Wirtschaft.
Rindermarkt in Gießen.
Der Auftrieb zum heutigen (Siebener Rinder- markt betrug 1182 Stück Groß- und Jungvieh und 219 Kälber. Der Handel war schleppend, Kälber waren fast nicht verkäuflich; es verblieb kleiner äleberstand. Bezahlt wurden für Kühe erster Qualität 550 bis 650 Mark, zweiter Qualität 350 bis 450 Mark, dritter Qualität 200 bis 350 Mark Schlachtkühe 150 bis 350 Mark; Rinder, il» bis »/Jäijrig, 120 bis 200 Mark. Rinder, 3/- bis l'/rjährig, 150 bis 280 Mark. Kälber 50 bis 60 Pfennig je Pfund Lebendgewicht; bessere Tiere brachten Preise über Rotiz.
* Der Grobhandelsindex. Die auf den Stichtag des 15. Januar berechnete Großhandels- Indexziffer des Statistischen Reichsamtes ist gegenüber der Dorwoche von 133,1 auf 132,4 oder um 0,5 v. H. gesunken. Don den Hauptgruppen ist die Indexziffer für Agrarstoffe um 1,5 v. H. auf 122 0 (Dorwoche 123,9) und die Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren um 0,2 v. H. auf 128,4 (128,6) zurückgegangen. Die Indexziffer für industrielle Fertigware^ hat mit 155,9 (156,0) weiter leicht nachgegeben.
• Einschränkung der oberschlcsr- schen Kohlenförderung. Das diesjährige auberordentlich warme Winterwetter hat einen sehr starken Rückgang der Kohlenförderung zur Folge gehabt. Das oberschlefische Steinkohlen- syndilat hat sich genötigt gesehen, eine Einschränkung mit Wirkung vom 1. Januar 1930 um 20 Prozent und ab 1. Februar um weitere 5 Prozent, also um 25 Prozent vorzunehmen. Die außerordentlich ungünstige Marktlage, die in diesem Einschränkungsbeschlusz zum Ausdruck kommt, wird leider auch dazu führen müssen, wie dies zur Zeit auch schon geschehen ist, daß Feierschichten auf einzelnen Gruben eingelegt werden.
• Auslandauftrag für Henschel. Wie WTD.-Handelsdienst von der Verwaltung der Henschel & Sohn AG., Kassel erfährt, hat die Firma von einem ausländischen Unternehmen einen Auftrag auf Lieferung von 60 Strahenbau- maschinen mit Dampfbetrieb erhalten.
'AEG. Der für den 22. Februar einzuberu- fenden G.--V. der Allgemeinen Clektrizitäts-Gesell- schaft, Berlin, wird eine Dividende von 9 (i. D. 8) Prozent vorgeschlagen. Roch Abschreibungen von 8 911 667 (9 130 058) Mark wird ein Reingewinn von 19 172 708 (16 502 976) Mark aus- gewicsen. 3.4 Mill. Mark sind auf das nächste Geschäftsjahr vorgetragen worden, speziell im Hinblick auf die in Aussicht genommene Beseitigung der noch ausstehenden Vorzugsaktien durch Kündigung gemäb § 6 der Satzung. Der Umsatz der AEG. und der Tochtergesellschaften, deren Kapital sich vollständig in der Hand der AEG. befindet, ist im Berichtsjahre um mehr als 15 Prozent auf über 580 Mill. Mark (i. V. über 500 Mill.) gestiegen. Die allgemeine rückläufige Konjunktur im Jnlande hat naturgemäß im laufenden Geschäftsjahr auch bei der AEG. einen Rückgang des Auftragsbestandes auf 350 (i. V. 385) Mill. Mark in diesem Jahre nach sich ge-
* I. P. Bemberg A.-G., Barmen. Die G.-V. genehmigte einstimmig den Abschluß mit 8 (i. V. 14) v. H. Dividende. Vom Aufsichtsratsvorsitzenden wurde ergänzend zum Geschäftsbericht mitgeteilt: Das Geschäftsjahr 1929 habe einen Rückschlag gebracht. Es sei nicht möglich gewesen, eine ruhige Fortentwicklung zu sichern und die Arbeitslosigkeit zu vermindern. Die Textilindustrie sei ganz beson- dcrs ungünstig beeinflußt worden, das Jahr 1929 könne als das ungünstigste der Nachkriegszeit bezeichnet werden. Das Inland habe eine stark herabgesetzte Aufnahmefähigkeit für