Preußen.
Gedanken zum Bußtage!
Von Neinhol- Braun.
Da steht er mitten unter seinen grauen Brüdern und will ein rechter „Werk"-Lag sein, wenn auch in einem ganz besonderen Sinne, ein Werktag, der nicht der Erde gilt, sondern dem Himmel in unserer Brust. Ein Werk will er treiben, nicht eins mit dröhnenden Hämmern und funkensausenden Rädern, sondern eins, das wie aus Mutterbehutsamkeit heraus und doch mit der Herbheit des heilig Wollenden geschieht.
Gottes-Werktag! Erfülle dich an uns! Wohl dem Menschen, der guten Willens zu dir ist! Wohl dem Volk des guten Willens! Deine grauen Brüder, du Werktag, rufen auf zur Weltzugehörigkeit im Sinne des Schaffertums; du aber rufst uns heim in die ernste, wache Ichzugehörig- keitl Zeigen willst du uns wieder, daß wir nur in solchem Wechsel bestehen können, dah Innentat so wichtig ist, wie Äuhentat, und dah wir uns zu einem rein Maschinenhaften Dasein herabwür- digen oder diesem verfallen, wenn wir jede Innentat außer acht lassen, oder sie zu gering cinschätzen. Du zeigst uns, dah wir ohne Innenwerk den Hcimatgrund unseres Lebens verlassen und als ewige Fremdlinge im Kreise irren. Dem Anrast-, dem Tempomenschen unserer Tage stellst du dich mit dem Gesicht des gottgesandten Bruders entgegen und rufst ihm sein wahres Ziel ins Gewissen.
Freilich, unendlich viele rasen an dir vorüber mit dem Antlitz der falschen Zielstürmer. And andere wieder, die du zwingst, dennoch zu verharren, schauen dir wie leere Masken ins Gesicht und wissen nichts mit deinem Rufe anzufangen. Sie verstehen deine Sprache, die alte Heimat-Seelensprache, nicht mehr. Das Wort Gottes ist ihnen ein Spott geworden: aber das Wort Mammon schlägt in sie wie ein dionysisches
Feuer. Aber es kommen auch andere auf dich zu. Sie haben den Schritt der Sinnenden und Feiervollen, der vom heiligen Ernste Geprägten. Sonst sind sie wirklichkeitstreue Werker. Aber heute merkst du an ihren Augen, ihren frommen Gebärden, dah sie Brüder und Schwestern der ur-. alten Sucherschaft, der Freunde vom heimischen Leben sind. Sie gehören zu denen, die noch die alte Kunst hochanschlagen, sich selber immer wieder zu begegnen, die noch die alte Herzensfähigkeit haben, auf sich selber zuzuwandern. Es sind auch die sonst innerlich stets Gradwegigen und Grund-Ehrlichen, die wahrhaft Zuverlässigen, weil sie zunächst auf sich selber acht haben und immer darauf hinaus sind, dah inwendig bei ihnen alles stimmt. Ihnen ist die innere Reinlichkeit Lebenselement.
Sie grühen dich, den Gottes-Werktag, als einen, der ihnen in seiner herben Ruhsamkeit und zu- .gleich heilig-ernsten Wachheit von neuem in all der Hast des kampfvollen Daseins Gelegenheit gibt, sich im eigenen Kern zu befestigen, ewiges Licht über das Innenland gleiten zu lassen und alle Innendinge in die alte, gnadenhafte Gott-, bezüglichkeit zu rücken, alles aus sich hinauszutun, was nicht zu ihnen gehört. AÄe Welt- und Berufsdinge tun sie gleichsam von ihrem Tisch herunter, entzünden Kerzen der Andacht darauf und räumen dem Heiligen einen Ehrenplatz ein. ilnt> ihre Seele feiert ein heimlich Abendmahl.
Solch stilles Werk an sich selbst segnet sich dann wundersam in ihr Leben und ihre Liebe ein. Und mit dem Licht der ewigen Sternenbahn angefüllt, schreiten sie zu neuem, kryftvollen Tun ins Leben zurück.
