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jetzt mit der ganzen Leidenschaft, dem ganzen Temperament eines Mannes, der um feine Stellung ringt, zu zerstreuen sich bemüht.

Ader die an den Haaren herangezogenen Gegenargumente vermögen das über Rächt em­porgeloderte Mißtrauen, die quälenden Zweifel nicht zu beseitigen, vor allem nicht über die Tat­sache hinwegzutäuschen, daß die Großmächte sich den Löwenanteil der deutschen Zah­lungen sicherten, die Regelung der Ostrevaratio- nen aber, großmütig den Oststaaten, und damit Griechenland diefaulsten Zahler", die Ungarn, die Tschechen, die Bulgaren ... überließen.Wir haben kein Heer, keine Flotte, keine Möglichkeiten der Sanktionen, wie toolcn wir die Ungarn, die Bulgaren zum Zahle., zwingen, wenn sie heute, morgen, in drei oder fünf Zähren zu zahlen sich weigern? Wie wird die Lage in zehn, in zwanzig Zähren fein?" klagt die kritische Opposition. Reniselos weih darauf nichts anderes zu er­widern, als in den herrlichsten Farben ein Bild derstürmischen wirtschaftlichen Aufwärtsentwick­lung" Lieser drei Staaten zu zeichnen , und an den Geist der Verständigung, an den Geist des neuen Europas zu appellieren. (Spottet seiner selbst---)3n drei Jahren sind die Ungarn

und Bulgaren so reich, daß die Reparationsfrage für sie eine quantite negligeable ist..

Betretenes Schweigen im ganzen Hause.

Auf alle Fälle, meine Herren, Deutschland bleibt Deutschland, Deutschland zahlt, wie es auch kommen magI Die 530 Millionen Deutschlands sind uns sicher; im allerschlimmsten Falle deckt dieser Betrag ohne Ueberschuh unsere Schulden an die Entente." Reue bange Frage: Und wenn Deutschland nun nicht zahlt, hat sich ter Herr Ministerpräsident wenigstens das Recht der Sanktionen gewahrt?"

Rein, aus gewissen Gründen nicht, dieses Recht hat sich Frankreich Vorbehalten, dieses Sanktionsrecht hat Deutschland anerkannt," (so wörtlich!),ich, ich vertraue auf den guten Willen Deutschlands, sein Unrecht wieder gut zu machen und auf den Geist des neuen Europa." (Rach- barin, Euer Fläschchen!)

Das Schweigen wird immer lähmender, die ftorenben Gegenfragen wollen hin Ende nehmen: Wenn wir tatsächlich infolge der Haager Ab­machungen mit einem Gesamtüberschuh von 6,5 Milliarde Drachmen zu rechnen haben, wie ge­denken Sie, H:rr Ministerpräsident, diesen Betrag zum Wohle des Landes und zur Behebung der derzeitigen, immer unerträglicher werdenden wirt­schaftlichen Krise zu verwenden?"

Beniselos nimmt seine Mühe ab und wischt sich den Schweiß vom Schädel:Meine Herren, Sie müssen bedenken, daß wir diesen Betrag in jährlichen Raten bekommen, die sich durchschnitt­lich auf 500 000 Pfund belaufen... ein Tropfen auf den heißen Stein... ein Richts? Don Steuer­erleichterung kann also keine Rede fein. Blicken Sie auf Europa: 1,5 Million Arbeitslose in England, Wirtschaftskrachs von ungeahntem Aus­maße in Amerika, zwei Millionen Arbeitslose in Deutschland, wo es überdies täglich neue kom­munistische Krawalle gibt, wir alle find krank! Deswegen muß die heutige Generation in allen Ländern alle Lasten tragen... arbeiten! ... nicht verzweifeln...! Sehen Sie auf Frank­reich: was war es, als 1926 das Pfund auf 260 stand, was ist es heute?... Unter meiner Führung wird Griechenland den gleichen Weg gehen... Aushalten!... Dertrauen!... Durch- haltenk... Deutschland wird und muß zahlen... fünfhundert Goldmillionen!... Deutschland ist reich... Deutschland arbeitet ... Deutschland steht zu feinem Wort... die französischen Sanktionen stehen nicht auf dem Papier.. Frankreich, das edelmütige Frankreich, an dem Griechenland immer 'einen Halt gefun-- den..." beinahe mitleiderregend wirkt der Ministerpräsident. Wie ein Ertrinkender, der sich an einen Strohhalm klammert.

