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Um die Antwerpener Weltausstellung.

Don I. M Huebner.

Antwerpen. Mitte Mai.

Antwerpen zählt in normalen Zeiten 3500 Kneipen. Die Stadt ist damit durchspickt wie ein Hasenrücken mit Spectstreifen. Am Hafen heißen Vie KneipenWindsor Dar",Miß Blanche Dar",London Dar", um die Kathedrale herum tragen sie so freundliche Aamen wie3n den Wilkom",Het Leuweken",3n Den geschoren Haan",Cafe Tasetje Bond", am Dahnhof in* Dessen, wo mit Lichtrcllame und betreßten Tür- Öffnern gearbeitet wird, liest man großartig (Saite",Alcazar",Claridge". Der hier ge­triebene Aufwand an Spiegelglas, Tanzrnädck^n, echter 3azzband macht sich in den entsprechenden Preisen spürbar: glatt heraus gesagt, es sind Aepplokale, diese Tanzbars in der Dahnhofs- gegend, was man beileibe nicht von den Kneipen der 3nnenstadt behaupten kann, obschon der See­mann, namentlich wenn er etwas zu tief ins Glas geguckt hat, auch dort einen gehörigen Batzen Geld loswerden kann ...

Alle Antwerpener Cafetjes haben Damenbedie­nung. Diese besteht etweder aus Madameke sel­ber, einer stämmigen Person hinter der Theke oder aus weiblichen HilfeMannschaften" in Rei­nerer oder größerer Kopfstärke. Die Hilfsmann­schaften tragen schwarze Lackschuhe, schwarze durch­brochene Strümpfe, manche eine grelle Schleife im blondstrotzenden Haar und alle im Herzen eine Erinnerung. Die Erinnerung hat Aamen und Gesicht eines deutschen Mariners, Frontschweins oder Landsturmmannes. Sie datiert aus der Kriegszeit. Cs ist die schönste Erinnerung, die man hat und erklärt es, daß alle Antwerperin- nen ausgezeichnet deutsch sprechen. Wohin die Liebsten sind? Man weih es nicht. Die einen verschwanden an die Front, die anderen nach Hause zu ihrer Frau, es ist nichts übrig ge­blieben von der Kriegszeit als ein tief gehei­mer Dlut- und Herzenskultus, denn selbst im Terminushotel, das doch sicher ein seines Hotel ist, beichtet mir die Zimmerzofe:Hij was de eenige, van die ik hielt. Een moie man was hij, met en rood hoofd..

3n anormalen Zeiten wird die Anzahl der Antwerpener Schankwirtschaften natürlich noch

großer. Anormale Zeiten liegen zum Deispiel bei Abhaltung einer Weitaus st el lung vor. Diese Weltausstellung, feit 3ahren vorbereitet, hat nun endlich ihre Tore geöffnet. Folge: Dicht nur auf dem eigentlichen Ausstellungsterrain, sondern auch sonst überall in der Stadt sind neue Trinkgelegenheiten eröffnet. Die größten Trink­gelegenheiten auf dem Ausstellungsgelände Lieb Vaterland, magst ruhig fein! sind in den Händen deutscher und öster­reichischer Unternehmer. CS gibt Würstchenzelte, Dayerische Dierhallen, Rhei­nische Winzerstuben, und dann ist natürlich ein Lunapark, der auch nicht ^trocken" liegt, mit Achterbahn und Wasserrutsch, gepachtet und aufgebaut von Hugo Hase, Hanno­ver, einer Koryphäe seines Fachs.

Von Deutschland her erwartet Antwerpen und die Ausstellung einen riesenhaften Zuzug trink­fester Männer und Frauen. Cs sind Extrazüge aus Köln und Düsseldorf angemeldet, und ber Norddeutsche Lloyd für sich allein hat bereits 50 000 Eintrittskarten zu der großen Ausstel­lungskirmes auf getauft. Die belgische Eisenbahn- inrrftion gewährt Preisermäßigungen, und die Paßbehörden werden dem deutschen Desucher für den Zutritt ins Schlaraffenland nur mehr 1,25 Goldfranken abknöpfen.

