Ausgabe 
19.9.1930
 
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Nr. 219 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Zreitag, 19. September 1930

Oer Kinderschreck.

TS wird höchste Zeit, daß einmal entschieden Front gemacht wird gegen knochenweiche und lendenlahme politische Methoden, die darauf ab­zielen. das Wahlergebnis des 14. Sep­tember mit Hilfe von mehr oder weniger un­verantwortlichen Auslandstimmen zu einem po­litischen Kinderfchreck für den deutschen Wähler aufzusrisieren. Wir sind weift Gott nicht erfreut über den Ausgang dieser Wahlen, und wir hätten im Interesse der politischen Stabilität dringend gewünscht, baft es gelungen wäre, der Regierung (Brüning eine einwandfreie Majorität im Reichstag zu sichern. Wir müssen es aber mit Entschiedenheit zurückweisen, daß jetzt nicht nur von der Sozialdemokratie, sondern auch von immerchin ziemlich weit verbreiteten demokrati­schen Blättern das Ausland zum Kronzeugen für die politische älnergiebigkeit dieser Reichstags- Wahl gemacht wird. Einstweilen sind ja wohl auch in Deutschland Wahlen noch immer eine interne Angelegenheit der Ration, in die sich das Aus­land nicht hineinzumischen hat. ilnb deshalb ist es doppelt beschämend, daft von der sozial­demokratischen Presse und einer Reihe von ande­ren Organen mit peinlichster Sorgfalt jedes un­freundlich« Auslandecho auf den 14. September registriert und entsprechend kommentiert wird. Ist man sich in diesen Redaktionen denn so gar nicht darüber klar, daft man dergestalt Elementen ein Recht zum Mitreden über deutsche Angele­genheiten gibt, die weder deutsche Bürger sind, noch die nötige Kenntnis der deutschen Verhält­nisse besitzen?

Deshalb bedauern wir auch, daß Dr. Cur- ti u - eS in seiner groften Rede vor dem Forum des Völkerbundes vermieden hat, von sich aus ein klares Wort über den Ausfall der Reichs- tagswahlcn und ihren inneren Sinn zu sagen. Man hört, daß die Frage, ob es zweck- mäftig sei oder nicht, im Schoß der deutschen Delegation sehr sorgfältig erwogen worden ist und daft man sich schließlich dazu entschlossen hat, in dem Staatsakt, wie Dr. Lurtius seine Genfer Rede selber charakterisiert hat, nicht davon Kenntnis .zu nehmen. Die Gründe, die die deutsche Delegation zu dieser Auffassung bewogen haben, in allen Ehren. Der Reichsaußenminister selbst wird sich klar darüber gewesen sein, daft er mit dem Schweigen über das bedeutsamste inner­politische Ereignis der letzten Jahre der Oeffent- lichkeit diesseits und jenseits der deutschen Gren­zen sehr viel schuldig geblieben ist. Man sagt, er habe hierdurch zum Ausdruck bringen wollen, daft der Kurs der deutschen Außenpolitik unbeirrt und unbeirrbar der gleiche bleibe wie bisher. Dagegen, daft die Methoden und die Zielsetzung der außenpolitischen Linienführung Deutschlands trotz des Ausgangs der Reichstags- Wahlen beibehalten werden, ist ja wohl ernsthaft auch kaum etwas einzuwenden. Wohl aber sind wir der Meinung, daft Der Reichsaußenminister, wenn er glaubte, diese Feststellung treffen zu müs­sen, das etwas anders hätte tun können. Ge­rade in Genf wäre der richtige Platz gewesen, einmal ganz offen zu sagen, daft diese Wahlen doch nicht nur der innerpolitische Ausdruck einer Weltwirtschaftskrise sind, von der Deutschland ganz besonders hart betroffen worden ist, sondern daft ihr Ausfall auch noch andere, tiefer lie­gende Ursachen hat, die in geistigen und seelischen Bezirken gesucht werden müssen. Dos ungeheuer starke Anwachsen namentlich des Rechtsradikalismus ist doch zum sehr groften Teile nichts anderes als det Protest schrei von Mtllionen junger Menschen, die angesichts der gegenwärtigen Machtverteilung in Europa angesichts einer durch Jahrzehnte fort­wirkenden Reparationsbelastung keine Z u - fünft für s ich selbst und ihrDater- l a n d zu sehen vermögen. Dr. Curtius, der einer der Hauptakteure der beiden Haager Kon- serenzen war, hätte auch getrost mit Freimut fest-

Altweibersommer.

