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man sich hier kaum eine rechte Vorstellung zu machen vermag. Jeder Beruf bildet seine eigene Kaste und Heirat von einer solchen Kaste in eine andere ist so gut wie unmöglich. Wird es Gandhi gelingen, die starren Grenzen dieses Kastenwesens wirklich so zu überwinden, daß eine neue kraftvolle Volksgemeinschaft wird? Das ist die Frage, von der viel, vielleicht alles abhängt.

Noch schwerwiegender wird diese Frage im Blick auf die Kostenlosen, die Parias, deren Los cs ist. von allen verachtet und mißbraucht, ein Leben bitterster Bot zu fristen. Mm die Wich­tigkeit des Paria-Problemes sich klar zu machen, muß man zwei Dinge beachten: einmal die große Zahl der Parias, denn es bedeutet doch schon eine recht beachtliche Zahl, daß unter den 320 Millionen Einwohnern Indiens 50 Millionen Parias sind! Zum andern gewinnt die Zahl da­durch an verhängnisvoller Bedeutung, daß diese 50 Millionen Menschen seit Jahrhunderten in unausdenkbarer menschenunwürdiger Knechtschaft leben. Wieviel Haß häuft sich hier auf. wieviel ExplosionSstoff hat sich hier gesammelt! Die Pa­rias leben in einem unbeschreiblichen Elend. Man kann von Europa aus Glend und Bot in einem solchenChery" im Tamulenland kaum ermessen. Hier wohnt man in halbzerfallenen Lehmhütten, dort besteht eine Wohnung nur aus einigen Palmblättern, die über Bambusstangen gedeckt sind. Dicht drängt sich Hütte neben Hütte. Mitten zwischen den Reisfeldern hat man dem ganzen Pariadorf einen winzig kleinen Raum gewährt, die armseligen Wohnlöcher müssen zwei bis drei Familien aufnehmen. Der Verdienst der Parias ist unglaublich niedrig, der Paria muß für zirka 40 Pf. pro Tag seine schwere Arbeit verrichten. Auch ist dem Paria keine Möglichkeit gegeben, sich emporzuarbeiten. Denn das altindische Gesetz des Manu verbot es aufs strengste, unter ihnen Schulen zu errichten oder auch nur einem von ihnen die Kunst des Lesens und Schreibens beizubringen.

Erst die christlichen Missionen haben hier be­gonnen. Wandel zu schaffen, und sie wurden durch die Engländer hierbei unterstützt. Man beachte also: Die Besserung der Verhältnisse kam den Parias nicht vom eigenen Volk, son­dern von den Europäern. Wie sollten sie sich zum Kampf gegen diese Europäer be­geistern können? Hnd noch steckt die Besserung stark in den Anfängen. Es ist klar, daß die Grundherren den größten Wert darauf legen, daß die Parias in ihrer Unbildung verharren, damit sie weiter in ihrent Sklavenverhältnis bleiben. Denn, wenn auch nicht dem Ramen nach, so ist doch in Wirklichkeit in Indien noch Sklaverei. In Zeiten der Arbeitslosigkeit sind die Parias gezwungen. Anleihen bei ihren Herren zu machen. Besitz können sie keinen verpfänden, so geben sie ihre Arbeitskraft zum Pfand, sie führen darum ein Leben steter willenloser Ab­hängigkeit. Die größte Rot der Parias jedoch ist ihre Hnberührbarkeit, denn die bedeutet nichts anderes, als daß man sie gar nicht als Men­schen wertet. Ein Paria ist unrein und von der menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen. Die Pa­rias dürfen nicht die Tempel. Wohnungen oder gar Straßen der Hindus betreten, ja in manchen Gegenden wird heute noch! ein Brah- snane durch den bloßen Anblick eines Paria unrein!!

