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Nr. 46 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Montag, 24. Zebruar 1930
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Oberheffen.
Bürgermeisterwahl in Ulrichstein.
Ulrichstein. 24. Febr. (Eigner Drahtbericht des „(Sieb. Anz.") Bei der gestrigen Bürgermeister wähl wurde der seit Februar 1924 amtierende Bürgermeister Karl Appel II. mit 277 Stimmen auf 9 Jahre als Dür- germeister unserer Stadt wiederae- wählt. Auf die beiden anderen Bürgermeister- kandidaten entfielen an Stimmen: Beigeordneter Karl Geiß 129, Maurermeister Fr. ApPel 69.
Zigeuner-Prügelei in Steinbach.
iS. Steinbach, 24. Febr. Eine regelrechte Zigeunerschlacht wurde in der Aacht zum Samstag inmitten unseres Dorfes ausgefochten. Zahlreiche Männer und Weiber hatten in einer hiesigen Wirtschaft bis 1 U&r gezecht und waren in der Erhitzung hier schon in Wortwechsel ge» | taten, so daß es dem Wirt schwerfiel, sie vor die Türe zu bringen. Auf der Straße ging dann der Spektakel vpn neuem los, wo die ganze Gesellschaft schließlich auf einem Haufen tag und solchen Radau machte, daß das halbe Dorf aus demSchlafe geweckt wurde. Die Ortspolizei war nicht in der Lage, allein Ruhe zu schaffen, da sich die Zigeunergesellschaft äußerst frech gegen die Polizei stellte. Einige tatkräftige Ortsbürger waren aber inzwischen zur Hilfe für die Polizei erschienen, so daß die Gesellen nun schnellstens den Kampfplatz räumten und sich in ihre Wagen am Ausgang des Dorfes zurückzogen, wo es noch eine Zeitlang dauerte, bis sich die Gemüter beruhigten.
Landkreis Gießen.
* Klein-Lin den, 23. Febr. Die Dorstände der hiesigen Kranken st ation und Klein- kinverschale hielten dieser Tage ihre I a h - resabschlußsitzung. Die Rechnung der K r a n k e n st a t i 0 n, von Kaufmann Wilhelm Jung erstattet, zeigte, folgendes günstiges Ergebnis: der Einnahme von 1802,67 Mk. stehen an Ausgabe 1606,18 Mk. gegenüber, so daß für das Jahr 1929 ein rlcberschuß von 196,49 Mk. verbleibt. Trostlos dagegen sieht eS mit der finanziellen Lage der Kleinkinderschule aus. Hier zeigt die Gesamteinnahme den Betrag von 1463,02 Mk., die Ausgabe den Betrag von 1600,47 Mk., so daß im verstossenen Jahr mit einem Defizit von 137,45 Mk. gerechnet werden muß, das sich aber infolge einiger ungedeckter Rechnungen auf rund 300 Mk. erhöht. Einem durchschnittlichen Monatsbedarf von rund 130 Mark stehen in gesicherter Einnahme aus Schulgeld nur rund 50 Mk. pro Monat gegenüber, so daß im Jahr etwa 1000 Mk. Zuschuß nötig sind. An Unterstützungen wurden der Kleinkinder- schule im letzten Jahre gewährt von der Gemeinde Klein-Linden 100 Mk., von der Reichsbahnverwaltung 125 Mk., von dem Frauenverein Klein- Linden, der sich die Pflege der Kleinkinderschule besonders angelegen sein läßt, 105,42 Mk. Eine Sammlung im Dorf ergab den stattlichen Betrag von 181,75 Mk. Da aber diese Unterstützungen nicht genügen, die Unkosten der Kleinkinderschute zu decken, so regte der Vorsitzende, Pfarrer Bremmer, an, den in früheren Jahren bestehenden Kleinkinderschutverein wieder ins Leben zu rufen. Auch sotten verschiedene Korporationen mit der Bitte um Zuschüsse angegangen werden. Die Anschaffung eines Etektrisierapparates für die Krankenstation wurde aus praktischen Gründen abgelehnt. Infolge der finanziellen Schwierigkeiten der Kleinkinderschute muß auch die Beschaffung von Waschgelegenheit in der Klein- tinderschulc zurückgestellt werden, jedoch wurden für die Beschaffung von Spielzeug (Sternbrette
chen) und einigen Haushaltungsgegenständen die Mittet bewilligt.
