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Nr. 46 Erstes Blatt

180. Jahrgang

Montag, 24. Februar 1950

Erlchrini täglich.ouher Sonntags und feiertags.

Beilagen:

Die Illustrierte Wehener Familienblätter Heimat 'M Bild Die Scholle monot$:Bepig$ptets:

2.20 Reichsmark und 30 9icid)spfenniy für Träger­lohn, auch bei Widjter- scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt.

Hernforechanschlüste anterSammelnummer2251. 2n|djrift für Drahtnach- achten rinzetger Sietzen.

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.^ronffuham Main 11686.

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General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühl'sche Universitälr-Vuch- und 5leindruckerei R. Lange in Gießen. Zchriftleitung und Geschäfl5stelle: Zchulltraße 7.

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Chefredakteur

Dr Friedr Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Lange, für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für Den Anzeigenteil Mar Filter, fämtlich in Bietzen

Der österreichische Bundeskanzler Gast der Reichsregierung.

Empfang beim Reichspräsidenten

Die erste politische Aussprache

Berlin, 23. Febr. (WB.) Der Herr Reichs­präsident empfing mittags den österreichischen Bu n d e s ka n z I e r Schober zu längerer per­sönlicher Unterhaltung. An den Empfang schloß sich ein Frühstück, an dem die den Herrn Bundeskanzler begleitenden Herren sowie u. a. der hiesige öfter- reichische Gesandte Dr. Frank, Reichskanzler Müller, Reichstagspräsident Lobe, die Reichs- ininifter Dr. (Eurtius, oon Gu 6 rard und G r 0 en e r und der deutsche Gesandte in Wien, Graf Lerchenfeld, teilnahmen. In der Reichs­kanzlei fand am Samstagnachmittag zwischen dem Bundeskanzler Dr Schober, Reichskanzler Mül­ler und dem Reichsminister des Auswärtigen Dr. Eurtius unter Hinzuziehung der beiderseitigen ersten Mitarbeiter und der beiderseitigen Gesandten eine erste eingehende politische Aussprache statt. Diese Aussprache, die entsprechend den be- stehenden engen politischen Beziehungen im Geiste vollsten gegenseitigen Vertrauens geführt wurde, wird am Montag fortgesetzt werden.

Am Sonntagvormittag wohnte Bundeskanzler Dr. Schober mit den Herren seiner Begleitung, den Mitgliedern der österreichischen Gesandtschaft und einigen Herren des Auswärtigen Amtes dem Got­tesdienst in der St. Hedwigs-Basilika bei. Darauf begab sich der Bundeskanzler im Auto nach Potsdam, wo er unter Führung des Staatssekretär Dr. Lammers vom preußischen. Kul- tusminifterium das Neue Palais und Schloß Sanssouci besichtigte. Gegen 1 Uhr folgte der Bun­deskanzler einer Einladung des Reichs- außenminifters und Frau Dr. Eurtius zu einem Frühstück Zu Ehren des österreichischen Be­suchs fand abends in der Staatsoper Unter den Lin­den eine Fe st Vorstellung statt, wozu zahlreiche Ehrengäste geladen waren. Neben dem österreichi­schen Gesandten Dr. Frank und den Mitgliedern der österreichischen Gesandtschaft waren der Reichs- f a n 3 1 e r und die Mitglieder des Reichskabinetts, ber preußische Ministerpräsident und die preußischen Gtaatsminifter, ferner die Mitglieder des Reichs- lates, die Staatssekretäre des Reiches und Preu- hens sowie zahlreiche Vertreter der Reichs-, Staats- 11 nd städtischen Behörden neben einer großen Anzahl von Mitgliedern der Berliner Gesellschaft erschienen. Sur Aufführung gelangte Richard Wagners R heing 0 l d". Die musikalische Leitung lag in den Händen oon Professor Leo Blech.

Ein Staatsdiner beim Reichskanzler.

herzliche Trinkiprüchc beider tteqierungSchcsS.