Don Siegfried von Vegesack.

Rot, wie eine reife Tomate, steigt die Sonne über dem weihen Quarzfelsen auf. Feuchte kalte Rebelfchwaden streichen über den schwarzen Sturzacker, den kurzgemähten Wiesengrund, wogen talabwärts und zerrinnen in Tau und Dampf.

Klar und durchsichtig, eine gläserne Glocke, wölbt sich der wolkenlose Himmel. Die Berge und Bäume brennen. Rostbraun leuchten die Buchen­wälder, korallenrot flammen die Bogelbeerzweige am Wege, und wie eine ungeheure Fackel lodert der Ahorn über den niedrigen Dächern des Dorfes.

Die Luft ist so still, als hielte der Himmel den Atem an. Rur fernes Glockensummen der Rin­der, das Blöken der Schüfe, und hier und da ein langgezogener Hirtenruf hallt über den schweigen­den Wäldern.

Die Erde gibt ihr Letztes her. Stämmige Mägde und dürre Weiber mit weihen und roten Kopftüchern hacken, tief nach vorn gebückt, im Kartoffelacker. Schon türmt sich auf dem hohen 'Brettcrtoagen ein Haufen rosiger, noch feuchter Erdäpfel. Die ausgespannten Ochsen grasen am Feldweg, die lange Deichsel stößt schräg in den Himmel. Braun und verfault liegt das abgc» rupfte Kartoffelkraut in traurigen Büscheln.

Rur die Kohlköpfe stehen noch rund und feist, wie ungeheure Rosenknospen, mit kühlen tau- beperlten Blättern, Hnd rosig-gelb drängen die Runkelrüben ihre mächtigen Leiber aus dem ärfoboben.

Die Mittagssonne flimmert und sticht, wie im Hochsommer. Die Hühner haben sich am Süd­bang in den Sand gelegt, strecken dann und wann verschlafen einen Flügel aus, laufen sich und blinzeln ins Licht. Eine Schar blendend weißer, fetter Gänse flügelt mit weit vorgestreckten Hälsen zischend und kreischend über den grünen Hügel zum Futtertrog.

Braune Rinder wiegen ihre krummen Hörner und lassen ihre blanken rosa Mäuler malmend wie Walzen über das kurze Gras hin und her gehen. Weißwollige Schafe mit alttestamentarisch­ehrwürdigen Köpfen stehen blökend auf steifen, kurzen Beinen, dichtgedrängt, und harren der Schur.

. Dies ist das große Atemschöpfen, der Feier­abend des Jahres. Roch einmal sonnt sich die Erde, ganz dem Licht, der Wärme hingegeben. doch ohne Drang und Trieb. Run mag der Winter kommen: das Jahrwerk ist vollbracht.

stellen können, daft die Doraussehungen, unter denen der Voung-Plan zustande kam, weltwirtschaftlich ganz anders gelagert waren als die Gegenwart, in der sich der Realwert der deutschen Zahlungsverpflichtungen infolge eines teilweise außerordentlich gesunkenen Preisniveaus über jedes für möglich gehaltene Maß hinaus gesteigert hat.

