entspricht. Welche Nachteile für die Waldbesiher infolge verminderter und erschwerter Beaufsichtigung und Derwaltungstatigkeit seitens der Fvrstärnter und dadurch herbeigesuhrter finanzieller Verluste solcher minimalen Ersparnis gegenüberstehen, werden die Beteiligten unschwer ermessen.
Wenn auch einige Borschläge des Verfassers, besonders soweit sie Aufhebung oder Abänderung des Gesetzes über die Forstverwaltung im Volksstaat Hessen vom 16. November 1923, sowie des Gesetzes vom 30.3uli 1920 über die Neueinteilung der Förstereien usw. betreffen, bei manchen Lesern Bedenken auslösen werden, so kann doch allen waldbesihenden Gemeinden und allen denjenigen, welchen das Wohl unserer hessischen Waldungen am Herzen liegt, die Lektüre der Daaderschen Schrift warm empfohlen Werdern
Oberheffen.
Georg Schieferstein-Lich 80 Lahre alr.
)) Lich, 23. April. Heute vollendet der weit über die Grenze unseres Städtchens hinaus bekannte Fabrikant Georg Schiefer st ein dahier in körperlicher und geistiger Frische das 8 0. Lebensjahr. 3m 3ahre 1924 konnte der 3ubilar auf ein 50jähriges Bestehen der von ihm am hiesigen Platze begründeten landwirtschaftlichen Maschinenfabrik zurückblicken, die unter der tatkräftigen und zielbewuhten Mitarbeit seiner Söhne, den jetzigen Inhabern des Unternehmens, Hermann und Karl Schiefer- stein, eine beachtenswerte Stellung erlangt hat. Georg Schieferstein hat die Entwicklung der deutschen Landmaschinenbranche aus ihren Anfängen heraus miterlebt uni) sich um die Einführung der Landmaschinen in Oberhessen und den angrenzenden Gebieten besonders verdient gemacht. Zu jener Zeit, als die ersten amerikanischen Mäh- und Erntemaschinen, denen man in landwirtschaftlichen Kreisen vielfach mit größtem Mißtrauen begegnete, in Deutschland auf dem Plan erschienen, galt es, gewissermaßen Pionierdienste zu leisten. Der 3ubilar ist einer von den heute noch lebenden vier Gründern, die am 27. 3anuar 1901 in Frankfurt a. M. den Verband ins Leben gerufen haben, der heute als „Reichsverband des landwirtschaftlichen Maschinenhandels e. D.' über das ganze Deutsche Reich verbreitet ist. Reben dem ausgedehnten Handel und Reparaturbetrieb wurden in dem Betriebe des 3ubilars landwirtschaftliche Geräte hergestellt. Rach dem Kriege wurde dem Bau von verschiedenen Bodenbearbeitungsmaschinen und insbesondere der Herstellung von Mäh- maschinenvorderwagen besondere Aufmerksamkeit xugewandt. Veranlassung hierzu gab die Erfindung eines Vorderwagens mit Feststellvorrichtung, der unter dem Ramen „Ruck" in den Handel gelangte und bereits gu vielen Tausenden im 3n- und Auslande verbreitet ist. Auch in der seit einigen 3ahren betriebenen Düngerstreuerfabrikation sind Erfolge gu verzeichnen. Wenn sich der 3ubilar auch feit einigen 3ahren von der aktiven Betätigung in der Firma zurückgezogen hat, so nimmt er an der Entwicklung seines Lebenswerkes immer noch regen Anteil.
Buhbach bleibt Schnettzugsstation.
Der erste Fahrplanentwurf der Reichsbahn- i direktion Frankfurt (021.) hatte den Wegfall des derzeitigen einzigen v- Zug - Halts in * Butzbach vorgesehen. Auf Grund der dringenden Vorstellungen der beteiligten Stellen sieht nunmehr der endgültige Entwurf des neuen Fahrplans bei einem anderen, als dem seither in Butzbach haltenden D275 einen Halt in Butzbach vor, und zwar bei D 82, der aus München- Gladbach, über das rheinisch-westfälische 3n- dustriegebiet—Hagen—Siegen—Gießen, kommend in Butzbach um 2 2.21 H 5 r anfjalten wird. Dieser Zug hat in der Hauptreisezeit die Die gefiederte Schlange.
