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von dreien dieser altindischen Dolksstämme «Sora. Djuang, Mäyda) ausführlich. Er schloß mit der Ditte, vast die Hörer des Dortrages diese bisher gänzlich übersehenen 'Rassen, ihre ethnologische Bedeutung, ihre Vorzüge nicht vergessen möchten.

Dr. L.

konfessionell? und soziale Gegensätze zerttüftcten Volkskörper zum Doroild dienen könnte. Hier sitzt der Odenwälder Dauer, dem die H-imatscholle keine hinreichende Nahrung mehr bieten konnte, zusammen mit dem Odenwälder Handwerker, dem Geschäftsmann, dem Soldat, dem Beamten, dem Studenten und dem Akademiker: sie alle fühlen sich durch ihre gemeinsame Heimat verbunden und kommen sich menschlich näher. So trägt der Zusammenschluß der Odenwäl er LandZleate in unserer Stadt zu seinem Teil zur Ueberbruckung der bestehenden Gegensätze und zur Schaffung wahrer Volksgemeinschaft bei.

" Vorträge über Hölderlin und Nopalis Man berichtet uns: 3m ersten der Vorträge behandelte Lic. Robert Goebel die Schicksalsfragen, die sich aus einer Betrachtung her Biographie Hölderlins ergeben. 3n der Kind­heit putzte sich Hölderlin von ..Göttern" getra­gen, in deren Arm ev aufwuchs. Dadurch war ein besonders inniges Verhältnis zur Natur gegeben, das im weiteren Leben Hölderlins einen starken Nachklang hatte. Die Notwendigkeit des Erdenberufes, der Verkehr mit Menschen, waren dann die Anlässe, durch die sich der Dichter immer wieder am sich selbst und in die Einsam­keit zurückgeworfen sah. Der Vortragende ver­deutlichte es an den einzelnen Beispielen, die für das Schicksal Hölderlins charakteristisch sind. Dadurch wurde auch die Erkrankung Hölderlins dem Verständnis nähergerückt: dessen Ruf nach der heilenden Natur wurde begreiflicher. Beson­ders zur Ausführung kam dann die Stellung Hölderlins zu dem Schicksal und tpie er die Schick- salsbejahung als den Weg zur Verwirklichung des Menschentums betrachtcf. Deswegen bringt das Schicksal nicht nur Leid, sondern- auch Begeisterung. Die Ausführungen werden ihre Ergänzung beim zweiten Vortrag am nächsten Fpssitgg erfahren.

** Vetrissbsrate 'n BankbetrIebeN- Vpm Deutschen Vanfbeamtssn-Bssrein, Zwejgver- ssin Gjsssten, wird uns geschrieben: Die neueste Nummer derBantbeamien-Wachf'. des Organs des Deutschen Banibcamten-Vereins, Gau Süd- spestdssutschlaud, gibt Kenntnis von dem Ergebnis einer interessanten Erhebung, die die genannte Organisation auch in diesem 3ghre in den Danf- betriehcn Südwestdeutschlands über das Bestehen und Pie Zusammsnsktzung von Petriehspertretun- gen tN pen südspestbeutschen Vqnsssn und Bank- fmnen durchgefuhrt hat. Bon pißjep Erhebung wurden 131 Bankbetriebe an 24 Plätzen erfaßt, wobei bemerkt zu werden verdient, daß in nahezu sämtlichen Vanlbsstrieben. wo die Voraussetzung gen vor.jegen, Vctriebsvertretungen bestehen. Insgesamt sind in diesen Betrieben 377 Be- triebstprtretungsmitglissder (Betriebsräte und Be° triehsobleute) vorhanden. Pon denen 3P2 dem Dcutscl^n Vflufbeamten-Ve'rkiNi 34 dem Kassen- botknverbqnd. 5 dem Dcutschngtipnalen Hand- lungsgchisfen-Vexband, 4 bpm Gewexlschqftsbund der Angssltellfeu unp 1 Vfifglied dein Allgemeinen Verband ppr deutschpn Banlangesteslten als Mit­glieder angeboren, während 31 Mitgsjeder or- gainsgtionslos sind. Bon den Betrjebsratsmit- gliedern gehören 22 den Aussichtsräten an Diese in die AusÜchtsräfe entsandten Betriebsratsmit- glieder werden sämtlich pon der Fachvrganisgtion IM Bankgcwssrbe, dem Deutschen Bankbeamten- Verein, gestellt.

