Nr. m Zweite; Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Donnerstag. 19. Juni (950
Was wird in Indien?
Don Soumyendranath Tagore.
Der Neffe des indischen Dichter- Rabin- dranath Tagcre g bt h er eine anschauliche Schilderung der Lage in Indien. Deine Darstellung ist deshalb besonder- wertvoll, weil er sich in einem klar erkennbaren Gegensatz Gandhi stellt, soweit dessen Methoden tn Frage kommen. D. Red.
Dem europäischen Beschauer stellt sich die heutige Lage in Indien ziemlich verworren dar. Ruf der einen Seite soll der Vizekönig Lord I r - w i n scharfe Maßnahmen gegen Die Freiheitsbewegung eingeleitet und Rotstandsoesctze erlassen haben, die eine Aufreizung zum Boykott und Aur Steuerverweigerung unter Strafe stellen, auf der anderen Seite hören wir, daß Verhandlungen zwischen ihm und den indischen Liberalen statt- finden sollen, deren Ziel es ist, eine Annäherung zwischen ihm und Gandhi in die Wege zu leiten. Don eigenen Röten wirtschaftlicher und politischer Ratur stark in Anspruch genommen, hat Europa den bedeutsamen Vorgängen in Indien nicht immer die ihnen gebührende Aufmerksamkeit geschenkt, ja es hat manche der im indischen Freiheitsringen aufgetretenen Ereignisse, wie z. B. den Morsch Gandhi- an die See, nicht in ihrer vollen Tragweite ersaht und daher nicht ausreichend gewürdigt.
Wenn wir unS heute sragen, wie weit wohl die revolutionäre Bewegung in Indien vorgetrogen werden kann, so dürfen wir nicht vergessen, daß innerhalb des indischen Kongresses chon lange vor Beginn der Aktion starke Wider- tändc gegen den Mahatma austraten. Der linke Flügel deS Kongresses, dessen Teile sich unter der Führung von Sowharlal R e h r u und Subhoschandra Bose befinden, hatte von Anfang an die Gandhischc Politik der Gewaltlosigkeit als aussichtslos bezeichnet. Man hatte betont, dah man gegen eine Politik der Richtgewalt nichts einzuwenden habe, dah man sich aber auf diesem Wege einen Erfolg nicht zu versprechen vermöge. Man stand also auf dem, glaube ich, durchaus vernünftigen Standpunkt, dah der letzte Befreiungskampf eines Volkes nie ohne Gewaltanwendung Durchgeführt werden kann. In der letzten Generalabstimmung deS Kongresses, in der au diesen Fragen Stellung genommen wurde, setzte sich Gandhi zwar noch mit seiner friedlichen Anschauung durch, aber sein Erfolg war mehr ein Sieg seiner Persönlichkeit, als ein Sieg seiner Anschauung. Die Majorität, mit welcher der Mahatma seine Ansicht durchzuführen vermochte, war recht bescheiden: sie betrug nur etwas über 200 Stimmen.
Als infolge Mangels an geeigneter Führung Der radikale Teil des linken Flügels des Kongresses unter Sawharlal Rehru zusammenbrach, wurde Die Widerstandskraft Der Gegner einer friedlichen Politik geschwächt. Wenn wir heute Horen, dah liberale Persönlichkeiten bereits für Verhandlungen mit England plaidieren. so besteht Damit sicherlich Die Gefahr, Dah Die inDische Unabhängigkeitsbewegung in isolierte Aktionen zersplittert wird und nicht Die Wirkung au-löst. Die ihr im Anfang zugefchrieben wurde. Für mich besteht jedoch kaum ein Zweifel Darüber. Dah, selbst wenn Die VerhanDlungen zu irgendeinem Resulutat führen sollten und England Indien Konzessionen irgendwelcher Art machen sollte. Damit Das Problem Indien noch lange nicht gelöst ist Diese- Problem ist weder außen-, noch innenpolitischer Ratur, sondern ein 21 g r a r ■ Problem. Selbst trenn Indien eine Art Dominion-Status erhalten sollte, würde Dies bestenfalls als eine Art Zwischenlösung zu betrachten sein, Die Das letzte Ziel, Die wahre Freiheit 2 nDienS, nur vorbereitet.