LRoman von Edgar Wallace.
31 Fortsetzung ’Jiacbbmrf verboten
„llnfere junge Dame hat sich schnell erholt", sagte er. „Sie will jetzt nach Hause gehen. 3ch fragte sie, ob 3hre Begleitung ihr erwünscht wäre, aber sie lehnte ab. Vielleicht rufen Sie jetzt einen Wagen."
Daphne ging wieder hinunter und winkte einem vorbeifahrenden Chauffeur. Dabei entdeckte sie, daß jemand ein paar Schritte von dem Haus entfernt an einem Laternenpfahl lehnte und sie beobachtete. Sie wandte sich um und sah ben bleichen Mann, der geklingelt hatte, ehe Ella Creed ohnmächtig wurde. Als er sich bemerkt sah, wandte er schnell den Kopf weg, als ob er vermeiden wollte, erkannt zu werden. Er hätte sich diese Mühe sparen können, denn Daphne hatte ihn noch niemals gesehen.
Als sie wieder in das Haus kam, stand Ella in der Halle und zog langsam ihre Handschuhe an. Sie war sehr blaß, ihre Unterlippe zitterte, und sie hatte die Gewalt über ihre Stimme noch nicht wiedererlangt.
„3ch will jetzt gehen. Es tut mir sehr leid, daß ich 3hnen so viel Umstände gemacht habe, Mr. — wie heißen Sie doch?"
Ein böser Blick fiel auf Daphne, so daß sie erschrak.
„3ft das mein Wagen?" Als Daphne bejahte, sagte sie noch: „3ch werde Sie Wiedersehen." Dann verließ sie mit einem Kopfnicken das Haus und ging die Treppe hinab.
Mr. Beale wartete, bis das Auto außer Dicht war.
„Großer Gott!" sagte er plötzlich überrascht.
Bursche ist noch nicht gegangen!"
®r deutete auf den hohlwangigen Fremden, der an dem Laternenpfahl lehnte.
Änöe£&aiT’ ?elnte «r. als er die Türe schloß und Daphne in den Empfangsraum folgte. „Aber IP ^oll von sonderbaren Leuten — ME Ella Creed zum Beispiel - eine merkwürdige Frau. Kennen Sie jemand, der Lane beißt?"
Daphne schüttelte den Kopf
Sie sprach die ganze Zeit von ihm - von William Lane. Der Qlame kommt mir bekannt vor — er muh ein Sträfling gewesen sein. Das Gefängnis ist ein schrecklicher Ort — ein grausiges Laboratorium, wo die Guten in Böse verwandelt werden. Die reinsten und edelsten menschlichen Eigenschaften werden dort abscheulich und häßlich, und kindliche und einfache Menschen werden zu rabiaten Bestien." Er hielt ein. „Lieber Gott, jetzt fange ich an zu moralisieren.
weitere wichtige Ausgabe, durch unmittelbare Kurswagen Rorddeich—Emden—Frankfurt (M.) den Veäehr zwischen den stark besuchten Rord- seebädern Rorderney, Borkum und 3uist und dem Rhein-Main-Gebiet zu vermitteln.
Die Grünlandbewegllng im Kreis Alsfeld.
• Alsfeld, 17. April. 3nfolge der geringen Rentabilität des Ackerbaues stellt sich der Landwirt des Kreises Alsfeld immer mehr auf Grünlandwirtschaft um. Aachdem vom Landwirtschaftsamt Alsfeld in neun Gemeinden des Kreises Alsfeld Vorträge über Grünlandwirtschaft, insbesondere über Anlage und Düngung von Wiesen und Weiden im 1. Vierteljahr 1930 abgehaltcn wurden, wurde von dieser Behörde in demselben Zeitraum für etwa 20 Hektar Fläche bestes Saatgut vermittelt, und zwar an 64 Landwirte. Bei einem Preis von durchschnittlich 25 Mk. je Hektar handelte es sich um Ware im Werte von etwa 2000 Mk. Durch Anlage von Lehrprüfergärten im kommenden Frühjahr soll die Kenntnis der Gräser immer weiter verbreitet und vertieft werden.
Landkreis (Rieften.