* Hausen, 22. Febr. Am Mittwoch sand in der Gastwirtschaft „Zur Jahneiche" ein öffentlicher Vortrag über die Volksnationale Reichsvereinigung statt. Der Redner, Etudienrat Dr. Gebhardt (Gießen), legte in seinem Vortrag Zweck und Ziel der V. R. R. D. dar. Die Gründung der Dolksnationalen Reichsvereinigung fand lebhafte Zustimmung.
Kreis Friedberg.
WSR. B a d - R a u h e i m, 23. Febr. Samstagvormittag gegen 9,30 ilfjc ereignete sich in der staatlichen Schlosserwerk statt an der Ludwigstraße gegenüber dem Konetzkystift eine heftige Gasexplosion, die durch Verstopfung des Abzugs an einem Azetylen-Schweiß- apparat entstanden war. Die Fensterscheiben des Raumes wurden herausgedrückt, die eisernen Fensterrahmen verbogen und die Türen stark beschädigt. Durch die umherfliegenden Eisenteile und die Giftschwaden wurden drei in der Werkstatt beschäftigte Schlosser verletzt,
Kreis Büdingen.
0 Ridda, 23. Febr. In der jüngsten G e - meinderatssihung wurden u. a. folgende Beschlüsse gefaßt: Die Bürgermeisterstichwahl wurde auf Sonntag, 2. März, festgesetzt. — Die von der Wasserkommis,ion ausgearbeiteten Grundsätze für die Wasserge 1 d - Veranlagung pro Rj. 1 929 fanden die Zustimmung des Gemeinderat3. Eine Erhöhung des Aufschlags gegenüber dem Rj. 1928 soll unter allen Umständen vermieden werden, selbst auf die Gefahr hin, daß der im Voranschlag eingestellte Betrag von 18 000 Mark nicht erreicht wird. — Das Gesuch der Anwohner derDeunde- und oberen Schillerstraße um älebernahme der K 0 sten für dieWasserleitungshaus» anschlüsse auf die Stadt wurde unter Aushebung des gegenteiligen Gemeinderatsbeschlusses vom 27. Juni 1929 aus prinzipiellen Gründen abgelehnt. In der Degr adung wurde ausgeführt, daß es sich bei den in Frage kommenden Reubauten fast ohne Ausnahme um Grundstücke außerhalb des eigentlichen Stadtberings handele und die Wasserversorgung dieser Gruno- stücke für die Stadt ohnehin mit bedeutenden Mehrkosten verbunden sei. Die Bewilligung des Gesuches würde aber auch eine ünbilligteit denjenigen Grundstückseigentümern gegenüber bedeuten, die früher ihr Grundstück an die Wasserleitung angeschlossen und die Anschlußkosten bezahlt haben. — Zur Bestreitung der Kosten der Erweiterung der Wasserleitung nach der Beunde- und oberen Schillerstraße wurde die Aufnahme eines Kapitals von 15 000 Mark bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse in Büdingen beschlossen. — Heber die Regelung des Ausschlag ' der V 0 1 k s s ch u 1 k 0 st e n auf b i e Schulverbandsgemeinden R.dea, Korden und Bad Sa,z)ausen Legi eine Vereinbarung vom 28. Januar 1930 vor, die vom Gemeinderat genehmigt wurde. — Das Riddaufer am Steinwea soll durch Flechtwerk befestigt werden, da zetzt und in nächster Zeit Mittel zur Errichtung einer Ufermauer nicht zur Verfügung gestellt werden können.
Rheinhessen.
WSR. Mainz, 23. Febr. Der Oberbürgermeister hat dem Stadtrat eine Vorlage über Einführung einer Bier st euer zugehen lassen. Die Steuer soll 7 Prozent des Herstellungspreises betragen. Das Ergebnis soll sich auf 250 000 Mk. belaufen und zur Deckung des I Fehlbetrages im Haushaltsvoranschlag verwendet I werden.
Die bionde Sklavin.
Vornan von Hermann Weick.
14 Fortsetzung. Nachdruck verboten
Die Spuren ungeheurer Erregung im Gesicht, ging er durchs Foyer. Suchend irrten seine Äugen umher. Immer wieder blieb er stehen, wandte sich zurück, schob sich weiter durch das Menschengedränge ...