Sicherlich gibt es für den Diplomaten Situa­tionen, in denen er vernünftigerweise von den eigenen Sorgen und Röten schweigt. Es gibt aber auch Situationen, in denen eine klare Sprache absolut ersorderlich ist, und wir meinen, daft die Reichstagswahl und ihr Ergebnis dazu gehören. Richt daft durch sie die Grundprinzipien der deutschen Außenpolitik geändert worden mären. Wohl aber ist die Dynamik eine andere ge­worden. Ilnb der klugen, sorgfältig abgewogenen Rede des Reichsauftenministers batte es gewiß nichts geschadet, wenn er dieser Tatsache mit eini­gen entschiedenen Wend«ngen Rechnung getragen hätte. Seine in der Form maßvolle, in der Sache scharfe Kritik an den Arbeiten des Völker­bundes wäre nur noch wirkungsvoller gewesen, wenn er ganz offen und rücksichtslos aus den Wahlausfall in Deutschland hingewiesen hätte, der ja doch in erheblichem Umfange durch die

Ergebnislosigkeit der Dölkerbundsarbeiten in den letzten Jahren mit verursacht worden ist. Wir erinnern nur an die Saarfrage, an das Danziger Problem, an die Röte des Memelgebiets, von der groften grundsätzlichen Forderung nach einer Revision der Ostgrenzen ganz zu schweigen. Ge­wiß ist es zu vermuten, daß Briand und Zaleski, vielleicht sogar Herr Henderson sich zu erregten Antworten hätten verleiten lassen. Trotzdem wäre rückhaltlose Offenheit durchaus am Platze gewesen, und Dr. Strcfemann hat sie bei ähnlichen Gelegenheiten auch keineswegs gescheut. Selbst Reichskanzler Hermann Müller hat es auf der Septembertagung des Völker­bundes von 1928 getrost auf einen Zusammenstoß mit Briand ankommen lassen. Wieviel weniger Grund bestand für Dr. Curtius, zu schweigen! Eine offene und rückhaltlose Rede in Genf be­deutet noch lange keine Katastrophenpolitik, und wir sind der Meinung, daft sie gerade im gegen­wärtigen Zeitpunkt nur reinigend und klä­rend hätte wirken können. Mit seinem Schweigen unterstützt er nur gewiß gegen seinen Willen und seine eigenen Auffassungen die Kreise, die heute das Auslandecho der Reichstagswahlen zum innerpolitischen Kinderschreck machen wollen.

Alles für Flandern!

Von unserem W. ^.-Berichterstatter.

(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Antwerpen, September 1930.

Vor den Toren von D i j m u i b c n erhebt sich ein mächtiger Turm, in schlankem Wuchs hoch über bie weite Ebene emporragend, die vier lange, blutige Jahre hindurch der Schau­platz gewaltigen Völkerringens war. Seine Spitze bildet ein mächtiges Kreuz, von dessen Stirn die Buchstaben A. V. V. V. V. K. bie Lo­sung der flämischen Jugend künden, zu deren ehrendem Gedächtnis der Kreuzesturm er­richtet wurde:Alles voon Dlaanderen, Vlaanderen voon Kristus."Alles für Flandern Flandern für Christa s."

Zehntausend kleine Steinkreuze jenseits des Vstrflusses tragen diese bedeutungsvollen Buch­staben, bas Vermächtnis der flämischen Soldaten, die für eine Sache fechten muhten, die nicht die ihre war: bie vier schwere Jahre hinburch dem mächtigsten Heere standhielten, dem Ruf eines Königs getreu, der bie Freiheit Flandern als Siegespreis für das Blutopfer feiner Söhne verhieß. Roch heute wartet Flandern auf die Einlösung dieses Versprechens. Zehntausend kleine Steinkreuze, Zeugen jenes Dlutopfers, gemahnen Belgien an das gegebene Wort, eine bleibende Anklage der flämischen Jugend, bie für es starb: eine erschütternbe An­klage wider den Verrat an der Zukunft eines Volkes.

Belgien verstand den tiefen Sinn jener Buch­staben in Kreuzesform wohl, die über der auf- fliegenden Möwe, dem Sinnbild des erwachen­den Flanderns, auf den Grabmälern der flämt- schen Soldaten in Stein gemeißelt stehen. Darum haßte es diese steinernen Zeugen. Dubenhände beschmierten zur Rachtzeit mit Zement die Sym­bole Flandern auf den Steinkreuzen der toten Viersoldaten. Belgische Behörden ließen die Grabsteine zu Hunderten zerstören, um sie zum Straßenbau zu verwenden. Empörung zitterte durch das flämische Land.