Textilwaren gezeigt. Der Export sei erschwert und teilweise unmöglich gemacht durch die niedrige Preisstellung einer billi- ger arbeitenden ausländischen Konkurrenz. Die Äunstseideindustrie sei natürlich davon nicht unberührt geblieben. Sie habe vom Anfang des Berichtsjahres an einen schweren Kampf gegen die Einfuhr billiger ausländischer Konkurrenzprodukte Su führen gehabt. Die deutsche Kunstseideindustrie abe sich energisch zur Wehr gesetzt und für die er« olgreiche Bekämpfung der ausländischen Konkurrenz große Preisopfer gebracht. Aber auf die Dauer werde sie sich selbst bei schärfster Rationalisierung und technischer Verbesserung ihrer Betriebe gegenüber den Konkurrenzländern nur behaupten können, wenn man ihr den geforderten Zollschutz gewähre. Man hoffe, daß die noch im Gange befindlichen Rationalisierungsmaßnahmen die Gestehungskosten
weiter senken und die Sonderhcrstellung der Qualitätsseide weiter festigen werden. In Anbetracht der noch ungeklärten wirtschaftlichen Lage falle es chwer, eine Prognose zu stellen, doch berechtigten ne getroffenen Maßnahmen zu der Erwartung einer weiter befriedigenden Entwicklung des Unternehmens, zumal der Auftragseingang in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres eine erfreuliche Zunahme und demgegenüber die Lagerbeftände seit Beginn des neuen Jahres eine merkliche Verminderung erfahren konnten.
Frankfurter Börse.
Frankfurt a. M., 21.'Jan. Tendenz: lustlos. — Die heutige Börse eröffnete in l u ft - loser Haltung. Obwohl ungünstige Rachrichten nicht Vorlagen, verhielt sich die Spekulation abwartend und zeigte feine Aufnahmelust, so daß das herauskommende Material nur mit Abschlägen untergebracht werden konnte. Der Abschluß der Haager Konferenz und anderer Besprechungen konnte die Tendenz in keiner Weise beeinflussen. Auch fanden einige günstige Monatsberichte, sowie die Dividendenerhöhung bei AEG. keine Beachtung. Die wieder ungünstige Verfassung der internationalen Börsen mahnte zur Zurückhaltung und stand einem lebhafteren Geschäft hemmend im Wege. Die Geldmarkt- verhältnifse waren unverändert vor teil- haft. Gegenüber der gestrigen Abendbörse traten Verluste von 1 bis 3 Prozent ein. Das Geschäft bewegte sich in den denkbar engsten Grenzen, nur Kaliwerte machten eine Ausnahme und standen im Gegensatz zur Allgemeintendenz. Auf Käufe von französischer Seite konnten Westeregeln 1,5 und Salzdetfurth 3 Prozent gewinnen. Aschersleben lagen unverändert. Deutsche Linoleum verloren 3 Proz. Am Elektromarkt büßten AEG., Licht und Kraft, Schuckert und Siemens von 1 bis 2 Prozent ein. Montanwerke waren bis 1,5 Proz. abgeschwächt. Am Chemiemarkt waren die Abschläge bei J.-G.-Farben mit minus 1 Prozent heute geringer. Danken ebenfalls nachgebend. Von Kunstseidewerten verloren Demberg 2 Proz. Von Kunstseidewerten ausgehend wurde im Verlaufe das Geschäft etwas lebhafter und die Tendenz freundlicher. Die Spekulation schritt in Verbindung mit einigen eintreffenden Auslandorders zu Deckungen, so daß in Sv ezialwerten Erholungen bis zu 2,vProzent eintreten konnten. 3m Vordergründe standen neben Kalipapieren Siemens-Schuckert, Farben und AEG. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 5,5 Prozent unverändert. Am Devisenmarkt nann'.e man Mark gegen Dollar 4.1841, gegen Pfund 20.37, London gegen Kabel 4.8675, gegen Paris 123.90, gegen Mailand 92.93, gegen Madrid schwach mit 37.60, gegen Schweiz 25.1925, gegen Holland 12.1075.