£ Wieseck, 22. April. Arn 1. Osterfeiertag veranstalteten das Arbeiter - Mandolinen-Orchester, der Arbeitergesangverein Sängerkranz und freier Turn- und Sportverein einen Werbeabend für die Schulentlassenen, der überaus stark besucht war. Rach einem Begrüßungslied und einem Prolog sprach Ober-Regierungsrat Ritzel über Auferstehung und die Stellung der Arbeiterschaft. Run folgten Vorträge des Arbeiter-Mandolinen- Orchesters und des Gesangvereins. Die Darbietungen der Schüler und Schülerinnen, sowie der Turnerinnen standen alle auf bemerkenswerter Höhe. Besonders hervorzuheben sind die Leistungen der aktiven Turner am Reck. Alles in allem kann die Veranstaltung als vollkommen gelungen bezeichnet werden.
V Watzenborn-Steinberg, 22. April. An den Osterfesttagen wehte auf unserer Kirche zum erstenmal die neue Kirchenfahne. Der Osterfestgottesdienst führte leider die räumliche Unzulänglichkeit der Kirche für die große Gemeinde vor Augen. Obwohl die Kirche bis zum letzten Stehplähchen gefüllt war, mußten etwa 70 bis 80 Besucher umkehren, da die Kirche für weit über 500 Besucher nicht reicht. Zum erstenmal wirkte der Kirchengesang- berein in diesem 3ahre nicht nur am Öfter* gottesdienst mit, sondern auch bei der Konfirmation, was die feierliche Gestaltung derselben sehr erhöhte. — Am zweiten Öfter* tage feierten der Landwirt 3ohannes Phi* lipp XII. zu Steinberg und feine Ehefrau Christine geb. Häuser in seltener Rüstigkeit die goldene Hochzeit. Rach der Ansprache des Ortsgeistlichen überreichte dieser das Gedenkblatt des Hess. Landeskirchenamts, Bürgermeister Schäfer überbrachte die Glückwunschschreiben des Hess. Ministeriums des 3nnem und des Kreisamts Gießen.
± Hausen, 22. April. Am ersten Ostertag fang der Frauenchor zu Hausen in der Kirche beim Ostergottesdienst zwei Lieder sehr stimmungsvoll und formvollendet, die dank der meisterhaften Leitung des Dirigenten, Herrn Sommer in Watzenborn, dem Gottesdienst seine feierliche Weihe gaben. Auch hier machte sich bei der Konfirmation, die am zweiten Ostertag stattfand, deutlich bemerkbar, daß es jetzt die Kriegsjahrgänge sind, die konfirmiert werden. So waren es nur sechs Konfirmanden, zwei Knaben und vier Mädchen, die eingesegnet wurden.
+ Garbenteich, 22. April. Am ersten Osterfeiertag wirkte der Gesangverein „Viktoria" von Garbenteich im Gottesdienst mit und gestaltete diesen durch seinen Gesang unter Leitung des Herrn Sommer von Watzenborn sehr feierlich. Auf Anregung
Er sah auf feine Ufjr.
»Es ist Zeit, daß Sie nach Hause gehen. Rebenbei, ich erwarte heute abend noch den Besuch von einem anderen 3hrer Bekannten — Mr. Leicester Crewe. Was ist das eigentlich für ein Mann?"
Daphne gab einen vorsichtigen und milden Bericht über ihn.
„3ch soll südamerikanische Aktien von ihm kaufen — er sagt, er muh das Land rasch verlassen und kann nicht warten, bis die Transaktion regulär durchgeführt wird. Es sind vollkommen gute Papiere, aber gerade jetzt ist kein Markt dafür. 3st er ehrlich?"
Sie zögerte, den Charakter Mr. Leicester Crewes zu schildern.
„Er ist so ehrlich, wie ein Geschäftsmann eben ist", sagte sie. Er lachte leise über ihre Vorsicht.
Daphne verließ das Haus mit einem unbehaglichen Gefühl. Obwohl sie versuchte, ihrer Erregung Herr zu werden, gelang es ihr nicht. Vielleicht war es der Gedanke an Ella und ihre sonderbare Ohnmacht, der sie bedrückte. An einer Llntergrundbahnstation machte sie halt und ging in eine Telephonzelle, um Ellas Adresse zu suchen. Ein Autobus brachte sie dann nach St. 3ohns Wood. Sie läutete an der äußeren Glocke und wurde eingelassen.