** Hessische Iahrestagung des B u n des Deutscher Architekten. Man berichtet uns: -Unter starker Beteiligung der Mitgliedschaft aus dem Freistaate Hessen, sowie Hessen-Nassau tagte der Bund Deutscher Archi­tekten in Frankfurt a. M. Dex 3ahvesbexicht läßt für öen freien Architektenstand die erneute Ver­schlechterung her allgemeinen Lage in einem Ausipast erkennen, hie pon einem katastrophalen Zusannnenbruch Pes Berufes nicht mehr west entfernt ist. Die Ursache bildet die kapitalmäßige Verschlechterung in her Wirtschaft und die Drosse­lung des Wohnungsbaues durch die Kommunen.

* Berufung an hie Universität Gießen. Wie dieHochschulkorrespondcnz" er­fährt, hat der ordentliche Professor an der Technischen Hochschule in Stuttgart, Dr Gustav D o c t s ch , einen Auf auf die durch dir Eme­ritierung von Professor L S ch l e s i n g e r an der Universität Gießen erledigte ordentliche <ßrPr sessur der Mathematik erhalten.

" Die Sommerferien an den Gieße- ner Schulen. Zu dem gestrigen Eingesandt über die Schulferien hören wir von zuständiger Seite, daß die Sommerferien an den Gießener Schulen, unb zwar höhere Schulen und Volts- schulen, entweder am 12. oder am 19.Ousi be­ginnen werden, je nach der Lage der Sonuuer- ferienzüge der Reichsbahn. Die Entscheidung dar­über. ob der erste Ferientag der 12. oder der 19. Juli sein wird, soll in Kürze erfolgen. Damit hält sich der Beginn der Gießener Sommersprisn im Rahmen dessen, was seither alljährlich üblich war, und die Beschwerden der Schreiberin des gestrigen Eingesandts dürften wohl hinfällig ge­worden fein.

