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OieSeeschlachi"vonLondon

Oie Eröffnungssitzung

verhindern. Eine der bedeutendsten Aufgaben bei

lien habe ein großes Arbeitsprogramm ausge­stellt, und Mussolini brauche zu seiner Verwirk-

Oie Auffahrt des Königs.

Starker Nebel behindert das Publikum.

London. 21. Jan. (SU.) Die Eröffnung der Flottenkonferenz fand unter äußerlich sehr ungünstigen Umständen statt. 3m Reg e- rungsviertel war wegen starken Aebels oon oen

zu Lande zu sein, sondern auch sich ein Kolonial» reich anzugliedern und anzubauen, das dauernd ohne die größten maritimen Hilfsmittel nicht zu halten ist. Das französische Kolonialreich ist es, das Italien den Weg ins Freie versperrt, den es sich unbedingt suchen muh, wenn es nicht seinen Bevölkerungszuwachs ins Meer wersen will. So hat sich das europäische Gefahren­zentrum in das Mittelmeer verschoben, in das auch die wichtigsten Lebensinteressen Englands vereinigt sind. Durch das Mittel­meer führt die Straße nach Indien und idem Fernen Osten, deren Bewachung sich Snmbol England sogar im Kellogg-Pakt gesichert hat. So - * gleichen die Verhandlungen in London trotz alles feierlichen Geredes über Frieden und Verständi­gung einer der machtpolitischen Entwicklung vor­weggenommenen Seeschlacht, auf deren Ausgang man gespannt sein darf.

dankte in englischer Sprache namentlich für den schönen Empfang, den das englische Volk der ita­lienischen Delegation bereitet habe. Italien stehe in den Bemühungen für den Frieden keinem an­deren Lande nach. Abrüstung und Sicher­heit seien untrennbare Begriffe. Ita-

Japans, der einzelnen britischen Domini­ons (Canada, Afrika. Australien. Reuseelaick>, Irland) und Indiens.

Vorbereitungen für die Auffahrt des Kö­nigs nur wenig zu sehen und auch der Andrang des Publikums war gering, da die meisten durch die Verkehrsstockungen von dem Besuch abgehal­ten wurden. Gegen 10 Uhr begann sich langsam vor dem Oberhaus eine kleinere Menschenmenge anzusammeln. Wenige Minuten danach füllten sich die Dorräume des Oberhauses. Don den Teilnehmern erschien B r i a n d als erster. We­nige Minuten vor 11 Uhr nahmen die Konferenz­teilnehmer ihre Sitze ein. 'Der Sitzungssaal mit dem hufeisenförmigen Tisch und dem golde­nen Thronsessel in der Mitte bot ein eindrucksvolles Bild. Die Rede des Königs wurde von den Anwesenden stehend angehört. Rach dem Weggang des Königs übernahm Premierminister Macdonald das Präsidium. Die An- und Abfahrt des Königs vollzog sich ohne jedes Zeremoniell. Die Polizei hatte den Schuydienst vom Duckingham-Palast bis zum Oberhaus über­nommen, die Im dichten Rebel kaum sichtbaren

I Menschenmengen begrüßten den König lebhaft.

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Chefredakteur

Dr Frredr Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr Fr Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H.THynot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich m Gießen

diesen Bestrebungen sei die Beschränkung der Flotten stärken. Die Washingtoner Konferenz habe hinfichtlich der Schlachtschiffe ge­wisse Ersolge gehabt. Run aber sei man überein- gekommen, in selbstloser Weise eine Gesamt­flottenabrüstung herbeizuführen. 3m 3n- teresse des Fortschrittes der Zivilisation muhten alle Hindernisse ein für allemal beseitigt werden. Die Welt müsse von den schweren Lasten der Rüstungen befreit werden.

Auf Vorschlag Siimsons wurde der britische Premierminister Macdonald zum Vorsitzenden der Konferenz gewählt.