Sie blonde Sklavin.

Roman von Hermann Weick.

13 Fortsetzung. Nawdruck verboten

Eine schwere, krankhafte Apathie nahm von Eva Witte Besitz. Stundenlang sah sie in ihrem Zimmer, trüben, qualvollen Gedanken hingegeben, die ihr ganzes Wcsen verdüsterten.

Sie hatte nicht mehr die Kraft zu-einem Ent­schluß, Willenlos lieh sie sich treiben, von einem Tag zum andern. Was hätte sie auch beginnen fo.len?... Sie war ja eine Gefangene, war machtlos gegen den Mann, der sie in seiner Ge- wa t hatte.

Ho.necker ging an ihr vorbei, als sehe er sie nicht. Rur selten sprach er ein Wort mit >jhr.

Es schien, als sei feine wilde, verzehrende Leidenschaft für sie abgestorben, und nur noch Hah und Zerstörungswille lebten in ihm. Aber manchmal, wenn er sich unbeobachtet wuhte, jag­ten feine Bücke in sinnloser Gier über sie hin.

Eines Tages befahl er Eva, sich für den Abend bereit zu halten, da er mit ihr ausgehen wolle. Eva machte Einwendungen, sagte, dah sie sich krank fühle; aber er bestand auf seinem Entschluh.

Don da ab waren sie beinahe täglich außer dem Hause. Honnecker besuchte mit ihr nach­einander die Restaurants und sonstigen Lokale, in denen sich die elegante Welt traf. Er ging mit ihr in Theater, zu den Rennen.

Dvn ehret Veranstaltung schleppte er sie zur andern.

Eva ahnte, daß Honnecker einen ganz bestimm­ten Plan verfolge; aber sie war zu schwach und willenlos geworden, um sich weiter Gedanken darüber zu machen oder sich-gegen dieses Trei­ben, das sie vollends zerrieb, aufzulehnen.

XIV.

Es war heute das fünfte Mal, daß Felix Schul­hofs wartete.

Täglich stand er um dieselbe Stunde vor dem Zoologischen Garten. Droben bornierten die Züge in die Bahnhofshalle ein; in unablässiger Folge kamen und gingen die Menschen. Autos jagten heran,, andere fuhren eilends davon. Der Bahn- hofsplah war erfüllt von dem brausenden Lärm pes Verkehrs.

Lauter aber noch war die Unruhe in Felix Schulhoff. 3n fieberhafter Spannung suchte er den Platz ab, immer wieder wähnte er, Eva Witte auf tauchen $u sehen.

Aber es war Täuschung.

Schulhofs stand vor einem Rätsel. Eva hatte doch neulich, an jenem wundersamen, unvergeß­lichen Tage, als sie sich ihre Liebe bekannten,

Fahrplanverbefferungen auf der Strecke Gießen-Haiger.

Am Donnerstag fand in H e r b o r n eine Fahr­planbesprechung statt, bei der d.e beteiligten Reichsbahndirektionen Frankfurt a. M. und Elber­feld, die Handelskammern Siegen, Dillenburg, Wetz­lar, die Verkehrsoereine Gießen, Wetz­lar, Herborn und die besonders interessierten Ge­meinden der Haupt- und Anschlußstrecken vertreten waren. Zur Beratung stand in erster Linie die Ver­besserung des Fahrplans der Strecke Gießen Haiger, BetzdorfSiegen, sowie der Seitenstrecken. Trotz der höchst ungünstigen Verhältnisse konnten von dem im großen Umfange üorgetragenen Fahrptanwünscyen eurige erfüllt werden; andere muhten dagegen auf eine spätere Zeit zurückgestellt werden.

