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Dritter Gießener Ferienkurs.

Am zweiten und dritten Tage des Dritten Gießener Ferienkurses sprach Universi­tätsprofessor Dr. G m e l i n über

Die Weiterentwicklung der Weimarer Verfassung".

Die Darlegungen des Redners sind wie folgt zu- sammenzufassen: Um die Entwicklung der Reichs verfassung seit 1919 zu erkennen, darf man sich nicht auf eine Aufzählung der ausdrücklichen Aenderungen des Textes der Reichsverfassung beschränken, auch nicht aus die Nennung der sonstigen verfassungs- ändcrnden Gesetze, vielmehr muß man die treiben­den Kräfte aufzeigen, die das Verfassungsleben be­einflussen, auch wenn sie den Buchstaben der Ver­fassung unberührt lassen. Daher sind die einzelnen Reichsorgane auf ihre wirkliche Bedeutung zu un­tersuchen. 1. Das Reichsvolk, trotz des Bolks- fouoeränitätsprinzips ein einflußloses Organ, wenig­stens in seiner unmittelbaren Beteiligung an der Gesetzgebung: nur siebenmal sind Volksbegehren ge­stellt worden, davon führten aber nur zwei zu Volksentscheiden, die beide mit Ablehnung des be­antragten Gesetzentwurfs endigten. 2. Der Reichs- t a g. Als mächtigstes Organ gedacht, mit einer Fülle von Rechten ausgestattet, aber gleichwohl an Bedeu­tung verlierend, aus Gründen, die teils dein Parla­mentarismus aller Länder gemein sind, teils in den deutschen Verhältnissen wurzeln. 3. Die Reichs- rcgierung, trotz der abnehmenden Bedeutung des Reichstags nicht an Einfluß gewachsen, da die Zersplitterung der Parteien die Bildung beständiger Regierungen verhindert. Die Reichsregierung ist höchstens auf beschränkte Zeit unabhängig vom Reichstag durch Auflösung des Reichstags und die Anwendung des Art. 48. 4. Der Reichspräsi­dent, an Ansehen gestiegen, weil ihm die Schwer­fälligkeit des Reichstages bei Neubildung der Reichsregierung eine wichtige Vermittlerrolle hat er­wachsen lassen. 5. Der Reichsrat, nicht so macht­los wie er nach der Reichsverfassung erscheint, aber den Reichstag keineswegs überragend. Das Ver­fassungsleben des Reiches wird zu einem guten Teil durch die internationalen Verpflichtungen be­stimmt, die das Reich eingegangen hat, namentlich durch die Annahme des Poungplans. Denn es müssen die Mittel für die Reparationsleistungen bcreitgestellt werden. Läßt sich dies auf verfassungs­mäßigem Wege nicht erreichen, so ist der Fortbestand der demokratischen Verfassung auf das schwerste bedroht.

Oberheffen

Gemeinderat in Grünberg.