Run verließ er das Foyer. Honnecker, der ihm unauffällig bis zur Türe gefolgt war, sah, daß der andere aufgeregt durch den Gang lief, in die Logen hineinblickte, dann die Treppe zum Parkett hinuntereilte.
Suche nur! ... dachte Honnecker haßerfüllt.
In seiner Rähe erblickte er den Handelsredak» teur einer großen Berliner Zeitung, den er kannte. Er ging auf ihn zu.
„Guten Abend, Herr Doktor! *
„Habe die Ehre, Herr Honnecker!"
Honnecker legte dem anderen vertraulich die Hand auf die Schulter.
„Wollen Sie mir einen Gefallen erweisen?
Dr. Madlehner f J) den Finar.zgewalt.gen untertänig an.
„Mil Vergnügen!" . ,
„Ich habe da vorhin einen Herrn gesehen, der mich interessiert. Vielleicht können Sie mit sagen, wer er ist!"
Dr. Madlehner, der int Rus stand, jeden zweiten Berliner zu kennen, sagte:
„Wo ist der Mann?"
In diesem Augenblick erschiett Felix Schulhofs wieder im Foyer.
„Dort steht er, bei der Türe."
„Der Dunkelhaarige mit dem feinen Kopf?"
„Ja."
Honnecker hatte sich herumgedreht, so daß er Schulhofs nun den Rücken zukehrte.
„Es ist der junge Architekt Schuchoff." sagte Dr. Madlehner. „HcbrigenS ein sehr begabter Kerl! Er baut augenblick.ich eine große Sache draußen bei der Heerstraße; Sie haben gewiß schon davon gehört!"
Heber Honneckers Gesicht huschte ein Lächeln des Triumphes.
„So so ... der junge Herr Schulhofs ..."
XV.
Aus den Kissen hob sich Max Schulhoffs ab- gemagertes Honpt.
„Ist mein Sohn immer noch nicht gekommen? fragte er und sah die Haushällerin, die das Zimmer in Ordnung brachte, angstvoll an.
Die Fenster standen weit offen. Der Duft des jungen Sommermorgens wehte ins Zimmer hinein.
„Bis jetzt nicht."
„Haben Sie im Bureau angerufen?“
„Schon zweimall Herr Schulhofs ist nicht dort." Erregt fuhr der Kranke mit den Händen auf der Bettdecke hin und her. Ratlos stammelte er:
„Heute nacht hat er nicht hier geschlafen ... im Bureau ist er auch nicht ...“ Dann in jähem Schreck: „Es wird ihm doch nichts geschehen sein!" ...
Frau Ehlers lachte.
„Aber Herr Schulhofs! Warum gleich solche Angst! Als ob ein junger Herr wie Herr Felix nicht auch einmal die Rächt auswärts zubringen konnte!"
Der Kranke schien nicht überzeugt zu sein; er sagte aber nichts mehr darauf.
Gegen zehn Ahr tauchte Felix Schulhofss blasses, übernächtigtes Gesicht im Türrahmen auf. Er warf einen Blick auf seinen Vater, der zu schlafen schien, und wollte wieder gehen.
Da rief ihn der Kranke.
„Guten Morgen, Vater!" sagte Felix Schulhofs und trat näher.
Er erkundigte sich nach dem Befinden des Kranken, er begann, von diesem und jenem zu reden; alles geschah mit einer nervösen Hast, einer fiebrigen An ruhe.
Run versank er in Schweigen. Es war, als habe er die Gegenwart des Vaters ganz vergessen. Sein Gesicht war verfallen; in grenzen- ü)fer Verstörung blickten die Augen.
So sah er lange. Er bemerkte nicht, daß die Blicke des Kranken in wachsender Sorge an seinem Antlitz hingen.
Plötzlich fuhr er wie erwachend in die Hohe.
„Ich will jetzt ins Bureau fahren," sprach er mit rauher Stimme.
Die abgezehrte Hand des Kranken hielt ihn fest.
„Was ist dir. Felix?"
Eine Glutwelle floh über Schulhoffs Gesicht hin.
„Was sollte mir sein?
„Fehlt dir etwas?“
Schulhofs machte eine Bewegung der Ungeduld. ,
„Keine Spur! ... Wie kommst du daraus?" Der Kranke suchte nach Worten.
„Du siehst schlecht aus. Felix .... du bist ganz entstellt heute ... Ist etwas Anangenehmes geschehen?..." _
Felix Schulhofs wich den Blicken semes Vaters aus. die ihm bis auf den Grund seiner Seele zu schauen schienen.