Berliner Börse.
Berlin, 21. Jan. Rach einem undurchsichtigen und völlig geschäftslosen Frühverkehr zeigten sich an der Dorbörse die Dorboten einer gewissen Der st immun g. Es wurden von den europäischen Börsen schlechtere Kurse gemeldet. Besonders in London tendierten Grammophonwerte schwächer. Die innerpolitische Lage wurde wieder einmal lebhaft diskutiert, wobei das Arbeitslosenproblem besonders hervorgehoben wurde. In J.-G.-Farben trafen Verkaufsorders ein, die zum Teil auf die Ungewißheit wegen der Auswirkungen der Stickftoffpläne der Gelsenkirchener Dergwerks-AG., zum anderen Teil auf eine Publikumsverstimmung über den Verlauf der gestrigen Börse zurückzuführen sein mögen. Diese Dinge vermochten die sonstigen günstigen Momente vollkommen zurückzudrängen, so daß zu den ersten Kursen auf fast allen Märkten nennenswerte Verluste auftraten. Ein zu dieser Zeit erscheinendes Mittagsblatt vertrat in ziemlich bestimmter Form die Auffassung, daß bei dem Stahlverein keine Dividendenerhöhung zu erwarten fei, woraufhin der Montanmarkt recht schwach lag. Es traten an diesem Markt Verluste bis 3 v. H. ein. Auch die anderen Werte hatten Rückschläge in gleichem Ausmaße zu verzeichnen. Darüber hinaus verloren Essener Steinkohlen 3,5 v. H., Gesfürel 3,5 v. H., Siemens 4 v. H., Schubert & Salzer 3,75 v. H., Berger 5,25 v. H., Demberg und Aku je 4,25 v. H., Zellstoff Waldhof 3,75 v. H.. Polyphon 4,5 v. H. und Svenska 3,25 Mark. Eine Ausnahme machten Laurahütte, Oberbedarf und Allgemeine Lokal» und Kraft-Werke, die von 1 bis 2 v. H. gewannen. Deutsche Anleihen knapp
behauptet. Don Ausländem neigten Türken zur Schwäche. Pfandbriefe leicht gebessert, aber vorläufig noch uneinheitlich. Der Geldmarkt war unverändert leicht. Tagesgeld 5 bis 7 v. H., Monatsgeld 7,5 bis 9 v. Sy. Warenwechsel etwa 6,5 v. H. Rach den ersten Kursen zeigte die Spekulation etwas Deckungsneigung, woraufhin geringfügige Besferungen eintraten. Als später am Kalimarkt die zu den Anfangskursen aus- gebliebenen Auslandorders eintrafen — man sprach von französischen Käufen — und auch Rheinische Braunkohlen ihre gestrige Aufwärtsbewegung fortsetzten, besserte sich das Kursniveau um 1 bis 2 v. H. Salzdetfurth lagen volle 6 v. H. höher. Bemerkenswert gedrückt lagen Danatbank mit minus 1,5 v. H.
(Singefonbf.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem
Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Das Kirchnotgeld.