Etwa Drei Viertel Der inDischen Bevölkerung sind Bauern, Kleinbauern, Die sich kümmerlich von ihrer Hände schwerer Arbeit nähren. Diese Leute fristen ein mehr als kümmerliches Dasein, Das sie zu äußerster Einschränkung ihres Lebens- beDarfes zwingt. Diese 75 Prozent Der inDischen
Bevölkerung — es sind 200 Millionen Menschen — sind nicht- mehr und nichts weniger als eine grohe Gemeinde von Hungerkünstlem. Es gibt Tausende Familien, deren Clnzige karge Rahrung am Tage auS einer Hand voll ReiS mit etwas Salz besteht. Diese ärmsten der Armen werden von England und von den eigenen Drohgrundbesitzern, den Saminbar«, in gröbster Weife aus- gebeutet. Der ilmftanD, dah die Samindars mit den Engländern sympathisieren und ihnen jede nur mögliche Unterstützung gewahren, zeigt bereits Die Identität der Interessen. Die Engländer wissen da- ganz genau, und wie Englands Politik stets Die eines AuSspielenS Der einzelnen Kräste gegeneinander gewesen ist, so auch hier. Es ist höchst wichtig, dah man Diele Zusammenhänge einmal außerhalb InDicnS richtig einsieht unD sie in ihrer vollen Bedeutung würdigt.
Gandhis Marsch an die See und die Handlung deS Salzkochens war nur eine symbolische Handlung, eine geistige Auflehnung gegen Die unerträgliche Tyrannei der Engländer, die darin besteht, dah man diesen vielen Millionen von ärmsten Bauern die einzige Mahlzeit am Tage — eben jene Hand voll Reis — dadurch verbittert, Dah man ihnen Das Salz besteuert, Das Den Reis erst genießbar macht. Bevor Die 6ng» länDer nach Indien tarnen, bestand kein Salzmonopol Der Regierung unD keine Salzsteuer. Diese wurDe vielmehr erst eingeführt, als Die Engländer den Entschluß faßten, ihr eigenes, in England gewonnenes Salz nach Indien zu importieren. Die Einfuhr war nur dadurch möglich, daß man das in ungeheuren Mengen in den indischen Gewässern zur Verfügung stehende Salz mit einer Steuer belegte. Heute ziehen die Engländer in Indien einen Betrag von etwa 80 Millionen Rupees jährlich auS dieser Steuer, Das sind, »twa 120 Millionen Mark, Die Den bereits ausS äußerste eingeschränkten LebensbeDürfnissen des Volkes abgerungen wird. Die unerträgliche Salzsteuer hat Die indische Bevölkerung derartig belastet, daß sie gesundheitlich schwer darunter leidet. Rach Den Durchaus autoritativen Feststellungen medizinischer Sachverständiger genießen Die indischen Bauern — Männer, Weiber, Greise, Kinder — etwa 50 Prozent weniger Salz, als ihnen vom gesundheitlichen Standpunkt aus dienlich ist.
Es zeugt von dem politischen Scharfblick Gandhis und von seiner ungeheuren Einsicht in Die letzten GrunDlagen Des Problem-, Daß er gcraDe DaS Salz zum Symbol seines FelDzuges nahm. Die Handlung des Salzkochens sollte den feierlichen Protest von 90 Prozent Der indischen Bevölkerung ausdrücken. Diese symbolische Handlung sollte aber auch weit über Indiens Grenzen hinaus eine Fanfare für Die auherindifche Welt Darstellen. Sie sollte Die Aufmerksamkeit aller Kulturvölker auf Die Ungeheuerlichkeit lenken, daß eine große weltbeherrschende Ration es über sich bringt, ein wehrloses Volk in einer Weise auszubeuten, daß man ihm nicht einmal Die Prise Salz gönnt, Die es zu seiner einzigen Mahlzeit am Tage benötigt.