- - Grünberg, 22.Suli. Sn der jüngsten Sitzung des Gemeinderats war der wich­tigste Punkt der Tagesordnung die Frage der Einführung von W a s s e r m e s s e r n. Das im Sahre 1895 erlassene Ortsstatut über die Entnahme von Wasser vom Wasserwerk sieht die Wassergelderhebung in der Regel nach Ein­schätzung durch die Wasserkommission vor, dane­ben läßt es nach Wahl der Abnehmer den Ge­brauch von Wassermessern zu. Zur Zeit sind bei 459 angeschlossenen Haushaltungen 45 mit Wassermessern versehen. Sn der Wasserkommis­sion kehren nun stets die Gesuche um Herab­setzung des Wassergeldes oder Beschwerden über zu hohe Einschätzung wieder. Der Stadt­rechner gab in der Sitzung einen Plan, wie sich die Einführung von Wassermessern finanziell auswirken würde, bekannt. Bei einem Preis des Wassermessers von 36 Mk., wovon 28 Mk. für Anschaffungswert des Messers und 8 Mk. für das Einbauen zu rechnen find, wäre eine ' Kapitalaufnahme von etwa 16 000 Mk. nötig, die . eine Verzinsung von 1400 Mk. erfordern würde. ' Rach dem Voranschlag beansprucht das Wasser- - werk eine Ausgabe von 16 000 Mk., die sich durch obige Verzinsungssumme auf 17 400 Mk. stellen würde. Da nach den Angaben des Wasser- werksleiters die geförderte Wassermenge in den letzten vier Sahren nicht unter 70 000 Kubikmeter jährlich betrug, würde bei Annahme eines Wasserverbrauches von nur 55 000 Kubikmeter sich folgendes Bild ergeben: Kleinabnehmer 40 000 Kubikmeter a 40 Pf. ergibt 16 000 Mk., Großabnehmer 15 000 Kubikmeter ä 18 Pf. ergibt 2700 Mk., mithin eine Einnahme von 18 700 Mk. Vorgesehen ist, für den Wassermesser eine Oe». bühr von 10 Prozent vom Anschaffungswert zu erheben und diese Gebühr, sobald der Wasser­messer bezahlt ist, auf 4 Prozent für Llnterhal- tüngskosten herabzusetzen. Auch soll eine Min- destmenge von 15 Kubikmeter bei jedem Wasser- messcr in Berechnung kommen. Rach längerer Aussprache, in der man den Wasserpreis für Kleinabnehmer für reichlich hoch hielt, wurde bei der Abstimmung gegen eine Stimme d i e Einführung von Wassermessern be­schlossen und die weitere Dearbeitnng dieser Sache der Wasserkommission übertragen.

Sommermarkt in Lich.

J) Lich, 24. Juli. Gestern sand hier der alt­bekannte Sommermarkt statt. Zum Austrieb gelangten 394 Ferkel, 96 Stück Großvieh, 2 Bullen, 47 Schafböcke und 9 Eber. Ferkel kosteten bis zu sechs Wochen 28 RM., 6 bis 8 Wochen alte 35 RM., 8 bis 13 Wochen alte 45 RM. lieber den Prä- mienmartt wird noch besonders berichtet.

Verschandelung der Natur.

-> Aus dem Riddatal, 21. Suli. Wer das Riddatal von Ridda bis Schotten durch­wandert, dem springen eben in Dorf und Feld aufdringliche Reklameschilder größe­ren und kleineren Formats in die Augen. Alleinstehende Gebäulichkeiten in den Feldmarken sind oft an der Straßenseite über und über mit Schildern in den schreiendsten Farben be­deckt. Die schönen Fachwerkhäuser in den Dörfern sind durch riesige Blechschilder verunziert, weil den Besitzern das Drei- oder Fünfmarkstück in die Augen stach, das man ihnen als Entschädi­gung in die Hand drückte. Auch die Backhäuser sind begehrte Reklameträger. Der Raturfreund sieht mit Schaudern, wie von Sahr zu Sahr das einzigschöne Landschaftsbild unseres Tales mehr verunstaltet wird, und warnt vor zu­nehmender Verschandelung. Die Be­hörden sollten nicht achtlos an diesen Mißständen vorübergehen. Die deutschen Landschaften weisen schon als typische Erscheinung eine solche Fülle amtlich befohlener" Tafeln und Warnschilder auf, daß uns der Ausländer vielsagend be­lächelt. Wird ihre Zahl noch durch eine iln» summe grellfarbiger Reklameschilder vermehrt, so verlieren auch die herrlichste Landschaft, das schönste Dorfbild ihren Reiz. Darum fort mit den schreienden Farbfehen an Giebel und Wand, Tor und Schuppenl Sn den Zeitungen achten wir gerne auf die Warenanpreisungen, nicht

600-Mrseier der Stadt Darmstadt.