"* * Odenwälder Heimatperpinigung. Eine der jüngsten, aber hofinunasuollsten Ver­einigungen in unserer Stadt und ihrer Umgebung ist wie man uns berichtet die Odenwäldpr Heimatvereinigung, die sich am Samstagabend zum erstenmal in einer größeren Familienzusam- msnkunft im Saale des Hotel Hindenburg zu- sammenfand. Rund 160. Odenwälder Landsleute füllten den Saal bis auf den letzten Platz. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden, Rektor i. R. Val. Müller, überreichte Herxr B ü x l e p eine von Frau B ü r l c r und Frau Enders gearbeitete Tischstandarte, die in recht sinniger Weise und sehr netter Ausführung dssp »Baum im Odenwald" zeigt, unter Demich schon so manchesmal mit meinem Schatz gewest", wie es in dem bekannten Odenwälder Volkslied heißt-Die­ses hübsche Symbol des Gefühls der Odenwälder Heimatverbundenheit wurde von Herrn Valentin Müller mit dankenden und anerkennenden Worten namens der Vereinigung übernommen. Bei froher Heiinatstiinmung. beim Singen von trauten Heimatliedern und mancherlei humor­vollen Darbietungen in Odpuwälder Mundart, wobei dje Mitwirkung der Odenwälder Stu­denten sehr bejsälsig ausgenommen wurde, ver­brachte man recht gemütliche Stunden. 3n drückender Enge riskierte man schließlich auch noch mehr als ein Tänzchen, wobei die Raumnot zur Einteilung der Tanzlustigen nach ihrer Ge- bürtigteit aus den politischen Kreisen Starken­burgs führte. Dabei ergab sich, daß naturgemäß die eigentlichen Gebirgskreife Die Hauptmasse per Teilnehmer stellten, daß aber vuch aus der Rhein- und Mainebene nicht wenige sich zum schonen Odenwald hingezogen fühlen. Man ist versucht, wenn mau von der Gründung eines neuen Vereins hört, sich seine eigenen Gedanken zu machen. Wer aber Den Sinn Der Odenwälder Heimatvereinigung ersaßt und das in ihr pul­sierende Leben beobachtet hat, dem werden hie wertvollen Seiten einer derartigen Vereinigung ausgegangen sein. 3n unserer schnellebigen und auss Materielle gerichteten Zeit ist jeher ideell gerichtete Zusammenschluß von Volksgenossen zu begrüßen, zumal wenn es Die gemeinsame Hei­mat ist, Die Dje Grundlage Der Vereinigung bildet Und ebenso wertvoll ist, daß hier das Bewußtsein Der Heimatverbundenheit Menschen ohge Rücksicht auf Stand, Alter, Geschlecht, Kon­fession und Parteizugehörigkeit züsammensührt: asle traditionellen Schranken sind hier gefallen und hapen einem Gemeinschaftsgeist Plqtz ge­macht, der unserem durch so viele politische,

Der Traum vom W.

Vornan von E Lovett und M. v. Weißenthurn.

Copyright by Marie Brügmann, München 17 Fortsetzung. Rg-chruck perbqteg.

Endlich öffnete sich die Tür des Herrenzimmers. Doris schlüpfte schnell hinfkr kilwN der schwerkn dunklen Fenstervorhänge am äussersten Ende des Saales und rührte sich nicht, bis ihr Onkel, pon seinen Gästen umgeben, Den großen Raum durch­schritten hatte. Etwas später als Die übrigen trat Rechtsanwalt Hagenau heraus, der auf der Schwelle einen Augenblick wie unschlüssig stehsne geblieben war. Doris zog sich noch tiefer zurück, denn von ihm wollte sie am allerwenigsten ge­sehen werden. Erst jetzt wurde ihr Vetter sichtbar, der noch Die letzten Züge aus seiner Zigarre Machte und deshalb absichtlich zögernd hinter den anderen zurückzubleiben schien. Als er endlich die Tür des Spielzimmers hinter sich schloß, waren die anderen Herren bereits ini Salon ver­schwunden. Doris brauchte nun mit ihrer Bot­schaft nicht länger mehr zu zögern.

Hätte Doris ein paar Minuten später von ihrem kleinen Zimmer aus Zeugin der nun fol­genden Unterredung fein können, wäre sic nicht wenig erstaunt gewesen: sie erinnerte wahrlich nicht an ein Stelldichein zweier Liebenden

Vis in die Lippen prleidü und in einer fast trotzigen 'Weise hatte Sabine soxben ihr Anliegen vorgebracht. Und mit ebenfalls blassem Gericht und kaltem, hochmütigem Ausdruck hatte sie Kurt angehört. Er trug eine übertrieben höfliche Ve° reitwilligkeit zur Schau, um sie ahnen zu lassen, wie tief sie bei jedem Worte in seiner Achtung sank.

Was müssen Sie von mir denkenI" wiederholte sie von Zeit zu Zeit mit verstörter Miene.