Dieses Indien mit seinem strengen und un­menschlichen Kastenwesen, dieses Indien, daS T keine Volksgemeinschaft int demokratischen, wohl aber im Sinne eines Organismus bildet, be­findet sich eben in einer völligen Auf l ö - sung seiner alten Ordnungen und Ideale. Langsam, aber stetig vollzieht sich dieser Auf­lösungsprozeß, verhängnisvoll unterstützt durch die europäische Zivilisation! Der gärende Haufe der indischen Völker braucht «ine neue Kraft. Wird Gandhi sie bringen? Wird er daS indische Volk zur Volksgemeinschaft zusammen- schließen und zur Freiheit führen können? Das Kastenwesen, das trotz aller Auflösungserschei- tmngen noch recht fest verwurzelt ist, ist hier ein großes Hindernis auf dem Weg zur Volks­gemeinschaft, denn es hat ein fast unausrott­bares Mißtrauen der einen Gruppe gegen die andere gebracht. Die Sudras werden es nie vergessen, daß sie einst unter der völligen Herrschaft der Brahmancn standen. Die Brah» manen aber sind zur Zeit die Führer der Swaraj- partei, der Partei, die die Unabhängigkeit In­diens erkämpfen will. Die SudraS haben den starken vielleicht auch sehr berechtigten Verdacht, daß es den Brahmanen weniger um die Befreiung von englischer Herrschaft, als um Wiederherstellung der früheren Zustände zu tun ist! Wiederherstellung der alten Zustände ober heißt: Herrschaft der Brahmanen über die Sudras, Herrschaft aller über die Parias! Gerade die letzteren wissen aber sehr gut, daß ihre langsam beginnende Befreiung aus den menschenunwürdigen Verhältnissen ein Ver­dienst der Engländer ist. Darum werden die Parias einem Kampf gegen England stets

sehr skeptisch und zurückhaltend gegenüberstehen.

Gandhi selbst zwar setzt sich sehr für die Parias ein, er nennt die Tatsache der Hnberühr- barkeit dieser Menschen die große Schande seines Vaterlandes. Gandhis Einfluß ist groß und so ist es ihm auch gelungen, viele Rativna- lifielt dafür zu begeistern, die Lage der Parias zu bessern.' Ein Wohlfahrtsamt für Parias ist in Madras gegründet worden, viele Pariaschulen werden und sind ins Leben gerufen u. ä. m. Hm Gandhis willen geschieht sogar von Brahmanen manches für die Parias, was früher undenkbar gewesen. Allerdings geschieht es wohl oft mehr, um Gandhi einen Gefallen zu tun, als aus wirklich sozialer Gesinnung heraus. So wurde in einer indischen Stadt Gandhi einst zu einem Vortrag erwartet: Gandhi kam, die Brahmanen führten ihn in den Dortragssaäl und zeigten ihm voll Stolz eine Anzahl Parias, die sie auf die erste Reihe der Stühle gesetzt hatten. Aber ihre Freude war bald dahin, als sie von Gandhi toten mußten, daß sie sich ja wieder von den PariaS abgesondert hätten, die richtige Ein-

stellung sei doch die, wenn Brahmanen und Parias als Brüder nebeneinander säßen!

Die Pariafraae ist eine ungeheure Aufgabe für Gandhi und seine Bewegung, denn auch ein andererFreund der Parias" ist bereits auf dem Weg: der Bolschewismus. Er um­schleicht die Hütten der Parias, denn hier findet er den besten Boden für seine Ideen und es kann der Tag kommen, da einige fähige Köpfe aus den Reihen der Parias die Lehre Moskaus verstehen und sich zu eigen machen. Welche gewaltigen Flammen jahrhundertelang aufgespei­cherten Hasses werden dann auflodern: Flammen, die stark genug sein können, ganz Indien in Brand zu sehen. Wer möchte aber behaupten, daß diese bolschewistische Gefahr der Zukunft eine Gefahr nur für Indien sei? So müs­sen die Vorgänge in Indien auch nach dieser Seite unser ganzes Interesse besitzen. Es geht um mehr, denn nur um die Hnabhängigkeit von England. Es geht darum, ob Indien ein freier nationaler Volksstaat oder ein Vasall Moskaus wird.

Ileue Jugendherbergen in Oberhessen.

Zugendherbergsweihe in Büdingen.

* Büdingen, 20. Mai. Run hat auch im schönen Büdingen eine neue Iugendher- berge ihre Türen der gesamten Iugend ge­öffnet in dem früherenHaus Hauenstein", das als Ferienheim nicht jedem zugänglich war. Das einfache, aber freundliche Heim konnte der Aeichsverband für deutsche Iugendherbergen er­werben, dank der tatkräftigen Hnterstühung des Mannes, der wie kein zweiter Hessens Iugend kennt und fördert, Schulrats H a s s i n g e r im Ministerium für .Kultus und Dildungswesen.

