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3m neuen Echulhaus.

Mit Beginn des neuen Schuljahres werden die Um» und Erweiterungsbauten der Schillerschule und der Gewerbe­schule für den Schulbetrieb in Gebrauch genom­men. Damit ist ein neuer wichtiger Abschnitt im Schulwesen unserer Stadt erreicht, der eine wesentliche Vermehrung und Verbesserung der Unterrichtsräume bringt. Bei einem Abschluß eine- bedeutsamen Teilabschnitts unserer Gieße­ner Schulhausbauten erscheint ein Ueberblick über die jetzt vollendeten Arbeiten am Platze.

O e Schillerschule.

Da die Schillerschule bis auf weiteres noch als Mädchenschule benutzt wird bis der Schul - Hausbau in den Eichgärten, der zur -Zeit noch stilliegt. vollendet ist kann eine Anzahl Räume (a. D. der Physikraum mi( Sammlungsraum, daS Dorbeceitungszimmer, der Werkunterrichtsraum) noch nicht ihrem eigentliche Zwecke zugeführt werden.

Mit der Herrichtung der im Anbau neuge­schaffenen Räume wurde gleichzeitig eine voll­kommene Renovierung des alten Schulhauses ver­bunden. Die Treppen und sämtliche Fußböden wurden erneuert, in den alten Klassenräumen fanden an Stelle des bisherigen schmutzig-grauen Anstrichs neue und frische Farben Verwendung, wie überhaupt im ganzen Schulhause die einheit­liche und frischere Farbengebung einen sehr guten Eindruck macht. Die Einrichtungsgegenstände der Klassenzimmer, wie Bänke und Tafeln usw., sind in den letzten Wochen auch einer gründlichen Reparatur unterzogen und neu angestrichen wor­den. 3m Schulhofe wurde die alte, unhhgienische Abortanlage beseitigt und dafür eine neue, mo­derne hygienische Anlage im Untergeschoß des Schulgebäudes geschaffen. Die Turnhalle wird mit einer Reihe neuer Turngeräte ausgestattet, wodurch sich auch hier die Verhältnisse gegen früher wesentlich bessern werden. Das Aeußere des Gebäudes hat einen Hellen Anstrich erhalten. Die früher mit Oelfarbe überstrichenen Werk­steine sind neu bearbeitet worden und erscheinen jetzt wieder in ihrer natürlichen Struktur.

Rach der Fertigstellung des SchulhausneubaueS in den Eichgärten und der endgültigen Verteilung der Klassen wird es möglich sein, in den ausge­dehnten Räumen der Schillerschule etwa 1000 Kinder nach neuzeitlichen Gesichtspunkten unter­zubringen. Die Kinder und die Lehrer, die wäh­rend der Um- und Erweiterungsbauzeit in den Behelfsbauten in der Rodheimer Straße und in der Gabelsbergerstraße untergebracht waren, wer­den sich in den neugestalteten Unterrichtsräumen der Schillerschule sicherlich Wohlsühlen.

Oie Gewerbeschule.

3n den umgebauten und angebauten Räumen des Dewerbeschulgebäudes in der Kirch- und Wehsteinstraße werden drei UnterrichtSabteilun- gen der Fortbildungsschule untergebracht: 1. die allgemeine Abteilung, 2. die gewerbliche. 3. die Wädchensortbildungsschule. Diese drei Abteilun­gen waren bisher zum Teil in der Alten Klinik und in dem alten Schulgebäude in der Reustadl zu Hause.

Die Klassenräume in dem bisherigen Gewerbe» schulhaus in der Kirchstrahe wurden vollkommen neu hergerichtet. Bei dem Um- und Erweiterungs­bau ist auch eine klare Trennung der Zugangs- mvglichkciten für diese drei Fachgruppen vor­genommen worden.

Dir Mädchenfortbildungsschule hat ihre Räume zum Teil im Kellergeschoß des neuen Hauses, zum Teil im ersten Obergeschoß dieses Gebäudes erhalten: im Kellergeschoß liegen die beiden Küchenräume mit dem dazu gehörigen Speisesaal und den erforderlichen Rebenräumcn. 3m Keller­geschoß des Altbaues sind erweiterte Werkstätten für die Gewerbe- und Maschinenbauschule herge- richtet worden.