H. a. wird auf die Hauptstrecke Gießen Siegen zur Ausfüllung der Zugpausen ein neues Zugpaar eingelegt, und zwar in der Richtung GießenSiegen ein Zug, der in Gie - Öen um 10,20 Uhr abfährt. Ankunft in Siegen 12,0? Ahr. Dieser Zug nimmt in Gießen den Anschluß von dem in Frankfurt (Main) um 8,50 Ahr abfahrenden beschleunigten Pe-sonenzug 769 auf. Zn Siegen hat der neu ci.igelegte Zug (Ankunft 12,07 Ahr) Anschluß nao> Hagen, Betz­dorf und Köln. Der Gegenzug (SiegenGießen) fährt in Siegen um 19,12 Ahr ab und trifft um 21,10 Ahr in Gießen ein. Dieser Zug nimmt in Siegen den Anschluß aus Richtung

Hagen auf und hat in Gießen Anschluß in Rich­tung Frankfurt (Main) und Kassel.

Zur Verbesserung der Vormittagsverbindungen auf der Strecke Herborn Westerburg ist ein neues Zugpaar in den Sommermonaten zwi­schen Herborn und Westerburg vorgesehen, das im Anschluß an den neu eingelegten Perfonenzug auf ter Hauptstrecke eine gute Verbindung dar­stellt. Für den neueingelegten Zug ist folgender Fahrplan vorgesehen: Westerburg ab 9,14, Her­born an 11,08, Herborn ab 11,18, Westerburg an 13,09. '

Ferner soll eine neue Verbindung Sie­gen big Frankfurt durch den Zusammen­schluß des in Siegen um 17,27 Ahr abfahrenden Personenzuges 1874 mit dem Personenzug 1632 (Haiger ab 18,08) in Dillenburg hergestellt wer­ten. In Gießen besteht Anschluß in Richtung Frankfurt (Main).

Zur Belebung des Geschaftsverkehres auf der Strecke RiederwalgernHerborn sollen die Personenzüge 3374 (Riederwalgern ab 9,24) und 3383 (Riederwalgern an 12,53) bis und ab Hartenrod versuchsweise durchgeführt werden.

Die Fahrpläne unterliegen noch der genauen Durcharbeitung. Es können sich daher die an­gegebenen Abfahrt- und Ankunftszeiten noch geringfügig ändern.

Gedämpft klingt der pflichtgemäß gespendete Beifall der Senatoren, schnell, fast zu schnell leert sich diesmal der Saal...

Draußen weht schwer und schwül, bedrückend der warme südliche Wind, jener das Atmen erschwerende Tauwind. Vom Dach der Dulä flattern mit trägem Flügelschlag ein paar kräch­zende Raben auf... ein Symbol

Anrecht Gut gedeihet nicht!

Oberhessen.

Kreis Büdingen.

Ridda, 20. Febr. Der Gemeinderat setzte in seiner heutigen Sitzung den Termin für die Bürgermeister-Stichwahl auf den 2. März fest.

* Ober-Widdersheim, 20. Febr. Die hiesige Bierbrauerei von Otto Weis ging ohne das Gasthaus in den Besitz der Brauerei Zhring-Melchior,. K.-G., Lich, über.

S Ortenberg, 18. Febr. Der Bezirks­lehrerverein Ortenberg hielt dieser Tage hier eine Konferenz ab. Zunächst hielt Lehrer Reiber t (Bergheim) einen Vortraa über das ThemaDie Seele des Erziehers", der allgemein lebhafte Anerkennung fand. Weiter wurde eine Entschließung gegen den ge­planten Abbau an der Volksschule gefaßt, die zur weiteren Veranlassung dem Vor­stand des Hessischen Landeslehrervereins über­mittelt wurde. Zn dem kleinen Bezirksverein Ortenberg allein sind vier einklassige Schulen, in denen die Schülerzahl im nächsten Jahre auf 70, 80 und sogar auf 100 Kinder ansteigen wird. Man wirft hier die Frage auf, ob in diesen Orten nicht sogar die Anstellung eines zweiten Lehrers erforderlich sei.