WSR. Darmstadt. 23. Suli. Darmstadt fei­erte heute fein 6 0 0. Stadtjubil ä u m. Die Gebäude trugen Flaggenschmuck, aber die sonst üblichen Feiern mit älrnzügen und Volksfesten blieben aus.' Gestern hatten etwa 600 hes­sische Amerikaner ihre alte Heimat aus­gesucht und ihre Glückwünsche überbracht. Heute vormittag wurde in der Altstadt ein einfacher Brunnen eingeweiht, den eine 5) arm« ftäöter Laienspielschar der Stadt zum Geschenk machte. Er ist dem Dichter Ernst Elias Riebergall gewidmet, dessen Bildnis er trägt und auf dessen unvergänglichenDatterich" er humorige Reliefs zeigt. Das Werk ist in Muschelkalk von dem Bildhauer Well Habicht ausgeführt. Eine Festsitzung des Stadt­rats im alten Rathaus am Marktplatz gab Oberbürgermeister Mueller Gelegenheit zum Rückblick und Ausblick. Die Feier war ernst und würdig. Sn sie fiel auch ein ©ebenfen an die Toten von Koblenz, dem Minister Korell bei seiner Glückwunschansprache namens der hessischen Regierung in mitfühlenden Worten Ausdruck gab.

Der Reichspräsident hat folgendes Glückwunschtelegramm gesandt:Der Stadt Darmstadt sende ich zur Feier des 600. Jubiläums der Verleihung der Stadt- und Marktrechte meine herzlichen Grüße und Glück­wünsche. Möge die hessische Landeshauptstadt, die vom Drucke der fremden Besetzung auch nicht verschont geblieben ist, inmitten des nun befreiten Hessenlandes einer glücklichen blühenden Zukunft entgegensehen." Das Antworttelegramm heißt:Mit ehrerbietigem Dank für die gütigen Glückwünsche Ew. Exzellenz verbindet die im Brennpunkt der deutschen Westmark gelegene hessische Landeshauptstadt an ihrem Subeitage ein erneutes Treuebekenntnis zur deutschen Re­publik und unserem erhabenen Reichspräsidenten. Oberbürgermeister M u e 11 e r.

Auch der hessische Staatspräsident Dr. Ade­lung, Snnenminifter Leus chne r, der Präsi­dent des Deutschen Städtetages, der Vorsitzende des Hessischen Städtetages, Oberbürgermeister Dr. Keller, Gießen, haben herzlich gehaltene Glückwunschtelegramme gesandt.

Oberbürgermeister Mueller hat fol­genden Aufruf erlassen:Durch Erlaß vom 23. Suli 1330 hat uns Kaiser Ludwig der Bayer zur Stadt erhoben. Wir feiern demnach als solche heute den 6 0 0. Geburtstag. Wir feiern ihn in einer Zeit, da unser Vaterland eben aus tief­stem Riedergang sich wieder emporgerafft hat und unter immer wiederkehrenden schweren Rück­schlägen aufs neue seine Stellung in der Welt zu festigen bestrebt ist. Sinkende Wirtschaftskonjunk­tur und steigende Arbeitslosigkeit sind die Zei­chen der Stunde. Rauschende Festlichkeiten ver­bieten sich damit von selbst. Aber ebenso falsch wäre es, sich der drückenden Last zu beugen, wo es gilt, zu kämpfen für ein besseres Los, für einen neuen Aufstieg. Darum begrüßen wir diesen festlichen Tag, der uns em­porreißt aus den Alltagsgedanken, der uns mit dem Gewicht seiner Bedeutung machtvoll an die Verantwortung erinnert, die wir tragen, der uns stärkt in dem gläubigen Vertrauen, daß diese Stadt, die 600 Sahre des Glücks und der Rot mit einem unaufhaltsam vorwärts drängenden Wil­len überstanden hat und aufrecht und klar der Zukunft entgegenblickt, auch dieser sich gewachsen zeigen wird Es liegt an uns, an dieser Gene­ration, ob sie die Kraft aufbringt, die die Ge­schichte von ihr verlangt. Wir haben es wahr­haftig schwerer als viele Geschlechter vor uns, aber wir wollen heute aufs neue feierlich ge­loben, auszuharren und stark und treu zu fein und unverzagt und arbeits­freudig. Dann werden wir mit Gottes Hilfe unserer schönen Stadt den Weg bereiten, auf dem sie wieder zu Höhepunkten schreiten kann."