Berlin, 22. Febr (WTB.) Der Reichs» f a n 3 I e r und Frau Müller gaben heute abend zu Ehren des Bundeskanzlers Dr Schober und seiner Begleitung ein Essen, an dem neben dem Reichsminister und den Mitgliedern der österrei­chischen Gesandtschaft Vertreter des Reichstages und des Reich rates. namhafte Persönlichkeiten der Reichs- und Staatsbehörden sowie der Kir­chen, Angehörige der österreichischen Vereine und führende Vertreter aus Kunst und Wissenschaft bet Industrie, der Banken, des Handels und bst Presse teilnahmen.

Während des Essens führte

der Reichskanzler

in einer längeren Ansprache u. a. fol­gendes aus. .Ihr Besuch, Herr Bundeskanzler, fällt in Tage ernster Entscheidungen des Reiches. In solchen Tagen wird der Besuch eines lieben Freundes beson­ders dankbar empfunden. Sie haben persönlich an den letzten internationalen Verhandlungen im Haag t eilgenommen und wissen, von welcher außerordentlichen Tragweite die dort getroffenen Vereinbarungen für das Reich sind. Wir sehen, bah unser Volk noch einen schweren Weg vor sich hat. Wir sind aber überzeugt, daß dieser Weg uns schließlich doch nach oben führen wird, und wir vertrauen darauf, in unseren österreichischen Brüdern stets treue Weggenossen zu finden.

Wir freuen uns mit Ihnen, daß Sie irn H a a g für Oesterreich eine befriedigende Regelung wich­tiger Fragen haben erholen können. Alle Fort» schr.tle Ihres Landes in seiner inneren und äuße­ren Entwicklung begle.teu wir mit ernster Sym­pathie Die Scyicksalsverbundenheit unserer Län­der auf dem Wege in die Zukunft läßt uns Oesterreichs Glück und Gedeihen als einen Teil unseres eigenen Schicksals empfinden. Das ver­bürgt Ihnen, Herr Bundeskanzler, die Auf- srichtigkeit, mit der ich mein Glas erhebe auf das Wohl des Herrn Bundespräsidenten, auf das Wohl Eure Exzellenz und auf eine glück- J ehe Zukunft Oesterreichs."

Bundeskanzler Or. Schober

antwortete u. a. mit folgendem Trinkspruch:Auf­richtig danke ich Ihnen, Herr Reichskanzler, für hie herzliche Begrüßung und den freundschaft­lichen Empfang, den mir die deutsche Regierung und die deutsche Oeffentlichkeit ^ereitet haben. Ich erblicke hierin einen neuerlichen Beweis der innigen Beziehungen, die das Deutsche Reich und Oesterreich verbinden. Die Aufgabe, Volk und Staat nach dem furchtbaren Zusammenbruch wie-

Vunüeslunzler Schober in Berlin: Bon links nach rechts. Polizeipräsident Zörgiebel, Bundeskanzler Schober, der österreichische Gesandte Dr. Frank, Außenminister Dr. Eurtius.

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derauszurichten, lastet schwer auf Deutschland und Oesterreich. Wenn auch in diesem Existenzkampf jeder der beiden Staaten auf sich allein ge­stellt war, so hat doch dieses gemeinsame harte Schicksal das in unserer Stammesgleichheit wurzelnde Zusammengehörigkeitsge­fühl nur noch inniger und fester gestaltet. Das Deutsche Reich kann daher auch bet den schwer­wiegenden Entschlüssen, die es in diesen Tagen zu fassen haben wird, der brüderlichen Anteil­nahme Oesterreichs sicher fein. Ich gedenke in Wehmut des hervorragenden deutschen

Staatsmannes, der leider nicht mehr in unsererMitte weilt, und vor dessen Manen ich mich huldigend neige. Mit lebhaftem Danke habe ich von dem wahrhaft mitfühlenden Inter­esse Kenntnis genommen, das Sie, Herr Reichs­kanzler, für die Aufwärtsbewegung Oesterreichs zum Ausdruck gebracht haben, und mit gleicher Zuversicht spreche ich die lleber^ugung aus, daß es beiden Regierungen gelingen werde, das deut­sche Volk einer besseren und glücklicheren Zukunft entgegenzuführen. Die hervorragende Gestalt des auch in Oesterreich hochverehrten Herrn Reichs»