Oh, ich bitte, sich deshalb nicht zu beun­ruhigen!" antwortete Kurt in artigem, a&cr eisi, gern Ton.Selbstverständlich bin ich froh. 3hnen in Obrer Verlegenheit beistehen zu dürfen. Es versteht sich von selbst, daß man einer Dame, besonders einem Gast, gern gefällig ist. 3ch be­dauere nur, daß Die Summe, Deren Sie beDürfen, etwas höher ist als die, die ich augenblicklich zur Verfügung habe. Es wird Darum lei Der ein kleiner Aufschub erforderlich fein. Wenn ich nicht irre, bemerkten Sie soeben, daß Ihnen ein 'Wech­sel nichts nützen könne?"

Er hielt inne und sah sie gespannt an, in der Hoffnung, sie würde ihm vielleicht jetzt ein offenes Geständnis ablegen. Hätte sie es getan, wäre viülleicht noch alles aufgeklärt worden, aber ihr», leichthin gemachte Andeutung vonaugcnbL liehen Schwierigkeiten" ließ aus nichts Bestimm- tcs schließen, gab Dafür aber Spielraum für alle auch Die schlimmsten Auslegungen

Er hatte vergeblich gewartet, Denn nur ein kurzes Kopfnicken war Die Antwort auf feine Frage: Dabei vermied sie geflissentlich, ihn anzu- sehen.

Ziehen Sie nicht noch andere Namen in Diese Angelegenheit I" erwiderte Kurt ungeduldig auf ihre Frage.Sie betrifft niemand weiter auf Der Welt als uns Heide. Cs wäre mir niemals in Den Sinn gekommen, von meinem Freunde Hggenau oder Dpris irgendwelche Aufklärungen über Sje zu perlgngeu. Wilsen Denn diese noch etwas anderes über Sie als ich seihst?"

Wenn Sje allo bereits unterrichtet sind, warum haben Sie dann. . ?'OH, Dannfeien Sie doch nachsichtig mit mir!" hat ü^TWenllich. Können Sie es mir nicht nas<fmpfinDen, wie ich vor Scham vergehe, Daß im Sie gerade Sie um dieses Darlehen ersuchen muß?"

Gewiß fühse ich Ihnen das nach," sagte er mit einer Schärfe unter der sie wiederum zu- wrnmenzuckte.Ich beDauere Sie auch deshalb: Sie aber mit Nachsicht zu behandeln, zu beur­teilen, geht völlig über meine Kräfte. Aper sollten Sie sich jemals von Den unwürdigen Ban­den, die Sie umstricken, zu befreien wissen pnD auf rechtliche, ehrbare Wege zurückkehren, Dann ja Dann will ich Nachsicht mit Ihnen haben."

Sabine seufzte schwer. Wie konnte ep vpn ihr erwarten, Daß sie die unauslöschliche Schmach eines verbrecherischen Vaters jemals abzuschüt- teln vermöchte! Wie fcltiqm, das von ihr zu verlangen! Daß ihr Vater seine Erpressungs­versuche nur zu bald wiederholen würde, lag für sie auf Der Hand. Ohre einzige Hoffnung bestand noch darin, ihn vielleicht zuin Auswan- Dern bewegen zu können. Sie wollte Diesen Punkt mit ihrer Mutter beraten, bevor sie Dem Vater die verlangte Summe übergqb.

Cs ist völlig zwecklos, noch mehr Worte Dar­über zu machen!" sagte sie jetzt dumpf.Die Sache ist unabänderlich und ich - ach Gott - ich kann ja nichts Dagegen tun! Gott allein weiß es, wie tief gcDentütjgt ichlick fühle. Ihnen em solches Ansinnen stellen zu müssen."

Das Geld wird spätestens morgen abend in Ohren Händen sein. Hebrigend Sie sind im Irrtum, wenn Sie annehmen, daß diese Bitte es ist. Die Sie in meinen Augen herabgewürdigt hat." Er jnauDte sich zur Tür und sagte noch über die Schulter:Och schreibe sosort an meinen 'Bankier und sende, sobald der Morgen graut, einen Er preß boten an ihn, der das Gewünschte hoffentlich gleich mitbringen wird."