Der Mesetker Voranschlag für 1930/31.

£ Wieseck, 24. Suli. Wie in unserer gestri­gen Ausgabe bereits berichtet, befaßte sich der Gemeinderat am Montagabend mit dem Voranschlag für das Rechnungsjahr 1 9 30. Sm einzelnen sei hierüber noch berichtet:

Das bare Betriebskapital für 1930 ist mit 10 000 Mk. angesetzt: der Rechnungs- r e ft beträgt in Einnahme 11331,11 Mk. (1929: 9472,87 Mk.), in Ausgabe für nicht eingehende Forderungen 400 Mk. (1929: 300 Mk.).

Die Rubrik Gebäude zeigt in Einnahme 8342 Mk. (1929: 8676 Mk.), Mietherabsetzung auf 125 statt 140 Prozent. Ausgabe 3600 Mk. (1929: 3100 Mk.). Die Erhöhung von 500 Mk. soll für laufende Unterhaltung verwandt werden. Bei dieser Gelegenheit wird an die Reuregelung der Mieten in den Gemeindewohnungen nochmals erinnert.

Die Grundstücke sollen 14264 Mk. bringen, 1929 waren es 16 328 Mk. Diese Minder­einnahme ist auf die Verbilligung des Herr- grases, sowie auf die schlechtere Obsternte zurück- zuführen. Die Ausgaben betragen 1520 Mk. (1929: 1440 Mk ).

Die Waldungen sollen 28854 Mk. ein­bringen (1929 waren 30 445 Mk. vorgesehen). Die Ausgaben sind mit 15 251 Mk. vorgesehen (1929: 13 906 Mk.).

Die Sagt) bringt wie in 1929 1550 Mk. ein.

Schäfereien und Weiden haben eine Mehreinnahme und Minderausgabe zu ver­zeichnen, da die Gemeindeschäferei aufgehoben und die Schäferei anderwärts verpachtet ist. Die Einnahmen in 1930 sollen betragen 2606 Mk. (1929: 1840 Mk.), die Ausgaben 1930 60 Mk. (1929: 1031 Mk.).

Messen und Märkte sollen 300 Mk. ein­bringen.

Wieg- und Eichanstalten: Einnahme 1930: 770 Mk. (1929: 809 Mk.). Ausgabe 470 Mk. wie in 1929.

Wasserversorgung: Einnahme 17 242 Mark (1929: 11 742 Mk.), Mehreinnahme durch Erhöhung des Wassergeldes, bedingt durch Reu­anschlüsse, Ersah alter Rohre usw. Ausgabe 12 342 Mk. (1929: 9590 Mk.).

Bei der Gasversorgung sind die Ein­nahmen mit 3850 Mk. (1929: 4400 Mk.), die Ausgaben mit 5430 Mk. (1929: 5980 Mk.) ver­anschlagt.

Bei der Allgemeinen Verwaltung sollen die Einnahmen 1290 Mk. betragen, 1929 waren es 1425 Mk. Die Ausgaben sind mit 28 674,50 Mk. vorgesehen. 1929 waren 24 371 Mk. angeseht.

Oeffentliche Sicherheit: Einnahme 300 Mk. (1929: 200 Mk ). Ausgabe: 5478 Mk. (1929: 5746 Mk.).

Oesfentliche Gesundheitspflege u. Wohlfahrtseinrichtungen: Einnahme aus zurückerstatteten Kurkostenanteilen 600 Mk. Die Ausgaben sind mit 6463 Mk. vorgesehen, ge­genüber 3954 Mk. in 1929.

Feuer löschwes en : Einnahme (Zuschuß von der Brandversicherungskammer) 200 Mk. Ausgabe: 908 Mk. Dieser Betrag soll zur An­schaffung von Ausrüstungsgegenständen für die Freiwillige Feuerwehr Verwendung finden.