Alljährlich im August wallfahrtet das flämische Volk, von Priestern geführt, zu den Gräbern an der Vfer. Lawinenartig wuchs die Zahl der Wallfahrer von Jahr zu Jahr. Die Wallfahrt wurde zur Heerschau Flan­derns. Sie war die Antwort auf die schmähliche Schändung, die Belgien an den QJfer-

kreuzen begangen hatte. Aus Spargroschen von Witwen und Waisen, Freunden und Kame­raden wuchs vor den Toren des wieder erstan­denen Dixmuiben ein mächtiges (0 f er­freu 5 empor, Symbol der zehntausend kleinen Steinkreuze, bie vom Blutopser der flämischen Jugend zeugen. In diesen Tagen fand auf der 10. Vferwallfahrt die feierliche Einweihung dieses eigenartigen Ehrenmals statt. 150 000 Menschen aus allen Teilen Flanderns, von Limburg bis Französisch-Flandern, waren zu­sammen gekommen, eine unübersehbare Menge. Hoch flatterten die gelben Fahnen mit dem schwarzen Löwen im Winde. Mächtig er­schallte das Tedeum und das Lied vom flä­mischen Löwen. Auf offenem Marktplatz lasen flämische Priester die Messe. Dann versam­melte sich die gewaltige Repräsentation des flä­mischen Volkes um das Ehrenmal vor den Toren der Stadt zur eindrucksvollen Feier.

Gegen Ende der Einweihungsfeierlichkeiten er­schien ein Bote Belgiens: ein Flugzeug warf gegen die flämische Bewegung gerichtete Flugblätter und lange Papierstreifen in den belgischen Farben ab. Eine gewaltige Ent­rüstung bemächtigte sich der Menge. Die bel­gischen Fahnen wurden in wenigen Sekunden zerrissen und alsdann verbrannt. Richt en- denwollender Jubel brauste August Börms entgegen, der in diesem Augenblick die Tribüne bestieg. Bei der Rückkehr in die Stadt fielen bie wenigen belgischen Fahnen, bie, meist an öffentlichen Gebäuben, neben dem Meer der flämischen Löwenflaggen hie und da au sehen waren, der Wut der Menge zum Opfer. Die geschmacklose Störung der Feier am Ehrenmal hatte die anfangs nur festlich gestimmten Wallfahrer aufs äußerste erbost.

Als die Jagd nach den belgischen Hoheits­zeichen längst beendet war, erschien Polizei und berittene Gendarmerie auf dem Marktplatz von Dixmuiden, um mit blanker Waffe gegen bie Menge vorzugehen. Unter den zahlreichen Ver­letzten befanden sich Priester und Frauen, bie ahnungslos des Weges kamen. Daraufhin kam es zu leidenschaftlichen Wutausbrüchen der Menge, die mit eiligst herbeigeholten Stühlen, Krügen und Steinen nach der Gendarmerie zu werfen begann. Es entstand ein großer Tumult. Gendarmen wurden von den Pferden geworfen

Schnell und steil finkt bie Sonnenkugel hinter den Bergen. Blaue, lange Schatten fallen vom Walbe her, ein eisiger Hauch weht von den Wiesengrünben. Rote Hirtenfeuer blinken durch qualmenbc Rauchwolken. Peitschen knallen, mit weitschallenben Rufen wirb das Vieh heimge­trieben.

Grün und kalt steigt bie Rächt über ben Wälbern im Osten auf.

Karriere

Groteske von Hans Kafka

Hm das junge Mäbchen faß im Schwimmbad eine ganze Gruppe von Herren herum. Hrsprünglich war das so gekommen, daß sich alle gelangweilt hatten und nun an dem angenehmen und naiven Gevlapper, das nicht zu hemmen schien, ihre Be­lustigung fanden.

Film', sagte sie eben,warten Sie, Filmso was habe ich auch mal gesehen, wie ich als kleines Kind mit Muttern in Berlin wohnte und noch nicht zu meinem Vater nach Pommern auf das Gut ge­zogen mar."