3632 Studierende im Marburger Wintersemester.
WSR. Marburg, 17. Rov. Am Samstag gingen die Immatrikulationen zum Marburger Wintersemester zu Ende. Insgesamt haben sich 3632 Studierende
einschreiben lassen (2870 Männer und 762 Frauen). Dcnnit ist die bisher höchste Studierendenzahl zu einem Wintersemester wieder um einige Hundert überboten. Auf die einzelnen Studienfächer entfallen folgende Zahlen: Theologen 346 Männer, 28 Frauen: Rechts- und Staatswissenschaft 670 Männer, 44 Frauen; Medizin 808 Männer, 127 Frauen: Philosophie 1046 Männer, 563 Frauen.
Oer neue Bürgermeister von Wehlar.
Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".
JJWetzlar, 18. Noo. Di- WetzlarerStadt- oerordnetenversammlung wählte gestern abend in einer geheimen Sitzung, die bis in die späten Nachtstunden andauerte, den bisherigen zweiten ehrenamtlichen Beigeordneten Dr. Hugo Bangert (Wetzlar) zum Bürgermeister der St a d t Wetzlar. Für den neuen Bürgermeister wurden sämtliche 15 Stimmen der bürgerlichen Parteien, außerdem die Stimme der sozialdemokratischen Stadtverordneten Frl. Holland abgegeben, während sich die übrigen sozialdemokratischen MitgliederdesStadtparlamentsnicht an der Wahl beteiligten. Die Stadtverordnete Frl. Holland trat wegen ihrer Stellungnahme bei der Bürgermeisterwahl aus der sozialdemokratischen Stadtoerordnetenfraktion aus und legte nach Schluß der Sitzung ihr Stadtoerordnetenmandat nieder.
Bürgermeister Dr. Bangert wurde am 16. Mai 1890 geboren, er steht also im 41. Lebensjahre. Am 17. November 1929 wurde er als Mitglied der Deutschen Bolksoartei in die Stadtverordnetenversammlung und Anfang 1930 zum ehrenamtlichen Beigeordneten der Stadt Wetzlar gewählt. Seit Anfang September d. I. verwaltete Dr. Bangert nach dem Ausscheiden des verstorbenen Bürgermeisters Dr. Kühn den verwaisten Bürgermeisterposten. Beruflich war der neue Bürgermeister bisher als Syndikus
für Wirtschaftsfragen bei den Buderusschen Eisenwerken in Wetzlar tätig.
Kreis Wetzlar.
3 Dutenhofen, 17. Nov. Beim Fischen in der Lahn sah ein Mann von hier etwa 100 Meter oberhalb der hiesigen Lahnbrücke in Ufernähe einen Fahrradsattel aus dem Wasser hervorragen. Die Nachforschungen ergaben, daß ein Fahrrad, an einem Weidenbusch angelehnt im Wasser stand. Der Fund wurde aus dem Wasser geholt und in polizeiliche Verwahrung genommen. Es handelt sich um ein im allgemeinen noch gut erhaltenes Fahrrad, Marke Ideal, schwarzer Nahmen, schwarze Felgen mit grünen Streifen, Torpedofreilauf. Die Möglichkeit liegt vor, daß das Rad irgendwo g e st o h l e n und in den Weidenbusch der Lahn versteckt worden ist.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
Diesen Winter vollzieht sich im Kaffee-Konsum ein großer Amschwung. Durch die Rot der Zeit hat so manche Hausfrau zu Misch- oder Getreide- Kaffee übergehen müssen. Dank „Webers Carls- bader" wurde ihr dieser ile&crgang Vicht allzu schwer; denn jedes Kaffeegetränk wird Lmr^„We- ber's" kräftiger im Geschmack und schöner im Aussehen. 7088V
Gesundes Blut im Körper bringt Wohlbefinden, sind die roten Blutkörperchen in der Minderheit, so stellen sich allerlei Beschwerden ein. ßeciferrin besitzt die Fähigkeit, in hohem Maße blutbildend zu wirken, es kräftigt den Körper, beseitigt die Beschwerden und macht die Betreffenden froh und zufrieden. 7808V
Die Adam Opel AG. veröffentlicht heute das Ergebnis ihres Preisausschreibens. Bekanntlich war die Zahl der eingegangenen Lösungen so groß (1,5 Millionen), daß die ursprünglich für den 22. Oktober beabsichtigte Bekanntgabe des Resultats bis heute hinausgeschoben werden mußte. 1344V
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