Die Entgegnung in der letzten Samstagnummer auf das Eingesandt vom Dienstag, dem 14. d. M. betreffend Erhebung des Kirchnotgeldes an den Samstag nachmittagen von 2 bis 5 Uhr geht von einer Anzahl Voraussetzungen nus, die nicht zutreffen. Der gute Wille, es bequem zu machen, ist sicherlich vorhanden, aber die Annahme, daß viele am Samstagnachmittag nicht beschäftigt sind und speziell ihre Zeit zu einem Gang zur Kasse verwenden wollen, muß doch sehr bezweifelt werden. Für alle Kassen- tage, schönes Wetter vorauszusehen, wie dies geschehen, nötigt zu einem Lächeln. Wir haben Winter! Dabei wird vom Vorsitzenden des Evangelischen Gcsamtkirchenvorstandes nicht bestritten, daß viele Zahlungspflichtige vormittags im Innern der Stadt, insbesondere auf dem Wochenmarkt zu tun haben und dabei die Zahlung des — an sich nicht beliebten — Kirchnotgeldes mit» erledigen möchten, auch, um das Wetter nicht zu vergessen, unter Umständen keine Lust haben, bei Regen, Schnee, Sturm und Frost noch einmal nach dem Markussaale zu pilgern. Da liegt es doch ungemein nahe, noch einem Aushilfsmittel zu suchen, das alle Teile befriedigt. Cs ist so einfach, daß es, um der maßgebenden Stelle nicht vorzugreifen, in der Dienste g-Rummer nicht betont wurde. Das Ei des Kolumbus ist: an einer Anzahl der 11 Zahltage die Kassenstunden auf Samstag Vormittage zu legen. Das dürfte sich bei der Zeiteinteilung für den Kirchenrechner wohl ermöglichen lassen, jedenfalls gehen die Interessen der Allgemeinheit vor. Daß die Allgemeinheit dabei ein Interesse hat, dafür nur ein Beispiel. Meine Hausangestellte war, nachdem sie am Vormittag auf dem Wochenmarkt gewesen war und den Rachmittag noch einmal in den Markussaal mußte, darüber so ärgerlich, daß ich, des lieben Friedens halber, die Steuer meinerseits übernahm. Hingehen mußte sie freilich trotzdem, obgleich sie an einem Samstag im Hause viel zu tun hat. Kl.
Die Müllgefäße.
In Rr. 5 des „Gießener Anzeigers" gibt das Tiefbauann bekannt, daß nach dem 1. Februar Müllgesäße, die der Vorschrift des § 18 der Polizeiverordnung vom 15. April 1929 nicht entsprechen, durch die städtische Müllabsuhr nicht mehr entleert werden. Es wäre sehr erwünscht, wenn das Polizeiamt diese Verordnung nochmals in kurzen Umrissen zur öffentlichen Kenntnis bringen würde, zum mindesten doch darüber Auskunft geben würde, ob unter vorschriftsmäßigen Müllgesäßen nur die neuen Ungetüme von Mülleimern zu verstehen sind, oder ob auch die seither gebrauchten, leichter zu handhabenden und noch in gutem Zustande befindlichen Mülleimer mit Deckelverschluh hierin zulässig sind. Seit Inbetriebnahme des neuen städtischen Müllwagens haben sich letztere anstandslos bei der Entleerung bewährt. Wenn trotzdem das Tiefbauamt bekanntgibt, nur noch die vorschriftsmäßigen Mülleimer — und darunter sind m. E. nur die schweren, neuen Eimer zu verstehen — zu entleeren, so geschieht dies zu Unrecht. Muß doch jeder Wohnungöinhaber die gerade nicht so geringen Kosten für Müllabfuhr ein Vierteljahr im voraus aus feiner Lasch.' zahlen. Wenn sich ein Jurist der geringen Mühe unterziehen würde, um die Öffentlichkeit über letzteren Fall aufzuklären, würde er des Dankes einer großen Anzahl hiesiger Bürger sicher fein.