Hnd wie lange sind Sie wieder hier?" fragte man.

Seit gestern", war die Antwort.

Hnd da haben Sie fchon einmal einen Film gesehen?" Jetzt kicherten schon einige.Was war denn das?"

Ach, ich weih nicht recht. Ich glaube mit Dorrit Weixler und Waldemar Pshlanber. Hat mit nicht sehr gefallen. Hat alles fo ausgesehen als ob es ununterbrochen drauf regnen würde, im Freien und im Zimmer auch. Rachher habe ich mich nie mehr für Film interessiert."

Run versuchten einige einen volkstümlichen De- lehrungskurs über bie Entwicklung des Films. Da gab es also zuerst einmal ben stummen Film, der sich zu einer ungeahnten Kunstform heraus entwickelt hatte. Asta Rielfen und Werner Krauß. Lubitsch, Sternberg, Dupont, Emil Jannings... riesige Ate- Herb aut en, Spiegeleffekte-Deutschland und Amerika.

Rie im Leben gehört", sagte das Mädchen. Kann ja recht interessant fein. Aber da wird es wohl so ähnlich wie beim Theater zugehen und Vater sagte, daß die Menschen beim Theater so roh und gemein seien. Da interessiere ich mich lieber hier in Berlin für andere Menschen und andere Dinge."

Das ist aber alles nicht wahr", unterbrachen sie einige.Dos erzählt man nur so, um kleine Mäd­chen abzuschrecken."

Ich verstehe nicht", sagte das Mädchen,warum Eie mich unbedingt davon überzeugen wollen."

Ja", antworteten ein paar andere,das betrifft nämlich unsere Berufsehre. Wir sind alle vom Film. Der da ist Direktor und der da Regisieur und das sind alles Schauspieler - wir haben die Mittags­pause in unserem Filmatelier, das eine halbe Stunde von hier entfernt ist, benützt, um uns von der schweren Arbeit zu erholen und schwimmen zu gehen."

Schwere Arbeit?" fragte das Mädchen.Cie kommen daher, machen vor dem Filmapparat ein bißchen Pipapo und gehen dann wieder ab. Zur Erholung könnt ihr euch sogar während des Fil­mens Geschichten erzählen. Die hört ja dann keiner, der nachher im Kino sitzt."

Gnädiges Fräulein scheinen nicht zu wissen, daß man heutzutage nur mehr Ton- und Sprechfilme dreht."

Tonfilme? Eprechfilme? Was ist denn bas?"

Da fagle ber, ber vorhin als Direktor bezeichnet war zu ben andern:Ununterbrochen wirft uns bie Kritik vor, daß die Schauspieler, mit denen wir arbei­ten, zu wenig naiv find: mit brauchbarem Rohmate­rial mühte bie Tonfilmarbeit beginnen, hat neulich ber Dingsda geschrieben. Vielleicht stimmt das- In bieser Hinficht ist jebenfalls bie Kleine unerreicht. Mit Vorurteilen unb Aachahmungstrieben belastet würde bie jebenfalls nicht vor bem Objektiv unb bem Mikrophon stehen. Zeigen Eie sich mal von allen Seiten, gnädiges Fräulein."

Die Kleine stand auf und drehte sich um ihre eigene Achse.

Gut", sagte ber Direktor.Run sprechen Eie mal langsam nach: Hurtig mit Donnergepolter ent­rollte ber tückische Marmor."

Die Kleine wiederholte bie Worte. Eie sagte berkitschige Marmor", aber ansonsten war ihre sprachliche Leistung zufriedenstellend.

Wollen mal probieren", sagte der Regisieur und ber Direktor nickte:Jawohl. Unsere Mittagspause ist zu Enbe. Ziehen Sie sich an, meine Gnäbigste, unb kommen Sie mit uns ins Atelier."

Dein", rief sie zu Tobe erschrocken.