Macdonald erklärte, er werde sein Bestes tun, um die Arbeiten so unparteiisch wie möglich zu über­wachen. Für die e r st e öffentliche Rede des Königs sprach er dem König den Dank und die Glückwünsche der Konferenz aus. Der Wettbewerb in den Seerüstungen müsse unter allen Umständen aufhören, da die Welt sonst niemals zum Frieden kommen würde. M a n g e.l an Vertrauen und der Geist des Zweifels seien die Gründe, warum man bisher noch nicht weitergekommen sei. Schieds­gerichtsbarkeit allein tue es nicht. Er könne sich vorstellen, daß man in dieser Beziehung eines Tages den toten Punkt errreicht haben werde. Man müsse sich deshalb über irgendeine Methode der Sicherung des Friedens einigen. Merkwürdig langsam seien die Arbeiten bisher vorangegangen. Alle möglichen Mittel seien erwogen worden, um etwaige Friedens­störer zur Verantwortung zu ziehen, trotzdem sei aber bisher eine absolute Garantie für die Sicher­heit der Völker noch nicht gefunden. Es wäre der Konferenz förderlich, wenn sie bei ihren Beratungen Don zwei Voraussetzungen ausgehe:

1. daß die Flottenbedürfnisse eines jeden Landes I von seiner geographischen Lage und Aus- | dehnung abhängen: .. _

2. daß man aus technischen Gründen die Streit­kräfte zur See, zu Lande und in der Luft vonein­ander trennen und jede Kategorie bei den Ab­rüstungsbesprechungen einzeln behandeln muß, daß man aber dabei niemals die praktische i n n e r e Verbundenheit der drei Kategorien vergessen

Die nationale Sicherheit müsse natürlich in erster Linie berücksichtigt werden, und der Zweck der Konferenz solle auch nicht darin bestehen, diese Sicherheit zu schwächen, sondern sie zu stärken. In diesem Sinne seien auch die Verhandlungen mit

verbreitet wurde,

König Georg V.

er begrüße die Vertreter der in London zusam- mengekommenen fünf Hcruptseemächte, die von

Sozialdemokratie und Arbeitsmarkt.

Forderungen zur Behebung der Arbeits­losigkeit.

lichung nichts weiter als den Frieden. Zur Er- reichuna eines dauernden Friedens sei V e r - ständlgung notwendig. Alle Völker erwarten, daß die Probleme der Konferenz einer Lösung entgegengeführt würden. Grandi nahm besondere Veranlassung, dem amerikanischen Präsidenten Hoover für die 3nitiative zu danken, aus der diese Konferenz entstanden sei.

Weitere Ansprachen hielten die Delegierten

Bei der Eröffnung der Flottenkonferenz in der Königlichen Galerie des Oberhauses sagte in einer Ansprache, die über alle Sender der Welt

zuringen.

Daß sich heute ein Engländer bereit finden könnte, die Kreuzer- und Hilfskreuzerflotte ab­zubauen, solange es andere Seemächte gibt, die ebenfalls Kreuzer und sogar U-Boote unterhalten, ist gairz unwahrscheinlich. Auch die Labourleute machen davon keine Ausnahme, im I Gegenteil, sie sind sogar berufen, das zu tun, i was die eigentlichen Imperialisten um Bal­four und Chamberlain nicht wagen konnten, ohne dem Imperialismus der Konservativen empfind­lich Schaden zuzusügen. Weil es Baldwin und Chamberlain nicht gelungen war, sich mit den Vereinigten Staaten über das Zeitmaß und den Umfang der Flottenrüstung zu verständigen, hatte ein Wettrüsten eingesetzt, das im Txrlauf die machtpolitischen Reibungsflächen der beuen angelsächsischen Länder deutlich erkennen ließ. Die Konservativen wagten nicht, die Lösung für ein Entgegenkommen zu finden, das sich mit ihrem imperialistischen Stolz nicht vertrug. 21uf ein Wettrüsten mit der Union konnte sich Eng­land gar nicht einlassen, zumal dieses Wett­rüsten in absehbarer Zeit zur unmittelbaren Kriegsgefahr hätte führen müssen.

Dafür hat auch das englische Volk, das macht­politisch gründlich durchgebildet ist, Verständnis gezeigt, als es im Mai 1929 die Konservativen entthronte, um die Labourleute an die Re­gierung zu lassen. Ihre Aufgabe war es, die drohenden Schatten am angelsächsischen Horizont zu zerstören, eine Aufgabe, die ihnen um so besser lag, als sie als Sozialisten, ohne den imperialistischen Rimbus preiszugeben, mit der Union eine Verständigung suchen konnten. Das hat Macdonald auch getan, als er zu Hoover fuhr, um diesem die Bereitschaft Englands mit­zuteilen, das Wettrüsten zur See einzuschränken.