Wie soll ich Ihnen'danken?!" schluchzte Sa­bine mit erstickter Stimme.

-Och bitte Sie, meinen tiefen, unsagbar tiefen Summer nicht noch unerträglicher zu machen. Ich begehre keinen Dank von Ihnen!"

Die Tür lchloß sich hinter ihm ec war fort. ®rft letzt wurde sich Die unglückliche Sabine

Es kam auf der Tagung die Erwartung zum Ausdruck, daß das Reich die Mittel aus Dem Hauszinsfteucrau, rammen mit tunlichster Be­schleunigung der Wirtschaft zusührt, und in Den Richtlinien über Die Verteilung die Heranziehung Der privaten Bauwirtschaft erseichtert. Lebhafte Klage geführt wurde auch über die Nebenbeschäs- tigung der Beamten und Die architektonische Bearbeitung des Wohnungsbaues durch Die Hoch­bauämter von Staat und Gemeinden. 3n diesem Zusammenhang bildet die Frage des Nachwuchses unter den freien Architekten mit dem Drängen in Beamtenstellen unterzukommen, ein ernstes Problem des Niederganges unserer baukünstle- rifeben Kultur. Der alte Vorstand, unter Dem Vorsitz von Prof. Hugo Eberhards (Offen­bach) wurde durch Zuruf wiedergewählt. Gleich­zeitig gedachte man des Ehrenpräsidenten des Bundes, Professor Gursitt (Dresden), der am 1. Januar in seltener Rüstigkeit und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag begehen konnte.

Oie Erweiterung des Konihkststists.

z< Bad-Nauheim, 22. 3an. Der Erwei - rungsbau des Konihkystists, über dessen Projektierung wir schon berichteten, wurde gestern in Der Sitzung des Stadtrats fast einstimmig beschlossen, nachdem Bürger­meister Dr. Ahl in längeren Ausführungen die Notwendigkeit des Projekts eingehend begründet haste. Mit Den Bauarbeiten wird im Herbst d. 3. begonnen-

Aus dem Schottener Gemeinderat.

i2. Schotten, 18. 3an. Seine erste Sitzung hielt der neugewähls e Gemeinde ra t Der Stadt gestern im Rashaussaal ab. Bürger­meister Menget führte mit entsprechenden Wor­ten Die neuen Mitglieder in ihr verantwor­tungsvolles, oft undankbares Amt.ein- Die fom- mende Wahlperiode wird an äußeren Erfolgen nicht so reich sein, wie Die abgelaufene. Die Not Der Zeit. Die Geldknappheit wird Die Ausfüh­rung größerer Projekte nicht zulafsesi. Es gilt zu erhalten und zu kämpfen, um das. was man hat. Die neuen Herren wurden Dann durch Hand­schlag auf treue und gewissenhafte Führung ihres Amtes verpfsschtet. Nach Mitteilung verschiedener geschäftlicher Punkte und einschlägiger Bestim­mungen der Landgemeindeordnung wurden Die verschiedenen Kommissionen gebildet, Der Schul­vorstand und gewerbliche Schulvorstand gewählt, als Kontrolleur Herr Stang bestimmt- Eine Reihe von Gesuchen wurde erledigt. Ein Bau­platz über Der Psarrgglle, Der etwas abseits gelegen ist, wurde zum Preis pon 50 Pf. pro Quadratmeter abgegeben. Der Bauherr muß ver­zichten auf besondere Zuführung von Kanalisa­tion und Ausbau Der Straße und Straßenbeseuch? tung, Da dje Kosten hierfür zu teuer werden.

Oer Wormser Oberbürgermeister amtsmüde.