Die Beisetzung des Gesandten Dr. Köster

Hamburg. 22. Febr. (WTB.) In der mit Blumen und Kränzen überreich geschmückten neuen Kapelle des Blankeneser-Düildörser Friedhofes hatte sich am Samstagnachmittag eine große Schar derer eingefunden, die gekommen waren, um den in Belgrad verstorbenen deutschen Gesandten Dr. Köster das letzte Geleit zu geben. Reben Reichsminister Severing sah man Staatssekretär Dr. von Schubert, der das Auswärtige Amt vertrat, sowie mehrere Ab­teilungsleiter dieser Behörde. Ferner der Rach­folger Dr. Kösters in Riga. Gesandter Dr. S t i e v e . und die hamburgischen Bürgermeister Roh und Dr. Petersen. Durch ein Spalier von berittener Schutzpolizei hatte der Trauer­zug seinen Weg in die Kapelle genommen, be­gleitet von den -Klängen des Trauermarsches, den die Kapelle der Schutzpolizei intonierte. Rach Worten des Abschieds, die der Geistliche dem Dahingeschiedenen widmete, überbrachte Reichs­innenminister Severing im Ramen der Reichs- regierung dem verstorbenen Mitarbeiter die letz- ten Grüße. Der Minister erinnerte an die Tätig­keit Dr. Kösters als Abstimmungskom- missar inSchleswig-Holstein. Wenn es am 14. März 1920 gelang die Bewohner der

nordischen Zone treu beim Reich und Preußen zu erhalten, so sei das nicht zuletzt das Werk Adolf Kösters gewesen. Auch was Adolf Köster als Reichs mini st er des Innern ge­tan habe, um die republikanische Staatsform zu. vertiefen, werde ihn fort leben lassen als auf­richtigen tapferen Mann, der damals gegen un­geheuere Widerstände sich zu behaupten wußte. Sein dipldmatisches Wirken sei nicht minder er­folgreich gewesen.

Der Sarg wurde dann von der Kapelle zur Begräbnisstätte gebracht. Bürgermeister Rotz, Hamburg, widmete hier dem Toten letzte Gedenk- Worte, die ausklangen in die Verpflichtung, als Vermächtnis seines Lebens den Willen zum un­ermüdlichen Dorwärtsschreiten zu übernehmen. Unter den Klängen des Deutschlandliedes sank der Sarg ins Grab. Weitere Rachrufe wurden dem Verstorbenen u. a. gewidmet von dem jugo­slawischen Generalkonsul in Hamburg und einem Vertreter der lettischen Re­gierung. Staatssekretär Dr. von Schubert legte einen Ärana des Reichspräsidenten, die Reichskanzlei einen Kranz der Reichsregierung am Sarg nieder.

Reichskanzler Müller mit der Witwe des verstorbenen Gesandten Dr. Köster auf dem Anhalter Bahnhof.

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Präsidenten von Hindenburg soll unS hierbei als Vorbild voranleuchten. Ich erhebe mein Glas auf das Wohl des Herrn Reichspräsidenten, auf das Wohl Eurer Exzellenz und auf das Blühen und Gedeihen des Deutschen Reiches."

Schobers erste Eindrücke.

Günstiger Verlauf vcr politischen Besprechungen.

Berlin, 24. Febr. (ERB.) Der österreichische Bundeskanzler Dr. Schober ist mit seinem Ber­liner Besuch autzerordentlich zufrieden. Das ist. auf eine kurze Formel gebracht, der Inhalt all der Aeutzerungcn, die der Staatsmann aus Wien gegenüber Pressevertretern getan hat. Bei den offiziellen Veranstaltungen, dem Frühstück beim Reichspräsidenten, dem Staatsdiner beim Reichs­kanzler und dem Frühstück beim Außenminister hatte er, wie er betont, Gelegenheit, in sehr freundschaftlicher Weise mit den re chs- deutschen Staatsmännern und ihren engsten Mit­arbeitern. mit Vertretern der reichsdeutschen Wirtschaft und der reichsdeutschen Kunst und Wissenschaft Fühlung zu nchmen. Die a.lgemeinen politischen Verhandlungen, die am Samstagnachmittag geführt werden, und die am Montagmittag noch einmal kurz fortgesetzt wer­den sollen, sind nach Ansicht des österreichi­schen Bundeskanzlers in der Tatentsprechend den bestehenden engen politischen Beziehungen im Geiste vollständigen gegenseiti­gen Vertrauens" geführt worden.Da­neben", so erklärte der österreichische Bundes­kanzler weiter,laufen die Besprechungen übet den deutsch-österreichischen Handelsvertrag. Es kann sich bei den jetzigen Verhandlungen na­türlich nur um eine Festlegung der allgemeinen Richtlinien handeln. Es müssen später noch Einzelbesprechungen folgen. Ich hoffe bestimmt, daß in dieser Frage'meine Berliner Reise einen Erfolg hat." Die Stadt Berlin hat auf den deutschen Gast von der Donau den besten Eindruck gemacht. Bei seiner Fahrt nach Pots­dam konnte er die große Ausdehnung der west­lichen Vororte Berlins bewundern, was ihn zu dem Ausspruch veranlaßte:Wenn ich Berlin nicht schon von früher sehr gut kennen würde, ich wüßte gewiß heute nicht mehr, wo die Linden liegen, so sehr hat sich das Gesicht der deutschen Hauptstadt verändert."