Rur ist damit das internationale Rüstungs­problem zur See noch lange nicht gelöst. England hat in dem großen Kriege Deutschland nie­derringen helfen, weil es in ihm feinen gefähr­lichsten wirtschaftlichen Re'enbuhler sah. Dafür hat es sich auf dem Festlande einen militärischen Rebenbuhler in Frankreich grohgezogen, der nicht nur den Ehrgeiz hat, die stärkste Wacht

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Amerika geführt worden. Sollte die Konferenz durch ein Abkommen die Herabsetzung der Seerüstungen ermöglichen, ohne die Sicherbeit der einzelnen Na­tionen zu gefährden, so würde sie einen Markstein in der Reihe der großen Kundgebungen für die Ver­wirklichung des endgültigen Friedens darstellen.

Der amerikanische Staatssekretär Stimson

dankte für die Willkommensworte des Königs und für die kluge Analyse der Konferenzprobleme, die der englische Premierminister in seinen Aus­führungen gegeben habe. Stimson erinnerte an die Washingtoner Konferenz als den ersten Meilenstein auf dem weiten Wege der Ab­rüstung. Man könne die Bemühungen, zur Ab­rüstung zu gelangen, nicht als etwas Einzelnes betrachten. Die Konferenzen, die diesem Zweck dienen sollen, seien nur Glieder einer Kette. So werde auch diese Londoner Konferenz sichernichtetwasAbschließendes sein. Der nächste Zweck der Verhandlungen sei, in» nerhalb der zur Zeit gegebenenMög- l i ch k e i t e n zu einem Ergebnis zu gelangen, das im Laufe der Zeit nach den Bedürfnissen der Rationen weiter ausgebaut und verbessert werden könne. Die Basis des Abrüstungspro­blems bestehe nicht in der bloßen Verminderung Der Rüstungen, sondern in der Sicherung des Friedens. Um dieses Ziel zu erreichen, müsse man später wieder mit gutem Willen zu­sammenkommen, um das Erreichte zu prüfen und weiterzuführen. Er tonne nur versichern, daß die amerikanische Delegation in diesem Geiste alle Anstrengungen für den Erfolg der Kon­ferenz machen werde.

Oer französische Ministerpräsident Tard eu

erklärte u. a.: Man habe die Möglichkeit erkannt, zu einer Abrüstung der Flotten zu gelangen. Die Verantwortung, die alle Vertreter auf sich genommen hätten, sei außerordentlich groß. Ein Scheitern der Konferenz würde die schwersten Folgen haben. Mit Freude habe er die Er­klärung Macdonalds vernommen, daß eine Ein­schränkung der Flottenrüstung nur im Ver­hältnis z u den Bedürfnissen der einzelnen Länder möglich sei. Diese Be­dürfnisse der Länder ergäben sich aus der geo­graphischen, historischen, kolonialen usw. Lage der einzelnen Mächte. Eine Abrüstung sei nur möglich, toenn man berücksichtige, daß Bürg­schaften für den Frieden geschaffen wer­den müßten. Diesem klaren Ziel, nämlich der Sicherung der nationalen Existenz und des Friedens sei die französische Regierung zu dienen bereit

Oer italienische Außenminister Grandi

Mit jenem feierlichen Prunk, der fest in der Ucberüeferung des englischen Königstums wurzelt, hat König Georg V. die Verhandlungen über die Seeabrustung eröffnet. Daß es die Hauptstadt der größten Seemacht aller Zeiten und Völker ist, in der die Vertreter der maßgebenden Seemächte zusammengetreten sind, ist vielleicht ein Symbol. Daß es aber die Lab our-Regierung ist, deren Mitglieder sich aus ihrer sozialistischen Ein­stellung heraus für Völkerfrieden und Abrüstung! ausgesprochen haben, die nun berufen ist, die Ver­handlungen zu leiten, ist wohl weniger em als vielmehr ein neuer Beweis für die englische Staatskunst, der alles zum Besten dient.