Armenpflege: Einnahme 5200 Mk. fl929: 3850 Mk.). Ausgabe: 15 720 Mk. gegenüber 10 400 Mk. in 1929. Hierbei ist zu berücksichti­gen, daß die Mehrausgaben für ausgesteuerte Erwerbslose (die wohl in diesem Winter in weit größerer Anzahl vorhanden sein werden) Ver­wendung finden sollen. Wenn es der Gemeinde nicht gelingen sollte, diese Ausgesteuerten mit

Rotstandsarbeiten zu beschäftigen, so dürfte die­ser Betrag (vorgesehen sind 8120 Mk.) lange nicht ausreichen.

Schulen: Einnahmen 963 Mk. (1929: 1007 Mark). Ausgaben: 10 098 Mk. (1929: 7740 Mk.). Die Ausgaben sind durch den Anteil der.Ge­meinde zur Lehrerbesoldung und durch Lehr­mittelanschaffungen gegenüber 1929 gesteigert. Der seit Sahren der Volkshochschule überwiesene Be­trag soll dieses Sahr mit Rücksicht auf die schlechte Finanzlage der Gemeinde erspart wer­den, da ja auch die Volkshochschule zur Zeit über genügend flüssige Mittel verfügt.

Evangelische Kirche: Ausgabe 4777 Mark (1929: 4080 Mk.).

Gemeindefriedhöfe: Einnahme 1004 Mark, Ausgabe 2554 Mk.

Straß en : Einnahme 1 Mk., Ausgaben: 20 721 Mk. (1929: 18 104 Mk.).

Kanäle: Einnahmen 13825 Mk. (1929: 825 Mark). Die Mehreinnahmen sollen die Kanal­gebühren und die Zurückerhebung der l.Rate für Hausentwässerungsanschlüsse einbringen. Aus­gaben: 10 689 Mk. gegenüber 5125 Mk. in 1929. Die Mehrausgabe ist für Zinsen für das auf­genommene Kapital zur Erweiterung des Kanal- nehes bestimmt.

Landwirtfchastszwecke: Einnahmen 2472 Mk. (1929: 1722 Mk.). Ausgaben 9874 Mk. (1929: 6687 Mk.). Hierbei sind die Besetzung der zweiten Feldschühenstelle und sonstige Verände­rungen zu berücksichtigen.

Grenzverhältnisse: Einnahmen 5000 Mark (1929: 3304 Mk.). Ausgaben 7457 Mk. (1929: 5783 Mk.).

Denkmäler usw.: Die Ausgaben sollen 520 Mark betragen, 1929 waren es 2020 Mk. Mit Rücksicht auf die Rotlage werden dem Turn- Hallenfonds nur 500 Mk., statt 2000 Mk. in 1929 überwiesen.

Flüsse, Bäche und Gräben: Ausgaben 5400 Mk. gegenüber 3300 Mk. in 1929.

Ruhegehalte, Witwen- und Waisengel- der, soziale Fürsorge: Ausgaben 10780 Mark gegenüber 9633 Mk. 1929.

Die Wohnungsfürsorge zeigt in Ein­nahme 7655 Mk. (1929: 7578 Mk.) und in Aus­gabe 13 101 Mk. gegenüber 15 292 Mk. in 1929.

(Steuern und Abgaben: Ausgaben 11 100 Mk. (1929: 9280 Mk.). Die Hunde­steuer, Vergnügungssteuer, Zuschlag zur Grund- erwerbssteuer und Wertzuwachssteuer sollen 4000 Mark einbringen, gegenüber 3400 Mk. in 1929. Die Einnahmen aus Reichssteuern sind mit 26 120 Mark veranschlagt. 1929 waren es 27 645 Mk. Der Ausfall ist auf Mindereinnahme aus der Umsatzsteuer zurückzuführen.

Sm Reservefonds zur Ergänzung unzu­reichender Kredite find in Ausgabe 2000 Mk. vorgesehen, statt 6000 Mk. in 1929.

Mobiliar- und Erneuerungsfvnds: Einnahme und Ausgabe je 35 Mk. wie in 1929.

Die Einnahmen aus Kapitalzinsen betra­gen 603 Mk. statt 541 Mk. in 1929, die Ausgaben 2315 Mk. (1929: 3300 Mk.).

Zur Schuldentilgung werden 3130 Mk. verausgabt werden, gegenüber 3121 Mk. 1929.