„3a, mein Fräulein, Miß Creed kam vor einer halben Stunde heim!" sagte das Mädchen. „Wünschen Sie sie zu sehen?"
„Olein, nein“, erwiderte Daphne hastig. „3ch wollte nur wissen, ob sie gut nach Hause gekommen ist."
„Es hat nichts auf sich, mein Fräulein", sagte sie. Ella war bei ihren Dienstboten nicht beliebt.
Daphne wollte gerade wieder gehen, als eine Stimme sie vom Balkon her anrief. Es war Ella. Daphne schaute zurück und sah die Silhouette der Schauspielerin.
„Olroyd!" rief Ella. Sie hatte die unangenehme Gewohnheit, Frauen bei ihrem Rachnamen zu rufen. „Was wünschen Sie?"
„Nichts. 3ch wollte nur wissen, ob Sie gut nach Hause gekommen sind."
„Warum sollte ich denn nicht gut nach Hause gekommen fein?“
Daphne gab klugerweise keine Antwort und entfernte sich. Zu ihrer Aeberraschung folgte ihr das Dienstmädchen durch die Gartentür und hielt sich dicht hinter ihr.
»Sie hat am Telephon Streit mit jemand ge* haot, sagte sie leise. „Sie hat uns alle in die Än<be geschickt, daß wir es nicht hören sollten. Wissen J5te, was los ist, mein Fräulein?" , ,"?^n^' sagte Daphne ein wenig steif, denn solche Vertraulichkeit war ihr unangenehm.
„3hre Schneiderin ist hin und packt ihre Dachen. Die telephonierte sofort nach ihr. al«
deS Kirchenvorstandes Garbenteich haben die drei hiesigen Gesangvereine sich dankenswerterweise bereiterklärt, abwechselnd in den Gottesdiensten an den Feiertagen mitzuwirken, um so den Gottesdiensten an den Feiertagen mehr festlichen Charakter zu verleihen. Am zweiten Ostertag wurden hie Kinder unserer Gemeinde konfirmiert. Es war nur eine kleine Schar, die ein* gesegnet wurde. Statt 25 in normalen 3afjren, waren es nur 11 Kinder, 6 Knaben und 5 Mädchen.
D Lich 22. April. Heute fand hier der bekannte Ostermarkt (Schweine- und Krämermarkt) statt. 3nfolge der günstigen Witterung war der Markt von 3ntereffenten außerordentlich gut besucht. Zum Auftrieb gelangten 503 Ferkel, die in kürzester Zeit restlos abgesetzt werden konnten. Bezahlt wurden für Ferker bis zu sechs Wochen alt 45 Mark,- sechs bis acht Wochen alt 52 Mark und acht bis zwölf Wochen alt 65 Mark. Auch der Krämermarkt hatte regen Zuspruch aufzuweifen. Allgemeines 3n- teresse fand die Tombolaverlosung von Ge- brauchsgegenständen. Die Lose waren sehr bald vergriffen. Der Markt dürfte die auf ihn gesetzten Erwartungen der hiesigen Geschäftswelt in vollstem Maße erfüllt haben.
U Grohen-Linden, 22. April. Am ersten Ostertag veranstaltete der Gesangverein „Germania" gemeinsam mit der Burschenschaft „Einigkeit" Grohen-Linden im Saalbau Schaum einen Theaterabend. Zur Aufführung gelangte „3m weihen Röh'l" von Ö. Blumenthal und G. Kadelburg. Alle Mitwirken- den hatten sich vortrefflich in den Geist des Stückes und in die einzelnen Rollen eingelebt. Die Leistungen, die mit großem Beifall ausgezeichnet wurden, waren sehr gut.