O. M.
Roch einmal Me Mülleimers
Das Eingesandt: „Gedanken eines alten Mannes" ist Tausenden von Hausfrauen aus der Seele gesprochen, und sie haben es dankbar emp» unden, daß jemand sich Zeit und Mühe genommen hat, nur wegen dieser „lächerlichen Kleinigkeit" seine Stimme zu erheben. Leider ist das Leben — und besonders das der Haus- rauen — meist aus Kleinigkeiten zusammengesetzt; ob das aber ein Grund ist, ihr diese Kleinigkeiten noch schwerer zu machen, als sie ohnehin heute schon sind, bezweifle ich. Wie schwer — in handgreiflichstem Sinn — solch ein gefüllter Eimer aber ist, daS spürt man allerdings nicht am „grünen Tisch", sondern erst, wenn man ihn die Treppe hinuntertragen muß. Hat man auch nicht daran gedacht, wie viele Treppen es ost sind, die er hinuntcrgetragen werden muß?! Wie steil die Treppen oft sind, und wie alt die Füße, die sie gehen und wie gebrechlich oft die Hände, die die viel zu schwere Last tragen müssen?! Ich weiß von einer halbgelähmten Same, einer Kleinrentnerin, die mit ihrer älteren, kränklichen Tochter zusammen den Eimer hinunter schleppt. Ganz früh am Morgen tun sie es, weil sie sich schämen, wie sie keuchen und sich immer wieder ausruhen müssen.
Run, wird man mir antworten, es gibt in unserer Stadt nicht bloß alte Damen, sondern auch junge Dienstmädchen! Gewiß, aber erstens sind damit all die alten, kränklichen, alleinstehenden Frauen nicht aus der Welt geschafft. Zweitens dürfte es nicht unbekannt sein, daß bei den heutigenZeiten immer weniger Familien eine Hilfe sich halten können, und drittens scheint es einer wirklich gebildeten Frau nicht richtig, Mißstände zu übersehen, nur weil sie das Dienstmädchen treffen. Auch für junge Mädchen und Frauen ist das Tragen übermäßiger Lasten bedenklich und kann ihnen Schaden fürs Leben zufügen.
Es frägt sich nun: Was ist der Stadt Gießen wichtiger: Ihre Mülleimer oder ihre Frauen?!
Eine Hausfrau.
Die Schulferien.
Wie wir im „Gießener Anzeiger" lesen, sollen die Schulferien unserer Kinder
in diesem Jahr schon am 5. Juli beginnen, das wäre knapp drei Wochen nach den P,i,ngst- fericn. Was ist das für ein Anding, die Haupterholung schon in den Anfang des Juli zu verlegen, um in der noch heißesten Zeit, Anfang August, wieder mit dem Unterricht anzusangen. Richt nur, daß die Kinder ihre Erholung gleich wieder durch die Hitze zunichte machen, in den Hundstagen werden weder Lehrer noch Schüler frisch zur Arbeit sein und häufige Hihferien, die dann unerläßlich sind, werden die regelmäßige Schularbeit erschweren. Abgesehen vom gesundheitlichen Standpunkt aus, ist es eine Gefahr, wenn es Eltern der Universitätskreise immer weniger möglich gemacht wird, mit ihren Kindern zu verreisen. Es wird besonders den Professoren oft vorgeworsen, daß sie sich zu wenig um ihre Kinder lummem und die moderne Jugend sich zu viel selbst überladen ist. Leider ist das zum Teil durch unser gesteigertes Lebenstempo bedingt, andrerseits durch Die große Arbeitslast, die heute fast jedem Berufsmenschen ausgeladen ist. Wenn nun noch den Vätern die letzte Möglichkeit, sich einmal eingehend mit ihren Kindern zu beschäftigen, die gemeinsamen Ferien, genommen werden, wieviel größer wird die Kluft zwischen Eltern und Kindern sich auswachsen. Ein weiterer Gesichtspunkt ist die pekuniäre Frage. Welche Familie ist leichthin dazu fähig, doppelten Haushalt zu führen, oder es muß ein Teil der Familie auf die dringend nötige Erholungsreise verzichten. Auch wäre die neue Ferienordnung durchaus unsozial, denn wenn etwa die Mutter und die Kinder im Juli verreisten, der Vater im August, wann bekämen dann die Dienstboten ihren notwendigen Urlaub? Entweder müßte die Hausfrau nach ihrer Reise durch Doppelarbeit wieder-ihre ganze Erholung einbüßen, oder die Familie würde durch Beschaffung von Aushilfskräften pekuniär überlastet, oder aber, was in vielen Fällen wohl dabei herauskäme, würden die Dienstboten Schaden an ihrer Gesundheit nehmen. Cs wird ost der Einwand gemacht, daß die Kinder vom Land im Juli zur Feldarbeit herangezogen werden müßten; wenn das so ist, warum kann man dann nicht Volksschulen und höheren Schulen getrennte Ferien geben und somit allen Volksschichten gerecht werden und im Sinne gedeihlicher Arbeit alle Vorteile umspannen.