Die Herren lachten:Aber liebes Kinb, wir finb boch keine Menschenfresier. Eehen wir so aus? Wir wollen boch nur Ihr Bestes. Der heutige Tag kann Anfang einer glanzvollen Karriere fein.

Hein", sagte bas Mädchen noch einmal,Ich habe Angst. Wie lange dauert denn bie Sache?"

Heute nur eine halbe Stunbe. Dann aber, wenn bie Prvbeaufnahme gut gelungen fein sollte, viel­leicht ein ganzes Leben."

Ra, gab sie zögernd zu.Die halbe Stunde will ich Ihnen schenken. Aber das sage ich Ihnen gleich, weiter werbe ich für so einen Unfug nicht zu

unb mihhanbelt. ES drohte zu blutigen Kämpfen zu kommen. Angesehene Führer der flämischen Bewegung bestiegen die Freitreppe des Rat­hauses unb mahnten mit lauter Stimme zur Mäßigung. Inzwischen hatten sich Zehntausend- auf dem Marklplay angesammelt. Die Gendar­merie war in der Mitte zusammengedrängt wor­den. Unter diesen Umständen verstanden sich die Behörden sehr schnell zum Rachgeben. Die Gen­darmerie zog ab. und die Verhafteten wurden auf daS Drängen der flämischen Führer hin freigelassen.

Langsam kehrte die Ruhe wieder. In festlicher Stimmung endete die 10. Vferwallfahrt, die zu einer machtvolle'. Kundgebung des erwachenden Flanderns gegen den belgischen Staat geworden war. Don Opferwillen und 'Freiheitsdrang kündet das würdige Ehrenmal der gefallenen flämischen Krieger, bas an diesem denkwürdigen Sonntag vor ben Toren von Dixmuiden feierlich geweiht wurde. Alles für Flandern, und Flandern für Christus."

Oderheffen.

Großer Fehlbetrag beim Vorschubverein Laubach.

Laubach, 18. Sept. Bei dem hiesigen Vor- s ch u ß v e r e i n e. G. m. b. H. ist durch unvorsichtige Ausleihung von feiten des Rechners ein von Revi­soren nunmehr sestgestellter Fehlbetrag von etwa 2 3 6 0 0 0 RM. entstanden. An der Ge­nossenschaft sind mehr als 200 Mitglieder beteiligt, die für den Fehlbetrag oufzukommen haben, worüber natürlich große Erregung herrscht. Die Beteiligten find in der Hauptsache Gewerbetreibende und Land­wirte aus Laubach und den nächstliegenden Ortschaf­ten. Gestern abend fand imSolmser Hof unter Zuziehung der Revisoren eine Vorbesprechung von Genossenschaftsmitgliedern statt, in der über den der­zeitigen Stand und über ein etwaiges Fortbestehen der Genossenschaft beraten wurde. Eine endgültige Entscheidung über das Schicksal des Vorschußoereins wird die mit großer Spannung erwartete Hauptver- sammlung am nächsten Sonntagnachmittag bringen.

Ungültige Bürgenneistenvahl.

WSR. Schotten, 18. Sept. Der Kreisausschuß des Kreises Schotten erklärte in seiner gestrigen Sitzung die kürzlich in U l r i ch st e i n oorgenommene Bürgcrmei st erwähl für ungültig, da bei dieser Wahl Verstöße gegen die Wahloorschristen, insbesondere hinsichtlich der Offenlegung der Wähler­listen vorgekommen waren. Die Wahl eines neuen Bürgermeisters für Ulrichstein muß nun noch einmal vorgenommen werden.

Stadtraissihung in Alsfeld.

Alsfclb, 17. Sept. In ber StabtratS- Sitzung vom Dienstag kam zunächst der V 0 r - anschlag ber Gewerbeschule für baS Rechnungsjahr 1931 in Vorlage. Dieser beträgt in Einnahme unb Ausgabe 29 224,70 Mk. unb bewegt sich fast im gleichen Rahmen wie im Vorjahr. Der von ber Stabt zu leistende Zu­schuß beträgt 14 598,85 Mk., wovon allerbing« ber Kreis nur einen Teil übernimmt. Der vom Kuratorium gutgeheihene Voranschlag wurde in der vorgelegten Form genehmigt.