Kreis Schotten.

Laub ach, 20. Febr. Gestern abend fand imSchützenhof" bei zahlreicher Beteiligung eine außerordentliche Generalversamm­lung derAusfchußgesellschaft" unter dem Vorsitz des Hauptmanns Karl P i h statt. Zunächst wurde über die Verlegung des dies­

jährigen Ausschuhfestes verbandelt. Wie bereits berichtet, würde der alljährlich am zweiten Sonn­tag im 3uni stattfindendeAusschuß" in diesem Jahre mit Pfingsten zusammenfallen, ein Fall, der 1886 zum letzten Male vorgelommen ist. Rach längeren Ausführungen touwe einstimmig be­schlossen, das Fest um eine Woche zu ver­legen, so dah es in der Zeit vom 15. bis 1 7. 3 u n i in althergebrachter We.se gefeiert wird. Gleichzeitig wurde der Wunsch ausgesprochen, den seit drei 3ahren hier eingeführten Prä­miierungsmarkt auch in diesem 3ahre wie­der stattfinden zu lassen und deshalb bei dem Gemeinderat, der in seiner letzten Sitzung die Abhaltung des Marktes für dieses Zahr abge­lebt hat, nochmals vorstellig zu werden. Zum Schlüsse wurde die Reuanschaffung eines Tanzbodens beschlossen. Der von Fachleuten aufgestellte Voranschlag beläuft sich auf etwa 850 Mark. Von der Stadt ist zu diesem Zwecke bereits ein Betrag von 150 Mark bewilligt worden.

cp Gedern, 19. Febr. 3m Gemeindesaal der Kirche trat gestern die K ir ch e n ge m e in d e- Vertretung zu ihrer ersten diesjährigen Sitzung zusammen. Es erfolgte zunächst die Be­ratung des Voranschlags für das Rechnungs­jahr 1930. Der vom Kirchenvorstand bereits durchberatene und mit äußerster Sparsamkeit auf- gestellte Voranschlag, der im 1. Teil (Kirchen­fonds) mit 4306,33 Mark in Einnahme und Ausgabe und im 2. Teil (Pfarrbesoldungsfonds) mit 1849,07 Mark in Einnahme und Ausgabe abschlieht, wurde einstimmig angenommen. So­dann nahm die Versammlung den Bericht des Kirchenvorstands über den religiös-sittlichen Zu­stand der Gemeinde Gedern im 3ahre 1929 ent­gegen, woran sich eine längere Aussprache an- schloh

V Gedern, 19. Febr. Der Pferdever­sicherungsverein Gedern hielt dieser Tage unter Leitung des 1. Vorsitzenden, Land­wirt Karl Franz IIL, seine diesjährige Ge­neralversammlung ab. Aus dem Tätig­keitsbericht des Vorsitzenden konnte man ent­nehmen, dah die Mitgliederzahl des Vereins auf 274 angewachsen ist und 385 Pferde mit

versprochen, den nächsten Rachmittag wieder mit ihm zu verbringen.

Warum kam sie nicht?... Warum gab sie ihm keine Rachricht?...

Zn den letzten Tagen hatte er kaum einmal sein Bureau verlassen. Zmmer hatte er gehofft, daß Eva ihn anrufen und ihm die Gründe ihres Ausbleibens mitteilen würde.

Sein Warten war vergeblich gewesen.

Cs war, als sei Eva vom Erdboden verschwun­den.

Sorge um Eva erfüllte ihn und wuchs mit jeder neuen Stunde.

War Eva krank geworden? ...

Oder... hatte ein anderes Hindernis sich ihrem Kommen entgegengeftellt? Dann hätte sie ihn sicher verständigt.

Zmmer wieder tauchte in diesen Tagen des bangen, sehnsüchtigen Wartens jene Stunde vor Schulhofs auf, als er Eva gebeten hatte, ihm von ihrem Leben zu erzählen. Warum hatte sie damals feinen Wunsch nicht erfüllt? ... War­um in dieser seltsam angstvollen Weise ihn auf später vertröstet? ...