M. G.
Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse.
Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlosjenen Dividende an. — Reichsbankdinkont 6,5 o. H.. Lombardzinsfuß 7,5 v. H.
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155
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Banknoten.
Berlin, 20- Januar
Geld
SHei
Amertkanische Noten ....
4,168
4.188
Belgische Noiea .......
58,Id
58,34
Dänische Noten ........
111,58
112,02
Englische Noten . .......
20,33
20.41
zranzojitckie Noten .......
Holländische Noten.......
16,423
16.485
167,71
168.39
Italienische Noicn........
21.87
21.95
Norwegische Noten.......
111,48
111.92
Deuiicki-Oeslerreich, i 100 Schilling
58,64
58,88
Rumänische Noten.......
2,475
2,49a
Schwedische Noten .......
111.96
112,49
Schweizer Noten ......
80,84
81,16
Gpanildie Noien . ......
54.79
55,01
Dickieckioilowakiiche Noten.....
12,35
12.41
Ungarische Noten .....
72.90
73.20
Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. ZU.
20 Januar
21 Januar
timilldr Ni'tü'rung
ÄmtNche Not'ecung
«eit
Arie,
Gelt
An i
Amit..Noil
167.94
168.25
163,07
168.41
Buen.-Aires
1.663
1.667
1,677
1,681
Brss.ÄNtw
58.19
58,31
58,20
58,32
Christianta
111,63
111,90
111,70
111,92
Kopendnaen
111.86
112.08
111,85
112.07
Stockholm
112.18
112.40
112,19
112.41
jpelnnfliorö.
10.503
10,523
10.504
10 524
(Italien . . .
21.87
21.91
21.89
21.93
London. . .
20.346
20.386
20,347
20.387
Neuyork . .
4.1800
4,1880
4.1803
4.1885
Paris. . .
16.415
16,443
16.415
16.455
Schwei» . .
80,76
80,92
80.77
80,93
Svanicn .
55,14
55,26
54,80
55,90
Japan . . .
2,056
2,060
2,036
2.060
-Mio de Jan
Wien in D-'
0,471
0,473
0,463
0,465
Cefi- abgeft
□8,79
58.91
58.79
58,61
Prag .
12,366
12,386
12,367
12.387
Äelirad -
7.375
7.389
7,375
7.389
Budapest. .
73,10
73.24
73.10
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Bnl arten
3,029
3,035
3,029
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Lissabon
18.77
18.81
1J.77
18.81
Dornig. »onftaBrin. Achen. .
81,31
81.47
81.31
81.47
1.976
1,980
1.983
1.984
5,435
5,445
5,435
5,445
Tanada
4,129
4.137
4.134
4,142
lltn uatt
3.658
3.864
3.856
3-864
fiatro - •
20,875
20,915
20,87
20,91