Daß das Washingtoner Abkommen über die See­rüstung ein Versager war, ist ebenso unbestritten, wie erst seitdem das Wettrüsten der Seemächte ein­gesetzt hat. Gewiß wurde in Washington beschlossen, weniger Großkampfschisfe zu bauen teils aus mari­timen Erwägungen, teils aus finanziellen Grün­den. UM so stärker wurden dafür Schiffe gebaut, die sich nach den Erfahrungen des großen Krieges am besten dafür eigneten, den Gegner zu Wasser niederzuringen. England baute leichte Kreuzer, Frankreich U-Boote, Italien be des zusam­men. Daß die Vereinigten Staaten dabei nicht ruhig bleiben konnten, erklärt sich nicht nur aus dem machtpolitischen Gegensatz zp I a p a n , sondern auch aus der immer starker werdenden Verflechtung in die internationale Wirtschaft. Die Vereinigten Staaten haben im Fernen Osten und in Südamerika vielleicht nicht weniger große Inter­essen zu verteidigen als England in Asten und

Afrika. ., , .

Daß bei einem Wettrüstenzwischender Union und England dieses den kürzeren hätte ziehen müssen, das war und ist auch dem ausgekochten britischen Imperialisten klar. Es gibt keinen Engländer, ganz einerlei zu welcher

£gEe für I tan'aB-n» M« E ®iniflung ükr Großbritannien bedeutet. Dieser Gefahr hat Eng- die Flottenabrustung herbeizusuhren. Jedes Land land unmittelbar nach dem Kriege dadurch Rech- stolz auf seine Flotte und jedes Land habe nung getragen, daß unter allen Umftänöen eine ifi Hinsicht seine Tradition. Es liege weder °n Srointion n°ch an den Slottrn IE. Herr 8U werden. Wenn es gut geht, ist England daß der Wettbewerb im tflotten&au bisher nicht vielleicht für sieben Monate mit Lebensmitteln I aufgehalten worden sei. Allgemeine U n » und Rohstoffen versorgt, die es durc^oeg zum r ch e r h e i t sei hierdurch in der ganzen Welt 6erL*L?^uVl®ng;Un^amrinerJoI,itri:t8be" entstanden SM ^cnbignng des Weltkrieg-« rechnen die Länge - dieser Anmarschwege auf seien nun die Lander zu der Ueberzeugung ge- achtzigtausend Seemeilen, die n i ch t o h n e A u f° kommen, daß nichts unversucht bleiben dürfe, sicht und Bewachung bleiben können und um|n Wiederholung eines so schrecklichen Cr- dürfen Gerade der große Krieg hat England wie es der Weltkrieg gewesen sei, zu

nur^w?nige deutsche Kreuzer ^und'H.lfsschiffe auf 'orufnnbon Bei diesen englischen Versorgungsstraßen tätig sein konnten, haben sie der englischen Tonnage be­trächtlichen Schaden zugefügt. Was heute die englischen Marinepolitiker offen zugestehen ist ein glänzender Beweis dafür, wie richtig die Be­rechnungen der deutschen Admiralität waren. England durch die ständige Bedrohung der An­marschwege wirtschaftlich und militärisch nieder-

Wirklicher Etatausgleich.

Ungewöhnliche Korrekturen am Nachtragsetat

Berlin, 21. Jan. Der Nachtragsetat von 1929 ist nunmehr beim Reichsrat eingegangen. Wie wir von gut unterrichteter Seite hören, hat der neue Reichsfinanzminister Moldenhauer an dem ur­sprünglichen Voranschlag noch einige sehr wesentliche Aenderungen vorgenommen. So hat man vor allem die Ansätze für die Steuerein­gänge, die im Etat 1929 v i e l z u h p ch angesetzt waren, wenigstens für den letzten Teil des Etat­jahres wesentlich heruntergesetzt. Eine solche Korrektur an einem ordentlichen Etatsooran- schlay eines Reichsfinanzministeriums durch die selbe Behörde, ist bisher noch nicht vorgekommen, sie kenn­zeichnet die finanzpolitische Entwicklung des ver­gangenen Jahres sehr eindeutig. Durch diese Maß­nahmen der Heruntersetzung der Soll-Ziffern für 1929 im Nachtragsetat, entsprechend den wirklichen Steuereingängen, hat der Nachtragsetat natürlich eine außerordentliche Mehrbelastung erfahren, aber andererseits hofft man, durch ihn das Jahr 1929 wirklich aus-

General-Anzeiger für Oberheffen

vnitk und Verlag: vrühl'lche Univerfiisi§-Vuch- und Sleindruckerei B. Lange in Gießen. Schnftlettung und Geschäftsstelle: Zchulsttaße 7.