Einleitend begrüßte Dr. Ftürke (Gießen) die erschienenen Behörden und Vertreter der Schu­len: Schulrat Hassinger, die Regierungsräte Weber und Dr. Loh, Bürgermeister H i l d - n e r. Oberustudiendirektor Dr. Keller, Schul­rat G ö k e l und Rektor P e p l e r. Ihnen allen, sowie den. Herbergsfreunden in Büdingen wurde für das allseits gezeigte Entgegenkommen, die Ausgestaltung und Betreuung des neuen Heimes gedankt.

Oberstudiendirektor Dr. Keller, M. d. L., richtete seine Ansprache in erster Linie an die Iugend mit der Mahnung zur Einigkeit und erinnerte daran, daß das Haus aller wandernden Iugend ohne Hnterschied des Standes und der Partei gewidmet sei #um' Aasten nach froher Wanderung. Wie sehr es die Iugend hinaus­zieht. wir spüren es in den Liedern der deut­schen Dichter. Die Ratur allein vermöge zu ver­hindern, daß Großstadtstaub die Seele belasse. Derer zu gedenken, die der Iugend die Wege zur Ratur ebneten, sei ernste Pflicht. Einer der ersten In Hessen, der die Rotwendigkeit des 3u- gendwandcms erkannte und Bleiben für die Iu­gend forderte, war Prof. Hdo Kraft. Seinen Geist der Opferbereitschaft für Volk und Vater­land in sich auszunehmen, ermahnte der Redner die Iugend.

Die Grüße des Staatspräsidenten, der regen Anteil an der Entwicklung des Iugendwandevns nimmt, überbrachte Schulrat Hassinger. Er hielt dann die Weiherede. Aus seinen Worten klang der unerschütterliche Glaube an die Iu­gend. Es verlohnt sich, der Gesundheit der Heran­wachsenden Iugend das Beste zu geben. Laßt sie die reine Freude kosten, deren sie nach der Last des Alltags bedarf, die Freude, die ihr 'die Heimat geben-kann! Hinauswandern und die Heimat erleben, in der Bleibe rasten und die Gemeinschaft mit dem Volksgenossen erleben, das ist auch ein Band, das unser innerlich zer­rissenes Volk wieder zur Einheit zusammenschwei- ßen kann. Mit dem Wunsch, daß die Iugend- herberge in Büdingen zur Verwirklichung dieses hohen Zieles mit bei tragen möge, wurde die Her­berge geweiht und der Stadt und ihren Bür­gern übergeben. Mit dem Deutschlandlied schloß die Feier.

Die zahlreichen Iugendgruppen Büdingens zeigten in vorbildlicher Weise, wie deutsche Iu­gend singt, turnt, spielt und Reigen tanzt.

Der Vorsitzende der neugegründeten Düdinger Ortsgruppe für deutsche Iugendherbergen, Medi­zinalrat Dr. Balser, lud alsdann zur Besich­tigung der Iugendherberge ein.

Neue Jugendherberge in Gedern.

V Gedern. 18. Mai. Unter lebhafter Anteil­nahme der Einwohnerschaft wurde heute die neu erbaut« Jugendherberge in Gedern feier­lich ihrer Bestimmung übergeben.

Nach einem Eröffnungsmarsch des Musikoereins sang die Gießener Jugendgruppe ein frisch°fröhlichcs Wanderlied, worauf Studienrat Dr. Flörkc (Gie­ßen) als Bertrcter des Gaues Hessen des Tkrbandes Deutscher Jugendherbergen die Begrüßungsansprache

hielt. Er konnte in Schulrat Hassinger (Darm­stadt) den Vertreter des Staatspräsidenten undKul- tusministers willkommen heißen und danken für die Bereitstellung eines großen Teils der zum Bau nö­tigen Mittel. Weiter konnten die Vertreter der Stadt und der Schule begrüßt werden. Redner dankte bei dieser Gelegenheit nochmals dem Bürgermeister und dem Gemeinderat für ihre Bereitwilligkeit und Op­ferfreudigkeit bch der Durchführung des Baues. Be­sonderer Dank wurde Architekt Schröder (Ge­dern) gezollt, der in uneigennütziger Weife die Bau- leitung übernommen hatte.