DanDhi ist Der einzige Mensch, Der sic») einen Erfolg von einer solchen symbolischen HanDlung versprechen konnte. Er ist, das weiß ein jcDcr, von einer grenzenlosen Liebe seinem Volke gegenüber beseelt. Er kennt feinen politischen Ehrgeiz irgenD- welcher Art, sondern nur letzte Aufopferung für die Interessen seiner leidenden Brüder. Die Reinheit seiner Motive, die Hoheit seiner Gedanken machen ihn zu einem ganz großen Menschen unserer Zeit. Er ist kein Führer im europäischen Sinne, denn er findet seine Genugtuung nicht in Äußerlichkeiten und im Halten schöner Reden, sondern in der demütigen Hingabe an Die CciDcn seines Volkes und in einer frieDlichen, von Liebe getragenen Einstellung allen Menschen gegenüber.
Da- junge Indien, das mit offenen Augen in Die Welt blickt und Dessen Herz sich beim Anblick Der Rot empört, hat Den Glauben an
Rosen vom Trajansmarki.
Don Gustav W. Sberlein,
Wer jetzt „Rosen auS Dem SüDen" haben will, braucht nicht erst in Den Konzertsaal zu gehen, wo fie gelungen, oder ins Theater, wo sie getanzt werden, er kann fie kaufen. Aus dem Blumenmarkl. Bei Trajan. Mit welchem Ramen nicht irgendein fio- rista oder fioraio der modernen Hauptstadt gemeint ist, sondern Der uns allen von Der Schule her bekannte LandeSvater ober Imperator.
Es geht malerischer zu auf diesem Markt, alS ein Maler sich's vorstellen kann. Besonders nachts, wo sonst Die Farben zu schweigen pflegen. Da ist Das römische Rachtblau, da- noch kein Pinsel einzufangen vermochte, höchstens ein bestimmterSchmet- terlingsflügel, Der aber wieDer zu sehr nach Email glänzt, ohne Tiefe zu haben. Jenes Blau aber ist grunDlos- Es wirD herzausreißenD, wo ein alter Steinbogen es ausschncidet, und wenn in diese halbe Scheibe oder Viertelskugel eine rote Opferflamme hineinlodert, dann — ja, Dann streift cs beinahe an Kitsch. Unserem SchönheitSempstnden sind eben Grenzen geletzt.
Dieser rotdurchloderte Bogen in Blau lockt Die Leute, Die sonst auf Den Autobussen Der brausenDen Via Nazionale am Blumenmarkt vorbeirattern würben. Vorbei an Dem Zusammenstrom Der Strafte Des 24. Mai unD Der Strafte des vierten Rovember, vorbei an Dem nicht so frischen Datum Der Reste Der servianischen Mauer, vorbei an Dem schiefen Turm, von Dem aus Rero, wie DaS Volk glaubt. Den Brand Roms betrachtete. Hier, wo jetzt eine steile Treppe zum Forum hinunterstürzt, hier erhob sich einst Der achte Hügel unD Die Säule TrajanS gibt, nichts anderes war ihr Zweck, die abgestochene Höhe an. Ratürlich war ein gewaltiger Bergdruck Die Folge einer Derartigen Amputation, unD um ihm zu begegnen, lieft Trajan ein halbkreisförmiges GebäuDe — statt Der Betonstützmauer unserer Tage — anlegen, Die Markthallen, Die terrassenförmig ausstiegen unD sich schließlich zu richtigen Hochhäusern entwickelten. Waren eS nicht Die hängenden Gärten Der Eemiramis, so Doch hangende GeschäftSläden.
Unter dem Cäsar Muflolini sind sie wieder anS Licht gekommen, unD Der Gouverneur hatte Den hübschen GeDanken, sie Den BlumenhänDlem zu überlasten, auf Daft Rom seinen Blütenmarkt habe.
Feierlich unD Düfteschwer war die Einweihung. Ie sechs Gewölbe zur Rechten und zur Linken un
ten, je sechs oben im ersten Stock Ein Tonnenbau zunächst, basilikahast, Die Apsis gebildet von Dem nachtblauen, flammenDurcftloDcrten Bogen. Zwischen Der Flucht Der blumenüberlaDencn Ausstellungsgewölbe eine Reihe von geschmückten Mustertafeln, von prangenDen Bigen, deren Deichsel in einen Wid- Derkops auSläuft. Girlanden hängen von den Balko- nen herab, antike Leuchter leuchten in geheimnisvollen Loggien, Kränze auS Zitronen und Feigen unD Pinienzapfen hängen an Den WänDen, an Denen sich schon vor hunDerten unD aber Hunderten von Fahren Käufer und Verkäufer vorbeidrängten.
