Nr. 244 Drittes Blatt
Somstag, 18. Oktober 4930
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Oberheffen.
Oer Wafferleitungö- und Kanalisationsbau in Klein-Linden
g. Klein-Linden. 17. Oft Der Gemeinderat beschäftigte sich am Dienstag und am gestrigen Donnerstag mit dem Dau der Wasserleitung in unserem Orte. In der Sitzung vom Dienstag gab Regierungsbaurat Steinbach vom Kulturbauamt Gießen die Angebote zur Ausführung der Wasserleitungsarbeiten bekannt. Anschließend folgte eine Aussprache des Gemeinderats über diese Angebote. Im weiteren Verlaufe der Sitzung wurde Hebet ein- stimmung dahin erzielt, daß von der Anschaffung von Wassermessern zunächst Abstand genommen werden soll. Den Vertragsentwurf mit der Stadt Gießen über die Wosserlieferung will der Gemeinderat in einer besonderen Sitzung noch einmal beraten. In der Sitzung am gestrigen Donnerstag beschäftigte man sich mit den Angeboten der Firmen Weimer (Gießen), M. Abermann (Gießen) und der hiesigen Unternehmer. Aach längerer Aussprache wurde die Ausführung der in Los II und III enthaltenen Wasserleitungs- und K'anal- arbeiten der Firma M. Abermann (Gießen- zu ihrem Angebotspreis für beide Lose von 175 682,97 Mari übertragen. Die Ausführung der Arbeiten und Lieferungen des Loses II soll die Firma durch hiesige Maurermeister vornehmen lassen. Weiter soll der Unternehmer neben anderen Erwerbslosen auch noch Wohlfahrtserwerbslose der Gemeinde und solche Erwerbslose, die während der Vauzeit ausgesteuert werden, beschäftigen. Bemerkt sei, daß das Angebot der hiesigen Unternehmer um 6000 Mark teurer war, als das Angebot der Firma Abermann. In einer neuen Sitzung des Gemeinderots am nächsten Dienstag soll die Lieferung von Kanalartikeln vergeben werden.
Landkreis Gießen.
£ Wieseck, 18. Oft. In der gestrigen Sitzung des Gemeinderats wurde die Kanalisierung, dos Legen der Wasserleitung und die Chaussierung der Gortenstroße, sowie die Kanalisierung eines Teiles der Jungfernstraße beschlossen. Die Lieber« deckung und dos Walzen der Kornblumenstraße, deren Kosten zirka 5000 Mark betragen, wurde ebenfalls genehmigt Die Mittel hierzu sind sichergestellt. Einem Gesuch des Radfahrervereins um Herabsetzung der Festplatzgebühren wurde stott- gegeben, aber nur deswegen, weil der Festplatz noch nicht vollkommen fertiggestellt war und der Verein durch die Verregnung des Samstags einen größeren Einnahmeausfall zu verzeichnen hotte Ein Schreiben des Turnvereins 1862 gab Veranlassung, di« Sportplatzfrage wieder aufzurollen Nachdem allgemein anerkannt wurde, daß dem Arbeiter- Turn- und Sportverein sein Vorzugsbenutzungsrecht nicht zu Unrecht erteilt sei, wurde vorgeschla- gen, diese Angelegenheit der Baukommission zu überweisen, die sich mit den Vorständen der beiden Vereine über die Benutzung des Platzes in Verbindung setzt, um eine Einigung herbeizuführen. Ferner wurde angeregt, einen zweiten Sportplatz auf dem Festplatzgelände zu schaffen. Dem Bauvorhaben von Karl Volzel hoben sich Schwierigkeiten durch die Umlegung der elektrischen Hochspannungsleitung entgegengestellt, doch hofft der Gemeinderat daß es dem Bürgermeister gelingt, im Einvernehmen mit dem Elektrizitätswerk diesen Mißstand zu beseitigen. Schuldiener wird Wilhelm Weller IX., auf den das Los fiel; 33 Bewerbungen lagen vor.
g. Klein-Linden, 17 Ott. Der hiesige Schutzmann Horst Grönke. der im Januar an Stelle des langiährigen Polizeidieners Friedr Jung vom Gemeinderat a's Schuhmann angestellt wurde, ist vom Minister des Innern bestätigt und vom Kreisamt Gießen verpflichtet worden.
