte von der schönen Hafenstadt- am Mittelländischen Meer und jenem Rosenmontag, der Freude und Lust in sich geborgen, aber auch das Grauen einer furchtbaren Tat. (Fortsetzung folgt.)