Grüne Patina sitzt in den Ecken des Gemäuers wie Mondschein. Steigt man die Treppe hinaus, so gerät man an den Fuft Des schiefen Turmes, der die Sterne zu zählen scheint. Steigt man in die Tiefe hinunter,so kommt man durch das alte Steintor-noch sitzen Die Angeln in Den Ecken, noch sinD Die Bohlenrinnen, Die Heineren Laufschienen nicht ausgetreten — unmittelbar auf das antike Pflaster Der Strafte, Die zum Forum führte.
Und Dann steht man auf Der großen Terrasse unD blickt Durch Den flammenden Bogen hindurch auf das ungeheure nächtliche Rom und schaut hinein in das Blau wie in die Ewigkeit selber. Es ist schwer zu sagen, ob man diesen Blick eher los wird oder Den nicht minder betäubenden Geruch Der Rosen.
Ernsthafte Liebe.
Don Josef Kastein.
Sie hieß Anna-Maria. Ich begegnete ihr vor zwei Iahren zum ersten Male. Sie saß an Der Piazza, dem See gegenüber, auf Den steinernen Stufen zum Bäckerladen. Sie war nicht zu übersehen: Diese zierliche Gestalt, mit rundem, sonnen- braunem Gesicht, großen, dunklen Augen, tief- schwarzem Haar, zierlichen, runden Gelenken.
Ich blieb stehen, an eine Platane gelehnt, unD sah sie an, ganz wunschlos, aus reiner FreuDe am Betrachten Dieses schönen MenschenkinDes. Sie schien es nicht zu beachten, hielt den Kopf etwas gesenkt und lauschte auf ein Singen aus Dem Haufe. Sie fah mir auch nicht nach, als ich enDIid) weiter ging.
Anderen Tages sah ich sie an Der gleichen Stelle. Dieses Wal sah sie mich an, aber sehr kurz, mit einem schnellen, prüfenDen Blick. Der nichts verriet und Doch alles zu verstehen schien. UnD Dabei war mir Doch, als habe sie gelächelt.
Diese Politik Der Gewaltlosigkett verloren. Ss gibt Tausende unD «aber Tau- senDe junger Inder, Die sest Davon überzeugt sind, daß im Kampfe gegen den Terror Englands und im Ringen um Die höchsten Güter der Ration symbolische Handlungen nicht genügen, sondern daß hier allein der trotzige Widerstand angebracht und moralisch auch durchaus gcrechtsertigt ist. Es ist daher erklärlich, daß sich von leiten Der intelligenten IugenD Indiens eine
langsame, aber sichere Abkehr von Gandhi voll- zieht. Zwar wird der Mahatma in Dielen Kreise« noch hoch verehrt, man erkennt auch an, daß seine symbolische Revolution im Kampfe gegen Maschinengewehre, Flugzeuge und Tanks ihre moralische Wirkung nicht versehlte. aber man vermag ihm in seinen letzten Konsequenzen und in Der Durchdenkung des Problem- nicht mehr unbedingt Folge zu leisten.
Mietskasernen — für Automobile!
Deutschlands erstes Garagenhochhaus in Berlin. — Das Haus der 400 Auto« mobile. — Co.l man Flach- oder Hochgaragen bauen?
Don Karl Richard Grawih.
Die Anlage von Garagen, Die der ständig wachsende Automobilverkehr verlangt, ist eine Der wichtigsten Fragen des Städtebaus. Die bevorstehende Erössnung deS ersten deutschen Garagenhochhauscs hat daher besondere aktuelle Bedeutung.