Das Erdgeschoß des Neubaues dient dem Unter­richt der allgemeinen Fortbildungsschule, ferner sind hier das zugehörige Rektorzimmer und die Biblio­thek untcrgebracht. Im Erdgeschoß des alten Baues sind die chandwerkskammer-Nebenstclle und die Räume des Gewerbevereins noch solange, bis der Neubau der Handels- und Gewerbcbank in der Goethestraße, wohin diese Bureaus dann verlegt werden, fertiggestellt ist. Nach dieser Uebersiedlung dürfte in diesem Erdgeschoß die gewerbliche Fort­bildungsschule ihr Heim finden. Diese hat vorläufig ihre Unterrichtsräume in der Hauptsache im ersten Obergeschoß des alten Hauses, während im ersten Obergeschoß des Neubaues vier Klassenräume für die Mädchenfortbildungsschule bestimmt sind.

Im Dachgeschoß des alten Gebäudes stehen der gewerblichen Fortbildungsschule noch fünf Unter- richtsräume mit den dazu gehörigen Nebenräumen zur Verfügung, während im Dachgeschoß des neuen Anbaues die Mädchenfortbildungsschule die Wasch­küche und das Bügelzimmer hat. Im Dachgeschoß des Altbaues befindet sich ferner noch die Wohnung des Hausmeisters.

Wie bei der Schillerschule, so wurden auch bei dem Gewerbeschul-Um- und Erweiterungsbau die Pläne vom städtischen Hochbauamt ausgearbeitet und die Bauarbeiten unter der Leitung des Hoch­bauamtes ausgeführt. Dabei waren fast ausschließ, lich Gießener Firmen und Handwerker beschäftigt.

gto- der provinzialbauptstabt

Gießen, den 19. April 1930.

Ostern

Die Berichte der Bibel von der Auferstehung Jesu [inft von einer besonderen Zarcheit und Innigkeit, so daß sie dem erhabensten Werke dichterischer Ge­staltung gleichkommen. Als Jesus starb, war eine Sonnenfinsternis in Kleinasien, lieber das Land, pa, eben noch im Frühlinassonnenschein geglänzt hotte, breitete sich fahles Zwielicht aus, ängstlich riefen die Stimmen der Tiere von den Feldern her, ängstlich flatterten die Vögel von Baum zu Baum, und über die Menschen kam ein lähmendes Ent­setzen. Besonders über die Getreuen Jesu. Sie waren tödlich getroffen, alle ihre Hoffnungen waren ent- sanken, sie verbargen sich in Schlupfwinkeln, an denen in der Großstadt Jerusalem kein Mangel war. Zwei Tage dauerte dieser Zustand an. Aber wie noch einem langen Winter panz unvermerkt Licht und Wärme kommen, wie einem Kranken die Ge­nesung naht, ohne daß er den Umschwung in fei­nem Zustande recht wahrnimmt, so ging es auch hier. Mit leisem Jlügelschlage regte sich die Hoff- nung, und. durch die Reihen der Anhänger Jesu, von Mund zu Mund g'ng die Kunde: Er lebt. Ueber allen Berichten von den Erscheinungen des Auferstandenen liegt es wie verhaltene Wehmut, aber gleichzeitig regen sich Freude und Hoffnung. In der Morgendämmerung und im abendlichen Dunkel erscheint Jesus den Seinen, den drei Frauen, die frühmorgens, ehe die Hähne krähen, durch die schweigenden Straßen gehen, den Emmausiüngern auf dem Wandersteige zur Zeit, da Tag und Nacht ineinanderschwimmen, dem Jünger Thomas in der Stille eines abgelegenen Raumes. Alle diese Be­richte sind ein Gewebe aus Morgenlicht und Früh- linasstimmung, Weinen und Lachen schlingen sich ineinander: aber wie in musikalischen Schöpfungen aus dem Gewoge der begleitenden Töne eine Grund­melodie herausklingt, so klingt hier das Wort her­aus, das Jesus geredet hat:Ich lebe und ihr sollt auch leben."