Komme diesen Sommer kein Deutscher nach Antwerpen mit dem Gefühl, Feindesland zu betreten. Die Verhältnisse haben sich gründlich gewandelt. Der Krieg ist vergessen (ausgenom­men in den Herzen der vollbusigen Kneipen­bedienerinnen), man zieht in Antwerpen an einem Strang mit den Bewohnern des deut­schen Hinterlandes, man will Geschäfte machen und macht diese bekanntlich schon im größten Etile. DieDemag" liefert für den Hafen Kräne und Verladebrücken, dieWiag" liefert Ge­treideheber, der deutsch-belgische Wirtschaftsver­band ist in den letzten zwei 3ahren von 180 auf 550 Mitglieder gestiegen (zweitgrößte Handels­kammer in Belgien!) und auch dies ist ein charakteristisches Zeichen fast überall auf der Ausstellung wurden die Gerüstearbeiten von deutschen, nämlich von der Gilde der Hamburger Zimmerleute ausgeführt. Die Errichtung eines ungeheuren Gewächshauses auf der Ausstellung wurde in die Hand einer Dresdener Firma gelegt. Das Deutschland einen gewaltigen Auf­trag bei den ErdausschachtungSarbeiten des neu

Nr. UZ Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Dienstag, 20, Mai MO

Wie gewinnt man Kali?

Ein Besuch unter Tage im Berlepsch-Maybach-Gchacht.

Don Max Fischer.

Aachdruck verboten!

Berlin, im Mai.

Aus Anlaß des Ersaufens des Kalibergwerkes in Vienenburg hatten die Mitglieder der Technisch-Literarischen Gesellschaft den Wunsch, sich und damit die Leser der Zeitungen, für die sie arbeiten, über die Gewinnung der Kalisalze zu unterrichten. Da man nun in den Schacht bei Vienenburg natürlich nicht mehr einfahren kann, lud das Kalisyndikat die Mitglieder ein, die Berlcpsch-Mahbach-Schachtanlagc in Staßfurth xu befahren. Dies ist in den letzten Tagen ge­schehen. Auch in Staßfurth sind vor der 3ahr- hundertwende mehrere Schächte ersoffen. Die Spuren davon sieht man in der Stadt, wo sich ganze Gebiete samt den daraus stehenden -Käu­fern und den Straßen bis zu 7 Meter gesenkt haben. Eine jetzt verlassene mächtige Kirche mit einem dicken, viereckigen hohen Turm hat sich mitgesenkt und ist außerdem so tief in den Erd­boden eingesunken, daß die oberen Türangeln der zugemauerten Türen gerade noch über den Boden herausschauen. Der Turm hat sich so stark nach den, Kirchenschiff zu geneigt, daß feine Achse um zwei Meter aus der Senkrech­ten abweicht. Er steht damit schiefer als der berühmte schiefe Turm zu Pisa.

Während man früher Salz durchweg so ge­wann wie Herr Gandhi, indem man Salz­lösungen verdampfte, so daß das Salz zurück- blieb man macht dies auch heute noch viel­fach so, ließ die preußische Regierung im 3ahre 1852 die ersten Schächte in Staßfurth ab- teufen, um das Salz bergmännisch zu gewin­nen. Dabei traf man über dem Steinsalz zu­nächst auf das Kali, ein bitter schmeckendes Salz, mit dem man nichts anzufangen wußte, und Vas man deshalb abräumte und zu Bergen, sogenannten Halden, über der Erde aufschüttete. Bald zeigte sich aber die große landwirtschaftliche und industrielle Bedeutung der Kalisalze, so daß man besondere Schächte zur Gewinnung dieser Salze anlegte, so bei Staßfurth, in Thüringen, im Werragebiet, im Südharz, in Hannover und am Oberrhein.

Alle diese Salzlaaer, einerlei ob es sich um Steinsalz ober um Kalisalz handelt, sind durch Eintrocknen von Meeren entstanden. Sie liegen teilweise in außerordentlicher Tiefe bis zu 5000 Meter, so daß man sie nicht ausbeuten kann, da der tiefste Schacht, den man bis jetzt in die Erde gebohrt hat, nur etwa 2000 Meter tief ist. Glücklicherweise haben sie sich aber durch Faltung der Erdoberfläche zum Teil empor- gehoben und bilden nun unterirdische Gebirgs­rücken, deren Scheitel verhältnismäßig dicht unter der Erdoberfläche liegt, z. B. 80 Meter. Gewöhnlich besteht dieser Gebirgsrücken aus älte­rem, minderwertigem Steinsalz, auf dessen bei­den Hängen über einer Zwischenschicht von Car- nalit das Kali liegt. Heber dem Kali folgt dann grauer Salzton, darüber schwefelsaurer Kalk, darauf jüngeres Steinsalz, über diesem etwa roter Salzton. darüber nochmals jüngeres Steinsalz, das sich oben als Gips sortseht. Heber dem jüngeren Steinsalz folgt dann Buntsand- ftein und über diesem eine verhältnismäßig dünne Schicht Diluvium.