WSN. Worms, 21. 3an. lieber Rück - tritssabsichten des Oberbürgermeisters Wilhelm Rahn wird fosgenDes besannt: Der Oberbürgermeister hatte bei den zuständigen Ver­waltungsstellen ein Gesuch eingereicht, in Dem er unter Darlegung Der Gründe, Die gesundheitlicher Art sind, bat, in Den Ruhestand versetzt zu wer­den. Dieses Rücktrittsgesuch war Gegenstand einer Sitzung des Aeltestenrats, Die gestern vormittag im Rathaus statsfand. Nach längerer Aussprache kam man zu Dem Schluß, Dem Oberbürgermeister Die Bedenken des Aeltestenrgtes vorzutragen und ihn zu bitten, in Die Sitzung zu kommen. Ober­bürgermeister Rahn entsprach diesem Wunsche. Nachdem Die Mitglieder des Aeltestenrats ihre Ansichten dahingehend geäußert hatten, daß unter den obwaltenden Umständen die Bewilligung eines Ruhegehalts sehr fraglich fei, erklärte Ober­bürgermeister Rahn, sich nochmals zu über­legen, ob er das Rücktrittsgesuch aufrechterhalte. " " r 11 . 1 < 1 '11 bewußt, um welchen Preis sie die Sicherheit des teuren Mannes erkauft hatte. Aber er sollte nie­mals die Wahrheit erfahren, nie ahnen, daß sein Leben von einem Mordgesellen barm­herziger Gott, ihrem eigenen Vater bedroht gewesen war, daß sein in ihre Hände gelegtes Geld lediglich Den Zweck hatte, hie Kugel von seinem eigenen Herzen abzuwenden.

Oh, hätte er das ahnen können I 3n seiner Seele lebte nur her Schmerz, sein angebetetes Ideal, seine Göttin in Den Staub gesunken zu sehen. Sein Glück war zertrümmert, seine heiße Liebe hatte sich in Verachtung verwandelt- Und Dann das nagende Gefühl: es gab einen anderen Mqnn, Der nähere Rechte auf sie hatte. Oh, es war zmn Wahnsinnigwerden!

Mit solchen Gefühlen sah dann Kurt von Wild­hofen in seinem Zimmer und schrieb Die für seinen Bankier bestimmten Zeilen.

Nachdem er seinen Kammerdiener mit ihrer pünktlichen Besorgung beauftragt hatte, blieb er noch lange am Schreibtisch sitzen: den Kopf in Die Hand gestützt, starrte er wie abwesend vor sich hin. Cs war ihm, als blicke er in Die Asche seines zerstörten Lebensglückes, und sein Herz wand sich in stummer Quql.

Die Liebe zu Sabine hatte schnell in ihm Wurzel gefaßt und war bei jedem Wiedersehen leiden­schaftlicher geworden. Ohre Mutter hatte er zum ersten Male vor Jahresfrist gesehen, als er auf seiner Rückreise von Ostende in einem kleinen belgischen Grenzprt plötzlich schwer er­krankt war. Frau von Rechten bewphnte mit ihrer Tochter dasselbe primitive Hotel das einzige jm Orte und schien sich ebenfalls auf der Heimreise zu befinden. Sie war damals wie ein rettender (Spgcl in seinem Krankenzimmer erschienen mit Der Erklärung, daß sie pon seiner Erkrantung gehört hätte und aus Nächstenliebe ihre Hilfe anbieten möchte. Sie besitze große Er­fahrung mit Kranken, und Herr von Wildhofen müsse sich schon ihre Pflege gefal en lassen.

Kprt von Wildhofen lag an einer Lungen­entzündung danieder und war schwach und teil­nahmslos. Frau von Rechten pflegte ihn püt großer Sorgfalt, so daß er Die größte Dankbar­keit für sie empfand und sich selbst wie schon so mancher andere ein wenig in sie verliebte'. Sabine sah er zum ersten Male, als er nach feiner Her­stellung das Hotel verließ. Damals beachtete er sie kaum: seine Blicke und DanterfüHtcn Ab- schietsworte galten Der Mutter.