Die Gesamtausgaben betragen 211 367,50 Mark, die Einnahmen 156 886,11 Mk., so daß durch Gemeindesteuern 54481,39 Mk. zu decken sind.

Eine Anregung, für baldige Snstandsehung der in sehr schlechtem Zustand befindlichen Gieße­ner Straße zu sorgen, wurde dem Bürger­meister als Material überwiesen und gebeten, alsbald die nötigen Schritte zu unternehmen.

aber in einem Fleckchen Erde, wo sie den Zauber der Landschaft morden.

Landkreis (Hießen.

:/: Grohen-Bufeck,23. Suli. Der DHC. - ZweigvereinBuseckertal" hielt am Sonntag eine außerordentliche Versammlung im Schwanen" ab, die vom neugewählten ersten Vorsitzenden Lehrer S u n g (Großen-Buseck) ge­leitet wurde: Die Zahl der Mitglieder hat sehr abgenommen: sie beträgt augenblicklich 25. Trotz­dem konnten die vom Wandermeister, Verwal­tungssekretär L. W e h r u m (Gießen), festge­setzten Monatswanderungen ausgeführt werden. Mit Beginn des Sahres ist die Auszeichnungsart für die Teilnahme an den Wanderungen vom Vorstand so festgesetzt, daß jede Wanderung

fortlaufend gezählt wird. So konnten mit der Goldenen Radel" ausgezeichnet werden je fünf Mitglieder für 75, 50 und 25 Wanderungen. Sn humorvoller Weife wurde die Auszeichnung von den VHC.-Drüdern Schmidt (Alten-Duseck) und G. Roth (Gießen) vorgenommen. Der Ver­sammlung schloß sich ein gemütliches Beisammen­sein an,

t Treis a. d. Lda., 23. Suli. Untere Was­serleitung, die während der heißen Tage dem Wasserbedürfnis unserer Einwohnerschaft nicht genügte, gibt, sobald es nur einmal geregnet hat, reichlich Wasser. Man sieht hieraus, daß nicht die Leitung nachgelassen hat, wie man ver­muten könnte, sondern daß ihr in heißen Tagen mehr zugemutet wird, als sie liefern kann.

v. Londorf, 23. Suli. Rachdem jetzt tkiS Gelände für die hiesige Volkshalle ertoor« den ist, haben die Arbeiten für den Dau de« Halle begonnen, so daß zu hoffen ist, daß sie bis zum Herbst ihrer Bestimmung übergeben werden kann.

Kreis Schotten.

§ Vom Vogelsberg, 22. Suli. Eine eigen« artige Raturschönheit ist eben in unseren Bergen wieder zu beobachten: die Blüte der Weideröschen, ileberall erfreut ihr sattes^ tiefes Lila das Auge, wo sie einzeln oder in ganzen Feldern vorkommend anzutreffen find.

Kreis Alsfeld.

I Kirtorf, 22. Suli. Am Sonntag fand bien' ein vom Landesjugendamt veranstaltetes evan­gelisches Sugendtreffen statt. Man versammelte sich zuerst im Gotteshaus. An­nähernd 1000 Besucher lauschten im F e ft * gottesdienst sitzend und stehend, drinnen und draußen, der packenden Predigt des Landes« jugendpfarrers von der Au, Darmstadt. Brausend klangen die herrlichen Choräle und Glaubenslieder, von der Gemeinde, der Sugend oder den Chören gesungen, durch daH mit blühen­den Blumen und grünen Birken geschmückte Got« teshaus. Gebet und Schriftworte waren um« rahmt von Motetten und Liedern des Kirchen«

Eßt mehr Roggenbrot!