Run muß man sich vorstellen, daß der Sand­stein von Rissen durchzogen ist, durch die Grund­wasser hindurchbringt, bas dann über dem Salz als Salzlauge liegt! wenn es mit Salz ge­sättigt ist, kann es keinen weiteren Schaden anrichten, da sich ja nicht mehr Salz darin losen kann. Früher hat man von oben an- gefangen, die Salzlager abzubauen, weil es na­türlich billiger ist, die Salze, Kali und Stein­salz, aus möglichst geringer Tiefe zu förbern. Da­bei kann es nun vorkommen, daß das über

dem Salz liegende Wasser durch irgendeine Spalte einbnngt, die beim Abbau z. D. bei einer Sprengung angeschnitten wird. Darm fließt von oben frisches noch nicht mit Salz gesättigtes Wasser nach und erweitert die Ein- bruchsstelle durch Lösen des SalzeS immer mehr. Man müßte also die Pumpenleistung sortgefetzt steigern, um dieses Wasser herauszuschaffen: dies, ist aber ein aussichtsloses Beginnen, und man steht hier vor dem Fall, von dem Schiller sagt:

Hoffnungslos

Weicht der Mensch der Götterstärke, Müßig sieht et seine Werke Hnd bewundernd untergehen.

3n der Berlepsch-Maybach-Schachtanlage, die wir in diesen Tagen besucht haben, hat man des­halb von unten her etwa in 400 Meter Tiefe mit dem Abbau begonnen. Auf ver-

Gips

Steinsalz

5ond"

Auf dem unterirdischen Gebirgsrücken von älte­rem Steinsalz liegt am Hang das Kali dazwi­schen eine Schicht von Carnalit. Heber dem Kali folgt bann grauet Salzton, darüber schwe­felsaurer Kalk, darauf jüngeres Steinsalz, übet diesem roter Salzton, darüber nochmals jüngeres Steinsalz, das sich nach oben als Gips fortsetzt; darüber Duntsandstein, über diesem Diluvium. F Färbet türm, S Schacht, H Hauptstollen. Das gewonnene Kali ober Steinsalz rutscht durch schräge Löcher A in den Hauptstvllen. Durch den Abbau des Kalis und des jüngeren Stein­salzes entstandene Höhlungen werden durch bei C gewonnenes älteres Steinsalz zugefüllt, das von oben her durch schräge Locher B hinein­rutscht.

schiedenen Sohlen, das sind vom Schacht aus­gehende waagerechte Gänge, gelangt man in die Hali- und in die Eteinsalzschicht und gewinnt dort die Salze durch Schafsung von Hohlräumen, die aussehen wie riesige gewölbte Säle ohne jede Stühe. 3n diesen Bergwerken ist es voll­ständig trocken, und man kann sie auch mit offenem Licht betreten. Es gibt allerdings Aus­nahmen, weil manche solcher Saltzstöcke vonOel umgeben sind, von dem zerdrallsähige Gase in die Salze einbringen. 3n ber von uns befahrenen

Schachtanlage geht ein Hauptstollen mit einer xtocigleifigen elektrischen Bahn vom Schacht aus durch bas ältere Steinsalz unter bem Kalilager genau waagerecht in etwa 400 Meter Tiefe ent­lang. Wir sind mit dieser Bahn fast zwei Kilo­meter weit gefahren. Bon einem Seitenstollen awä gehen bann besondere Auszüge in die Qüäurne hinauf, in denen abgebaut wird. Das von ber Decke abgefprengte Salz fällt auf den Doden und wird dort durch elektrisch ange­triebene Winden mit dreiseitigen Rahmen an Drahtseilen auf dem Boden entlanggezogen, bis an ein schräg zum Hauptstollen verlaufendes Loch, durch bas es unmittelbar in die Gruben­hunde im Hauptstvllen fällt Dann zieht eine elektrische Lokomotive dieHunde" zum Schacht, wo sie in den mehrstöckigen Förderkorb ein- gefahren und hochgezogen werden. Zum Teil gelangen sie durch eine unter der Stabt Staß- furth verlaufende Hntergrunbbahn weiter in eine chemische Fabrik, wo sie veredelt, bas heißt in hochwertigere, weite Beförderungswege lohnende Salze umgewandelt werden und wo man auch Brom aus ihnen gewinnt.