df. Langsdorf, 22. April. Einen schönen und eindrucksvollen Abschluß fanden die diesjährigen Passionsandachten. Unser Pfarrer hatte sich etwa 100 kolorierte Bilder von den Ober* ammergaufer Passionsspielen beschafft, die am Gründonnerstagabend in der Filialgemeinde Dettenhausen und am Karfreitagabend in hiesigem Gotteshaus mittels Lichtbildapparates gezeigt wurden und zu denen er die erklärenden Worte sprach. 3m Bilde sah man das ganze furchtbare Leiden des Heilands, beginnend mit dem Einzug in (Jerusalem. Cs folgten dann die ergreifenden Szenen vom Leidensweg Christi bis zur Kreuzigung, Grablegung, Auferstehung und Himmelfahrt, Bilder, die auf den Zuschauer nicht ohne Wirkung bleiben können. 3ntereffant war auch, zu sehen, mit welcher Liebe und Hingabe sich die einfachen Bürgersleute von Oberammergau der Aufführung ihrer weltberühmten Passionsspiele widmen. — Am zweiten Öfterfeiertag fand hier die Vorstellung der Konfirmanden statt. Es sind diesmal nur vier Kinder, ein Mädchen und drei Knaben. 3hre Konfirmation findet am kommenden Sonntag statt.
Kreis Schotten.
§ Feldkrücken, 19. April. Der hiesige Gemeinderechner Kari Knöh war im 3a- nuar verstorben. Runmehr wählte der Gemeinde* rat den Landwirt Heinrich S t e h r IX. zu seinem Rachfolger. Eine größere Zahl von Anwärtern hatte sich um den begehrten Posten beworben.
I Ober-Lais, 17. April. Gestern verließ Lehrer Strößinger.der nach Darmstadt versetzt ist, endgültig unser Dorf. In der Abschieds- feier, die ihm am Vorabend seines Scheidens dargebracht wurde, kam die Hobe Wertschätzung zum Ausdruck, die der Scheidende sich in dem Jahrzehnt seines Wirkens hier erworben hatte. Wie sehr er die Liebe und Achtung aller Gemeindeglieder genoß, ergibt sich aus der Tatsache, daß an der im Schul- Hose abgehaltenen Abschiedsfeier die ganze Gemeinde ohne Ausnahme teilnahm. Die Feier wurde umrahmt durch Lieder des Gesangvereins „Lieder- freund" und des Mädchenchores, den Herr S t r ö - sie nach Hause kam. Wissen Sie, ob Mih^Creed^ fortgeht?"
„3ch habe nicht die geringste Ahnung", sagte Daphne. Dann wandte sie sich schroff ab und beendete damit die Unterhaltung.
Ellas Haus lag in einer sehr ruhigen, großen Straße, die von der Avenue Road herführte. Es waren wenige Fußgänger zu sehen, und nur ein Auto hielt ungefähr zwanzig Schritt von dem Hause entfernt. Daphne ging schnell der Hauptstraße zu, um bald zu ihrem Hotel zu kommen. 3m Dorübergehen blickte sie auf den Wagen — irgend etwas daran kam ihr sonderbar bekannt vor.
Und bann besamm sie sich plötzlich: in dem Glas der Seitenlampe, die ihr zunächst war, entdeckte sie einen unregelmäßigen Sprung, und aus ihrem Unterbewußtsein tauchte eine Erinnerung auf. Sie hatte denselben Riß an der Seitenlampe jenes Wagens gesehen, der sie nach Epping Forest brachte. Einen Augenblick war sie vor Entsetzen gelähmt. Sie wagte nicht einmal, den Chauffeur anzusehen, als sie vorbeieilte. Sie ging schneller und schneller und sah furchtsam über die Schulter zurück. Aber es folgte ihr niemand. Atemlos und zitternd kam sie zu der Hauptstraße.
Sie mußte einige Zeit auf ihren Autobus warten und überlegte gerade, ob es nicht besser sei, zur Untergrundbahn zurückzugehen, als sie plötzlich angesprochen wurde.
„Entschuldigen Sie, mein Fräulein."
Sie fuhr nervös herum und sah in die Augen des hohlwangigen Mannes, den sie schon vor dem Haus von Mr. Deale gesehen hatte. Der Schrecken fuhr ihr so in die Glieder, daß sie eine Schwächeanwandlung hatte. Aber bann würbe sie sich barüber klar, bah sie keinen Grunb hatte, sich zu fürchten. Die Straße war von Fußgängern belebt, die in ihre Wohnungen eilten, und in einiger Entfernung sah sie sogar einen Schuhmann.
„Was — was wollen Sie — von mir?“ stotterte sie.