Sechs Monate später traf er Heide Damen zufällig auf einem Ball in der Residenz wieder. Als er Frau von Rechten zum Tqnz engagieren wollte, dankte sie ihm mit liebenswürdigem Lächeln und führte ihn ihrer schönen Tochter zu. Sabine tanzte wie eine Elfe: er betrachtete sie von Da an mit Interesse, da sich zu ihrer von Der Mutter ererbten Schönheit auch der Reiz Der Jugend gesellte.

Die Entscheidung wird in nächster Zerf zu er­warten fein. Von Rücktrittsabfichten der Bürger- i meister Metzler, Schulte und Winkler ist nichts bekannt.

Oberheffen.

Landkreis Gietzen.

= Grünberg, 21. 3an. Von Kreisfeucrwehr- inspektor Dickor^, Gießen, wurde dem Mitglied Der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr Karl Mehl im Namen des Ministers des Innern das. Ehrenzeichen für 25jährige Dienst­zeit überreicht.

-i Grünberg, 20. Jan. An der hiesigen Volksschule besteht nun seit fünf Jahren unter der Leitung von Rektor Bender eine Schul? sparkasse. Bei ihrer Gründung ging man von dem Gedanken aus, Den durch Die Inflations­zeit geschwundenen Sinn für das Sparen in der Jugend wieder anzuregen. Allwöchentlich werden Die Sparbeträge Der Schüler durch die Lehrer, welche diese Tätigkeit ehrenamtlich ausführen, eingesammelt. An Die Kinder werden- für ihre Einlagen Marken ausgehändigt, welche sie in ihr Spqrbüchlein einkleben. Die Spargelder sind bei der hiesigen Dezirkssparkasse verzinslich an­gelegt und bleiben gier bis zur Schulentlassung stehen, pm alsdann an Die Kinder ausgezahlt zu werden. So ist es selbst manchem gering be­mittelten Kin« möglich, durch allwöchentliche kleine Einlagen sich bis dahin eine Summe zu sparen, Die es zu seiner Konfirmationsausstattung verwenden tägn, deren Beschaffung andernfalls Den Eltern sehr schwerfallen toüiD?. Sparer m(t größeren Befragen erreichen ost, daß ihr Spar­buch voll wird, was bei 80 Mark Der Fall ist. Ihr Guthaben wird ihneg Dann von Der Bezirks­sparkasse auf ein eigenes Sparbuch überschrieben. Einige Zahlen mögen zeigen, welche Summen durch dgs Sparen von kleinen Beträgen erzielt werden. 3m ersten Jahre betrugen die Einzah­lungen 1843 Mark, in den fünf Jahren des Be­stehens Der Schulsparkasse sind im ganzen 8967,20 Mark eingezahlt worden. Der Gesamteinlage- bestqnD, der am Ende des Jahres 1929 vorhanden war, betrug 4326,30 Mark, der sich auf 173 Sparer verteilt.

! Hungen, 13. Jan. Gestern hielt hier die R e i« tergruppe des Hessischen Landjugend- b un des imSolmser Hos" ihre zweite General­versammlung ab Der erste Vorsitzende, Robert

cy m i d t, begrüßte die Versammlung und gab in großen Zügen einen Rückblick über die Erfolge, die » der Verein in seinem erst zweijährigen Bestehen und hauptsächlich in diesem Jahr unter der Leitung sei­nes rührigen Reitlehrers, Herrn Hesse, erzielte. | Daß in dem jungen Verein der Reitsport gepflegt und Mich auf diesem Gebiet Positsves geleistet wird, < hat das im September vorigen Jahres abgehaltene Reitturnier, welches durch namhafte Stiftungen von Gönnern und Freunden Der Sache unterstützt mit schönen Preisen ausgestattet werden konnte, gezeigt. In finanzieller Hinsicht steht der Verein, wie die Rechnungsablage durch den Rechner Erich Hof­mann zeigte, auf guter Grundlage. Der Verein verfügt über ein Guthaben von etwa 35Q Mark. Rach Prüfung der Rechnung wurde dem Rechner Entlastung erteilt. Hierauf besprach man die E r richtung einer neuen, gedeckten Reit» halle und eines neuen Reitplatzes Es wurde beschlossen, einen von der Stadt Hungen ge­pachteten, auf dem sog.Galgenberg" gelegenen Acker einzufriedigen und auf ihm eine Reithalle zu errichten. Der Vorstand wurde ermächtigt, 'Angebote über den Bau von Reithallen einzuholen und die Angelegenheit' zur weiteren Ausarbeitung vorzu­bereiten. Dem Verband der hessischen Reit- und Fahrvssrejne tritt der Verein bei.