In allernächster Zeit wird in Berlin ein Gebäude seiner Bestimmung übergeben werden, das in seiner Art einzig in Deutschland dasteht. Roch sieht man von außen nicht viel mehr alS Die bei Bauten üblichen Holzgerüste. Etwas ganz ReueS, noch nie Gesehenes offenbart sich, wenn zunächst auch nur in Umrissen des Rohbaus, dem Besucher, wenn er Die weiten Hallen von innen besichtigt. Was hier ersteht, ist nichts anderes als das Garagenhochbaus im Westen Berlins. in Dem Die Autos demnächst ebenso selbstverständlich auf das Dach hinauffahren werden wie auf irgendeinen Alpenpaß. allerdings nur mit Der Aussicht auf Berlins Häusermeer. Von der Straße gelangt das einführende Auto zunächst in eine weite Halle, an deren Ende sich rechts der Weg in Drei Teile gabelt. Der mittlere führt zu einem Wagenwaschplah. links führt eine Straße zu Den weiten Kellerräumen unD ihren Autoboren. Der Dritte Ast bilDet Den Beginn einer Serpentine, Die in einer Steigung von 1:10 Durch fünf Stockwerke hindurch bis aufs Dach führt. Zwischen Die Schrauben- Windungen dieser Serpentine für die Auffahrt sind ebensolche parallele, von ihnen getrennte Windungen für die Abfahrt der AutoS gelegt. Alle Straßen find also im Gegensatz zu anderen Vorbildern Einbahnstraßen, sie werden nur in einer Richtung befahren, daher find Zu- fammenstöße unmöglich.
Der Chauffeur, der seinen Wagen dorthin fährt, genießt allen Komfort der Reuzeit, Wannen- und Brausebäder, gut ventilierte, angenehm temperierte Räume, die gekrönt sind von den riesigen, auch fremden Autopafsanten zugänglichen Dachgarten, der. ringsum von Glaswänden eingefaßt, von verschiebbaren Glasdächern bedeckt, mit seinen Speise- und Erholungsplätzen einen sehr angenehmen Aufenthaltsort abgeben wird. Da im ganzen Gebäude nicht ein Stückchen Holz, nur Beton für den Bau verwandt wurde, ist er vollkommen feuersicher. Aus jeden Fall laufen aber durch alle Stockwerke starke Wasser- und Schamn- löschrohre: auch wurde eine direkte Leitung zur nächsten Feuerwehrwache gelegt. Die geräumigen Boxen sind durch eiserne, auf Rollen verschiebbare Türen verschließbar. Obwohl für 400 Autos Platz ist. sind doch schon alle vergeben. Arn 1. August, nach einer Bauzeit von genau einem Iahr, soll die Einweihung stattfinden, und wenn dann alle Gerüste fallen, wird sich Der neue Garagenprunkbau mit feinen riesigen Glaswänden als Schmuck des Stadtteils präsentieren.
Wenn auch ein ganz genau gleicher Bau sonst nirgends auf der Welt besteht, fo gibt es doch ziemlich ähnliche Konstruktionen bereits in anderen Ländern. 1925 wurde z. B. in Budapest für die Postautos eine Garage errichtet, die auch das Prinzip dieser sogenannten doppelgängigen Wandelrampe benützt. Die Rampen sind dort im Innern eines weiten 'dreigeschossigen Lichthofes
angeordnet. Zwei dieser Hallen bieten Platz für zusammen 360 Wagen. In Rom wurde eine solche Hochgarage vor einem Iahr eröffnet. DaS Prinzip dieses Baues wurde schon im Iahre 1925 von dein jetzigen Dozenten für Garagenbau an der Charlottenburger Technischen Hochschule, Ing. Georg Müller, aussuhrlich beschrieben, ohne jedoch in großem Maßstab verwirklicht zu werden. Die Ursache ist in dem Umstand zu suchen, daß in Deutschland die Zahl Der Hochgaragen überhaupt noch sehr gering ist. Da bei Der verhältnismäßig langsamen Entwicklung Des Auto- mobilwesenS hierfür bisher noch kein BeDarf vorlag.