„Sind Sie nicht die Sekretärin Mr. Beales? 3ch bin 3hnen von seinem Hause aus bis hierher gefolgt und bitte Sie um eine kurze Unterredung."
Ein schrecklicher Hustenanfall hinderte ihn am Sprechen. Er wurde so mitgenommen davon, daß er sich an eine Mauer anlehnen muhte.
„Haben Sie keine Angst, mein Fräulein", keuchte er schließlich. „3ch habe es auf der Lunge. Wenn ich nur ein wenig Vernunft besessen hätte, wäre ich in Argentinien geblieben, wo die Sonne scheint. 3ch wollte eigentlich überhaupt nicht hierherkommen, aber meine Schwester überredete mich dazu — und mm versuche ich. Geld zur Heimfahrt zu erhalten."
Binger gegründet hat, sowie durch Musikstücke der hiesigen Musikkapelle. Es sprachen: Herr S ch m i 11 b e r g e r für den Gesangverein „Liederfreund", Bürgermeister Schauermann für die bürgerliche Gemeinde, Lehrer Sauer für Schule und Schulvorstand und Pfarrer W e i d n e r für die Kirchengemeinde und den Kirchen Vorstand. Allen Rednern und der gangen Gemeinde dankte Lehrer Strößinger in tiefster Bewegung. Das Wirken des Scheidenden in unserer Schule wird unvergessen bleiben. In bester Zusammenarbeit mit seinem Kollegen hat er dazu beigetragen, unsere Schule zu einer der am besten eingerichteten des ganzen Kreises zu machen. Den Gesangverein „Liederfreund" führte er zu einer beachtenswerten Höhe seiner ge- sanglichen Leistungen. Als langjähriger Vorsitzender der „Vogelsberger Sängeroereinigung" betrieb er eifrig deren Anschluß an den „Hessischen Sänger- bund". Im Vorjahre wurde er zum Gauvorsitzenden des Gaues „Vogelsberg-Süd*" des Hessischen Sängerbundes gewählt. Auch im Bezirksverein Ge- dern des Hessischen Landes-Lehrer-Vereins war er eifriger Mitarbeiter und gab seinen Kollegen durch zahlreiche Vorträge viele wertvolle Anregungen.
Kreis Alsfeld.
** Alsfeld, 17. April. Die Madrigalvereinigung Darmstadt unter Leitung von Prof. Dr. R o a xk veranstaltete auch in Alsfeld eine kirchenmusikalische Feier in Form einer Passionsandacht in der Walpurgiskirche, die sich eines guten Besuches erfreute. Die gesanglichen Leistungen des Chors waren auf voller Höhe.
Bleidenrod, 19. April. Der älteste Einwohner unseres Dorfes, Altbürgermeister Konrad Lein, wurde im Alter von 93 3ahren gur letzten Ruhe gebracht: seine Gattin war ihm im Februar dieses 3ahres im Alter von 91 3ahren vorausgegangen.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
* Wißmar, 22. April. Zum Direktor der Friedrich-Wilhelm-Provinzial-Dlindenanstalt in Halle a. d. S. wurde durch den Provinzialaus* schuß der Provinz Sachsen der Dlindenoberlehrer Eduard 2 echthold ernannt. Er ist der Sohn des Werkmeisters Eduard D e ch t h o 1 d Hierselbst.
> Wißmar, 20. April. In unserer Kirche wurden 18 K i n ö e r konfirmiert, die am Karfreitag zum erstenmal an der Abendmahlfeier teil- nahmen. Nach Ostern werden 44 Schulneu. lingein die Schule ausgenommen. Unsere Kirche hat in diesem Jahre ihr 100. Jubiläum. Sie wurde auf dem Platz errichtet, auf dem ein kleines Kirchlein inmitten des Kirchhofes gestanden hatte, das weaen Baufälligkeit abgerissen werden mußte. Die Jubilarin ist ein Bauwerk, das von einem Schuler Schinkels, des Vertreters des klassischromantischen Baustils, erbaut wurde und sich des- halb von den Dorfkirchen des weiten Umkreises unterscheidet. Vor zwei Jahren wurde das Aeußere der Kirche erneuert, hoffentlich kann in diesem Jahre auch das Innere aufgefrischt werden. — Die G e - meinde Vertretung beschäftigte sich in ihren ätzten Sitzungen mit dem diesjährigen Haus- h a l t s p l a n, der ihr viel Sorgen bereitet, da nach dem Voranschlag die Grundsteuer von 200 auf 450 Prozent erhöht werden soll. — Der Umbau des elektrischen Ortsnetzes, das noch zum Teil aus Kriegsmaterial besteht, wurde der Firma Sie- mens & Schuckert für 5696,94 Mark übertragen. — Die Neubautätigkeit ist hier noch nicht in Gang gekommen. Die Bauhandwerker sind mit Arbeiten im Dorfe beschäftigt. Die größte Wohnungs- not ist beseitigt, denn in den Neubauten der letzten Jahre sind mehrere Wohnungen unbesetzt.