Nr 18 Erstes Blatt 180. Jahrgang Mittwoch, 22. Januar 1950

GiehenerAnzeiger

Die Eröffnung der Londoner Flottenkonferenz.

Oie Eröffnungssitzung im Oberhaus. - Oer König spricht. - Begrüßungsansprachen der Länderdelegierten

Berlin, 21. Jan. (DDZ.) Eine gemeinsame Sitzung der Vorstände der Spihenkörperschaften der Sozialdemokratischen Partei und der Freien Gewerkschasten befaßte sich am Dienstag mit den wachsenden Rotständen, die durch die außerordentlich schlechte Lage aus dem Arbeitsmarkt entstanden sind. Es herrschte Einmütigkeit, daß die fol­genden Maßnahmen als dringlich anzu­sehen sind: Bei der Schwierigkeit einer durch- greisenden Arbeitsbeschasfung mit öffentlichen Mitteln ist die Kapitalzufuhr aus dem A u s l a n d e eine notwendige Voraussetzung der Desserung. Deshalb muh die sofortige Be­seitigung aller inländischen Hem­mungen verlangt werden, die gegenüber Anleiheausnahmen besteht, die aus Grund des Vertrauens ausländischer Geldgeber zur öf­fentlichen Wirtschaft in Deutschland erhältlich sind. Dadurch könnte über die Gemeinden ooer öffentlich-rechtlichen Kreditinstitutionen sine we­sentliche Belebung des Baugewerbes und der mit ihm verbundenen Indu­strien erzielt werden. Um weiteren Industrie­zweigen Beschäftigung zu schassen, sollen R e i ch s- bahn und Reichspost im Hinblick auf ihre im Haag erreichte Beteiligung an der Mobili- sierungsanleihe zur beschleunigte n A u f - tragsvergebungveranlaßt werden. Die Ansätze für Bauzwecke und Rotstandsarbeiten in den ösfentlichen Haushalten sind vorweg zu verabschieden, damit eine vernünftige Verteilung der Aufträge umgehend erfolgen kann. Gleich­zeitig mit allen erforderlichen Maßnahmen zur Schaffung vermehrter Arbeitsgelegenheit, auch durch verstärkte Fortführung der Rotstandsarbei­ten, muß bei der Gestaltung des Reichshausyalts der gesteigerteSozialbedarf für Er­werbslosenunter st ützung unbedingt sichergestellt werden. Angesichts der großen Zahl langfristiger Erwerbsloser bedarf ins­besondere die Krisenfürsorge einer Reu­regelung.

Oie Geldnot der Arbeitslosenversicherung.

Berlin, 21.Ian. (Priv.-Tel.) Wie voraus- zusehen war, hat die Reichsanstalt für Ar­beitslosenversicherung trotz der zum 1. Ja­nuar in Kraft getretenen Beitrags­erhöhung bereits an das Reichsfinanzmini­sterium herantreten müssen, um die ihm zu- stehenden Darlehenszuschüsse zu erhalten. Der Reservefonds der Versicherung war bereits Ansang Januar aufgebraucht. Bisher sind etwa fünfzig Millionen aus der Reichskasse übernommen worden. D:e Anforderungen werden aber weiter steigen, da der Höhepunkt der Arbeitslosigkeit wohl erst Mitte Februar erreicht sein wird. Die Reichs­anstalt ist zurzeit mit der E t a t s a u f st e l l u n g für 1930 beschäftigt, für die ober irgendwelche feststehenden Positionen noch nicht vereinbart worden sind. Man rechnet zunächst aus Sicher­heitsgründen damit, daß nach dem Ablauf des Gesetzes über die Beitrag lerhöhung am 30. 3uni d. 3. die alten Sätze wieder in Kraft treten, hofft aber, daß tatsächlich eine Verlängerung erfolgen wird. Allem Anschein nach ist auch trotz der Widerstände der Dolkspartei der Reichs­finanzminister Moldenhauer aus begreif­lichen Etatgründen für dieBeibehaltung der erhöhten Sähe, denn gerade im Som­mer wäre es dann der Reich-anstalt möglich, diesmal einen wirklich wirksamen Reserve­fonds anzusammeln, der über den 3ahres- beginn hinausreicht und die ReichOfinanzen ent­lastet.