Bestand hier ein Geheimnis... ein Geheimnis, das über Evas Leben lastete... und das sie ihm verbergen wollte?...

War dieses Geheimnisvolle auch die Arsache ihres Fernbleibens... ihres völligen Schwei­gens? ...

Schulhofs wußte sich keinen Rat mehr. Die Sehnsucht nach der fernen Geliebten lohte flam­mengleich in ihm. Dann wieder nahten Zweifel, dunkle, lastende Zweifel, die ihm fast den Ver­stand raubten.

Aus einer Stimmung stürzte er in die andere. Verzweifelt klammerte er sich an die Hoffnung, Eva doch bald wiederzusehen. Aber diese Hoff­nung wurde geringer mit jedem neuen Tag.

Am feinen qualvollen Gedanken zu entfliehen, ging Felix Schulhofs eines Abends ins Theater.

Als et bei der Städtischen Oper ankam, be­traten gerade die letzten Besucher das Gebäude. Der Zuschauerraum war schon dunkel, und Schul- hoss hatte Mühe, seinen Platz zu finden. Gleich darauf jagte die Einleitungsmusik derWalküre" dahin.

Teilnahmslos saß Schulhofs da. Auch als nach­her der Vorhang sich hob und das Spiel auf der Bühne begann, regte sich kein Interesse in ihm.

Die Stimmen der Sänger, das Spiel des Or­chesters wehten an ihm vorüber. Fern, wesen­los erschien ihm alles.

Die vielen Menschen, die um ihn herum saßen, bedrückten ihn. Ich hätte nicht hierher gehen sollen! dachte er. Was gehen mich die Leute an, die dort oben fingen und spielen!...

Er schloß die Augen, um nichts mehr zu sehen.

Aber nach einer Welle floh eine seltsam heiße Erregung über ihn hin. Er wollte dieses Reue von sich abschütteln, aber es lieh ihn nicht los.

Mit starren Bsicken sah er zur Bühne hinauf. Sah Siegmund und Sieglinde beisammen, Rächt war um sie, aber ihre Liebe leuchtete Heller als der Tag. Sehnsucht, die aus den Klängen des Orchesters klagte und jauchzte. Sehnsucht, die Erfüllung finden mußte...

Schulhofs zitterte am ganzen Körper. Die brünstige Musik brannte ihm im Blut. Seine Liebe schrie verzweifelt. Warum kam Eva nicht zu ihm?...

Mußte sie nicht alle Hindernisse überwinden und den Weg zu ihm finden... so wie jene Frau auf der Bühne, die allen Gefahren trotzte und dem Manne, den sie liebte, zu dem sie ge­hörte, folgte?...

Wie in einem Taumel verließ Schulhofs, als der erste Akt zu Ende war, den Zuschauerraum. Er ließ sich von der Wenschenwoge, in deren Mitte er sich besand, treiben.

Run stand er im Foyer. Vielstimmiges Ge­rede erfüllte den weiten Raum. Langsam, plau­dernd promenierten die Zuschauer an ihm vor­über. Mit leeren Blicken sah Schulhofs über sie ihn.

Da war ihm, als fahre ein Blitz vor ihm nieder.

Eine Dame und ein Herr erschienen in seiner Nähe.

Eva!... wollte Schulhofs schreien.

Run erblickte ihn die Dame. Mit Welten, entsetzten Augen sah sie ihn an. Sie machte eine Bewegung des Schreckens, ihr Gesicht wurde todesblah.

Dann ging sie, die Blicke zu Boden gerichtet, an ihm vorbei, als kenne sie ihn nicht.

* * *

Peter Honn-ckers scharfen, mißtrauischen Augen entging es nicht, daß Eva Witte plötzlich zusam- menfuhr. Er sah ihr verstörtes Gesicht, er folgte ihren Blicken und gewahrte in der Rähe einen Herrn, der Eva wie ein Gespenst betrachtete.

Er ist es! dachte Honnecker.

Wie mit Flammenmalen brannte sich das Aus­sehen des Mannes in sein Gedächtnis.