Ob man eine Hoch- oder Flachgarage errichten soll, hängt durchaus von ihrer Lage und von den GrunDstückSpreisen ab. Ie teurer der Grund, desto hoher muß man bauen. Bei rechnungen haben ergeben, daß die Rentabilitätsgrenze der Flachgarage bei einem Grundstücks- Preis von 30 bis 50 Mk. je Quadratmeter erreicht ist, daß Garagen mit nut einem Stockwerk unrentabel sind, fünfstöckige sich bei einem PreiS von 70 bis 95 Mk. rentieren. Irn StaDtinncrn. wird man also allmählich überall Hochgaragen erbauen müssen, wie dies in größerem Maßstab schon in Amerika der Fall ist Eine große Zahl Bauten dieser Art wurde bereit- auSgeführt oder geplant. Man kann zur Hochdesörderung der Fahrzeuge zwei Wege wühlen, den der Rampe oder der Auszüge. Diese beanspruchen zwar viel weniger Platz, sind aber nicht so leistungssähig, was sich in Stunden starken Andrang- unangenehm bemerkbar macht. Aus einer Rampe können in Der StunDc in AbstänDen von 30 Meter 360 Autos fahren, ein Aufzug bewältigt stündlich nur 40 bis 50 Wagen. Außerdem ist er sehr von Betriebsstörungen abhängig, was wieder zu Schadenersatzansprüchen für versäumte Zeit führt. Bei Hochbauten mit Rampen wären folgende bemerkenswerten Konstruksivnen zu erwähnen: ES wird die ganze Garage auf Schraubenwindungen verlegt, wobei in Der Mitte Der Schraube Die Ausfahrtsrampe liegt, von wo Der Wagen in Die einzelnen Boxen gelangt, Die er nach der rückwärtigen Seite zur Abfahrt-rampe verläßt. Auch können Die Rampen in engen WinDungen in zwei getrennten Türmen liegen, während die Boxen seitlich ringförmiger Straßen liegen, Die Die Türme oerbinDen. Natürlich muß Dafür gesorgt tocrDen, daß im BranDfall das Personal über feuersichere Treppen in« Freie gelangen kann.
Der Gedanke, bereit« bestehende Gebäude für Aufzuggaragen zu verwenden, ist schon sehr alt. Wurde doch bereits in Vorkriegszeiten in der Rähc des RollendorsplaheS in Berlin eine solche gebaut, die noch heute ihrem Zwecke dient. Irn Hof des Gebäudes befindet sich ein sechseckiger Aufzug für drei Wagen mit einer kreisrunden Drehscheibe in der Mitte, so daß die Auto« nach verschiedenen Seiten abrollen können. Der Auszug bedient etwa 50 Boxen in fünf Stockwerken. In Amerika gibt e« schon solche Turmgara- g en von 20 Stockwerken, bei denen mit Rücksicht auf die hohen Grundmieten für die Straften zwischen den Boxen nur sehr wenig Platz
Späterhin ergab sich, daß da« ein Irrtum war. Selbst in den schönsten Stunden unseres Beisammenseins hat sie nicht gelächelt. Aber ich greife den Ereigniffen vor.
Wir sahen uns täglich und kannten uns also schon gut, aber es blieb Tag für Tag bei diesem stummen Anschauen. Vis endlich eine Kuh Leben in unsere Beziehungen brachte. (Wahrhaftig.)
Anna-Maria hatte sich von ihrem Platz vor dem Bäckerladen erhoben und wollte sich in den Schatten Der Platanen setzen, gcraDe, als ich vorüber kam. GcraDe auch, als man aus Den kleinen Gassen- mit Den Dunklen Ställen Die Kühe zum Tränken an Den See trieb. Eine mächtige, breite Kuh ging just auf Anna-Maria zu. Die Kuh war brav und gutmütig, aber cs fah doch sehr gefährlich aus. Oder cs schien ihr sehr gefährlich. Denn sie blieb ängstlich stehen unD stieß einen kleinen Schrei aus.
Dieser Schrei war für mich ein Signal. Ich trat Der Kuh in Den Weg unD fuchtelte mit meinem Stock. Das Tier sah mich maßlos überrascht an. schlug unwillig einen kleinen Haken unD trollte sich zum Seeufer hinunter. Ich war Sieger geblieben.