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloßen.

LILA___-...........!." L J!!L

Am Morgen mich jenem Ball hatte er Die Damen in ihrem derzeitigen Heim in der Resi­denz, einer möbsiert gemieteten, eleganten Woh­nung, aufgesucht und die Erlaubnis erhalten, fleißig bei ihnen verkehren zu dürfen. Bei einem seiner ersten Besuche erzählte ihm Frau von Rechten, daß sie ihre jetzige Wohnung nur vor­übergehend inne hätte, um nach einer passenden Etage Llrnschau zu halten vielleicht auch in einem eleganten Vorort eine Villa zu mieten. Ihr Auftreten ließ den Gedanken an ungeordnete Vermögensverhältnisse oder vorhandene Geld­verlegenheiten nicht im entferntesten aufkommen.

Im Gefühl überwallender Dankbarkeit gegen die ältere Dame suchte er sich möglichst aufmerk­sam zu erweisen. Er spendete Blumen und Süßig­keiten in Fülle und lud sie zu Konzert- unb Theaterbesuchen ein.

Eine Zeitlang schien er für Mutter und Tochter fast das gleiche Interesse zu hegen: erstere aber bemühte sich höchst geschickt, alle Die ihr zuge­dachten Aufmerksamkeiten auf ihre Tochter zu lensen. Und allmählich wandte sich sein Herz ganz und ungeteilt Der schönen Sabine zu. Er hatte dann nicht geruht, bis das angebetetete Mäd­chen zu einem längeren Besuche in dem Heim Der Eltern weilte, das einst das ihre werden sollte.

HuD nun war alles zu Ende!

Ich muß es überwinden: ich will ein Mann sein!" seufzte er wieder und wieder. Und bann biß er die Zähne zusammen in ohnmächtigem Groll gegen jenen anderen, in dessen Macht sich Sabine befand. Oh, hätte et ihn zermalmen können, Den frechen Zerstörer seines Glückes, den Eindringling in seine Rechte es war zum Wahnsinnigwerden!

*

Als Doris eben ihr Lager aufsuchen wollte, hörte sie das Geräusch schwerer Schritte, das von der Treppe heraufdrang und sich ihrem Zimmer zri nähern schien. Ihre kleine Wohnung lag im Giebel des Hauses unmittelbar unter dem Dach und war durch eine kurze, separate Treppe zu erreichen. Aber ihr und Dem zweiten Hausmädchen, das Die Zimmer in Ordnung zu halten _unD sie zu bDienen hatte, wurde ihr stilles Tuskulum kaum betreten.

Etwas verwundert öffnete sie daher die Tür Ihres Wohnzimmers und sckh sich zu ihrem größ­ten Erstaunen der Tante Hanna gegenüber, deren Antlitz wie Purpur glühte, während sie mühsam nach Atem rang.

Du, Tante Hanna?!' rief Doris ganz be­stürzt.Ist etwas geschehen?"

Nichts nur bin ich außer Atem." keuchte Frau von Wildhofen, und sank in einen Dicht neben der Tür stehenden Sessel.Warte bis ich mich wieder - etwas erholt habe

lFortsetzung fügt.)