Er lachte verlegen auf.
„Ich habe heute nacht nicht geschlafen .... ich war in Gesellschaft ....es ist länger gegangen, als ich gedacht hatte ..., nun habe ich einen schweren Kopf. Da mag ich schon nicht zum Besten aussehen."
Zwei nächtliche Raubversuche auf Autofahrer.
Darmstadt, 22. Febr. lWTD) 3n der vergangenen Rächt gegen 23 Ahr wurden mit einem Zeitunterschied von 1 4 Stunde zwei Personenkraftwagen zwischen Darmstadt und Büttelborn an der E.senbuhnstrecke Griesheim— Darmstadt von zwei bis drei Personen durch Zeichen zum Halten aufgefordert. 2lls die Fahrer ihre Fahrzeuge bremsten. gaben die unbekannt geb.iebenen Täter Schüsse auf öie Automobilisten ab. In beiden Fällen gaben daraufhin die Autofahrer Vollgas und gelangten unversehrt nach Darmstadt. Rach den Feststellungen der Kriminalpolizei stimmen die Angaben der Insassen der Autos in allen Teilen. Es wurden an Ort und Stelle eine Anzahl Hüllen von abgefeuerten Patronen gefunden, ebenso mehrere Kugeln, die vom Aufschlagen auf den Metall- teilen der Autos plattgedrückt worden waren. Es handelt sich um 6-Millimeter-Geschosse. die aus einem Langgewehr, aber auch aus einem großen Revolver abgefeuert fein können. Die Nachforschungen der Polizei sind noch nicht abgeschlossen.
Wie die Arbeitslosenversicherung betrogen wird.
Jaff alle Erwerbslosen einer Gemeinde unberechtigte Unterstühungsbezieher.
WSN. Limburg. 22. Febr. Das Arbeits» amt Limburg ist einem wohl einzig dastehenden Betrug an der Arbeitslosenversicherung auf die Spur gekommen. Fast alle Erwerbslosen der Westerwaldgemeinde Brandscheidt, 19 an der Zahl, mit dein Bürgermeister und seinem Sohn an der Spitze, erhielten eine Woche lang die Unterstützung neben ihrem Lohn für gegiftete Arbeit. Der Bürgermeister wurde vom Arbeitsamt in eine Ordnungsstrafe in Höhe des 25fachen Tagessatzes, gleich 112,50 Mk., genommen. Er wird außerdem der Staatsanwaltschaft angezeigt, da er als Beamter aus gewinnsüchtiger Gesinnung sich selbst zu Unrecht Unter st ützung auszahlte. Auch ein Gast- und Landwirt, der im Steinbruch als Kipper arbeitete und auch noch Unterstützung erhielt, muß den 15fa- chen Tagesunterstützungssatz, gleich 63,75 Mark, als Ordnungsstrafe zahlen. Aehnliche Strafen wurden in den 17 anderen Fällen verhängt.
Turnen, Sport und Spiel.
Westdeutsche
Kußball-Endkämpfe.
Tie ersten Lpiclc.
Mit zwei Spielen nahmen am gestrigen Sonntag in der Runde der Ersten die Endspiele um die W e st d e u t s ch e F u ß b a 11 - Meisterschaft ihren Anfang. Beide Spiele nahmen den erwarteten Ausgang. In Dortmund schlug S ch a 1 k e 0 4 den Westfalenmeister VfB. Biele- f eld 2:1 (2:1). Die Leistungen des Ruhrbezirksmeisters waren allerdings nicht imponierend. Von den für das Spiel gegen Italien in Aussicht genommenen Stürmern Cuz 0 rra und Czep a n versagte Czepan vollkommen, und auch die Leistung Cuzorras hatte keineswegs das Gepräge eines Internationalen. — In Hagen unterlag der Südwestfalenmeister Hü st en 09 dem Meister vom Riederrhein, Hornberger Sp.V. 2:4 (1:1).
Kußball in Hessen-Hannover.
Bei den gestrigen Fußballspielen im Bezirk Hessen- Hannover wurden folgende Ergebnisse erzielt: Borussia Fulda gegen Sp.Vg. Kassel 2:4 S.C. 03 Kassel gegen Gura-Bochum 2:3.