Gewaltsam zwang er sich zur Ruhe. Er tat, als habe er den Zwischenfall nicht bemerkt, und ging mit gleichgültiger Miene neben Eva her.

Als sie am anderen Ende des Foyers an­kamen, sagte Eva Witte:

Ich möchte wieder in die Loge gehen... ich habe wahnsinnige Kopfschmerzen und ertrage die vielen Menschen hier nicht..."

Ihre Augen hingen in verzweifelter Angst an Honneckers Zügen. Aber da zeigte sich nichts, was darauf deutete, dah er ihr Erschrecken vor­hin bemerkt hatte.

einem Dersicherungskapital von 281 500 Mark versichert sind. 3m Laufe des Geschäftsjahres 1929 wurden an zwölf Mitglieder als EntschÄi« gung für gefallene oder unbrauchbar gewordene Tiere 6135 Mark ausgezahlt, außerdem wurden aus dem 3ahre 1928 an Entschädigungen noch 2250 Mark auf das 3ahr 1929 übernommen. Die Satzung des Vereins wurde im Aprll 1929 von der Aufsichtsbehörde genehmigt. Rach Geneh­migung des Tätigkeitsberichtes erstattete der Rech­ner Karl Franz IV. die Rcchnungsablage. Der Abschluß ergab ein Guthaben, einschließlich der rückständigen Prämien, von 2714.05 Mk. Dem Rechner wurde mit Dankesworten Entlastung erteilt. Rachdem man auch dem Gesamtvorstand für seine Mühewaltung im verflossenen 3afjre gedankt hatte, wurde der Vorstand einstimmig wiedergewählt; er besteht aus Karl Franz III. als 1. Vorsitzenden, Gustav Seibel als 2. Vor­sitzenden, Karl Franz IV. als Rechner, Richard Reichert als Schriftführer und Dr. K r i m - m e l als Beisitzer. 3n den erweiterten Vorstand wurden der Land- und Gastwirt Gustav Seipel und Karl Müller IV. w'edergewähK Hierauf sprach der 1. Vorsitzende über die oberhessische Diehverslcherung. Anschließend beschloß die Ver­sammlung einstimmig, ein Ersuchen der Ober- hessischen Viehversichcrunqsgescllschaft auf Heber» nähme des Pferdeversicherungsvereins Gedem abzulehnen. Zum Schlüsse beschäftigte man sich mit einer Reihe weiterer, mehr interner An­gelegenheiten. De Lehrerschaft desDe » zirks Gedern hielt hier eine Konferenz ab, in der Lehrer Sauer (Ober-Lais) einen Vor­trag überRundfunk und Landschulhaus' hielt. An den interessanten Vortrag schloß sich eine rege Aussprache an. Der GesangvereinLie­de r k r a n z" veranstaltete am Sonntagabend im Bergwirtshaus einen Liederabend, bei dem Män­nerchöre mit gemischten Chören eines Quartetts in glücklicher Folge wechselten und sämtlich in mustergültiger Weise zum Vortrag kamen. Der künstlerische Erfolg des Abends ist in der Haupt­sache dem bewährten Dirigenten Lehrer Riedel zuzuschreiben, der den Sängerchor mit feinstem musikalischen Verständnis führt. Sämtliche Dar­bietungen fanden recht lebhaften Beifall. Den Ausgang des Abends bildete ein Tanzvergnügen-

Kreis Lauterbach.