gesangvereins Ober-Gleen, des Posaunenchors Kirtorf, des Männergesangvereins und der Mäd- chensinggruppe Maulbach. Unmittelbar nach dem Gottesdienst folgte ein F e st z u g der Kinder« gruppen, der Turner von Romrod und Kirtorf, der Kirchenchöre und Männergesangvereine von Ober-Gleen, Kirtorf, Maulbach, Appenrod und Dannenrod, sowie her Sugendgruppen aus den benachbarten Kirchspielen. Den Abschluß des etwa 1900 Personen umfassenden Zuges bildete die Mädchenvereinigung Kirtorf und die übrige Gemeinde. Sn dankenswerter Weise hatten die Posaunenchöre von Kirtorf und Ober-Ofleiden die Marschmusik übernommen. Am Rachmittag folgten die von Landesjugendpfarrer von der Au und Pfarrer Kalbhenn, Maulbach, ge« leiteten Veranstaltungen auf der prächtig gelegenen Auwiese. Rach einem gemeinsam ge­sungenen Lied entbot her Ortsgeistliche den Fest­teilnehmern ein herzlichesWillkommen" und übermittelte die Grüße des Prälaten Dr. DiehL und des Superintendenten O. W a g n e r , Gie« ßen. Grüße hatten außerdem übermittelt Schul­rat Daffinger, Darmstadt, und Schulrat Rausch für das Kreisschulamt Alsfeld. Dekan Dr. Unverzagt überbrachte die Grüße des Dekanats Alsfeld. Runmehr folgten unterhal­tende Darbietungen der verschiedensten Art: Vor­träge des von Schülern aus Ermenrod gebildeten Mundharmonika-Orchesters, Freiübungen der Turner, die Elpenröder Puppenspiele, gemein­same Kanons von Pfarrer von der Au und seinen Mitarbeiterinnen im Landesjugendamt, Volksliederreigen der Maulbacher Sugend und einige gemeinsame Volkstänze, schöne Chöre des Männergesangvereins Kirtorf und des Kirchen- gesangvereins Ober-Gleen. Auch die beiden Po- saunenchöre waren unermüdlich tätig. Gegen 6 älhr klang das Sugendtreffen in einem herz­lichen Schlußwort und in gemeinsamem Lied aus.

Vom Landwirt zum Heldentenor.

WSR. Worms, 23. Suli. Rach erfolgreichem Probesingen wurde der frühere Landwirt Phi­lipp R a s p aus Monsheim für das erste Fach an das Stadttheater in Heilbronn ver­pflichtet. Der Sänger war Mitbegründer des Sängerquartetts Monsheim, dessen Erfolge haupt­sächlich auf fein Konto zu setzen sind. Auf seine ganz außergewöhnliche stimmliche und musika­lische Begabung wurde zuerst fein späterer Lehrer, Gesangspädagoge am Konservatorium Kaisers­lautern, Feilke, aufmerksam, und in verhält­nismäßig kurzer Zeit wurde Rasp zum Berufs« fänger ausgebildet.

Oie neue Karte von Europa.

Wenn du, wie in schönen Friedensjahren Dich im fernen Sommerurlaub stärkst, wirst du dir viel Schererei ersparen, wenn du dir die neuen Namen merkst!

Bozen heißt Bolzano, Prag heißt Praha, Helsingfors Helsinski, Dirschau Tzew; Warschau steht im Kursbuch als Warszawa, Braunau heißt, entschieden kürzer, Brew.

Karlsbad nennt sich jetzt Karlovy-Vary, Straßburg gab man vor das u ein o. Neudorf heißt harmonisch Spißka-Tary, Thorn heißt Torun, Brünn jedoch heißt !Brno< Wenn dir fremder Sprachen Quellen fließen, sage mir, wie spricht man Bromberg aus: Bydgoszcz heißt es! Dreimal muß man niesen; trägst du ein Gebiß, fällt es heraus.

Aber selbst im Lande der Chinesen ist der Namenswechsel nicht gering. Peking ist erledigt, ist gewesen, für die nächsten Wochen heißt es jetzt Peiping. Manches aber werden wir behalten, mag es kommen, wie's auch immer will: Buxtehude, Elend, Flohbach, Pschalten, Nippes, Kötzschenbroda und Tripstrill!

Puck.

Verantwortlich für das Feuilleton i. 23.: Dr. Fr. W. Lang e.

Ein aus Hamburg

(öerKaffeeftakt) schreibt-

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