Schober über die Ziele seiner Außenpolitik.

Die Gründe nirLcstcrreichsLrfola imHaag

Dresden. 22. Febr. (WTB.) Bundeskanzler Dr. Schober gewährte dem Berliner Vertreter der Dresdener Neuesten Nachrichten" ein Interview, in dem er u. a. folgendes ausführte Obgleich ich bereits im Haag Gelegenheit hatte, mit Reichsaußen­minister Dr. Eurtius persönlich in Fühlung zu treten, betrachte ich die Reise nach Berlin als etwas Selbstverständliches, nicht nur im Sinne des Fest­haltens an einer Tradition, die meine Vorgänger bierhergeführt hat und reichsdeutsche Staatsmänner Wien aufsuchen ließ, sondern auch im Sinne einer neuerlichen Bekundung der herz­lichen Freundschaft, die uns verbindet und die durch nichts beeinträchtigt werden kann, auch nicht durch Mißdeutungen, die die öster­reichische Politik hie und da erfährt. Als der Gen­fer Sanierungspakt abgeschlossen worden war, hatte sich die Befürchtung gereat, daß die E i n- engung unserer finanziellen Souve­ränität auf unsere freundschaftlichen Beziehungen zum Deutschen. Reich störend einwirken könnten. Diese Besorgnis erwies sich als gänzlich u n begründet, und jetzt, wo wir unsere finanzielle Souveränität wiedererlangt und unsere in­nerpolitischen Verhältnisse gefestigt haben, um mit allem Nachdruck an den Wiederaufbau unserer Wirt­schaft jju gehen, besorgt ich möchte sagen be­rufsmäßiger Pessimismus wieder ähnliches.

wenn wir im Haag vollstes Verständnis für unsere Lage fanden, so lag das nicht zuletzt daran, daß man unsere erfolgreichen Bemühungen um Revision der Bundesverfassung richtig einschähte und dadurch das vertrauen zu uns als einen politischen Faktor im Prozeß des Wiederaufbaues (Europas gestärkt wurde.

Die Haager Vereinbarungen über die Oft» reparationen haben die Atmosphäre in dem poli­tisch so wichtigen Raum des Donaubeckens von Konfliktstoffen gereinigt. Werktätig daran mitzuarbeiten, daß wieder normale, den Lebens­bedürfnissen der Völker entsprechende Verhältnisse geschaffen werden, das ist das Ziel unserer Poli­tik. Deshalb haben wir auch die Verständi­gung mit Italien gesucht, und wir betrach­ten es als einen Gewinn, daß es gelungen ist, unsere Beziehungen zu Italien zu klären und das gewonnene Verhältnis durch Schiedsgerichts- und Freundschaftsvertrag zu stabilisieren. Weiter- gehende Schlußfolgerungen aus meinem italie­nischen Besuch zu ziehen, hat niemand ein Recht, und ich habe Wert darauf gelegt, dies gleich nach meiner Rückkehr aus Rom festzustellen. Wir führen eine vollkommen klare Außenpolitik, deren Grundlagen überall bekannt sind und gewünscht werden: ein besonders herzliches Ver­hältnis zum Deutschen Reich als dem