Im Mittelpunkt der Feier stand die von Schul­rat Hassinger (Darmstadt) gehaltene Weiherede. Er überbrachte die Grüße und die besten Wünsche des Staatspräsidenten und entflammte mit seiner Rede die Herzen seiner Zuhörer und begeisterte sie für das Jugendherbergswerk. Heimatbewußtsein muh erwachen, muß erlebt werden. Die Möglichkeit zu diesem Erleben will das Jugendherbergswerk durch den Bau seiner Herbergen geben. Durch frohes Wan- ,bem soll die engere und weitere Heimat, das Da- 'terland mit allen Sinpen erobert werden. Wir alle glauben an unsere Jugend, an ihre Kraft, unferm Volke Helfer zu sein auf schwerem Weg. Wer fest teht, der steht auf dem Boden seines Volkes, wer ich von ihm lösen will, der wird schwanken und sich elbst verlieren. In dem festen-Glauben an unsere deutsche Jugend wurde das Haus geweiht. Mögen Neid, Haß und Mißtrauen seinen Räumen fern­bleiben, mögen Leid und Traurigkeit aus den Her­zen derer entschwinden, die unter seinem Dach ein- ziehen, und möge in ihren Mauern den müden Wanderern erquickende Ruhe werden. Möge es aber auch allezeit eine kraftvolle Jugend heranwachsen sehen, eine Jugend, die im Herzen eine starke Liebe zu Volk und Heimat, zu Vaterland und den Men- schen trägt! Nun sang der VHE.-Chor Gedern un- ter Leitung von Lehrer Riedel das Wanderlied Das Wandern ist des Müllers Lust".

Als Vertreter der Stadt sprach Gemeinderatsmit­glied Rausch die Freude darüber aus, daß nun auch Gedern eine Jugendherberge besitze. Mit ker­nigen Worten übernahm er den Bau in den Schutz der Stadt.

In dem Schlußwort erinnerte- Studienrat Dr. 8 lörke an die seit 1921 in einem Nebenbau des Schlosses untergebrachte Jugendherberge und stellte den durch die Weihe des neuen Heimes gemachten großen Fortschritt fest. Das gemeinsam gesungene Deutschlandlied bildete den Abschluß der würdig ver­laufenen Feier.

Derireteriag ber Gewerkschaft hessischer Gemeindebeamien.

WSR. Darmstadt. 17. Mai. In Anwesen­heit zahlreicher Vertreter der hessischen Ge­meindebeamten fand hier am Samstag die Ar­beitstagung des JO. Vertreter tages der Gewerkschaft hessischer Gemeinde­beamten statt. Der geschäftsführende Vor­sitzende. Direktor Zschech, Offenbach, begrüßte insbesondere die Ehrengäste und die Vertreter der Presse. In einem mit großem Beifall auf­genommenen Referat überZehn Iahre Ge­werkschaft Hess. Gemeindebeamten" gab der Geschäftsführer der Gewerkschaft, Ican Reck. Offenbach, einen Heberblick über das Werden und Wirken der Organisation. Er be­tonte die enge Verbundenheit zwischen den Interessen der städtischen Beamten und den Be­amten der Landgemeinden, die zur Gründung der Gewerkschaft führte. Mit der Dearntenhetze. die gegenwärtig zu beobachten sei, müsse auch im Interesse des Staates endlich Schluß gemacht werden. Dem Minister des Innern wurde Dank ausgesprochen für seine Hnterstühung bei der

Verabschiedung des hessischen Gemeindebeamken- gesehes. Der Geschäftsbericht der Gewerkschaft wurde gebilligt, ebenso Kassenbericht und Bericht des Finanzausschusses. In einer Rede sprach de« Vorsitzende der Ortsgruppe Darmstadt, Amtmann Gosenheimer, im Ramen sämtlicher Ver­treter des Vertretertages den Dank an die Ge­schäftsleitung für die geleistete Arbeit aus. Den Voranschlag der Gewerkschaft, der mit einem Betrag von 146 940 Mk. in Einnahme und Aus­gabe abschließt, wurde antragsgemäß verabschie­det. Zum geschäftsführenden Vorsitzenden wurde Direktor Zschech, Offenbach, wiedergewählt. Am Sonntag fand im Städtischen Saalbau eine große öffentliche Kundgebung statt, in der der Personaldezernent der Stadt Mainz. Beigeord­neter Dr. Kraus, überDer Organi­sationsgedanke im neuen Staat" und Geschäftsführer Meurer. Berlin, überDie Beamtenschaft und ihre Organi­sationen" sprachen.