Ich sah Anna-Maria an. Anna-Maria sah mich an, aber nur ganz kurz. kaum. Daß sie mich mit Dem Blick streifte. Kein Zug in ihrem Gesicht verwarf oDer ocränDertc sich. 11 nD Dann tat sie etwas überraschenDes: sie nahm meine linke HanD. Sic nahm sie nicht fo, w.e man Die Hand eines Menschen zur Begrüßung ober zum Dank ergreift, fonbem fo, wie man c« tut, wenn man mit einem Menschen Hanb in Hanb gehen will.
ilnb bann — o kleines Wunber — gingen wir Hanb in Hanb Die Piazza hinunter, am Castello vorbei bis zu Dem kleinen Bach und wieder zurück bis zum Bäckerladen. Die Leute auf Der Strafte, Die Frauen in Den Haustüren schmunzelten frcunDlich unD wohlwollend hinter uns drein. Wir kümmerten uns nicht darum. Wir waren sehr ernsthaft beschäftigt. Ia, womit eigentlich? Run, mit Dem Har.b-'in-HanD-gchen. Denn keiner von uns beiDcn sprach ein Wort. Als wir wieder vor dem Bäckerladen standen, loste Anna-Maria stillschweigend ihre Hand aus Der meinigen und setzte sich wieder auf Die Stufen.
Damit ist meine Erzählung eigentlich zuenDe, Denn es ist nichts weiter zwischen uns geschehen. Das heißt: wir gingen, auch ohne daß eine
Kuh Den Anstoß gab, jetzt säst täglich so stumm unD ernsthaft spazieren. Ich weiß bis heute nicht, wie Anna-Maria mich jeweils erspäht-, wenn ich Daher kam. Denn sie hob Die Augen nicht ein einziges Mal zu mir aus. Aber s c sah mich und stanD auf, kam zu mir. nahm meine linke HanD. ging mit kleinen zierlichen Schritten neben mir, Die Piazza entlang bis zum Bach unD zurück bi« zum BäckerlaDen. Den ganzen Sommer hin- Durch, bi« es kühl würbe, auf den steinernen Stufen zu sitzen und zu warten.
Ilnb heute? Anna-Maria kennt mich nicht mehr. Sie rauft mit ben Jungen im GraSstreisen am See. Sie ist zu erwachsen für solche gefühlS- tiefen Spaziergänge.
Denn fie ist jetzt vier Iahre alt geworden.
Das Haar bringt es an den Tag.
Ein paar winzige Haare haben dazu geführt, daft ein französischer Flcischcrgcselle, Leopold Dufour, nach einer Untersuchungshaft von mehr al« 20 Monaten jetzt vor dem Scinc-Gcricht des schweren Einbruchs angeklagt worden ist. Er soll im September 1928 in den Laden eines gewißen Vernier eingedrungen und 3520 Franken in bar und eine Anzahl Edelsteine gestohlen haben. Da« Verbrechen wurde bei Tage verübt, und der Einbrecher hatte eS so eilig, daft er eine Brechstange und eine Mühe zurücklieft. ES sanden sich auch Blutflecke auf dem Boden und an der Stange, Die betoiefen, Daft der Eindringling sich bei Benutzung der Stange Die Hand verletzt hatte Der verstorbene Polizeiinspektor Bayle. Dem Die Untersuchung übertragen wurDe, sand in Der Mühe ein paar kleine Haare, Die sorgfältig untersucht tourDen. AIS Dann Der Verdacht auf Dufour fiel und et verhaftet wurde, stellte man fest, Daft seine Haare Dieselben Merkmale wie die auS der Mühe aufwiesen, und Bayle konnte Spuren einer Verletzung Der rechten Hand bei ihm nachweisen. Die Der Angeklagte nicht recht erklären konnte. Diese InDizien genügten, um ihn vor Gericht zu bringen.
Hochschulnachrichten.
Die Versetzung Des orDentlichen Professors der allgemeinen Pathologie und pathologischen Anatomie Dr. Emst L e u p o l D von der Universität Greifswald in gleicher Eigenschaft in die medizinische Fakultät der Universität Köln ist bestätigt worden, •• ▼