Die beim Abbau entstehenden Hohlräume müssen wieder zugefülli werben, unb zwar ver- toenbet man bazu bas ältere Steinsalz. Man schafft also auch bort Hohlräume, von denen bas Salz ebenfalls durch schräge Löcher in die im Kalilager geschaffenen Hohlräume hinunter» rutscht. So entsteht in diesem Raum ein Berg- Icgcl, der bann eingeebnet wird unb zunächst ben Fußboden für bas Weiterbohren an ber Decke oildet. Erst wenn man bann in bie Rähe einer höheren Sohle kommt, wird ber Raum vollständig bis zur Decke mit älterem Steinsalz ausgefüllt, ober, wie ber Bergmann sagt,ver­setzt". Die Hohlräume im älteren Steinsalz brauchen nicht ausgefüllt zu werben, ba bieses Salz auherorbentlich standfest ist, unb ba die Räume durch Berührung des Salzes mit der Luft von selbst zuquellen, allerdings erst im Ver­lauf sehr langer Zeiten.

So wächst bas Bergwerk allmählich von unten nach oben; erst wenn es sich bann ben obersten Schichten nähert, besteht bie Gefahr bes Wasser­einbruches; aber bann schabet ber Wassereinbruch nicht mehr viel, weil ja dann doch fast nichts mehr abzubauen ist.

Benachbarte Schachtanlagen sind teilweise durch unterirdische Gänge miteinander verbunden. Bricht bann in einen Schacht Wasser ein, so ist bies natürlich auch für bie anberen Schächte gefährlich, denn ein Verschließen dieser Verbindungsgänge ist deshalb sehr schwierig, weil ber Wasserbruck ja auf je 10 Meter Tiefe um eine Atmosphäre zunimmt, so baß also in 400 Meter Tiefe ein Druck von 40 Atmosphären herrscht, also ein höherer als in unseren Dampfkesseln.

Die Kalibergwerke sind verhältnismäßig be­quem zu begehen. Die Gänge find meistens übermannshoch, nur in manchen mußte ich ge­bückt gehen, aber ich Bin auch etwas über lebens­groß, was namentlich auch bas Begehen einiger Truppen nicht sehr genußreich gestaltete. Wunder- bare Figuren bilben bie angeschnittenen Schichten, die durch Beimengungen alle möglichen Farben haben, von Rot über Blau und Grün zu blitzendem Weiß. Manchmal bilden sie fast Wahnsinnslinien, die den Reid manches neuzeitlichen 3nnenarchi- tekten erregen würden. Don Zeit zu Zeit dröhn­ten bie Sprengschüsse burch bas Bergwerk unb er­schütterten die Luft, so daß unsere Azetylen- lampen ausgeblasen wurden. Die Arbeitsstellen und Stollen sind elektrisch beleuchtet, zum Teil sogar mit Scheinwerfern, so daß eine blendende Helle herrscht.

Der Besuch der Schachtanlage war für uns alle außerordentlich lehrreich, und noch lange nachdem wir ausgefahren und uns ber schnee­weißen Anzüge entlebigt hatten, in benen wir unseren ftunbenlangen Marsch unter ber Erbe ausführten, fand ein reger Meinungsaustausch über das Gesehene statt. Eins von den Erzeug­nissen der Grube hat sicher keiner von uns abends vor dem Schlafengehen anzuwenden brauchen, nämlich das Brom, denn wir waren doch nachher alle rechtschaffen müde.

projektierten Antwerpen-Maaskanals zugewiesen bekommen hat, dürfte bekannt sein.

Die deutsche Kolonie in Antwerpen zählte vor fcent Kriege 30 000 Seelen. Diese Ziffer ist heute natürlich noch entfernt nicht er­reicht. Die weit vorausschauende Stadtverwal­tung läßt es jedoch an Entgegenkommen gerade gegen Die deutsche Kaufmannschaft nicht fehlen. Antwerpen wird heute von mehr deutschen Fracht- und Personendampfem angelaufen als vor dem Kriege. Cs ist darum eigentlich schade, daß Deutschland an der Ausstellung nicht offiziell, nur durch das privat aufgestellteDeutsche Hansahaus" mittut. Cs scheint, daß manhöhe­ren Orts" die gelegentlichen Reibereien, zu denen eS zwischen Deutschen und Belgiern kommt, über­schätzt und nicht hinlänglich orientiert ist über den Hmschwung, der sich in der öffentlichen Mei­nung, namentlich Flämisch-Belgiens, vollzogen hat. Es wird Zeit, daß die Wieder­annäherung sich auch durch repräsentative Taten bekundet. Diese Wiederannäherung muß jedem am Herzen liegen, der weih, wie sehr eS für uns ins Gewicht fällt, wenn wir gerade in Bel­gien wieder wirtschaftlich erstarken.