B. f. B.-F. S. Ockershausen.
Das gestrige Fußballtreffen des V. f. B. Gießen und des F.V. Ockershausen auf dem hiesigen Waldsportplatz endete mit 1:0 für Ockers- hausen. Das Spiel stand bereits bei Halbzeit 1:0 zugunsten von Ockershausen.
Süddeutsche Fußballmeisterschaft
Am letzten Spieltag kam es namentlich in der Runde der Meister
zu einer wesentlichen Klärung. Van den drei aussichtsreichsten Bewerbern um die beiden ersten Plätze hollen sich Eintracht Frankfurt und Sp.Vgg. Fürth sichere Siege. Eintracht, mit einem 3:1 gegen den V- f. B. aus Stuttgart zu-
rückkehrend, sollte mit diesem Erfolge wenigstens einen der beiden Plätze sicher haben, da sie von den sechs noch auszutragenden Treffen vier auf dem heimischen Platze absolvieren kann. Die Sp. Bgg. Fürth schlug auf eigenem Platze den Letzten der Liste, den F. C. Freiburg, mit 6:1 Toren in der erwarteten Höhe. Die Münchener Bayern dagegen wurden vom S. V. W a 1 d h 0 f Mannheim nicht im Stadion, sondern auf dem sehr sandigen Waldhofplatze empfangen und dort mit 1:3 Toren um einen erheblichen Teil ihrer seitherigen Hoffnungen gebracht. F.C. Pirmasens bcstä- t.gte wieder die seither immer erwiesene Unsch.ag- barteit auf eigenem Platze. Diesmal war W 0 r • matia Worms mit 0:4 das Opfer.
Runde der Zweiten und Dritten.
Hier halle die Gruppe Nordwest nur insofern eine Veränderung der Reihenfolge aufzuweifen, als in dem Frankfurter Ortstreffen zwischen F. Sp. V. und R 0 t w e i ß die Letzteren 0:2 geschlagen wurden und hierdurch auf den letzten Platz zurückfielen. Eine größere Ueberraschung verkörperte jedoch der 4:1-Sieg des F.V. Saarbrücken gegen den V. f. L. Neckarau. Allerdings hatte der seitherige Tabellenletzte den Vorteil des eigenen Platzes. Weitere Spiele fanden in dieser Gruppe nicht statt.
In der Gruppe S ü d 0 st befestigte der 1. F. C. Nürnberg seine Favoritenstellung durch ein glattes 3:0, mit dem er Union Böckingen in Bückingen zurückließ. Sein Heimatgenosse und seitheriger Rivale, der A. S. V. Nürnberg, erlitt auf eigenem Platze durch den V. f. R. Heilbronn einen schweren Schlag. Mit 1:4 Toren geschlagen, glitten die Nürnberger auf den 4. Platz herab. Der S V. 1860 München ist zwar vorläufig erst auf dem 3. Platz, nach Verlustpunkten gerechnet aber trotzdem der schärfste Nebenbuhler für den „Club". Die Münchener behielten durch ihr 3:2 gegen Phönix Karlsruhe den Anschluß nach oben. Sehr überraschend wirkt der hohe 5:0-Sieg des K. F. V. Karlsruhe über Jahn Regensburg. Von dem Besiegten hatte man weit mehr erwartet.
Der Kranke schüttelte den Kopf.
„Du weichst mir aus, Felix! ... So kann eine durchwachte oder durchzechte Rächt einen Menschen nicht verändern ..wie du verändert
©in Gedanke tauchte in ihm auf. Er beugte sich etwas vor.
„Hat es etwas mit Lu gegeben? ... fragte er hastig. „Sie war schon lange nicht mehr hier .... du sprichst auch nicht mehr von ihr ..."
Mit leeren Augen sah Felix Schulhofs vor sich nieder.
Lu! ... Er mußte sich erst besinnen, was dieser Rame bedeutete. Ach so, es gab einmal eine Zeit, da war er mit Lu verlobt ..., dann halte er mit ihr gebrochen und war einem Phantom nachgejagt ..., das ihn, den dummen Tölpel, genarrt hatte
Sollte er das dem Vater jetzt erzäh.en? ... Er würde chn nicht verstehen und sich nur noch mehr erregen!
„Mit Lu ist alles in Ordnung . .. Ich bin aber überarbeitet, die letzten Wochen waren anstren- gend, deshalb sehe ich wahrscheinlich angegriffen aus ..."
Das Sorgenvolle in den Zügen des Kranken milderte sich etwas.