Aenderung ber Ortssatzung über die Er­hebung einer Oemeinbcbierfteuer: In ber vorausgegangenen Sitzung war ' be­schlossen worben, bah bie Mehrkosten an Zinsen unb Tilgung aus ber Kapitalaufnahme von 100 000 Mk. für Rotstanbsarbeiten zur Beschäfti­gung ausgesteuerter Erwerbsloser zur Hälfte auS der Mehreinnahme aus der Gemeindebiersteuer gedeckt werden soll, die sich aus einer Erhöhung ber Sätze auf Grund ber Rotverorbnung deS Reichspräsibenten vom 26. Juli 1930 ergibt. Hier- burch ist eine entsprechende Aenderung ber be- stehenben Ortssatzung über bie Biersteuer not- toenbig geworben, bie zur Beschlußfassung ftanb. Cs lagen hierzu eine Eingabe der Brauerei

haben fein. Ich strebe nach viel ernsteren Dingen." Warten Sie mal ab, sagten bie anbem,wenn Sie bann ein paar Gagenziffern hören, werben Sie fchon anbers benlen."

So brachen sie alle auf. Der Direktor rieb sich bie Hänbe:Ja, ja, man muß sich feinen Ruf als Entdecker unbekannter Talente schwer verdienen. Aber eine Zeitungsnotiz wird bas werben! Eine ber Haupt­rollen spielt ein Mäbchen, bai bis bahin überhaupt nicht wußte, was ein Film und ein Kinotheater fei. Das stimmt nur beinahe, aber man muß ja über­treiben."

Das Mädchen brauchte zum Anziehen furchtbar lange. Die gefamte Filmgesellschaft ftanb vor ihrer Kabinentür unb wartete. Sie faß Drinnen unb schrieb ben Brief fertig, ben sie vorhin begonnen hatte: . . . unb nun, liebe Ellh, nachbem ich Dir geschil- bert habe, wie ich biefes eine Jahr in Berlin ver­brachte, wie ich tagtäglich Dor- unb Rachmittag ver­geblich bei ben verschiedenen Tonfilmproduktionen vorsprach, um nur ein einziges Mal wenigstens mit einem Hilfsinfpizienten sprechen zu können, wie ich jeden Abend für mein letztes Gelb ein Kinobillet kaufte, um meine großen Vorbilber auf Der LeinwanD zu studieren teile ich Dir mit, daft ich endlich am Ziel bin. Wenn Du nach Berlin kommst, kannst Du meinen Trick, zu dem ich Dir unten ausführlich bie Anweisung gebe, gleichfalls anwenden. Hnd wo­möglich am ersten Tag, Damit Du nicht ein ganze- Jahr verlieren mußt, um burch Kenntnisse und ehr­liche Bemühungen weiterzukommen..."

Oochschulnachnchten.

An ber Lanbwirtschaftlichen Hochschule in Berlin ist ber nichtbeamtete a. 0. Professor Dr. Hans Z ö r n e r zum orbentlichen Professor ernannt worben: ihm wurde der Lehrstuhl für Betriebslehre und Arbeitswirtschaft übertragen, Professor Zörner hat zugleich einen Lehrauftrag für Lanbwirtschaftslehre an ber Berliner Tier­ärztlichen Hochschule. Der a. v. Professor sür Anatomie an ber Hniversität München, Dr. Walther D 0 g t, ist auf fein Ansuchen vom 1. Oktober 1930 an aus bem bayerischen Staats- bienft entlassen worden. Professor Dogt über­nimmt als Ordinarius ben Lehrstuhl ber Ana­tomie an ber Hniversität Zürich als Rachfolger bes verstorbenen Professor Walter Felix.

Der ordentliche Professor an der Hniversität Groningen (Holland) Dr. B. L. van der Waerden ist vom 1. Mai 1931 ab zum o. Pro­fessor der Mathematik an der Hniversität Leip­zig ernannt worden.