DerneueWwesi-euscheGwßsenderbeiMHIacker
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Göppingen Wm f.
Stuttgart \ o Pforzheim
Tubmgen
Bei Mühlacker (an der Vereinigung der Bahnstrecken Pforzheim—Stuttgart und Heidelberg—Stuttgart) wird ein neuer starker Großsender gebaut, der die Störungen durch die französischen Sender beheben soll. — Links: Eine eigenartige Aufnahme des Stahlgerüsts eines der beiden Antennentürme. — Oben: Die Türme des neuen Großsenders kurz vor der Fertigstellung. — Unten: Ausschnitt aus dem hauptsächlichsten Sendebereich des neuen Großsenders.
* Lich, 17. Oft. Der Geflügel zu chtver- ein für Lich und Umgegend veranstaltet am Samstag und Sonntag, 18. und 19. Oktober, hier in Steins Saalbau am Vahnhof eine l o - kale Geflügelausstellun^, zu der rund 200 Ausstellungsnummern angemeldet sind. Heben sämtlichen Hühnerrassen werden auch Tauben und Enten, sowie Zwerggeflügel in der Schau vertreten sein. Die umfangreiche Zahl der Anmeldungen, trotz des frühen Termins, beweist, daß die Vereinsmitglieder in reger Weise an den Zielen des Vereins mitarbeiten. Die Schau soll allen Freunden der Geflügelzucht Gelegenheit zu einem umfassenden lieberblick über die heutige Leistungsfähigkeit auf dem Gebiete der Geflügelzucht bieten.
Kreis Büdingen.
△ Aidda. 17. Oft. Die Ortsgruppe Ridda des DHV. entfaltet eine rege Tätigkeit und verwendet besonders auf die fachliche Ausbildung des Rachwuchses im kaufmännischen Beruf große Sorgsalt. Für den kommenden Winter veranstaltet die Ortsgruppe wieder Fortbildungskurse Der Unterricht findet in der Gewerbeschule unter Leitung des Buchhalters Knettenbrech statt.
y Echzell, 17. Oft. Der Bezirk Ridda der Kriegerkomera^schäft „H a s s i a" Helt hier in der „Traube" einen Bezirkstag ab, zu dem fast alle Kriegervereine des Bezirks Vertreter entsandt hatten. Der neugewählte Dezirksvorsteher, Bankvorstond S e u m aus Aidda, konnte feststellen. daß das Kriegervereinswesen im Bezirk im steten Aufblühen begriffen sei. Die Finanzlage des Dezirksvereins könne als günstig bezeichnet werden. Dr. vet. Hofmann aus Aidda wurde zum Bezirksrechner gewählt. Da der hies ae Kriegerverein demnächst sein 5(^ähr ges Bestehen feiert, wurde der Wunsch geäußert, daß mit dieser Feier das nächste Bezirksfest verbunden werden möchte Ein endgültiger Beschluß wurde noch nicht gefaßt. Der Musikverein Echzell füllte die Pausen durch einige Märsche und Konzertstücke aus.
preutzen.
Beitragsherabsehung
bei der Höchste Krankenkasse.
WSA. Frankfurt a.M.-Höchst, 17. Oft. Der Ausschuß der Allgemeinen Ortskrankenkasse hat beschlossen, die Beiträge von 7,5 auf 6Prozent herabzusehen. Für Mitglieder, die während ihrer Krankheit Lohn oder Gehalt beziehen und daher kein Krankengeld oder Hausgeld erhalten, wurde der Beitrag auf 5 Prozent ermäßigt. Die Anregung des Versicherungsamtes Frankfurt wegen Vereinigung der Höchster mit der Frankfurter Ortskrankenkasse wurde von den Arbeitnehmern und Arbeitgebern einstimmig abgelehnt.