£ Lauterbach, 20. Febr. Der hiesige Ver­ein ehemaliger 116er hielt dieser Tage seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende war in der Lage, in seinem Jahresbericht den Mit­gliedern eine günstige Entwicklung des Vereins im verflossenen Geschäftsjahre berichten zu können. Die Migliederzahl beläuft sich zur Zeit auf 135. Aus dem Bericht des Dereinsrechners war zu entnehmen, daß die Kasse am Schlüsse des Rechnungsjahres einen Bestand von rund 910 Mark aufzuweisen hatte, obwohl der Verein im verflossenen Jahre eine Anzahl bedürftiger Mitglieder unterstützte. Dem Rechner wurde Enllastung erteilt. Die Versammlung ermächtigte den Vorstand, künftighin bei schriftlichen Gesuchen im Bedürftigkeitsfalle Beihilfen bis zu 20 Mark zu gewähren, jedoch besteht kein Rechts­anspruch hierauf. Auf dem diesjährigen 116er» Verbandstag in Gießen soll der Antrag ge­stellt werden, den Verbandstag im Jahre 19 31 in Lauterbach abzuhalten, da 1931 die hiesige 116er-Vereinigung auf ihr lOjähriges Be­stehen zurückblicken kann. Man beabsichtigt weiter, in diesem Jahre wiederum ein Militärkonzert zu veranstalten, wofür man auch die Mitglieder des Alsfelder Vereins gewinnen will. Del der Dor- standswahl wurden die bisherigen Vorstandsmitglie­der einstimmig wiedergewählt.

Lauterbach, 21.Febr. Der Männer­gesangverein ^Liederkranz" hielt am Mittwochabend seine Frühjahrsgeneral» Versammlung ab. Rach dem Geschäfts­bericht hat sich der Verein auch im verflossenen Jahre sehr gut auswärts entwickelt. Der Kassen­bericht zeigte einen Vermögensbestand von

Wie du willst", antwortete Honnecker und folgte ihr in die Loge.

Sie konnte es kaum erwarten, bis der Zu^ schauerraum wieder verdunkelt wurde. Zu Ende war sie mit ihrer Kraft. Keine Sekunde länger hätte sie ihre maßlose Erregung vor Honnecker verbergen können.

Felix war im Theater!...

Er hatte sie gesehen... nie würde sie den Ausdruck des Entsetzens in seinem Gesicht ver­gessen, als er sie in Honneckers Gesellschaft er­blickt hatte!...

Was mochte er von ihr denken?...

Derzweiflungsschreie wollten ihr von den Lip­pen brechen. 3hr Körper bebte in Fieberschauern. Sie meinte, sie müsse aufsvringen und zu Felix eilen, um ihm alles zu erklären...

Mußte er sie jetzt nicht verachten?... sie hassen?...

Ein neuer Gedanke nahm ihr den Atem.

Wenn Felix sie in der nächsten Pause suchte, vielleicht in ihre Loge kam, um Aufllärung von ihr zu fordern... , , , ,

Dann erfuhr Honnecker, wer sein Rivale war ... dann wurde auch Felix mit ins Unglück hineingerissen... _

Zäh erhob sich Eva und versieh die Loge. Honnecker kam hinter ihr drein.

Was ist los?" fragte er barsch.

Eva schlugen die Zähne aufeinander. Sie konnte kaum mehr sprechen.

3ch muh nach Hause", stammelte sie.Mir ist ganz elend ..."

Honnecker wuhte, was in ihr vorging.

Ich werde die Mäntel holen."

In einem Mietauto fuhren sie nach dem Grü­newald hinaus.

Honnecker sagte, als sie vor seinem Hause an» kamen:

Ich fahre nochmals zur Stadt. Ich wollte mit dir nach der Vorstellung zu Adlon gehen, wo ein Geschäftsfreund mich erwartet. Run muh ich eben allein gehen."

Er wartete, bis Eva im Hause war, und schloß selbst das Tor zu. Dann blickte er auf die Uhr.

Es mußte reichen! ... Er mußte bis zur zweiten Pause wieder im Theater sein!

Wohin soll ich fahren?" fragte der Chauffeur, als Honnecker wieder zum Wagen kam.

Zur Städtischen Oper zurück! Aber so schnell wie möglich! Sie bekommen zwanzig Mark extra, wenn Sie bis halb zehn Uhr dort sind!"

Wird gemacht, Herr!"

Sie kamen gerade an, als die Pause begann. Honnecker gab seine Garderobe ab und eilte ins Foyer.

Durch eine Säule gedeckt, beobachtete er die Leute, die im Saal promenierten.

Endlich tauchte auch der Erwartete auf.

(Fortsetzung folgt.)