,Hch lebe." Jesus lebt in seinen Aposteln, die von dem zeugen, das sie gesehen und gehört haben. Er lebt in den Märtyrern der christlichen Kirche, die auf dem Scheiterhaufen, vom Rauche halb er- stickt, riefen: Kyrie eleison, Herr erbarme dich unser! Jesus lebt in Luther, der in den weltgeschichtlichen Kämpfen, die er zu bestehen hatte, die Gewohnheit hatte, auf einen Zettel, der vor ihm lag, zu schrei­ben. vivit, er lebt. Man denke sich Ostern und Aus. erstehungsglauben aus der Welt hinweg, da müh­ten alle sittlichen Ordnungen zerfallen, alle Weihe wäre aus dem Leben hinweggenommen, alles Stre­ben nach Dingen, die jenseits der Sinnenwelt liegen, müßte zu Ende gehen.

Ihr sollt auch leben. Was das heißt,leben", dar­über gehen die Ansichten der Menschen weit aus­einander. Für viele heißt leben, sich ausleben, ohne Hemmung den Trieben gehorchen, bis das schale Ende da ist. Andere und wahrlich nicht die schiech- testen sind der Ansicht, leben heiße rastlos arbeiten, ohne Ruhe aufbauen, zusammenbringen, gewinnen: diese vergessen, daß dabei die Seele ohne tieferen Inhalt bleibt. Der alte Matthias Claudius hat ge­sagt:Man muh nicht alles glauben, was man sieht und was man die Leute sagen hört. Was sie Tod nennen, das ist oft Leben, aber was sie Leben heißen, ist nichts anderes als wie eine Grube voller lotengebcine." Das wahre Leben ist da, wo ein Mensch von der Kraft Gottes erfüllt im Hinblick auf Jesus täglich an sich arbeitet, daß er reifer und voll- kommener werde, wo er in Selbstverleugnung und Liebe den anderen zur Seite steht und von der Hoffnung getragen wird, daß er auch in aller Ewig­keit Gott angeboren wird. Das Grauen vor dem Tode kann nur durch die christliche Auferstehung besiegt werden. Es mag ein Mensch sich noch so

sehr von allen religiösen Bindungen frei gemacht haben und von dem ruhigen, schmerzlosen Eingehen in das ewige Nichts reden, im Angesichte des nahen Todes ist er unfrei. Friedrich der Große hat über (einen Gesinnungsgenossen Voltaire ein sehr hartes Irteil gefällt: er hat gejagt:Voltaire wird wie ein Feigling sterben mit ein paar Fronziskanermönchen an seinem Sterbebette. Ich kenne ihn, er glaubt an nichts, aber er hat Angst vor allem."

Ungefähr vor 40 Jahren erregte das Bild einer deutschen Künstlerin großes Aufsehen, es war be­nanntMors Imperator", der Tod als Kaiser, der Tod als Allesbezwinger. Diesem Silbe sei eine andere Darstellung gegenübergestellt, die sich auf einem Kirchenteppich befunden haben soll, den einst in der Reformationszeit die Bilderstürmer in Zürich zerstörten. Da sah man einen Baum mit reifen, roten Beeren. Auf einem Aste saß ein Vogel und pickte nach einer Beere. Hinter dem Vogel stand

ein Jäger und zielte mit der Armbrust nach dem Vogel. Hinter dem Jäger stand der Tod, um ihn zu packen, aber hinter dem Tode war Jesus zu sehen, der dem Tode feine Macht zu nehmen im Begriffe stand. Jesus Imperator! Das ist der Sinn des Osterfestes. H. D.

Bornotizen.

Tageskalender für Samstag. Lichtspielhaus Bahnhofstraße:Ungarische Rhap­sodie". Astoria-Lichtspiele:Zuchthaus" und Der Siegerpreis".

Tageskalender für Sonntag (1. Osterfeiertag). Stadttheater:Katharina Knie", 18.30 bis 22.45 Uhr. Liebigshöhe: Großes Militär-Streichkonzert, 16.15 Uhr. Lichtspielhaus Bahnhofstraße:Ungarische Rhap­sodie". Astoria-Lichtspiele:Zuchthaus" und Der Siegerpreis".