Kreis Wetzlar
3 Dorlar, 17. Okt Di« Gemeindevertretung beschloß in ihrer jüngsten Sitzung die Fortführung der Rinnenpflasterung in der Sonnen» und Gartenstraße bis zu den Neubauten, die dort errichtet wurden. Die Mittel stehen hierfür bereit. Ein Gesuch des P o st st e 11 e n i n h a b e r s auf Gewährung eines laufenden Zuschusses wurde abgelehnt. Die Gemeindevertretung beriet dann über die Einführung der Biersteuer und be- schloß, in Anbetracht der ungünstigen Finanzlage, hcrvorgerufen durch den Bau der Wasserleitung und durch Wegebau, die Biersteuer ab 1. November zu erheben.
Spiclplan der Frankfurter Theater.
Opernhaus. Sonntag, 19. Oktober, 15 bis 17.30 Uhr. „Fra Diavolo" (geschlossene Vorstellung für Erwerbslose). 19.30 bis nach 22: „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny". — Montag, 20., 19.30 bis gegen 22.30 „Don Juan". — Dienstag, 21., 19.30 bis 22.15: „Cavalleria rusticana"; hierauf: „Der Bajazzo". — Mittwoch, 22., 19.30 bis nach 22: „Der Bettelstudent". — Donnerstag. 23.. 19.30 bis nach 22: „Aufstieg
und Fall der Stadt Mahagonny". — Freitag. 24.. 19.30 bis gegen 22.30: „Margarethe". — Samstag. 25.. 18.30 bis gegen 21: Konzert de« Internationalen Gesellschaft für Erneuerung der Kath Kirchenmusik. E. D. Frankfurt a. M. — Sonntag. 26.. 18 bis nach 22.30: „Lohengrin".— Montag. 27.. 19.30 bis nach 22.30: „Zar und Zimmermann".
Schauspielhaus. Sonntag. 19. Oktober, 16 bis gegen 17.30 Uhr „Turtüff". 20 bis gegen 22.30: „CharleyS Tante". — Montag. 20.. 20 bis gegen 21.30: ..Tartüsf". — Dienstag. 21., 19.30 bis gegen 23: „Geschichte Gottfriedens von Der- lichingen mit der eisernen Hand". — Mittwoch, 22., 20 bis gegen 22: „Mississippi". — Donnerstag. 23., 20 bis nach 22: „Salvermosers seltsame Seelenwanderung". — Freitag. 24.. 20 bis gegen 21.30: „Tartüsf". — Samstag. 25.. 20 bis nach 22: „Wie werde ich reich und glücklich" (zum erften- mal). — Sonntag. 26. 16 bis gegen 17.30: „Tartüsf". 20 bis nach 22 „Wie werde ich reich und glücklich". — Montag. 27., 20 bis gegen 22: „Mississippi".
(Sparen — ein Grundbegriff aller Wirtschaft.
(Manien zum Weltspartag 1930.
Es ist einige Jahr her, daß alle Welt von^Ratio- nalificrung zu sprechen begann. Als stch die Schleier der Inflation von den Dingen gehoben hatten, als man sah, was an realen Werten aus der Kriegs- und Nachkriegszeit übrig geblieben war, da macht« sich bald mit großer Dringlichkeit die Forderung geltend, mit den vorhandenen, gewiß nicht allzu reichlich bemessenen SDlitteln hauszuhalten, um möglichst große Erfolge zu erzielen. Eine fieberhafte Tätigkeit setzte in allen Zweigen des Wirtschafts- lebens ein, um die organisatorischen Voraussetzungen für die Erfüllung dieser Forderung zu schaffen. Daß dabei oft falsche Wege eingeschlagen und unter lieber- schätzung des rein Technischen übers Ziel hinaus« geschossen wurde, spricht nicht gegen die innere Berechtigung der Bewegung.