Südweftdeutscher Handelskammer-Ausschuß für Hotel­gewerbe und Fremdenverkehr.

Bad-Rauhei rn. 20. Mai. Der Süd - Westdeutsche Handelskammer-Aus­schuß für Hotelgewerbe und Frem­denverkehr. dem die Handelskammern vom Bodensee bis zum Dhein-Maingebiet ange­schlossen sind, hielt heute im Sprudel-Hotel eine bemerkenswerte Tagung ab, die aus den in Frage kommenden Handelskammerbezirken gut besucht war. Die Verhandlungen standen unter der Leitung des Karlsruher Handelskammer­präsidenten R ico lai. Als Gäste waren u. a. anwesend Bürgermeister Dr. Ahl (Bad-Nau­heim) und ein Vertreter des Reichsverbandes der deutschen Hotels.

Die Verhandlungen begannen mit einem gründ­lichen Referat, das der Syndikus der Handels­kammer Friedberg. Dr. Goebel, über Bad-Rauheim in Wirtschaft und Verkehr" hielt. Auf Grund neueren Zahlen­materials legte der Vortragende die wirtschaft­liche Bedeutung Bad-Rauheims dar und zeigte, unter Hinweis auf den im Verhältnis zu an­deren Bade- und Kurorten sehr hohen Stand der Hebernachtungsziffer (nahezu 1 Mill.), dis überragende Stellung der Fremdenindustrie im Bad-Rauheimer Wirtschaftsleben. Die sehr inter­essanten Ausführungen fanden starken Anklang. In der Aussprache wurde angeregt, daß ähn­liche volkswirtschaftliche Hntersuchungen auch für. andere Kur- und Badeorte zu empfehlen seien.

Die Gage des Ho telgewerbes behan­delte Hotelbesitzer Gabler (Heidelberg), der in längeren Ausführungen darlegte, unter welch schwierigen Verhältnissen das Hotelgewerbe den gegenwärtigen Existenzkampf zu führen hat. Nachdem der Redner auf die Identität zwischen Hotelgewerbe und Fremdenverkehr hingewresen hatte, kam er zur Forderung einer einheit­lichen Durchführung der Verkehrs- Werbung, und verwies hierbei auf die Ver­hältnisse in Frankreich, wo eine besondere Mini- fterialabteihmg für Fremdenverkehr bestehe. Auch die Eisenbahn müsse noch mehr als seither der Förderung des Fremdenverkehrs dienen. Der Ausbau der heutigen Sonntagskar­ten zu Wochenenokarten sei nach dem Beispiel anderer Länder zu erstreben. Auch in der Frage der Autostraßen gelte es, noch manche Hnzulänglichkeiten zu beseitigen. Rach Behandlung dieser verkehrspolitischen Dinge erörterte der Redner noch steuerliche Fragen.

Zum Schluß sprach der Syndikus der Handels­kammer Darmstadt, Dr. Roes euer (Darm­stadt), überFahrplanfragen" und legte seine Pläne zur weiteren Entwicklung des Fahr­plans der Versammlung vor. Die Leitsätze Dr. Roeseners wurden genehmigt.

Als Ort der nächstjährigen Sagung wurde Wiesbaden gewählt.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

CO Wetzlar, 14.Mai. Die Atzbacher Be> zirksarmenkasse, eine alte Einrichtung, aus der bisher an die bedürftigsten Konfirmanden des Atzbacher Bezirks alljährlich kleinere Unterstützungen verteilt wurden, ist durch Beschluß des Kreisaus- schusses a u f g e l ö st worden. Die geringen Kapi­talien, die aus der Inflationszeit herübergercttet werden konnten, sind dem Bezirksfürsorgeoerband zur Verfügung gestellt worden. Man hat sich bei der Auflösung von dem Gedanken leiten lassen, daß die Einrichtung nicht mehr zeitgemäß ugb durch die neuen fürsorgegesetzlichen Bestimmungen überholt sei. Außerdem waren die auf den einzelnen Konfir­manden entfallenden Beträge derart gering, daß von einer Unterstützung eigentlich nicht mehr die Rede sein konnte. Die letzten Unterstützungen wur­den diesjährigen Konfirmanden gewährt.

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Eberstadt, den 23. Mai 1930.

Hessische Bürgermeisterei Eberstadt.

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