„Wenn es nur das ist, Felix ..." Er überlegte. „Du solltest einige Wochen ausspannen .. ., dich irgendwo erholen ... Der Dau ist ja jetzt überall gut im Gange ..., unsere Leute müssen sich eben ohne dich behellen . .. und wenn du unbedingt gebraucht wirst, bist du ja schnell zurück ..."
Mit flehender Gebärde streckte er dem Sohne die zitternde Hand hin.
„Das mußt du tun, Felix ..., versprich es mir ..., du darfst nicht krank werden ..."
„Ich will es mir überlegen, Vater," antwortete - Felix Schulhofs mit abwesendem Gesicht und ging in fein 3immer hinüber.
Er schloß die Tür hinter sich ab und warf sich in einen Sessel.
Rur jetzt niemand mehr sehen! Mit keinem Menschen mehr sprechen müssen! Der Vater hatte ihn mit seinen gutgemeinten Fragen fast verrückt gemacht!
Es war doch so gleichgültig, ob er hier blieb oder irgendwohin verreiste .... und ob der Bau weiter gedieh oder nicht, war auch so egal! ...
Verzweifeltes Stöhnen brach plötzlich aus ihm. Er schlug die Hände vor die Augen.
Er wollte das Dlld nicht sehen, das wieder vor ifjm gaukelte. Aber als wolle es sein Wesen noch vollends vergiften, wich es nicht.
Das war das Ende seines Traumes vom Glück! Seine Liebe war in den Schmutz gezerrt worden! Ein falsches Spiel hatte Eva mit ihm getrieben; während sie ihn glauben machte, daß sie ihn liebe, hielt sie es mit einem anderen!
Riemais in seinem Leben vergaß er den Augenblick, als sie in Begleitung eines Mannes vor ihm auftauchte! Rie vergaß er ihr Erschrecken, und wie sie dann an ihm vorbeigegangen war, als kenne sie iljn nicht!
ileberall im Theater hatte er sie nachher gesucht. Aber sie war verschwunden. Mehr als alles andere bewies diese überstürzte Flucht ihr schlechtes Gewißen.
Er sprang auf.
Kam er denn von diesen Erinnerungen nicht mehr los? ... Er hatte doch in dieser langen, schweren Rächt, als er sich ziellos draußen um bergetrieben hatte, mit der Sache abgeschlossen? Einen dicken Strich unter dieses häßlichste Kapitel seines Lebens gemacht!
War Eva es wert, daß er noch einen Gedanken an sie verschwendete? ...
Er steigerte sich in Haß gegen Eva Witte hinein. Er klammerte sich an dieses Haßgefühl, weil er so den wilden Schmerz, der in ihm raste, zum Verstummen zu bringen hoffte.
Da pochte es an die Tür.
Schulhofs fuhr herum.
Wer klopfte? ... Er wollte doch niemand sehen!
Er gab keine Antwort.
Das Klopfen verstärkte sich. Frau Ehlers rief von draußen:
„Herr Schulhofs! ... Herr Schulhofs!"
Er stampfte zornig mit dem Fuß auf den Boden.
„Was ist los?"
„Eine Dame wünscht Sie zu sprechen."
lieber Felix Schulhofs kam es wie eine Erstarrung. Sekundenlang stand er regungslos da. Dann aber jagte ein Feuerstrom über ihn hin.
Er riß die Tür auf.
„Wo ist sie?"
„Ich habe sie ins Besuchszimmer geführt."
Schulhosf hastete durch den Gang. Sein Herz schlug rasend. Er wußte nichts mehr von sich, nur eine Hoffnung schrie verzweifelt in ihm...
Bei seinem Eintritt erhob sich Eva Witte vom Stuhl.
„Eva!"
Mit verzehrenden Blicken sah sie ihn an. Dann wankte sie auf ihn zu.
„Du kommst zu mir!" stammelte er und wußte sich ihr Erscheinen nicht zu deuten.
Sie warf sich an seine Brust. Sie preßte sich an ihn. als suche sie bei ihm Rettung vor einer Gefahr.
Hemmungsloses Weinen brach über ihre Lippen und schüttelte ihren Körper.
Zart strich ihr Felix Schulhofs über die blonden Haare.
„Du mußt nicht weinen, Eva, ich bin ja bei dir!" versuchte er, sie zu trösten.
(Fortsetzung folgt.)