Schlagworte haben die Eigenschaft, daß sie allmählich aus der Mod« kommen. Deshalb verschwand auch das Wort „Rationalisierung" nach und nach wieder, um einem anderen Worte Platz zu machen, das zwar im Grunde dasselbe bedeutet, nur daß es nicht aus Amerika importiert und bedeutend älter ist: man fing an, vom Sparen zu sprechen! Sparen sowohl vom Standpunkt des einzelnen, als auch vom volkswirtschaftlichen Ganzen aus gesehen, erschien als die Forderung des Tages. Hatte bei dem Rationalisierungsfieber das technisch« Moment die beherrschend« Rolle gespielt, so wurde, wenn man jetzt Sparsamkeit empfahl, mehr die wirtschaftliche, und besonders die kapitalwirtschaftliche Seite des Problems betont. Ein Land, das eines Teils seiner natürlichen Erwerbsquellen beraubt und vor die Aufgabe gestellt ist, sich eine neue wirtschaftliche Existenzgrundlage zu schaffen, muß mit allen Kräften danach streben, einen Kapitalfonds aus eigenen Mitteln anzusammeln, es darf keinesfalls fein Einkommen vollständig aufzehren, wenn es sich nicht selbst die Hoffnung auf einen Wieder- aufstieg zunichte machen will.
Aber auch damit ist das Wesen des Sparbegriffs noch nicht erschöpft: Rationalisierung der Produktion und Kapitalbildung sind Dinge, die ungeheuer wich- tig sind und unter Umständen über das wirtschaftliche Schicksal eines Volkes entscheiden können. Aber es gibt Situationen, in denen man noch einen Schritt weiter zurückgehen und zunächst dem aller- primitivsten wirtschaftlichen Grundgesetz Anerkennung verschaffen muß: Einnahmen und Ausgaben in Einklang zu bringen. Eine solche Lage scheint augenblicklich gegeben zu fein, wo durch di« Weltwirtschaftskrisis die gewohnten Voraussetzungen für das Funktionieren des wirtschaftlichen Mechanismus umgeworfen zu fein scheinen. Wenn man heut«
Dackware.
auf mal
Von Felix Riemkasten.
Mütti nimmt zween Groschen und wickelt sie in Papier und nimmt sich Mananne vor. Sie klemmt Mananne zwischen die Knie und bohrt tief in den kindlichen Geist. Und Mananne laßt sich abrichten. r
Denn dies wird eine fabelhaft große Sache.
Weißt du, wo Bäcker Bartels wohnt?" Mananne nickt stärkstens. Ja, ja, ja, ja! „Da gehst du nun hin!" Ja. ja. ja, ja!
„Erst sagst du guten Tag und dann legst du das Geld auf den Ladentisch und sagst, du möchtest Brötchen holen. Und dann legst du die Brötchen in den Korb und kommst sofort wieder!"
Vatis Gesicht wird so breit und so verkniffen vor Vergnügen, daß er sich lieber wegwendet und zum Fenster hinaussieht. Und Mütti wiederholt den Auftrag dreimal und Mananne ist so ungeheuer stolz, so gehoben, so vielversprechend und rennt hinaus und hat den Korb total vergessen. Sie bekommt ihn nachträglich über den Arm gehängt und geht nun nochmals. Und Vati und Mütti treten auf den Balkon, um zu sehen, wie dies Ding sich vollzöge...
Alsdann erblicken sie Mananne unten vor dem Hause. Dor dem Hause rollt Hansi von nebenan
auf dem Roller. „
„Du kannst hier mal rollen . sagt Hansi zu ihr mit einer hohen Stimme.
„Ich kann doch nicht", sagt Mananne, „ich muß doch Brötchen holen. Ich habe hier viel Geld!
..Zeig 'mal!" „
Olein“, sagt sie, „das sieht bloß der Backer.
Hansi sagt: „Ich komme mit bei n CBader!
Zu 'n Bäcker", schreit Mananne entrüstet Sie schnauzt ihn fürchterlich an. Vati knufft Mütti in die Weichteile vor Vergnügen. Das dauert lange da unten. Zuletzt gehen die beiden los Hansi rollert auf dem Roller, Mananne aebt zu Fuß. Ihre Beinchen hacken energisch gegen das Pflaster. Und dann sind he- toeg L? D°um fperrt dos DlickML und D°t> und Mütti sehen sich an. Dati legt die Uhr einen Blumentopf und sagt: „Wir wollen
Hansi, und die ganze Sippschaft steht an dem Baume und hört zu, was Mananne ihnen erklärt.