Aus dem Amtsverkündigungsblatt.
* D a s A m t s v e r k ü n d i g u n g s b l a t t Nr.29 vom 17. April enthält: Die Hegezeit des Wildes. — Die Gewährung von Ruhegehalten bzw. Unter- ftützungen an die Hebammen. — Anbauflächen- erhebung 1930. — Dienstnachrichten.
„Kamen Sie deswegen heute nachmittag zu Mr. Deale?" fragte sie.
„3a, mein Fräulein." Er nickte. „Großer Gott, wie hat der sich verändert! Als ich ihn das letztemal sprach, hätte er seinen Rock ausgezogen und ihn irgendeinem armen Mann geschenkt, aber jetzt hat er mich böse angefahren!"
Er war ein armer, gequälter Mensch und zitterte bei jedem heftigen Windstoß unter feinem dünnen Mantel.
Ter Autobus kam und fuhr wieder ab. Daphne fühlte plötzlich Reugierde und Mitleid mit diesem armen Menschen. Vielleicht war sie auch durch die sonderbare Deschreibung von Gregory Deales Charakter eigenartig berührt.
»Mr. Deale ist sehr liebenswürdig, Sie müssen doch irgend etwas gesagt haben, das ihn verletzte", meinte sie.
„Das wüßte ich wirklich nicht!" Der ManU war so verzweifelt und krank, daß er kaum für seine Aeußerungen verantwortlich gemacht werden konnte. „Früher war er nicht so wie heute. Wenn Sie ein gutes Wort für mich - einlegen könnten, würde er mir vielleicht helfen. 3ch gab ihm meine Adresse."
„Wie war doch 3hr Rame?" fragte sie.
„Harry Merstham, mein Fräulein — gewöhnlich werde ich wie in früheren Tagen Harry, der Darmann, genannt. 3ch war Darpächter in Buenos Aires. Mr. Dillh Lewston besorgte mir die Stelle. Haben Sie jemals von ihm gehört?"
Sie schüttelte den Kopf.
„Cs war schwer, mit ihm umzugehen — er war kein aufrichtiger Mensch, und seine Schwester war ebenso. Man konnte ihm in bezug auf Mein und Dein nicht trauen.“
Sie entnahm diesen Worten, daß Mr. Lewstvn ein Langfinger gewesen sein muhte.
„3ch erhielt meinen Posten in Buenos Aires, wollen wir sagen heute, und verließ England morgen. 3ch bin dort sehr krank geworden, und ich dachte, Mr. Beale wüßte —“
Wieder wurde er durch einen bösen Husten ünterbrochen, und als er sich erholt hatte, gestand er, daß er ohne jede Mittel sei. Mitleidig wie sie war, gab ihm Daphne fünf Schilling und lieh sich seine Adresse aufschreiben. Sie sagte ihm zu, am nächsten Morgen feine Bitte Mr. Beale noch einmal vorzutragen. Dieses Versprechen bereute sie später wieder, denn sie hatte, wie sie sich sagte, kein Recht, für einen Mann einzutreten, den ihr Chef wahrscheinlich viel besser kannte als sie.
Rach ihrer Ankunft im Hotel telephonierte sie sofort an Peter. Aber er war weder In seiner Wohnung noch im Bureau. Sie lieh sich nicht abschrecken und forderte eine Verbindung mit feinem Klub, aber auch dort war er gerade vor fünf Minuten fortgegangen.
—*.____ (Fortsetzung folgt) j