Das Unfllütt auf Oer Saalburflbahu.

WER. Bad Homberg, 19. Mai. Das Be­finden ber bei bem gestrigen Straßenbahn- Unglück verletzten Personen hat sich erfreu­licherweise gebessert. Dor allen Dingen hoffen die Aerzte, ben sehr schwer verletzten Straßen- bahnführer S t e ck e l vor einer Amputation ber Deine bewahren zu können. Auch ben erheblich verletzten Schaffnern Burk, Eteinbauer und dem Architekten C ö l n e r geht eS ben Verhält­nissen nach gut Die übrigen Fahrgäste, die burch Glassplitter verletzt ober Prellungen ober Rer- venschocks erlitten haben, befinben sich ebenfalls auf bem Wege ber Besserung. Die Hrsachen bes Hnglücks sind noch nicht endgültig geklärt. Die gerichtliche Untersuchung ist im Gange. Man nimmt an, daß auf der durch Laub und Aeste glitschig gewordenen Strecke die Räder des Motorwagens blockiert wurden und dem Führer, der nur Sonntags auf ber Eaalburgbahn fährt, ber Streusand ausge­gangen ist. Aus bem Publikum werden lebhafte Klagen gegen die Lokalbahn vorgebracht, weil auf dieser Strecke bis zu 30 Jahre alte Wagen verkehren» die nur auf Strom- und

Handbremse angewiesen sind. Besonders alück- liche Hmftänbe haben ein noch weit größeres Hnglüd verhütet. Der Führer deS von Hom­burg kommenden Zuges erkannte die furchtbare Gefahr in letzter Sekunde, gab seinem Qllotor» wagen Gegenstrom und konnte den schlimm­sten Stoß bereits im Zurückrollen a u f f a,n g e n. Weiter konnten durch Zuruse deS Schafsners in bem Anhängewagen des Hnglücks- zugeS burch Passagiere die Bremsen f c ft angezogen werden, während der Schaff­ner selber in bem überfüllten Zuge vollstänbig eingekeilt war. Der Anhängewagen nahm zwar noch an bem Anprall teil und beschädigte auch die vor ihm liegende Plattform, riß sich bann aber loS unb blieb stehen, während die übrigen drei Wagen fest ineinandergekeilt noch etwa 100 Meter talwärts rollten. Bedauerlicherweise dauerte eS beinahe eine Stunde, bis die erste Hilfe zur Stelle war, ba beibe Homburger Sani- tätskolonnen mit Hilfeleistung bei anberen Un­fällen beschäftigt waren.' Verbandsmaterial und Werkzeuge waren bei der Saalburgbahn nicht vorhanden.

Schweres Explosionsunglück in Offenbach.

Zwei Tote, vier Verletzte ncborgcn.

Offenbach a. 2H., 19. Mai. (IDSJl.) 3n einer Drogerie in der (Dcleitftrafje explodierte heute abend gegen 7\ Uhr in den Kellerräumen aus bisher noch nicht geklärter Ursache eine Sauer- slofflasche. Eine Stichflamme schlug aus dem Fenster, und in wenigen Sekunden war der Keller in Rauchschwaden gehüllt. 3m Keller befanden sich vier Personen, denen zwei weitere, darunter die Frau des Besitzers, zu Hilfe eilen wollten, aber von den Flammen ergriffen wurden und tjilfc- rufenb auf die Straße eilten. Die Frau erlitt schwere Brandwunden. Drei weitere Ange­stellte, Lehrlinge und Gehilfen, wurden ebenfalls schwer oder weniger schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Bei zwei anderen Gehilfen konnte nur noch der I o d festgestellt werden. Der Besitzer, der heute mittag zu einer Autotour nach Schlesien gefahren war, konnte benachrlchttgt werden. Polizei und Feuerwehr waren sofort zur Stelle. Die Ber­gungsarbeiten gestalteten sich sehr schwie­rig, da der sich entwickelnde Rauch das Eindringen in den Keller fast unmöglich machte. Rur mit Gas­masken konnten die Feuerwehrleute schließlich an den Explosionsherd herankommen und die ver­unglückten bergen.