„Ich muß schon Brötchen holen", sagt Mananne, „hier sind sie."
Und alle sehen in den Korb und fassen die Brötchen an. Mütti wird etwas blaß, aber Dati legt seinen starken Arm um sie.
Unten steht immer noch Mananne Sie steht breitbeinig und kühn Eines der Kinder ist noch so klein und dumm, daß es bestimmt nicht erfaßt, was vorgeht, aber die anderen sehen staunend auf Mananne und halten sie für groß und stark. Dann gibt Mananne ihnen allen die Hand und läßt sie hinter sich.
„Denn ich mutz nun nach Hause , sagt sie fest.
Hansi auf dem Roller rollert voran, hinter ihm her rennt Mananne mit ausklatschenden Sohlen, sie ist munter und frech, sie johlt und singt und schleudert den Korb mit den Brötchen im Kreise umher. Sie dreht sich im Kreise mit und Vati und Mutti müßten sich g genseitig halten vo u-lerbrüd- tem Gelächter Und dann fliegt ein Brötchen - wupp - weit hinaus aus dem Körbchen bis auf den Damm, es tanzt und wippt ein bißchen. und der große Hund, der dort umherlungert, er- schrickt zunächst und hat dann Mühe, das tanzende Brötchen zu erwischen.
Wau, wau. macht er freudig.
Da muß sich Vati längs legen auf die Chaiselongue und strampelt mit beiden langen Deinen.
Aus der Praxis.
Ein paar Pillen von Peter Purzelbaum.
In die Spr.chst-nde eines Berliner Arztes kommt ein Arbeiter der städtischen Kanalisation. Er klagt über ein schlimmes Dein.
Zeigen Sie mal her", sagt der Arzt.
Der Arbeiter entledigt sich also seiner Hose und präsentiert das Vein.
Aa hören Sie mal", entrüstet sich der Arzt, Sie hätten Ihr Bein aber vorher waschen können! Ich wette mit Ihnen, was Sie mir da »eigen ist das schmutzigste Bein von Berlin."
Die Wette harn Se Valoren, Herr Doktor", erklärte der Mann in aller Gemütsruhe, „ick zeije Ihn jetzt det andre Deen."
Müttt vermutet:
LULLl UKLUUllVl. rxi Z Jam l"
„Es ist vielleicht sehr voll beim T&ader. Und dann sehen sie schließlich Mananne daher- rnrnoTt päo hat vier Kinder bei stch, außer |
xinu Dann jtyvn uv ।„ kommen. Sie hat vier Kinder bei sich, außer
Ka- vor.
o^Und^der Sekundenzeiger fährt munter russell, der Minutenzeiger ruckt langsam
Diele Jahre vor dem Krieg erschien in der Universitätsklinik von Kiel ein stämmiger Landmann - anscheinend Mitte der vierziger Jahre - und bot dem Geheimrat v. Esmarch sein Skelett zum Verkauf an.
„Aber mein Dester" meinte Esmarch, „da I würden wir am Ende doch ein wenig zu lange | warten müssen, bis wir den Desih antreten könnten - was wollen Sie denn überhaupt mit dem Geld« anfangen ?"
„Ich will nach Australien auswandern, Herr Geheimrat."
*
Zu dem vor etwa 25 Jahren verstorbenen bekannten Dermatologen Lassar kam eines Tages ein Mann, der an Haarschwund litt.
Lassar untersuchte, schrieb ein Rezept und bedeutete dem Mann, er soll sich alle vier Wochen vorstellen.
„Ich wohne aber in Dreslau", entgegnete der Patient, „und kann doch unmöglich jedesmal deswegen nach Verlin kommen."
„Ra schön. Dann schicken Sie mir alle vier Wochen einige Haare. Ich untersuche diese und verordne dann das Weitere", sagte Lassar.
So ging das eine Zeitlang hin und her. Der Mann schickte Haare und Lassar Rezepte zu neuen Mixturen und Salben.