Tageskalender für Montag (2. Osterfeiertag). Stadttheater:Panne um Mit­ternacht". 19 bi» 21.30 Uhr. Gießener Theater­vereinigung: Familienabend mit Tanz, 20.15 Uhr, Kath. Dereinshaus. Lichtspielhaus Bahnhof­straße: Tonfilm-OperetteLiebeSwalzer". Astoria-Lichtspiele:Zuchthaus" und.Der Sieger­preis".

Stadttheater Gießen. Wan schreibt uns: 1. Feiertag:Katharina Knie". Seiltänzer­stück von Zuckmayer. Beginn 18.30 Uhr Fremden­vorstellung. Ermäßigte Preise. 2. Feiertag: .Panne um Mitternacht" (Gastspiel des Reuen Operetten-Theaters Frankfurt a. M), Operette in drei Akten von Hanns Deckner, Musik Harry Waldau. Beginn 19 Uhr. Fremdenvorstellung. Ermäßigte Preise. Dienstag, den 22. April, wird zum ersten Male in dieser Spielzeit «ine Operette mit eigenem Ensemble aufgeführt, und zwar unter der Spielleitung des 3ntendanten Dr. Prasch:3n der 3ohanmsnacht". Musikalische Leitung Kapellmeister Fritz Euje: Choreographie Ewald Bäulke. Die Rolle der Großmutter wird Auguste Prasch-Grevenberg geben. Diese ®aft- roUe ist eine der besten, die Auguste Prasch- Grevenberg bisher gespielt hat. Es sind ferner beschäftigt die Damen Doering, Fuhrmann, 3ahn, Mewes, Schubcrt-3üngling und die Herren HaiS. Hub, Linkmann, Wahlen. Zingel.

** Dienstjubiläum des Postdirek- t o r s S e e l i g. Am Ostermontag kann Postdirek- tor Seelig vom hiesigen Postamt auf eine 40jährige Tätigkeit im Dienste der Deutschen Reichspost zurückblicken- Ueber die Hälfte dieser Zeit hat Herr Seelig in guter alter Beamten­tradition namentlich unter den schwierigen Ver­hältnissen der Kriegs- und 3nflationsjahre feine Arbeitskraft restlos in den Dienst des Verkehrs und damit der Allgemeinheit gestellt. Wegen seiner schätzenswerten menschlichen Eigenschaften erfreut sich Postdirektor Seelig bei den ihm unterstellten Beamten allgemeiner Beliebtheit. Cs ist daher verständlich, wenn ihm bei seinem Amtsjubiläum zahlreiche Glückwünsche dar- gebracht werden. Auch in der Bürgerschaft ge­nießt Postdirektor Seelig die Wertschätzung weitester Kreise, nicht zuletzt auch seitens der Presse, mit der er durch seine dienstliche Tätig­keit in vielfältige und stets angenehme Bezie­hungen gekommen ist.

** Die städtischen Musee» sind am ersten Osterfeiertag zu kleinen Preisen, am zwei­ten Feiertag zu gewöhnlichen Preisen geöffnet.

** Die städtische Kunstsammlung im Reuen Schloß, Eingang Senckenbergstraße, ist am ersten Osterfeiertag von 11 bis 13 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Kinder haben nur in Begleitung Erwachsener Zutritt.

** Tonfilm-Operette in Gießen. 3m Lichtspielhaus Bahnhofstraße läuft ab Montag, den 2. Osterfeiertag, täglich die erste deutsche hundertprozentige Tonfilm-OperetteLiebeS- w a l x e r". Dieses Werk, das bereits in vielen deutschen Großstädten einen ausgezeichneten Er­folg zu verzeichnen hatte, dürfte auch für Gießen ein besonderes Ereignis werden und seine An­ziehungskraft auf das am Film und Tonfilm interessierte Publikum nicht verfehlen. 3n den Hauptrollen: Willi Fritsch und Lilian Harvey.

** Rinder markt in Gießen. Der nächste Rindvieh-(Rutzvieh-)Markt in Gießen findet am Mittwoch, 23. d. M., statt. Die Auftriebszeit ist am Markttage von 7 biS 8,30 Uhr. Der nächste ©djtoeinemarft findet am 7. Mai statt. (Dergl. die heutige Dekanntmachung.)

(Weitere Lokalnachrichten im 3. Blatt.) Verantwortlich für Politik: i. D.: Ernst Blumschein.

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