Gängerfahrt

der ».Bauern" nach Schotten.

d <5 d) o 11 e n 18. Mai. Der Bauerfche (9 e fangoercin Gießen unternahm bei herrlichem Wetter eine Sängerfahrt in den Vogels­berg unb wählte sich Schotten als Ziel. Samstag nachmittag trafen etwa 100 Sänger in ihrer schmucken blauen Sängertracht in unseren Mauern ein. Nach ber Quartieroerteilung besahen sich bie Sänger unsere Stabt. Abends gaben sie in ber gut besetzten Turnhalle ein Äo n 3 e r t, bas von einem deifallsfreubigen Publikum auherorbentlich gut auf­genommen mürbe. Proben ihres besten Könnens gaben bieBauern" unter ber bewährten Leitung ihres tüchtigen Dirigenten, des Ehrenchormeisters Otto G ö r l a ch. Die schwierigen ChöreStraßburg- lieb" von Kienzl,Der unerbittliche Hauptmann" unb Freiheitsgesang" von Molbenhauer sowie bas Landkncchtsständchen" von Orlanbo bi Lasso gefielen ganz besonders. Viele anwesenbe Sangesfreunde unb Dirigenten ber umliegenden Gesangvereine bekamen reiche Anregung durch bie bargebotenen herrlichen Gesänge bes Chors. Herr Ernst S ch n e i b e r (Gie­ßen), ehemaliger Lehrer am Hochschen Konservato­rium, spielte mit Meisterschaft mehrere auserlesene Stücke auf bem Cello (Abagio von Haydn, Zigeuner­tanz von Ieral unb Symphonische Variationen von Boellmann). Frl. E ck h a r b t (Gießen) begleitete ihn hierbei mit feinfühlendem, künstlerischem Verständnis auf dem Klavier. Nach dem Konzert fand ein g e mütlid)esBeifammenJeininber Turnhalle statt. Der Vorsitzende bes GesangvereinsSchottener Mannerchor" sowie Bürgermeister M e n g e I (Schot­ten) fanden herzliche Worte der Begrüßung für die Gäste. Für den Gastverein dankte dessen Vorsitzender, Herr Ley (Gießen). Noch weitere Gesänge der bei­den Vereine wie auch ein Massenchor, von beiden Vereinen gemeinsam gelungen, humoristische Bor- träge des Herrn Straub (Gießen), Tanzvergnügen wechselten miteinander ab. Am heutigen Sonntag gab der Bauersche Gesangverein an verschiedenen Plätzen der Stadt Proben seiner edlen Gesangskunst. Das reichhaltige Stimmenmaferial, das in den Te- nören und Bässen des Bersins steckt, kam prächtig zum Ausdruck. An das Mittagessen schloß sich ein Ausflug in die nähere Umgebung, Försterdenkmal, Haus Luginsland. Herzliche Beziehungen zwischen beiden Vereinen wurden angeknüpft. Die Gießener Bauern" haben in der Bürgerschaft Schottens den denkbar besten Eindruck und den Wunsch auf bal­diges Wiedersehen hinterlassen.

Gictzener Wochcrrmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 140 bis 160 Pfennig, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 25 bis 30, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 15 bis 20, gelbe Rüben 10 bis 12. rote Rüben 10 bis 12, Spinat 10 bis 15, Römischtohl 10 bis 15, Spargel 45 bi- 90. Erbsen 35 bis 40, Mischgemüse 10 bis 15, Tomaten 60 bis 80, Zwiebeln 8 bis 12, Meer­rettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 4,5 bis 5 (pro Zentner 3,80 bis 4 Mk.), Rhabarber 10 bis 15, Aepfel 10 bis 15, Dörr­obst 30 bis 35. Kirschen 120 bis 130, Honig 40 big 50, Rüsse 50 bis 70, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120 pro Pfund; Tauben 70 bis 80. Eier 10, Blumenkohl 50 bis 100, Salat 10 bis 15, Salatgurken 50 bis 80. Ober­kohlrabi 25 bis 30, Lauch 5 bis 10, Rettich 25 bis 30, Sellerie 10 bis 40 pro Stück; Radieschen 10 bis 15 Pfennig pro Bund.

Daten für Mittwoch, 21. Mai.

Sonnenaufgang 4.02 Uhr, Sonnenuntergang 19.52 Uhr. Mondaufgang 1.52 Uhr, Monduntergang 11.51 Uhr.

1471: Albrecht Dürer in Nürnberg geboren; 1506: Christoph Columbus in Valladolid gestorben.