Eines Tages kam ein Brief:
„Einliegend wieder einige Haare — es sind meine letzten."
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Mitten in der Rächt wurde der Landarzt von einem Dauern aus dem Schlafe geklingelt. Er folgte dem Rufe und stolperte beim trüben Schein einet Oellaterne, mit der der Landmann den regennassen Weg beleuchtete, eine Stunde durch die Gegend, um dann festzustellen, dah es sich bei dem Krankheitsfall der Dauersfrau um eine lächerliche Lappalie handelte, zu welcher er auch noch am nächsten Tage viel zu früh gekommen wäre.
Aergerlich brüllte der Arzt den Bauern an:
„Wie könnt Ihr wegen solcher Dummheit mir die Rachtruhe stören!"
„Wissens, Herr Dottor", beruhigte chn der Dauer, „zahl'n könne ma eh net un da Ham ma Eahna bei der Rächt g'holt, dah S' wenigstens koa Zeit versäuma."
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Die beiden Landdvktoren — der „zweibeinige" und der „vierbeinige" - waren gut befreundet, was sie aber nicht hinderte, manchmal miteinander zu streiten. Der Tierarzt behauptete nämlich, sein Deruf sei der schwerere, denn seine Patienten könnten doch nicht reden und ihm mitteilen, was ihnen fehle. — eine Ansicht, die der Menschenarzt bestritt.
Eines schönen Tages erkrankte der Tierarzt und lieh seinen Freund holen. Dieser erschien und
Karlchen hat ein Markstück verschluckt.
Die Mutter eilt mit ihm zum Arzt, und der verspricht, mit Hilse von einigen Lösseln Rizinus und der entsprechenden Zeit die Geschichte in Ordnung zu bringen. Die Mutter kann jedoch nicht warten, und so bleibt Karlchen beim Onkel Doktor allein zurück. Das Geldstück erscheint bann auch wieder, und frohgemut trabt Karlchen nach Hause.
Unterwegs denkt er bei sich:
„Donnerwetter! Don der Mark muß doch mindestens ein Groschen für dich abfallen I"
Das Markstück wird also gewechselt, und zu Hause angekommen, zählt Karlchen neun Groschen auf den Tisch:
„Hier Mama, mehr hat Onkel Doktor nicht herausgekriegt."
stellte nun am Krankenbett die eine und andere Frage — doch hartnäckig schwieg der Patient und machte, als der Menschenarzt ihn auszankte, nur: „Muuuuh!"
„Mhmh!" sagte darauf der Doktor zur Frau des Patienten. „Hier habe ich ein Pulver aufgeschrieben, das geben Eie dem Luder zu schlucken und sollte es nicht besser werden, müssen wir notschlachten."
Während der Abendmahlzeit klingelt es an der Haustür, dann bringt das Mädchen einen Drief, der soeben draußen abgegeben worden sei, herein.
Der Arzt erbricht ihn und liest:
„Lieber Kollege, kommen Sie doch bitte heute abend zum Skat in den Goldenen Löwen. Desten Gruß, Meier, Schulze."
„Du mußt entschuldigen", sagt der Arzt zu seiner Frau, „dah ich dich heute abend allein lasse. Schwieriger Fall — zwei Kollegen. sind schon da."
Waö ist ein Dom?
Merkwürdige Frage, wird man denken, und doch ist sie gar nicht so merkwürdig, denn als kürzlich die Meldung durch die ‘Blätter ging, dah der Hamburger Dom verlegt werde, wird sich mancher gefragt haben, wo denn in Hamburg ein Dom stehe. Aber ein Dom ist zuerst mal der Teil eines Dampfkessels, ferner haben wir in Drandenburg an der Havel eine Insel, die auf den Ramen Dom hört. In Dreslau ist der Dom auch nicht nur eine Kirche, sondern auch der Rame des Stadtteils rings um das bischöfliche Palais, und in Hamburg ist der Dom der - Weihnachtsmarkt. Der also wird verlegt, und zwar auf den 16.210* vember bis 14. Dezember.


